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Vorwort | 3

Dr. Hans R. Herren Welternährungspreisträger, Präsident der Stiftung Biovision

Sehr geehrte Gönnerinnen und Gönner Unser Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit erfordert bisweilen Geduld und einen langen Atem. Doch in der modernen Wirtschaftswelt, die sich zunehmend am kurzfristigen Denken der Quartalsberichte orientiert, bleibt immer weniger Zeit, um die wichtigen und langfristigen Bedürfnisse der Menschheit im Auge zu behalten. Dies gilt je länger je mehr auch für die Landwirtschaft. Statt sich an der Erneuerungsfähigkeit der natürlichen Lebensgrundlagen auszurichten, versucht der Agrarsektor immer stärker, seine Erträge mit einem enormen Aufwand an fossiler Energie, Kunstdünger und Chemikalien zu steigern. Kehrseite dieser industrialisierten Nahrungsmittelproduktion sind unter anderem ausgelaugte Böden, verseuchte Gewässer, übernutzte Grundwasservorkommen und ein dramatischer Rückgang der Sortenvielfalt. Zudem steht die konventionelle Landwirtschaft in der Mitverantwortung für globale Umweltprobleme wie die Klimaerwärmung, das Artensterben oder die Ausbreitung der Wüsten.

und seine Furchtbarkeit wissen. Unter extremeren Witterungsbedingungen, wie sie der Klimawandel mit sich bringt, braucht es zudem Erfolge bei der Zucht von robusteren Nutzpflanzen sowie eine grössere Arten- und Sortenvielfalt. Überdies benötigen wir neue Modelle für eine optimale Kombination von Nutztierhaltung und Feldbau, damit wichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphat im landwirtschaftlichen Produktionskreislauf verbleiben. Generell muss das Systemdenken in den Kreisläufen der Natur, die weder Abfälle noch Giftstoffe hinterlassen, weltweit zur Richtschnur der Forschung für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Produktion gesunder Nahrungsmittel werden. Neue Impulse braucht es auch für den bislang vernachlässigten Dialog zwischen Wissenschaft und Landbevölkerung. Damit neue Erkenntnisse die Felder erreichen, muss traditionelles Wissen eingebunden und weiterentwickelt werden. In diesem Zusammenhang setzen wir uns in Ostafrika vor allem für eine bessere Aus- und Weiterbildung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein. Damit solche Ideen nicht nur in unseren Projektgebieten zum Tragen kommen, engagiert sich Biovision auf internationaler Ebene für den dringenden Kurswechsel in der Landwirtschaft. Ich bin überzeugt, dass die Erzeugung von gesunden Lebensmitteln zum zentralen Baustein einer nachhaltigen Entwicklung werden kann. Ich möchte Sie deshalb einladen, sich verstärkt für umweltgerechte und sozial faire Produkte einzusetzen – sowohl auf politischer Ebene als auch beim täglichen Einkauf. Biovision steht für die gemeinsame Suche nach Lösungen und das Engagement für eine lebenswerte Zukunft, die alle Menschen einbezieht. Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir bei dieser Arbeit auch auf Ihre Mithilfe und Solidarität mit den Menschen des Südens zählen können.

Doch es geht auch anders. Biovision strebt mit den unterstützten Projekten eine nachhaltige Landwirtschaft an, die in Harmonie mit den Kreisläufen der Natur steht und sich diese zunutze macht. Ackerbau und Nutztierhaltung sind nämlich nicht zwingende Ursachen der weltweiten Umweltkrise. Vielmehr können sie einen Beitrag zu deren Lösung leisten, sofern sie nach ökologischen Grundsätzen betrieben werden. Damit die Bodenbiologie auf degradierten Feldern wieder neu belebt wird, genügt es allerdings nicht, in Zukunft auf Pestizide und Kunstdünger zu verzichten. Ökologische Lösungen fallen nicht einfach vom Himmel. Sie erfordern gezielte Forschung im Bereich der Nachhaltigkeit und einen Biolandbau, der sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und neueste Techniken abstützen kann.

Mit herzlichem Dank, Ihr

Der Weltagrarbericht, an dem ich mitarbeiten durfte, zeigt deutlich auf, dass die Forschung für eine nachhaltige Landwirtschaft bisher viel zu kurz gekommen ist. So müssen wir zum Beispiel unbedingt mehr über die Lebensvorgänge im Boden

Dr. Hans Rudolf Herren

Jahresbericht 2010  

Die Stiftung Biovision bekämpft Armut und Hunger und setzt sich für die Verbreitung und Anwendung ökologischer Methoden ein, die zur nachhal...

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