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Im Interpretanten steckt noch eine weitere Idee, die vielleicht noch wichtiger ist, wenn es darum geht, eine Semiotik jenseits simpler Substitution von Zeichen und Objekt zu denken: Der Interpretant ist einerseits ein Effekt im Interpreten, andererseits ist er aber auch selbst ein Zeichen:

But a sign is not a sign unless it translates itself into another sign in which it is more fully developed. Thought requires achievement for its own development, and without this development it is nothing. Thought must live and grow in incessant new and higher translations, or it proves itself not to be genuine thought.18 Peirces Zeichenmodell ist also rekursiv und schließt Zeichen an Zeichen in einer Kette, die den Repräsentationismus immer weiter nach hinten verschiebt und doch von der regulativen Idee einer »final opinion« geleitet bleibt.19 Jedes Glied der Kette ist ein vollständiges Zeichen. Das bedeutet, an keiner Stelle findet ein cartesianischer Schnitt statt, der die materielle Welt von den Gedanken abschirmt – jeder Gedanke ist ein Zeichen, das als solches einer Materialität bedarf.20 Dieser Zusammenhang gilt genauso für Bedeutung, die Peirce ebenfalls über den rekursiven Prozess der Semiose fasst: »[T]he meaning of a sign is the sign it has to be translated into.«21 Wie Abbildung 3.1 zeigt greift Rekursion nicht nur in der Verkettung von Zeichen über den Interpretanten, sondern auch in der Zeichentypologie selbst: Jeder der drei Pole des Zeichenmodells ist wiederum in drei Unteraspekte organisiert. Die Unterteilung im Repräsentamen wird dabei ganz wesentlich das nächste Kapitel strukturieren, während der Objektpol detailliert in den Kapiteln 5 und 6 verhandelt wird. Die Unterscheidungen im Interpretanten sind im Kontext dieser Arbeit vor allen Dingen durch ihren Zusammenhang mit Inferenz interessant: Peirce unterscheidet hier zwischen Rhema, Dicent und Argument. Wie an allen anderen Stellen ist auch diese triadische Beziehung durch

18  —  Zur peirceschen Semiotik

18 Peirce: CP, 5.594.

19 Vgl. Dieter Mersch: Was

sich zeigt: Materialität, Präsenz, Ereignis, München: Fink, 2002, S. 229ff.

20 Vgl. Peirce: CP, 5.293.

21 Ebd., 4.132.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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