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digitalisiert wird. Auch bei der Mittelczyk existieren mit »Duo«, »Space« oder »Mix« verschiedene Schnitte, die jeweils andere Störungen am Ausgangsmaterial der Mittelschrift erproben. Anders als in Version 2 gibt es kaum mehr Kontinuität bei den Headlines quer durch das Heft, konstant bleibt interessanterweise nur die Formatierung des Vorspanns, der immer im gleichen Grauton und in identischer verzerrter Schrift auftritt. Quer über die beiden Seiten werden vier deutsche Labels durch Interviews vorgestellt, wobei nur »Fischkopf Records« ganz links mit der VorspannFormatierung beginnt. Die eigentliche Einleitung zu den Interviews am oberen rechten Rand – also nicht dem Punkt, an dem ein westlicher Leser gewöhnlich mit der Lektüre beginnt – ist dagegen wie gewöhnlicher Text gestaltet. Die Diagrammatik der Doppelseite legt so deutlich einen direkten Einstieg in das erste Interview nahe, bei der die Kontextualisierung des Titels und der Einleitung nur bei Bedarf konsultiert werden können. Die verschiedenen Labels werden einerseits durch knapp bemessenen Weißraum und durch Unterüberschriften in der Schrift »czyKameo«, einer invertierten Variante der »czykAgo«, getrennt. In letzterer ist auch das neue Logo von Frontpage Version 3 gesetzt. Der Bezug zur Digitalität ist bei diesem Logo wesentlich vager als bei Version 2 und ergibt sich nur noch durch die Verwandtschaft der czykAgo zu Susan Kares Schrift »Chicago«, die seit 1984 einen Teil der typografischen Grundausstattung des Macintosh bildet.198 Dass hier Labels aus Städten wie Hamburg und Köln vorgestellt werden, zeigt klar den Anspruch des inzwischen auf 80 Seiten und eine Auflage von 60.000 angewachsenen Hefts, den gesamten deutschsprachigen Raum zu repräsentieren. Fester Teil der Magazins sind deshalb auch die City Reports, in denen Fans von aktuellen Entwicklungen in ihren Städten berichten. Mehr als an irgendeinem anderen Ort im Heft wird bei diesen Berichten mit den Formen und Positionen von Kolumnen experimentiert. Die verschiedenen Formen der diagrammatischen Abgrenzung sind nötig, um bis zu fünf City Reports auf einer DIN-A4Seite unterzubringen und als eigenständige Entitäten sichtbar zu machen.

152  —  Störungen in der digitalen Typografie

198 Vgl. Loretta Staples: »Typo-

graphy and the Screen: A Technical Chronology of Digital Typography, 1984 – 1997«, in: Design Issues 16.3 (2006), S. 19–34, hier S. 22.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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