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G Ä R T N E R N

G E S T A L T E N

G E N I E S S E N

WILDGEHÖLZ NAHRUNG FÜR VÖGEL IM WINTER

WURZELGEMUSE

ÜBERRASCHEND VIELSEITIG

SINNLICH & DUFTEND

FESTLICHER ADVENT

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E D IT O R IAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Doris Guarisco Chefredaktorin «Bioterra»

Bereits jetzt im November freue ich mich auf ein ganz besonderes Erlebnis, das meist im Januar beginnt und lange anhält. Frühmorgens, zwischen Traum und Tag, höre ich die ersten fröhlichen Töne. Erst sind es nur ein paar, vielleicht gar das Lied einer Amsel. Je länger ich lausche, umso lauter wird der Chor der gefiederten Sänger draussen und mein Zimmer füllt sich mit Musik. Wie schön, so den Tag zu beginnen!

Das morgendliche Konzert können wir der Vogelwelt mit einheimischem Gehölz danken, das über den Winter reichlich Futter bietet. Pflanzen Sie in Ihren Garten ein Pfaffenhütchen oder einen Holunder oder gestalten Sie eine Mischhecke mit Liguster, Wildrosen, Berberitzen und anderen. Hagebutten und Beeren sind für unsere Hausvögel wertvolle Winternahrung. Lesen Sie in unserem Beitrag ab Seite 28, welche Vogelart an welchem Strauch oder Baum ihren Fruchtschmaus findet. Mit dieser letzten Ausgabe von «Bioterra» in diesem Jahr verabschiede ich mich von Ihnen. Lange Jahre durfte ich Sie begleiten und zusammen mit Ihnen den Reichtum des Bio- und Naturgartens erleben und geniessen. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Vertrauen und für Ihre Verbundenheit zu Bioterra. Ab neuem Jahr ist Christine Kunovits für das Magazin «Bioterra» verantwortlich. Meine allerbesten Wünsche an sie und für ihr Engagement bei Bioterra. Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, wünsche ich ein gutes Beenden der diesjährigen Gartensaison sowie eine frohe und gelassene Festtagszeit. Herzlich, Ihre

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TITELBILD: BEKA BITTERLI,

PORTRÄT: BENEDIKT DITTLI

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IN H A L T

Mit Strohblumen, Zapfen, Gräsern, Nelken und Zweigen das Haus für den Advent festlich schmücken. Anita Leuthold, Floristin, präsentiert Gestecke und Arrangements zum Selbermachen.

BIO- UND NATURGARTEN

Saison: 8 Seiten aktuelle Gartentipps für Bio-, Naturgarten und Balkon ........................................................ 4 Festlicher Advent Warme Farben – würziger Duft: Arrangements zum Selbermachen ...................................................... 1 2 Wurzelgemüse Die grosse Palette der Wurzelgemüse für den Hausgarten ...................................................... 2 2

SEITE 12

Serie: Tiere im Garten Igel und Eichhörnchen und was sie im Winter brauchen ...................................................... 2 6 Futtergehölz für Vögel Einheimisches Wildgehölz bietet Vögeln wichtige Winternahrung .....................................................28

Pflanzen entdecken Ein Gespräch mit Klaus Oetjen, botanischer Garten Schatzalp, über das Entdecken von Pflanzen heute ...................................................... 3 2 Serie: Erlebniswelt Biogarten Den Garten einwintern, spätes Gemüse, Werkzeugpflege ...................................................... 3 6 Hyazinthen für die Festtage Wie man duftende Hyazinthen für Weihnachten anzieht. Angebot: Glas und Zwiebeln ...................................................... 4 0 GESCHENKIDEEN

Rezepte für kulinarische Geschenke aus Schätzen des Gartens ...................................................... 4 2

Wildgehölz: Vogelnahrung für kalte Tage SEITE

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Wurzelgemüse Schmackhaft, gesund und vielseitig S E I T E 2 2

SP ENDEN BIO T ER R A 2017

Bioterra-Projekt «Gartenkind» Helfen Sie mit, damit Kinder die Welt des Biogartens erleben dürfen ...................................................... 5 0 PORTR ÄT

Markus Burkhard, Flavia Hiestand, Rest. «Jakob», Rapperswil ...................................................... 5 2 RUBRIKEN Notizen: Ute Studers Seite....................... 20 Gartenberatung....................................... 49 Bioterra leben................................................. 55 Vorschau/Impressum.................................... 6 2 Leserservice/Bestelltalon........................ 63

Klaus Oetjen Ein Pflanzenentdecker der heutigen Zeit SEITE 32

FOTOS: BENEDIKT DITTLI, GAP-PHOTOS, STOCKFOOD, BLICKWINKEL

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Geschenk-Ideen Rezepte für Feines aus dem Garten SEITE 42 BIOTERRA

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SAISON —

Teltower Rübchen – SEITE 6 Weihnachtssterne – SEITE 7 Wintersalate in Kistchen – SEITE 8 Mohnsamen ausstreuen – SEITE 9 Meerrettich ernten – SEITE 9 Hügelbeet – Von Ute Studer und Jochen Elbs-Glatz SEITE 10 Mehrsorten-Obstbaum – SEITE 11

FRÜHE BLÜTE

WINTERKIRSCHEN Die Hauptblütezeit der Winterkirsche Prunus subhirtella ist zwar wie bei anderen Kirschbäumen auch erst ab März, aber in milden Wintern öffnen sich einige Blüten bereits ab November. Von der bis 5 m hoch werdenden Winterkirsche gibt es verschiedene Sorten und Blütenfarben: ‘Autumnalis’ weiss, ‘Autumnalis rosea’ hellrosa, ‘Fukubana’ dunkelrosa, ‘Pendula’ rosa und überhängend.

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SA I S ON

BUCH

Meisterwerke der modernen Pflanzenmalerei In diesem Buch werden ausgewählte Pflanzenporträts des Chelsea Physic Garden in London gezeigt, des zweitältesten britischen botanischen Gartens. Die gezeigten über 70 Aquarelle, Buntstift- und Graphitzeichnungen sind Meisterwerke ihrer Art. Dabei reicht die Auswahl der vorgestellten Pflanzen vom schlichten Farn über feingliedrige Iris bis hin zu Bäumen. Eine interessante Mischung aus altbekannten und ungewöhnlichen Pflanzen. Interessantes über die Bedeutung der botanischen Illustrationen finden sich im einleitenden Text. Die Kunst der botanischen Illustration, Chelsea Physic Garden, Andrew Brown, DVA, München 2016, Fr. 54.90. Bestelltalon Seite 67.

FÜR DIE FESTTAGE

ZWEIGE IN ROT UND GRÜN Tannen und Fichten sind bei uns das traditionelle Weihnachtsgrün. Aus dem englischen Brauchtum hat sich die Stechpalme Ilex aquifolium dazugesellt. Mit ihren lackglänzenden, dunkelgrünen Blättern und den leuchtend roten Beeren bringt sie die klassischen Weihnachtsfarben Rot und Grün in Kränze und Gestecke. Die Stechpalme gilt von alters her als symbolträchtige Pflanze und als Zeichen des ewigen Lebens. Die immergrüne, zweihäusige europäische Art kann als Baum bis 15 m hoch werden und ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Im Winter ist der Baum ein beliebter Schlafplatz für Vögel und oft Überwinterungsort für Zitronenfalter. Die für Menschen giftigen roten Beeren sind ein wichtiges Winterfutter für Vögel, allerdings scheinen sie nicht die Lieblingsnahrung zu sein, denn sie werden erst gefressen, wenn alle anderen Nahrungsquellen zur Neige gehen.

GEHÖLZSCHNITT DEKO-T IPP

LAMPIONBLUMEN IM GLAS Die herzförmig gebuchteten, trockenen Kelchblätter der Lampionblumen Physalis alkekengi sind eine hübsche Dekoration für die Herbst- und Adventszeit. Sie sehen in einer geraden Glasvase sehr dekorativ aus, legt man die knallroten zuunterst hinein, danach die orangeroten und zuletzt die grüngelben, die oben am Blütenstiel noch nicht ganz ausgereift sind.

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NACH LAUBFALL Sobald sich die Gehölze mit einer Korkschicht von ihren Blättern getrennt haben und diese abgefallen sind, herrscht Winterruhe. Jetzt ist die beste Zeit für den Schnitt. Ohne Blätter ist die Struktur des Astgerüsts gut zu erkennen. Es zeigt sich, was weg muss. Aber nicht alles muss jedes Jahr geschnitten werden, und der Reisighaufen ist kein Parameter für einen guten Schnitt. Reben sind beschnitten deutlich frostanfälliger, deshalb erst im Spätwinter schneiden.

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S A IS O N

BIS WEIHNACHTEN

BLUMENZWIEBELN SETZEN

L AUCH

GESUNDES WINTERGEMÜSE Die schwefelhaltigen, ätherischen Öle der Zwiebelgewächse sorgen für das typische Aroma. Beim Lauch Allium porrum fallen sie allerdings etwas feiner und milder aus als etwa bei der Zwiebel. Lauch ist eine gute Vitamin-C-Quelle und enthält viele Mineral- und reichlich Ballaststoffe. Ausserdem ist sein Gehalt an Vitamin K wichtig für den Knochenaufbau. Die Schwefelverbindungen machen ihn zu einem Entgiftungs- und Entschlackungsgemüse mit nur 30 Kalorien pro 100 Gramm. Der Lauch stärkt zudem unser Immunsystem, wirkt antibakteriell und verdauungsfördernd. Des Weiteren enthält er Mangan, das vor Depression und Altersdemenz schützen soll.

Die Blumenzwiebelhändler drängeln im August mit «selten, rar, nur geringe Stückzahl vorhanden!». Wohin aber mit den vielen Blumenzwiebeln, wenn der Garten doch noch in voller Blüte steht? Bis auf wenige Ausnahmen kann man bis Weihnachten pflanzen. Dann sind die Dahlien im Keller, die Kosmeen weg und im Staudenbeet kann man ruhig den Platz frei schneiden, den die Zwiebeln brauchen. Im ersten Frühling blühen sie etwas später, danach gleicht es sich aus.

BALKON

WINTERSALATE Leere Balkonkästen lassen sich in der Wintersaison gut mit frostharten Salaten begrünen, die man so bequem nach und nach ernten kann. Nüsslisalat und Winterportulak sind für die Aussaat gut geeignet und anspruchslos in der Pflege. Die Blattrosetten des Nüsslisalates können bodeneben abgeschnitten werden. Ab November bis April kann man die knackigen Blätter und die zarten Blüten des Winterportulaks ernten. Die Stiele werden etwa einen Zentimeter über dem Boden abgeschnitten. Bleibt das Herz stehen, wächst der Portulak weiter. Bei starken Kahlfrösten die Kästen mit Vlies abdecken.

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BUCH

3000 Jahre künstlerische Pflanzendarstellungen Ein wunderschöner Bildband für Pflanzenliebhaberinnen und Pflanzenfreunde. Das Buch entführt in eine faszinierende Welt von 300 Darstellungen aus allen Arten der Kunst, von Malerei, Grafik, Holzschnitt, Lithografie bis hin zu Fotografie und moderner Computertechnik. Man staunt über die Vielfalt der Pflanzendarstellungen und deren kulturelle Bedeutung für Wissenschaft, Kunst und Geschichte. Es wird die ganze Vielfalt und Fülle der floralen Welt präsentiert mit Werken von u. a. Pierre-Joseph Redouté, Albrecht Dürer, Leonardo da Vinci, Maria Sibylla Merian bis hin zu Georgia O’Keeffe, Irving Penn, Nick Knight und E. V. Day. Flora, 3000 Jahre Pflanzendarstellungen in der Kunst, DVA, München, 2017, Fr. 86.90. Bestelltalon Seite 67.

MOHNSAMEN

JETZT AUSSTREUEN Mohn keimt nach Kälte im Licht. Saaten im Frühling gelingen selten. So kann man von früheren Getreidefelderschönheiten träumen und Mohnsamen ausstreuen, wo man sich fürs nächste Jahr Blumenschmuck erhofft. Einharken verboten, Andrücken ist erwünscht, aber nicht notwendig.

W INTERSCHUTZ

MEERRETTICH ERNTEN

BEVOR DER BODEN FRIERT Meerrettich ist zwar winterhart, aber einfacher ist die Ernte, bevor der Boden schneenass oder gefroren ist. Man sticht mit der Grabgabel rund um die Pflanze tief ein und lockert die Pflanze durch das Hin- und Herbewegen der Gabel so lange, bis man sie widerstandslos herausziehen kann. Meist bricht die Wurzel zwar im unteren verzweigten Teil ab. Wichtig ist jedoch, dass man die Hauptwurzel gut herausbekommt.

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NÄSSEEMPFINDLICHE PFLANZEN Viele unsrer mediterranen Lieblingspflanzen sind deutlich frosthärter, als wir aus unseren Verlusten schliessen. Nicht die Temperatur, sondern allzu viel Wasser im Wurzelbereich brachte das Ende. Abhilfe können hier halbierte Malerkübel schaffen, die wie Biedermeierhäubchen über das Herz der Pflanzen gestülpt werden. Die Öffnung geht nach Norden, damit es dank guter Belüftung nicht zum vorzeitigen Austrieb kommt. Der ist der zweite Grund für manches im gut gemeinten Winterkleid Erfrorene.

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WARME

Farben – WÜRZIGER Duft

Strohblumen machen graue Wintertage farbiger und fröhlicher.

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Von Sandra Weber Rot, Gold, Grün – das sind für die meisten Leute die klassischen Weihnachtsfarben. Vielleicht noch Silber und Weiss. Für Anita Leuthold sind es dunkle Rottöne bis Pink, während ihre Kundschaft Orange bevorzuge. «In der dunklen, grauen, oft noch schneelosen Frühwinterzeit braucht es doch warme, fröhliche Farben», meint die Floristin und Inhaberin des Winterthurer Blumengeschäfts Wilde Blumen. «Weiss und Silber wirken zwar sehr elegant, aber doch eher kühl. Dekorierte sie ihren Laden zu dieser Jahreszeit nur in Eisund Schneefarben, müsste sie wohl mit Umsatzeinbussen rechnen, so Leuthold. Die Floristin arbeitet am liebsten mit dem, was die Natur gerade hergibt. Im Winter sind das bei uns ja vor allem Zapfen, Eicheln, Bucheckern, Zweige von kahlen oder immergrünen Sträuchern und Bäumen, trockene Gräser und Samenstände von verschiedenen Stauden. Daraus können hübsche Gestecke und Kränze entstehen, die für etwas Glanz und Glamour mit Silberdisteln und trockenen, silbrig bemalten Fruchtund Samenständen dekoriert werden können. Trotzdem dominieren mit diesen Materialien die Grün- und Brauntöne. Anita Leuthold hängt darum schon im Juli und August Strohblumen Helichrysum bracteatum an die Decke. Es erinnert sie jedes Mal an ihre Ausbildungszeit an der Gartenbauschule Hünibach, an der ab Juli jeweils die ganze Laube voller Strohblumen hing, damit die Lehrlinge in den Wintermonaten daraus Kränzchen winden konnten – selbstverständlich sei dabei mit Draht und nicht mit der Heissleimpistole gearbeitet worden. Schliesslich galt es, das Handwerk zu lernen. «Strohblumen galten lange als altmodisch, wie Rohrkolben und gelbe Schafgarbe», erzählt sie. «Dabei eignen sie sich ideal für weihnächtliche Kränze und Trockengestecke, weil sie eben etwas Farbe reinbringen.»

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Farben und Düfte von Blüten und Gewürzen heitern die Stimmung auf in der dunklen Jahreszeit. Zudem verleihen entsprechende Gestecke und Arrangements Haus und Garten eine festliche Note. Die Winterthurer Floristin Anita Leuthold zeigt, wie diese mit wenig Aufwand und natürlichen Materialien gezaubert werden können. Anita Leuthold führt in Winterthur ihren Blumenladen «Wilde Blumen», www.wildeblumen.com

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«Ein Kranz mit Silberdisteln bringt etwas Glanz und Glamour in die festliche Adventszeit.

WEIHNÄCHTLICHER NELKENSTRAUSS Dazu benötigen Sie: Frische Nelken, Zweige von Föhren, Eukalyptus und Ilex verticillata (giftig), Bast. Anleitung: Nach Belieben büscheln, mit Bast zusammenbinden und in einer Vase arrangieren. Täglich Wasser wechseln und Stielenden frisch anschneiden.

KRANZ MIT SILBERDISTELN Dazu benötigen Sie: Strohkranz (in gewünschter Grösse, erhältlich im Bastelgeschäft oder Gartencenter), Flechten, trockenes Moos, verschiedene Zapfen, Frucht-/ Samenstände nature oder silbrig/ goldig bemalt, Silberdisteln (erhältlich im Fachgeschäft, keinesfalls wild sammeln, sie sind im Alpenraum geschützt), starker Wickeldraht, Draht, um Zapfen/Dekomaterial anzudrahten, Agraffen. Anleitung: Der Strohkranz wird mit Moos und Draht fest umwickelt. Es sollte kein Stroh mehr sichtbar sein, evtl. braucht es zwei Durchgänge dafür. Flechtenpolster auf dem Kranz verteilen, mit Agraffen feststecken. Zapfen und weitere Dekorationsmaterialien mit einem Draht versehen und auf dem Kranz verteilt feststecken. Drahtenden sollten kurz abgeknipst werden, damit die Unterlage nicht zerkratzt wird oder man sich daran verletzt. Der Kranz eignet sich mit einer Kerze (im Glas wegen Brandgefahr) auch als Adventskranz.

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NO T IZ E N

DAS ALTE GEHT, DAS NEUE KOMMT Zum neuen Jahr Zum neuen Jahr ein neues Hoffen! Die Erde wird noch immer wieder grün. Auch dieser März bringt Lerchenlieder. Auch dieser Mai bringt Rosen wieder. Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn. Zum neuen Jahr ein neues Hoffen. Die Erde wird noch immer grün. Karl Gerok 1815–1890

Von Ute Studer Welch wunderbare Hoffnung für das nächste Jahr! Zunächst ist die Erde jetzt aber mal vor allem weiss. Der Schnee hat im Garten alles zugedeckt. Nur die Vogelspuren zeigen, dass auch in dieser winterlichen Starre sich noch Leben regt. Es ist die Zeit für einen Rückblick auf die Highlights und Niederlagen des vergangenen Gartenjahres. Die erste Enttäuschung waren die Winterlinge. Voller Erwartung hatte ich im Herbst eine Packung mit hundert Stück im Boden versenkt, sorgfältig einige Stunden vorher gewässert. Das investierte Kapital von zwanzig Franken sollte sich vervielfachen, der Boden unter dem Holunder vor lauter Gelb nur so leuchten. Fanfarenklänge zum Blütenanfang: «Tatatatam!» Doch statt des flächendeckenden Gelbs zeigten sich gerade mal drei mickrige gelbe Blüten, die dann auch noch schnell von den Schneeglöckchen überrannt wurden. Also nicht mal ein «Ta . . .». Nun ja, vielleicht war der Garten hellsichtig und rächte sich vorzeitig für meine Kolumne über die gelben Rosen und dass ich sie im Garten nicht mag. Wahrscheinlich hatten sich die Blumendevas, Elfenköniginnen und die Zwerge zusammengesetzt und beschlossen, den frühlingsgelben Blütenrausch von meinem Garten fernzuhalten. Die Osterglocken erschienen zwar zahlreich, aber kaum waren sie geöffnet, waren sie in der ungewöhnlichen Frühjahrshitze schon verblüht. Nur die Ringelblumen schienen den Pakt nicht unterschrieben zu haben, es war wahrscheinlich schon zu spät, denn sie zeigten schon ab November die ersten Sämlinge. Und starteten im Frühjahr dann richtig durch, um zu früher Blüte zu kommen. Leider taten sie das mitten im Gemüsebeet und mussten erst mal zügeln, worauf sie beleidigt schlapp die Blätter hängen liessen, als wollten sie sagen: «Jetzt haben wir auch keine Lust mehr.»

und kamen sprichwörtlich aus allen Ritzen und Fugen. Ihnen folgten die Akeleien, die brav in verschiedenen Blautönen erstrahlten und kaum verwaschenes Rosa zeigten. Und irgendwann kam die blaue Invasion aus dem Hinterhalt. Ich hatte im Jahr davor blaue Prunkwinden angezogen und zwei mickrige Exemplare an einen Rosenbogen gesetzt. Sie waren bis zwei Meter geklettert, zeigten hübsche Blüten, und dann hatte sie der Frost dahingerafft. Ich hatte nicht geahnt, dass ihre Samen unsere Winter überstehen. Jedenfalls erschienen im Sommer überall junge Prunkwinden. Unbemerkt hatten sie sich zwischen die Stangenbohnen geschummelt, die statt in zartem Rosa nun blau blühten. Die rosa Clematis zeigte auch plötzlich blaue Blütentrichter und die Kletterrosenobelisken erstrahlten in dem tiefen Blau der Ipomea. Sie wurden immer aufdringlicher, und ich kam mir vor wie der Zauberlehrling in Goethes «Faust»: «Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!» Wie Schlangen bogen sich ihre Ranken kreisend zur Seite, bis sie einen Widerstand spürten, an dem sie sich emporhangeln konnten, so quasi hinter meinem Rücken. Mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit überwucherten sie ganze Beete. Ich schnitt ab, riss herunter, grub aus und versuchte, den Garten von der erdrückenden Umarmung der Prunkwinde zu befreien. Dann ging ich für zwei Wochen in die Ferien. Bei meiner Rückkehr begrüsste mich mein Garten in Blau. Das Blau der Perovskien leuchtete mit blauen Astern und Herbsteisenhut um die Wette und grosse, hell- und dunkelblaue Clematis winkten von den Kletterrosen. Und überall dazwischen tiefblaue Blütentrichter. Zwischen den violetten Trauben, den orangefarbigen Kürbissen, im Apfelbaum und aus der überwucherten Edenrose blinzelten mir die treuherzigen blauen Augen zu. Es war ihnen offensichtlich nicht nur sauwohl in meinem Garten, sondern sie hatten auch die Absicht, ihn zu ihrer künftigen Heimat zu machen. Nun galt es, zu handeln: Alle Winden abschneiden! So konnten sie dann spätem Gemüse wie Rosenkohl und Federkohl haufenweise als wunderbares Mulchmaterial untergelegt werden, wo sie ihre dahinwelkende blaue Pracht nutzbringend den Regenwürmern darboten. Die mühsam eingesammelten Samen nahm ich mit nach Hause. Vielleicht würden ein paar davon da oder dort dem städtischen Grau ganz gut tun . . .

Statt Gelb schien dieses Jahr Blau den Garten zu dominieren. Die Vergissmeinnicht machten Ende April den Anfang

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ALLES FLIESST . . . Von Jochen Elbs-Glatz

«Panta rhei! Alles fliesst!», lehrt Heraklit von Ephesos (um 544–483 v. Chr.). Platon hat es dann notiert. In Ovids «Metamorphosen» wird es Programm: Da wandelt sich alles in alles. Die Erkenntnis war sicher lange vorher bekannt. Auch die Neandertaler kannten sie in ihrer etwas ungehobelten, paläolithischen Art. In 260 000 Jahren Erdendasein bei sehr naturverbundener Lebensweise kommt manche Erkenntnis, auch bei kleinerem Hirnvolumen. Alles fliesst: Einmal sind mehr, einmal weniger Mammuts da, und Beeren gibt es nicht immer gleich viele. Leider haben sie nichts aufge-

schrieben. Auch im Garten fliesst es, nicht nur bei Regen. Einmal sind die Spargeln dick, einmal dünn. Bei gleicher Behandlung gibt es einmal viel von diesem Gemüse, einmal von jenem und einmal von beidem nichts. Im einen Jahr kocht man 27 Gläser Tomatensugo ein, im nächsten keines. Rosenjahre, Kartoffeljahre, Bohnenjahre folgen aufeinander. Nur die Zucchettiflut bleibt ziemlich gleich. Der Witterungsverlauf hat einen grossen Einfluss, aber auch wir Gärtner und Gärtnerinnen, unsere Lust und Liebe, unser Eifer, unsere Faulheit, unsere Krankheiten und unser Fitsein. Einfache Schicksalsschläge wie überaltertes

Saatgut, unsichtbar vertrocknete Blumenzwiebeln, das Verschwinden einer bewährten Kartoffel- oder Düngersorte beeinflussen den Lauf der Dinge. Über die gut erforschte Populationsdynamik von Nützlingen und Schädlingen im Garten ist weiter nicht zu werweissen. Im Blackbox-Gardening, dem Einsatz von Einjährigen und sich Versamenden in einer dynamischen Gartengestaltung, lässt man es bewusst fliessen und steuert nur, wo es sein muss. Selbst ganz starre Pflanzsysteme wie das Mixed Border verändern sich, gerade wenn man sie gerne hätte, wie sie immer waren.

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Winterwurzeln

Haferwurzeln Tragopogon porrifolius

Knollensellerie Apium graveolens

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WURZ ELG E M ÜS E

Von wegen im Winter gebe es kein frisches Gemüse! Mit Winterwurzeln wie Randen, Topinambur und Co. lässt sich Abwechslung auf den Teller bringen. Gartenberater Jochen Elbs-Glatz zeigt die Palette der Wurzelgemüse auf und erklärt, wie man zu diesem winterlichen Gartensegen kommt. Viele Wurzelgemüse sind sehr lange lagerfähig und als Wintervorrat bestens geeignet. Fasst man den Begriff weit, gehören auch Kartoffeln und Dahlienknollen dazu, ebenso die immer präsenten Rüebli und Randen. Die Lagerfähigkeit Schwarzer Rettiche ist inzwischen nicht mehr nur Biogärtnern bekannt. Manche Wurzeln sind so winterhart, dass man sie bei frostfreiem Wetter frisch aus dem Garten in die Küche bringen kann. Die meisten erhalten sich am besten in frostfreien, aber kalten Räumen bei hoher Luftfeuchtigkeit. Leider fehlen uns heute oft solche Naturkeller. Styroporkisten auf dem schattigen Balkon dienen als Ersatz. Die eingegrabene Waschtrommel einer ausgedienten Waschmaschine ist ein Kleinkeller, wenn sie von mindestens 30 cm Erde überdeckt wird. Ein Ochsnerkübel ohne Boden ermöglicht freien Zugang und hält Getier vom Gemüse fern. Der gleiche Effekt lässt sich mit eingegrabenen Betonröhren von mindestens 80 cm Länge erreichen. Wichtig ist, dass eventuell eindringendes Wasser wieder abfliessen kann. Sammelt es sich, wie in einem Fass, verjaucht das Gemüse darin. Eine richtige Erdmiete anzulegen, lohnt sich nur bei ganz grossen Mengen Lagergemüse.

HAFERWURZELN Tragopogon porrifolius Die Haferwurzel wurde von der Schwarzwurzel verdrängt, weil sie mit dem Blühen nicht warten kann und

so immer wieder holzige Wurzeln in die Ernte geraten. Übrig gebliebene Wurzeln treiben ausgepflanzt willig Blütenstiele mit violettblauen Blüten. Der Anbau gleicht dem der Schwarzwurzel, nur sollte noch früher gesät und dauernd feucht gehalten werden. Alle Pflanzenteile sind essbar. Blüten und Blätter zu Salat, die Wurzel am besten angebraten oder in Pastinake Weisswein geschmort. In Pastinaca sativa England nennt man sie «pflanzliche Auster», andere finden, sie schmecke nach Artischocken. Leider hat die Haferwurzel die gleichen Nachteile wie Topinambur.

PASTINAKE Pastinaca sativa

KNOLLENSELLERIE Apium graveolens Knollensellerie wird ohne viele Übergänge geliebt oder gehasst. Die einen lieben ihn als Schnitzel paniert, anderen ist die Suppe durch dieses Wurzelgemüse vergällt. Im Garten ist er ein unendlich Langsamer. Mitte Februar muss gesät werden, Mitte Mai auf 40 x 40 cm ausgepflanzt, im November erst wird geerntet. Ab und an eine Prise Salz fördert das Wachstum sichtlich. Die Knollen sind nur bis –4 °C frosthart, halten im Keller aber sehr lange. Besonders die Sorte ‘Wiener Riesen’ sei im Freien unter einer dicken Stroh- oder Laubschicht zu überwintern – wenn es die Maus nicht merkt.

FOTOS: FRANCA PEDRAZZETTI, BEAT BRECHBÜHL, GAP-PHOTOS

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Die kultivierte Pastinake keimt nur aus ganz frischen Samen. Spriesst auch bei früher Aussaat im April nichts, gleich ein Päckchen einer anderen Sorte nachsäen. Markiersaat mit Radieschen zeigt die Reihen. Die 40 cm dazwischen können mit Salat und Kohlrabi bepflanzt werden, damit sich das viele Giessen lohnt. Die Pastinake wird im Keller schrumpelig und braun. Im Beet bleibt sie frisch. Leider lieben auch Wühlmäuse die dicken, langen Wurzeln. Aus Übriggebliebenen wachsen im Frühling sehr schöne Blütenstände auf, die man aber nur betrachten und möglichst nicht berühren sollte, da sie schwere phototoxische Verbrennungen verursachen können. PastinakenFrites aus dem Ofen schmecken allen, auch denen, die den Brei nicht mehr sehen können.

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Serie

T IE R E IM G ARTE N

VON IGELN UND EICHHÖRNCHEN

INFOS • Bezug von Informationsbroschüren, Anlaufstelle bei Fragen oder Fund von Tieren: • Verein pro Igel, Russikon Tel. Mo. bis Do., Tel. 044 767 07 90, bei Notfällen 24 h, mobil 079 652 90 42 www.pro-igel.ch • Eichhörnchenstation Buttwil Tel. 056 664 68 84 oder mobil 079 465 16 94 www.eichhörnchenstation.ch • Beratung und Gestaltung von Naturgärten, www.bioterra.ch/fachbetriebe/ naturgarten

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Von Sandra Weber

deren lichte Bereiche am Rand, die sich aus Kleinbäumen, Wildfruchtsträuchern und Stauden zusammensetzten und damit eine Fülle an Insekten anzogen. Seit diese Heckenlebensräume, auch an Feld- und Bachrändern, grösstenteils verschwunden sind, mussten Igel notgedrungen in unsere Gärten ziehen.

Was haben Igel und Eichhörnchen gemein? Auf den ersten Blick nicht viel. Beide sind jedoch im Winter auf unser Wohlwollen angewiesen. Igel freuen sich über einen Unterschlupf im Garten, Eichhörnchen über Nüsse Mit etwas Glück finden sie dort Kleinoder Kerne in eisig-frostigen strukturen vor, die ihre Vorfahren noch Zeiten. Kennen Sie das Heckenschwein? Es ist oft nach Einbruch der Dämmerung unter Büschen zu sehen, oder besser gesagt, zu hören. Eifrig schnüffelnd und schmatzend arbeitet es sich durchs Unterholz und macht Larven, Würmern, Käfern und Schnecken den Garaus. Die Rede ist natürlich vom Igel, im Englischen «hedgehog» genannt. Der Name verweist auf seinen bevorzugten Lebensraum. Igel stammen nicht aus dem Wald, sondern bewohnten, als Wälder noch gestuft in die Landschaft übergingen,

in der Landschaft antrafen: dichte Wildobsthecken, Trockensteinmauern, Wildwiesen, Komposthaufen, Laub- und Totholzhaufen und Weiher mit flachem Einstieg, die das Trinken ermöglichen. Kurz: wilde, unaufgeräumte Gärten, die Unterschlupf und Nahrung bieten. Rollt sich der stachlige Geselle zum Schlafen ein, taucht ein paar Stockwerke höher das Eichhörnchen auf. Anders als der Igel ist es tagaktiv und macht keinen Winterschlaf, sondern zehrt in der kalten Jahreszeit von den Vorräten, die es in Astgabeln versteckt

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TIERE IM G A RTE N

oder im Boden vergraben hat. Mittlerweile ist es gar nicht mehr so selten, dass man Vertreter der europäischen Eichhörnchenpopulation, deren Farbe übrigens von rot über braun bis schwarz variieren kann, in Parks und Gärten antrifft. Als Allesfresser sind sie bezüglich Nahrung nicht wählerisch. Nebst Fichtensamen, Bucheckern und Haselnüssen stehen auch Beeren, Wildobst, Vogeleier und wirbellose Tiere wie Würmer auf ihrem Speiseplan. Nur Eicheln mögen sie nicht, trotz ihres Namens. In Menschennähe führen sie ein gefährliches Leben. Zwar müssen sie weniger ihre natürlichen Feinde wie Uhu, Baummarder und Habicht fürchten, dafür drohen Hunde, Katzen und Autos. Auch kann es vorkommen, dass Tiere in Regentonnen oder Swimmingpools ertrinken. Darum sollten diese abgedeckt oder mit Ausstiegshilfen versehen werden. In strengen Wintern kann man die Hörnchen mit vor Nässe, Kot und Katzen geschütztem Futter unterstützen – geeignet sind Baum- und Haselnüsse (keine Erdnüsse), Sonnenblumen- und Kürbiskerne. Eichhörnchen halten sich am liebsten auf hohen Bäumen auf. Zudem bieten eichhörnchenfreundliche Gärten nebst einem natürlichen Nahrungsangebot in Form von Wildobststräuchern oder Nussbäumen auch Versteckmöglichkeiten und die Gelegenheit zur Fortbewegung ohne Bodenkontakt. Offene Flächen werden aus Angst vor Raubvögeln gemieden. Übrigens: Falls Sie sich wieder einmal über das in unseren Ohren unschön klingende Gekrächze von Krähen und Elstern ärgern, denken Sie daran, dass deren alte Nester nicht selten von Eichhörnchen übernommen und zu Kinderstuben umfunktioniert werden.

Asthaufen: Winterplatz für Igel.

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Die Angst vor dem Grauhörnchen In England haben zwischen 1870 und 1930 ausgesetzte amerikanische Grauhörnchen die roten, einheimischen Eichhörnchen fast vollständig verdrängt. Sie sind kräftiger, erfolgreicher in der Jungenaufzucht und nutzen ein breiteres Futterangebot. Zudem können sie Überträger des für die Eichhörnchen tödlichen ParapoxVirus sein. Auch in Norditalien leben eingeführte Grauhörnchen. Es wird befürchtet, dass sie in die Schweiz einwandern könnten. Allerdings ist unklar, wie gross die Gefahr wirklich ist, da sich die Situation nicht mit der in England vergleichen lässt. In Italien leben die Grauhörnchen vor allem in Parks und Gärten, wo sie gefüttert werden. Zudem sind sie nicht vom Virus befallen. In England sind viele Wälder künstlich mit nicht einheimischen Bäumen aufgeforstet worden.

Drei Fragen an:

BERNHARD BADER Geschäftsleiter Verein Pro-Igel

Was sind die häufigsten Fehler, die beim Umgang mit Igeln gemacht werden? Dass man die Tiere an einem vermeintlich sicheren Ort aussetzt. Igel sind reviertreu und in fremder Umgebung verloren. Zudem sollte man sie nicht regelmässig füttern. An Futterstellen können Krankheiten und Parasiten übertragen werden. Meist wird auch das Falsche angeboten – etwa Milch, was sie gar nicht vertragen. Wenn gefüttert werden muss, dann nur mit Katzenfutter.

Welches sind die grössten Gefahren für Igel im Siedlungsgebiet?

WINTERSCHLAF Bald begeben sich Igel wieder in den Winterschlaf, der von November bis in den April dauern kann. Dafür ein passendes Plätzchen zu finden, ist in aufgeräumten Gärten schwierig. Dabei würde ein grosser Ast- und Laubhaufen in einer ruhigen Ecke schon reichen. Man kann dem Igel aber auch ein selbst gebautes, vor Nässe geschütztes Holzhaus zur Verfügung stellen. Tipps und Anleitungen findet man unter www.igelzentrum. ch im Bereich «für Fachleute und Interessierte».

Die grösste Gefahr ist der Verlust von Lebensraum: Aufgeräumte Gärten, die weder Nahrung noch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Störungen und Gefahren durch Laubbläser, Fadenmäher, Tellersensen, Marderabwehr, Gift, Verkehr, Obstschutznetze, Schwimmbäder und Lichtschächte kommen noch dazu. Im naturnahen Garten soll man Kompost- und Laubhaufen stets vorsichtig umsetzen und nicht blindlings mit der Mistgabel hineinstechen.

Was soll man mit einem gefundenen Igel machen? Das kommt sehr auf die Situation und den Zustand des Tieres an. Am besten beobachten und sofort die Igelstation kontaktieren. Wir sind über unsere Notfallnummer rund um die Uhr erreichbar. BUCHTIPPS: Igel im naturnahen Garten, C. Biermann, Cadmos-Verlag, München, 2013, Fr. 18.90. Eichhörnchen ganz nah, H. Adam, R. Kauffelt, BLV-Verlag, München, 2016, Fr. 21.90.

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F UT T E R GE H Ö LZ

SC H M A U S für kalte Tage

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FUTTERGE HÖL Z

Der Herbstwind pfeift ums Haus, es ist nass und kalt draussen. Einheimische Wildgehölze, in vielen Fällen mit leuchtend roten Früchten und Beeren, bieten jetzt Vögeln Nahrung. Von Katharina Nüesch Letzte Blätter hängen an Bäumen und Sträuchern. Bald versinkt der Garten im Winterschlaf und wir träumen vom nächsten Frühling. Wo monotone Rasenflächen und exotische Sträucher vorherrschen, ist der Aussenbereich zur winterschlafenden Kulisse jenseits der Fensterscheiben geworden. Nicht aber strukturreiche, naturnah gestaltete Gärten, denn Herbst und Winter sind die Zeit der einheimischen Wildgehölze. Ihre oft leuchtend roten Beeren locken viele Vögel an. Und wo es zwitschert, flattert und pickt, da ist Leben und Farbe. Unsere gefiederten Freunde schnabulieren jetzt Früchte von Hecken und Gebüschen. «Wie viele Vögel in Gärten vorkommen, hängt stark von der Bepflanzung ab», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. Gartenvögel lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: In Körnerfresser und Insekten- und Weichfresser. Zu Letzteren gehören Rotkehlchen, Grasmücken, Drosseln und Stare. Sie bevorzugen mit ihren langen Schnäbeln Insekten, Beeren und Früchte. «Vögel bereiten sich im Herbst für den Wegzug oder die Überwinterung vor und fressen sich Fettreserven an», sagt der Biologe. Nun nehmen auch Insektenfresser das reichhaltige Beerenangebot an, um möglichst schnell an Gewicht zuzulegen.

FAVORISIERTE HOLUNDERBEEREN Der Naturgärtner Christian Siegrist führt in Seengen im Aargauer Freiamt eine auf Wildgehölz spezialisierte Baumschule. Er beobachtet beim Jäten immer wieder Keimlinge von Pflanzen, die er nicht ausgesät hat. «Sie keimen an Orten, wo kein Strauch der gleichen Art wächst», sagt er. Siegrist nimmt an, dass Vögel sie in der Baumschule verbreiten. Ein Indiz für den Gärtner, dass die Früchte dieser Sträucher gerne gefressen werden. Darum empfiehlt er sie auch Kunden, die Vögel in den Garten

locken möchten. Auf dem herbstlichen Menuplan der Tiere stehen Früchte von Hecken-, Traubenkirschen, Schlehen, Berberitzen, Wildrosen, Pfaffenhütchen und vielen anderen Wildgehölzen. «Holunderbeeren werden häufig gleich zu Beginn gefressen, auch Liguster und Vogelbeeren verschwinden ziemlich bald von den Ästen», sagt Livio Rey. Früchte wie Hagebutte und Schwarzdorn müssen einmal gefroren sein, damit sie für den Weichfresser weich genug sind. Gewisse Früchte, zum Beispiel diejenigen des Schneeballs oder der Stechpalme, werden erst spät gefressen. Vermutlich zieht der Gourmet-Schnabel anderes vor. Die meisten Wildgehölze sind dekorativ, sowohl als Solitärpflanze wie auch als Hecke. «Eine Pflanze, die Vögel und Insekten Nahrung liefert, sieht aber nicht das ganze Jahr perfekt aus», sagt Christian Siegrist. So hat der Schneeball während des Sommers löchrige Blätter und das Pfaffenhütchen wird regelmässig von der Gespinstmotte befallen. Ihre Raupen fressen den Strauch bisweilen kahl und überziehen ihn mit weissen Gespinsten. «Das ist kein erfreulicher Anblick, aber beide erholen sich wieder und haben sehr schöne Früchte.» Schon für kleinere Gärten gibt es eine Reihe Vogelnährgehölze. Als Solitär ist die Vogelbeere attraktiv. Sie wird

nicht allzu hoch, die Krone ist licht, das Wurzelwerk locker. So fühlen sich zu ihren Füssen Stauden für den Schatten oder den Halbschatten wohl. Ihre cremeweissen Blütendolden blühen im Mai, ab August leuchten orangerote Früchte aus dem im Herbst toll gefärbten Laub. Bekannt ist die bereits im März zartgelb blühende Kornelkirsche, der Strauch oder Kleinbaum, der im Volksmund gerne als «Tierlibaum» bezeichnet wird. Die Kornelkirsche reift im August heran und schmeckt nicht nur Vögeln; die Konfitüre ist fein! Auch Wildrosen machen sich mit ihren lieblichen Blüten und fröhlichen Hagebutten gut in kleinen Gärten. Und als Immergrüne eignen sich Stechpalme und Efeu im Winter als Sichtschutz. Efeu bietet Vögeln zudem, als letzte Pflanze im Fruchtschmaus-Reigen, bis zum Winterende Nahrung.

Das Themenheft «Vögel rund ums Haus» der Vogelwarte Sempach liefert eine detaillierte Übersicht, welche Sträucher Vögeln Nahrung bieten www.vogelwarte.ch/de/ shop/broschueren/voegel-rundums-haus). Wir stellen auf den folgenden Seiten eine Auswahl der empfohlenen einheimischen Wildgehölze vor. WILDGEHÖLZ

PFLANZEN UND PFLEGEN Christian Siegrist rät, Wildgehölze im Herbst und Winter zu pflanzen. Bei der Pflanzung sind Standort und Boden zu berücksichtigen. Die Pflanze braucht anfangs viel Wasser, damit sie gut anwachsen kann. Viele Gehölze liefern schon ab dem dritten Jahr Nahrung für Vögel; bis eine schöne Wildhecke herangewachsen ist, braucht es etwas länger. Vogelnährgehölze eignen sich nicht für den Formschnitt, da die Blüten weggeschnitten würden. Und wo keine Früchte sind, haben die Vögel nichts zu fressen. www.siegristbaumschule.ch

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P F L A NZ E N E N TD E CKE N

Klaus Oetjen, Gartendirektor Alpinum Schatzalp und Plantsman.

IN FERNEN WELTEN

Pflanzen erleben Pflanzenj채ger ist ein Wort der botanischen Historie. Doch noch immer weckt es Assoziationen wie Forschergeist und Abenteuerlust. Ein Gespr채ch mit Staudeng채rtnermeister Klaus Oetjen 체ber das Entdecken von Pflanzen heute.

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PFLA NZ EN ENTDE C K E N

Von Carmen Hocker Warum gibt es in unseren Gärten so viele Pflanzen aus anderen Ländern? Weil es seit Christoph Kolumbus immer wieder Abenteurer gab? – Entdecker und Sammler, die Samen und Pflanzen aus fernen Ländern mitbrachten? Ganz so einfach ist die Antwort auf diese Frage nicht. Tatsache ist, dass sich der Ursprung vieler beliebter Gartenpflanzen auf die frühen Weltreisenden zurückführen lässt. Manchmal geben ihre botanischen Namen Aufschluss darüber. So brachte Philipp von Siebold im 19. Jahrhundert die Blaublatt-Funkie Hosta sieboldiana aus Japan mit. Und Ernest Henry Wilson (1876–1930) die Königslilie Lilium regale und viele weitere aus Tibet und China. Pflanzennamen mit dem Zusatz wilsonii gehen auf ihn zurück. Einer, der sich in der heutigen Zeit der Pflanzensuche widmet, ist der Gartendirektor Klaus Oetjen, in dessen Obhut seit 2003 der botanische Garten des Hotels Schatzalp in Davos liegt. Im Winter, wenn der Garten unter einer Schneedecke ruht, bereist der erfahrene und wissbegierige «plantsman» andere Kontinente, um Pflanzen in natura zu sehen, auf die er durch befreundete Pflanzenliebhaber, Bücher oder Filmdokumentationen aufmerksam wurde. Hätte es Sie gereizt, in früheren Jahrhunderten als Pflanzenjäger durch die Welt zu reisen und zu entdecken, was vor Ihnen noch kein Europäer zu Gesicht bekommen hat? Klaus Oetjen: Ja natürlich, aber diesen Ehrgeiz habe ich aus heutiger Sicht weniger. Für mich zählt, Pflanzen mit eigenen Augen zu sehen. Meine Leidenschaft ist es, selbst Analogien zu finden, dieses Wissen zu kombinieren und für die Gärten nutzbar zu machen. Wie sieht solch eine Analogie aus? In der deutschsprachigen Gartenliteratur liest man, dass Fackellilien Kniphofia trocken wachsen. Als ich in Südafrika war, habe ich fast jedes Mal nasse Füsse bekommen, wenn ich

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Kniphofia caulescens in Lesotho.

«Viele meiner Ideen bekomme ich auf meinen Reisen zu den Pflanzen.»

mich einer näherte. Trotzdem ist es richtig, sie in tieferen Lagen Mitteleuropas trockener zu pflanzen, weil dort die Winter ungleichmässiger sind. Das Auf und Ab in der Wachstumsphase mögen sie gar nicht. Bei uns auf fast 2000 m Höhe kennen Fackellilien dieses Problem nicht. Da sie erst viel später austreiben, können sie problemlos nass stehen und blühen so überschwänglich wie in ihrer Heimat. • Die ersten Entdeckungsreisen der Europäer waren vorwiegend wirtschaftlich ausgerichtet: Was können wir gebrauchen, was schmeckt gut und vor allem – womit können wir Gewinn machen? Kaum jemand überlegt heute beim Kauf von Kartoffel, Aubergine, Tomate oder Mais, dass unser Speiseplan überwiegend auf gebietsfremden Pflanzen, sogenannten Neophyten, basiert. Dass Handelskriege dazu führten, ganze Schiffsladungen wertvoller Gewürze wie Zimt und Vanille zu versenken, ist vielen Menschen ebenso wenig bewusst. Idyllischer ist der Gedanke an heroische Botaniker, die ihr Leben riskierten, um seltene Orchideen im Amazonasgebiet zu zeichnen.

Was bedeutet «Pflanzenjagd» für Sie persönlich? Erlebnis – zu sehen und zu lernen – und Erholung, einen freien Kopf zu bekommen. Die Pflanzen an ihrem ursprünglichen Ort in ihrem Habitat zu sehen, ist auf vielen Ebenen sehr wertvoll. Wenn ich heute auf Pflanzenjagd gehe, dann mit Kamera und Notizblock. Zum Skizzieren fehlt mir die Zeit. Da ich Länder bereise, in denen ich noch nie war, möchte ich in kurzer Zeit möglichst viel sehen. Seit 2003 bin ich jeden Winter für zwei bis

Ernest Henry Wilson (1876–1930).

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Serie

E R L E B N ISW E LT B IO G ARTE N

KNOLLENSELLERIE Das geschmackvolle Gem체se hat eine lange Kulturdauer. Mitte Februar wird Knollensellerie ges채t und erst im November ist Erntezeit. Das Wintergem체se ertr채gt keinen Frost. Die Knollen halten sich aber im Keller oder in einer Styroporkiste auf dem Balkon sehr lange.

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ERLEBNIS WELT BI OGA RTE N Der Biogarten im Spätherbst

Was soll oder muss man einwintern? Von Jochen Elbs-Glatz In einem eher dynamisch geplanten Garten, in dem nicht Gemüsebeet und Rabatte bleiben, wo sie immer waren, beginnt das Einwintern mit der Saat der Wintergemüse und -salate im Juni. Es muss gut überlegt werden, nicht dass dann Zuckerhut überwintern will, wo das neue Spargelbeet vorbereitet werden müsste. Nach der Ernte der sehr späten, krautfäuleresistenten Kartoffeln ‘Blue Danube’ und ‘Sarpo Mira’, wenn der Roggen zur überwinternden Gründüngung gesät ist, geht das Aufräumen richtig los. Da es jetzt zwischen Murg und Murgkanal sehr feucht wird und kaum noch abtrocknet, muss alles Textile und Lederne und Pflanzliche aus der Gartenhütte heimgebracht werden. Die Arbeitshandschuhe wandern hin und her, weil der Schimmel sie zwar mit neuen Mustern ziert, die klammkalte Haptik aber nicht zum Anziehen einlädt. Als Nächstes leeren wir alle Wasserstanden aus Zinkblech. Über einen

angezogenen Schlauch läuft das Wasser langsam ab und kann gleich versickern. Vom Versuch, eine Stande von 500 l auszukippen, rate ich ab. Auf den Kopf gestellt, mit zwei Holzscheiten stabil unterlegt und mit etwas Falllaub gefüllt, dienen die Standen manchem zum Winterquartier. Giesskannen werden kopfüber aufbewahrt, weil schon wenige Zentimeter gefrierendes Wasser den Kannenboden auswölben können. Der Wassergarten in den Gelten bleibt bis zum ersten Frost voll. Dann hält eine Eisschicht Pflanzen und Erde fest. Die Gefässe können auf die Seite gelegt werden und das Wasser fliesst durch ein ins Eis gehauenes Loch ab. Kippt man die noch nicht gefrorenen Gefässe, ergiesst sich ihr Inhalt in den Garten. In alles Wasser, das stehenbleibt oder weiterfliesst, wird ein ordentlicher Ast gehängt und gut befestigt, damit auf winterlicher Wassersuche hineingefal-

Prächtiger Knollensellerie!

Staudenrückschnitt

STEHENDES DARF BLEIBEN Lassen Sie etwas für den Raureif stehen. Sonst muss er – als Nebel – unvollendet vorüberwehen. Garnichts und Garalles sind die Grenzen des Staudenrückschnitts. Ersteres wirkt sehr wild und fürs manche Auge ungepflegt, wenn es auch die meisten Überwinterungsplätze für Insekten erhält. Letzteres entspricht der Mahd mit Rasenmäher oder Motorsense. Auch nicht der Anblick, den man im eignen Garten winterlang vor Augen haben will. Stehendes darf als Halt für den Raureif und als Insektenwohnung stehenbleiben. Störendes, Umgefallenes, Verfilzendes, Fauliges, Erstickendes muss weg.

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M IT L IE B E G E MACH T

AUS DEN SCHÄTZEN DES GARTENS

Eingelegte Feigen und Baumnüsse.

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MIT LIEBE GEM A C HT

Selbst gemachte Geschenke bereiten Freude. Der eigene Garten bietet eine Fülle von Kräutern, Früchten und Gemüse, aus denen man genussvolle und hochwertige Präsente zaubern kann. Ute Studer stellt ein paar besondere Köstlichkeiten vor.

Zwiebelconfit.

Was macht mehr Freude als ein selbst gemachtes Geschenk? Richtig, eines aus dem eigenen Garten. Zumal die biologisch angebauten Produkte erster Qualität von uns mit viel Zeit und Liebe gehegt und gepflegt worden sind. Handkehrum sind Präsente aus demGarten relativ schnell gemacht und lassen sich mit etwas Geschick in wahre Kunstwerke verwandeln. Gerade während der Festtage gibt es viele Einladungen, um die langen Abende mit Freunden oder Verwandten zu feiern. Da ist ein selbst hergestelltes Präsent jederzeit gerne willkommen. Schnell gemacht sind gedörrte Apfelringe, Kräuterteemischungen, Kräutersalz oder ausgefallene Konfitüren in hübscher Verpackung. Nachfolgend Rezepte für ein paar besondere Köstlichkeiten: QuittenChutney, Kräuterelixier, Salbei-KäseTuiles, Peperoncini-Öl, Zwiebelconfit, Schlehen-Likör, Sirup mit Marokkanischer Minze und in Banyuls eingelegte Feigen und Baumnüsse.

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EINGELEGTE FEIGEN UND BAUMNÜSSE Die eingelegten Feigen und Nüsse schmecken gut zu Käse oder zu Vanilleeis.

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ZWIEBELCONFIT Das Rezept für diese Zwiebelconfit stammt aus Frankreich. Es wird dort gerne zu Käseplatten, gebackenem Ziegenkäse und Terrinen gereicht. Das Confit passt aber auch gut als Beigabe zu Raclette oder als Belag für Crostini.

6 bis 8 reife Feigen 100 g Baumnusskerne 1 TL Honig 400 ml Süsswein, z. B. Banyuls

Die Feigen waschen, trocken tupfen und vierteln. Die Baumnusskerne in Stücke brechen. Beides in Gläser verteilen. Honig in etwas erwärmtem Süsswein auflösen und zugeben. Mit dem Süsswein übergiessen. Gläser verschliessen. Einige Tage ziehen lassen und öfter schütteln.

1 EL Olivenöl 800 g rote Zwiebeln 3 EL Honig 1 EL Rohrzucker 150 ml roter Portwein 70 ml Balsamico-Essig • Salz und Pfeffer nach Belieben

Die Zwiebeln werden in Ringe geschnitten und in einer Bratpfanne im Olivenöl auf kleiner Flamme gedünstet. Öfter wenden. Honig und Rohrzucker beigeben und karamellisieren lassen. Dann mit Portwein und Balsamico ablöschen und so lange köcheln lassen, bis die Zwiebelmasse cremig eingedickt ist. Heiss in vorbereitete Twist-off-Gläser füllen und fest verschliessen. Mit dem Deckel nach unten auf einem feuchten Geschirrtuch auskühlen lassen.

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PO RTRÄ T

«Was hat Sinn heute?» Klein und fein, solidarisch und sinnvoll: Im Restaurant «Jakob» in Rapperswil kommt auf den Tisch, was in unmittelbarer Nähe auf den Mischkultur-Gemüsefeldern von Slow-Grow-Bauer Matthias Hollenstein wächst. Von Judith Wyder Matthias Hollenstein hatte in seinem früheren Leben als Polymechaniker und Konstrukteur in Entwicklungsabteilungen schon immer gerne Dinge hinterfragt und erforscht. Als ihm nach zehn Jahren klar wurde, dass er zwar einen interessanten Job hatte, aber auf dem besten Weg war, ein Büromensch zu werden, suchte er eine neue Herausforderung in der Natur. In seiner vierjährigen Ausbildung zum biodynamischen Landwirt genoss er in seinem Lehrbetrieb die Narrenfreiheit, alles ausprobieren zu können, was er wollte. Danach wusste er vor allem eines: dass er als Biobauer einen anderen Weg beschreiten wollte. Er selber, und kein Label, legte die neuen Regeln in seinem ambitionierten Start-up fest: Das Ziel war eine landwirtschaftliche Anbaufläche, auf der gesundes Gemüse mit Urgeschmack in Mischkultur wächst und die mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) aufnimmt, als dass sie ausstösst. Im Fachjargon nennt man dies regenerative Landwirtschaft. Durch Humusaufbau kann der Boden Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und dauerhaft festsetzen. Markus Burkhard stand nicht am selben, aber an einem ähnlichen Punkt: Er hatte in der 35. Etage des Zürcher Prime Tower als «Clouds»-Küchenchef pro Abend 120 Teller auf TopNiveau ins Restaurant abgeliefert – eine aufregende, spannende und anspruchsvolle Aufgabe für einen jungen Spitzenkoch. Dennoch wollte er danach nicht mehr im gleichen Stil weitermachen. «Was hat Sinn heute?», fragte er sich. Tonnenweise Rindsfilets verarbeiten war definitiv nicht zukunftsweisend. Über den Genusstrainer und Bergkartoffelproduzenten Freddy Christandl lernte er Patrick Honauer vom auf biologische und regionale Lebensmittel spezialisierten «Bachser-Märt» kennen, der mit seiner Schwester Nathalie und deren Ehemann Albert Gemperle in Rapperswil das altehrwürdige Hotel «Jakob» in der Altstadt gepachtet hatte. Als man mit Burkhards Partnerin Flavia Hiestand zusammensass, sprang der Funke schnell über: «Wir teilten die Grund-

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haltung und machten uns über die gleichen Dinge Gedanken», sagt Markus Burkhard. Generell ging es darum, sich auf die Vergangenheit zurückzubesinnen, als Nahrungsmittel noch nicht quer durch die Welt reisten, und gleichzeitig die Möglichkeiten der Gegenwart auszuschöpfen. Die Stars in der «Jakob»-Küche wurden nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region, die Burkhard und sein Küchenteam präzise, schonend und mit viel handwerklichem Können und Herzblut zu exquisiten Kreationen verarbeiten. Die Maxime lautet: Wenn Fisch, dann kompromisslos Fisch aus dem See vor der Tür. Und wenn der See nicht genug davon hergibt, ist Fisch am Abend nicht im Angebot. Dazu das Tagesangebot an Gemüse und Früchten von den Bauern in nächster Nähe, frisch vom Feld in den Teller quasi. Anstatt einer Karte führte man im «Jakob» Gänge ein, die Gastgeberin Flavia Hiestand am Tisch erläutert und – falls von den Gästen gewünscht – mit einer kleinen Geschichte zu den Produkten verpackt. Die Gänge selber werden von ihren Erschaffern, den Köchen, persönlich serviert. Und: Das Prinzip «regionaler und einzigartiger» kommt nicht nur bei den Lebensmitteln, sondern auch beim Interieur und Geschirr zum Zug. An den schlichten Buchentischen und Stühlen von Horgenglarus werden Gerichte und Getränke in handgemachtem Geschirr und Gläsern von Zalto aufgetragen. Doch zurück zum Gemüse. «In einer ersten Phase kauften wir das Gemüse bei verschiedenen regionalen Produzenten ein», erinnert sich Flavia Hiestand, die sich heute mit Markus Burkhard die Leitung des Restaurants teilt. Dennoch überzeugte sie die Qualität nicht immer restlos. Just in diesem Moment schneite Matthias Hollenstein im «Jakob» durch die Tür. Nachdem er vier Jahre auf seinem Feld nach dem Prinzip «Trial and Error» die für ihn zukunftsweisende Anbauweise entwickelt und erprobt hatte, die weit über jegliche Bio- und Demeter-Richtlinien hinausgeht, hatte er auf seiner regenerativen Landwirtschaftsanbaufläche endlich den Durchbruch erzielt. Auf weichem, belebtem Humus wächst heute zwischen Zuckermais, Kleeuntersaat und Sonnenblumen, was das Herz jedes Spitzenkochs begehrt: zur Zeit dieses Interviews im Frühherbst etwa Fenchel, Wirz, Edamame, Rüebli, Wassermelonen, riesige Zucchetti, Federkohl und Erdmandeln – pur im Geschmack, intensiv und zart. Bei der Ernte hilft das «Jakob»-Team mit, was für Matthias Hollenstein besonders schön ist. «Früher dachte ich, ich müsse alles selber machen, um mein Gemüse unter die Leute zu bringen. Einen Laden, ein Restaurant. Doch nun macht jeder, was er am besten kann. Gleichzeitig unterstützen und inspirieren wir uns gegenseitig, das ergibt viel mehr Sinn.» www.jakob-rapperswil.ch, www.slowgrow.ch

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BIOTERRA Machen Sie das Beste aus Ihrer Mitgliedschaft! TOP-EVENT BioterraNaturgartentag 2017 Die Tagung widmet sich dem Jahresthema Tiere im Garten «Kleine Helfer – grosse Wirkung». Die acht

Referierenden beleuchten

die Gartenfauna, ihre

ökologischen Funktionen

und die Bedeutung für die Biodiversität.

24. November 2017, ZHAW Wädenswil, Campus Grüental, Detailprogramm: www.bioterra.ch/ngt2017

Porträt

DIE ZAHL

Drei Fragen an Simon Bolz, Naturgärtner, Münsingen BE

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Gartenguide

Adventsmarkt im Gartenbrockenhaus Nostalgisch, trendig, kreativ: Soziale Institutionen bieten Weihnachtsschmuck, Deko-Artikel, Geschenkideen und vieles mehr aus zweiter Hand. Dazu gibts Kulinarisches aus eigener Produktion. 13. 11. bis 23. 12., Hardundgut Gartenbrockenhaus, Embrach ZH www.hardundgut.ch

Personen waren dieses Jahr mit Bioterra auf Reisen und haben spannende Gärten in der Westschweiz, der Normandie und in England kennenge lernt und uns viele tolle Rückmeldungen geschickt. Wir danken dafür!

Was freut Dich an Deinem Beruf?

Dass der Naturgarten so lebendig ist! Was gibt es Schöneres, als bei der Gartenarbeit «Höigümper», Schmetterlinge und viele andere Tiere um sich zu haben? Was ist zentral beim Bau eines Naturgartens?

Von grösster Bedeutung sind die Materialwahl und die Anlage der Strukturen in einem Garten. Jede Mauer, jede Pflanzfläche erfüllt im Naturgarten nicht nur gestalterische Funktionen, sondern bietet auch eine hohe Qualität als Lebensraum. Wie sieht Dein persönlicher Garten – oder Dein Traumgarten aus?

Sauna, Birke, Schwimmteich mit Geburtshelferkröten und vielen verschiedenen Schmetterlingen, sodass man nicht in Ruhe ein Buch lesen kann. Am liebsten irgendwo in der weiten Landschaft, wo die Grenzen zwischen Garten und Umgebung verschmelzen. www.bolz-gartenbau.ch

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Regionalgruppe Zürcher Unterland

«Wir gärtnern im Einklang mit der Natur. Mit unseren vielfältigen und gut besuchten Kursen finden wir immer mehr begeisterte Gleichgesinnte.»

Event

Räuchernacht und Morgenlicht Ein sinnlich-kultureller Abend mit Märchen und improvisierten Geschichten für Erwachsene. Begleitet von Musik, Gesang und verschiedenen Pflanzenräucherungen. Termin/Ort: 15. oder 16. 12., 20 Uhr, Erlen TG, Eintritt: Fr. 30.–, inkl. ein Pausengetränk; Anmeldung: madlen@neubauer.ch, www.neubauer.ch V. l. n. r. oben: Jeannette Fröhlich, Mireille Gruber, Erwin Hollenstein, Margrit Bucher; unten Silvia Aharon, Susanne Cetkovic, Monika Rudin.

Event

Adventsmarkt in der Gärtnerei. Mit Lichtern, Düften, Formen und einem Adventsbeizli. Termin/Ort: 18./19. 11., Biogärtnerei Neubrunn, Schaffhausen, www.altrash.ch

Kurs

Workshop Adventsdekoration Adventsdekoration im Effingerhort in Holderbank AG. Workshop mit Kathrin Leu. Fürs Kranzen und gute Stimmung sorgt Hansjörg Schilliger, Gärtner im Effingerhort.

KURS-HIGHLIGHT Nistkästen

Nistkästen bauen mit Ornithologen Nach einer Einführung in die Thematik lernen die Teilnehmenden, wie ein Vogelnistkasten neu gebaut oder ein alter repariert wird. Kursleiter ist Franz Baeriswyl, Obmann des ornithologischen Vereins Alterswil. Der Verein mit seinen 40 Mitgliedern ist sehr aktiv und unterhält rund 800 Brutkästen. Termin/Ort: 25. 11. (Anmeldung bis 19. 11.): m.wyss@sensemail.ch, 077 404 30 23, Alterswil FR

Termin/Ort: 18. 11., Effingerhort, Holderbank AG, Anmeldung bis 13. 11.: Tel. 062 887 80 80, info@effingerhort.ch

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Schenken Sie Ihren Liebsten, Freunden und Bekannten zu Weihnachten hochwertige, sinnvolle und formschöne Produkte von Bioterra.

LESERANGEBOT: GARTENGERÄTE VON SNEEBOER IN GESCHENKVERPACKUNG Aus unserem Sortiment bieten wir drei Qualitätswerkzeuge von Sneeboer in schöner Geschenkverpackung (gefüllt mit Holzwolle) an.

Pflanzkelle mit Kirschholzgriff Kelle zum Pflanzen und Umpflanzen. Länge (inkl. Kopf): 31 cm, Kopfbreite: 9,5 cm, Gewicht: 0,24 kg

Handspaten mit Kirschholzgriff Für tiefes Graben und Ausstechen von Wildkräutern. Länge (inkl. Kopf): 35 cm, Kopfbreite: 3,5 cm, Gewicht: 0,25 kg

Handgabel mit Kirschholzgriff Gabel zur Auflockerung des Bodens, zum Entfernen von Wildkräutern und Ausgraben von Pflanzen. Länge (inkl. Kopf): 28 cm, Kopfbreite: 7 cm, Gewicht: 0,22 kg Preis je Fr. 64.– für Mitglieder

Pflegeset für Werkzeuge von Sneeboer Das Pflegeset eignet sich zur Pflege von Gartengeräten aus Edelstahl und deren Holzgriffen. Eine Holzkassette aus Erlenholz, gefüllt mit allem, was Sie zur Pflege Ihrer Qualitätswerkzeuge benötigen. Das Pflegeset enthält eine Bürste, die mit Messingdrahtborsten und einem Griff aus unbehandeltem Buchenholz bestückt ist. Hiermit werden starke Verschmutzungen und Rost entfernt. Mit der Handfeile werden Kanten von Spaten und Schaufeln geschärft, mit dem Leinöl Holz- und Metallteile eingerieben. Der dazu benötigte Lappen liegt dem Set bei. Preis Fr. 64.– für Mitglieder Bestelltalon Seite 67

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LESERANGEBOT: HANDGEFERTIGTES HYAZINTHENUND AMARYLLISGLAS Von der Glasbläserin Rahel Koller bieten wir je ein handgefertigtes Hyazinthen und Amaryllisglas an. Das Hyazinthenglas wird mit je einer Zwiebel in Bio-Qualität geliefert (s. auch Seiten 40/41). Bestelltalon Seite 67 Hyazinthen-Glas mit Zwiebel Sorten zur Auswahl: Pink ‘Jan Bos’ Lila ‘Purple Sensation’ Weiss ‘White Pearl’ Blau ‘Blue Pearl’ Durchmesser: 7,5 cm, Höhe: 26 cm Preis: Fr. 71.– für Mitglieder Amaryllis-Glas (ohne Zwiebel) Durchmesser: 13,5 cm, Höhe: 33 cm Preis: Fr. 149.– für Mitglieder

LESERANGEBOT: GESCHENKSET VON DER SCHWEIBENALP In Zusammenarbeit mit der Alpinen Permakultur Schweibenalp bieten wir unseren Leserinnen und Lesern drei verschiedene Geschenksets an. Alle Produkte werden auf der Schweibenalp hergestellt und sind in Bio-Qualität.

Geschenkset «Gourmet Blüte und Blatt» Tee «Schweibenalp» 15 g Blütensalz 80 g in Mühle Bergkräuteröl 100 ml Essig Rosenblüten-Goldmelissen 100 ml Preis: Fr. 36.– für Mitglieder

Geschenkset «Alpen Power Set» Tee «Neue Lebenskraft» 15 mg Sirup «Alpenbitter» 250 ml Salz «Alpenzauber» 80 g in Mühle Thymianöl 100 ml Preis: Fr. 39.– für Mitglieder

Geschenkset «Kräutertrunk» Tee «Griechischer Bergtee» 15 g Sirup Minze 250 ml Salbeiöl 100 ml Thymianlikör 100 ml Preis: Fr. 45.– für Mitglieder Bestelltalon Seite 67

LESERANGEBOT: MARIA THUN AUSSAATTAGE 2018 Fast ihr ganzes Leben lang forschte Maria Thun, wie kosmische Kräfte auf Gartenkulturen wirken. Im Kalender «Aussaattage» sind günstige Zeiten für das Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten von Gemüse und anderen Gartenpflanzen enthalten. Preis: Fr. 11.90 für Mitglieder Bestelltalon Seite 67

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BIOTERRA

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18.10.17 16:01

BIOTERRA NOV./DEZ 2017  

Dunkle Rottöne bis Pink haben es Anita Leuthold angetan. «In der grauen, oft schneelosen Frühwinterzeit braucht es doch warme, fröhliche Far...

BIOTERRA NOV./DEZ 2017  

Dunkle Rottöne bis Pink haben es Anita Leuthold angetan. «In der grauen, oft schneelosen Frühwinterzeit braucht es doch warme, fröhliche Far...

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