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Das Repräsentamen wurde bereits in Kapitel 3 kurz eingeführt und teilt sich in Quali-, Sin- und Legizeichen. Wie so oft im Werk von C.S. Peirce existieren hier verschiedene Nomenklaturen für die verschiedenen Zeichenklassen, die Triade korrespondiert deshalb mit Tone (auch Tuone24 oder Tinge25), Type und Token bzw. Poti-, Acti- und Famizeichen.26 All diesen Triaden ist ihre Strukturierung durch die Kategorien der Erst-, Zweit- und Drittheit gemein. Auch wenn die begriffliche Dyade Type/Token enorme Verbreitung gefunden hat (bezeichnenderweise ohne Tone bzw. Tinge), soll hier im Weiteren die erste Nomenklatur verwandt und nur bei Bedarf auf die anderen Bezeichnungen zurückgegriffen werden. Wie alle Zeichen, die durch Erstheit bestimmt werden, ist das Qualizeichen geprägt durch seine monadische Struktur und Möglichkeit: Es ist in der Lage, eine positive Qualität bzw. deren Möglichkeit in die Semiose einzubringen. Das prototypische Beispiel für eine solche Qualität ist das »feeling of red«,27 ein Gefühl der Röte,28 das noch völlig ohne dyadische Kontextualisierung wahrgenommen wird. Jedes Zeichen-an-sich muss auf basalster Ebene durch ein Bündel solcher Qualizeichen bestimmt sein. Der potenzielle Aspekt ist dadurch gegeben, dass die durch das Qualizeichen eingebrachten positiven Qualitäten nicht tatsächlich existent sein müssen:

[…] Potisigns, or Objects which are signs so far as they are merely possible, but felt to be positively possible; as, for example, the seventh ray that passes through the three intersections of opposite sides of Pascal’s hexagram.29 Die Möglichkeit ist also nicht dadurch gegeben, dass in der Substanz eines Objekts zahllose Qualizeichen liegen, die auf ihre Aktualisierung warten, sondern dadurch, dass ein Qualizeichen schon in seiner Wahrnehmung als positive Möglichkeit einer Qualität zeichenhaft werden kann.30 Diese Bestimmung macht gleichzeitig die Beziehung von Materialität und Qualizeichen sehr komplex und eröffnet einen sehr spannenden Raum für

28  —  Repräsentamen und Materialität

22 Vgl. Wehde: Typogra-

phische Kultur, S. 64. 23 Vgl. ebd., S. 87.

24 Vgl. Liszka: A General

Introduction to the Semeiotic of Charles Sanders Peirce, S. 35. 25 Vgl. Charles Sanders Peirce: The Essential Peirce: Selected Philosophical Writings, hrsg. v. Peirce Edition Project, Bd. 1-2, (zitiert mit Band und Seitenzahl), Bloomington: Indiana University Press, 1992 und 1998, 2.488. 26 Vgl. Peirce: CP, 8.344.

27 Ebd., 2.254. 28 Dieses Gefühl der Röte korre-

spondiert mit der eher wenig verbreiteten Bezeichnung für die Erstheit des Repräsentamens »Tinge« also »Färbung«. Hier zeigt sich, dass die peircesche Semiotik gleichermaßen für visuelle wie auditive Phänomene konzipiert wurde.

29 Peirce: CP, 8.347.

30 Vgl. Helmut Pape: Erfahrung

und Wirklichkeit als Zeichenprozess: Charles S. Peirces Entwurf einer Spekulativen Grammatik des Seins, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1989, S. 286f.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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