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zwingt, wenigstens eine konventionelle Form der Leserichtung aufzugeben, also entweder von rechts nach links oder mit verkehrten Buchstaben zu lesen. Flixel dagegen basiert auf einer Bitmap-Schrift, die auf digitalem Weg leicht vergrößert wurde, was bei Schriften dieses Typs unweigerlich zu Verzerrungen führt. Den nächsten Störungsschritt beschreibt van Rossum als ein digitales »Schütteln«,107 in dem einige Pixelpositionen zufällig verschoben werden. Anders als bei Beowolf ist dieser Randomisierungsschritt nicht in die Schrift selbst eingelassen, sondern findet vor der Vektorisierung in PostScript statt. Van Rossum entscheidet sich, die einzelnen Pixel nicht als gleich bemessene Quadrate in PostScript zu übertragen, sondern approximiert jedes Pixel mit verschiedenförmigen Flecken, zwischen denen viel Weißraum bleibt. Jede Glyphe in Flixel erinnert somit an ein LED-Raster. Beide Schriften sind ein weiterer Beitrag zum Verhältnis von Vektor und Pixel, wobei van Rossum anders als Zuzana Licko eine dezidiert kritische Position zum Verhältnis von digitaler Schrift und Bitmap einnimmt:

Bitmap letterforms are the runic letters of our times. In the future we will look at these characters and wonder why there was ever a need for making such primitive and illegible type.108 Der Trend weg von der Bitmapschrift bestätigt sich klar in FUSE, allerdings lässt sich der Einfluss von pixelbasierter Bildbearbeitung auch noch in späteren Ausgaben nachweisen. So etwa in der von Lo Breier und Florian Fossel gestalteten »Spherize«109 (FUSE Nr. 5 »Virtual«), die aus der Anwendung des Photoshop-Filters Spherize auf die Grotesk Franklin Gothic entsteht.110 Auch der Weichzeichnungsfilter von Photoshop (»Blur«) scheint bei Schriften wie Peter Savilles »Flomotion« (FUSE 5) oder Cornel Windlins »Moonbase Alpha« (FUSE Nr. 3, »(Dis)Information«) eine Rolle zu spielen. Auch wenn Blur – nicht zuletzt durch Neville Brodys gleichnamige Schrift bei FontFont – in den Neunzigern ein sehr

Störungen in der digitalen Typografie  —  117

107 Vgl. Erik van Blokland/

Just van Rossum: »Niwida, Flixel«, in: FUSE 2 (1991), S. 3–4 (Packpapier), hier S. 4.

108 Ebd. 109

Spherize

Abbildung 7.21: Die Zeichenfolge »Spherize« in der von Lo Breier und Florian Fossel entwickelten Schrift »Spherize«. 110 Vgl. Lo Breier/Florian Fossel: »Spherize«, in: FUSE 5 (1992), S. 1.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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