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Von Lappland nach Neuseeland Die Reisetageb端cher von Elke Peters


Redaktion: Volker Diel Umschlaggestaltung und Satz: Birgit Uhl Umschlagfoto: Elke Peters spaziert durch eine GeschäftsstraĂ&#x;e im Stadtteil Kowloon, Hongkong Druck und Bindung: winterwork Borsdorf Hamburg, Februar 2015

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Finnland

Dienstreise in den hohen Norden mit vielen persönlichen Eindrücken 7

Frankreich

Von der „Stadt im Sonnenuntergang“ bis zur „Route par de la mer“25

Irland

Mit einem Opel-Kadett auf dem Ring of Kerry43

Russland

Die Reise nach Moskau und ins Sternenstädtchen71

China

Mit der „Pearl“ von Hongkong nach Shanghai95

Afrika

Eine Reise zum König von Togo125

Asien

Vom Dach der Welt zur Insel der Götter161

Südamerika Die Reise zum Nabel der Welt209 Australien

Vom heiligen Uluru zum See des schlafenden Riesen253

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Vorwort

Zwei Bücher über mein „erstes“ und mein „zweites“ Leben habe ich schon geschrieben. Die vielen Ordner mit meinen ausführlichen Reisetagebüchern zeigten mir, dass ich auch noch ein „drittes“ Leben zusammen mit meinem lieben Mann Erhard hatte. Nach seiner Pensionierung haben wir uns ein paar schöne und interessante Reisen in die Ferne gegönnt. Vor allem Erhard hat viele Fotos gemacht und ich habe unsere Erinnerungen und Eindrücke in meinen Reisetagebüchern so genau wie möglich festgehalten. Nun sind 25 Jahre seit unserer letzten großen Reise nach Moskau und ins „Sternenstädtchen“ vergangen. Immer noch standen die Ordner mit den Reisetagebüchern und den vielen Bildern in meinem Schrank. Höchste Zeit sie herauszuholen und Texte und Bilder in einem Buch anderen Menschen zugänglich zu machen. Dabei haben mir der Biograph Volker Diel und die Grafikerin Birgit Uhl sehr geholfen. Ich wünsche allen Lesern des Buches „Von Lappland nach Neuseeland“ viel Freude beim Lesen und Betrachten – und ein bisschen Fernweh. Elke Peters

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Finnland

Dienstreise in den hohen Norden mit vielen persönlichen Eindrücken

Inarinjärvi – der Inarisee in Lappland

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eil der „Finnjet“ wegen eines Streiks wochenlang ausgefallen und deshalb restlos ausgebucht war, mussten Erhard und ich auf die Schiffsreise verzichten und nach Helsinki fliegen, bekamen überdies nur einen Flug ab Hamburg, sodass am Anfang unserer Reise eine stundenlange Fahrt im heißen Auto stand. Es war Mitte Juni 1980 und plötzlich sehr warm geworden, über 30 Grad Celsius. Bis wir in Hamburg ankamen, war unsere Kleidung durchgeschwitzt, sodass ich mich im Waschraum des Flughafens erst einmal umziehen musste. Während des Fluges über die Ostsee war wegen des Dunstes kaum etwas zu erkennen. Wir landeten um 22 Uhr in Helsinki. Es war noch hell, etwa 15 Grad. Im Flughafengebäude fiel uns als erstes der Parkettfußboden auf. Ach ja, Holz gibt es wohl genug hier im Land der riesigen Wälder und tausenden von Seen. Wir fuhren mit dem Taxi zum Hotel Presidente, einem modernen Haus mit internationalem Komfort. Das Aufstehen fiel uns nach dem anstrengenden Reisetag schwer, erst um kurz vor 10 Uhr kamen wir in den Frühstücksraum. Man ließ uns noch herein, aber während wir einen Tisch aufsuchten, wurde hinter unserem Rücken schon das Buffet in aller Eile abgeräumt. Wir mussten uns mit einem mageren Brötchen und lauwarmem Kaffee zufriedengeben. Frühstück von 8-10 Uhr wird hier also wörtlich verstanden und ernst genommen. Um fünf Minuten nach 10 Uhr gibt es tatsächlich nichts mehr zu essen im Frühstücksraum.

Familien mit Kind und Kegel unterwegs Draußen schien die Sonne, aber es war noch angenehm kühl. Wir starteten zu einem Spaziergang in die sonntägliche Stadt und fühlten uns in die 1950er Jahre in Deutschland zurückversetzt, sowohl was das Straßenbild als auch die Schaufensterauslagen und die Kleidung der Passanten betraf. Wir kamen zum Hafen von Helsinki, wo die Fähren zu den Schären abfahrtbereit lagen und wohin die Menschen aus allen Richtungen eilten. Es waren Familien mit Kind und Kegel, mit Picknickkörben und Luftmatratzen, mit Hunden und Katzen, ja sogar einen Wellensittich und einen Goldhamster in Käfigen entdeckte ich. Alle sollten an die frische Luft! Es war ja der erste warme Sonntag dieses Jahres und es herrschte eine Stimmung wie bei Goethes Osterspaziergang. 8


In der Stadt tat sich Festliches. Leute in seltsamen Trachten – anscheinend nicht nur Folklore, sondern auch Theaterkostümen, Landsknechte, Ritter und Gaukler – begegneten uns. Wir wurden zum Senatsplatz getrieben, einer herrlichen, großzügigen Empire-Anlage, gekrönt vom Kuppelbau des Domes. Der Platz war voller Menschen und vielen bunten Fahnen. Auf der breiten sonnenbeschienenen Treppe versammelte man sich zum ökumenischen Gottesdienst. Viele Konfessionen waren vertreten. Ich sah protestantische Geistliche mit dem weißen „Bäffchen“, wie wir es in Norddeutschland kennen, orthodoxe Popen mit ihren hohen schwarzen Hüten, und Rabbiner mit Schläfenlocken.

Der „Karelientag“ – wichtiger Feiertag in Finnland Wir aber wollten endlich wissen, was hier los war, und erfuhren, wenn auch mühsam, weil keiner Englisch verstand, dass heute „Karelientag“ war. Erst einen Tag später hörten wir mehr darüber: Dieses Fest wird alljährlich zur Erinnerung an die verloren gegangene Provinz in Südost-Finnland begangen und ist eine Art Heimattreffen wie bei uns der Ostpreußentag oder das Schlesiertreffen. Der Erinnerung an diese Provinz war auch der historische Umzug durch die Stadt gewidmet, von dem wir gern mehr verstanden hätten. Auf einfachen, von Treckern gezogenen Wagen wurde dort finnische Geschichte dargestellt. Es fing an mit in Leder gekleideten Jägern, die ein Wildbret am Stock über die Schultern zwischen sich herumschleppten. Es folgte ein Wagen mit Frauen in mittelalterlichen Gewändern, die jammernd vor einem großen Mann auf den Knien lagen, der mit nacktem Oberkörper in stummer Pose immer wieder mit der Nagaika auf die Frauen einschlug. Wir trafen unsere Landsknechte vom Tag vorher wieder und auch die Gaukler in ihren bunten Gewändern. Ebenso Menschen auf der Flucht in ausgetretenen Schuhen, auf Handwägelchen ihre Habe ziehend. Schließlich eine Kompanie Soldaten in deutschen (!) Wehrmachtsuniformen unter weißen Schneehemden mit einem originalen deutschen schweren Maschinengewehr. Uns beeindruckten die immer wiederholten ernsten Posen und das stumme Publikum, an dem dieser Zug vorbeizog. Er stellte offenbar den Leidenszug des finnischen Volkes dar, das – erst unter schwedischer, dann russischer Herrschaft – Schlachtfeld zwischen Ost und West war, und erst 1917 zum unabhängigen Staat Finnland wurde. Wir hätten uns keinen besseren Auftakt für unsere erste Begegnung mit Finnland aussuchen können! 9


Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn Als nächstes stand für uns eine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn auf dem Programm. Das gibt es in Helsinki tatsächlich. An eine Straßenbahn der Linie 3T, die einen Ring durch die Stadt fährt, ist ein Extrawagen angehängt, in dem per Lautsprecher die Sehenswürdigkeiten in Finnisch, Schwedisch und Englisch erläutert werden: Die Finlandia Hale von Alvar Aalto, ein hochmoderner Bau, der erst 1971 fertiggestellt wurde und in dem 1975 die Sitzungen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stattfanden, wo die Staaten Ost- und Westeuropas erstmals im Kalten Krieg im großen Maßstab und öffentlich miteinander sprachen und verhandelten. Wir sahen außerdem das finnische Parlamentsgebäude, geplant vom Architekten Sirén, ein klassisch-strenger Bau von 1931, die klassizistische Universitäts-Bibliothek und natürlich das Olympiastadion, in dem 1952 die Leichtathletik-Wettbewerbe der Olympischen Spiele stattfanden, an denen so kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch keiner der beiden deutschen Staaten teilnehmen durfte.

Helsinki – erst seit 1812 Hauptstadt Helsinki ist keine alte Stadt. Sie wurde erst 1550 von Gustav Wasa gegründet und 1812 zur Hauptstadt erhoben. Aus dieser Zeit stammen die Empire-Bauten des Stadtkerns, der Senatsplatz, das Rathaus und die Bibliothek. Sie wurden von dem Deutschen Carl Ludwig Engel erschaffen, der vom russischen Zaren aus Berlin geholt wurde, um der neuen Hauptstadt ein angemessenes Gesicht zu verleihen. Um diesen Kern herum wuchs die Stadt mit hügeligen Straßenzügen nach außen. Die alten Holzbauten verschwanden und machten roten Backsteinbauten Platz. Hin und wieder brechen nackte Granitfelsen mitten in der Stadt hervor. Helsinki hat heute etwa 500.000 Einwohner, ist damit also kleiner als Düsseldorf. Wir beendeten unsere Stadtrundfahrt am Markt, der am Hafen liegt. Der Hafen selbst ist eine natürliche Anlage, von vorgelagerten Inseln geschützt. Wir aßen sehr guten Fisch im Hotel Palace und starten anschließend zu einer Bootsfahrt zur Festung Suomenlinna, die auf einer Insel vor dem Hafen liegt und ihn einst verteidigte. Wir wanderten über die flachen grünen Wälle, vorbei an alten 10

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