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durch das komplette Doppelheft, während das zweispaltige horizontale Raster immer wieder aufgebrochen wird. Auf den folgenden zwei Doppelseiten des Interviews etwa wird der Mittelbereich mit Zeilen gefüllt, deren Abstand deutlich unter (S. 14-15) oder über (S. 16-17) dem des Innenbereichs liegt. Trotzdem ist die lineare Kohäsion des Satzzusammenhalts so stark, dass sich auf keiner der Seiten wirklich autonome diagrammatische Einheiten formieren. Dem vertikalen Weißraum wird seine strukturelle Diagrammatik entzogen. Dementsprechend können Zeilenumbrüche nicht länger inhaltliche Zäsuren markieren. Stattdessen setzen Grappa einen fetten Schnitt der Grotesk ein, um die Antworten von Maldonado zu untergliedern. Der einzige Ort, an dem horizontal Weißraum eingesetzt wird, ist im Anschluss an redaktionelle Fragen. Hier wird die trennende Kraft des farblichen Wechsels zwischen den beiden »Stimmen« des Interviews noch verstärkt. Der in der Mitte der Doppelseiten gewonnene Weißraum schafft den Raum für die Überschrift des Artikels. Wie zuvor ist auch hier der typografische Größenunterschied zwischen Text und Überschrift subtil. Anders als alle anderen hier vorgestellten Magazine zeigt Form+Zweck nur ein sehr mäßiges Interesse an mikrotypografischer Gestaltung – Sichtbarmachung durch Vergrößerung spielt in den ersten Ausgaben nach dem Mauerfall keinerlei Rolle. Umso wichtiger wird dafür ab Ausgabe 2+3 der Einsatz von Sonderfarben230 zur diagrammatischen Gliederung des 230Sonderfarben (teilweise auch Spot- oder Schmuckfarben Texts – ebenfalls ein Merkmal, das Form+Zweck vom Rest der hier ungenannt) sind nicht aus tersuchten Magazine abhebt. Der farbliche Wechsel ist es auch, der die Prozessfarben (etwa Cyan Magenta und Gelb) gemischt, Überschriftebene von den schneidenden Pfeilen trennt. Die Überschrift sondern werden gesondert ist wiederum von einem horizontalen Pfeil zusammengehalten, der nicht aufgetragen.Vgl. Gavin Ambrose/Paul Harris: Druck & allein deiktisch-indexikalisch, sondern diagrammatisch aufgeladen ist: Veredlung. Moderne Methoden Hier wird die Verbindung zwischen »Umwelt +++ Revolte« und »Die der Bild- und Textproduktion 231 und der Aufwertung von Zeit des Blindflugs ist vorbei« geschaffen. Beim fett gedruckten Teil Printprodukten, München: links des Pfeils handelt es sich nicht nur um die Unterüberschrift des Stiebner, 2009, S. 161. 231 Maldonado: »Umwelt und Texts, sondern auch um den Titel eines 1969 von Maldonado verfassten Revolte. Die Zeit des Blindflugs ist vorbei«, S. 12f.

Störungen in der digitalen Typografie  —  165

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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