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Erstheit muss vor jeder Repräsentation liegen, da diese bereits ein Zweites, zu Repräsentierendes voraussetzt. Sie geht also jeglicher Synthese voraus und kann damit nicht beschrieben oder gedacht werden:

Stop to think of it, and it has flown! What the world was to Adam on the day he opened his eyes to it, before he had drawn any distinctions, or had become conscious of his own existence – that is first […].6 Die Erstheit steht für Peirce dem Begriff der Möglichkeit nahe – mit dem bedeutsamen Unterschied, dass »Möglichkeit« im Sprachgebrauch eine Relation zu bereits Bestehendem beschreibt,7 während »Erstheit« eine Möglichkeit ohne Bezug bzw. eine Neuheit ohne Abgrenzung zum Alten darstellt. Zweitheit steht analog für die Dyade (   ) – hier wird also ein Gegenüber von Subjekt und Objekt fassbar. Dieses Gegenüber ist nur möglich, wenn das Eine und das Andere jeweils als Monade analysiert werden kann. Zweitheit setzt also aus seiner diagrammatischen Logik immer Erstheit voraus. Gleichzeitig kann die genuine dyadische Relation nicht in diese Erstheiten aufgelöst werden, sondern besitzt eine eigene Identität. In Zweitheit kann somit der Bezug zu den Dingen und ihrer Widerständigkeit analysiert werden: »The genuine second suffers and yet resists, like dead matter, whose existence consists in its inertia.«8 Hier ist somit eine Dynamik eingeschrieben, die ganz wesentlich die Frage nach Materialität im folgenden Kapitel prägen wird.9 Im Gegensatz zur flüchtigen Natur der Erstheit als Möglichkeit ist die Zweitheit von Peirce wesentlich »härter« gedacht und steht deshalb dem Begriff der »Existenz« nahe.10 So wie die Dyade Monaden voraussetzt und doch mehr als nur zwei Monaden ist, baut auch die Drittheit als Triade (   ) auf Dyaden auf und ist in ihrer genuinen Form doch nicht auf sie reduzierbar. Drittheit steht jenseits der Dualität von Subjekt und Objekt oder der Kausalität von Wirkung und Ursache11 und setzt drei Pole in eine Beziehung, in der jeder

16  —  Zur peirceschen Semiotik

6 Peirce: CP, 1.357.

7 Vgl. ebd., 1.531.

8 Ebd., 1.358. 9 Wobei die peircesche Bestim-

mung der »toten Materie« nicht unkritisiert bleiben soll. 10 Vgl. Helmut Pape: Charles S. Peirce zur Einführung, Hamburg: Junius, 2004, S. 125.

11 Vgl. Peirce: CP, 1.359.

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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