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Leerzeichen in der Diagrammatik. Die Zuordnung von Qualizeichen und Möglichkeit macht auch deutlich, warum diese Zeichenklasse allein keine Existenz in der Welt besitzen kann: Hierfür benötigt sie das Sinzeichen. Im gleichen Maße, in dem das Qualizeichen von der Möglichkeit und dem Monadischen geprägt ist, steht das Sinzeichen für Existenz – Existenz, wie sie jede Instanz des Wortes »und« auf diesen Seiten besitzt.31 Jede dieser Instanzen ist einmalig – was das Präfix »Sin« als Verkürzung von »Single« erklärt – und inkorporiert ein Bündel Qualizeichen.32 Kein Sinzeichen ist ohne Qualizeichen zu denken, was einleuchtet, da allgemein Zweitheit Erstheit voraussetzt. Umgekehrt ist das Qualizeichen zwar analytisch unabhängig vom Sinzeichen zu denken, nicht aber in der Realität: Dass ein Gefühl der Röte notwendigerweise als Sinzeichen verkörpert wird, ändert nichts an seinem Charakter als Qualizeichen.33 Was alle Instanzen von »der« auf dieser Seite als Sinzeichen teilen, ist mehr als ähnliche Qualizeichen-Bündel. Hinter ihnen steht eine gemeinsame Regel, die im Repräsentamen als Legizeichen modelliert wird. Wie das Qualizeichen besitzt das Legizeichen allein keine Existenz, sondern benötigt Sinzeichen als existente Replikas seiner Regel. Die Regel kann dabei konventionell sein, Peirces Regel-Verständnis umfasst aber auch alle anderen Formen habitueller oder natürlicher Verfestigung: Der regelhafte Gesang eines Vogels – regelhaft auch insofern, dass er eine regelhafte Reaktion bei anderen Vögeln hervorruft34 – kann also genauso LegizeichenAspekte besitzen wie ein konventionelles Wort. Das Legizeichen wird von Peirce dabei erst einmal amedial konzipiert:

[A] legisign has a definite identity, though usually admitting a great variety of appearances. Thus, &, and, and the sound are all one word.35 Dieser Konzeption kann hier nicht ohne weiteres gefolgt werden – denn ist es nicht auch Teil der Regelhaftigkeit aller Instanzen von »und«, dass sie aus drei Buchstaben bestehen, die hinreichende Ähnlichkeit zu den

Repräsentamen und Materialität  —  29

31 Es ist bezeichnend, dass der

Verweis auf gedruckte Worte die prototypische Exemplifikation des Repräsentamens und seiner Bestandteile ist. Beispiele hierfür finden sich unter anderem bei Wehde 2000, S. 67f. Pape 1989, S. 285, Liszka 1996, S. 36 und Peirce CP, 2.246. 32 Vgl. Peirce: CP, 2.245. 33 Vgl. ebd., 2.244.

34 Vgl. Liszka: A General

Introduction to the Semeiotic of Charles Sanders Peirce, S. 36.

35 Peirce: CP, 8.334.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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