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EXPERTENBROSCHÜRE FÜR HEALTH CARE PROFESSIONALS

Der Schnuller UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN


Auflage 2017 Medizinisches Lektorat: Dr. Corinne Mathys Zulauf Bilder: Shutterstock.com

Alle Rechte vorbehalten. Ă„nderungen, Druck - und Satzfehler sowie IrrtĂźmer vorbehalten.


INHALTSVERZEICHNIS Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Die ersten Reflexe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Such-, Saug- und Schluckreflex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Gesichts- und Mundanatomie des Neugeborenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Das orofaziale System . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Entwicklung der orofazialen Bewegungsmuster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Entwicklung der Motorik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Explorieren im und mit dem Mund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Stillen und Schnuller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Nicht-nutritives Saugen (NNS) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Mit dem Schnuller gegen Unruhe, Schmerzen und den plötzlichen Kindstod . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Beruhigung und Erfüllung des nicht-nutritiven Saugbedürfnisses . . . . . . . . . . . 24 Der Schnuller und SIDS (plötzlicher Kindstod) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Die Theorien zum Schutz vor dem plötzlichen Kindstod . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Der Schnuller und Schmerzwahrnehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Der Schnuller und Mittelohrentzündungen (Otitis media) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Schnuller und orale Gesundheit: Informationen aus zahnheilkundlicher und sprachtherapeutischer Sicht. . . . . . 36 Die orofaziale Gesundheit und die Anforderungen an den Schnuller . . . . . . . 38 Die Dauer ist der Schlüssel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Auswirkungen des Schnullers auf die Sprachenentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . 39 Der Schnuller ist dem Daumen vorzuziehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Der Schnuller und die Eltern – Wissenswertes für die Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Verantwortungsbewusster Umgang mit dem Schnuller, fachliche Empfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Welche Schnullergrösse ist richtig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abgewöhnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Die Schnuller-Generation bibi ® Happiness . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Ergonomische Gestaltungskriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Die Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Die Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 ErgoComfort Schild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 bibi ® Happiness Schnuller Sauger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Sauger: Dentalform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Sauger: Naturalform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Sauger: Neugeborene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56


VORWORT


Die Ansprüche an Babyprodukte sind sehr hoch - und dies zu Recht. Diverse Forschungsprojekte und neue Erkenntnisse aus Medizin und Ergonomie ermöglichen es uns einen zunehmend detaillierteren Einblick in Eigenschaften zu nehmen, welche Produkte mit sich bringen müssen, um Babys in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die neue bibi ® Produkt-Generation Happiness trägt diesen Erkenntnissen Rechnung: Äusserlich kaum erkennbare Anpassungen machen die neue bibi ® Generation noch hochwertiger, ergonomischer und komfortabler. Auch der Umgang mit dem beliebten Tröster hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Aktuelle Forschungen zeigen immer deutlicher, dass es sinnvoll ist, Babys in ausgewählten Situationen einen Schnuller anzubieten. Die Vorteile eines überlegten und kontrollierten Schnullergebrauchs überwiegen deutlich gegenüber etwaigen Nachteilen. So zeigen epidemiologische Studien, dass der Schnuller das Risiko eines plötzlichen Kindstodes senken kann. Auch ist der Schnuller das probateste Mittel, um das vorübergehende natürliche Bedürfnis nach nicht-nutritivem Saugen zu stillen. Die Behauptung, der Schnuller könne zu Stillproblemen führen, ist bei korrekter und überlegter Anwendung unbegründet. Bei einer moderaten, überwachten und zeitlich begrenzten Abgabe des Schnullers sind in der Regel keine bleibenden Zahnund Kieferfehlstellungen zu befürchten. Die vorliegende Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes soll es Eltern ermöglichen, Antworten auf wiederkehrende Fragen zu finden und durch Wissenstransfer zu befähigen, ihr Kind in seiner natürlichen und gesunden Entwicklung zu unterstützen. Fundierte Kenntnisse und vernetzte Informationen sind der Schlüssel zu diesem Transfer. Wir hoffen, mit dieser Broschüre ein Instrument geschaffen zu haben, das Ihnen Ihre tägliche Beratungsarbeit erleichtert und Sie darin unterstützt, Fachwissen an Eltern weiter zu geben.

Kim Kühni, BSN

Dr. Corinne Mathys Zulauf

Training & Product Consultant

Eidg. dipl. Zahnärztin/dipl. Logopädin

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DIE ERSTEN REFLEXE Atmen, Saugen und Schlucken sind angeborene Reflexe, die unmittelbar nach der Geburt (über-) lebenswichtig sind. Bereits intrauterin vorhanden, bilden sie die komplexeste neuromuskuläre Einheit im menschlichen Körper. Die Art und Weise, wie ein Kind trinkt und schluckt, gibt Eltern und Babyexperten wichtige Hinweise über den Gesundheitszustand und die neurologische Entwicklung eines Neugeborenen oder Säuglings. 1

Es ist bekannt, dass um die 12. Schwangerschaftswo-

Tiefe und Anzahl der Atemzüge verändern sich,

che herum das Ungeborene in der Lage ist, Frucht-

wenn ein Baby trinkt oder wenn es saugt, um sich

wasser aufzunehmen und wieder auszuscheiden.

zu beruhigen. Eine fehlende Koordination dieser drei

Bereits in diesem frühen Entwicklungsstadium sind

Systeme beim Neugeborenen weist auf eine allgemei-

Saugen und Schlucken koordinierte Bewegungs-

ne Funktionsschwäche des zentralen Nerven­systems

abläufe. Gleichzeitig saugt das Ungeborene auch

hin. Dies beobachtet man manchmal bei Frühge-

bereits an seinen Händchen. Saugen dient neben

borenen. Bereits in der 28. Woche ist der Suchreflex

der Nahrungsaufnahme auch als Unterstützung bei

funktionsfähig, und das Frühgeborene wendet sich

der Verarbeitung verschiedener emotionaler Bedürf-

der Brustwarze zu, umfasst und umklammert diese.

nisse. Mit Saugen kann sich ein Baby oder Kleinkind

Die Nahrungsaufnahme erfordert je­­­ doch einen

selbst beruhigen, und es unterstützt seine Konzentra-

gemeinsamen Einsatz von Atmen, Saugen und

tion. Lange vor der Geburt dient Saugen zusammen

Schlucken. Dieses Zusammenspiel ist bereits in der

mit einigen atmungsähnlichen Bewegungen als

32. Schwangerschaftswoche ausreichend entwi-

Vorbereitung für die Atmungs- und Schluckfunkti-

ckelt, sodass der Säugling theoretisch fähig wäre,

on. Weiter steht der Saugreflex in enger Verbindung

Nahrung über den Mund aufzunehmen. Da jedoch

zum Suchreflex, welcher durch Reizung der Wangen

diese sehr jungen Frühgeborenen schnell ermü-

oder des Mundwinkels ausgelöst wird. In der Folge

den, bleibt dies in der Praxis schwierig. Ab der 32.

dreht das Neugebohrene den Kopf in Richtung des

bis 34. Woche ist das normal entwickelte Baby in der

Reizes, es öffnet seinen Mund und streckt vorberei-

Lage, alle für die orale Nahrungsaufnahme notwen-

tend zur bevorstehenden Nahrungsaufnahme die

digen Funktionen aufeinander abzustimmen und

Zunge heraus. Der Suchreflex ist drei bis vier Monate

aufrechtzuerhalten. 2

nach der Geburt vorhanden, spätestens jedoch bis zum 12. Lebensmonat. Er sollte bei der Gabe eines

Ein gesundes, zum errechneten Geburtstermin ge­­

Schnullers wie auch zu Beginn der Nahrungsaufnah-

borenes Baby saugt mit einem mehr oder weniger

me (Stillen, Flasche) berücksichtigt werden.

regelmässigen Muster von Bewegungsabläufen und Pausen. Saugen scheint aus 5 bis 24 verschiedenen

Diese automatischen Bewegungsmuster, die uns

gebündelten Bewegungsabläufen zu bestehen.

selbstverständlich und einfach erscheinen, setzen

Die Pause dazwischen wird als Ruhe- und Erholungs-

eine komplexe Koordination voraus: Schlucken und

phase angesehen. Gleichzeitig verarbeitet das

Atmen müssen aufeinander abgestimmt werden.

Baby dabei kognitive Informationen. Mütter sehen

6


DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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ihr Baby in einer solchen Pause oft an, sprechen mit ihm oder streicheln es. 3 Eine intakte Koordination von Atmung, Saugen und Schlucken beeinhaltet unter anderem, dass das Atmen beim Transport der Nahrung durch den Pharynx kurzzeitig unterbrochen wird (Schluckapnoe) und dass vor und unmittelbar nach dem Schlucken eine Ausatmung erfolgt. Das Saugen, bereits in der Frühschwangerschaft vorhanden, ist eine vom zentralen Nervensystem gesteuerte reflexartige Konstante. Es bietet Säuglingswissenschaftlern die Möglichkeit, Verhalten wie sensorische Unterscheidungen, Konditionierung, Lern- und Orientierungsvermögen, sowie Konzentration zu untersuchen. Dass das Saugen auch eine Form der Selbstregulierung sein kann, lässt sich bei einem Neugeborenen beobachten, wenn es unruhig wird und anfängt zu weinen. Seine Versuche, einen Hand-Mund-Kontakt herzustellen um sich selbst zu regulieren sind faszinierend zu beobachten. Sobald das Baby es geschafft hat, einen Finger in seinen Mund zu stecken und daran zu saugen, beruhigt es sich und scheint belohnt. Das Gefühl des Babys, Zufriedenheit und Befriedigung durch Selbstregulierung erreicht zu haben ist so ausgeprägt, dass es deutlich erkennbar ist, dass es sein Ziel erreicht hat. Sein Gesicht entspannt sich und wird wach während es sich darauf konzentriert, diese Art der Selbstregulierung aufrecht zu erhalten. Das ist der offensichtlichste Beweis dafür, dass das Baby zielorientierte Verhalten besitzt, um etwas für sich zu erreichen. Ein Schnuller kann den gleichen beruhigenden Effekt auf ein unzufriedenes Baby ausüben, aber es erhält es nicht die gleiche belohnende Regulierungsrückmeldung wie wenn es sich selbst reguliert.

SUCH-, SAUG- UND SCHLUCKREFLEX Such- und Saugreflex sind Verhal-

mit der Brustwarze, mit einem

Mechanismus eine Kombination

tensweisen, die zuverlässig durch

Finger oder einem Sauger ausge-

von intraoraler Vakuumbildung

bestimmte Reize ausgelöst wer­­­­­

löst. Aus dieser ersten reflekto-

und Bewegung des posterioren

den. Sie dienen im Babyalter zu­­

rischen

Zungenanteils ein­­­­­setzt.

sammen mit dem Schluckreflex

sich mit fortgeschrittenem Visus

Die Vakuumbildung spielt eine

vor allem der Nahrungsaufnahme.

der konditionierte Reflex, beim

wichtige Rolle beim Ent­­­­­leeren

Anblick der Brust oder der Flasche

der Brust. Der vordere Teil der

Wird ein Baby an den Mundwin-

auch den Kopf entsprechend der

Zunge hält die Brustwarze fest,

keln oder den Wangen berührt,

Nahrungsquelle zu positionieren.

zeigt aber keine Peristaltik, der

Reizantwort

entwickelt

hintere senkt sich ab und erzeugt

löst dies bei ihm reflexartig Suchbewegungen nach einer Nah­­

Der genaue Mechanismus, des­

entsprechend

rungsquelle in die Richtung aus,

sen sich ein Säugling bedient

druck. Gleichzeitig bewegt er sich

aus der der Reiz kommt. Dies

wenn er die Brust entleert, ist bis

wellen­­­förmig, um die Nahrung

nennen wir den Suchreflex.

heute Gegenstand von fach-

in den Pharynx zu transportieren

lichen

Aktuelle

und abzuschlucken, was wichtig

Der Saugreflex hingegen wird

Studien mit Ultraschalluntersuch­

ist, um die Flüssigkeit zu schlu-

durch Berührungen der Lippen,

ungen zeigen, dass mit diesem

cken. 4, 5, 6

8

Diskussionen.

einem

Unter-


GESICHTS- UND MUNDANATOMIE DES NEUGEBORENEN Bei Neugeborenen ist der Gesichtsschädel (Viszerokranlium) im Verhältnis zum Neurokranium unterentwickelt, der Kehlkopf liegt noch sehr hoch, der Unterkiefer liegt zurück und der Mundraum (cavum oris proprium) wird fast vollständig von der Zunge ausgefüllt, welche mit den Lippen, den Wangen und dem Gaumen in Kontakt steht. Der Schluckvorgang unterscheidet sich physiologischerweise von demjenigen bei bezahnten Kiefern und fortgeschrittener Gesichtsschädelentwicklung. Oft ist es bei Neugeborenen so, dass die Zungenspitze über die Alveolarfortsätze und so mit dem Lippenkontakt den Mundraum nach vorne ab­­schliesst. So entsteht ein intraorales Vakuum. Zum errechneten Geburtstermin geborene Säuglinge kommen mit sogenannten Wangenfettkörpern (corpus adiposum buccae) zur Welt. Diese Fettpolster sowie die aktive Lippen- und Wangenmuskulatur stabilisieren den Unterkiefer während des Saugens. Der Kehlkopf liegt noch höher als bei Erwachsenen oder älteren Kindern. Sein Verschluss arbeitet anfangs noch nicht vollumfänglich, weshalb sich Säuglinge und Kleinkinder leichter verschlucken können. Weiter ist eine Ausreifung eines koordination Schluckvorganges mit intakten oralen, pharyngealen und oesophagialen Bewegungsabläufen erst zwischen dem 6. bis 12. Lebensmonat zu erwarten. Dieser Reifungsprozess begleitet die wachstumsbedingten anatomischen Veränderungen während des Zahndurchbruchs und der Gesichtsentwicklung in den ersten Lebensjahren und endet am Übergang vom infantilen zum somatischen Schlucken. Diese charakteristische Anatomie verändert sich mit dem Wachstum und der Entwicklung des Kindes. Das Kieferwachstum wird positiv beeinflusst durch Stillen sowie ab dem Durchbruch der Zähne durch altersgerechtes Anbieten von breiigen und festen Nahrungsmitteln. Weiter stimulieren abwechslungsreiche orale Erkundungen und orofaziale Aktivitäten die physiologische Entwicklung. Dabei werden perioral mit Lippen, Zunge und Kieferkamm an Händen, Fingern und Gegeständen (auch Beissringe) geleckt, gesaugt, gebissen und ansatzweise gekaut. 7

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DAS OROFAZIALE SYSTEM In den ersten Lebensmonaten stellt der Mundraum ein dominantes Sinnes­organ dar, mit dem das Kind seine Umwelt erkundet. 8 Der Mund­raum ist Teil des orofazialen Systems, welches nicht nur die Primärfunktionen Atmen, Saugen, Schlucken und Kauen ermöglicht, sondern sekundär auch die Stimm- und Lautbildung sowie eine Ventilfunktion erfüllt. Dabei stellen das Atmen, Saugen und Schlucken bereits für das Neugeborene lebenswichtige Mechanismen dar; das Kauen hingegen entwickelt sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres. 9 Die Mundschleimhaut, insbesondere bewegliche Anteile bei Lippen und Zunge, aber auch der vordere Bereich des Gaumens ermöglichen die Fähigkeit zur Wahrnehmung und Erkennung von Gegenständen und deren Beschaffenheit. Räumliche Lage, Form und Grösse, Oberflächenstruktur, Konsistenz und Temparatur werden durch orales Erkunden geprüft und erkannt. Der Mund untersucht und kategorisiert Eigenschaften und Funktionen der Dinge: Wer? Was? Wie? Wo? Wie viel? Warum? Wozu? Die Hände werden mit zunehmender Reife immer mehr in diese Entdeckungsreisen eingebunden und später durch die visuellen und auditiven Eindrücke ergänzt. Das Explorieren von Gegenständen mit dem Mund wird auch dazu benützt, um zu erkunden, wie weit ein Gegenstand in den Mund eingeführt werden kann. Bei diesen Manövern verlagert sich der Würgreflex nach hinten Richtung Gaumenbögen und Zungenwurzel. Durch die Erfahrungen der Mund­­­exploration wird das Zusammenspiel von Lippen-Zunge-Unterkiefer-Gau­­men­­­- Hand-Finger immer feiner und differenzierter. Es ist anzunehmen, dass dieses Zusammenspiel eine wichtige und unerlässliche Voraussetzung für das nachfolgende, ungestörte Sprechen ist. 10 Eine

ebenso

wichtige

Rolle

in

der

ontogenetischen

Entwicklung

des

Menschen spielen Lutschen und Saugen. Säuglinge, aber auch bereits Föten zeigen eine Vielzahl von Lutsch- und Sauggewohnheiten, die nicht als «bad habits», sondern als Vorstufen physiologischer Schluckgewohnheiten gesehen werden müssen. Der Drang zum oralen Erkunden, Besaugen und Beknabbern gehört zur gesunden Entwicklung des menschlichen Individuums. 11

10


DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

11


ENTWICKLUNG DER OROFAZIALEN BEWEGUNGSMUSTER

1. – 3. LEBENSMONAT

4. – 6. LEBENSMONAT

•• Koordination von Atmung und ganzheitlicher,

•• Das orofaziale Bewegungsmuster wird erweitert

rhythmischer Saug-Schluckbewegung mit

durch vertikale Bewegungsmuster von Lippe,

gleichzeitiger Bewegung von Unterkiefer,

Zunge und Unterkiefer

Lippe und Zunge; ab 7. Lebenswoche: sagittale

•• Differenziertere Bewegungen; spielerischer

anterior-posteriore Zungenbewegungen

und zunehmend willkürlicher Einsatz der

vorherrschend

orofazialen Muskulatur, beissen

•• Zungenruhelage: Zunge füllt den Mundraum

•• Zungenruhelage: Zunge füllt Mundraum

fast gänzlich aus und steht in Kontakt mit

fast gänzlich aus und steht in Kontakt mit

Lippen und Wangen

Lippen und Wangen; ab 6 Monaten: in Ruhe

•• Schluckmuster: wellenförmige, anterior-

posteriore Bewegungen der Zunge mit Aktivität von Lippen und Wangenmuskulatur •• Reflexe: in den ersten Lebenswochen:

Suchreflex ausgeprägt; Würgreflex wird durch

zunehmend Lippenschluss •• Schluckmuster: wellenförmige, anterior-

posteriore Bewegungen der Zunge mit Aktivität von Lippen und Wangenmuskulatur •• Reflexe: Saug- und Schluckreflexe werden

Dorsalverlagerung der Triggerzone zunehmend

teilweise durch Willkürmotorik überlagert;

vermindert; nach 3 Monaten Moro-Reflex,

asymetrischer tonischer Nackenreflex

Such- und Saugreflex, Greifreflex, tonischer

integriert; Landaureflex, Amphibienreflex,

Labyrinthreflex abgeschwächt (bis 3 ½ Jahre)

segmentärer Rollreflex, Kopfstellreflexe aktiv

•• Dentition: normalerweise noch keine Zähne •• Ernährung: ausschliesslich Milch aus Brust oder

Flasche

•• Dentition: Durchbruch der

Unterkieferfrontzähne •• Ernährung: Milch aus Brust oder Flasche,

breiförmige Konsistenz, Aufnahme der Nahrung vom Löffel


7. – 12. LEBENSMONAT

13. – 24. LEBENSMONAT

•• Das orofaziale Bewegungsmuster wird

•• Gezieltes Abbeissen von Nahrung,

erweitert durch Lateralbewegungen von

Differenzierung des Kauvorgangs

Zunge und Unterkiefer; Weiterentwicklung

mit Anpassung an die jeweilige

differenzierter Bewegungen mit spielerischem

Nahrungskonsistenz

und zunehmend willkürlicherem Einsatz der orofazialen Muskulatur, Kauen •• Zungenruhelage: allmähliche Dorsalverlagerung

•• Zungenruhelage: Weiterentwicklung der

Dorsalverlagerung von der Zunge im Zusammenhang mit Durchbruch der

der Zunge im Zusammenhang mit

Seitenzähne, Rückzug der Zunge innerhalb der

Raumzunahme durch Wachstum

Zahnreihen

und Entwicklung des Kauens, die

•• Schluckmuster: Weiterentwicklung des

Grössendiskrepanz zwischen Mundraum und

infantilen Schluckmusters zum adulten

Zunge entschärft sich

Schluckmuster mit anterior-posterioren

•• Schluckmuster: Nahrung wird durch Beissen

Bewegungen der Zunge und Aktivität der

und Kauen zerkleinert; wellenförmige, anterior-

Kaumuskulatur zur Unterkieferstabilisierung;

posteriore Bewegungen der Zunge mit

Abnahme der Aktivität der Lippen und

Aktivität von Lippen und Wangenmuskulatur

Wangenmuskulatur

•• Reflexe: Saug- und Schluckreflexe sind

•• Reflexe: frühkindliche Reflexe integriert;

willkürlich auslösbar; Würgreflex deutlich

Babinski-Reflex ab 24 Monaten integriert;

rückverlagert (bis zum 7. Monat vorzeitiges

Landau-, Amphibien- und segmentärer

Auslösen physiologisch); tonischer

Rollreflex weiterhin vorhanden; ebenso

Labyrinthreflex vorwärts, asymetrischer

Kopfstellreaktionen

tonischer Nackenreflex integriert; symmetrisch tonischer Nackenreflex rückwärts und vorwärts sowie Babinski-Reflex vorübergehend vorhanden •• Dentition: vollständiger Durchbruch der

Frontzähne •• Ernährung: breiförmige bis halbfeste Konsistenz,

ab 9. Lebensmonat feste Konsistenz möglich

•• Ernährung: feste Nahrung


ENTWICKLUNG DER MOTORIK 1. – 3. LEBENSMONAT

4. – 6. LEBENSMONAT

7. – 12. LEBENSMONAT

•• Körperlage: Flexion in

•• Körperlage: Extension

•• Körperlage: asymmetrische

Bauchlage, Extension in

in Bauchlage; Flexion in

Bewegung von Beinen,

Rückenlage (reflexdominiert)

Rückenlage; Drehung aus

Armen und Rumpf; Schrägsitz;

Bauch- und Rückenlage zur

Kniestand, Fortbewegung

•• Kopfkontrolle: in Bauchlage reflektorische Kopfdrehung zur Seite möglich, ohne

Seite •• Kopfkontrolle: verbesserte

•• Kopfkontrolle: Akkomodation Nähe-Ferne durch frei

eigentliche Anhebung des

Kopfkontrolle; Kopf isoliert

beweglichen Kopf in

Kopfes; ab 3 Monaten: in

beweglich zur Seite, nach

Bauchlage / Fersensitz /

Bauchlage Abstützung

oben und unten; Anheben

Vierfüsslerstand

auf Ellenbogen mit

des Kopfes in Rückenlage;

angehobenem Kopf

Kopfkontrolle im Sitzen

•• Erkundung der Umwelt: Beginn

•• Erkundung der Umwelt:

•• Erkundung der Umwelt: Gewichtsverlagerung und gezielte Greifversuche,

der oralen Selbstexploration;

Gewichtsverlagerung und

orale Exploration von

erste visuelle Akkomodation

gezielte Greifversuche,

Gegenständen, Mobilität

orale Exploration von Gegenständen

Quelle: Mathys C., Suter A., Bewegen und Sprechen: Sensomotorik im orofazialen Bereich, SAL-Bulletin (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Logopädie) Nr. 124, Juni 2007

14


EXPLORIEREN IM UND MIT DEM MUND Der Säugling tritt als erstes via Mund aktiv mit seiner Umwelt in Interaktion. Von Anfang an dient er als Explorationsorgan, mit dem der Säugling sich zunehmend Informationen über seine Umwelt verschafft. Die ersten primären Bewegungsmuster wie Saugen und Schlucken und die zunehmend rotierenden Kieferbewegungen sind die Basis für das spätere Erlernen der Sprache. Saugen, Kau­­ en, Schlucken beruhen auf Leistungen der so­­­ genannten oralen Stereognose , der Fähigkeit, Objekte mit dem Mund zu erkennen und zu unterscheiden. Die Schweizer Psychotherapeutin und Logopädin Félicie

Affolter

betont,

dass

Umfassungsbewe-

gungen nicht nur mit der Hand/den Fingern, sondern besonders intensiv mit dem Mund ausgeführt werden. In der Mundexploration werden die verschiedenartigsten Gegenstände in den Mund geführt und durch mannigfaltige Bewegungen der verschiedenen Mundbereiche untersucht: z. B. durch Beissen auf den Gegenstand mittels Kieferbewegungen, durch Saugen und Drehen des Gegenstandes mit der Zunge, durch Festhalten mit den Lippen und durch Schlecken wiederum mit der Zunge. Oft versucht das Kind, den ganzen Gegenstand in den Mund zu bringen – dabei ist erstaunlich, wie gross der Mund eines Säuglings sein kann. (Affolter 1987, S. 31) 12 Augen, Hände und Mund lernen, sich zu koordinieren, die Hände übernehmen die Aufgabe des Er­­kundens mehr und mehr, und der Mund wird zusehends reif und frei für das Sprechen. (Furtenbach 2013, S. 150) 13

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

15


STILLEN UND SCHNULLER Nicht von ungefähr bemerkt die Professorin und Kinderärztin Ruth A. Lawrence in ihren Richtlinien für den Medizinberuf zum Thema Stillen: «Nirgendwo sonst in der Medizin treten die eigenen Interessen oder Vorurteile deutlicher zum Vorschein als bei der Beratung rund um die Geburt und das Stillen. Nirgendwo sonst beeinflusst die persönliche Erfahrung das medizinische Management in solchem Ausmass. Weil keine Mutter und kein Säugling genauso ist wie der andere, können keine einfachen Regeln aufgestellt werden, die Erfolg für alle garantieren.» 14 (Lawrence 1985, S. 167)

DIE STUDIENLAGE Die Meinung, dass der Schnuller den Stillerfolg

Schnullers lediglich ein Indiz für bereits bestehen-

gefährde, ist weit verbreitet. So weit, dass die La

de Stillschwierigkeiten oder den Wunsch, das Kind

Leche League International empfiehlt, den Schnuller

abzustillen?

nie als Ersatz für die Beruhigung an der Mutterbrust oder als Trostspender einzusetzen. Der Vorteil von

Seit den frühen 90er-Jahren haben UNICEF und WHO

Schnullern zur Unterstützung einer stillenden Mutter

den Titel «Stillfreundliche Klinik» an Geburtsabteilun-

wird dennoch nicht ganz von der Hand gewiesen,

gen verliehen, die ihrem Programm «Zehn Schrit-

allerdings lediglich dann, wenn er mit Bedacht, für

te zum erfolgreichen Stillen» folgen. Die Neonatal

kurze Zeitspannen und nur unter bestimmten Bedin-

Study Group des Kinderspitals Luzern untersuchte

gungen gegeben wird.

1997, ob in westlichen Ländern mit hohen hygieni-

15

schen Standards die Schritte 6 und 9 dieses ProgramDie kanadische Gesellschaft der Kinderärzte emp­

mes ebenso strikt befolgt werden müssen wie in

fiehlt, Mütter direkt nach der Geburt routinemässig

anderen Ländern: Schritt 6 verbietet medizinisch un­­­

über das Risiko des Schnullers aufzuklären.

Die AAFP

nötiges Geben von Nahrung oder Trinkbarem ausser

(American Academy of Family Physicians) empfiehlt,

Muttermilch, Schritt 9 untersagt den Einsatz von

die Gabe von Schnullern so lange zu vermeiden, bis

Flaschensaugern oder Schnullern bei Stillkindern. Die

das Stillen sicher und verlässlich funktioniert; eine

Autoren kamen zum Schluss, dass das Geben von

Ausnahme bilden frühgeborene Kinder, bei denen

flüssiger Zusatznahrung über die Flasche, mit oder

der Schnuller zum oralen Training eingesetzt wird. 17

ohne den Einsatz von Schnullern, während der ersten

16

5 Lebenstage nicht zu einer geringeren Stillrate oder Betrachtet man die Studienlage, wird deutlich:

kürzeren Stilldauer in den ersten 6 Monaten führte. 18

Die meisten der grossangelegten Studien, die zum Schluss kamen, dass der Schnuller einen negativen

Randomisiert-kontrollierte

Einfluss auf das Stillen haben könnte, beruhen auf

controlled trials, RCTs), in denen Schnuller zu fest-

Beobachtungen. Später durchgeführte kontrollierte

gelegten Zeitpunkten gegeben werden, sind am

Studien kamen eher zum Schluss, dass der Schnul-

besten geeignet, Beweise für die ursächlichen

ler die Stilldauer nicht verkürzt. Was die auf Beob-

Zusammenhänge zwischen Stillproblemen und der

achtungen basierenden Studien nicht klären, ist die

Schnullergabe zu finden. Eine dieser Studien führten

Frage: Hat der Schnuller tatsächlich einen negati-

die argentinischen Forscher Alejandro G. Jenik und

ven Einfluss auf das Stillen, oder ist der Einsatz des

Nestor Vain durch. Diese multizentrische, randomi-

16

Studien

(randomised


DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

17


siert-kontrollierte Studie sollte den genauen Effekt

Darum kamen die Forscher zum Schluss, dass der

des Schnullers auf das Stillen klären. Die Ausgangsla-

Einsatz von Schnullern zwar ein Anzeichen für Still-

ge: 1021 Mütter beteiligten sich an der Untersuchung.

probleme oder für eine niedrige Stillmotivation sein

Alle waren hochmotiviert, ihre Neugeborenen zu stil-

kann, nicht aber eine Ursache frühen Abstillens. 21

len. Die Hälfte der Mütter wurde angewiesen, ihren Kindern einen Schnuller anzubieten, die anderen

Weitere

sollten ihre Kinder ohne Schnuller beruhigen. Nach

Ergebnissen.

drei Monaten wurden die Gruppen verglichen.

elle Studie zu Tage: Kair and Phillipi analysierten

Resultat: Die Empfehlung, einen Schnuller ab dem

die Ernährung von 2.249 Säuglingen, die zwischen

15. Lebenstag wenn sich das Stillen gut eingespielt

Juni 2010 und August 2011 geboren wurden. Die

hat anzubieten, hat keinen Einfluss auf den Erfolg

Resultate lassen aufhorchen: Die Rate der voll gestill-

und die Dauer des Stillens.

ten Kinder in der Mutter- und Kindabteilung sank

19

Untersuchungen 22, 23

kamen

zu

ähnlichen

Erstaunliches brachte eine aktu-

signifikant, nachdem dort der Schnullergebrauch Auch in einer viel beachteten Übersichtsstudie

eingeschränkt wurde. Und zwar von 79 Prozent von

von Jenik und Vain fand sich kein Zusammenhang

Juli bis November 2010 auf 68 Prozent von Januar bis

zwischen dem Geben, Anbieten eines Schnul-

August 2011. Gleichzeitig stieg die Rate der gestillten

lers und einer verkürzten Stillzeit, ausser wenn der

Kinder, die Zusatznahrung erhielten, von 18 Prozent

Schnuller dem Baby in den ersten fünf Lebenstagen

auf 28 Prozent. Die Rate der exklusiv mit Babynah-

gegeben wurde. Multivariate Analysemethoden

rung gefütterten Kinder blieb unverändert. «Unser

ergaben, dass das Geben, Anbieten eines Schnul-

Ziel der Publikation dieser Daten ist, die Diskussion

lers in den ersten fünf Lebenstagen im Vergleich

darüber anzuregen, ob es genügend Grundlagen

zum Geben eines Schnullers vier Wochen nach der

gibt, gestillten Kindern in den ersten Lebenstagen

Geburt mit einer kürzeren Stillzeit verbunden war. 20

keinen Schnuller anzubieten», sagt Kair. (Kair 2012, AAP News; Researchers Question Pulling Plug on

Eine in Montreal, Quebec, durchgeführte Untersu-

Pacifiers) 24

chung verglich zwei Gruppen von Mutter-Kind-Paaren und folgte ihnen während dreier Monate nach

Trotz dieser Studienresultate wird die Diskussion des

der Geburt. Auch hier wollten die Forscher genau

Einsatzes von Schnullern bei Stillkindern weiterhin

wissen, ob zwischen dem Geben eines Schnullers

höchst kontrovers geführt.

und frühem Abstillen ein Zusammenhang besteht. Beide Mütter-Gruppen erhielten eine Beratung, die zum Stillen ermunterte und Methoden aufzeigte, ein schreiendes Baby zu beruhigen. Eine der Versuchsgruppen erhielt zusätzlich den Ratschlag, keinen Schnuller zu benutzen. Die Autoren fanden einen signifikanten Unterschied bei der Vermeidung von Schnullern (38,6 Prozent gegenüber 16,0 Prozent), aber keinen Unterschied bei der Häufigkeit des Abstillens vor dem dritten Lebensmonat (18,9 Prozent gegenüber 18,3 Prozent). Diese in ihrer randomisiert-kontrollierten Studie ermittelten Ergebnisse widerlegten den in Beobachtungsstudien gefundenden Zusammenhang zwischen dem Schnullergeben und frühem Abstillen.

18


SCHLUSSFOLGERUNG Aktuelle Studien auf höchster Evidenzebene zeigen, dass der Schnuller keinen negativen Einfluss auf die Stilldauer hat und die Zahl der Mütter, die zufüttern, nicht steigt.

25

Nach Ansicht von Hebammen ist es aber sinnvoll, dem Baby den

Schnuller erst dann anzubieten, wenn sich das Stillen eingespielt hat. 26 Auch die amerikanische Hausärztegesellschaft AAFP empfiehlt heute, dass der Schnuller eingesetzt werden soll, sobald das Stillen sich eingespielt hat.

27

Der Zusam-

menhang zwischen einer verkürzten Stilldauer und dem Schnullereinsatz, der in einigen Übersichtsstudien zutage tritt, ist von vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Zum Beispiel Stillproblemen oder dem Wunsch der Mutter, mit dem Stillen aufzuhören. Es braucht weitere quantitative und qualitative Forschung, um den Einfluss des Schnullers auf das Stillen wirklich zu verstehen. 28 Aufgrund der aktuellen Datenlage herrscht heute die Meinung vor, dass Müttern, die ihre Kinder stillen möchten, die Entscheidung überlassen werden sollte, ob sie ihrem Baby einen Schnuller geben möchten oder nicht. 29

INFORMATIONEN FÜR ELTERN UND BEZUGS­ PERSONEN, DIE IHREN KINDERN EINEN SCHNULLER ANBIETEN MÖCHTEN •• Vor dem ersten Gebrauch sollte ein Schnuller fünf Minuten in kochendem Wasser ausgekocht werden. Danach gut abkühlen lassen und allenfalls Wasser aus dem Sauger drücken. •• Der Schnuller sollte von Beginn an bewusst und zurückhaltend eingesetzt werden. Er solllte nicht wahllos angeboten werden, sondern vor allem zu Schlafenszeiten und zur Beruhigung. •• Eltern und Bezugspersonen sollten dazu angehalten werden, Schnuller routinemässig zu reinigen und zu vermeiden, dass Geschwister am gleichen Schnuller saugen •• Eltern sollten darüber informiert werden, dass sie den Schnuller nicht in den Mund nehmen sollten (bakterielle Übertragung), und sie sollten sicherstellen, dass immer ein gereinigter Schnuller zur Verfügung steht •• Der Schnuller sollte vor jedem Gebrauch gründlich untersucht werden. Beim ersten Anzeichen von Abnutzung oder Beschädigung muss er ersetzt werden. •• Der Schnullergebrauch sollte spätestens zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr eingeschränkt werden. 30 Die amerikanische Zahnärztegesellschaft und die amerikanische Kinderärztegesellschaft empfehlen, dem Kind den Schnuller spätestens mit 4 Jahren ganz abzugewöhnen. 31

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

19


NICHT-NUTRITIVES SAUGEN (NNS) Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten des Saugens – das nutritive und das nicht-nutritive (NNS). Nutritives Saugen dient der Nahrungsaufnahme an der Brust oder aus der Flasche und stellt so die Ernährung des Säuglings sicher. Die orofazialen Bewegungsmuster unterscheiden sich beim Trinken an der Brust und beim Trinken aus der Flasche. Aber auch die Anatomie der Brust, die Konsistenz des Gewebes und der Milchfluss verlangen vom Säugling eine Adaptation bei seinen Saugbewegungen. Stillen bedingt jedoch grundsätzlich stärkeres Saugen im Sinne eines intraoralen Vakuumaufbaus, und es dauert normalerweise deutlich länger als die Nahrungsaufnahme mit der Flasche. Das ist ein Aspekt, warum mit der Flasche ernährte Kinder ein ausgeprägteres Verlangen nach einem Schnuller haben.

20


Das nicht-nutritive Saugen wird definiert als Saugen, das nicht dem Zweck dient Flüssigkeit aufzunehmen. NNS wird bei frühgeborenen Kindern oftmals als Stimulation verwendet, um das nutritive Saugen zu verbessern und somit die orale Nahrungsaufnahme zu fördern und zu unterstützen. Diese schnellen Saugbewegungen sind unterbrochen von kurzzeitigen Ruhephasen, beim nutritiven Saugen hingegen ist ein langsamerer und kontinuierlicher Ablauf charakteristisch, wobei Saugepisoden von bis zu gegen 30 Saugaktivitäten vorhanden sind. Saugen ist ein natürliches Bedürfnis, das der Beruhigung dient und den Wunsch nach Kontakt befriedigt. Kinder können dieses Bedürfnis an der Brust stillen, mit einem Schnuller oder einem anderen Objekt wie einem Spielzeug, einer Schmusedecke oder Daumen und Fingern. NNS wird sowohl bei früh- als auch termingeborenen Säuglingen beobachtet. Es sollte als wichtiger Teil der gesamten Saugerfahrung eines Kindes gesehen werden. NNS hat einen signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden eines Babys; es vermittelt ihm Sicherheit, Geborgenheit und erlaubt ihm, seine Umwelt über den Mund zu erkunden. NNS kann zudem ein wichtiger erster Schritt sein auf dem Weg zu Selbstregulierung und Emotionskontrolle. 32 Die Ausprägung des Saugbedürfnisses ist von Kind zu Kind verschieden. Oft kann es nicht allein durch das Stillen oder eine Flaschenmahlzeit befriedigt werden. Wie stark das Saugbedürfnis nach einer Mahlzeit noch ist, ist individuell und hängt auch von der Dauer der Mahlzeit ab. Das verbleibende Saugbedürfnis wird vom Kind vorzugsweise durch weiteres uneingeschränktes Saugen an der Brust befriedigt. Ist dies nicht möglich, wird es am Daumen oder an anderen Fingern saugen, um Befriedigung zu erlangen. Ist der Drang nur schwach, kann er gegebenenfalls durch körperliche Nähe und Knuddeln befriedigt werden. 33 Auch amerikanische Forscher wie R. H. Barrett und M. L. Hanson kommen zum Schluss, dass bei zu kurzem Füttern des Säuglings nicht alle seine Bedürfnisse befriedigt werden. «Sein Magen ist zwar gefüllt, sein Saugbedürfnis aber ist nicht gestillt. Von einem normalen Baby können wir deshalb nichts anderes erwarten als auf Finger, Zunge oder Lippen auszuweichen, um dieses zu befriedigen.» (Barrett & Hansen 1978, S. 229) Die Autoren sind ausserdem der Ansicht, dass dieses Saugbedürfnis ab dem Alter von etwa einem Jahr stetig abnimmt. Insbesondere im Fall von emotionalen Belastungen kann es aber auch länger dauern. 34

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

21


THE ETIOLOGY OF THE DIFFERENT SUCKING HABITS NON-NUTRITIVE SUCKING

BREAST

SUCKING URGE

BOTTLE CUP

FEEDING

SURPLUS SUCKING URGE

UNRESTRICTED BREAST-FEEDING THUMB

SATISFACTION

SOOTHER

FRUSTRATION

The Etiology of the different sucking habits: Fig. 2

In ihrer Übersichtsstudie fanden die brasilianischen

(Larsson 1985, S. 434)

Forscher S. Diez Castilho und M. A. Mendes Rocha

Larsson E., Odont Dr., Dahlin K. The prevalence and

keine negativen psychologischen Effekte von NNS.

the etiology of the initial dummy- and finger-sucking

Im Gegenteil können Konflikte zwischen libidinösem

habit. Am J Orthod. May 1985 Vol. 87: 432–435., p. 15.

Antrieb und externem Verbot (bei Unterdrückung des Saugbedürfnisses) Frustrationen verursachen, aber auch Ängstlichkeit, Stress oder unnötigen Druck erzeugen und sogar zu Rückzug und Entwicklungsrückständen führen. 35 Andere Forscher gehen noch weiter: So führt laut der Forscherin R. A. Lawrence ein nicht befriedigtes Saugbedürfnis beim Säugling zu Frustration, währenddessen seine Befriedigung eine Quelle von enormer Freude, Selbstbelohnung, Wohlbefinden und Beruhigung ist. 36 In den ersten 6 Lebensmonaten ist das Bedürfnis nach NNS am intensivsten. Es verschwindet in der Regel im Alter von 1 bis 3 Jahren. NNS ist die erste koordinierte, muskuläre Aktivität eines Kindes. Im Gegensatz zum nutritiven stellt non-nutritives Saugen nicht die gleich hohen Anforderungen an die Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen.

22


Nach den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten, in denen

Ungefähr ab dem 7. Monat ist Saugen respektive die

der Säugling seinen Hunger und seinen Durst an

alleinige Aufnahme von flüssiger Konsistenz nicht

der Brust oder aus der Flasche stillt, kommt es in der

mehr zwingend notwendig. Nahrung kann jetzt

Ernährung des Babys zu einer Übergangsphase. Sein

auch in fester Konsistenz aufgenommen werden,

Verdauungssystem ist nun soweit gereift, dass es

weil das Essen zunehmend gekaut werden kann.

andere Nahrung als Milch verträgt. Grob- und Fein-

Auch das Bedürfnis, sich mit Saugen zu beruhigen

motorik erlauben eine zunehmend verlässlichere

oder zu entspannen, nimmt ab und kann aus neuro-

Rumpf- und Kopfkontrolle. Mit dem Beginn des Zahn-

physiologischer Sicht als nicht mehr relevant ange-

durchbruchs kommt es zum Wachstum der Alveolar-

sehen werden. Ab diesem Zeitpunkt sind die neuro-

fortsätze, und der Gesichtsschädel verlagert sich

muskulären Strukturen gereift, die Mundreflexe und

nach vorne und unten, was zu einer Vergrösserung

Mundreaktionen sind zunehmend integriert und

der eigentlichen Mundhöhle führt. Das Bewegungs-

mundmotorische Bewegungen willkürlich möglich.

ausmass der Zunge beginnt sich von einer ursprüng-

Die Verdauung ist circa ab dem 6. Monat so weit

lich

Bewegungsdomination

ausgereift und entwickelt, dass ein Kind breiige

durch die Lateralisation zu erweitern, was nun das

anteror-posterioren

Mahlzeiten verdauen kann, ab 7 bis 8 Monaten kann

Geben von Brei und zerdrückter Nahrung erlaubt.

es auch feste Nahrung bekommen. Das Saugen

37

wird dann durch den Kauvorgang abgelöst. 38

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

23


MIT DEM SCHNULLER GEGEN UNRUHE, SCHMERZEN UND DEN PLÖTZLICHEN KINDSTOD Welche Form und Grösse ein Schnuller auch hat, er beruhigt, tröstet und vermittelt Kindern Sicherheit. Vor allem aber befriedigt er das angeborene Bedürfnis des Säuglings nach nicht-nutritivem Saugen. Im Folgenden bieten wir einen Überblick über die verschiedenen Funktionen des Schnullers und seiner Vorfahren, die seit Jahrtausenden in Gebrauch sind.

BERUHIGUNG UND ERFÜLLUNG DES NICHT-NUTRITIVEN SAUGBEDÜRFNISSES Alle Babys haben ein Saugbedürfnis, doch die Inten-

Die Prävalenz von nicht-nutritivem Saugen in einer

sität ist sehr individuell. Eltern erkennen das Bedürfnis

Gesellschaft hängt von sozial-wirtschaftlichen Fak­

ihres Kindes zu saugen, sind aber oft unsicher, ob sie

toren und aktuellen Strömungen in der Kinderer-

ihm einen Schnuller geben dürfen. Entscheiden sie

ziehung ab. In westlichen Industriestaaten ist der

sich dafür, steht eine grosse Auswahl an Schnullern

Schnuller weit verbreitet (45 bis 60 Prozent aller Babys

in verschiedensten Formen zur Verfügung. Sie beru-

haben einen Schnuller), dicht gefolgt von Daumen-

higen, helfen beim Einschlafen und beim Zahnen

und Fingerlutschen (15 bis 30 Prozent). Während der

und erleichtern den Umgang mit Stresssituationen. 39

letzten 30 Jahre gewann der Schnuller zunehmend an Bedeutung, während das Lutschen an Daumen

Auch Brust oder Flasche werden häufig als Beruhi-

und Fingern kontinuierlich abnahm. In Schweden

gungsmittel eingesetzt, um ein weinendes Baby zu

beispielsweise veränderten sich die Sauggewohn-

beruhigen oder es zum Einschlafen zu bringen. Letz-

heiten von 1950 bis 1983 gewaltig. Die Schnullerrate

teres gilt es zu vermeiden, die Gewohnheit, mit der

wuchs von 10 auf 70 Prozent, die Zahl der Daumen-

Flasche einzuschlafen, kann zu Karies in der frühen

lutscher sank von 50 auf 15 Prozent. Am verbreites-

Kindheit führen.

ten ist der Schnuller bei Kindern zwischen 2 und 3

40

Aber auch nächtliches Stillen kann bei fortgeschrit-

Monaten, häufig wird er dem Kind im 1. Lebensmo-

tenem Zahndurchbruch Karies begünstigen.

nat angeboten. 42

Psychoanalytische Theorien besagen, dass das

Viele Eltern entscheiden bereits vor der Geburt, ob

menschliche Verhalten von bewussten und unbe-

sie ihrem Kind einen Schnuller geben wollen oder

wussten Vorgängen gesteuert wird. Laut Freud liegt

nicht. Das Resultat einer Studie von 2008 ergab, dass

die Triebfeder (Antrieb und Libido) des Menschen in

ca. 1/3 aller Mütter nach der Geburt ihre Meinung

der ersten Phase seiner psychologischen Entwick-

über Schnuller geändert haben. Entweder gaben

lung (orale Phase im ersten Lebensjahr) im Mund.

Mütter ihrem Baby einen Schnuller und er wurde

Dies, weil sich das Kind durch Saugen an der Brust

verweigert oder Mütter waren ursprünglich gegen

ernährt und gleichzeitig einen Lustgewinn erfährt.

den Schnuller, entschieden sich aber um und gaben

Das Bedürfnis zu saugen lässt in der Regel am Ende

den Schnuller um ihr Baby zu beruhigen. Die Verbrei-

des ersten Lebensjahres nach, und Kinder erreichen

tung des Schnullersgebrauchs bei 5 Monate alten

die nächste Entwicklungsphase.

Babys lag bei 78%. 43

24

41


DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

25


Eine Studie von Nowak und Warren aus dem Jahr 2000 ergab, dass 50 Prozent der Kinder bis zu ihrem 28. Lebensmonat mit dem Saugen am Schnuller aufgehört hatten, 71 Prozent bis zum 36. Lebensmonat und 90 Prozent bis zu ihrem 48. Lebensmonat.

44

Wird einem Kind ein Schnuller angeboten, so können die Eltern und Bezugspersonen dessen Gebrauch steuern, weicht ein Kind mit der Zeit auf das Saugen am Daumen oder an den Fingern aus, so ist die Abgewöhnung deutlich schwieriger. Nicht nur in der Kinderzahnmedizin ist es umstritten, wie lange ein Kind natürlicherweise nicht-nutritiv saugt und wann wir hierbei von einem Habit, einer krankhaften Neigung oder Gewohnheit sprechen, welche sich letztlich bei hoher zeitlicher Intensität und Krafteinwirkung auch negativ auf die Entwicklung von Hart- und Weichgewebe auswirken können. Die meisten chronisch-pathologischen Angewohnheiten im Mund und Gesichtsraum von Kindern haben mehr oder weniger stark mit dem Saugreflex zu tun. 45 Nicht-nutritives Saugen hat verschiedene Vorteile: •• Es ist ein früher Schritt hin zur Fähigkeit, seine Emotionen selber zu regulieren •• Es hilft dem Kind, sich zu entspannen und seine Aufmerksamkeit zu fokussieren •• Es vermittelt Trost und Sicherheit. Daher saugt

FLASCHENKINDER Stillen verlangt stärkeres Saugen und kräftigere Muskelbewegungen und es dauert normalerweise

deutlich

länger

als

die

Nahrungsaufnahme mit der Flasche. 47 Darum ist das Bedürfnis nach nicht-nutriti-

ein Kind häufiger, wenn es müde, gelangweilt,

vem Saugen bei Kindern, die mit der Flasche

ängstlich oder aufgeregt ist.

ernährt werden, grösser.

46

Wie wichtig NNS bei Flaschenkindern ist, lässt eine Studie vermuten, bei welcher alle Mütter, die nicht stillten, bestätigten, dass ihre Kinder sich sofort beruhigten, wenn sie einen Schnuller bekamen. 48 Flaschenkindern kann deshalb der Schnuller direkt nach der Geburt angeboten werden. Dabei sollten Eltern beachten, dass ein Kind aus verschiedenen Gründen unruhig sein kann. Der Schnuller darf niemals dafür eingesetzt werden, eine Mahlzeit hinauszuzögern oder sie gar zu ersetzen. Weiter sollte auch bei der Flaschenernährung darauf geachtet werden, dass das Kind genügend lange sein Bedürfnis nach nutritivem Saugen erfüllen kann.

26


DER SCHNULLER UND SIDS (PLÖTZLICHER KINDSTOD) SIDS (Sudden Infant Death Syndrome), der plötzliche

6. Lebensmonat ein, also in einer Phase, in der das

Kindstod, ist ein weltweites Problem, wobei Kinder

Trinken an der Brust bereits gut eingespielt sein sollte.

aus der westlichen, industrialisierten Welt wesentlich

Der Einsatz des Schnullers ab dem 2. Lebensmonat

häufiger betroffen sind. Die Ursachen dieses rätsel-

ist deshalb ohne negativen Einfluss auf das Stillen

haften Phänomens sind bis heute ungeklärt. Aller-

möglich. 52

dings gibt es ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der Schnuller einen gewissen Schutz vor dem

Das amerikanische «National Sudden Unexpec-

plötzlichen Kindstod bieten könnte.

ted Infant/Child Death & Pregnancy Loss Program Support Center at First Candle (PSC)» ist eine grosse

Die meisten Expertenorganisationen raten darum,

amerikanische Institution, welche Eltern und Fach-

Kindern gegen Ende des ersten Lebensmonats

leute über den plötzlichen Kindstod aufklärt. Auch

einen Schnuller anzubieten. Aufgrund des aktuel-

die PSC empfiehlt, den Schnuller als eine Massnah-

len Kenntnisstandes empfiehlt die amerikanische

me gegen den plötzlichen Kindstod einzusetzen.

Gesellschaft der Pädiater (APP) in ihren Richtlinien,

Dies aus verschiedenen Gründen:

Kindern zum Einschlafen abends und am Mittag

•• Die amerikanische Gesellschaft der Pädiater

einen Schnuller zu geben. Allerdings, sagt die APP,

(AAP) empfiehlt den Einsatz eines Schnullers zur

sollte der Schnuller dem Kind nicht aufgezwun-

SIDS-Prävention 53

gen werden. Wenn es ihn während des Schlafens

•• Das amerikanische Institut für Kindergesundheit

ausspuckt, sollte er ihm nicht wieder in den Mund

und menschliche Entwicklung (NICHD) hat diese

gesteckt werden. Zudem sollte er nie in eine süsse

Empfehlungen übernommen 54

Flüssigkeit getaucht werden.

49

•• Epidemiologische Studien weisen darauf hin,

Bei Stillkindern empfehlen Wissenschaftler, den Schnuller erst dann anzubieten, wenn sich das Stillen gut eingespielt hat. Eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2011 zum Thema Stillen und SIDS kommt zum Schluss, dass Stillen das Risiko des plötzlichen Kindstodes senkt und daher empfohlen werden sollte.

50

dass Schnuller einen gewissen Schutz vor dem plötzlichen Kindstod bieten 55 •• Mögliche Probleme, die durch den Schnuller entstehen (wie Stillprobleme, Zahnfehlstellungen, Ohrenentzündungen) können verhindert oder bewältigt werden 56

Nicht gestillten Kindern hingegen kann der Schnuller zur Vorbeugung gegen den plötzlichen Kindstod direkt nach der Geburt angeboten werden. Bei Kindern, die älter als ein Jahr sind, hat der Schnuller keinen präventiven Effekt mehr, da das Risiko für den plötzlichen Kindstod nicht mehr besteht. 51 Auch der traditionell schnullerkritische Berufsverband der schweizerischen Stillberaterinnen IBCLC nimmt das Thema SIDS-Prävention auf und kommt zum Schluss, dass die Einführung des Schnullers einen Monat nach der Geburt kein Problem darstellt und seine Vorteile (Prävention des plötzlichen Kindstods) grösser sind als eventuelle Nachteile. Nach einem Monat kann ein Säugling in der Regel gut zwischen dem trinkenden Saugen an der Brust und dem beruhigenden Saugen am Schnuller unterscheiden. Der plötzliche Kindstod tritt am häufigsten im 2. bis

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

27


DIE THEORIEN ZUM SCHUTZ VOR DEM PLÖTZLICHEN KINDSTOD Die Frage, warum der Schnuller das Risiko des plötzlichen Kindstodes senkt, ist bis heute nicht schlüssig geklärt. Es stehen verschiedene Theorien im Raum: Schlafposition: Der Schnuller könnte das Kind davor schützen, sich während des Schlafens in die für den Schutz vor dem plötzlichen Kindstod weniger günstige Bauchlage zu drehen. Eine entsprechende Studie zeigt, dass Kinder mit Schnuller sich weniger häufig drehen, dafür aber häufiger die Schlafstellung wechseln. 57 Kindliches Aufwachen: Untersuchungen über kindliches Aufwachen und Schnullergebrauch haben gezeigt, dass Babys mit Schnuller eine tiefere Hörschwelle haben als Kinder ohne Schnuller. 58 Es könnte auch sein, dass Babys leichter aufwachen, wenn ihnen der Schnuller im Schlaf aus dem Mund fällt. Auswirkungen auf die Atmung: Saugen am Schnuller könnte es für Babys einfacher machen, die Atemwege frei zu halten. Ausserdem verändert sich durch den Schnuller im Mund die Position der Zunge. Der genaue Einfluss auf Atmung und Luftwege ist noch nicht geklärt, aber offenbar wird der Luftwegbereich positiv verändert. Schnuller könnten auch die Anzahl und Ernsthaftigkeit von Atempausen verringern, weil sie die Atemwege stimulieren. Eventuell erleichtern sie den Übergang von der Nasen- zur Mundatmung, falls die Nase sich verschliesst, oder es sind schlicht die durch den Schnuller trainierteren Muskeln, welche dem Kind die Mundatmung erleichtern. 59 Der Schnuller erhöht die Speichelproduktion, was möglicherweise einen schützenden Effekt gegen SIDS hat. 60 Der Schnuller reduziert die Wahrscheinlichkeit von gastrointestinalem Reflux. Vielleicht kontrollieren Mütter von Schnullerkindern ihre schlafenden Babys häufiger. Dies, um zu überprüfen, ob das Kind den Schnuller verloren hat. 61 Da der Schnuller in der Regel nur kurze Zeit im Mund des Babys steckt, ist es schwierig, eine dieser Theorien schlüssig zu beweisen. Videoaufnahmen zeigen nämlich, dass Babys den Grossteil der Nacht ohne Schnuller im Mund verbringen. 62

28


SCHLUSSFOLGERUNG Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod sind bis heute ungeklärt. Die am häufigsten empfohlenen Massnahmen zum Schutz vor SIDS sind Schlafen in der Rückenlage und das Stillen des Kindes. Zudem weisen epidemiologische Studien darauf hin, dass der Schnuller einen gewissen Schutz vor dem plötzlichen Kindstod bietet. 63 Expertinnen und Experten raten daher, jedem Kind zu Schlafenszeiten einen Schnuller anzubieten. Gestillten Kindern sollte der Schnuller angeboten werden, nachdem sich das Stillen eingespielt hat, nicht gestillten Kindern bereits in den ersten Lebenstagen. Verliert das Baby den Schnuller im Schlaf, muss er nicht wieder in den Mund gesteckt werden.

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

29


DER SCHNULLER UND SCHMERZWAHRNEHMUNG Die Schmerzbehandlung bei Neu- und Frühgeborenen ist sowohl aus klinischen als auch aus ethischen Überlegungen essenziell. Schmerz kann die Sauerstoffsättigung verschlechtern, zu hämodynamischer Instabilität führen und den intrakraniellen Druck erhöhen. In der Pflege von Frühgeborenen, die Intensivpflege erhalten, ist es weitgehend akzeptiert, intravenös Schmerzmittel zu verabreichen. Jedoch erhalten weniger stark erkrankte Kinder oft kein Analgetikum, wenn sie sich schmerzhaften Prozeduren unterziehen müssen. Selbstverständlich ist es nicht sinnvoll, Babys wegen einer Blutentnahme mit chemischen Schmerzmitteln zu behandeln, aber es ist wichtig, besser akzeptierte Methoden zu finden. 64 Die amerikanische Kinderärztegesellschaft [AAP] listet den Schnuller als eine der wirksamsten Methoden auf, Schmerzen bei Kindern unter 6 Monaten zu lindern, wenn sie sich kleineren ärztlichen Eingriffen unterziehen müssen. Die Gabe einer kleinen Menge Zuckerlösung (2 ml) während zweier Minuten der Prozedur, mit dem Schnuller oder der Brustwarze angeboten, scheint die schmerzstillende Wirkung zu verstärken. 65 Eine Übersichtsstudie führt zutage, dass nicht-nutritives Saugen auch ohne Zuckerlösung, zum Beispiel während des Guthrie-Tests, Verhaltensstress bei Neugeborenen reduziert. Die einbezogenen Untersuchungen belegen die Theorie, dass Saccharose (aufgrund ihres süssen Geschmacks) und Schmerzlinderung über das endogene Opioidsystem des Körpers, das natürliche Analgetika liefert, miteinander verknüpft sind. Die analgetische Wirkung von Saccharose wird durch die Verabreichung von Naloxon, einem Opioid-Antagonisten, aufgehoben, was nahelegt, dass Saccharose das Zentralsystem für endogene Opioide aktiviert, und zwar durch einen ähnlichen Vorgang, wie er bei opioiden Analgetika stattfindet.

30


DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

31


Bei Frühchen wird berichtet, dass das Geben von

Eine Studie aus dem Jahr 2002 an 138 Neugebo-

Saccharose in Verbindung mit einem Schnuller wirk-

renen, die vor einem Guthrie-Test entweder süsse

samer ist als Saccharose allein; dies wurde mittels

Lösungen erhielten oder süsse Lösungen und

der Schmerzskala des Premature Infant Pain Profile

anschliessend einen Schnuller, kam zu folgenden

(PIPP) gemessen.

Ergebnissen:

Als wichtig hervorzuheben ist laut den Forschern,

Zusammenfassend wurde herausgefunden, dass

dass die Verwendung von 24 % Saccharose keinerlei

zur Schmerzlinderung 12.5 Prozent Dextrose oder

Nebenwirkungen verursacht und ein sicheres Anal-

Saccharose gefolgt vom Schnuller ein besseres

getikum für Frühchen ist. Die gegenwärtige Stan-

Ergebnis erzielte als die alleinige Anwendung von

dardpraxis bei Venenpunktionen an Neugeborenen

Dextrose oder Saccharose; Saccharose gefolgt vom

ist es, keinerlei Analgetika einzusetzen. Eine Untersu-

Schnuller ergaben geringere Niveaus an Schmer-

chung aus dem Jahr 2009 belegt die Einfachheit

zen und eine kürzere Dauer des Weinens als die

der Verwendung von Saccharose und/oder Schnul-

Kombination von Dextrose mit einem Schnuller. Die

lern und kommt zum Schluss, dass die Schmerz-

anti-nozizeptive (Verminderung der Empfindlichkeit

linderung während medizinischer Eingriffe in den

gegenüber schmerzhaften Stimuli) Wirkung süsser

ersten Lebenswochen von Frühchen routinemässig

Lösungen kann durch einen Schnuller verstärkt

eingesetzt werden sollte. Diese Praxis wird durch

werden. 67

entsprechende Empfehlungen in Leitfäden zur Schmerzlinderung gestützt. Diese Leitfäden schla-

Die

gen das Eintauchen des Schnullers in 24-prozenti-

diese Empfehlungen. Sie anerkennt ebenfalls die

ge Saccharoselösung vor oder 1 bis 2 Minuten vor

schmerzlindernde und beruhigende Wirkung des

oder während eines schmerzhaften Eingriffs durch

Schnullers

eine direkte orale Anwendung auf die Zunge mittels

sowohl an termingeborenen als auch frühgebore-

einer Spritze, je Tropfen > 0,2 ml. Die Verabreichung

nen Kindern. 68

kanadische

Kinderärztegesellschaft

während

schmerzvoller

stützt

Prozeduren

von Saccharose kann je nach Bedarf wiederholt werden. 66

ZUSAMMENFASSUNG Die Gabe einer Zuckerlösung und eines Schnullers ist eine simple und sichere Intervention zur Schmerzlinderung bei Eingriffen an Neugeborenen. 69 Der Einsatz eines Schnullers wurde von der amerikanischen Hausärztegesellschaft bei folgenden Eingriffen erforscht und empfohlen: Katheterisierung, Beschneidung, Fersenpunktionen, Impfungen, Legen einer Infusion, Lumbalpunktion, Screenings für Retinopathie bei Frühgeborenen und Venenpunktionen. 70 •• Die analgetischen Wirkungen von Saccharose, Glukose und Schnullern auf Neugeborene kann klar mit Hilfe einer am Verhalten orientierten Schmerzbewertungsskala festgestellt werden •• Auch der alleinige Einsatz eines Schnullers hat eine analgetische Wirkung •• Bei der Kombinierung von Saccharose und Schnullern konnte ein Synergieeffekt festgestellt werden •• Süsse Lösungen und Schnuller stellen einfache und sichere Massnahmen dar, die dazu verwendet werden können, Neugeborene während kleinerer Eingriffe mit Analgetika zu versorgen 71

32


DER SCHNULLER UND MITTELOHRENTZÜNDUNGEN (OTITIS MEDIA) Otitis media ist eine virale oder

tig, dass sie mindestens in einem

Eltern zu raten, den Schnullerge­

bakterielle Infektion des Mittel­

45-Grad-Winkel gehalten werden,

brauch einzuschränken. In einer

ohrs. Einer Mittelohrentzündung

während sie die Flasche bekom-

Studie aus dem Jahr 1997 wurde

geht in der Regel eine Erkältung

men. Als weitere Risiko­ faktoren

die Anzahl der Bakterien auf dem

voraus. Durch die Schwellung

für Ohrenentzündungen gelten

Schnuller von Kindern, die kürz-

im Bereich der oberen Atemwe-

Tabakrauch und schwere Luftver-

lich eine Mittelohrenentzündung

ge entsteht ein Verschluss der

schmutzung.

durchgemacht

Eustachischen Röhre, was den

hatten,

unter-

sucht. Die Autoren fanden heraus,

Abtransport von Sekretionen und

Verschiedene

Studien

stellen

dass ihre Schnuller keine erhöhte

Krankheitskeimen aus dem Mittel­

einen Zusammenhang zwischen

Bakterienanzahl aufwiesen und

ohr verhindert. Eine Otitis media

dem Schnullergebrauch und Mit­­

somit nicht als Übertragungsherd

kann in jedem Alter auftreten, am

tel­­­ohrenentzündungen

oder Quelle bezeichnet werden

häufigsten betroffen sind aber

gibt einige Hypothesen, wie der

Kleinkinder im Alter zwischen 3

Schnullergebrauch zu Mittelohr-

und 36 Monaten und Kinder im

entzündungen führen könnte: Der

Alter zwischen vier und sechs

Rückfluss von Nasensekreten ins

Jahren. 72

Mittelohr durch das Saugen am

her.

Es

Schnuller oder eine Dysfunktion Einen gewissen Schutz vor Ohren-

der Eustachischen Röhre durch

entzündungen bieten laut heuti-

eine veränderte Gebissstruktur

gen Erkenntnissen Schlafen in

sind zwei davon. 74, 75

Rückenlage und Stillen. Kinder, die wenigstens 4 Monate gestillt

Ob der Schnullergebrauch tat­

wurden, leiden auffallend selte-

sächlich ursächlich ist für Mittel­

ner

ohrenentzündungen, ist schwierig

gen.

an

Mittelohrenentzündun-

73

zu beurteilen. Eventuell bekommen Kinder, die häufig an einer

Die Eustachischen Röhren sind

Entzündung leiden, auch öfter ei­­­

bei Säuglingen und Kleinkindern

nen Schnuller gegen die Schmer­

weicher, kürzer und liegen hori-

zen oder um sie zu trösten.

zontaler als bei Erwachsenen.

Trotzdem wird der Schnuller im

Dies führt dazu, dass Sekrete und

Allgemeinen auch in der Fachli-

Flüssigkeiten leichter eindringen

teratur als Risikofaktor für Mittel­

und Entzündungen verursachen

ohrenentzündungen bezeichnet.

können. Füttern im Liegen erhöht

Vor allem bei anfälligen Kindern,

diese Gefahr. Insbesondere für

die unter rezidiven Entzündungen

Fla­­schen­­­kinder ist es darum wich­­

leiden, kann es Sinn machen,

34

76, 77

konnten. 78


SCHLUSSFOLGERUNG Trotz zahlreicher Studien und Hypothesen über den Zusammenhang von Mittelohrenentzündung und Schnullergabe gibt es keine abschliessenden Erkenntnisse. Schnuller scheinen ein Risikofaktor zu sein, allerdings nur einer von vielen; die Gefahr einer Entzündung erhöht sich mit der Dauer und Häufigkeit der Schnullergabe. 79 Die Empfehlung, den Schnullergebrauch wegen des erhöhten Risikos einer Mittelohrenentzündung bei Babys ab 6 Monaten einzuschränken, kann aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes höchstens Eltern gegeben werden, deren Kind wiederkehrend an Entzündungen leidet. Bei allen anderen ist der erwiesene Wert von Schnullern zur Verringerung von SIDS und zur Erhöhung des kindlichen Wohlbefindens höher zu gewichten. 80

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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SCHNULLER UND ORALE GESUNDHEIT: INFORMATIONEN AUS ZAHNHEILKUNDLICHER UND SPRACHTHERAPEUTISCHER SICHT Zu diesem Thema gibt es nahezu überwältigende

Dysfunktionen sind als «Störungen des Muskeltonus,

Beweise und wissenschaftliche Studien, welche

der Muskelfunktion und/oder der Bewegungsab-

die These unterstützen, dass nicht-nutritives Saugen

läufe im orofazialen Komplex, die aufgrund moto-

an einem Schnuller oder Finger zu Zahnfehlstellun-

rischer, sensorischer und/oder skelettaler Abwei-

gen und Deformationen des Kiefers beim Milchge-

chungen entstehen» definiert. (Zitiert aus: Lins 2010,

biss und sogar dauerhaft beim bleibenden Gebiss

S. 18) Für die Entstehung wird ein multifaktorielles

führt. Dies jedoch nur dann, wenn die Saugge-

Ursachengefüge verantwortlich gemacht. Neben

wohnheit in Bezug auf Kraft und Dauer zu intensiv

Kiefer- und Zahnstellungsanomalien, welche gene-

vorliegt und in Bezug auf das chronologische Alter

tisch bedingt, angeboren bzw. erworben sein

des Kindes zu lange vorhanden ist. Die möglichen

können, werden auch ungünstige Sauggewohnhei-

Folgen nicht-nutritiver Habits auf die oralen Struktu-

ten oder falsche Säuglings- und Kleinkindernährung

ren hängen somit von der Intensität, Richtung und

verantwortlich gemacht. 82

Art der einwirkenden Kräfte ab. Studien zeigen, dass der Einfluss auf die Zahnstellung während der ersten

Eltern sollten sich der negativen Auswirkungen eines

3 bis 4 Lebensjahre hauptsächlich auf den vorderen

übermässigen Schnullerlutschens auf die orale

Bereich beschränkt ist, was einen frontal offenen Biss

Gesundheit bewusst sein. Laut der Academy of

bewirkt. Wird das Habit abgewöhnt, ist eine physio-

General Dentistry (AGD) sollten Kinder im Idealfall im

logische Weiterentwicklung der Zahn- und Kiefer-

Alter von zwei Jahren aufhören, einen Schnuller zu

stellung zu erwarten, sodass sich die Zahnstellung

benutzen. In diesem Alter dürften sich Abweichun-

während des Wachstums wieder normalisiert. Bleibt

gen der Zahnstellung oder der skelettalen Entwick-

das Habit präsent, so besteht insbesondere beim

lung innerhalb von 6 Monaten von selbst beheben,

Daumenlutschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit

nachdem der Schnuller nicht mehr benutzt wird. 83

eines Zusammenhanges zwischen Lutschhabit und Kreuzbiss (ein unterentwickelter Oberkiefer, der ein-

Das Schema des Gesichtswachstums und der

oder beidseitig nicht korrekt mit dem Unterkiefer

Entwicklung der Zähne im zahntragenden Alveo-

okkludiert).

larknochen wird durch genetische Faktoren und

81

äussere Einflüsse bestimmt. Weiters haben der Obwohl eine Vielzahl an Faktoren zu Zahn- und

Muskeltonus und der lokal durch das Weichgewe-

Kieferfehlstellungen beiträgt, ist eindeutig, dass

be der Lippen, der Wangen und der Zunge ausge-

auch Schnuller eine solche Fehlstellung verursa-

übte Druck einen bedeutenden Einfluss auf die

chen können. Bei einem grossen Anteil der Kinder

Ausformung des Zahnbogens wie auch auf die

mit Zahn- und Kieferfehlstellungen liegt nicht nur

Zahnstellung. Dabei kommt der Zunge insbesonde-

eine Abweichung im Bereich der Hartgewebe vor,

re bei der Ausformung des Gaumens eine wichtige

sondern es sind auch Auffälligkeiten der orofazi-

Rolle zu. Das Lutschen an Schnullern, wie im Übri-

len Weichteilfunktion zu beobachten. Orofaziale

gen das Daumenlutschen, unterscheidet sich vom

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Saugen beim Stillen und wirkt sich daher während

Mehrere Studien zeigen auf, dass die Verwendung

des Wachstumsprozesses anders aus. Es wird jedoch

eines Schnullers bei über Dreijährigen eine zuneh-

angenommen, dass diese Krafteinwirkungen auf

mend schädliche und oftmals nicht mehr spontan

Zähne, Zahnbogen und Oberkiefer nur dann signifi-

regrediente Wirkung auf die sich in der Entwick-

kante Auswirkungen haben, wenn sie kontinuierlich

lung befindliche Dentition hat. Die auffälligsten

für mehr als sechs Stunden täglich erfolgen. Eine

Veränderungen sind frontal offener Biss, seitlicher

geringere Dauer leitet keinen der Mechanismen ein,

Kreuzbiss sowie ein hoher schmaler Gaumen. Wird

die für die Änderung der Zahn- bzw. Gewebestruk-

der Schnuller über das Alter von 5 Jahren hinaus

tur erforderlich wären.

benutzt, verschlimmern sich die Auswirkungen, und

84

die Entwicklung der bleibenden Dention wird deutlich beeinträchtigt. 85

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DIE OROFAZIALE GESUNDHEIT UND DIE ANFORDERUNGEN AN DEN SCHNULLER Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe zum Thema Flaschensauger und Schnuller an der Universitätsklinik für Pädiatrie Innsbruck hat in Zusammenarbeit mit der Logopädin und Myofunktionstherapeutin Mathilde Furtenbach in «Anforderungen an einen Schnuller» einige Empfehlungen veröffentlicht, die an dieser Stelle aufgegriffen werden sollen. Die zen­ trale Aussage der Arbeitsgruppe ist: Ob der Schnuller sich schädlich auf die orofaziale Muskelfunktion und die Gebissentwicklung auswirkt, ist abhängig von der Art und Weise, wie das Kind saugt, von der Beschaffenheit des Schnullers, vor allem aber von der Dauer des Lutschens (und damit von den Eltern, die entscheiden, wie oft und wie lange sie den Schnuller geben). (Lins 2010, S. 27) 86 Unter den konkreten Kriterien für die Schnullerauswahl sind genannt: •• Form des Schnullers: Der Schnullerschaft des Lutschteils muss möglichst niedrig und lang sein, damit die Schneidezähne nicht am Durchbruch und der Alveolarfortsatz nicht im Wachstum gehindert werden

DIE DAUER IST DER SCHLÜSSEL Die Möglichkeiten des Organismus, auf äussere (Kraft-) Einwirkungen zu reagieren, haben in der kieferorthopädischen Behandlung ihre Berechtigung. Präzise und dosiert angebrachte Krafteinwirkungen führen zu gewünschten Korrekturen von Zahn- und Kieferfehlstellungen. Proffits Untersuchungen (1986) an kieferorthopädischen Patienten, die mit nicht-festsitzenden Apparaturen behandelt wurden, zeigten, dass Druck bzw. mechanische Kräfte für vier bis sechs Stunden pro Tag einwirken müssen, um einen signifikanten Effekt auf die Zahn- und Kieferentwicklung zu erzielen.

88

(Zitiert aus: Lins 2010, S. 21)

Genau so, wie diese positiven Krafteinwirkungen andauern müssen, müssen auch schädliche Einflüsse wie Lutschhabits eine gewisse Einwirkungsdauer haben und einen gewissen Druck auf die Hart- und Weichgewebe ausüben, um Abweichungen von der ungestörten Entwicklung zu provozieren. Wenn sich eine Okklusionsstörung entwickelt, kann dies einen Dominoeffekt haben, der die anderen Zähne in Mitleidenschaft zieht. 89 Auch fast 25 Jahre später erscheint die Feststellung wichtig, dass nicht das Ausmass, sondern die Dauer der Druckeinwirkung der wichtigste Faktor in Bezug auf die Auswirkungen auf die Kiefer- und Zahnent-

•• Material: ein möglichst elastisches, flexibles

wicklung darstellt. 90

Lutschteil •• Ein Schnuller muss möglichst leicht sein, damit die Mundmuskulatur nicht unnötig belastet wird •• Eine flache, raumsparende Form des Lutschteils erlaubt mehr Zungenbewegung, und eine möglichst flache querovale Form braucht am wenigsten Platz im Mund 87

SCHLUSSFOLGERUNG Die positive Seite dieser Erkenntnisse: Wird der Schnuller sinnvoll eingesetzt und früh genug abgewöhnt, sind keine bleibenden Zahn- und Kieferfehlstellungen zu befürchten. Schnuller werden in den meisten Ländern der Erde verwendet und wirken sich nicht dauerhaft auf die Zahnstellung aus, wenn ihr Gebrauch im Alter von zwei bis drei Jahren beendet wird.

91

Vor dem Hintergrund, dass 50 Prozent

der Kinder die Angewohnheit des nicht-nutritiven Saugens ohne elterliche Intervention im Alter von 24 bis 28 Monaten aufgeben, ist eine spontane Remission allfälliger vorübergehender Abweichungen der Okklusion vorhanden. 92 38


AUSWIRKUNGEN DES SCHNULLERS AUF DIE SPRACHENENTWICKLUNG In der praktischen logopädischen Arbeit zeigt sich,

Eine physiologische Entwicklung der orofazielen

dass viele Eltern wenig über die Risiken einer über

Weichgewebe bedingt die unbehinderte Nasenat-

die Säuglingszeit hinausgehenden Lutschgewohn-

mung, die Ruheschwebe des Unterkiefers, den suffi-

heit zu wissen scheinen. Oftmals werde sie erst

zienten Lippenschluss und eine gegen den Gaumen

spät über Auswirkungen informiert. Eine ausführ-

orientierte Zungenfunktion. Das Ansatzrohr stellt die

liche Aufklärung erfolgt in der Regel dann, wenn

Atmung und die Nahrungsaufnahme sicher, bietet

bereits orofaziale Dysfunktionen respektive Zahn-

eine natürliche Ventilfunktion und ist mit der Stimm-

und Kieferfehlstellungen diagnostiziert werden. Der

und Lautbildung neben Mimik und Körpersprache

Umgang mit dem Schnuller wirkt häufig unreflek-

das Partizipations-, Interaktions- und Kommunika-

tiert, und oft wird der Schnuller (bzw. der Daumen

tionsorgan des Menschen. Ist ein Anteil innerhalb

oder andere Lutschgegenstände) nicht nur zweck-

dieses Systems in seiner Funktion beeinträchtigt,

gerichtet zur Beruhigung und zum Einschlafen ange-

zieht dies Kompensationsmechanismen nach sich,

boten, sondern ist ein ständiger Begleiter im Leben

wodurch das ganze System in ein Ungleichgewicht

des Kindes.

gelangen kann. Für eine korrekte Aussprache oder Artikulation ist laut dem argentinischen Rehabili-

Auch aus logopädischer Sicht ist der bewusste

tationsarzt und Forscher Castillo Morales die Koor-

Umgang mit dem Schnuller wichtig. Das Saug-

dination des orofazialen Komplexes unerlässlich.

bedürfnis kann, wenn nötig, durch den Schnuller

Ein Schnuller, aber auch der Daumen oder ande-

zusätzlich befriedigt werden, es soll jedoch vermie-

re Gegenstände, die in den Mund eingebracht

den werden, durch ein zu häufiges Geben und zu

werden, interferieren mit physiologischen Funktio-

lange Verwendung aus einer ursprünglich natür-

nen. Selbst wenn sich Abweichungen der Hartge-

lichen Anlage eine Lutschgewohnheit entstehen

webe nach dem Abgewöhnen von Habits wieder

zu lassen.

94

Da aus logopädischer Sicht der Fokus

vermindern, können durch Habits initiierte Weich-

nicht nur auf der Entwicklung der Hartgewebe liegt,

teilfehlfunktionen lange andauern und somit eine

sondern übergeordnet der Funktion eine grössere

entstandene Fehlstellung aufrechterhalten. Genau­

Bedeutung zukommt, sollen an dieser Stelle Aspekte

so wie eine Beurteilung durch Zahnmediziner vorge-

der Weichteile Beachtung finden.

nommen wird, wenn eine Dysgnathie vorliegt, ist es

93

auch sinnvoll, nach erfolgter Abgewöhnung und Verdacht auf eine persistierende Dysfunktion eine logopädische Fachperson beizuziehen.

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DER SCHNULLER IST DEM DAUMEN VORZUZIEHEN Viele Studien und praktisch alle Expertengruppen kommen zum Schluss, dass der Schnuller dem Daumen vorzuziehen ist - dies vor allem in Bezug auf die Prävention von Zahnfehlstellungen. Ein Schnuller wird im Gegensatz zum Daumen sehr selten bis weit in die Phase des Wechselgebisses (wenn der Zahnwechsel in der Front bereits erfolgt ist) hinein benutzt, wodurch auch die saugerinduzierten Auswirkungen (Fehlstellungen der Kiefer und Zähne, Fehlfunktionen der Weichteile) sehr viel geringer ausfallen.

95

Sowohl die kanadische als auch die amerikanische Zahnärztegesellschaft empfehlen, den Schnuller dem Daumen vorzuziehen. Die Autoren gehen davon aus, dass der Schnuller eine präventive Wirkung gegen Daumenlutschen haben kann.

96

Auch andere Studien

stützen diese Theorie. Kinder, die früh einen Schnuller angeboten bekamen, saugten 7-mal weniger häufig am Daumen als Kinder, denen man nie einen Schnuller angeboten hatte. 97 Gegen den Daumen spricht zudem, dass er sehr viel härter ist als ein Schnuller und dadurch stärkere Ve­­r­ änderungen der Zahnstellung und Verformungen des Oberkiefers (hoher schmaler Gaumen) hervorrufen kann. Oftmals wird zusätzlich auch die Stellung der unteren Frontzähne verändert, auch kann durch den Druck des Daumens oder der Hand auf den Unterkiefer dessen Entwicklung nach vorne erschwert werden. Weiter gestaltet sich die Abgewöhnung des Daumenlutschens schwierig, da der Daumen ständig zur Verfügung steht. Sobald das Nuckeln abgewöhnt werden soll, ist das Daumennuckeln somit von den Eltern und Bezugspersonen schlechter zu beeinflussen und zu kontrollieren. 98 Die IKG (Initiative Kiefergesundheit) vertritt deshalb ebenfalls die Meinung, dass ein Schnuller besser ist als der Daumen, weil ein richtig geformter Schnuller im Vergleich zum Daumen die Kieferentwicklung weniger beeinflusst und zudem leichter wieder abzugewöhnen ist. 99

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SCHLUSSFOLGERUNG Wird der Schnuller sinnvoll eingesetzt und früh genug abgewöhnt, sind keine bleibenden Zahnfehlstellungen oder negativen Einflüsse auf die orofazielen Strukturen und die Sprachentwicklung zu befürchten. Erst wenn ein intensives Schnullerhabit über das Alter von drei Jahren hinaus beibehalten wird, kann es zu bleibenden schädlichen Auswirkungen auf die Zahnstellung und die Kieferentwicklung kommen. Das Wissen um die verantwortungsvolle Anwendung des Schnullers ist daher eine wichtige Botschaft an alle Eltern.

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DER SCHNULLER UND DIE ELTERN – WISSENSWERTES FÜR DIE ELTERN Obwohl sich die Wissenschaft heute einig ist, dass der kontrollierte Gebrauch eines Schnullers zahlreiche Vorteile mit sich bringt, lehnen viele Eltern zu Beginn den Gebrauch bei ihrem Kind ab. Unter anderem, weil sie glauben, es handle sich dabei um einen Gegenstand, der vor allem dazu diene, das Baby ruhig zu stellen, oder weil sie Angst haben vor Fehlbildung der Zähne oder des Kiefers. Oft ändern Mütter im Lauf der Zeit ihre ursprünglich negative Haltung. Die Mehrzahl aller Mütter, nämlich 69 Prozent, geben ihrem Kind bereits in der ersten Lebenswoche einen Schnuller, um es zu beruhigen. Diejenigen, die darauf verzichten, tun dies zu 95 Prozent, weil ihr Baby den Schnuller ablehnt.

100

Eltern, die sich für den Gebrauch des Schnullers entscheiden, tun dies vor allem, um das kindliche Bedürfnis nach nicht-nutritivem Saugen zu decken oder als Alternative zum Daumenlutschen. 101

42


WIE BIETE ICH EINEM KIND ZUM ERSTEN MAL EINEN SCHNULLER AN? •• Gerade in den ersten Tagen sollte der Schnuller sehr behutsam eingesetzt werden •• Der Schnuller sollte nur angeboten, nicht aufgedrängt werden. Wird der Schnuller in den Mund gedrückt, kann eine Abwehrreaktion oder der Würgereflex ausgelöst werden. •• Zuerst sanft die Mundwinkel oder die Wange berühren, um den Suchreflex auszulösen •• Den Schnuller vorsichtig auf Unterlippe und das vordere Zungendrittel legen, die Händchen des Kindes nahe ans Gesicht bringen. Der Saugreflex wird ausgelöst. •• Weil der Schnuller für das Neugeborene ungewohnt ist, muss es zuerst lernen, wie es daran saugen muss. Es wird vielleicht die Zunge einsetzen, um den Schnuller zu erkunden. Was aussehen kann wie ein Ausspucken, ist vielleicht nur der Versuch, den Fremdkörper genauer zu erforschen. (Quelle: Dr. Corinne Mathys Zulauf, dipl. Logopädin, eidg. dipl. Zahnärztin)

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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VERANTWORTUNGSBEWUSSTER UMGANG MIT DEM SCHNULLER, FACHLICHE EMPFEHLUNGEN Die wichtigste Empfehlung von Fachleuten im Zusammenhang mit dem Schnuller müsste wohl lauten: «Der Schnuller soll intelligent und verantwortungsbewusst eingesetzt werden.» 102

Es gilt, im Umgang mit dem Schnuller viele Anregun-

Unbestritten ist heute auch, dass der Schnuller – ins­­

gen und Empfehlungen zu berücksichtigen. Hierzu

besondere bei jahrelangem und intensivem Lutsch-

gehören beispielsweise:

habit – verantwortlich sein kann für diverse Proble-

•• Bekommt das Kind den Schnuller zwischen

me. Viele Fachgesellschaften und Experten haben

den Mahlzeiten, wenn es keinen Hunger hat,

sich mit den möglichen Nachteilen beschäftigt und

vermindert dies die Beeinträchtigung der

Empfehlungen herausgegeben, wie die negativen

normalen Essenszeiten

Folgen verhindert werden können. Einige ihrer

•• Der Schnuller kann beim Mittags- oder Nachtschlaf eine beruhigende Wirkung haben •• Sehr kleine Kinder brauchen vielleicht eine Bezugsperson, die ihnen hilft, den Schnuller wiederzufinden, wenn er ihm aus dem Mund gefallen ist. Ältere Kinder sind meist in der Lage, den Schnuller selbst wieder zu finden. •• Wenn ein Kind weint oder schreit, ist es wichtig, dass man versucht, es zu halten und mit ihm zu kuscheln. Schnuller dürfen nicht die Bindung zur Bezugsperson ersetzen. •• Einem Baby sollte nicht jedes Mal, wenn es schreit oder weint, ein Schnuller in den Mund gesteckt werden. Grundsätzlich dient der Schnuller dazu, das Bedürfnis nach nichtnutritivem Saugen zu befriedigen.

aktuellen Empfehlungen finden Sie im folgenden Abschnitt: •• Aufklärung über die sichere und angemessene Verwendung von Schnullern sollte Teil der routinemässigen Vorsorgeberatung bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern sein •• Solange weitere Untersuchungen nicht zu eindeutigeren Ergebnissen über nachteilige Effekte kommen, sollte die Verwendung von Schnullern als Wahl der Eltern anerkannt werden, die aufgrund der Bedürfnisse ihres Neugeborenen, Säuglings oder Kindes getroffen wurde •• Die frühzeitige Verwendung des Schnullers kann ein Hinweis auf mögliche Stillprobleme sein •• Bei Säuglingen und Kindern mit einer chronisch

Wenn ein Kind aufgeregt oder angespannt

wiederkehrenden Otitis media kann es

ist, kann es sein, dass zusätzliches Saugen ihm

sinnvoll sein, den Gebrauch des Schnullers

Sicherheit verleiht. Eine Bezugsperson kann

einzuschränken

diese Sicherheit auch durch Halten, Zusprechen,

•• Es sollte nicht routinemässig vom Gebrauch

Vorsingen oder dadurch vermitteln, dass sie mit

von Schnullern abgeraten werden, da die

dem Kind spielt. 103

gegenwärtige Datenlage ein vermindertes Risiko des plötzlichen Kindstodes (SIDS) vermuten lässt •• Schnuller sollten weiterhin in den neonatalen Intensivpflegeeinheiten zum nicht-nutritiven Saugen und für das Wohlbefinden der Frühgeborenen oder kranken Säuglingen eingesetzt werden 104 •• Nach Infektionskrankheiten wird empfohlen, den Schnuller auszuwechseln 105

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SCHLUSSFOLGERUNG Aufgrund des heutigen Standes der Wissenschaft können folgende Empfehlungen gemacht werden: Eltern sollten über den sicheren und angemessenen Einsatz von Schnullern aufgeklärt werden Schnuller können schmerzlindernd wirken und das Risiko des plötzlichen Kindstods im ersten Lebensjahr senken Es gibt keine Hinweise darauf, dass ein vernünftig eingesetzter Schnuller die Stilldauer verkürzt Das Anbieten eines Schnullers kann das Daumenlutschen verhindern Der Schnuller sollte regelmässig gereinigt und auf Gebrauchsspuren wie Risse und Löcher untersucht werden Stillkindern sollte der Schnuller erst angeboten werden, wenn sich das Stillen eingespielt hat Langanhaltender Schnullergebrauch (mehr als sechs Stunden täglich) kann zu Zahnfehlstellungen führen. Darum ist es wichtig, den Schnullergebrauch einzuschränken und dem Kind den Schnuller spätestens im vierten Lebensjahr abzugewöhnen. Der Schnuller darf nicht in Zuckerlösungen, Honig oder Fruchtsäfte getaucht werden. Dies könnte zu Karies führen. 106

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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WELCHE SCHNULLERGRÖSSE IST RICHTIG? Ein Aspekt, der im pädiatrischen Bereich angesprochen werden sollte, ist die (physikalische, chemische und immunologische) Sicherheit bei der Schnullernutzung. Zahllose Studien haben die Möglichkeit des Verschluckens oder Erstickens beschrieben, die von sich lösenden Teilen des Schnullers oder von Schnüren um die Schnuller verursacht wurden, sowie die Möglichkeit einer Verletzung der oralen Schleimhäute oder der Nasenbasis, wenn Kinder mit dem Schnuller im Mund hinfallen. Daher wird empfohlen, dass Schnuller in Form und Grösse mit dem Mund des Kindes kompatibel sind (variierend je nach Alter: jünger oder älter als sechs Monate). Die Auflage für die Lippen sollte leicht konkav in Richtung Mund gewölbt und mit Löchern in den Seiten für die Belüftung versehen sein. Der Bereich in der Nähe der Nasenbasis sollte eine Aussparung haben, damit eine gute Auflage mit der Lippe gewährleistet ist. 107 Ein Schnuller sollte dem Wachstum des Gesichtsschädels

Rechnung

tragen

und

entsprechend

angepasst sein. Er darf jedoch auch nicht zu klein sein, damit er nicht im Mund verschwinden kann.

TIPPS ZUR VERMINDERUNG DES SCHNULLERGEBRAUCHS • Den Schnuller ausser Sichtweite aufbewahren und ihn von Anfang an nur zu bestimmten Zeiten geben, zum Beispiel nur zum Einschlafen • Konsequent bleiben • Vermeiden Sie den unkontrollierten, spontanen Schnullergebrauch während des Tages 114, 115 • Zu sorgfältiger Zahnpflege ermutigen.

Das Innenteil (Schaft), das zwischen den Zähnen

Erwachsene, orale Aktivitäten, wie die Nutzung

liegt, sollte möglichst wenig Druck ausüben, um

von Zahnbürste und Zahnseide, einführen.

Zahnfehlstellungen im Frontbreich zu vermeiden

• Alternativen zum Schnuller finden, mit denen

oder bei übermässigem Gebrauch zu minimieren.

sich das Kind beruhigen kann, zum Beispiel sein

Es sollte weich und flexibel sein, eine geringe Höhe

Lieblingsspielzeug (Stofftier oder Decke)

und Volumen aufweisen und eher breit gestaltet sein. Bei manchen Schnullern liegt die Übergangstelle störend zwischen den Zähnen, was zu einem frontal offenen Biss in der Milchdentition und zu einer offener Mundhaltung führen kann. Damit die Zahn- und Kieferentwicklung nicht mechanisch beeinträchtigt wird respektive die Zähne ungehindert durchbre-

• Die Verwendung beim Übergang zwischen den Entwicklungsphasen einschränken. Wenn das Kind zu krabbeln beginnt, ist ein guter Zeitpunkt, den Zugang zum Schnuller zu verringern. • Den natürlichen Schnullerschwund akzeptieren, keine Schnuller nachkaufen

chen können, darf kein Gegenstand längerdauernd

• Nutzungsdauer und Nutzungsgelegenheiten

als Fremdkörper zwischen respektive auf den Zähnen

einschränken: z. B. nur noch in der Wohnung

liegen. Auch die Zunge, die ein sehr kraftvolles

• Ablenkung

Muskelpaket ist, wird in ihrer Funktion durch Schnul-

• Achten Sie darauf, dass das Kind den Schnuller

ler- und Daumenlutschen eingeschränkt und umgelenkt. Die Zunge sollte sich frei bewegen können, auch in Ruheposition teilweise am Oberkiefer anliegen und somit in ihrer Funktion im Zusammenspiel mit Wangen, Lippen und Kaumuskulatur die natürlichen Wachstumsvorgänge unterstützen. 108, 109

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nicht im Mund hat, wenn es spricht • Schnullerzeit langsam reduzieren. Das Kind muss keinen «kalten Entzug» durchmachen. Kinder reagieren eher positiv auf eine allmähliche Veränderung.


DER SCHNULLER SOLL INTELLIGENT UND VERANTWORTUNGSBEWUSST EINGESETZT WERDEN


WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT ZUM ABGEWÖHNEN? Einig sind sich sämtliche Experten darin, dass Eltern über die möglichen Auswirkungen des Schnullerlutschens möglichst gut und umfassend aufgeklärt werden sollten. Nicht unbedingt einig sind sie sich darin, ab wann Kinder auf den Schnuller verzichten sollten. «Kinder sollten im Alter von zwei Jahren mit dem Schnuller aufhören», sagt die amerikanische Zahnheilkundegesellschaft Academy of General Dentistry. «Bis zum Alter von zwei Jahren korrigiert sich normalerweise jedes Problem bei der Ausrichtung der Zähne und der sich entwickelnden Knochen innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach Absetzen des Schnullers. Ein längeres Lutschen am Schnuller oder am Daumen kann Probleme für das korrekte Wachstum des Mundes und die Ausrichtung der Zähne sowie Veränderungen der Gaumenform hervorrufen.» (Matranga 2007, Pacifiers have negative and positive effects) Hingegen empfehlen die American Dental Association als auch die American Academy of Pediatric Dentistry die Entwöhnung vom Schnuller bis spätestens zum 4. Lebensjahr. 110, 111, 112 Für die meisten Fachleute ist es adäquat, den Schnuller vom 2. Monat bis zum Ende des zweiten Lebensjahres zu geben. Im Alter von zwei bis vier Jahren wird empfohlen, seinen Gebrauch nach und nach zu reduzieren. Oft sind starre Regeln nicht mit der Realität vereinbar. Der individuelle Entwicklungsstand eines Kindes, sein Gesundheitszustand, der sozioökomomische Hintergrund der Eltern und viele weitere persönliche Faktoren müssen mitberücksichtigt werden. Kranke oder belastete Kinder können ohne Weiteres noch mit 5 oder sogar 6 Jahren ein tiefes Saugbedürfnis empfinden. Gelingt es nicht, dem Kind den Schnuller ganz abzugewöhnen, ist es wichtig, den Gebrauch zumindest klar einzuschränken. 113

SCHLUSSFOLGERUNG Es ist wichtig, dass das Baby den Schnuller von Anfang an nur dann bekommt, wenn es wirklich ein Saugbedürfnis zeigt. Der Schnuller soll nur so lange im Mund bleiben, bis das Saugbedürfnis gestillt ist. Das Weinen des Kindes kann auch Ausdruck eines anderen Bedürfnisses sein, und man kann es auch anders trösten als mit einem Schnuller. Die meisten Fachleute sehen es als normal an, dass Kinder vom zweiten Monat bis zum Ende des zweiten Lebensjahres einen Schnuller bekommen. Ab dem zweiten Lebensjahr wird empfohlen, den Gebrauch des Schnullers nach und nach einzuschränken und mit der Abgewöhnung zu beginnen. Eltern sollten über den bewussten und überlegten Umgang mit dem Schnuller aufgeklärt werden. 48


TIPPS ZUR ABGEWÖHNUNG DES SCHNULLERS •• Mit fortgeschrittenem Zahndurchbruch, etwa ab dem Alter von 12–18 Monaten und zunehmend variantenreicherer Ernährung und oralen Erfahrungen, können Eltern damit beginnen, den Schnullergebrauch einzuschränken •• Am besten wählt man einen Zeitpunkt, während dem keine weiteren Stressfaktoren auf das Kind einwirken, wie eine Reise, ein Umzug oder ein weiteres Baby, an das sich das Kind gewöhnen muss •• Ein Kind sollte nie mit Androhung von Strafe zum Absetzen des Schnullers gezwungen werden •• Gestaltet sich die Schnullerentwöhnung schwierig, kann ein Gespräch mit dem Kinderarzt hilfreich sein •• Manchmal nützt Ablenkung wie Knuddeln, Spielen, Reden etc. •• Wenn das Kind den Schnuller aufgibt, sollte die Bezugsperson das Kind unterstützen und loben •• Wenn das Kind bereit ist, den Schnuller ganz aufzugeben, kann man ihn auf eine Reise schicken •• Vielleicht geht das Kind darauf ein, den Schnuller gegen ein Geschenk einzutauschen? •• Den Abschied mit einem entsprechenden Kinderbuch gestalten •• Hilfreich ist ein schrittweises Vorgehen. Der Schnuller hat seinen festen Platz, an dem das Saugbedürfnis gestillt werden kann. Danach bleibt der Schnuller dort.

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DIE SCHNULLER-GENERATION bibi® HAPPINESS Die neue bibi ® Schnuller-Generation «Happiness» wurde zusammen mit einem hochkarätigen, interdisziplinären Expertenteam entwickelt. Ergonomische Gesichtspunkte spielten bei der Gestaltung der neuen ErgoComfort Schilde und Sauger der bibi ® «Happiness»-Schnuller eine grosse Rolle.

ERGONOMISCHE GESTALTUNGSKRITERIEN Um die Grundfunktionen eines Schnullers effektiv zu erfüllen und um die Zahngesundheit zu unterstützen, hat bibi ® zusammen mit Fachleuten erweiterte ergonomische Gestaltungskriterien für Schilde und Sauger entwickelt. Im Ruhezustand und während der natürlichen

Im Ruhezustand und während der natürlichen

Saugbewegungen des Kindes sollte der Schild des

Saugbewegungen des Kindes sollte das Saugteil

Schnullers

des Schnullers

•• die Saugkräfte während des Saugens

•• die Saugkräfte aufnehmen und in einem

absorbieren und die verbleibenden

gewissen Umfang an den Schild weitergeben

Kräfte gleichmässig über die äussere

(Gegendruck auf die Lippen)

Mundregion verteilen (Lippen und weitere Gesichtsmuskulatur)

•• der Zunge genug Widerstand bieten (Oberfläche, Volumen, Oberflächenreibung),

•• den Lippen eine Auflagefläche bieten und

um die Zungenbewegungen auf den Schnuller

während des Schliessens des Mundes ein

zu übertragen, ohne die Zunge zurückzustossen

Vakuum ermöglichen. •• In der Ruheposition und bei Bewegungen

grösstmöglicher Annäherung der

innerhalb des normalen Bewegungsspektrums

Alveolarfortsätze (respektive der Zähne) im

weder die Nase noch das Kinn beeinträchtigen

Ruhezustand als auch während des natürlichen

(keine Druckstellen am Kinn und an der

Saugens und der Saugbewegungen erlauben

Nasenscheidewand, gutes Bewegungsausmass des Unterkiefers zulassen) •• keine exponierten oder hervorstehenden

•• in gewissem Umfang die Saug- und Zugkräfte der Zunge und des Unterkiefers aufnehmen. Dabei sollte von der Zunge auch genügend

Kanten oder Berührungsflächen haben, damit

Druck gegen die Alveolarfortsätze übertragen

der Schnuller bei einfachen Bewegungen,

werden, um ein natürliches Oberkieferwachstum

wie leichten Berührungen innerhalb des

zu begünstigen. 116

normalen Bewegungsspektrums der Arme, nicht abgestreift werden kann •• verhindern, dass der Schnuller versehentlich in die Speiseröhre des Kindes gelangt •• Luftlöcher haben, welche die Atmung ermöglichen, falls das Kind den Schnuller komplett in den Mund stecken sollte 50

•• die Ruhestellung des Unterkiefers mit


DIE PLANUNG bibi ® Happiness Natural und Dental Nuggis sind das Resultat einer engen Zusammenarbeit von Logopädinnen, Hebammen, Still- und Mütterberaterinnen, (Zahn-) Ärzten und Kieferorthopäden sowie Ergonomen. Eine grossangelegte Befragung brachte fol­ gende Anforderungen zu Tage, die entsprechend realisiert wurden:

1. weniger Volumen 2. flacheres Saugteil 3. weicheres und flexibleres Saugteil 4. dünner Schaft 5. leichte Wölbung des Schildes 6. Länge und Breite des Saugteils auf anthropome­­­ trischen Daten basierend und damit an die Grösse des sich entwickelnden Mundes angepasst

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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DIE UMSETZUNG bibi ® Happiness Schnuller unterstützen Neugeborene und Säuglinge in ihrer Entwicklung und bieten für jede Entwicklungsphase und jedes Alter den geeigneten Schnuller. Sie sind ergonomisch so entwickelt worden, dass sie noch weniger Platz im Mund einnehmen und somit eine gute Zungenbewegung ermöglichen. Der neue querovale Natural Sauger erinnert in seiner Form an die Brustwarze. Er bietet hohen Saugkomfort und hat eine hohe Akzeptanz bei Neugeborenen und Babys. Die bewährte Dentalform wurde angepasst und entspricht nun den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für eine natürliche Kiefer- und Gaumenentwicklung.

ERGOCOMFORT SCHILD

bibi® HAPPINESS SCHNULLER SAUGER

• Ergonomisch angepasst an Säuglings- und

• Flexibel für hohen Saugkomfort. Dies ist wichtig

Kindsgesicht • Wölbung und Radius sind so ausbalanciert, dass Druckstellen vermieden werden • Verstärkte Sauger-Verankerung für hohen Zugwiderstand • Zwei neue Schildformen – symmetrisch und asymmetrisch • Verbesserte Anpassung an Nase und Kinn • Grössere Luftlöcher «air vents» für mehr Sicherheit und Luftzirkulation • Verbesserte Materialqualität: weniger Gewicht, weicheres Gefühl • SensoPearls ®: für die taktile Stimulation. Sie wirken ähnlich wie die Montgomery-Drüsen an der Brust während der Stillzeit. Zudem entstehen weniger Hautirritationen durch bessere Belüftung zwischen Schild und Haut. • Neue Knopf- und Ringform

für die natürliche Entwicklung von Babys Mundinnenraum. • Geringes Volumen im Babymund dank optimaler Saugergeometrie; angepasst an Babys Alter • Die neue Saugergeometrie ist ergonomisch so entwickelt worden, dass sie noch weniger Platz im Mund einnimmt und eine freie Zungenbewegung ermöglicht. Dies ist für die natürliche Entwicklung von Gaumen und Kiefer sowie für die natürliche Sprachentwicklung wichtig. • Symmetrisch (Natural) und asymmetrisch (Dental): Beide Saugerformen ermöglichen natürliche Saugbewegungen. • Verstärkter Verankerungsrand für hohen Zugwiderstand • Erhöhte Wandstärke an den typischen Durchbeisspunkten • 4 verschiedene Grössen für die jeweilige ergonomische altersgerechte Anpassung an den Mundhohlraum • Das eingravierte Grössen-Tattoo an der SaugerInnenwand vereinfacht die Grössen-Erkennung und das korrekte Nachkaufen

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SAUGER: DENTALFORM

SAUGER: NATURALFORM

• Neue, verbesserte und optimierte dentale

• Neue, verbesserte und optimierte symmetrische

Saugerform

Saugerform

• Flacher, breiter, weniger Volumen

• Flacher, breiter, weniger Volumen

• Längerer Schaft: mehr Platz für Kiefer und Zähne

• Längerer Schaft: mehr Platz für Kiefer und Zähne

• Dünnerer Schaft: minimiert den Druck auf

• Dünnerer Schaft: minimiert den Druck auf

die Zähne, ermöglicht eine Ruhestellung des

die Zähne, ermöglicht eine Ruhestellung des

Unterkiefers

Unterkiefers

• Der konkave untere Teil des Saugers unterstützt die Zungenbewegung • Der abgeflachte asymmetrische Sauger unterstützt die natürliche Entwicklung von Gaumen und Kiefer sowie der Sprachentwicklung

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• Vereinfacht den Übergang vom nutritiven zum nicht-nutritiven Saugen • Abgeflachter symmetrischer Sauger mit brustähnlicher Form


SAUGER: NEUGEBORENE • bibi ® Newborn Natural und Dental Nuggis eignen sich besonders für die Bedürfnisse von Neugeborenen • Extra klein und leicht • Bereits für Babys geeignet, die bis zu zwei Monate vor Termin geboren wurden, daher ideal für den Einsatz in Frühgeborenen-Stationen • Die Saugergeometrie ist ergonomisch so entwickelt worden, dass sie wenig Platz im Mund einnimmt und eine freie Zungenbewegung ermöglicht. Dies ist für die natürliche Entwicklung von Gaumen und Kiefer sowie die natürliche Sprachentwicklung wichtig. • Die Schilde wurden ergonomisch an die kleinen Gesichter von Neugeborenen angepasst Da die Distanz zwischen Lippen, Kinn und Nase in den ersten zwei Monaten rasant wächst, kann man ab zwei Monaten auf die nächstgrösseren Schnuller der bibi ® Happiness-Generation für Jungen und Mädchen wechseln.

DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

55


GLOSSAR Anterior-posterior

Gastrointestinaler Reflux

Dabei handelt es sich um eine Lage- und Richtungs-

Gastrointestinal ist zusammengesetzt aus dem latei-

bezeichnung der Anatomie. «Anterior» steht für

nischen «gaster» – Magen und «intestinum» – Darm

vorne liegend, «posterior» für hinten liegend.

und heisst «den Magen-Darm-Trakt betreffend». «Reflux» bedeutet Rückfluss. Gemeint ist hier ist

Anthropometrie

Speien oder Spucken – also ein Zurückfliessen von

Anthropometrie ist die Lehre von der Ermittlung und

Mageninhalt in die Speiseröhre.

Anwendung der Masse des menschlichen Körpers. Anthropometrie wird vor allem in der Ergonomie zur

Guthrie-Test

Gestaltung von Arbeitsplätzen, Fahrzeugen und

Der Guthrie-Test wird an einem Blutstropfen durch-

anderen Gebrauchsgegenständen angewendet.

geführt, der zwischen dem 4. und 7. Lebenstag aus der Ferse des Neugeborenen entnommen wird. Er

Cavum oris proprium

ist Teil des Neugeborenenenscreenings und dient

Cavum oris proprium steht für die Haupthöhle der

der Früherkennung von angeborenen Stoffwechsel-

Mundhöhle (Cavum oris) und bezeichnet den Raum

und hormonellen Krankheiten.

zwischen den oberen und unteren Zahnreihen. Habit Dorsalverlagerung

Habit steht für Gewohnheit, Erlerntes, Anerzogenes.

Dorsal ist eine Lagebezeichnung und bedeutet,

In der Medizin und Pharmakologie spricht man auch

dass etwas hinten liegt. Bei einer Dorsalverlagerung

von Gewöhnung und bezeichnet damit die fort-

kommt es also zur Verschiebung eines Gewebes

schreitende Anpassung des menschlichen Körpers

nach hinten.

an immer höhere Dosen, zum Beispiel von Genussmitteln.

Endogen Endogen bedeutet, von innen kommend, im Körper­

Hämodynamisch

inneren bestehend. Das Gegenteil von «endogen»

Die Hämodynamik beschreibt den Blutfluss in den

ist «exogen».

Blutgefässen. Dieser ist abhängig von diversen Faktoren, wie zum Beispiel der Elastizität der Gefässe

Eustachische Röhre

oder der Zusammensetzung des Blutes.

Die Eustachische Röhre, auch Ohrtrompete genannt, ist eine bei Erwachsenen etwa 3,5 Zentimeter lange

Intrakraniell

paarige, röhrenartige Verbindung zwischen dem

Intrakraniell bedeutet «innerhalb des Schädels». Der

Mittelohr und dem Nasenrachen. Über die Ohrtrom-

Begriff wird für Strukturen oder Prozesse verwendet,

pete kann ein Luftdruckausgleich stattfinden, so

die in der Schädelhöhle, also im von den Schä-

dass der Druck im Mittelohr dem im Nasenrachen-

delknochen gebildeten Hohlraum liegen.

raum und somit dem Außendruck angeglichen wird. Kehlkopf Der Kehlkopf bildet den Eingang zur Luftröhre. Er schützt die Luftröhre vor Speisestücken. Der Kehlkopf ist aber auch mitbeteiligt an der Stimmbildung. Durch Muskelzug kann im Inneren des Kehlkopfs der Stellknorpel gedreht werden. Dadurch spannen oder lockern sich die Stimmbänder.

56


Konkav

Rezidiv

Von lateinisch «concavus» – ausgehöhlt, einwärts

«Rezidiv» steht für einen Rückfall, also das Wieder-

gewölbt. Bezeichnet eine Wölbung nach innen.

auftreten einer Krankheit, einer psychischen Störung oder deren Symptome nach einer Behandlung, die

Lateral

zeitweilig erfolgreich war.

Lateral ist eine Richtungsbezeichnung der Anatomie Sagittal

und steht für «seitlich».

Als Sagittalebene wird in der Anatomie eine sich Libido

vom Kopf zum Becken und vom Rücken zum Bauch

Der Begriff «Libido» bezeichnet in der Psychoana-

erstreckende Ebene bezeichnet. Das dazugehörige

lyse die seelische Antriebskraft der Sexualität und

Adjektiv heißt «sagittal» und entspricht der Bedeu-

der Liebe. Sie schliesst sowohl das Verlangen nach

tung «von vorne nach hinten verlaufend».

Sinnes- und Körperlust als auch das Bedürfnis nach persönlicher Zuneigung und Geborgenheit ein.

Somatisches/viszerales Schlucken Beim viszeralen (infantilen) Schlucken schiebt sich

Okklusion

die Zunge während des Schluckens zwischen die

Okklusion steht für den Verschluss eines Hohlorgans,

Zahnreihen. Spätestens bis zum vierten Lebensjahr

zum Beispiel eines Gefässes oder einer Körperpassa-

sollte dieser Schluckvorgang durch das somatische

ge. Die Okklusion kann durch körpereigenes Gewe-

(adulte) Schluckmuster ersetzt werden. Dabei liegt

be verursacht oder durch den Arzt im Rahmen eines

die Zunge während des Schluckens bei geschlosse-

chirurgischen Eingriffs gezielt durch Instrumente (z. B.

nen Zahnreihen im Mundraum.

Gefässklemme) vorgenommen werden. In der Zahnmedizin bezeichnet man jeglichen Kontakt zwischen

Stereognose

den Zähnen des Oberkiefers und des Unterkiefers als

Die Stereognose bezeichnet die Fähigkeit, Objek-

Okklusion.

te zu erkennen beziehungsweise voneinander zu unterscheiden. Abhängig vom daran beteiligten

Ontogenetisch

Sinnesorgan spricht man von manueller (mit der

Unter der Ontogenese oder der Ontogenie versteht

Hand), visueller (mit den Augen) oder oraler (mit

man allgemein die Geschichte des strukturellen

dem Mund) Stereognose.

Wandels einer Einheit ohne Verlust ihrer Organisa­ tion. In der Biologie steht der Begriff für die Entwick-

Viszerales Schlucken

lung des einzelnen Lebewesens von der befruchte-

(Siehe «somatisches Schlucken»)

ten Eizelle zum Erwachsenen. Orofazial «Orofazial» setzt sich zusammen aus dem lateinischen «os», das für Mund steht, und «facies» für Gesicht. Orofazial bedeutet daher «den Mund und das Gesicht betreffend». Prävalenz Die Prävalenz ist eine Kennzahl der Gesundheitsund

Krankheitslehre.

Sie

sagt

aus,

wie

viele

Menschen einer bestimmten Gruppe an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind.

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DER SCHNULLER UNTER WISSENSCHAFTLICHEN GESICHTSPUNKTEN

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