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unabhängig von großen Schriftvertrieben agieren und so neue Arbeitsformen für den Schriftentwurf entwickeln können – so auch bei Emigre, wo Zuzana Licko noch im Jahr 1985 die ersten PostScript-Vektor-Schriften gestaltet. Bezeichnend ist dabei, dass sie die Bitmap-Ästhetik nicht einfach als beschränkte Vorstufe hinter sich lässt, sondern auch mit ihren PostScript-Entwürfen klar Bezug auf das Bitmap nimmt.

Abbildung 7.8: Ein »n« in einer Variante von Emperor Fifteen (links), mit dem LaserWriter um 2,375% vergrößert und interpoliert (Mitte) und der gleiche Buchstabe in Modula 41 (rechts).

Abbildung 7.8 zeigt ein »n« in einer Variante von Emperor Fifteen (links), so wie Licko sie am Bildschirm entworfen hat. Es handelt sich allerdings nicht um die offizielle Fassung der Schrift Emperor, in der das entscheidende Pixel in der oberen linken Ecke eine Position weiter rechts steht. Bei der Umstellung vom Image- auf den LaserWriter wurde es möglich, die 72dpi der Schrift beim Drucken algorithmisch auf 300dpi zu interpolieren – eine Möglichkeit, die Licko und VanderLans trotz ihres Interesses für sichtbare Pixel erkunden und die vom linken zum mittleren »n« führt. Auf dieser Basis wiederum entsteht Lickos Schrift »Modula«, in der sie die Interpolation des LaserWriters mit den geometrischen Mitteln von PostScript interpretiert (rechts). Hier entsteht also ein interessanter transkriptiver Bezug zwischen den drei Schriften, wobei der erste transkriptive Schritt rein algorithmisch verläuft und der zweite wiederum eng mit den Möglichkeiten von PostScript verknüpft ist. Anders als viele Designer, die mit Ikarus arbeiten, begreift Licko das Vektorformat nicht

96  —  Störungen in der digitalen Typografie

40 Neben Ikarus und Metafont,

die beide einige Verbreitung fanden, existierten in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern auch noch einige andere Systeme, von denen viele jenseits ihrer oft akademischen Geburtsstätten kaum Einsatz fanden. Bigelow liefert hier einen knappen Überblick: vgl. Bigelow/Day: »Digital Typography«, S. 319.

41 Aus: VanderLans u. a.:

Emigre. Graphic Design into the Digital Realm, S. 34.

Profile for Björn Ganslandt

Widerspenstige Drucksachen  

Störung und Diagrammatik in der digitalen Typografie 1985-1995

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