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Glyphe für sich genommen besitzen kann – also etwa Schriftart und -schnitt sowie die eingesetzte Druckerschwärze. Makrotypografie dagegen steht für das Arrangement von Glyphen in der Fläche der Seite und im Raum der Drucksache sowie für Eigenschaften, die Seiten und Drucksachen für sich besitzen können – etwa das Papier oder die Bindung. Auf dieser Ebene wird also beschrieben, wie Glyphen zu Wörtern, Zeilen, Absätzen und anderen mehrglyphigen Entitäten zusammenfinden. Die Definition der Mikrotypografie entspricht damit weitgehend der von Hartmut Stöckl,18 welcher sich – genau wie Susanne Wehde19 – für eine Dreiteilung in Mikro-, Meso- und Makrotypografie starkmacht.20 Mesotypografie beschreibt hierbei die Relationen von Glyphen, Wörtern und Zeilen, während Makrotypografie typografisch organisierende Zusammenhänge umfasst – ein Thema, das hier vor der Folie der Diagrammatik diskutiert werden soll.21 Eine Ausgliederung der Meso- aus der Makrotypografie erscheint deshalb für diese Arbeit nicht sehr produktiv. Über allgemeine typografische Begriffe wäre zweifellos noch viel mehr zu sagen und wesentlich mehr zu zeigen – beides Aufgaben, die etwa Ralf de Jong22 oder Indra Kupferschmid23 bereits beeindruckend gelöst haben. Für die Zwecke dieser Untersuchung ist vorerst keine weitere definitorische Arbeit an typografischen Grundbegriffen nötig – wo doch noch weitere typografische Fachbegriffe eingeführt werden, sind diese stets in Fußnoten erläutert.

Typografische Begriffsklärungen  —  13

18 Vgl. Stöckl: »Typographie:

Gewand und Körper des Textes. Linguistische Überlegungen zu typographischer Textgestaltung«, S. 22. 19 Vgl. Wehde: Typographische Kultur, S. 108. 20 Stöckl ergänzt die Dreiteilung noch durch eine vierte Klasse namens »Paratypografie«, in der er Materialität im Sinne von Substanz diskutiert: Vgl. Stöckl: »Typographie: Gewand und Körper des Textes. Linguistische Überlegungen zu typographischer Textgestaltung«, S. 23. 21 Vgl. ebd., S. 12. 22 De Jong/De Jong: Schriftwechsel. Schrift sehen, verstehen, wählen und vermitteln. 23 Kupferschmid: Buchstaben kommen selten allein.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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