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»d« und viele andere Details der Schrift sind seitenverkehrt bzw. gedreht angelegt. Der konzeptuelle Ansatz setzt sich auf dem Poster fort, das ein rearrangiertes Gesicht mit der Überschrift »still a face« zeigt – darunter finden sich die Buchstabenfolge »abc«, gesetzt in Schirft mit dem Satz »still a typeface«. Unten auf dem Poster ist ein unbearbeitetes Gesicht neben dem Ausgangsmaterial für Schirft abgebildet. Die hier dargestellten Buchstaben zeigen das Konstruktionsprinzip von Schirft vor dem Verdrehen der Glyphen, das auf der Interpretation einer dynamischen Grotesk mit sehr eckigen, und deshalb fast frakturähnlich wirkenden, Strichen basiert. 1995, also drei Jahre nach Schirft, erscheint dieses Ausgangsmaterial bei FontFont unter dem Namen »Primary«. Das Poster zeigt außerdem ein sich durch die meisten Ausgaben von FUSE ziehendes Desinteresse für die Diagrammatik des Massensatzes.114 Der Fokus verschiebt sich vielmehr immer stärker auf Fragen der Mikrotypografie, was zu durchaus kritischen Reaktion in der Designpresse führt:

Next to the lively type design, the compositions appear loose and unfocused. Almost uniformly uninteresting and with no real function to perform, the posters slip into dilettantish formalism, resorting to frivolous competition among themselves.115 Selbst in den Fällen, in denen der Bezug zum Alphabet noch sichtbar gepflegt wird, geben die Poster an vielen Stellen schon jeden von Lexik getragenen Symbolcharakter auf, ohne dass dieser vom symbolisch-ikonischen Geflecht der Diagrammatik aufgefangen würde. Die von Brody angestrebte Repräsentationskritik der Schrift führt weniger zu anderen Registern des Zeichens als in die referenzielle Opazität der Abstraktion. Auch diese Entwicklung geht nicht ohne Widerstand vonstatten – Gestalter wie Berry Deck oder Jeffery Keedy etwa weigern sich, ihre Beiträge zu Ausgabe Nr. 4 weiter der Opazität anzunähern.116

Störungen in der digitalen Typografie  —  119

114 Das Poster zu »Can

You…« stellt hier eine der wenigen Ausnahmen da.

115 Michael Rock: »Beyond

typography«, in: Eye 15 (1994), S. 26–33, hier S. 31.

116 Vgl. Poynor: »Rub Out

the Word«, S. 245.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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