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BILDUNGaktuell

Das eMagazin fĂźr Management, Personalwesen und Weiterbildung

#02 14.02.2017

Schluss mit Stress! Sie haben viel zu wenig Zeit? Wie Sie lernen, Ihr Leben wieder

Š iStock.com / AlexVolot

selbst zu steuern. Ab Seite 6

Ein Medienprodukt der karp | communication company


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„Dass sich der Luftdruck im Raum ändert, wenn der Chef eintritt, ist normal. Das Ziel dabei sollte aber immer lauten, die Stimmung durch die Anwesenheit zu verbessern. Denn gute Laune erzeugt gute Ergebnisse, und Führungskräfte, die hier stark sind, haben mehr Erfolg“, schreibt Vaya Wieser-Weber. Antworten auf die Frage, warum Chefs Gefühle brauchen und Praxistipps, die helfen, eine emotionale Leitfigur zu werden, finden Sie ab Seite 3

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„Wir müssen nicht alle Mails genau lesen, wir müssen nicht den Rasen jedes Wochenende mähen, damit die Nachbarn zufrieden sind“, empfiehlt Dr. Wolfgang Jäger. Eh klar, schließlich hat man nicht so viel Zeit, das alles immer wieder und perfekt zu erledigen. Und trotzdem wissen Sie so oft nicht, wo Ihre Zeit verloren gegangen ist? Lernen Sie das Problem „keine Zeit, viel Stress“ aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Ab Seite 6

Foto: Randy Tarango

„Welches Weltbild überwiegt in Ihrem Leben? Das eines Chancensuchers oder das eines Problemfinders?“, fragt Autorin Katja Porsch in ihrem Buch „Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, tritt zurück!“ (Goldegg Verlag). Erfahren Sie, warum es nicht egal ist, was Sie denken und vor allem, wie Sie Ihre Gedanken steuern können, um glücklich und erfolgreich zu werden. Lesen Sie einen Auszug aus dem Buch ab Seite 8

Impressum Medieninhaber &Herausgeber: Alexander Karp karp | communication company Siegfriedgasse 52/19, 1210 Wien Redaktion & Anzeigenverwaltung: E-Mail: redaktion@bildungaktuell.at Web: www.bildungaktuell.at

Grundlegende Richtung: Journalistisch unabhängige Berichterstattung und Hintergrundberichte zu den Themen Aus- und Weiterbildung, Karriere, Selbstorganisation, Personalmanagement, Pädagogik, Schule, Universität, Bildungspolitik.

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Leader, die ihre Emotionalität nutzen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen, sind im Vorteil. Sie sorgen dadurch nicht nur für bessere Laune im Team, sondern haben auch mehr Erfolg, weiß Vaya Wieser-Weber BILDUNGaktuell 02/2017

Klinische Untersuchungen haben bewiesen, dass Patienten auf Intensivstationen, die emotional intelligent geführt werden, höhere Überlebenschancen haben. Natürlich ist ein solcher Ort kein klassisches Unternehmen. Doch zeigt dieses Extrembeispiel sehr schön, wie viel Unterschied das Emotionsmanagement von Chefs am Ende für den Kunden bedeuten kann. Nur wer gute Stimmung erzeugen und halten kann, ist in der Lage, positives Denken und energetisches Handeln bei den Mitarbeitern zu ermöglichen.

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Fühlen und führen

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Wieso das Fühlen verloren geht Dass Menschen Vernunftwesen mit einer Gefühlswelt als schmückender Zugabe sind, hat die Wissenschaft widerlegt. Menschen werden durch ihr Emotionszentrum gesteuert. Die damit eingehenden Körpergefühle jedoch werden von jedem individuell wahrgenommen. Sehr feinfühlige Menschen spüren ihre Emotionen und leben sie aus. Andere, die eher verkopft sind, nehmen ihre Gefühle nur gedämpft wahr. Dennoch ist die Fähigkeit zum Fühlen immer da. Sie ist oft nur verschüttet, weil man verlernt hat, diese Regungen wahrzunehmen. Schon von klein an trainieren uns Autoritäten, nicht auf unsere inneren Impulse zu hören und auszublenden, was uns der Körper mitteilen will. „Indianer weinen nicht!“ und „Prinzessinnen fluchen nicht!“ Wie viele Kinder haben das schon gehört, mit dem Ergebnis, dass Jungen ihre Tränen unterdrücken und Mädchen ihre Wut herunterschlucken, obwohl sie allen Grund hätten, sich emotional zu befreien. Da ist es nur logisch, dass uns das bewusste und lebendige Fühlen später schwer fällt – zumal es im Berufsleben so weitergeht. Überall heißt es, gute Miene auch zum bösen Spiel zu machen, bis man den Zugang zu sich selbst fast verliert.

Warum Chefs Gefühle brauchen Zunächst scheint diese Dämpfung Vorteile im Chefleben zu bringen: Emotionsärmere Menschen können negative Gefühle einfach ausblenden und so viel mehr leisten. Wer aber Negatives kaum noch spürt, kann auch positive Gefühle nicht herbeizaubern, wenn er sie beBILDUNGaktuell 02/2017

nötigt, um sein Team zu motivieren oder Kunden zu begeistern. Denn die so wichtigen intensiven Bindungen zu Menschen sind schwer aufzubauen und zu halten, wenn man sein Inneres nicht mehr aufschließen kann. Kann die Führungskraft ihre Emotionen nur schwer reflektieren und differenziert wahrnehmen, gelingt es ihr auch nicht, die Teamstimmung so zu steuern, dass alle beherzt mit anpacken. In Teams, in denen ein humorarmer Chef seiner Ausstrahlung unreflektiert gegenübersteht, beschäftigen sich Mitarbeiter unbewusst mehr mit der Beziehung zu ihm als mit ihren Aufgaben. Was sie am Arbeitstag erwartet, wissen viele schon, wenn der Vorgesetzte morgens den Schlüssel auf den Schreibtisch fallen lässt. Dass sich der Luftdruck im Raum ändert, wenn der Chef eintritt, ist normal. Das Ziel dabei sollte aber immer lauten, die Stimmung durch die Anwesenheit zu verbessern. Denn gute Laune erzeugt gute Ergebnisse, und Führungskräfte, die hier stark sind, haben mehr Erfolg als unnahbare und kühle.

Reflexion ist der Schlüssel Zum Glück ist emotionale Intelligenz lernbar. Zu Anfang müssen dabei ein echtes Interesse am eigenen inneren Wandel und der Wunsch stehen, lebendiger und intensiver leben zu wollen. Wer damit beginnt, seinen inneren Reichtum zu erforschen und an seiner emotionalen Intelligenz zu arbeiten, lernt, seine Gefühle wahrzunehmen, sie in Worte zu fassen und

zu verändern. Während negative Gefühle unseren Blickwinkel verengen und wenig Raum für neue Lösungen lassen, erweitern positive unseren Horizont. Sie machen unsere Welt größer und reicher an Möglichkeiten. Wir werden kreativer, lösungsorientierter und haben mehr Spaß. Eine solche Stimmung ist hochansteckend und zieht Mitarbeiter in ihren Bann: Sie blühen auf und geben gerne ihr Bestes. Nur wer sich selbst reflektieren kann und weiß, wie es ihr oder ihm im Moment geht, kann sich selbst bewusst in gute Stimmung versetzen. Dass langfristige Ziel einer emotionalen Leitfigur muss sein, das Leben zu genießen und die resultierende Energie auf andere zu übertragen.

Sechs Praxistipps, die helfen: 1. Schulen Sie Ihre Selbstwahrnehmung Fragen Sie sich: Woran glaube ich? Wer sind meine positiven und negativen Vorbilder? Was beschäftigt mich und welche Ziele strebe ich an. Hier können auch Tests helfen. 2. Was denken andere über mich? Holen Sie sich Feedback zu Ihrer Person. Fremdeinschätzungen ergeben oft ein präziseres Persönlichkeitsbild als eigene. Hier ein paar Beispielfragen: Wie wirke ich auf andere Menschen? Welche Erwartungen haben andere an mich? Fühlen sich andere mit mir wohl? Mögen mich die Mitarbeiter? 3. Lernen Sie mit Gefühlen umzugehen Notieren Sie über einige Wochen Ihre täglichen

Emotionen und Gefühle. Was empfinden Sie wann und warum? Wo im Körper spüren Sie es? Bewerten Sie dabei nicht. Auch Negatives gehört zu Ihnen. Je mehr Sie Ihre Gefühle wahrnehmen und akzeptieren, desto besser wird Ihr Umgang mit anderen, weil Sie Ihre Emotionen steuern lernen. 4. Akzeptieren Sie andere Sichtweisen Lernen Sie, andere nicht zu bewerten, sondern als Horizonterweiterung zu sehen. Lernen Sie andere Sichtweisen zu würdigen, ohne mit ihren eigenen zu dominieren. Je besser das gelingt, desto versöhnlicher und produktiver wird Ihr Umgang. 5. Erweitern Sie Ihre Konfliktfähigkeit Spüren Sie, wenn Ihnen die Hutschnur hochgehen will. Kühlen Sie sich zuerst ab, bevor Sie erwidern. Sie werden sonst leicht verletzend und beschädigen Ihre Beziehungen. Nur mit Gelassenheit können Sie im Gespräch etwas verbessern. 6. Holen Sie sich Unterstützung Seien Sie mutig und holen Sie sich umfassende Unterstützung durch qualitatives Training Ihrer Emotionskompetenz und Ihrer Wahrnehmung. Vaya Wieser-Weber hat sich auf Persönlichkeitsentwicklung und Emotionskompetenz spezialisiert. Mit ihrem Unternehmen entwickelte sie ein eigenes Trainingsprogramm zu emotional intelligenter Führung. Klick! www.vayawieser-weber.com ÒÒ Seite 4


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Keine Zeit, viel Stress „Wenn ich mehr Zeit hätte, wäre ich nicht so im Stress.“ Wahrheit oder nur ein guter Grund, die Verantwortung auf etwas nicht Veränderbares zu schieben? Dr. Wolfgang Jäger macht sich auf die Suche nach dem 48-Stunden-Tag.

Sie haben es schon erraten. Es liegt an uns selbst. Der Beweis dafür sind Menschen, die wunderbar mit der Zeit umgehen können. Sie haben ihr Leben entschlackt, ausgemistet und bereinigt. Und dann gibt es eben Menschen, die sich von der Zeit terrorisieren lassen und möglichst viel in die verfügbare Zeit hineinpaBILDUNGaktuell 02/2017

cken (wollen). Es kann also nicht an den verfügbaren Stunden liegen, denn sonst würden Menschen nicht unterschiedlich darauf reagieren. Wir machen uns den Stress selbst.

Leben Sie oder werden Sie gelebt? Stellen Sie sich einmal diese Frage und seien Sie ganz ehrlich zu sich selbst. Wenn Sie zum zweiten Teil des Satzes neigen, dann wird es Zeit, etwas zu tun. Wechseln Sie von der passiven Rolle in die aktive. Dem Leben mit den verschiedensten Rollen und deren Herausforderungen aktiv zu begegnen, das ist die Strategie. Sich nicht dem Druck der Umgebung pas-

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Natürlich wäre er schön – der 48-StundenTag. Aber ich würde einiges dafür verwetten, dass auch dann die verfügbare Zeit noch immer nicht ausreichend wäre, um stressfrei durchs Leben zu gehen. Wir würden uns auch diese 48 Stunden vollräumen. Die Lösung muss also woanders liegen.

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Vielleicht denken Sie sich jetzt: „Ja aber ich muss doch alle Arbeiten erledigen, die an mich im Arbeitsprozess herangetragen werden“, oder „Die Arbeit wird immer mehr und es geht sich einfach nicht mehr aus – man verlangt einfach immer mehr von uns.“ Alles richtig, aber Hand aufs Herz: Wie intensiv hat man dagegen etwas unternommen? Wie oft hat man nicht mehr freiwillig aufgezeigt, wenn es um zusätzliche Aufgaben gegangen ist? Wie oft hat man sich dieses eine kleine Wort sagen getraut: „nein“? Oder wie oft hat man auf Aktivitäten verzichtet, von denen wir immer geglaubt haben, dass „man“ diese tun muss? Es ist keine Frage der Zeit, sondern nur der mangelnden Prioritäten! Auch kein neuer Satz mehr, aber wie setzt man richtig Prioritäten. Es gibt viele Möglichkeiten. Die einfachste und praktisch am leichtesten umsetzbare ist die Trennung zwischen „dringend“ und „wichtig“. Wir teilen all unsere Aufgaben (berufliche und private) in 4 Quadranten ein. Von allen unwichtigen und nicht dringenden Aufgaben machen wir uns schnellstens frei. 98% erledigen sich von selbst. Wir müssen nicht alle Mails genau lesen, wir müssen nicht den Rasen jedes Wochenende mähen, damit die Nachbarn zufrieden sind, usw. Im Quadranten sehr wichtig, aber nicht so dringend ist diszipliniertes Zeitmanagement erforBILDUNGaktuell 02/2017

Das „Nein“ fällt uns so schwer, weil wir gelernt haben, dass wir andere nicht vor den Kopf stoßen dürfen und es auch ein Zeichen von Schwäche sein kann.

derlich. Zeitlich vermerken und auch genau zu dieser Zeit erledigen ist die Prämisse. Mental können wir dies nun abhaken, bis der Kalender uns daran erinnert. Im Quadranten nicht wichtig, aber dringend suchen wir Möglichkeiten zu delegieren oder arbeiten an diesem einen ominösen Wort „Nein“. Dies muss gelernt sein und manchmal mit viel Diplomatie und Wertschätzung umgesetzt werden.

Halten wir unsere „inneren Antreiber“ im Zaum Unsere gelernten, meist unbewussten Verhaltensmuster ziehen uns hier einen Strich durch die Rechnung. Das „Nein“ fällt uns so schwer, weil wir gelernt haben, dass wir andere nicht vor den Kopf stoßen dürfen und es auch ein Zeichen von Schwäche sein kann. Das nochmalige kontrollieren der Excellisten verhindert unsere Angst vor Fehlern, obwohl die Liste bereits überperfekt ist. Das „überall dabei sein zu müssen“ bringt uns Anerkennung und Status. Alles

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siv hinzugeben und so in die Opferrolle zu fallen („ich kann ja nichts dagegen tun – ich muss das ja machen“) ist das Ziel.

Muster, aus denen wir schwer hinaus kommen und die uns immer wieder in Zeitnot bringen.

Alles ist heute dringend Jetzt bleiben nur mehr die ganz wichtigen und ganz dringenden Aufgaben über. Bei „dringend“ stellt sich immer die Frage: für welche Person dringend? Für meinen Vorgesetzten, für meine Frau oder für mich. Oft bemerken wir, dass wir eine große „Dringlichkeit“ spüren, die nicht ganz der Realität entspricht. Eine Überprüfung zahlt sich auf jeden Fall aus.

Wichtig ist nicht gleich wichtig Soweit ist dieses Thema bis hierher gut auf der operativen Oberfläche zu lösen. Dennoch scheitern wir meist an der Tatsache, alles für wichtig zu erachten – und schon ist sie wieder da: die Zeitnot, weil ja alles „sooo“ wichtig ist. Also betrachten wir das Thema „Wichtigkeit“ mal ein wenig tiefgehender. Wichtig für

wen oder was? – ist die Frage, die Sie sich stellen sollten. Wichtigkeit in Bezug worauf? Und hier kommen die eigenen Bedürfnisse ins Spiel. Wie gesagt – die eigenen und nicht die von ihren Freunden, Familie und Vorgesetzten. Klingt jetzt sehr egoistisch aber das eine schließt ja nicht das Wohl der anderen aus. Eine differenzierte Betrachtung dieses einen Wortes zahlt sich also auf jeden Fall aus.

Betrachtungsmöglichkeiten: » Wichtigkeit in Bezug auf die Sicherung einer Beziehung » Wichtigkeit in Bezug auf die Erhaltung meines Arbeitsplatzes » Wichtigkeit in Bezug auf die Abwehr von Gefahren » Wichtigkeit in Bezug auf Anerkennung » Wichtigkeit in Bezug auf die Erhaltung meiner Gesundheit Zusammengefasst ist der Zusammenhang Stress und Zeit nur ein geringer. Es ist ein Mythos. Wesentlich wichtiger sind das richtige Setzen von Prioritäten, das Hinterfragen der Wichtigkeiten und das Bearbeiten meiner Verhaltensmuster. Schlussendlich der bessere Weg erfolgreich und effizient zu sein und dabei auch gesund zu bleiben. Dr. Wolfgang Jäger ist Arbeits- und Organisationspsychologe und Unternehmensberater. Er ist Leiter des manage health – Institut für psychologisches Ressourcenmanagement. Klick! www.managehealth.at ÒÒ Seite 7


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Denk dich glücklich! Erstaunlich, aber die meisten Gedanken, die den Menschen beschäftigen, sind banal und oft sogar negativ. Allerdings können Sie Ihr Denken beeinflussen. Wie das geht, weiß Katja Porsch Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und sind noch nicht in der Lage, sich bewusst zu steuern und irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Was meinen Sie? Wachen Sie als Optimist oder als Pessimist auf? Denken wir automatisch eher positiv oder negativ? Schätzen Sie doch nochmal. Wie viel Prozent unserer täglichen Gedanken sind positiv und wie viele negativ?

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Als ich das Ergebnis erfahren habe, hat es mich fast umgehauen. Nur mickrige drei Prozent unserer Gedanken sind automatisch positiv. Hammer, oder? 25 Prozent sind negativ und der Rest ist Bullshit, unbedeutende Gedanken, die uns im Leben nicht weiterbringen. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit so bahnbrechend weltpolitisch wichtigen Überlegungen, ob wir heute die grünen oder lieber die roten Shorts zum Sport anziehen. Oder ob wir erst bei Facebook schauen, was es Neues gibt, oder bei Instagram.

Wenn wir morgens aufwachen, sind wir umgeben von zig Problemen. Aber auch von zig Chancen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir Problemsucher oder Chancenfinder sein wollen.

Das zweite, das wir machen, ist: Wir generalisieren. Wir schließen von einem Erlebten auf das andere, ähnliche Erfahrungen. Das hat den Vorteil, dass wir nicht jedes einzelne Ereignis oder jede Erfahrung immer wieder neu durchleben müssen. Der Nachteil ist, dass wir unser Weltmodell damit immer enger werden lassen. „Das haben wir schon immer so gemacht” oder „Das macht man halt so” sind typische Generalsierungen.

Chancen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir Problemsucher oder Chancenfinder sein wollen. Hört sich simpel an, ist aber nicht so einfach. Doch wenn wir das einmal beherrschen, hat es eine immense Wirkung und macht vieles im Leben leichter.

rückdenken und jeder von Ihnen eine komplett andere Erinnerung daran hat? Sie sind sicher, dass es ganz genau so war, wie Sie es in Erinnerung haben und Ihr Partner ist genauso felsenfest von seiner abweichenden Erinnerung überzeugt. Wer hat recht? Wir leben zwar alle auf dem gleichen Planeten, aber geistig existiert jeder von uns in seiner eigenen (gedanklichen) Welt. Anders ist es gar nicht möglich. Wir sind nicht in der Lage, alle Informationen, all das, was tagtäglich um uns herum passiert, aufzunehmen und zu verarbeiten. Da würde unsere Festplatte implodieren. Wir schaffen uns unsere eigene Realität, indem wir die Datenflut reduzieren und Filterprozesse einbauen.

Und mal ehrlich: Vor diesem Hintergrund ist ein „ganz zufriedenes Leben” eine beachtliche Leistung, nicht wahr? Aber es geht besser. Die entscheidende Frage ist nicht, wie wir aufwachen, sondern was wir aus dem Tag machen. Es geht nicht darum, was wir automatisch tun, sondern wie wir uns steuern. (...)

Glauben Sie, dass Erfolg und Misserfolg etwas mit mehr oder weniger Glück oder mit mehr oder weniger Pech im Leben zu tun haben? Ich habe den Ursprung des Wortes mal gegoogelt. „Glück” stammt vom mittelniederdeutschen „Gelucke” und vom mittelhochdeutschen „Gelücke” ab. Beides stammt wiederum von dem Wort „gelingen”. Und das hat wieder etwas mit dem Wort „leicht” zu tun. Glück ist also das Gelungene, das leicht Erreichte. Es ist nichts, was zufällig passiert, sondern das Ergebnis, wenn etwas gelungen ist. Erfolg ist keine Frage des Glücks, sondern Erfolg macht glücklich. Wir müssen etwas dafür tun. Erfolgreiche Menschen hatten nicht mehr Glück, sie haben nur etwas anderes getan als die anderen. Das Erste, was diese vermeintlichen „Glückskinder” anders machen als viele andere, ist, anders zu denken.

Zum Schluss verzerren wir noch. Wir interpretieren etwas anderes in die Aussage unseres Gegenübers hinein, als er gemeint und gesagt hat. Wir speichern nicht das Gesagte ab, sondern das, was wir daraus gemacht haben. Typisch für Verzerrungen sind dann Gespräche wie: „Das hast du mir gar nicht gesagt.” „Hab ich wohl.” „Hast du nicht.” „Ich weiß doch noch, was ich gesagt habe.” „Und ich weiß, was ich gehört habe.”

Wenn wir morgens aufwachen, sind wir umgeben von zig Problemen. Aber auch von zig

Kennen Sie das, dass Sie mit Ihrem Partner oder Freund an ein gemeinsames Gespräch zu-

Der erste Filterprozess ist: Wir tilgen. Wir lassen unwesentliche Bestandteile der Wahrnehmung weg. Das hilft uns, uns auf das Wesentliche zu fokussieren, bringt aber den Nachteil mit sich, dass wir einen Teil der Realität gar nicht mitbekommen. Wenn also Ihr Partner das nächste Mal Stein und Bein schwört, dass es genauso gewesen ist, wie er es sagt, und nicht, wie Sie es glauben, hauen Sie nicht gleich drauf. Vielleicht hat er einfach andere Sachen weggetilgt als Sie.

Das Groteske an dieser Situation ist: Beide Beteiligten haben recht. Jeder durch seine eigene Brille. Es gibt sie nicht, diese eine gemeinsame Welt, diese universelle Wahrheit. Jeder Mensch kreiert aufgrund seiner Filter seine eigene gedankliche Landkarte. Er entscheidet, was auf seiner Festplatte gespeichert wird. „Glückskinder” haben einfach eine andere Landkarte als „Pechvögel”. Ihre Festplatte sieht anders aus. Wenn unsere Festplatte vorwiegend mit negativen Dingen und Gedanken bespielt ist, leben

Unsere Bullshitgedanken bringen uns zwar nicht weiter, aber sie rauben uns Zeit und Energie. Ich ertappe mich selbst häufig bei diesen gedanklichen Ausweichmanövern. Vor allem, wenn mir langweilig ist oder ich mich mit einem Thema nicht beschäftigen will, kriegt Bullshit auf meiner Prioritätenliste einen extrem hohen Stellenwert. Das ist schon cool, oder? Drei Prozent positiv, 25 Prozent negativ, 72 Prozent sinnlos. Mit dieser Gedankenbilanz stehen wir jeden Morgen auf. Wir haben also eine ganze Menge zu tun, wenn der Tag gut werden soll.

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wir in einer Welt voller Ängste, Sorgen, Hass und Intrigen. Wenn sie aber vorwiegend mit positiven Dingen bespielt ist, leben wir in einer Welt voller Chancen, Träume, Möglichkeiten und Freude. Klar ist das jetzt etwas vereinfacht. Kein Mensch lebt nur in der einen oder anderen Welt. Aber es trifft den Kern der Sache. Welches Weltbild überwiegt in Ihrem Leben? Das eines Chancensuchers oder das eines Problemfinders? Ich erinnere mich sehr gut daran, wie meine Eltern mir bei meiner Einschulung gesagt haben: „So mein Kind, jetzt geht der Ernst des Lebens los.” Sie wussten damals gar nicht, wie recht sie mit dieser Aussage hatten. Wenn wir klein sind, im Kindergarten oder in der Vorschule, ist alles irgendwie leicht. Und spielerisch. Aber dann

>> Bücher zu gewinnen! Senden Sie eine E-Mail an buch@bildungaktuell.at und gewinnen Sie ein Exemplar von „Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, tritt zurück! “ Das Gewinnspiel findet unter Ausschluss des Rechtsweges statt. Barablöse ist nicht möglich. Einsendeschluss ist der 7. März 2017 BILDUNGaktuell 02/2017

heißt es: Pflicht erfüllen und erwachsen werden. Genau bei diesem Erwachsenwerden soll uns die Schule unterstützen, sie soll uns fit machen für den Ernst des Lebens. Aber tut sie das wirklich? Wir lernen Mathe, Physik, Deutsch, Biologie, Chemie, Sprachen, Bildende Künste, Politische Weltkunde usw. Das mag alles richtig und wichtig sein, aber reicht das? Warum lernen wir nicht „So erreichst du deine erste Million” oder „So trittst du überzeugend und selbstbewusst auf” oder „Wie du dich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt” oder „Wie du deine Träume und Ziele erreichst”? Unsere Festplatte wird in der Schule mit Zahlen, Daten und Fakten gefüllt, unser Großhirn wird gefüttert ohne Ende, aber was ist mit unserem Zwischenhirn? Das wird gespeist mit einer „Null-Fehler-Kultur”, einer „Du-darfstnicht”-Mentalität, mit vorgegeben Denkmustern und dem Streben nach einem ziemlich zufriedenen Leben. Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, tritt zurück! Wie du kriegst, was du willst“ von Katja Porsch, erschienen 2016 im Goldegg Verlag. Katja Porsch ist Unternehmerin und zählt mit über 30.000 Zuhörern und mehr als 900 Seminaren und Vorträgen zu den Top-Keynote-Speakern in Deutschland. Klick! www.katja-porsch.com ÒÒ Klick! www.goldegg-verlag.com ÒÒ Seite 10


Schluss mit Stress!