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Bonsiepe allerdings nicht, Materialität als Leerstelle einer designblinden Sozialwissenschaft auszumachen, die sich der Frage stellen muss, »wie es die sozialen Agenten eigentlich fertigbringen, effektiv zu handeln, ohne daß je explizit auf das materielle Substrat menschlichen Handelns in Industriegesellschaften eingegangen wird.«236 Auch Jörg Petruschat 236Bonsiepe: »Die sieben beschäftigt die Entmaterialisierung in seinem Editorial zu Ausgabe 4+5 237Säulen des Design«, S. 7. Ausgabe 4+5 setzt, was (1992).237 Bits als »reiner Inhalt«238 stellen die Unterscheidung von OrBindung und Papier betrifft, den von 2+3 eingeschlagenen nament und funktional bedingter Form auf die Probe, weil das Bit für Weg fort. Im Gegensatz zu Petruschat nichts bedingt.239 Die Perspektive des unmotivierten digitalen 2+3 ist das Heft allerdings recht deutlich zweigeteilt. Zeichens240 rückt die Sichtbarmachung der eigenen digitalen Werkzeuge Die ersten 16 Seiten sind im Vergleich etwa zu Emigre an den Rand: Im Bildmaterial finden sich der Theoretisierung der gestalterischen Moderne gelegentlich vergrößerte und oft einfarbige Pixel, die Titelseite von Ausgewidmet und unterscheiden gabe 6 etwa zeigt ein Muster, das klar digitaler Herkunft ist. Gerade eine sich sowohl von der Seitenzählung (Lateinisch) wie dem mikrotypografische Auseinandersetzung mit Vektor oder Pixel bleibt aus Farbschema (Orange, Tiefblau) – zumindest bis Ausgabe 11+12 (1995). stark vom restlichen Heft. Form+Zweck 11+12 erscheint im Jahr 1995 und wird wie bereits die 238Jörg Petruschat: »Editorial«, in: Form+Zweck 4+5 Ausgaben 7+8 und 9+10 laut Impressum nicht mehr von Grappa, sondern (1992), S. 3. von Cyan gestaltet. Hinter diesem Namen verbergen sich allerdings wei- 239Vgl. ebd. terhin Daniela Haufe und Detlef Fiedler, die als Mitglieder von Grappa ab 2402008 widmet Form+Zweck der »Fühlbarkeit des Ausgabe 0 an der Gestaltung beteiligt sind und diese wenig später vollDigitalen« ein ganzes Heft. ständig übernehmen. Thema der ersten Hälfte des Hefts ist die Reparatur, Die Perspektive bleibt also nicht unverändert. ein Themenkomplex, der untrennbar mit der Frage nach Störung verbunden ist. Wie Angelika Petruschat in ihrer Untersuchung historischer Lauten herausstellt, ist Reparatur dabei »kein vorgang bloßen wiederingangsetzens«,241 die Reparatur stellt also nicht einfach den Zustand wieder her, 241Angelika Petruschat: »Fecit – Gemacht«, in: der vor dem Eintreten einer Störung geherrscht hat, sie ist nicht allein Form+Zweck 11+12 (1995), korrektiv, sondern konstruktiv.242 Genau hier stoßen Design und ReparaS. 49–57, hier S. 49. 242 Vgl. Jäger: »Störung und tur aufeinander, denn das Reparieren widerspricht als kon­struktiver VorTransparenz. Skizze zur gang der Logik des industriellen Designs. Letzteres setzt dort an, wo das performativen Logik des Medialen«, S. 46. Handwerk aufhört, und definiert sich in der Gestaltung für die Massenproduktion. Den Replikas, die aus dieser Produktionsweise hervorgehen,

Störungen in der digitalen Typografie  —  167

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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