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Sonderausgabe Mykotoxine

Photo: ChuckieEgg

Mykotoxine

Ein Magazin von

Kennen Sie Ihr Mykotoxinrisiko? Die neuesten Ergebnisse der Mykotoxin-Studie von BIOMIN

Die richtigen Nachweismethoden


Editorial Kennen Sie Ihr Mykotoxinrisiko? Bereits früh in seiner Karriere als Unternehmer hat Erich Erber, der Gründer von BIOMIN und der Erber Group, festgestellt, dass die Erfahrung der Kunden hinsichtlich der Mykotoxine regional sehr unterschiedlich ist. Er selbst hatte die Auswirkungen einer Mykotoxinbelastung auf Lebens- und Futtermittel sowie auf die Nutztiere längst erkannt und einen Plan zur Bekämpfung dieses Problems ausgearbeitet. 1988 begann BIOMIN, eine mittlerweile seit langem bestehende, enge Zusammenarbeit mit der globalen Forschungscommunity aufzubauen, um die Wirkungsweise der Mykotoxine immer besser verstehen und so wirksamer gegen sie vorgehen zu können. Die Forschungsarbeit hat Früchte getragen. 1991 hat BIOMIN den Mykotoxin-deaktivierenden Zusatz Mycofix® auf den Markt gebracht. Das erste Service-Labor in Österreich nahm in den späten 1990er-Jahren seinen Betrieb auf. Die Übernahme von Romer Labs® durch die Gruppe im Jahr 1999 brachte auf dem Gebiet der Analysemethoden weitere, weltweit anerkannte Sachkompetenz. 2004 wurde die erste jährliche BIOMIN Mykotoxin-Studie veröffentlicht. Heute, nach mittlerweile mehr als 30 Jahren, haben wir ein deutlich klareres Bild vom Ausmaß und der Bedeutung des globalen Mykotoxinproblems. Die Unternehmen der Erber Group tragen mithilfe von Seminaren, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Verbreitung der Forschungsergebnisse bei, sodass neue Technologien bei Kunden in mehr als hundert Ländern zur Anwendung kommen kann. In dieser Ausgabe von Science & Solutions besprechen wir detailliert die Ergebnisse der neuesten Mykotoxin-Studie und befassen uns auch mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mykotoxinnachweismethoden. Jahrzehntelange Forschung sowie die Erfolgsgeschichte aus Innovation und vollem Engagement für die Kunden durch die Unternehmen der Erber Group haben dazu geführt, dass Sie nun von den Tools für ein modernes Mykotoxin-Risikomanagement profitieren können. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft mit Begeisterung und Engagement beschreiten.

Eva Maria BINDER Chief Research Officer Erber Group

Science & Solutions • Special Issue MTX


Photo: typssiaod

Inhaltsverzeichnis

Ergebnisse der BIOMIN Mykotoxin-Studie 2015

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Neueste Ergebnisse der umfassendsten und am längsten laufenden Mykotoxin-Studie. Von Michele Muccio, MSc und Sabine Masching, MSc

Finden Sie die richtige Methode für den Mykotoxinnachweis

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Überlegungen für individuelle Lösungen. By Philipp Gruber, DI

Science & Solutions ist eine monatlich herausgegebene Veröffentlichung der BIOMIN Holding GmbH, die kostenlos an unsere Kunden und Partner verteilt wird. Jede Ausgabe von Science & Solutions präsentiert Themen zu den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Tierernährung und Gesundheit und konzentriert sich jedes Vierteljahr auf eine Tierart (Geflügel, Schwein oder Wiederkäuer). ISSN:2309-5954 Eine digitale Kopie und weitere Informationen finden Sie unter: http://magazine.biomin.net Wenn Sie an Nachdrucken von Artikeln interessiert sind oder Science & Solutions abonnieren möchten, wenden Sie sich bitte an magazine@biomin.net Redaktion: Mit Beiträgen von: Marketing: Recherche: Herausgeber:

Ryan Hines Eva Maria Binder, Philipp Gruber, Sabine Masching, Michele Muccio, Karin Nährer Herbert Kneissl Franz Waxenecker, Ursula Hofstetter, Paolo Doncecchi BIOMIN Holding GmbH Erber Campus 1, 3131 Getzersdorf, Österreich Tel: +43 2782 8030 www.biomin.net

©Copyright 2016, BIOMIN Holding GmbH Alle Rechte vorbehalten. Mit Ausnahme der im Copyright, Designs and Patents Act von 1988 genannten Regelungen darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne schriftliche Genehmigung des Inhabers des Urheberrechts in irgendeiner materiellen Form für kommerzielle Zwecke vervielfältigt oder kopiert werden. Alle hierin enthaltenen Fotos sind Eigentum der BIOMIN Holding GmbH oder werden unter einer Lizenz verwendet.

Ein Magazin von BIOMIN

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Südeuropa

20% 61% 66% 19% 72% 35%

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

18% 34% 32% 11% 70% 4%

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

18% 54% 53% 8% 84% 62%

33% 91% 56% 24% 88% 2%

Südafrika

Südamerika

Afrika

Afla 0% ZEN 14% DON 100% T-2 0% FUM 76% OTA 76%

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

2% 75% 84% 57% 52% 13%

0% 27% 76% 38% 23% 4%

Naher Osten

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Nordeuropa

Mitteleuropa Mittelamerika

Nordamerika

Afla 2% ZEN 30% DON 67% T-2 3% FUM 39% OTA 2%

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Afla 6% ZEN 94% DON 86% T-2 0% FUM 76% OTA 0%

Ergebnisse der BIOMIN Von

Michele Muccio und Sabine Masching, Produktmanager Mykotoxin-Risikomanagement

Die neueste Ausgabe der jährlichen Studie enthält die Ergebnisse von mehr als 31.000 Analysen von 8.271 Futtermittelproben aus 75 Ländern und unterstreicht die Gefahren, die von den HauptMykotoxinen in Futterrohstoffen ausgehen, sowie das potenzielle Risiko für die Nutztierproduktion.

D

ie Ergebnisse dieser Studie liefern einen Überblick über das Vorkommen von Aflatoxinen (Afla), Zearalenon (ZEN), Deoxynivalenol (DON), T-2-Toxin (T-2), Fumonisinen (FUM) und Ochratoxin A (OTA) in den Futterausgangsstoffen, zu denen unter anderem Mais, Weizen, Gerste, Reis, Sojabohnenmehl, Maisglutenmehl, Trockenschlempe (DDGS) und Silage zählen.

2

Risikoniveau Die leistungsstarken und hoch sensitiven, modernen Nachweisverfahren (z. B. LC-MS/MS, basierend auf der multiplen Mykotoxinanalyse mit Spectrum 380®) ermöglichen eine fundierte Aussage nicht nur über diereine Anwesenheit von Mykotoxinen sondern auch über das Konzentrationsniveau der einzelnen Mykotoxine Dementsprechend lässt sich anhand der neuesten Studienergebnisse eine Mykotoxin-Risikokarte erstellen, die sowohl auf der Präsenz von Mykotoxinen

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Nordasien

24% 39% 51% 33% 32% 55%

Südasien

Südostasien

Osteuropa

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

13% 59% 88% 3% 65% 18%

47% 63% 60% 1% 83% 16%

Abbildung 1. Weltkarte des Mykotoxinvorkommens bzw. -risikos in den verschiedenen Regionen. Die Quadrate geben den Prozentsatz an analysierten, mit Mykotoxinen kontaminierten Proben pro Region an. Das Risiko pro Region wird anhand der Anzahl der Durchschnittswerte kalkuliert, die über dem Risikogrenzwert für das jeweilige Mykotoxin liegen. Die Farben der Quadrate in der nachstehenden Legende geben das unterschiedliche Risikoniveau an.

97% 24% 20% 1% 90% 81%

Ozeanien

Legende Afla ZEN DON T-2 FUM OTA

■ Moderates Risiko = 1 oder 2 Mykotoxine über dem empfohlenen Grenzwert

35% 27% 24% 1% 40% 11%

■ Hohes Risiko = 3 oder 4 Mykotoxine über dem empfohlenen Grenzwert ■ Schwerwiegendes Risiko = 5 oder 6 Mykotoxine über dem empfohlenen Grenzwerts ■ Keine Proben getestet

Mykotoxin-Studie 2015 als auch auf deren potenzieller Schadwirkung auf Nutztiere basiert; letztere ist vom Konzentrationsniveau der Mykotoxine und den damit verbundenen bekannten Risiken für die Gesundheit abhängig. Abbildung 1 enthält die Angaben zum Mykotoxinvorkommen in jeder Region als Prozentsatz der analysierten Proben. Das Gesamtrisiko für eine bestimmte Region (farblich dargestellt; siehe Legende) wird anhand der Anzahl einzelner Mykotoxine mit durchschnittlichen Kontaminationsniveaus (gemessen in „parts per billion“/ppb), die über den maximalen Risikogrenzwerten für Nutztiere liegen, ermittelt. Die Risikogrenzwerte basieren auf der weltweiten praktischen Erfahrung im Feld sowie auf wissenschaftlichen Studien, die so durchgeführt wurden, dass sie möglichst nahe an der Feldsituation waren und die

Ein Magazin von BIOMIN

Empfohlene Risikogrenzwerte für wichtige Mykotoxine in ppb Afla

ZEN

DON

T-2

FUM

OTA

2

50

150

50

500

10

jeweils empfindlichste Spezies für jedes Mykotoxin berücksichtigten. Die als Grundlage verwendeten durchschnittlichen Risikoniveaus schließen eine gelegentliche spezifische, schwerwiegende Mykotoxinkontamination in lokalen Betrieben oder Bereichen nicht aus, noch trägt dies den negativen Auswirkungen einer multiplen Mykotoxinpräsenz Rechnung. Geringes Risiko bedeutet, dass das durchschnittliche Kontaminationsniveau eines einzelnen Mykotoxins den für Nutztiere empfohlenen Mindestgrenzwert nicht

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Ergebnisse der BIOMIN Mykotoxin-Studie 2015

Zum zweiten Mal beinhaltet die Jahresstudie auch Ergebnisse der multiplen Mykotoxinanalyse mit Spectrum 380®, womit sich mehr als 380 Mykotoxine und Metaboliten nachweisen lassen. Dabei erfolgt die Analyse in einem einzigen Analyseschritt mit einem hochmodernen FlüssigkeitschromatographieMassenspektrometrie/ Massenspektrometrie-Verfahren (LC-MS/MS)

Es reicht nicht mehr, über das bloße Vorliegen von Mykotoxinen zu reden. Vielmehr geht es heute um das jeweilige Konzentrationsniveau. übersteigt. Moderates Risiko weist auf die Anwesenheit von ein oder zwei Haupt-Mykotoxinen in bekanntermaßen für Tiere schädlichen Konzentrationen hin. Hohes Risiko bedeutet das Vorliegen von drei oder vier Mykotoxinen in Konzentrationen, die für Tiere nachweislich schädlich sind. Schwerwiegendes Risiko ist definiert als die Anwesenheit von fünf oder mehr Haupt-Mykotoxinen in für Tiere nachweislich schädlichen Konzentrationen. Die Mykotoxin-Karte stützt sich auf das Vorkommen eines einzelnen Mykotoxins, was die tatsächliche Gefährdung für die Gesundheit der Tiere unterbewerten mag, da die synergistischen Effekte (die Anwesenheit mehrerer Mykotoxine erhöht den potenziellen Schaden) sowie die subklinischen Auswirkungen (auch geringgradige Mykotoxinkontamination kann die Gesundheit und Leistung der Tiere beeinträchtigen) hinlänglich bekannt sind. Regionale Erkenntnisse Nordamerika und Europa sind mit der schwersten Gefährdung der Gesundheit von Nutztieren durch Mykotoxin-bezogene Risiken konfrontiert. In beiden Regionen wurden mindestens fünf der Haupt-Mykotoxine in durchschnittlichen Konzentrationen nachgewiesen, die über dem Grenzwert lagen. Tabelle 1 liefert einen Überblick über die Anzahl getesteter Proben sowie über Vorkommen, durchschnittliche Kontaminationsniveaus und maximale Kontaminationswerte. Fumonisine und Deoxynivalenol stellen in allen Regionen der Welt die größte Gefährdung dar. Eine Ausnahme ist nur Afrika, wo Zearalenon die größte Gefahr für die Gesundheit der Nutztiere ist. Europa Europa gilt als Hochrisikoregion; hier fanden sich vier Mykotoxine in durchschnittlichen Konzentrationen, die über den Risikogrenzwerten liegen. Die

4

Analyse von aus Europa stammenden Proben zeigte für DON mit 77 % das höchste Vorkommen, wobei die durchschnittliche Konzentration mit 1288 ppb auch weltweit am Höchsten war. Die stärkste Belastung mit DON auf europäischem Niveau fand sich in einer Maisprobe aus Österreich mit einer Konzentration von 34 861 ppb. Das zweithäufigste Mykotoxin war ZEN, das in 64  % der Proben nachgewiesen wurde. Der höchste ZEN-Gehalt auf europäischem Niveau wurde in einer deutschen Maisprobe beobachtet, die eine ZEN-Konzentration von 8888 ppb aufwies. Proben aus Europa zeigten erneut das höchste Vorkommen an T2-Toxin mit einer fast doppelt so hohen Häufigkeit wie in den vergangenen Jahrenvon 42 %. Die höchste T2-Kontamination fand sich in einer französischen Weizenprobe mit 685 ppb. FUM wurde in 55 % der Proben nachgewiesen, wobei die für Europa höchste Konzentration in einer italienischen Maisprobe gemessen wurde (15 383 ppb). Asien Asien weist ein hohes Mykotoxin-bezogenes Gesundheitsrisiko für Nutztiere auf: Vier Mykotoxine lagen in durchschnittlichen Konzentrationen über dem Risikogrenzwert vor. Die Prävalenz von DON lag in Asien bei 74  % und die durchschnittliche Konzentration bei 857 ppb. Die weltweit höchste Konzentration an DON wurde in einer chinesischen Trockenschlempe (DDGS)-Probe nachgewiesen (84  860 ppb). Das zweithäufigste Mykotoxin war FUM, das mit einer durchschnittlichen Konzentration von 1032 ppb in 67  % der Proben beobachtet wurde. Die asienweit höchste Belastung mit FUM wurde in einer thailändischen Maisprobe gemessen (16 258 ppb). ZEN war das in asiatischen Proben dritthäufigste Mykotoxin. Es lag in 55 % der analysierten Proben vor mit einer durchschnittlichen Konzentration von 368 ppb. In Asien wurde die höchste Konzentration an ZEN in einer Probe chinesischem Fertigfutter nachgewiesen (9432 ppb). Afla lag in 59 % der Proben vor und zeigt mit 59 ppb die weltweit höchste Durchschnittskonzentration. Der weltweit höchste Wert für Aflatoxin wurde in einer Probe chinesischem Baumwollsamen nachgewiesen (9404 ppb).

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Michele Muccio Sabine Masching Produktmanager Mykotoxin-Risikomanagement

Europa

Tabelle 1. Detaillierte Ergebnisse des Mykotoxinvorkommens nach Region Afla

ZEN

DON

T-2

FUM

OTA

Anzahl getesteter Proben

1,163

2,894

3,684

2,051

1,543

1,188

Prozentsatz kontaminierter Proben

11 %

64 %

77 %

42%

54 %

26 %

6

213

1,288

25

898

7

Durchschnittliche Kontamination positiver Proben (ppb)

Asien

Maximum (ppb)

153

8,888

34,861

685

15,383

150

Anzahl getesteter Proben

2,360

2,357

2,420

1,077

1,824

1,454

Prozentsatz kontaminierter Proben

25 %

55 %

74 %

2%

67 %

20 %

Durchschnittliche Kontamination positiver Proben (ppb)

59

368

857

39

1,032

7

9,404

9,432

84,860

171

16,258

259

Number of samples tested

484

495

359

354

481

423

% of contaminated samples

Naher Osten

Südmerica

Nordamerika

Maximum (ppb)

2%

30 %

67 %

3%

39 %

2%

Average of positives (ppb)

16

244

1,132

44

974

32

Maximum (ppb)

108

12,900

26,294

223

16,300

200

Anzahl getesteter Proben

995

668

333

411

444

202

18 %

34 %

32 %

11 %

70 %

4%

Prozentsatz kontaminierter Proben Durchschnittliche Kontamination positiver Proben (ppb)

6

131

545

28

2,235

2

Maximum (ppb)

138

2,593

4,195

65

36,489

12

Number of samples tested

94

115

117

40

80

26

% of contaminated samples

18 %

54 %

53 %

8%

84 %

62 %

Average of positives (ppb)

1

62

446

20

513

3

Maximum (ppb)

8

367

1,983

45

2,534

9

Afrika

Anzahl getesteter Proben

182

183

182

182

183

182

13 %

93 %

79 %

5%

79 %

1%

Durchschnittliche Kontamination positiver Proben (ppb)

43

41

486

8

599

0

Maximum (ppb)

258

858

4,974

47

4,368

0

Prozentsatz kontaminierter Proben

Quelle: Mykotoxin-Studie 2015

Nordamerika Nordamerika sieht sich erneut einer schwerwiegenden Mykotoxin-bezogenen Gefährdung der Gesundheit von Nutztieren gegenüber: Fünf Mykotoxine lagen in durchschnittlichen Konzentrationen über dem Risikogrenzwert. Das häufigste Mykotoxin war DON, das in 67 % der analysierten Proben mit einer durchschnittlichen Konzentration von 1132  ppb vorlag. Der höchste DON-Wert in Nordamerika wurde in einer US-amerikanischen Haferprobe gemessen (26 294 ppb). FUM, ZEN, Afla und OTA wurden in 39 %, 30 % und jeweils 2 % der Proben nachgewiesen, wobei die durchschnittlichen Konzentrationen 974, 211, 16 bzw. 32 ppb betrugen. Südamerika Südamerika weist eine hohe Mykotoxin-bezogene Gefährdung der Gesundheit von Nutztieren auf: Vier Mykotoxine lagen in durchschnittlichen Konzentrationen über dem Risikogrenzwert vor. Fumonisine fanden sich in 70  % der Proben, wobei die durchschnittliche Konzentration 2235 ppb betrug. Der weltweit höchste FUM-Wert wurde mit 36 489 ppb in einer brasilianischen Maisprobe nachgewiesen. Die Prävalenz von DON hat sich im Vergleich zum letzten Jahr verdoppelt, 32 % der Proben waren positiv.

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Naher Osten Der Nahe Osten weist ein hohes Mykotoxinrisiko für Nutztiere auf: Drei Mykotoxine lagen in durchschnittlichen Konzentrationen über dem Risikogrenzwert. Proben aus dem Nahen Osten zeigten ein hohes Vorkommen von FUM, OTA, ZEN bzw. DON; diese Mykotoxine wurden in 84 %, 62 %, 54 % bzw. 53 % der Proben nachgewiesen. Die durchschnittlichen Konzentrationen lagen mit Ausnahme von OTA alle über den Risikogrenzwerten. Afrika Proben aus Afrika zeigten mit 93  % die höchste Prävalenz an Zearalenon. Auch der zweithöchste Durchschnittswert für Afla wurde in dieser Region beobachtet. Sowohl Deoxynivalenol als auch Fumonisine wurden in 79 % der analysierten Proben nachgewiesen. Schlussfolgerung Die 8271 im Rahmen dieser Studie analysierten Proben zeigen deutlich, wie wichtig ein konstantes Monitoring der Mykotoxinbelastung ist. Ein effektives Risikomanagement-Programm zum Schutz der Tiere vor den negativen Auswirkungen der Mykotoxine auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist von entscheidender Bedeutung.

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Finden Sie die richtige Methode für den Mykotoxinnachweis Von Philipp

Gruber, Product Manager bei Romer Labs

Heute stehen den Futtermittelherstellern und Nutztierproduzenten viel mehr Möglichkeiten als früher zur Verfügung, um Futterrohstoffe und Fertigfutter auf Mykotoxine zu untersuchen. Hier ein paar Tipps, wie Sie die richtige Methode für Ihre spezielle Situation finden.

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Finden Sie die richtige Methode für den Mykotoxinnachweis

J

ahrzehntelang war es gängige Praxis, die gewonnenen Proben an ein Labor zur Analyse einzusenden, um das Vorhandensein von Mykotoxinen nachzuweisen oder auszuschließen. Seit einigen Jahren jedoch gibt es immer mehr Schnelltests, die vor Ort durchgeführt werden können und mit denen sich eine Mykotoxinbelastung rasch und auf einfache, anwenderfreundliche Art und Weise nachweisen lässt. Je mehr Optionen zur Auswahl stehen, desto wichtiger wird es, die richtige Nachweismethode zu finden. Testdurchführung vor Ort versus externes Analyselabor Der erste Schritt, um die individuell richtige Nachweismethode zu finden, ist die Entscheidung, ob man vor Ort (z. B. im Feld, im Betrieb) selbst testen möchte oder ob die Proben an ein Analyselabor eingesandt werden sollen. Diese Entscheidung hängt von drei grundlegenden Erwägungen ab:

Wie untersuchen Sie auf Mykotoxine? 14%

6%

Erforderliche Häufigkeit der Testung Für häufiges Testen (hoher Durchsatz) oder für die Testung großer Volumina mag es sich rechnen, Tests vor Ort durchzuführen, da diese in der Regel kostengünstiger sind. Wenn Sie hingegen nur gelegentlich testen oder der Durchsatz Ihres Betriebs gering ist, kann es praktischer sein, die Proben an ein externes Labor einzusenden.

Akzeptable Zeit bis Vorliegen der Ergebnisse Bei vor Ort durchgeführten Schnelltests

26%

Qualität der Ergebnisse Schnelltests vor Ort durchzuführen, kann als Screening-Tool eingestuft werden, da sie in kürzester Zeit pro Test einen Hinweis darauf liefern, ob ein bestimmter Analyt in der Probe vorhanden ist. Die in externen Analyselaboren verfügbaren Referenzmethoden sind hingegen deutlich robuster und liefern für eine größere Anzahl von Analyten wesentlich zuverlässigere Ergebnisse. Schnelltests Die zwei beliebtesten internen Testmethoden sind Teststreifen und ELISA-Tests. Die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden sind in Abbildung 1 dargestellt. Streifentests sind so konzipiert, dass sie so rasch wie möglich ein Ergebnis zeigen. Allerdings können nur maximal zwei Proben gleichzeitig untersucht werden. Sie werden daher weithin an den Anlieferungsstellen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen eingesetzt. Mit ELISA (Enzyme-linked immunosorbent assay)-Testkits können bis zu 44 Proben gleichzeitig analysiert werden. Generell sind ELISA-Tests immer dann die bessere Option, wenn Sie sechs oder mehr Proben zu untersuchen haben. Der Preisunterschied wird rasch dadurch wettgemacht, dass weniger Testkits gekauft werden müssen und dass man Zeit spart.

Abbildung 1. Testmethoden vor Ort. 54%

Teststreifen

Umfrageergebnisse von 407 Futtermittelherstellern und Nutztierproduzenten in 86 Ländern; Stand 3. März 2016.

ELISA



■ Externes Analyselabor ■ Tests vor Ort ■ Wir testen nicht auf Mykotoxine ■ Bin nicht sicher

Quelle: BIOMIN, Romer Labs

liegen die Ergebnisse binnen einer Stunde vor. Somit sind Schnelltests dann ein praktisches Hilfsmittel, wenn die Zeit drängt, z. B. wenn entschieden werden muss, ob eine LKW-Ladung angenommen werden soll oder nicht. Hingegen dauert es, alles in allem gerechnet, durchschnittlich eine Woche, bis die Ergebnisse aus einem Labor vorliegen.

Max.2

Proben pro Testdurchgang

10 min

Zeit bis zum Ergebnis

Max.44 30 min

Niedrig

Kosten der Ausrüstung

Mittel bis gering

Niedrig

Schulungsanforderungen

Mittel bis gering

Quelle: Romer Labs

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Philipp Gruber Produktmanager bei Romer Labs

Abbildung 2. Methoden der Analyselabors

ELISA

HPLC

LC-MS/MS

Niedrig

Mittel

Hoch

Anzahl Analyten pro Durchgang

1 Zielanalyt

Multiple Zielanalyten

< 18

Genauigkeit

Sreening

Referenzmethode, hoch sensitiv und präzise

Referenzmethode (akkreditiert), hoch sensitiv und präzise

Preis

Quelle: Romer Labs

Futterrohmaterialien versus Fertigfutter Wir empfehlen für Fertigfutter-Produktionslinien die kontinuierliche Eingangs- und Ausgangsüberwachung. Das bedeutet, dass für das Screening der zur Futterproduktion verwendeten Rohmaterialien Schnelltests eingesetzt werden. Für die meisten Futtermittel gibt es Protokolle für Schnelltestverfahren. Die Identifizierung von mit Mykotoxinen kontaminierten Materialien, noch bevor diese in die Produktions- bzw. Lieferkette gelangen, kann zur Vermeidung von zu einem späteren Zeitpunkt auftretenden, kostspieligen Problemen beitragen. Die Testung von Fertigfutter, das aus mehreren verschiedenen Futterrohstoffen besteht, ist wesentlich komplexer. Je nach Menge des zu überwachenden Futters kann man entweder Schnelltests durchführen oder Proben an ein externes Labor senden. Muss nur eine kleine Menge Futter getestet werden oder wechselt die Futterzusammensetzung

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häufig, erhalten Sie brauchbarere und zuverlässigere Ergebnisse, wenn die Proben durch ein externes Labor analysiert werden. Bei großen Futtermengen und gleichbleibender Zusammensetzung kann es sich lohnen, ein maßgeschneidertes Protokoll für Schnelltests zu entwickeln. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang aber, dass die Futterzusammensetzung oft je nach Marktpreis, Saison und Verwendungsweise variiert. Um Fertigfutter mit Schnelltests zuverlässig zu testen, empfiehlt es sich, eine an die spezifische Futterformulierung des Betriebs angepasste Validierung (maßgeschneidertes Protokoll) zu erstellen. Schlussfolgerung Die wachsende Popularität von Schnelltest für den Nachweis von Mykotoxinen bietet Futtermittelherstellern und Landwirten bzw. Betriebsleitern verschiedene Wahlmöglichkeiten. Um die richtige Option für den Nachweis von Mykotoxinen zu wählen, ist jedoch eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Vor Ort durchführbare Testmethoden bieten einige Vorteile, nämlich Schnelligkeit, Kosten und einfache Anwendung. Die in Analyselaboren verfügbaren Referenzmethoden liefern präzisere Ergebnisse für eine größere Anzahl an Analyten und geben so ein umfassenderes Bild der jeweiligen Kontaminationssituation. Schnelltests stellen eine gute Wahl dar, wenn es um das Screening von Futterrohstoffen geht. Für Fertigfutter kann man sowohl validierte Schnelltests verwenden als auch sich eines externen Labors bedienen. Um ein wirksames, an die eigenen Anforderungen optimal angepasstes Programm für den Nachweis von Mykotoxinen zu erstellen, sollte man vielleicht eine Kombination von mehreren Methoden in Erwägung ziehen.

Photo: Grassetto

Testung durch externe Labore Wenn Sie Proben an ein externes Labor senden, liegt es an Ihnen, zu entscheiden, welche Technologie verwendet werden soll. Neben dem klassischen ELISA-Testverfahren können auch Referenzmethoden wie HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie) und LC-MS/MS (Flüssigkeitschromatographie – Tandem-Massenspektrometrie) gewählt werden. Die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden sind in Abbildung 2 dargestellt. Referenzmethoden ermöglichen eine Analyse Ihrer Proben hinsichtlich mehrerer Toxine in einem einzigen Testdurchgang. So lassen sich z. B. mit der von Romer Labs angebotenen LC-MS/MS-Multi-Mykotoxin-Methode gleichzeitig bis zu 18 Toxine untersuchen.

Tipps für die Probenahme Fehler bei der Probenahme machen 76 % aller Fehler bei Mykotoxintests aus. Gute, repräsentative Proben können dazu beitragen, die Genauigkeit der Untersuchungsergebnisse zu verbessern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Probenahme generell zu verbessern: 1. Mehr und größere Proben nehmen. Laut aktuellen EU-Empfehlungen sind für die Beprobung von Getreidepartien von bis zu 50 Tonnen 10 bis 100 Teilproben zu je 100 g zu nehmen. 2. Feineres Vermahlen des Probenmaterials zur Verbesserung der Ergebnisse. 3. Tipps zur richtigen Probenahme für die Untersuchung auf Mykotoxine finden sich auf der Webseite der FAO zu Probenahmeplänen. 4. Genaueres ist auch dem Leitfaden für Probenahme auf der Webseite www.romerlabs.com zu entnehmen.

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*Zugelassen laut EU-Verordnung Nr 1115/2014 (FUMzyme®), 1060/2013 (Mycofix® Secure) und 1016/2013 (Biomin® BBSH 797) zur Reduktion der Kontamination durch Fumonisine, Aflatoxine und Trichothecene.

Natürlich im Futter. Naturally ahead

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Science & Solutions Special Issue #3: Mycotoxins (Deutsch)  
Science & Solutions Special Issue #3: Mycotoxins (Deutsch)  

In dieser Ausgabe: Kennen Sie Ihr Mykotoxinrisiko?; Die neuesten Ergebnisse der Mykotoxin-Studie von BIOMIN; Die richtigen Nachweismethoden