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Heft komplett einfarbig bedruckt, ihm liegen allerdings mehrere Karten aus weißem Karton bei die, zumindest teilweise, farbige Abbildungen beherbergen. Konstanz zwischen den Ausgaben schafft vor allen Dingen das Format, das ab Ausgabe 2+3 bis Ende 1995 mit 21 x 32,3 cm225 gleich bleibt. Das Heft führt als Erstes eine Doppelnummerierung ein, mit der die sechsmonatige Verspätung kompensiert werden soll. Dementsprechend verdoppelt sich der Umfang von Nr. 1 auf 2+3 mit 128 Seiten genau. Die Verlagsanbindung von Nr. 1 wird aufgegeben – genauso wie das zaghafte Schalten von Werbung auf den letzten Seiten des Hefts. Stattdessen soll sich Form+Zweck ab Ausgabe 4 allein durch Abonnements und öffentliche Förderung finanzieren. Die Fortführung des bestehenden Abonnentenkreises erweist sich als schwierig: nicht nur, weil viele der Betriebe, an die Form+Zweck vor dem Mauerfall ging, nicht in der gleichen Form fortbestehen – auch der konzeptionelle Bruch des Magazins wird von vielen Lesern nicht mitgetragen.226 Dass sich Form+Zweck trotzdem weiter finanzieren kann, liegt einerseits daran, dass die Redaktion bzw. die Gestalter ohne Gehalt an Form+Zweck arbeiten, andererseits zahlen sich die Beziehungen in die Deutsche Hochschullandschaft aus, und Ausgabe 2+3 kann Gelder des Bauhaus Dessau für den Druck einwerben. Thematisch setzt Ausgabe 2+3 fort, was in den ersten zwei Ausgaben begonnen wurde, und berichtet deshalb über »Noch einmal Recycling/ Ökologie«.227 Abbildung 7.46 zeigt ein Interview mit Tomás Maldonado zu diesem Thema, das wiederum den Zwiespalt des Magazins klar macht. Obwohl Jörg Petruschat zum Neuanfang 1991 feststellt, »[a]lle wollten weg von der Ulmer, von der rationalistischen Tradition«,228 wird hier der ehemalige Rektor der Hochschule der Gestaltung Ulm interviewt. Die typografische Gestaltung macht klar, dass es sich nicht um ein Streitgespräch handelt: Maldonados Beiträge sind türkis, die der Redaktion rotbraun eingefärbt – dass hier Maldonado freier Lauf zum Monologisieren gelassen wird, lässt sich deshalb schon auf den ersten Blick ablesen. Wie

Störungen in der digitalen Typografie  —  163

225

A4

226 Vgl. Angelika Petru-

schat: »Leserbriefe«, in: Form+Zweck 2+3 (1991), S. 127.

227 Ohne Autor: »Inhaltsverzeich-

nis«, in: Form+Zweck 2+3 (1991), S. 4–5, hier S. 4.

228 Petruschat: »Quer.

form+zweck«, 272.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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