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AUSGABE 3/2012

BiK Newsletter F

BiK F Biodiversität und Klima Forschungszentrum

THEMEN

Palmen am POL Vor 52 Millionen Jahren wuchs an der Küste der Antarktis ein Regenwald Seite 1

1

Machtwechsel in Der Savanne Klimawandel begünstigt Bäume Seite 2

Alte Alpen Schweizer Alpen beeinflussen Europas Klima seit dem Miozän Seite 2

PInguine In der Patsche Touristen sind wohl nicht schuld

2 1 I Küste von Wilkes Island (Antarktis) heute. Foto: Etienne Classen, Integrated Ocean Drilling Program (IODP) 2 I So könnte es hier vor 52 Millionen Jahren ausgesehen haben. Foto: Sven Brenner - Fotolia.com

Seite 3

KLimaentwicklung forschung: Tropische Verhältnisse in der Antarktis

Tiefseebohrung zeigt langfristige Entwicklung des CO2-Kreislaufs

Antarktis - wo heute ein Eispanzer den

rekonstruiert werden. Zusätzliche Belege

Südozean säumt, stand vor 52 Millionen

für milde Temperaturen lieferte die Analy-

Jahren ein tropischer bis subtropischer

se organischer Verbindungen, die von Bo-

TeamWork in den Tropen

Regenwald,

frostempfindliche

denbakterien produziert wurden. Diese

Bestäuber und Fruchtfresser sind am

Pflanzen wie Palmen und Vorläufer der

Mikroorganismen besiedelten damals die

Äquator wenig wählerisch

heutigen

küstennahen Böden von Wilkes Land.

Seite 3

in

dem

Affenbrotbäume

gediehen.

Seite 3

Selbst im Winter herrschten an der Küste

Vor rund 52 Millionen Jahren war die

milde 10 Grad Celsius – trotz dreimonati-

Konzentration des Treibhausgases CO2 in

Unterwegs

ger Polarnacht. Im Inneren des Konti-

der Atmosphäre mehr als doppelt so hoch

Barsche in der Barentsee

nents hingegen war es merklich kühler,

wie heute. Der Blick in die Vergangenheit

Seite 4

hier wuchs ein gemäßigter Regenwald mit

erlaubt daher eine Prognose für das künf-

Südbuchen und Araukarien, wie er heute

tige Klima: „Wenn der derzeitige CO2-Aus-

KOOPErationen / Projekte

in Neuseeland vorkommt.

stoß

Zusammenarbeit mit GIZ auf Sokotra;

Dies ergab die Studie eines internationa-

Brennstoffe ungehindert voranschreitet,

Neues Großprojekt im Himalaya;

len Teams um Prof. Jörg Pross, Paläokli-

könnte die damalige CO2-Konzentration

LOEWE-Schwerpunkt „Integrative

matologe

womöglich in wenigen hundert Jahren

Pilzforschung“ bewilligt

Frankfurt und Mitglied des BiK-F. Die Wis-

wieder erreicht werden.“ so Pross.

Seite 4/5

senchaflterInnnen

dazu

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre alleine

Sedimentproben aus Bohrkernen vom

erklärt die nahezu tropischen Bedingun-

LEHRE / Rückblick

Meeresgrund, die vor der Küste des ant-

gen in der Antarktis jedoch nicht hinrei-

Summer School in Brasilien; World

arktischen Wilkes-Landes im Rahmen des

chend. Ein weiterer wichtiger Faktor war

Wide Views on Biodiversity; Auf dem

Integrated Ocean Drilling Program (IODP)

der Wärmetransport durch warme Mee-

MainSofa; 2. Platz beim Stadtradeln

gewonnen wurden.

resströmungen,

Seite 5/6

Die Sedimente aus denen die Proben ge-

erreichten. Als diese zusammenbrachen,

wonnen worden, sind zwischen 53 und 46

verschwand

Millionen Jahre alt und enthalten Pollen

Vegetation.

an

der

Goethe-Universität analysierten

durch

die

Verbrennung

welche

auch

die

die

fossiler

Antarktis

tropenähnliche

Initiative für Bodendiversität; DAAD-

und Sporen, die nachweislich aus der Küstenregion

der

Antarktis

stammen.

Damit konnte die damalige Pflanzenwelt

Personalien / Termine Stipendium; Doktorand ausgezeichnet;

>> Studie in „Nature”

Diskussion „We feed the world“

>> Expeditionsvideos IODP [YouTube]

Seite 7

–1–


BiK F

Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

forschung: Bäume Könnten in der Savanne die Oberhand gewinnen denen

die

Temperatur

klimawandel-

bedingt schneller ansteigt (z.B. im Zentrum Südafrikas), jedoch später stattfinden, da der steile Temperaturstieg wiederrum Gräser begünstigt. Diese können dann trotz steigender CO2-Konzentration in der Atmosphäre länger erfolgreich mit Bäumen konkurrieren. Obwohl

die

Vegetationsveränderungen

auf lokaler Ebene durchaus abrupt sein können, wird der Vegetationswandel über die

Gesamtregion

betrachtet

graduell

ablaufen. Dies verringert wiederum das

Afrikanische Savannenlandschaft. Foto: Steven Higgins, BiK-F

Risiko einer Erschütterung des gesamten Eine experimentelle Studie der Goethe-

timum der Savannenbaumarten liegt, wie

Erdsystems, der einem solchen System-

Universität Frankfurt hat gezeigt, dass

eine Studie gezeigt hat. Mit dem aktuellen

wechsel tendenziell innewohnt, beson-

weite Teile der afrikanischen Savanne bis

Anstieg geht das Wachstum der Savan-

ders, wenn er sich wie hier auf einem

2100 zu Wäldern werden könnten, falls

nenbäume daher erst richtig los“, so Prof.

ganzen Kontinent vollzieht – immer vor-

ein bestimmter CO2-Schwellenwert in der

Steven Higgins (BiK-F und Goethe-Uni-

ausgesetzt, die Landnutzung lässt diesen

Atmosphäre überschritten wird.

versität).

Wandel zu: Dies ist allerdings angesichts

In der Savanne ringen Gräser und Gehölze

Verschiebungen im „Machtverhältnis“ der

einer noch immer wachsenden Bevölke-

permanent um Dominanz. Schwankungen

Savannenpflanzen, die sich in der Vergan-

rung und der daraus resultierenden zu-

von

CO2-

genheit sehr langsam vollzogen, werden

nehmend

Gehalt in der Atmosphäre oder Auftreten

durch den globalen Wandel wahrschein-

durchaus fraglich.

Temperatur,

Niederschlag,

von Feuern bestimmen, wer sich durch-

lich deutlich schneller ablaufen – vielleicht

setzt. „Ein höherer CO2-Gehalt in der

sogar schlagartig innerhalb nur weniger

Atmosphäre begünstigt Bäume, da der

Jahre oder Jahrzehnte. Voraussichtlich

vorindustrielle CO2-Gehalt unter dem Op-

wird der Umbruch aber in Gegenden, in

intensiveren

Landnutzung

>> Studie in „Nature”

forschung: Schweizer Alpen beeinflussen Europas Klima seit 15 Millionen Jahren WissenschaftlerInnen

des

BiK-F,

der

Goethe-Universität Frankfurt und der Eidgenössichen

Technischen

Hochschule

Zürich haben festgestellt, dass die höchsten Gipfel der Schweiz in den erdgeschichtlich jungen Zentralalpen schon seit 15 Millionen Jahren mindestens so hoch wie heute sind. Damals waren die Gipfel zwischen 2.850 und 3.350 m hoch und die Gebirgskette damit im Durchschnitt sogar noch höher als heute. Hohe Bergketten bilden ein natürliches Hindernis für feuchte Luftmassen und

Diese Alpengipfel waren schon vor 15 Mio. Jahren so hoch wie heute. Foto: Marion Campani, BiK-F

beeinflussen so das Klima zu beiden Seiten dieser Barriere. Ihre Höhe ist dabei

lung

waren,

lässt

sich

des

auf Höhe des Meeresspiegels) verglichen,

der entscheidende Faktor. „Die neuen

Verhältnisses verschiedener Sauerstoff-

um die Höhendifferenz zu bestimmen. Au-

Erkenntnisse lassen daher Rückschlüsse

Isotopen zueinander bestimmen. Konser-

ßerdem wurde die Herkunft der feuchten

auf die Niederschlagsmuster in Südeuro-

viert im Gestein lässt sich daraus Infor-

Luftmassen betrachtet, um Veränderun-

pa und Eurasien und damit indirekt auch

mationen über die Höhe des Nieder-

gen in der Zusammensetzung und Menge

auf die Entwicklungsbedingungen ganzer

schlags vor 15 Millionen gewinnen. Im

des Niederschlags an dessen Ursprung zu

Ökosysteme im östlichen Mittelmeerraum

Rahmen der Studie wurde erstmals 15

berücksichtigen.

seit 15 Millionen Jahren zu“, so Dr. Marion

Millionen Jahre alter Niederschlag aus den

Campani, BiK-F, Leitautorin der Studie.

Hochgebieten der Alpen mit Niederschlag

>> Studie in „Earth and Planetary

Wie hoch Berge im Laufe ihrer Entwick-

aus dem Alpenvorland (damals ungefähr

Science Letters”

–2–

anhand


Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

BiK F

forschung: Tourismus nicht Schuld am Pinguin-Schwund Pinguine sind bei jedermann beliebt, doch

Ein Vergleich mit Satellitenbildern ergab,

wird das große Interesse an diesen pos-

dass der Zügelpinguinbestand seit 2002/

sierlichen Gefährten im Frack ihnen zum

2003 um fast 40 % zurückgegangen ist.

Verhängnis? Ein unter Antarktistouristen

Es konnte jedoch kein Zusammenhang

besonders beliebtes Ziel ist Deception Is-

des Rückgangs mit hohen Besucherzahlen

land, eine vor der antarktischen Halbinsel

festgestellt werden. Schätzungen anderer

gelegene Vulkaninsel, die mehrere große

Wissenschaftler bestätigen dies auch auf

Kolonien von Zügelpinguinen beherbergt.

mehreren in der Nähe liegenden Inseln,

Ein amerikanisch-deutsches Foschungs-

wo ebenfalls Zügelpinguine leben.

team, darunter Dr. Thomas Müller (BiK-

Viele WissenschaftlerInnen vermuten, dass

F), untersuchte nun, ob Tourismus die

der Klimawandel und seine Folgen zumin-

Ursache für den hier festgestellten Rück-

dest Mitursache für den beobachteten Pin-

gang der Brutpaare dieser Tiere ist.

guinrückgang sind. Falls auch der Touris-

Das Team zählte dazu Zügelpinguine –

mus einen Einfluss hat, so wird dieser

sowohl in den „Touristenhotspots“ der

durch die Erwärmung der Antarktis wahr-

Insel

scheinlich überdeckt.

als

auch

in

touristisch

nicht

erschlossenen Gebieten. So konnte erstmals die tatsächliche Populationsgröße der

dort

lebenden

Zügelpinguine

Zügelpinguine bei Baily Head in einer der größten

>> Studie in „Polar Biology”

Kolonien von Deception Island. Foto: Thomas Müller,

be-

BiK-F

stimmt werden.

forschung: Klimaentwicklung ist keine EinbahnstraSSe WissenschaftlerInnen des BiK-F und der

Das Klima wird u.a. durch die atmosphä-

Konzentration des Treibhausgases – die

Goethe-Universität Frankfurt am Main,

rische Konzentration von Kohlendioxid

um das 3 bis 6-fache niedriger ist – be-

u.a. Prof. Jens Herrle, haben gemeinsam

gesteuert, welches im Gleichgewicht von

findet sie sich in 4.500 m. Die Tiefseeab-

mit

für

Ein- und Austrag in die Atmosphäre

lagerungen belegen, wie eng Klima und

Marine Umwelt der Universität Bremen

Kollegen

steht. Die globale Bilanz des Kohlenstoff-

CO2-Kreislauf verknüpft sind, und erlau-

(MARUM) Tiefseebohrungen in der Regi-

kreislaufs spiegelt sich in der Karbonat-

ben einen Einblick in die langfristige Ent-

on des äquatorialen Pazifiks durchge-

Kompensationslinie (Meerestiefe, unter-

wicklung unseres Klimas.

führt. Während einer Expedition im Jahr

halb der das Kohlenstoffmineral Kalkspat

2009, bohrten sie in Wassertiefen von

vollständig aufgelöst wird) wider.

4.300 bis 5.100 m, mit dem Ziel, ein

So befand sich diese Grenze vor 52 bis

Klimaarchiv

47 Millionen Jahren 3.000 m unterhalb

der

vom

letzten

Zentrum

55

Millionen

Jahre zu erstellen.

>> Studie in „Nature”

des Meeresspiegels. Bei der heutigen

forschung: Bestäuber und Fruchtfresser sind am Äquator weniger wählerisch Samenausbreitende Vögel und bestäu-

Befund der Studie untermauert: Gegen-

bende Insekten sind – im Gegensatz zur

wärtige Klimabedingungen und die Pflan-

bisherigen Lehrmeinung – in den Tropen

zenvielfalt in einem Ökosystem haben

weniger auf einzelne Pflanzen spezialisiert

demnach mehr Einfluss auf den Grad der

als ihre Gegenparts in den gemäßigten

Spezialisierung als frühere Klimaschwan-

Breiten. Dies zeigt die Studie einer inter-

kungen.

nationalen Forschergruppe um Dr. Matthi-

Das lässt vermuten, dass bestimmte Öko-

as Schleuning, BiK-F, Dr. Jochen Fründ,

system-Funktionen wie Bestäubung und

Universität Göttingen, und Prof. Nico Blüt-

Samenausbreitung

hgen, TU Darmstadt.

weniger anfällig für Störungen sind als in

Die Untersuchung belegt auch, dass die

den gemäßigten Breiten, denn aufgrund

Spezialisierung bei Tier- und Pflanzenar-

der generalisierten Beziehungen und des

ten, die in einer mutualistischen Wechsel-

höheren Artenreichtums könnten jeweils

beziehung

mehrere Arten die Funktionen einzelner

stehen, eher eine Folge der

aktuell vorhandenen Ressourcen als das

in

den

rückläufiger Arten übernehmen.

Ergebnis langfristiger Anpassungsprozesse ist. Dies wird durch einen weiteren

>> Studie in „Current Biology” –3–

Tropen

Der leuchtend rote Andenfelsenhahn (Rupicola peruviana) ernährt sich von den Früchten von über 100 verschiedenen Pflanzenarten des tropischen Bergregenwalds. Foto: Matthias Dehling, BiK-F


BiK F

Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

forschung: Neues GroSSprojekt zur Nischenevolution auf dem „Dach der Welt“

1 1 I Das Dorf Kyanjing Gompa in der Qinghai-Tibet-Hochebene (Nepal, Himalaya). Foto: Steffen Pauls, BiK-F 2 I Ram Devi Tachamo Shah, BiK-F, bei der Gewässeruntersuchung. Foto: Deep Shah, BiK-F

Das Hochland von Tibet (Qinghai-Tibet-

Hochland

Hochebene) erstreckt sich auf 2,3 Mio. km2

geprägt hat. Das Verbundprojekt “Origin

von

Tibet

beeinflusst

oder

und liegt durchschnittlich 4.500 m über

and Evolution of Tibetan-Himalayan Bio-

und Dr. Sonja Jähning, beide BiK-F, unter-

dem Meeresspiegel. Damit ist das als „Dach

tas“ wird von BiK-F-Associate Prof. Alexan-

suchen dazu endemische Köcherfliegen der

der Welt“ bezeichnete Gebiet nicht nur die

dra N. Muellner-Riehl, Universität Leipzig,

Gattungen Rhyacophila und Himalopsyche.

größte, sondern auch die höchstgelegene

koordiniert und von der Deutschen For-

Dr. Martin Päckert, BiK-F und Senckenberg,

Hochebene der Welt. Entstanden ist das

schungsgemeinschaft (DFG) zunächst für

untersucht mit Kopperationspartner Dr.

Plateau durch die vor 55 Millionen Jahren

einen Zeitraum von 3 Jahren gefördert.

Frank Hailer, BiK-F, die Nischenevolution

einsetzende Kollision des indischen Sub-

In einem interdisziplinären Ansatz werden

am Beispiel von in alpinen und subalpinen

kontinents mit der Eurasischen Platte, die

die Evolution von Arten und ihre Ausbrei-

Zonen auftretenden Singvogelarten, die

langfristig zur Hebung des Gebiets führte.

tungsgeschichte anhand molekularbiologi-

zum Teil im Hochland von Tibet endemisch

Durch diesen Prozess haben sich Klima und

scher Methoden (zum Beispiel der auf

sind. Ein drittes Einzelprojekt, das von

Vegetation verändert und es entstanden

Grundlage datierter Stammbäume) und

Prof. Alexandra N. Muellner-Riehl geleitet

neue ökologische Nischen. Solch eine Evo-

mittels Modellierung untersucht. Darüber

wird, rundet das das Bild ab und analysiert

lution ökologischer Nischen ist einer der

hinaus wird die Entwicklung entsprechen-

die Pflanzengattung Saxifraga. Die Einzel-

Prozesse, der Artenbildung und -diversifi-

der ökologischer Eigenschaften erfasst, um

projekte beginnen Ende 2012/ Anfang

zierung antreibt und damit die regionale

die Beziehung zwischen Arten und sich ver-

2013. Ihre Ergebnisse werden schließlich

Artenvielfalt verschiedener taxonomischer

ändernden Umweltbedingungen besser zu

in ein zusammenfassendes Projekt von

Gruppen steuert.

verstehen.

Prof. Alexandra N. Muelner-Riehl und Dr.

Ein neues Forschungsvorhaben geht nun

In Teilprojekten soll die Nischenevolution

Adrien Favre, Universität Leipzig, und Prof.

der Frage nach, wie diese Entwicklung die

am Beispiel einzelner Organismengruppen

Dieter Uhl, Senckenberg, einfließen.

Diversifizierung verschiedener Arten im

nachvollzogen werden. Dr. Steffen Pauls

2

Projekte: Neuer LOEWE-Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung (IPF)“ Ab 2013 gibt es den neuen LOEWE-

Zusammenarbeit zwischen Goethe-Uni-

ihre zellulären Grundprozesse und in ihrer

Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung

versität

Eigenschaft

(IPF)

führung),

Frankfurt

am

Main

(Feder-

als

Modellorganismen

der

Marburg,

Molekularbiologie besser erforscht wer-

anwendungs- und grundlagenorientierter

Justus-Liebig-Universität Gießen, Univer-

den. Durch die interdisziplinäre Zusam-

Forschung zur Nutzung der pilzlichen Viel-

sität Kassel und der Senckenberg Gesell-

menarbeit soll z.B. die Entdeckung neuer

falt“. Das neue Vorhaben wird von Prof.

schaft für Naturforschung Frankfurt soll

nutzbarer Substanzen künftig gezielter in

Marco Thines (BiK-F und Goethe-Universi-

das schlummernde Potenzial der Pilzviel-

biotechnologische

tät

Innovation

durch

Integration

Philipps-Universität

Prozesse

umgesetzt

Bode

falt untersucht und besser nutzbar ge-

und damit schneller wirtschaftlich nutzbar

(Goethe-Universität) koordiniert. Eben-

macht werden, wobei ein Hauptfokus auf

gemacht werden.

falls beteiligt sind seitens BiK-F Prof. Imke

der Verzahnung von Grundlagen- und an-

Schmitt und Dr. Christian Printzen.

wendungsorientierter Forschung liegt.

Mit fachübergreifender, interdisziplinärer

Beispielsweise sollen Pilze im Hinblick auf

Frankfurt)

und

Prof.

Helge

–4–

>>www.proloewe.de


BiK F

Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

Unterwegs: Parasitologische Untersuchungen an der Grenze zur Arktis

1 I Untersuchungsgebiet vor Nordwest-Spitzbergen. 2 I Thomas Kuhn bei der Aufbereitung von biologischen Proben an Bord. Fotos: Sven Blechner, MRI

Außer in der tropischen Karibik (siehe

hautentzündungen oder allergische Reak-

Newsletter 2/2012) sind BiK-F-Wissen-

tionen hervorrufen. An Bord des For-

schaftler auch in kalten Gewässern wie

schungsschiffs Walter Herwig III sezierte

der Barentsee, gelegen zwischen dem

er Rotbarsch aus der Barentsee, um

nördlichsten europäischen Festland und

Fadenwürmer, die die Fische eventuell

Spitzbergen, unterwegs. Thomas Kuhn,

besiedelt haben, zu gewinnen und quanti-

Doktorand im BiK-F, nahm in diesem

tativ zu erfassen. Zurück in Frankfurt wird

Sommer an einer knapp einmonatigen

anhand ihrer DNA bestimmt, um welche

Forschungsfahrt des Max Rubner-Insti-

Art es sich jeweils handelt. Die Gattung

tuts (MRI) und des Johann Heinrich von

Anisakis

Thünen-Instituts in diesem Gebiet teil,

Arten, die äußerlich zwar nahezu iden-

um Verbreitungswege und biogeographi-

tisch sind, sich aber in ihrem Erbgut von-

sche Grenzen von Fischkrankheiten zu

einander unterscheiden.

untersuchen.

Außerdem

Die Barentsee liefert dazu ideale Voraus-

Schellfisch und Seelachs gefischt und tief-

setzungen, da hier die letzten Ausläufer

gekühlt. Diese Fischarten werden dann in

des Golfstromes auf Wassermassen des

Frankfurt zur Gänze daraufhin untersucht,

Polarmeeres treffen und einer Vielzahl

welche Parasiten in ihnen stecken. Ähnli-

kommerziell nutzbarer Fischarten ideale

che

Lebensbedingungen bieten. Entsprechend

bereits vor Grönland in der Irmingersee

ist das Fanggebiet für den weltweiten

und Labradorsee gemacht. Die Analysen

Fischhandel von enormer Bedeutung.

sind

Das Spezialgebiet von Thomas Kuhn sind

Veränderungen von Fischbeständen mit-

die wertmindernden Fischparasiten der

tels der in ihnen enthaltenen Parasiten

Gattung

erhoben werden.

Anisakis.

Die

Fadenwürmer

umfasst

wurden

neun

vor

Untersuchungen

Teil

einer

verschiedene

Ort

hat

Kabeljau,

Kuhn

Langzeitreihe

bei

2010

der

können beim Menschen Magenschleim-

Kooperationen: Schutz für die Heimat der Drachenblutbäume BiK-F, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,

die

Deutsche

Gesell-

schaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag der Bundesregierung und die jemenitische Umweltagentur wollen künftig enger kooperieren, um die nachhaltige Entwicklung der Insel Sokotra voran zu treiben. Damit soll der Spagat gelingen, in diesem „Paradies der Evolution“ die biologische Vielfalt zu schützen und gleichzeitig die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung wesentlich zu verbessern. Sokotra ist seit 2008 UNESCO-Weltnaturerbe und gehört zu Jemen, einem der ärmsten Länder der Welt. Wie lassen sich hier Naturschutz und ökonomische Ent-

Drachenblutbäume (Dracaena cinnabari) – das Symbol der Insel Sokotra. Foto: Katja Setzkorn, GIZ

wicklung in Einklang bringen? Die Lösung

ner Ressourcen auf die Fahnen geschrie-

Zur engeren, wissenschaftlichen Koopera-

heißt „Ökotourismus“. Gemeinsam mit

ben hat, umgesetzt werden.

tion aller Institutionen fand vom 21. bis

der jemenitischen Umweltagentur entwi-

Um die langfristigen Perspektiven des

23. September die 11. Jahrestagung der

ckelt die GIZ dazu den Aufbau entspre-

Projekts auszuloten, werden in einem

„Friends of Soqotra“ im Senckenberg

chender Kapazitäten. Das Programm hat

BiK-F-Projekt unter Leitung von Uwe Za-

Naturmuseum Frankfurt statt, auf der 70

Modellcharakter für das Land: was hier

jonz begleitend Studien zur Anpassung an

internationale Teilnehmer zugegen waren.

funktioniert, soll später auch in anderen

den Klimawandel und zur Bewertung der

Veranstalter der Tagung war BiK-F.

Schutzgebieten Jemens, das sich Natur-

Resilienz der auf der Insel vorhandenen

schutz und die nachhaltige Nutzung sei-

Ökosysteme erstellt. –5–


Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

BiK F Lehre :

Rückblick:

bIK-F-Wissenschaftler Leiten Summer School in recife, Brasilien

2. Hessischer Tag der Nachhaltigkeit

Vom 24.9 bis 5.10.2012 wurde von der

sifikationsrate sowie die Modellierung der

Am 19. September hatte das Hessischen

Federal University of Pernambuco (UFPE)

Artverbreitung und der Nischenevolution

Ministeriums für Umwelt, Energie, Land-

(Brasilien, Recife) in Zusammenarbeit

mit Hilfe bioinformatischer Programme.

wirtschaft und Verbraucherschutz zum 2.

mit BiK-F ein Kurs zum Thema „Phyloge-

Betreut und gehalten wurde der Kurs von

Hessischen Tag der Nachhaltigkeit einge-

netics and Evolution“ angeboten. Haupt-

Dr. Daniele Silvestro (BiK-F und UNIL)

laden, mit dem Ziel, den BürgerInnen nä-

thema des Kurses: Konzepte und statisti-

und Dr. Jan Schnitzler (BiK-F und Goe-

her zu bringen, was hinter dem Trendthe-

sche Ansätze zur Erforschung makroevo-

the-Universität). Die Summer School ist

ma steckt.

lutionärer Muster und Prozesse.

ein Kooperationsprojekt zwischen BiK-F,

Auch das BiK-F beteiligte sich mit einer

Im Detail ging es in den Vorlesungen,

der Universität Lausanne (UNIL, Schweiz)

gemeinsam mit BioFrankfurt durchge-

Tutorien

und der Universidade Federale de Per-

führten Veranstaltungstriologie. Den Auf-

nambuco (UFPE, Brasilien).

takt machte ein Informationsstand am

und

Diskussionsrunden

um

Phylogenetik und molekulare Datierung, die Evolution der Arten und historische

überdimensionalen „MainSofa“ aus Gras

Biogeographie, die Bewertung der Diver-

am Mainufer. Darüber hinaus referierte Prof. Bernhard Stribrny, BiK-F, in einer

Rückblick:

Abendveranstatltung über „Energie, Kli-

Globaler Bürgerdialog zur biologischen Vielfalt

ma, Biodiversität – ein unlösbares Trilemma?“ – ein Thema, das am nächsten Tag im Vortrag von Dr. Fritz A. Reuswig, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, über „Klimawandel und Lebensstil: Warum die Technik nicht mehr reichen wird“, vertieft wurde.

Rückblick:

2. Platz beim Frankfurter „Stadtradeln“

Teilnehmer der „World Wide Views on Biodiversity“ in Berlin. Foto: Museum für Naturkunde Berlin

Die Diskussion um den Erhalt biologischer

Die Auswertung des deutschen Bürgerdia-

Vielfalt wird weltweit geführt. Am 15.

logs ergab, dass 85% der Teilnehmer-

September war das wörtlich zu nehmen:

Innen der Meinung sind, der Verlust der

Mehrere Tausend BürgerInnen in Europa,

biologischen Vielfalt sei ein Problem von

Asien, Lateinamerika, Afrika und Nord-

globalem Ausmaß, der die meisten Men-

amerika diskutierten mit Wissenschaft-

schen auf der Welt betrifft. Die Mehrheit

lerInnen über Maßnahmen zur Erhaltung

geht außerdem davon aus, dass nationale

der biologischen Vielfalt. Der Bürger-

Abkommen weniger zur Lösung der Prob-

Vom 27. August bis 16. September 2012

dialog bot die Gelegenheit, weltweit den

leme beitragen als lokale Maßnahmen,

fand in Frankfurt zum fünften Mal die

Wissensstand und die Einstellungen der

etwa Aufklärungsprogramme an Schulen.

Aktion „Stadtradeln“ statt. Drei Wochen

TeilnehmerInnen zu erfragen.

Marion Mehring (ISOE), Mathias Kümmer-

lang waren alle Frankfurter aufgefordert,

der

len (BiK-F) und Willem Warnecke (SGN)

das Auto stehen zu lassen und für mög-

„World Wide Views on Biodiversity“ in

moderierten und begleiteten die Diskussi-

lichst viele Wege aufs Fahrrad umzustei-

Deutschland kamen über 100 Teilneh-

on der Teilnehmer. Die Ergebnisse werden

gen.

merInnen aus ganz Deutschland zusam-

weltweit ausgewertet und sollen in die

„Biovelocity“ - das gemeinsame Team von

men. Nach einem standardisierten Ablauf

nächste Vertragsstaatgenkonferenz zum

BiK-F, Senckenberg und BioFrankfurt, hat

fanden Videopräsentationen, Diskussio-

Übereinkommen über biologische Vielfalt

es geschafft das Vorjahresergebnis von

nen und Befragungen statt zu Themen

im Oktober 2012 (COP 11) in Hyderabad,

4.200 km deutlich zu übertreffen und in

wie Einrichtung von Schutzgebieten, die

Indien einfließen.

der 2012-Aktion insgesamt 6.064 Kilome-

Bei

der

zentralen

Veranstaltung

Überfischung der Meere, der Schutz von Korallenriffen

sowie

ein

gerechter

tern per pedales zurückgelegen. Damit >> biodiversity.wwviews.org

Vorteilsausgleich bei Nutzung von gene-

errang „Biovelocity“ unter den 47 Frankfurter Teams dem zweiten Platz.

tischen Ressourcen. –6–


BiK F

Newsletter des Biodiversität und Klima Forschungszentrums

personalien:

Veranstaltungen:

ECT bei Globaler Initiative für Bodenbiodiversität

Feed the World 2050 – Wie ernährt man neun Milliarden Menschen nachhaltig? Herausforderungen für die Forschung

Dr. Jörg Römbke, Geschäftsführer des

Anlässlich des Welternährungstages lädt

Biodiversität verschärfen dies zusätzlich.

BiK-F-Partners ECT GmbH, ist Mitglied der

das ISOE – Institut für sozial-ökologische

Es referieren Dr. Petra C. Braun, Gmun-

im September 2011 gegründeten Global

Forschung

den/Österreich,

Soil Biodiversity Initiative (GBSI). Durch

18.10. zu der Diskussionsveranstaltung

die Initiative soll Expertenwissen zur

„Feed the World 2050 – Wie ernährt man

Bodenbiodiversität stärkeren Eingang in

neun

die Umweltpolitik und in Ansätze zur

Herausforderungen für die Forschung“

nachhaltigen Landnutzung finden. Die

ein, um über Ernährungssicherung aus

Welche Anforderungen ergeben sich dar-

GSBI war dazu auf dem Rio+20-Gipfel

sozial- und naturwissenschaftlicher Pers-

aus

vertreten und bringt ihr Wissen in die

pektive zu diskutieren. Angesichts der

Diese Frage wird ausführlich im Workshop

Global Soil Partnership – eine Alllianz der

wachsenden Weltbevölkerung, veränder-

„Ernährungssicherung und Biodiversität“

Welternährungsorganisation FAO zur bes-

ter Ernährungsgewohnheiten und stei-

im Rahmen der ISOE-Tagung „wahrhaft

seren Bewirtschaftung der Böden - ein.

gendem Nutzungsdruck auf Ökosysteme

nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsfor-

müssen nachhaltige Lösungen gefunden

schung ausmacht“ aufgegriffen. Termin:

werden. Denn die derzeit vorherrschen-

16. November 2012, 10-17 Uhr im Haus

den Agrarmodelle und Ernährungssys-

am Dom, Frankfurt am Main.

gemeinsam

Milliarden

mit

Menschen

BiK-F

am

nachhaltig?

und

Prof.

Dr.

>> ISOE/ Feed the world 2050

für

die

Nachhaltigkeitsforschung?

teme mit ihrem enormen Ressourcenverbrauch haben sich als nicht zukunftsfähig

>> ISOE/ Tagung 2012

erwiesen. Klimawandel und Rückgang der

Personalien:

Preis für besten Vortrag Alexander Weigand, Doktorand an der Goethe Universität Frankfurt am Main und am BiK-F, wurde Anfang September auf der 21. International Conference on Subterranean Biology in Kosice, Slowakei, der 1. Preis für den besten studentischen Vortrag verliehen. Der Titel des Vortrags war: „Evolution of subterranean microsnails (Carychiidae, Zospeum): Phylogeny and cryptic diversification”.

Personalien:

Veranstaltungshinweise

BiK-F-Doktorandin erhält DAAD-Forschungsstipendium

14.10.2012

Anna D. Sadowska-Deś, im vergangenen Jahr DBU Gastwissenschaftlerin am BiK-F aus Wrocław, Polen, erhält ab Oktober

Diskussion im Rahmen der Reihe „Dialog an Deck“

16 - 17.30h

„Vielfalt ist wertvoll! Warum wir Artenreichtum brauchen“

mit Dr. Katja Heubach, BiK-F

Forschungsschiff MS Wissenschaft, Viehmarkt,

Anleger südlich der Friedensbrücke, Würzburg

2012 ein zweijähriges DAAD-Forschungs-

18.10.2012

Vortrag und Diskussion

stipendium, um an der Goethe-Universität

18 - 20h

„Feed the World 2050 – Wie ernährt man neun Millarden Men

ihre Promotion abzuschließen. Sie forscht

schen nachhaltig? Herausforderungen für die Forschung“

am BiK-F zur Flechte Lasallia pustulata,

Goethe-Universität, AFE-Turm, Raum 2702,

die in klimatisch sehr unterschiedlichen

Regionen,

beispielsweise

Robert-Mayer-Str. 5, 60325 Frankfurt

Skandinavien

und Zentralspanien, beheimatet ist. In ihrer Doktorarbeit untersucht Anna Sadowska-

Impressum

Deś, ob sich der Pilz und Alge, aus denen

Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)

die Flechte besteht, an den klimatisch ver-

Senckenberganlage 25, D-60325 Frankfurt am Main

schiedenen Standorten genetisch unter-

Redaktion: Sabine Wendler, E-mail: sabine.wendler@senckenberg.de

scheiden und ob dies die Anpassung an lokale Gegebenheiten widerspiegelt.

Mehr Informationen über BiK-F online unter: www.bik-f.de –7–

Teja

Tscharntke, Göttingen.

BiK-F Newsletter 03/2012  

Newsletter of the LOEWE Biodiversity and Climate Research Centre