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 Abbildung 5.1: Beginn der 5. Variation von Akt 3, Szene 3 aus Shakespeares Hamlet im 19 Rahmen einer Erkundung der Unlesbarkeit des Magazins Emigre.

dabei anhand des gleichen Abschnitts aus Shakespeares Hamlet (Akt 3, Szene 3) verschiedene Schriftarten erprobt, die sich nahe oder diesseits der Unlesbarkeit bewegen. Hier zeigt sich, wie sich (Un-)Lesbarkeit doch wieder ein Stück weit mit der Frage nach Transparenz und Störung verbinden lässt: Mehr Lesbarkeit, zumindest wenn sie als Lese-Effizienz operationalisiert wird, bedeutet nicht automatisch mehr Transparenz; die Lesbarkeitsforschung kann allerdings auch als Dokumentation eines habituellen Status quo in der Schriftrezeption genutzt werden. Um es mit Dirk Wendt auszudrücken: »Gute Lesbarkeit ist […] also gegeben, wenn hohe Übereinstimmung zwischen den Erwartungen des Lesers und der inhaltlichen, syntaktischen und typografischen Gestaltung des Textes besteht«.20 Wo mit diesen Erwartungen gebrochen wird, setzt Störung ein. Diese Störung ist allerdings genauso wenig von Dauer wie Transparenz, sondern muss wieder in den entgegengesetzten Aggregatzustand wechseln, wenn es nicht zu einer Zer-störung der medialen Situation kommen soll. Auch Abbildung 5.1 kennt somit den Zustand der Transparenz, der sich einstellt, sobald eine gewisse Vertrautheit mit den Formen geschaffen ist. Der Zusammenhang zwischen Lesbarkeit und Transparenz bzw. Störung ist komplex, auch deshalb, weil in der Literatur viele konkurrierende Definitionen von Lesbarkeit existieren, die oft eng an spezifische Operationalisierungen gebunden und damit nur schwer vergleichbar sind.21 Festgehalten werden

Indexikalität und Störung  —  43

19

Aus: Ohne Autor: »Across Illegibility«, in: Emigre 18 (1991), S. 16–25, hier S. 20. 20 Wendt: »Lesbarkeit von Druckschriften«, S. 14.

21 Wendt: »Lesbarkeit von

Druckschriften«, S. 19ff.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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