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Ausgabe 24 • Schweine

Das Neueste in Sachen Six Ways to ComMykotoxin-Risikobat Cellulitis in management Broilers’

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Leberschutz Boosting Vaccines‘ für Sauen Effectiveness Unterstützung The prebioticgesunder and Tiere probiotic combo

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Ein Magazin von

Was What’s stimmt Wrong nicht mit With meinen My Birds? Schweinen? Part 5: bruising TeilCarcass 3: Erbrechen


Editorial Neues Tool für die neue Ernte Mitten in der europäischen Ernteperiode ist es an der Zeit, mit Spannung den ersten Testergebnissen für Mykotoxine entgegenzusehen. Letztes Jahr war die Mykotoxinkontamination in vielen Ländern der Welt sehr hoch, hauptsächlich bei Mais, aber auch bei anderem Grundfutter. Viele von uns mussten selbst Zeugen der negativen Auswirkungen von Mykotoxin-kontaminiertem Futter auf die Tiere werden. In den meisten Fällen sahen wir ein drastisches Absinken der Futteraufnahme und geringere Wachstumsleistung, auch bei einem geringen Maisanteil im Futter. Auch niedrige Mykotoxinkonzentrationen können Tieren, die unter hohem Leistungsdruck stehen - wie heute die Sauen -, gesundheitliche Probleme bereiten. Höhere Leistung bedeutet für die Sauen auch eine höhere Belastung der Leber. Eine gesunde Leber ist jedoch für die Überlebensrate der Ferkel und für die Rentabilität von zentraler Bedeutung. Wie viele unserer Kunden bei ihrem Besuch im BIOMIN Forschungszentrum selbst sehen konnten, investieren wir bei BIOMIN beträchtliche Summen in die wissenschaftliche Forschung, um die Landwirte mit den fortschrittlichsten verfügbaren Strategien zur Deaktivierung der Mykotoxine zu unterstützen. Dank dieser Anstrengungen können wir heute die fünfte Generation unseres führenden mykotoxindeaktivierenden Produkte, Mycofix® 5.E, vorstellen. Es vereint die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen in sich und bietet absoluten Schutz. Mithilfe eines robusten Mykotoxin-Risikomanagements und der entsprechenden Überwachung der Futterrohstoffe mit geeigneten Nachweismethoden können wir den Landwirten ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie kritische Perioden, wie wir sie letztes Jahr gesehen haben, erfolgreich überstehen können. Die Aufrechterhaltung einer hohen Produktion bei gleichzeitiger Kontrolle der Kosten wird davon abhängen.

André van LANKVELD Technischer Leiter Schweine

Science & Solutions • Ausgabe 24


Inhaltsverzeichnis

MYCOFI

X

Das Neueste in Sachen Mykotoxin-Risikomanagement

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Neueste wissenschaftliche Errungenschaften haben dazu geführt, dass wir heute über den bisher wirksamsten Anti-Mykotoxin-Futterzusatz verfügen Von Verena Starkl DI (MSc)

Die Bedeutung eines Leberschutzes für Sauen

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Verschiedene Maßnahmen können zum Schutz der Leber und zur Unterstützung der Gesundheit der Tiere beitragen. Von Ing. André Van Lankveld (BSc) und Karin Nährer DI (FH)

Cut & Keep

Checklist

Was stimmt nicht mit meinen Schweinen? Teil 3: Erbrechen

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Eine nützliche diagnostische Checkliste mit Symptomen, Ursachen und Therapien.

Science & Solutions ist eine monatlich herausgegebene Veröffentlichung der BIOMIN Holding GmbH, die kostenlos an unsere Kunden und Partner verteilt wird. Jede Ausgabe von Science & Solutions präsentiert Themen zu den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Tierernährung und Gesundheit und konzentriert sich jedes Vierteljahr auf eine Tierart (Geflügel, Schwein oder Wiederkäuer). ISSN:2309-5954 Eine digitale Kopie und weitere Informationen finden Sie unter: http://magazine.biomin.net Wenn Sie an Nachdrucken von Artikeln interessiert sind oder Science & Solutions abonnieren möchten, wenden Sie sich bitte an magazine@biomin.net Redaktion: Ryan Hines Mit Beiträgen von: Guilherme Neto, Luca Vandi, Wael Abdelrahman Marketing: Herbert Kneissl Recherche: Franz Waxenecker, Ursula Hofstetter Herausgeber: BIOMIN Holding GmbH Erber Campus 1, 3131 Getzersdorf, Österreich Tel: +43 2782 8030 www.biomin.net ©Copyright 2016, BIOMIN Holding GmbH Alle Rechte vorbehalten. Mit Ausnahme der im Copyright, Designs and Patents Act von 1988 genannten Regelungen darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne schriftliche Genehmigung des Inhabers des Urheberrechts in irgendeiner materiellen Form für kommerzielle Zwecke vervielfältigt oder kopiert werden. Alle hierin enthaltenen Fotos sind Eigentum der BIOMIN Holding GmbH oder werden unter einer Lizenz verwendet.

Ein Magazin von BIOMIN

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Das Neueste in Sachen MykotoxinRisikomanagement Von Verena

Starkl, Produktmanagerin, Mycotoxin-Risikomanagement

Aufgrund der Empfindlichkeit der Schweine gegenüber Mykotoxinen entstehen der Schweineindustrie infolge der durch eine Mykotoxinkontamination des Futters verursachte Schäden weltweit jedes Jahr Verluste in Höhe von mehreren Millionen Dollar. Neueste Fortschritte haben dazu geführt, dass wir heute über den bisher wirksamsten mykotoxindeaktivierenden Futterzusatz verfügen.

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Science & Solutions • Ausgabe 24


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D

en meisten Schweineproduzenten ist der Schaden, den Mykotoxine anrichten, wohl bekannt, und sie sehen ganz deutlich die Notwendigkeit einer Überwachung und Verminderung der Mykotoxinkontamination als Teil eines umfassenden Programms für das MykotoxinRisikomanagement. Die Ergebnisse der letzten BIOMIN Mykotoxin-Studie haben ergeben, dass Fertigfutter und Mais häufig schädliche Mykotoxine in Konzentrationen enthalten, die eine Bedrohung für die Gesundheit und Leistung der Schweine darstellen. Wie Abbildung 1 zeigt, waren Deoxynivalenol (DON), Fumonisine (FUM) und Zearalenon (ZEN) die am häufigsten in Proben nachgewiesenen Mykotoxine, gefolgt von Aflatoxinen (Afla), T-2-Toxin und Ochratoxin A (OTA). Fumonisine waren in drei von vier getesteten Maisproben vorhanden, und in der Hälfte der Fälle lagen die Konzentrationen über der bekannten Risikoschwelle. Beim Fertigfutter wurden Fumonisine in 60 % der Proben gefunden, wobei bei 30 % dieser Fälle die durchschnittlichen Konzentrationen über der Risikoschwelle lagen.

Abbildung 1. Vorkommen von Mykotoxinen im Schweinefutter

% Kontamination

80%

60% n Afla

40%

n ZEN n DON

20%

n T-2 n FUM n OTA

0% Fertigfutter

Mais

Die Säulen stellen den Prozentsatz der positiv auf Mykotoxine getesteten Proben dar. Die Punkte zeigen den Prozentsatz derjenigen Proben an, die Konzentrationen aufwiesen, die bekanntermaßen gesundheitsschädlich oder leistungsmindernd sind. Quelle: BIOMIN, 2015

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Das Neueste in Sachen Mykotoxin-Risikomanagement

Mycofix® 5.E ist das Produkt jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung auf und kombiniert die weltweit einzigartigen, innovativsten Strategien zur

Findest Du eines, findest die viele und schon hast Du ein Problem Aus jahrzehntelanger Forschung wissen wir, dass Mykotoxine dazu neigen, in Gruppen aufzutreten. Dieses Phänomen, bekannt als Co-Exposition, tritt nicht nur ziemlich häufig auf, sondern ist für die Tiere auch besonders gefährlich. Laut der BIOMIN Mykotoxin-Studie 2014 enthielten die analysierten Proben jeweils durchschnittlich 30 verschiedene Mykotoxine und deren Metabolite. In der Praxis kann dies aufgrund synergistischer Effekte einen größeren Gesamtschaden verursachen: Treten Mykotoxine gemeinsam mit anderen auf, können sich die negativen Auswirkungen jedes einzelnen Mykotoxins (getrennt voneinander, oft im Labor) verstärken.

Schutz für die Schweine Angesichts der Vielfalt an Mykotoxinen, die die Gesundheit und Leistung der Schweine beeinträchtigen können, ist zum Schutz der Schweine ein mehrgleisiger Ansatz erforderlich. Im Jahr 2015 hat BIOMIN Mycofix® 5.E auf den Markt gebracht, einen innovativen All-in-one-Futterzusatz, der auf drei Wirkmechanismen beruht - nämlich Biotransformation, Adsorption und Bioprotektion — und so einen nahezu absoluten Schutz gegen Mykotoxine bietet.

Was ist neu? “Mycofix® 5.E repräsentiert die jahrzehntelange Forschung auf dem Gebiet der Deaktivierung von

Mykotoxinen und kombiniert weltweit einzigartige, innovative Strategien zur Bekämpfung der Mykotoxine“, meinte Ursula Hofstetter, Direktorin des Kompetenzzentrums Mykotoxine bei BIOMIN. Diese fünfte Generation weist fünf neue Merkmale auf.

1. Breiteres Spektrum an Mykotoxinen Verschiedene Komponenten funktionieren nach einem von drei komplementären Wirkmechanismen, sodass Mycofix® 5.E gegen die breiteste Palette der gefundenen Mykotoxine wirksam ist. Eine Reihe dieser Komponenten wirkt durch Biotransformation auf eine Art und Weise, die sowohl spezifisch (gegen ein einziges Mykotoxin gerichtet) als auch irreversibel ist (kann nicht rückgängig gemacht werden). Zusätzlich zu jenen Komponenten in Mycofix® 5.E, die Trichothecene, Zearalenon, Ochratoxin A und Aflatoxine deaktivieren, ist FUMzyme® ein patentiertes gereinigtes Enzym, das die zwei TricarballylsäureSeitenketten der Fumonisinmoleküle spezifisch abspaltet. Durch diese Hydrolyse verlieren die Fumonisine ihre Toxizität, sodass die Schweine vor Fumonisin-bedingten Atemwegserkrankungen wie Lungenödem sowie vor Leberschädigung und Schwächung des Immunsystems geschützt sind (Abbildung 2). 2. Erwiesene Sicherheit und Wirksamkeit, bestätigt durch drei EU-Zulassungen Mycofix® 5.E enthält die einzigen drei von der EU zugelassenen Futterzusätze, da es als erwiesen angesehen

Abbildung 2. FUMzyme® entgiftet die Fumonisinmoleküle durch Abspaltung der zwei Tricarballylsäure-Seitenketten HO

Seitenketten

O

OH

OH

O

CH3 OH

CH3 CH3

CH3 HO

O

H2N

HO

O O OH O HO

Fumonisin B1 (FB1)

4

CH3

OH

OH

NH2

Hydrolysiertes FB1 (HFB1)

OH

H3C

OH CH3

H3C

O

O

OH

O

FUMzyme® HO

O

HO OH O HO

O

O

OH O

Tricarballylsäuren

Science & Solutions • Ausgabe 24


Verena Starkl Produktmanagerin, Mykotoxin-Risikomanagement

dem Gebiet der Deaktivierung von Mykotoxinen Bekämpfung der Mykotoxinkontamination.

Abbildung 3. Mycofix® 5.0 stärkt die Zellen des Darmepithels und unterstützt das Immunsystem

Abbildung 4. Adsorption von Endotoxinen durch die fünfte Generation von Mykofix®, sogar bei einer Aflatoxinkonzentration von 4000 ppb 100 Adsorption of Endotoxins [%]

Darmintegrität %

100 80 60 40 20 0 n Kontrolle n Mykotoxin n Biomin Bioprotektion‘s Mix + Mykotoxin Quelle: BIOMIN, 2015

wurde, dass sie in der Lage sind, schädliche Mykotoxine zu adsorbieren bzw. Mykotoxine durch Biotransformation in nicht toxische Metaboliten umzuwandeln (Verordnung Nr. 1060/2013, Nr. 1016/2013 und Nr. 1115/2014). Um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten, wurde jeder Inhaltsstoff von Mycofix® 5.E in wissenschaftlich und praktisch relevanten Feldstudien beurteilt.

3. Verstärkte Bioprotektion Mykotoxine beeinträchtigen die Immunzellen, schädigen die Leber und wirken sich auch negativ auf die intestinale Barrierefunktion aus. Der Bioprotektion-Mix im Mycofix® der fünften Generation unterstützt nicht nur die Leber und das Immunsystem, sondern verbessert auch die Integrität der Darmwand und somit ihre Barrierefunktion. Die Wirksamkeit dieser wissenschaftlich erprobten Mischung aus sorgfältig ausgewählten Pflanzen- und Algenextrakten lässt sich an den Ergebnissen des TEER (transepithelialer elektrischer Widerstand)-Tests erkennen. Dieser Test misst die Integrität der Zellschichten des Darmepithels von Schweinen. Mykotoxine reduzieren den elektrischen Widerstand in diesen Zellen dadurch, dass sie die Zellschicht aufbrechen, sodass diese durchlässiger wird. Dies hat zur Folge, dass Pathogene leichter in den Blutstrom gelangen können. Mycofix® 5.E reduziert diesen Effekt, stärkt die epitheliale Zellschicht und damit die Barrierefunktion des Darms der Schweine (Abbildung 3).

Ein Magazin von BIOMIN

90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 n Mycofix®

n Mycofix® + Afla

Quelle: BIOMIN, 2015

Nicht alle Zulassungen sind gleich Die Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates regelt die Zulassung von Zusatzstoffen zur Verwendung in der Tierernährung. Zusatzstoffe werden verschiedenen Kategorien und Funktionsgruppen zugeordnet. „Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen“ gehören zur Funktionsgruppe (m) der Kategorie „Technologische Zusatzstoffe” (1). Andere Funktionsgruppen der Kategorie „Technologische Zusatzstoffe“ sind unter anderem Trennmittel, Bindemittel, Konservierungsmittel etc. Nur jene Substanzen, die laut EU-Verordnung in der Kategorie/Funktionsgruppe „1 m“ zugelassen sind, verfügen über die gesetzliche Grundlage für offizielle Mykotoxin-bezogene Produktaussagen und wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eingehend auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft.

4. Schutz gegen Endotoxine Endotoxine, auch bekannt als Lipopolysaccharide (LPS), sind Teil der äußeren Membran der Zellwand aller gramnegativen Bakterien (z. B. E. coli, Salmonella, Shigella, Pseudomonas) und können eine starke Immunantwort auslösen. Dies schwächt das Immunsystem der Tiere und beeinträchtigt ihre Leistung. Ergebnisse haben gezeigt, dass 0,05 % des Mycofix® der fünften Generation mehr als 90 % von 500 EndotoxinEinheiten pro Milliliter adsorbieren. Mehr noch - die

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Das Neueste in Sachen Mykotoxin-Risikomanagement

Tabelle 1 - Versuchsaufbau Kontrollgruppe Phase 1 (Tag 1 – 14)

Mykotoxinkontamination

Anzahl Tiere

30

30

DON (ppb)

3800

3800

ZEN (ppb)

200

200

FUM (ppb)

2500

2500

--

1

DON (ppb)

2200

2200

ZEN (ppb)

100

100

FUM (ppb)

2600

2600

--

1

Mycofix® Plus (kg/t Futter) Phase 2 (Tag 15 – 56)

Mykotoxinkontamination

Mycofix® Plus (kg/t Futter)

5. Brandneue, optimierte Formulierung Die fünfte Generation von Mycofix® stellt eine vollkommen überarbeitete, optimierte Version der bisherigen Formulierung der Mycofix® Produktlinie dar. Die Optimierung erfolgte mit dem Ziel, die Wirksamkeit in der Praxis weiter zu verbessern. Ein Feldversuch wurde anhand von 60 Absetzferkeln durchgeführt, die über 56 Tage ein natürlich mit Mykotoxinen kontaminiertes Futter erhielten (Tabelle 1). Am Ende der Studie hatten die Ferkel, deren Futter mit Mycofix® Plus 5.E supplementiert worden war, ein Endgewicht von 32,3 kg im Vergleich zu 30,6 kg bei der Kontrollgruppe (Abbildung 5). Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung auf der Basis des Gewichtsunterschiedes zwischen den beiden Gruppen zeigte eindeutig einen Gesamtnutzen der Supplementierung mit dem optimierten Mycofix® in Form einer Rendite (ROI) von 7,42, wobei die Berechnung auf den durchschnittlichen, im Juni 2015 aktuellen europäischen Preisen für Futter und Lebendgewicht der Ferkel basierte.

Schlussfolgerung Das Risiko, das Mykotoxine für Schweine darstellen, ist wohl bekannt und bedeutet für die Schweineproduzenten

6

Abbildung 5. Durchschnittliches Endgewicht pro Ferkel an Tag 56 32,3b 32 [kg/Tier]

Struktur der Bentonit-Zwischenschicht bietet ausreichend Bindungsstellen, um eine ähnliche Bindungskapazität für Aflatoxin B1 mit einer Konzentration von 4000 ppb (parts per billion) zu erreichen (Abbildung 4). Die Strategie der Bioprotektion bietet weitere Unterstützung.

Mycofix® Plus

31 30,6a 30

29

n Kontrolle

n Mycofix® Plus

Anmerkung: a,b zeigen signifikante Unterschiede an (p<0,05) Quelle: BIOMIN, 2015

beträchtliche wirtschaftliche Verluste. Mycofix® 5.E stellt aufgrund seiner fünf Merkmale eine echte Innovation im Kampf gegen Mykotoxine dar. Erstens wirkt es gegen eine breitere Palette an Toxinen. Zweitens enthält es die einzigen drei von der EU zugelassenen Futterzusätze, die Mykotoxine nachweislich deaktivieren. Drittens bietet es eine verstärkte Bioprotektion. Viertens schützt es gegen Endotoxine. Und schließlich konnte fünftens in Feldstudien gezeigt werden, dass Mycofix® 5.E wirksam und in der Lage ist, eine bedeutende Steigerung der Rendite zu erzielen.

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Die Bedeutung des Leberschutzes für Sauen Von André

Van Lankveld, Technischer Leiter Schweine und Karin Nährer, Produktmanagerin Mykotoxin-Risikomanagement

Die Leber von Sauen ist häufig unter Stress. Verschiedene Maßnahmen können zum Schutz der Leber und zur Unterstützung der Gesundheit der Tiere beitragen.

I

n Zeiten des erhöhten Energiebedarfs rund um das Abferkeln und einer gesteigerten Milchproduktion, kommt der Leber eine entscheidende Rolle zu (Abbildung 1). Dieser erhöhte Energiebedarf verursacht eine Zunahme der Körperfettund Proteinmobilisierung, in deren Folge

Mykotoxin-Studie zeigen, dass in 80 % aller getesteten Proben mindestens ein Mykotoxin nachgewiesen werden konnte. Zu Mykotoxikosen kommt es durch die orale Aufnahme von Mykotoxin-kontaminiertem Futter. Bestimmte Mykotoxine greifen verschiedene Organe und Gewebe an, z. B.

Abbildung 1. Erhöhte Anforderungen an die Funktionsfähigkeit der Sauenleber Hormonstoffwechsel Fettanabolismus und -katabolismus

Entgiftung

Proteinanabolismus und -katabolismus

Fettverdauung

Energiestoffwechsel Vitaminspeicherung

es zu Stoffwechselstörungen kommen kann. Aufgrund von Problemen, wie dem Fettlebersyndrom und schlechter Nährstoffverwertung, steht die Leber oft unter Stress. Dies zeigt sich häufig an lebensschwachen Ferkeln, geringem Geburtsgewicht, gehäuftem Auftreten von Spreizen/Grätschen bei den Ferkeln und mangelnder Milchproduktion der Sau. Es ist wichtig, die Leber so gesund wie möglich zu erhalten und jeden zusätzlichen Stress durch eine Belastung mit Toxinen wie z. B. Mykotoxinen und Endotoxinen, aber auch durch Antibiotika und Krankheiten wie der Infektion mit dem porzinen Circovirus 2 (PCV 2) sowie durch fett- oder proteinreiches Futter zu vermeiden. Neue Daten aus der BIOMIN

Ein Magazin von BIOMIN

Photo: Lepas

Blutreservoir

Leber, Nieren, Gehirn und Schleimhäute des Gastrointestinaltraktes, der Atemwege und des Genitalbereiches. Der Verlauf von Mykotoxikosen kann in Abhängigkeit von mehreren Faktoren wie der Anwesenheit weiterer toxischer Substanzen oder inadäquater Managementpraktiken akut, subakut oder chronisch sein. Akute Ausbrüche von Mykotoxikosen sind in der modernen Tierproduktion selten. Oftmals sind die Tiere im Feld anderen wechselwirkenden Faktoren ausgesetzt. Die Auswirkungen von Mykotoxinen sind daher oft subklinisch und betreffen z. B. das Immunsystem (Antikörpertiter nach Impfungen, Phagozytenaktivität, Immunglobuline, Lymphozyten) oder antioxidative Schutzsysteme (Harnsäure,

Neue Daten aus der BIOMIN MykotoxinStudie zeigen, dass in 80 % aller getesteten Proben mindestens ein Mykotoxin nachgewiesen werden konnte. 7


Die Bedeutung eines Leberschutzes für Sauen

Tabelle 1 - Ausgewählte Mykotoxine, die primär die Leber angreifen, und ihre wichtigsten Symptome Mykotoxine

Mögliche Auswirkungen

Aflatoxine

Lebererkrankungen (hepatotoxisch, hepatokarzinogen); karzinogene und teratogene Wirkung; Blutungen (Darmtrakt, Nieren); reduzierte Wachstumsraten; Leistungseinbußen; Immunsuppression

Ochratoxine

Nephrotoxizität; karzinogene Wirkung; geringgradige Leberschädigung; Enteritis; teratogene Wirkung; schlechte Futterverwertung; reduzierte Wachstumsraten; Immunsuppression

Fumonisine

Lungenödem; Nephrotoxizität; Hepatotoxizität; Immunsuppression

antioxidative Enzyme, Vitamine) bzw. beeinträchtigen die klinisch-chemischen Blutwerte (Leberenzyme, Gesamtprotein, Albumin/Globulin-Quotient).

Mykotoxine beeinträchtigen die Leber

Sauen, die bereits eine Fettleber haben, verfügen über eine verringerte Kapazität zur Entgiftung und Ausleitung der verschiedenen Toxine aus dem Körper. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Leber der Sau gesund zu erhalten und die Stresskombination aus Leberproblemen und Toxinen zu vermeiden. 8

Von den wichtigsten Mykotoxinen wie Aflatoxinen, Ochratoxin A und Fumonisinen, aber auch von den weniger bekannten wie Sporidesmin, Rubratoxinen und Phomopsinen ist bekannt, dass sie bei Schweinen eine beträchtliche Schädigung der Leber verursachen. Tabelle 1 bietet einen Überblick über die negativen Auswirkungen der wichtigsten (bekanntesten) Mykotoxine auf den Organismus von Schweinen. Unter diesen Mykotoxinen sind die Aflatoxine die potentesten Lebertoxine, und Tiere, die diesen Toxinen ausgesetzt sind, zeigen Symptome einer Lebererkrankung, die von akut bis chronisch sein kann. Die akute Aflatoxintoxizität verursacht signifikante Veränderungen in der Leber und führt zu Blutungen oder parenchymaler Zellnekrose. Aflatoxine werden in der Leber rasch in verschiedene Metaboliten umgewandelt. Der Metabolismus von AfB1 ist bereits eingehend erforscht (IARC, 1993; IARC, 2002 und Eaton et al., 2010). AfB1 wird in der Leber und anderen Geweben durch die ZytochromP450-Enzyme zu Aflatoxin P1, Aflatoxin M1 oder Aflatoxin Q1 und AfB1-8,9-Epoxid verstoffwechselt (Riley und Voss, 2011).

Wirkungsweise Aflatoxine dringen in die Zelle ein und werden durch Monooxygenasen im endoplasmatischen Retikulum zu hydroxylierten Metaboliten verstoffwechselt. Danach werden sie zu Glucuronid- und Sulfatkonjugaten metabolisiert oder zum reaktiven Epoxid oxidiert, das durch Hydrolyse zu AfB1-8,9-dihydrodiol wird und an Proteine bindet, was letztendlich die

Zytotoxizität bewirkt. Das Epoxid kann mit der DNA oder mit Proteinen reagieren oder durch induzierbare Glutathion-S-Transferase in nicht toxisches Glutathionkonjugat umgewandelt werden.

Mykotoxinreste in der Leber Berichten zufolge gab es mehrere Fälle, bei denen Aflatoxinreste in der Leber und im Muskelgewebe von Schweinen gefunden wurden, was für eine Aflatoxin-Verschleppung spricht. OTA neigt dazu, in den Nieren, der Leber und im Muskelgewebe, aber auch im Serum zu akkumulieren und stellt daher eine potenzielle Gefahr für die menschliche Nahrungskette dar (Battacone et al., 2010). Von ähnlichen Ergebnissen für Fumonisine ist berichtet worden. Die Verschleppung von Fumonisin in die Sauenmilch und ins Schweinefleisch erfolgt nur nach einer lange andauernden, hochgradigen Exposition, wobei sich das Fumonisin in der Leber und in den Nieren anreichert (Völkel et al., 2011; Meyer et al., 2003).

Synergistische Effekte In vielen Fällen ist auch zu beobachten, dass Sauen mit übermäßig viel Körperfett mehr Probleme haben, mit geringen Toxinkonzentrationen fertig zu werden. Sauen, die bereits eine Fettleber haben, verfügen über eine verringerte Kapazität zur Entgiftung und Ausleitung der verschiedenen Toxine aus dem Körper. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Stresskombination aus Leberproblemen und Toxinen zu vermeiden.

Präventions- und Milderungsstrategien Manche Nährstoffe und Futterzusätze können die Leber dadurch unterstützen, dass sie den Zitronensäurezyklus mithilfe bestimmter B-Vitamine, Cholinchlorid, L -Carnitin und Pf lanzenextra kten unterstützen. Je nach Situation können diese Substanzen dem Laktations-, Übergangsoder sogar dem Tragefutter beigemengt werden. Ein entsprechendes MykotoxinRisikomanagement, das durch Kombination mehrerer bewährter Strategien gegen die wichtigsten landwirtschaftlich relevanten Mykotoxine eingesetzt wird ist essentiell. Zusätzlich sollte das Futter mit einer Mischung wissenschaftlich erforschter und sorgfältig ausgewählter Pflanzen- und Algenextrakte supplementiert werden um das Immunsystem zu stärken und die Lebergesundheit zu unterstützen.

Science & Solutions • Ausgabe 24


Cut & Keep

Was stimmt nicht mit meinen Schweinen?

Checklist

Teil 3: Erbrechen

E

rbrechen sollte nicht mit Regurgitation verwechselt werden. Beim Erbrechen wird der Mageninhalt über die Speiseröhre und das Maul ausgeworfen. Regurgitation ist das Zurückströmen von Nahrung, die noch nicht in den Magen gelangt ist, in die Maulhöhle. Wenn Zweifel bestehen, ob es sich um Erbrechen oder Regurgitation handelt, kann dies durch Messen des pH-Wertes des ausgeworfenen Materials geklärt werden. Erbrochenes hat eine sauren pH-Wert, während durch Regurgitation ausgeworfenes Material basisch ist. Beim Schwein stellt Erbrechen ein bei verschiedenen Krankheiten auftretendes Symptom dar.

Toxigene Ursachen von Erbrechen bei Schweinen. Deoxynivalenol (DON), auch als Vomitoxin bekannt, sowie in seltenen Fällen T-2-Toxin, können bei Schweinen ebenfalls Erbrechen hervorrufen. Vomitoxin ist ein bereits im Jahr 1973 isoliertes und charakterisiertes Mykotoxin der Familie der Trichothecene und gilt als eine der wichtigsten Ursachen von Erbrechen und Futterverweigerung beim Schwein. Vomitoxin kommt in Mais und Getreidekörnern vor, die im Feld hauptsächlich durch Fusarium graminearum kontaminiert sind.

Pathogene Ursachen von Erbrechen beim Schwein. Erbrechen ist das hervorstechendste klinische Symptom bei der hämagglutinierenden Enzephalomyelitis (HEV), der porzinen epidemischen Virusdiarrhö (PED) und der transmissiblen Gastroenteritis (TGE). Auch bei der Europäischen Schweinepest (CSF), der Afrikanischen Schweinepest (ASF) und der Aujeszky-Krankheit zeigt sich Erbrechen als Symptom. Jüngere, aber auch ältere Ferkel sind für Virusinfektionen besonders empfänglich. Für eine Differenzialdiagnose ist zu überprüfen, welche Hauptsymptome vorliegen und welche Organsysteme von den Pathogenen betroffen sind. Danach ist die entsprechende Therapie einzuleiten.

Ernährungsbedingte Ursachen von Erbrechen beim Schwein. Bei klinischen Symptomen und subklinischen Mangelerscheinungen an verschiedenen Nährstoffen gibt es eine große Variationsbreite, was die Dauer bis zum Auftreten erster Symptome betrifft. Zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen kann es relativ häufig kommen, wobei manche Mangelerscheinungen sich heutzutage stärker auf die Gesundheit der Schweine auswirken als andere. So kann z. B. der Mangel an Vitaminen wie Niacin, Riboflavin, Thiamin (Vitamin B1), Pyridoxin (Vitamin B6) und Vitamin D sowie an Zink beim Schwein Erbrechen verursachen. Andererseits kann auch ein Überschuss an Vitamin D und B1 manchmal zu Erbrechen führen. Korrekturmaßnahmen

 Futterrohstoffe (ELISA) oder Futter (HPLC) positiv getestet

 Schimmel vermeiden, nur saubere Futterrohstoffe einkaufen

MYKOTOXINE

Checkliste

PATHOGENE

Mögliche Ursache • Deoxynivalenol, T-2 Toxin

Viruserkrankungen:

 Epidemiologie

 Biosicherheit

• TGE, PED, Aujeszky- Krankheit, ASF, CSF, HEV

 Virusisolierung

 Impfung

 Sektion

 Gute Desinfektionsmethoden

 Histopathologie

 Anthelminthika

 Herkunft der Futterrohstoffe aus bekannt kontaminierter Quelle

Parasiten: • Strongyloides spp., Ascaris suum

 Verwendung von Mycofix® Plus in geeigneter Dosierung

 PCR, RT-PCR  ELISA

ANDERE

 IHC • Fremdkörper

 Analyse der Futterproben

• Vitaminmangel (Niacin, B1, B6, D)

 Entfernung von Fremdkörpern

• Überschuss an Vitamin D

 Anpassung der Futterzusammensetzung

• Toxizität von Spurenelementen (Arsen, Fluor, Selen etc.)

 Überprüfung des Nährstoffbedarfs

• Zinkmangel Literatur auf Anfrage erhältlich

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Webseite www.mycotoxins.info

HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Diese Tabelle enthält allgemeine Empfehlungen zu Themen, die Schweine häufig betreffen und die unter Umständen mit einer Mykotoxinkontamination des Futters in Zusammenhang stehen. Erkrankungen und Probleme von Schweinen umfassen die in der Tabelle angegebenen Krankheiten, sind aber nicht auf diese beschränkt. Biomin übernimmt keinerlei Verantwortung oder Haftung für Umstände, die sich aus der Verwendung dieser Tabelle oder ihres Inhalts ergeben. Vor der Umsetzung einer der in dieser Tabelle angegebenen Empfehlungen ist tierärztlicher Rat einzuholen.

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MYCOFI

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Science & Solutions #24 Schweine (Deutsch)  

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