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BIORAMA Nº. 51

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MILCH

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Thomas Weber

Meterware Milch Regal-Check: Milch ist nicht gleich Milch. Welche Milch kann was? Und wo steckt doch mehr Marketing als Qualität drin? Vollmilch von der Kuh hat einen Fettgehalt von mindesten 3,5 %. Der natürliche Fettgehalt liegt meist bei etwa 4,2 % und variiert je nach Rasse und Fütterung. Gehandelt wird vor allem pasteurisierte Milch, die nach dem Melken für wenige Sekunden auf über 72 Grad erhitzt wird, um Keime und andere Krankheitserreger abzutöten. Für Rohmilch – laut EU-Recht »das unveränderte Gemelk von Nutztieren, das nicht über 40°C erhitzt und keiner Behandlung mit ähnlicher Wirkung unterzogen wurde« – gelten besonders strenge Hygienevorgaben. Rohmilch – ein wachsender Nischenmarkt – wird teilweise direkt ab Hof vermarktet, in Reformhäusern verkauft oder aber zu Käsen verarbeitet. Die neben Rohmilch »natürlichste« Milch ist also frische Vollmilch. Im Handel wird allerdings immer öfter länger haltbare Milch verkauft: esl-Milch (gekühlt bis zu 3 Wochen haltbar) sowie die H-Milch (ungekühlt bis zu vier Monate haltbar). esl-Milch ist mittlerweile sogar in Bio-Qualität erhältlich. »Wir haben lange diskutiert, ob wir eine esl-Milch ins Sortiment einführen sollen, weil es ein großer Schritt im Bio-Bereich ist,« erklärt Martina Hörmer von Ja! Natürlich. Schließlich bringt jeder Verarbeitungsschritt mehr die Bio-Bewegung einen Schritt weiter weg von ihrem ursprünglichen Verständnis von Bio. »Wir haben uns aber schließlich dafür entschieden.« Diese auch von anderen Vermarktern ähnlich getroffene Entscheidung dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Milch und Molkereiprodukte neben Eiern die meistverkauften Bio-Produkte überhaupt sind.

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Was ist … Bio-Milch? Bio-Milch ist nicht gleich Bio-Milch. Einerseits weil einige Bioverbände (Naturland, Bioland, Bio Austria) aber auch Handelsmarken (Ja! Natürlich, Zurück zum Ursprung) von Mitgliedern oder Produzenten höhere Standards punkto Tierwohl einfordern als vorgeschrieben. Andererseits weil sowohl Bio-Frischmilch, als auch Bio-Heumilch, Bio-esl-Milch oder laktosefreie Bio-Milch verkauft wird. Der Naturland Verband hat sogar ein eigenes »Naturland Fair«-Siegel definiert, das etwa einige Bio-Produkte der Molkereien Berchtesgadener Land oder Söbbeke führen. Für Bio-Milchbauern gelten strenge Tierhaltungsauflagen, die auch jährlich kontrolliert werden.

Was ist … Heumilch? Seit kurzem ist Heumilch eine von der EU anerkannte und standardisierte »garantiert traditionelle Spezialität« in den Ländern entlang des Alpenbogens. Durch ihren höheren Anteil an Omega3-Fettsäuren ist Heumilch zwar bekömmlicher als normale Industrie-Milch, aber nicht automatisch auch Bio-Milch. Wobei sich auch im Bio-Bereich Heumlich durchsetzt. Philipp Thiel von den Ökologischen Molkereien Allgäu (öma) sieht darin »eine Zusatzqualifikation für hochwertige Bio-Produkte«. Fazit: Heumilch ist jedenfalls besser als »normale« Milch, aber nur Bio-Heumilch ist wirklich empfehlenswert.

02.10.17 19:06

Biorama #51  

Milch: Über ein boomendes Verlustgeschäft. Und Bio als Alternative. / Alpen: Der Ausverkauf eines Gebirges. / Kunst: Das Politische in Natur...

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Milch: Über ein boomendes Verlustgeschäft. Und Bio als Alternative. / Alpen: Der Ausverkauf eines Gebirges. / Kunst: Das Politische in Natur...

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