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„Kritische Fairness ist eine gute Grundlage und das Wissen, dass Realität keine Momentaufnahme ist“ Die Journalismus-Dozentin Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz erzählt im Interview mit BiTSLicht von ihren Anfängen im männerdominierten Journalismus der 70er-Jahre und gibt Nachwuchsjournalisten Tipps für einen erfolgreichen Start in die Karriere.

Ab 1982 hat Gabriele Krone-Schmal (3. v. r.) beim Politikmagazin „Monitor“ als Redakteurin gearbeitet. Foto: WDR

BiTSLicht: Sie haben das geschafft, wovon viele junge Journalisten träumen! Aber auch Sie haben ja mal „klein“ angefangen. Wie hat sich Ihr Sprung in die Welt des Journalismus vor rund 50 Jahren gestaltet? Mir war bereits früh klar, dass ich journalistisch arbeiten möchte. Ich war ein Radio-Fan. Deshalb habe ich mich zwischen Abitur und geplantem Studium beim WDR in Köln beworben. Ich bin nicht sicher, ob das heute auch noch so funktionieren würde: Ich habe um einen Termin beim Chef der Aktuellen Abteilung gebeten und tatsächlich einen bekommen. Ihm habe ich dann meine Vorstellungen geschildert, er hat mich um Arbeitsproben gebeten, die ich, bis auf Beiträge zu einer nie erschienenen Schülerzeitung, natürlich noch nicht hatte. Aber ich habe immer schon viel geschrieben, Beobachtungen und Essays zu selbstgestellten Themen. Diese Texte habe ich ihm vorbeigebracht. Es hat funktioniert. Mit 17 Jahren habe ich beim damals neuen Morgenmagazin im WDR 2 angefangen. Meine Arbeit bezog sich auf Brötchenholen und Fotokopieren, aber ich durfte auch recherchieren und war zum Beispiel während der Sendung dafür zuständig, die telefonischen Verbindungen mit den Gesprächspartnern herzustellen. Kurz und gut eben alles,

was so anfällt. Ich habe in der Zeit eine Menge gelernt und war erstaunlich gut integriert. Ich hätte im WDR bleiben und weiterarbeiten können, aber ein sehr viel älterer Kollege hat mir geraten, unbedingt zu studieren und schon gar als Frau mit Doktortitel wiederzukommen. Das traf sich mit meinen ursprünglichen Plänen, auch wenn es, nicht zuletzt finanziell, sehr verlockend war, zu bleiben und voll einzusteigen. Viele Jahre später, 1976 habe ich mich auf ein 18-monatiges Volontariat beim WDR beworben und war eine der vier Glücklichen, die genommen wurden. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Schon während des Volontariats konnte ich Radio- und Fernsehsendungen moderieren und nach Abschluss des Volontariats hatte ich die Wahl zwischen drei Planstellen. Ich habe mich für die in der Tagesschau entschieden, weil ich dort nicht nur redaktionell arbeiten konnte, sondern auch als Reporterin und Moderatorin für andere Sendungen im WDR. Was ist gerade am Anfang wichtig? Neugier und eine gehörige Portion realistischer Selbsteinschätzung. Man kann nicht alles von Anfang an können. Ich bin sehr gut damit gefahren, die Kameramänner – damals waren es nur Männer – und die Cutterinnen – bis auf

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