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Culture kann gerade in grafischer Hinsicht als Vorstudie zu Ray Gun gesehen werden: Vieles, was David Carson mit seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei Ray Gun entwirft, hatte er – mit deutlich weniger personeller Unterstützung – schon in Beach Culture erprobt. Carsons Kontakt zum Editorial Design geht allerdings noch deutlich weiter zurück zu »Transworld Skateboarding«, wo er zwischen 1983 und 1987 für einen deutlichen Umschwung in der Gestaltung verantwortlich ist.146 Eine wichtige Entscheidung, die sich von Beach Culture zu Ray Gun trägt, ist der Verzicht auf Seitenzahlen,147 wie ihn auch Emigre nach der Transformation zum Designmagazin eingeführt hatte. Die so aufgehobene Adressierbarkeit der Artikel zwingt den Leser zu einem anderen Umgang mit dem Magazin, in dem selektives Lesen immer eine Suchbewegung durch das Magazin voraussetzt, die wiederum von der sehr heterogenen Gestaltung der Headlines nicht vereinfacht wird. Die sichtbarste Markierung zwischen den Artikeln sind im Kontext eines suchenden Überfliegens oft die gestalterischen Brüche – die diagrammatische Organisation in der Tiefe des Magazins fußt also weniger auf der Einheit einer visuellen Hierarchie als auf der Verschiedenheit aller Bestandteile. Ein Magazin ohne Seitenzahlen muss auch die Funktion seines Inhaltsverzeichnisses überdenken. Carson, der sowohl bei Beach Culture wie Ray Gun die Freiheit besitzt, solche Entscheidungen zu treffen, behält es bei und funktioniert es zu einem Ort um, der gleichzeitig von foto- wie typografischer Ikonizität bestimmt ist – so etwa in Beach Culture Nr. 4 (Abb. 7.33). Diese Ausgabe ist auch deshalb interessant, weil sie auf ihrem Cover als »Special No-Emigre-Fonts Issue« angepriesen wird.148 Tatsächlich ist allerdings das Logo von Beach Culture – gemäß dem klassischen Editorial Design noch eine unabänderbare Größe – in Zuzana Lickos »Senator« gesetzt. Dieser Inkonsequenz zum Trotz ist der Verweis auf die eigene typografische Gestaltung spannend, da es sich bei Beach Culture im Gegensatz zu FUSE oder Emigre um kein Designmagazin handelt. Hier zeigt sich einerseits ein verschobenes Machtverhältnis innerhalb der Redaktion, bei

Störungen in der digitalen Typografie  —  131

145 Vgl. Blackwell/Carson: The

End of Print. The Graphic Design of David Carson, S. 90. 146 Vgl. Philip B. Meggs/David Carson: Fotografiks. An Equilibrium Between Photography and Design through Graphic Expression that Evolves from Content, Schopfheim: Bangert, 1999, S. 16. 147 Eine Ausnahme ist Ray Gun Nr. 1, in der zumindest die erste rechte Seite als »First Page« betitelt ist. Diese Nomenklatur wurde nicht beibehalten, die letzte Seite wird allerdings auch in späteren Seiten als »Last Page« ausgewiesen. In Ableitung von der ersten Ausgabe geht die hier verwandte Seitenzählung davon aus, dass unabhängig von Anzeigen die erste rechte Seite im Innern von Ray Gun und Beach Culture Seite 1 ist. 148

Abbildung 7.32: Titelseite von Beach Culture Nr. 4. Rechts im Inhaltsverzeichnis heißt es an fünfter Stelle: »Special No-Emigre-Fonts Issue«. Das Thema wird allerdings im Inneren der Ausgabe nicht aufgenommen. Aus: David Carson: »Titelseite«, in: Beach Culture 4 (1991).

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Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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