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7.6 Form+Zweck Unter allen Magazinen, die hier untersucht werden, ist Form+Zweck mit Abstand das älteste. Ab 1956 dokumentiert und kommentiert das Heft in unregelmäßigen Abständen das Industriedesign – bzw. in eigener Terminologie die »industrielle Formgestaltung« – der DDR und bildet so das Gegenstück zur westdeutschen Zeitschrift »Form«.214 Damit stellt Form+Zweck einen noch weitgehend unerschlossenen Längsschnitt durch DDR-Design und dessen Theoretisierung dar, der auch hier nicht voll erschlossen werden kann. Die Leitfrage nach Störung legt vielmehr nahe, die Untersuchung am Mauerfall auszurichten: Dieser stellt auf beiden Seiten der zumindest materiell eingerissenen Trennung ein kulturelles Störungsmoment dar – der Zusammenprall ostdeutscher Industriedesigner mit der westlichen Warenwelt besitzt dabei eine besondere Qualität. Bis dieser Zusammenprall auf den Seiten von Form+Zweck sichtbar wird, soll es noch ein Jahr dauern. Der Herausgeber des Magazins, das Amt für Industrielle Formgestaltung, bleibt bis zum Ende des Jahres 1990 bestehen und produziert in diesem Jahr noch drei Hefte, die gestalterisch und thematisch der eigenen Tradition treu bleiben – den Abschlusspunkt stellt eine sozialistisch gefärbte Auseinandersetzung mit dem Thema »Auf dem Lande« dar.215 Der Angelpunkt zum neuen Form+Zweck ist das Heft 4/1990, das zwar noch vom Amt für Formgestaltung mitfinanziert wird,216 aber schon auf den ersten Blick mit den vorausgehenden Ausgaben bricht und sich anschickt, die Situation von Ostdesignern im wiedervereinigten Deutschland zu protokollieren. Die Gestaltung dieser Ausgabe liegt bei Grappa, einer Designgemeinschaft, die sich bereits im März 1989 formiert und im wiedervereinten Berlin schnell einen Namen in der Gestaltung für Kultureinrichtungen macht. Abbildung 7.45 zeigt eine Doppelseite der vom langjährigen Redaktionsmitglied Jörg Petruschat rückwirkend als »Heft 0« betitelten Ausgabe 4/90.217 Zwischen den beiden Seiten läuft ein Wechsel des Papiers und

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214 Vgl. Jörg Petruschat: »Quer.

form+zweck«, in: Zwischen »Mosaik« und »Einheit«. Zeitschriften in der DDR, hrsg. v. Simone Barck/Martina Langermann/Siegfried Lokatis, Berlin: Ch. Links, 1999, S. 269–275, hier S. 269.

215 Vgl. Petruschat: »Quer.

form+zweck«, S. 270. 216 Vgl. Ohne Autor: »In

eigener Sache«, in: Form+Zweck 0 (1990), S. 0.

217 Vgl. Petruschat: »Quer.

form+zweck«, S. 272.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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