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Zweierzusammenhang stets durch den dritten Pol mediiert wird.12 Somit bringt auch erst Drittheit als Mediationsverhältnis eine Relation zwischen Erst- und Zweitheit jenseits ihrer diagrammatischen Abhängigkeit hervor und schafft somit die Grundlage für Reflexion jenseits singulärer Existenz und damit Verstand – Reflexion über die Einzelfälle der Zweitheit ist es auch, die erst Gesetzmäßigkeiten hervorbringt.13 Diese Bestimmung der Kategorien ist der Ausgangspunkt für das Zeichenmodell des Syllabus:

A Sign, or Representamen, is a First which stands in such a genuine triadic relation to a Second, called its Object, as to be capable of determining a Third, called its Interpretant, to assume the same triadic relation to its Object in which it stands itself to the same Object.14 Die erste Triade des peirceschen Zeichenmodells ist also die zwischen Repräsentamen, Objektpol und Interpretant – in Abbildung 3.1 findet sie sich deshalb im Zentrum. Dass Peirce sein Zeichen dreipolig denkt, ist enorm wichtig, da es einen Weg aus dem Repräsentationismus weist. Peirce umgeht die Vorstellung des Zeichens als einfacher Substitutionsfunktion durch die Einführung des Interpretanten: Durch diese Erweiterung stellt Semiose nicht einfach ein Verhältnis zwischen einem Objekt und einem Zeichen her, sondern wird stets durch den Interpretanten, also den Effekt der Semiose im Interpreten mediiert. Ein triadisches Zeichen ist also stets Zeichen für jemanden oder etwas15 und existiert nur »in actu«,16 also aus dem dynamischen Zusammenspiel der drei Pole in der Performanz der Semiose. Dieses Mediationsverhältnis muss auch berücksichtigt werden, wenn Peirce von der Determinierung des Dritten durch das Zweite spricht. Das Repräsentamen ist nicht Ursache für einen kausal verketteten Interpretanten, sondern stellt vielmehr eine Einschränkung dar, die im Prozess der Mediation greift.17

Zur peirceschen Semiotik  —  17

12 Was das Dreieck (   ) zu

einer denkbar schlechten Visualisierung der genuinen Triade macht – nichtsdestotrotz trifft man diese in der Literatur durchaus an. Vgl. etwa: Ludwig Nagl: Charles Sanders Peirce, Frankfurt a.M.: Campus, 1992, S. 43. 13 Vgl. Peirce: CP, 1.328.

14 Ebd., 2.274.

15 Der Interpret muss keineswegs

menschlich sein: Vgl. James Jakób Liszka: A General Introduction to the Semeiotic of Charles Sanders Peirce, Bloomington: Indiana University Press, 1996, S. 25. 16 Vgl. Stjernfelt: »Diagrams as Centerpiece of a Peircean Epistemology«, S. 367. 17 Vgl. Liszka: A General Introduction to the Semeiotic of Charles Sanders Peirce, S. 23.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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