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Das bfu-Magazin für Präventionspartner

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UNFALLPRÄVENTION IM SPORT Ein Balanceakt zwischen Eigenverantwortung und Vorschriften

ZUCKERFABRIK AARBERG Erfolgreicher Besuchstag – Sicherheit inklusive

VERWAISTE ARBEITSPLÄTZE Handbuch für sichere Arbeitsfahrten


Inhalt

EDITORIAL

Sport lässt kaum jemanden kalt

DIE ZAHL Kurze Schlafpause zwischen Konzert und Heimreise

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FOKUS UNFALLPRÄVENTION IM SPORT Mit der richtigen Balance gegen Sportunfälle: Interview mit Hansjürg Thüler

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Der Hallenboden ist das A und O

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Standpunkt von Nationalrat Christian Lohr zum neuen Sportförderungsgesetz

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J+S und bfu machen gemeinsame Sache

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NETZWERK BETRIEBE Verwaiste Arbeitsplätze wegen Verkehrsunfällen: Die bfu reagiert!

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Besuchstag bei der Zuckerfabrik Aarberg: «Wir haben uns minutiös vorbereitet»

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NETZWERK KANTONE Mit dem Qualitätslabel «Fiesta» wird das Fest ein Erfolg

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KAMPAGNE Die bfu auf 33 x 28 mm

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IMPRESSUM Herausgeberin: bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Hodlerstrasse 5a, CH-3011 Bern, info@bfu.ch, www.bfu.ch, Tel. + 41 31 390 22 22 Adressänderungen: abo@bfu.ch Redaktion: Ursula Marti (wortreich gmbh), Magali Dubois (bfu), Rolf Moning (bfu), Tom Glanzmann (bfu) Redaktionsadresse: Ursula Marti, wortreich gmbh, Maulbeerstrasse 14, 3011 Bern, ursula.marti@wortreich-gmbh.ch, Tel. + 41 31 305 55 66 Korrektorat: Hedy Rudolf (bfu) Bildnachweise: Seiten 1, 15: Simone Wälti; Seiten 2, 4, 6, 9, 12: Iris Andermatt; Seiten 7, 11: zvg; Seite 8: BASPO/Ulrich Känzig; Seite 10: Keystone; Seite 13: Museumsnacht Bern; Seite 14: Giovanni Antonelli; Seite 16: Die Post

Letzten Sommer: Die Olympischen Spiele in London sowie die FussballEuropameisterschaft in Polen und der Ukraine zogen die Zuschauer in ihren Bann. Diesen Winter: Die Krise im Schweizer Ski-Alpin-Männerteam und die Präsenz der NHL-Superstars in den hiesigen Eishockey-Stadien bewegten die Fans. Spitzensport fasziniert und motiviert im Idealfall dazu, sich selber sportlich zu betätigen. Wenn wir Breitensportler allerdings unseren Vorbildern aus dem Profisport übermotiviert nacheifern, kann es schnell einmal zu Unfällen kommen. Der Spass ist dann arg getrübt und wir stellen uns kritische Fragen. Ähnliche Fragen, wie sie sich auch die bfu-Unfallforscher stellen: «Was passiert?», «Wie und warum passiert es?» und «Wie kann es verhindert werden?». Das bfu-Sicherheitsdossier «Unfallforschung Sport»1 gibt darauf Antworten. Es analysierte erstmals in der Schweiz wissenschaftlich das Unfallgeschehen, die Risikofaktoren sowie erfolgversprechende Präventionsmöglichkeiten für die 5 unfallrelevantesten Sportarten-Gruppen. Die bfu wird sich künftig noch stärker für die Sicherheit im Sport engagieren, wie im «Fokus» dieser Ausgabe zu lesen ist. Jährlich verletzen sich nämlich rund 300 000 in der Schweiz wohnhafte Personen bei Sportunfällen so schwer, dass sie ärztliche Behandlung benötigen; rund 140 werden getötet. Es gibt also bedeutendes Potenzial, um den unbestrittenen Nutzen des Sports noch zu erhöhen.

Layout: SRT Kurth & Partner AG, Ittigen Druck: UD Print AG, Luzern, klimaneutral gedruckt Auflage: Deutsch: 9200, Französisch: 3300, Italienisch: 1100. Das Magazin erscheint vierteljährlich. ISSN 2235-8846 (Print) / ISSN 2235-8854 (PDF) © Wiedergabe von Artikeln nur mit Genehmigung der Redaktion und unter vollständiger Quellenangabe.

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Rolf Moning 1 

Sie finden das bfu-Sicherheitsdossier auf www.bfu.ch/bestellen (Art.-Nr. 2.106).


DIE ZAHL

Kurze Schlafpause zwischen Konzert und Heimreise TURBOSCHLAF 2013 steht die mehrjährige Müdigkeitskampagne der bfu und ihrer Partner ganz im Zeichen der jungen Fahrzeuglenkenden. An Musikfestivals werden die jungen Leute direkt angesprochen. Sie werden eingeladen, in einem speziellen Bus einen Turboschlaf von 15 Minuten zu machen, bevor sie sich für die Heimreise ans Steuer setzen. Aus der Unfallforschung geht klar hervor, dass die 18- bis 24-jährigen Männer ein besonders hohes Unfallrisiko aufweisen, vor allem in den Nachtstunden des Wochenendes. D ­ eshalb konzentriert sich die diesjährige Müdigkeitskampagne auf diese Zielgruppe. Im Vordergrund steht das Bekanntmachen des 15-minütigen Turboschlafs, des einzig wirksamen Mittels gegen Müdigkeit am Steuer – auch nach dem Ausgang. Die jungen Leute sollen nicht nur über die bewährten Einsatzmittel (Plakate, Kino-, Web- und TV-Spots, Online-Banner, Inserate), sondern auch ganz direkt angesprochen werden, erläutert Kampagnenleiterin Nathalie Wirtner: «Wir werden mit einem Tur-

boschlaf-Bus an diversen Musikfestivals in der West- und Deutschschweiz präsent sein, um die jungen Fahrzeug-

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lenkenden vor Ort auf die Problematik der Übermüdung am Steuer aufmerksam zu machen. Wer möchte, kann bei uns einen Kaffee trinken, sich informieren oder auch gleich einen Turboschlaf von 15 Minuten machen.»

An Musikfestivals können junge Leute auf sympathische und emotionale Weise angesprochen werden. Die bfu erhofft sich davon eine stärkere Sensibilisierung. Nathalie Wirtner: «Der erste Schritt besteht darin, den Leuten bewusst zu machen, dass bei Müdigkeit am Steuer nur genügend Schlaf das Unfallrisiko wesentlich senken kann und unterwegs einzig der Turboschlaf wirkt.» Weiter gehe es darum, Alternativen aufzuzeigen, also den ÖV oder ein Taxi zu nutzen oder vor Ort eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Informationen auf www.turbo­schlaf.ch mit Wettbewerb (Tickets für Musikfestivals zu gewinnen), Einsatzorten des Buses, Tipps und Videoanleitung für den Turboschlaf. um

ZOOM

bfu-Forum 2012 zur Sicherheit von Junglenkern «Warum fahren die Jungen so, als würde ihnen ein Teil des Gehirns fehlen? Ganz einfach: Weil es genau so ist!» Dieser scherzhafte Spruch enthält ein Stück Wahrheit, wie Divera Twisk, Forscherin beim niederländischen Institut für Verkehrssicherheit SWOV am 14. bfu-Forum vom 27.11.2012 in Bern ausführte. Sie erläuterte die Ergebnisse eines OECDForschungsprojekts zur Unfallhäufigkeit und den Risikofaktoren von Junglenkern

in Europa. Die Studie zeigt, dass junge Männer weit weniger von der zunehmenden Verkehrssicherheit profitieren als junge Frauen. Dies unter anderem, weil ihnen aus physiologischen Gründen häufig die nötige Reife noch fehlt, um der komplexen und gefährlichen Aufgabe des Autofahrens gewachsen zu sein. Müsste deshalb das Mindestalter für den Erwerb des Fahrausweises herauf-

gesetzt werden? Eine knifflige Frage, die Vertreter aus Forschung, Politik und Verwaltung am bfu-Forum diskutierten. Ebenfalls genauer unter die Lupe genommen wurde die 2005 in der Schweiz eingeführte Zweiphasenausbildung. Auch wenn diese ihre Wirkung langsam zu entfalten beginnt, müssen die Ausbildungskurse dringend optimiert werden, wie ein vom ASTRA in Auftrag gegebener Bericht der bfu zeigt. md

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FOKUS UNFALLPRÄVENTION IM SPORT

Mit der richtigen Balance gegen Sportunfälle AUSBLICK Neben technischen und organisatorischen Massnahmen stehen in der Sportunfallprävention vermehrt auch rechtliche Fragen im Zentrum. Hansjürg Thüler erläutert, wie die bfu in den nächsten Jahren Sportunfälle verhindern will.

Auf der Suche nach einer guten Balance zwischen Sicherheit und Risiko: Hansjürg Thüler, Leiter der bfu-Sportabteilung. Er ist dipl. Turn- und Sportlehrer, Erwachsenenbildner, Eishockeytrainer und passionierter Spiel-, Winter- und Kraftsportler.

Herr Thüler, Sie leiten seit gut einem Jahr die bfu-Sportabteilung. Welches ist Ihr wichtigster Leitsatz für die Unfallprävention im Sport? Besser werden kann man im Sport nur, wenn man auch mit Risiken richtig umgehen kann. Was heisst für Sie, richtig mit Risiken umzugehen? Praktisch jede Sportart birgt spezifische Risiken. Sportlerinnen und Sportler 4

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müssen diese zuerst kennen, das heisst wahrnehmen und richtig beurteilen. Ohne realistische Selbsteinschätzung geht das nicht. Anschliessend müssen sie die richtigen Entscheide treffen und umsetzen. Das kann auch heissen, ein Risiko als zu gross zu beurteilen und die geplante Handlung nicht auszuführen. Die bfu ist daran, die Sportunfall­ verhütung weiterzuentwickeln. Sagen wir es so: Wir sind in einem Pro-

zess, wir passen die bestehenden Instrumente den aktuellen Begebenheiten an. Es gibt neue oder exaktere Erkenntnisse zum Unfallgeschehen und zu Präventionsmassnahmen, die wir – zusammen mit unseren Partnern – umsetzen wollen. Welches sind die heutigen Heraus­forderungen? Verschiedene. In einigen Sportarten, vor allem im Outdoor-Bereich, tum-


meln sich viele Ungeübte. Ihnen sind die bestehenden Gefahren oft gar nicht bewusst. Häufig findet auch keine Vorbereitung und keine mentale Auseinandersetzung mit der Sportart statt. Festzustellen ist das beispielsweise beim Bergwandern oder Schlitteln. Eine andere aktuelle Herausforderung sind die rechtlichen Fragen. Inwiefern? Mit dem neuen Sportförderungsgesetz (siehe S. 7) ist es gelungen, die Unfallprävention in die Sportpolitik einzubringen und gesetzlich zu verankern. Nun wird sich zeigen, wie sich das auswirkt. Was erhofft sich die bfu davon? Dass sich nun die Stellen des Bundes, aber auch der Kantone und Gemeinden, die mit Sport zu tun haben, vermehrt überlegen und darlegen, wie sie die Unfallprävention umsetzen wollen. Es betrifft Organisationen wie Jugend+Sport (siehe S. 8/9), aber auch die Sportverbände oder Schulen. Wir unterstützen sie dabei. In der Sportunfallprävention haben technische Massnahmen ein grosses Gewicht. Was ist darunter zu verstehen? Darunter versteht man, zum Beispiel durch bauliche Vorkehrungen eine Anlage – sei es eine Piste, eine Mountainbike-Anlage, ein Hallenbad –, ein Sportgerät oder die Schutzausrüstung sicherer zu machen. Man spricht dabei von Verhältnisprävention. Was sind organisatorische Massnahmen? Diese verändern das Sportsetting durch gezielte Informationen und Anweisungen. Dazu gehört beispielsweise, eine Gruppe so zusammenzusetzen, dass niemand überfordert ist, oder der Einsatz von Checklisten. Klare organisatorische Massnahmen verbessern

auch die Verhältnisse – wie gut das wirkt, hängt nicht zuletzt von der konsequenten Anwendung der Sporttreibenden ab. Das wäre dann der Appell an das sichere Verhalten jedes Einzelnen? Richtig, hier sprechen wir von Verhaltensprävention. Sie ist wichtig und wird von der bfu ebenfalls gefördert. Trotzdem darf man nicht zu euphorisch sein: Die Wirkung von verhaltensorientierten Massnahmen ist leider oft nicht sehr gross, da das Verhalten der Menschen bisweilen auch fehleranfällig ist. Zudem sind Sicherheitsempfehlungen nicht allen bekannt – und nicht alle wollen sie befolgen. Welche Rolle spielen Gesetze und Sanktionen für die Sportunfall­ verhütung? Die meisten Sportaktivitäten finden in der Freizeit statt und sind freiwillig. Daher spielen hier Gesetze und Sanktionen eine kleinere Rolle als im Strassenverkehr oder in der Arbeitssicherheit. Zudem ist die Fremdgefährdung im Sport häufig kleiner. Hier gehen wir stärker von der Eigenverantwortung aus. Wird diese allerdings nur unzureichend gelebt, sind vermehrt Regeln und letztlich Gesetze nötig.

Neues bfu-Forum Sport Unter dem Titel «Wie viel Unfallprävention erträgt der Sport?» führt die bfu erstmals das Forum Sport durch. Der Anlass thematisiert die Gratwanderung zwischen Freiheit und Verboten. Diskutiert werden der heutige Umgang mit den Risiken sowie wirk-

An welche denken Sie? Anzustreben sind solche besonders in kommerziellen Settings und dort, wo es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht. Wer im Ferienhotel eine Flussfahrt oder einen Tauchkurs bucht, soll sich darauf verlassen können, dass verbindliche Sicherheitsregeln gelten. Genauso soll es im geleiteten Sportunterricht klare Regeln geben. Weder bei Feriengästen noch bei Kindern dürfen wir von einem ausreichenden eigenen Gefahrenbewusstsein ausgehen. Wo steht die Sportunfallverhütung in 5 Jahren? Wenn die zur Verfügung stehende (Frei-) Zeit weiter wächst und die ­Aktivitäten von Ungeübten weiter zunehmen, kann leider nicht von weniger Sportunfällen ausgegangen werden. Gezielte Präventionsmassnahmen werden sicher nötig sein. Wenn es gelingt, die als wirksam eingestuften Massnahmen umzusetzen, können wir die Verhältnisse verbessern und einige Risikofaktoren positiv beeinflussen – und zwar ohne uns durch übertriebene und unnötige Präventionsvorschriften die Freude am Sport nehmen zu lassen. Ich bin selber Sportler und will ganz und gar nicht alles verbieten! Interview: Ursula Marti

same, der Praxis angepasste Präven­ tionsmassnahmen. Der Anlass für Fachpersonen und Interessierte findet am 22. Mai 2013, 15.00 Uhr, im Haus des Sports in Ittigen BE statt. Informationen und Anmeldung auf www.bfu.ch.

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FOKUS UNFALLPRÄVENTION IM SPORT

«Der Hallenboden ist das A und O» SICHERE SPORTHALLEN Sportanlagen so bauen und pflegen, dass die Unfallgefahr möglichst gering gehalten werden kann – dafür engagiert sich bfu-Berater Markus Buchser seit langem. Er weist auf die Wichtigkeit von sauberen Böden hin.

Beim Bau oder bei Sanierungen von Sportanlagen wird der Unfallverhütung heute eine wichtige Rolle beigemessen. Die bfu stellt dafür Fachdokumentationen zur Verfügung, anhand derer die verantwortlichen Planerinnen und Planer alle sicherheitsrelevanten Faktoren berücksichtigen können. Zudem führt bfu-Berater Markus Buchser zahlreiche Beratungen vor Ort durch: Pro Jahr besichtigt er etwa 30 Sportanlagen, meist Hallen oder Bäderanlagen. Zusammen mit den Auskünften am Telefon und per Mail kommt er auf fast 1000 Beratungen. «Eines der häufigsten Themen ist die Wahl des geeigneten Hallenbodens. Ein zu glatter Belag macht koordinierte Bewegungen auf dem Boden unmöglich. Aber auch ein zu stumpfer Boden kann zu Verletzungen führen», sagt Buchser. Zudem sei in Sporthallen besonders darauf zu achten, dass keine Elemente – Sportgeräte, Heizkörper, Fenster oder Türgriffe – hervorstehen. Es gelte das «Prinzip der glatten Wand». Aufwändige Reinigung leicht gemacht

bfu-Berater Markus Buchser freut sich über die neu entwickelte Reinigungsmaschine, die den Hallenboden schnell und gründlich säubert.

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Alleine mit dem Bau einer Anlage ist es jedoch nicht getan. Auch der Unterhalt und die Reinigung spielen eine Rolle. «Ein grosses Problem ist Staub auf dem Hallenboden. Er vermindert die Standsicherheit, man rutscht darauf leicht aus, was je nach Sportart äusserst gefährlich sein kann», weiss Buchser.

Sporthallen sind gesucht und stark belegt. Oft haben die Hauswarte zwischen Schullektionen und Vereinstrainings kaum noch Zeit für das aufwändige Putzen. Bei der Stadt Basel entstand deshalb die Idee, für grosse Mehrfachhallen ein programmierbares Reinigungsgerät zu entwickeln, das Hallenböden selbstständig reinigt. Die eigens dafür gegründete Firma Infrasport nahm sich dieses Anliegens an und entwickelte den «Bodenwart 240». Das neuartige Gerät kann in 15 Minuten eine Nassreinigung durchführen, indem es mit zwei Walzenbürsten, Wasser und Reinigungsmittel den gesamten Hallenboden abfährt. Etwas mehr Zeit benötigt die Grundreinigung oder das spezielle Programm zum Entfernen von Harzrückständen auf dem Boden. Der Hauswart setzt den Roboter in Betrieb und versorgt ihn am Schluss wieder an seinen Platz im Geräteraum – dazwischen kann er sich anderen Arbeiten widmen. Markus Buchser ist überzeugt, dass sich bei grossen Hallenflächen die Investition in ein solches Gerät lohnt und wird künftig bei seinen Beratungen von Planern und Betreibern von Sportanlagen darauf hinweisen. «Der Hallenboden ist das A und O. Richtig ausgewählt, gepflegt und sauber ist er die Basis für sicheres Sporttreiben in der Halle». Ursula Marti

Bezugsquelle: www.infrasport.ch


«Die Freude am Sport soll ungetrübt sein» STANDPUNKT von Nationalrat Christian Lohr (CVP) zum neu eingeführten Sportförderungsgesetz.

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port zu treiben, sich regelmässig zu bewegen, das macht der eigenen Gesundheit zuliebe viel Sinn. Die Freude am Sport soll aber nicht durch Verletzungen beeinträchtigt werden. Im neuen Sportförderungsgesetz SpoFöG ist deshalb die nachhaltige Unfallverhütung ein wichtiges Aktionsfeld. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist auch an eine Senkung der direkten Behandlungskosten sowie des hohen Produktivitätsausfalls für die Wirtschaft zu denken. Die Förderung von Sport und Bewegung ist in der Schweiz seit dem 1. Oktober 2012 in einem eigenen Bundesgesetz geregelt. Die inhaltliche Basis für das neue Sportförderungsgesetz gründet auf «dem Interesse an der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Gesundheit der Bevölkerung, der ganzheitlichen Bildung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts» (Art. 1). Als eines der 5 Hauptziele wird die Verhinderung von Unfällen bei Sport und Bewegung genannt. Explizite Erwähnung findet dieses wichtige Thema auch in der Sportförderungsverordnung SpoFöV in den Artikeln 11, 15 und 35, die die Pflichten und Aufgaben der Organisatoren von J+S-Angeboten, der J+S-Kadermitglieder sowie der verantwortlichen Personen im Bereich des Erwachsenensports festhalten. War es denn überhaupt nötig, in unserem Land ein solches Sportförderungsgesetz zu schaffen? Vieles hat schon vorher bestens funktioniert, nicht wenige der im Gesetz und in der Verordnung aufge

Nationalrat Christian Lohr will ein Gleichgewicht zwischen Eigenverantwortung und Solidarität.

führten Punkte haben sich als Selbstverständlichkeiten bewährt. Dennoch war es für mich ein vernünftiger Schritt, verschiedene überaus wertvolle Aspekte der Sportförderung neu einzuführen bzw. klarer zu formulieren. Damit wird der gesellschaftlichen Bedeutung von Sport und Bewegung für die Gesundheit verstärkt Rechnung getragen. Die Sammlung von sinnvollen und auch umsetzbaren Vorschriften ist meiner Einschätzung nach knapp gehalten, genau so wie es dem freiheitlichen und fairen Geist entspricht, der im Sport steckt. Es ist gut, wenn sich immer mehr Menschen sportlich bewegen. Die Anzahl der Sportunfälle muss – ja darf – deswegen aber nicht weiter ansteigen. «Clever-

ness im Sport» bedeutet für mich, auch den Erhalt der Gesundheit bei der Ausübung der rund 70 vom Bund geförderten Sportarten als eines der erstrebenswerten Resultate zu betrachten. Die Freude am Sport soll dabei jederzeit ungetrübt bleiben. Das Sportförderungsgesetz erlaubt es, die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern. Da und dort Spielregeln zu definieren ist nicht eine Einschränkung von individuellen Bedürfnissen. Sicherheitsstandards beispielsweise bieten Gewähr, dass die Risiken für jeden Einzelnen deutlich gesenkt werden können. Für mich geht es auch darum, ein gutes Gleichgewicht zwischen Eigenverantwortung und Solidarität – auch im Sport – zu erreichen. • sicher leben 1 / 2013 7


FOKUS UNFALLPRÄVENTION IM SPORT

J+S und bfu machen gemeinsame Sache JUGENDSPORT Die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Sport BASPO und der bfu hat Tradition. Nun wurde ein neues Kooperationsprojekt zwischen dem Bereich Jugend+Sport und der bfu lanciert. Es hat zum Ziel, die Sicherheit bei allen 70 J+S-Sportarten zu verstärken.

Jugendliche trainieren mit dem Kanu Slalom auf dem Schüsskanal in Biel.

«Das gemeinsame Projekt mit der bfu ist gerade gestartet», sagt Matthias Rudin, Verantwortlicher für den Fachbereich Sicherheit – Integration – Prävention von Jugend+Sport (J+S). «In einer ersten Sitzung haben wir die Strategie besprochen, mit der wir die Sicherheit bei den einzelnen Sportarten noch verbessern können.» J+S bietet Kurse für über 70 verschiedene Sportarten an. Diese werden nun im Rahmen des Projekts zusammen mit den jeweiligen J+S-Fachleitungen hinsichtlich der Unfallprävention überprüft. Sicherheits­anforderungen

«Bei dem breiten Angebot an Sportarten gibt es keine allgemeingültige 8

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Lösung», erklärt Rudin, «denn alle haben ein ganz unterschiedliches Gefahrenprofil. Ein Tischtennis-Leiter wird nicht so viel Zeit in die Sicherheit investieren müssen wie beispielsweise ein Kanusport-Leiter.» Aus diesem Grund werden alle Sportarten einzeln betrachtet und analysiert. J+S unterscheidet dabei zwischen A-Sportarten (ohne besondere Sicherheitsbestimmungen) und B-Sportarten (mit besonderen Sicherheitsbestimmungen). In einer ersten Phase des Projekts werden die Bedürfnisse definiert. «Wir fangen voraussichtlich mit 3 Sportarten an. Wir werden beispielsweise mit den Fussball-Experten zusammensitzen und gemeinsam erörtern, welche

Sicherheitsmassnahmen sinnvoll sind und auf welcher Stufe was kommuniziert werden muss.» Es ist zu klären, ob sich Informationen an die Kursleiterinnen und Kursleiter oder eher an die Teilnehmenden richten. Je nachdem werden zusätzliche Kurs- und Modulinhalte für die Grundausbildung oder die Weiterbildung geschaffen oder Informationsbroschüren für die Kinder und Jugendlichen bereitgestellt. Gefahren richtig einschätzen

«Unser Ziel ist, dass wir die Unfälle und Verletzungen in den einzelnen Sportarten verringern können», betont Rudin. Zum einen gehört da die


richtige Ausrüstung dazu. «Eine J+SLeiterin oder ein J+S-Leiter Inlinehockey weiss, dass die Kinder und Jugendlichen diverse Schoner und einen Helm tragen müssen. Diese Sicherheitsvorkehrungen können mit einer einfachen Check-up-Liste abgefragt werden.» Es gehe zum andern aber auch darum, dass Gefahren richtig eingeschätzt würden, zum Beispiel beim Lagersport / Trekking. «Kann ich hier eine Seilbahn bauen? Worauf muss ich achten? Welches sind die Entscheidungsgrundlagen?» ­Solche und ähnliche Fragen müssen sich die Kursleiterinnen und -leiter gemäss Rudin stellen. Die Ansprüche an diese Personen sind sehr hoch.

Informationsmaterial, wie zum Beispiel zum Berg- oder Schneesport. Dieses Know-how wird in den Prozess von J+S miteinbezogen, wie Rudin betont: «Die Zusammenarbeit beider Institutionen funktioniert sehr gut und wir stossen mit unseren Inputs auf offene Ohren. Wir streben eine Win-Win-Situation an. Einerseits können wir von der Erfahrung der bfu profitieren. Auf

der anderen Seite haben wir ein breites Netzwerk, um diese Informationen weiterzugeben.» Beim BASPO und bei der bfu geht man davon aus, dass bis Ende 2014 für alle Sportarten ein ausgereiftes Konzept zur Gefahrenverminderung ausgearbeitet und kommuniziert sein wird. Vanessa Kuhn

Breiter Informationskanal

Das erste Augenmerk im Projekt gilt den beliebten, aber auch heiklen Sportarten wie Fussball oder Schwimmen. Anschliessend sind weitere Sportarten mit kleinerem Unfallrisiko an der Reihe. Bei der bfu existiert für einzelne Sportarten bereits umfassendes

Matthias Rudin, Verantwortlicher Fachbereich Sicherheit – Integration – Prävention von J+S vor der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen

Zahlen und Fakten von Jugend+Sport J+S gestaltet und fördert jugendgerechten Sport. Die Kurse und Lager ermöglichen Kindern und Jugendlichen, Sport ganzheitlich zu erleben und mitzugestalten. Zusätzlich werden unter pädagogischen, sozialen und gesundheitlichen Gesichtspunkten die Entwicklung und Entfaltung junger Menschen unterstützt. Einige Zahlen: • mehr als 70 Sportarten und Disziplinen • jährlich 55 000 Kurse und Lager mit rund 700 000 Teilnehmenden (5- bis 20-jährig) • mehr als 65 000 tätige Leiterinnen und Leiter (jährlich werden 12 000 neu ausgebildet)

• fast

9000 aktive Coaches 3500 Expertinnen und Experten • über 3000 Aus- und Weiterbildungsmodule pro Jahr • über

Der Bund und die Kantone führen die Institution in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Sportverbänden. Der Bund unterstützt die Vereine, Verbände und Kantone bei ihrer Jugendarbeit mit jährlich rund 60 Millionen Franken. Neben der direkten finanziellen Unterstützung werden Aus- und Weiterbildungsangebote, Lehrunterlagen und Leihmaterial zur Verfügung gestellt. Die Kantone sind

mit ihren J+S-Amtsstellen die engsten Partner für J+S Magglingen. Sie nehmen vielfältige Aufgaben in der Kaderbildung wahr, erledigen die Administration der Jugendausbildung und sorgen für die Einhaltung der Regeln. Die Verbände stellen Fachpersonen für die Entwicklung ihrer Sportart und die J+S-Aus- und Weiterbildungsmodule zur Verfügung. Die Vereine sorgen für altersgerechte und nachhaltige Angebote und setzen die J+S-Gelder ziel­ gerichtet für den Jugendsport ein. www.jugendundsport.ch, www.baspo.ch

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NETZWERK BETRIEBE

Verwaiste Arbeitsplätze wegen Verkehrsunfällen: die bfu reagiert! HANDBUCH ZU ARBEITSFAHRTEN Ein Drittel der Verkehrsunfälle in der Schweiz ereignet sich auf Dienstfahrten oder dem Arbeitsweg. Die bfu geht deshalb in die Offensive und bietet den Unternehmen ein neues Handbuch an mit dem Titel «Sicher ankommen im Strassenverkehr».

an Schweizer Verhältnisse anzupassen. Sie erarbeitete daraufhin ein Handbuch für Verantwortliche von Fahrzeugflotten und für Gesundheits- und Sicherheitsfachleute in Unternehmen. Zwei Monate weg von der Arbeit

Mit dem Projekt PRAISE sollen Unfälle auf Arbeitsfahrten verhindert werden.

Mit welchen Massnahmen kann ein Unternehmen zur Vermeidung von Verkehrsunfällen bei Dienstfahrten beitragen? Auf europäischer Ebene wurde diese Frage vom «European Transport 10

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Safety Council» (ETSC) gestellt und das Projekt PRAISE lanciert: Preventing Road Accidents and Injuries for the Safety of Employees. Die bfu machte sich daran, das internationale Projekt

Auf Dienstfahrten verunfallte Personen mit Anrecht auf Lohnfortzahlung bleiben dem Arbeitsplatz im Durchschnitt während 60 Tagen fern. Das sind mehr als 2 Monate Arbeitsausfall. Es ist deshalb klar, dass ein Verkehrsunfall nicht nur viel Leid verursacht, sondern auch bedeutende wirtschaftliche Folgen für den Betrieb nach sich zieht. Um dem entgegenzuwirken, thematisiert das bfu-Handbuch zentrale Fragen wie Alkohol, Drogen und Medikamente, Müdigkeit am Steuer, Ablenkung, Geschwindigkeit oder auch Ladungssicherung. Mit Vorlagen, Checklisten, Schulungsangeboten und individuellen Beratungen stellt die bfu den Betrieben Instrumente und Wissen zur Verfügung, um sie in ihren Anstrengungen für die Unfallprävention zu unterstützen. Zu beachten ist, dass sich das Handbuch in erster Linie an Unternehmen mit einer relativ grossen Fahrzeugflotte von mindestens 50 Fahrzeugen richtet. Es wurde denn auch in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Fahrzeugf lottenbesitzerverband erarbeitet. Magali Dubois


Nestlé als Vor­reiterin 2008 lancierte Nestlé das Projekt «Safe Driving», das die gleichen Ziele verfolgt wie PRAISE. Eine Zusammenarbeit zwischen Nestlé und bfu war die Folge. Olivier Flury vom Komitee für Verkehrssicherheit, das für das Programm «Safe Driving» verantwortlich ist, gibt Auskunft.

derlassungen bei der Umsetzung der Programme sowie beim Reporting von Unfalldaten, gefahrenen Kilometern und Benzinverbrauch.

Olivier Flury ist Mitglied des Komitees für Verkehrssicherheit von Nestlé.

sicher leben: Herr Flury, was genau beinhaltet das Programm «Safe Driving» von Nestlé? Olivier Flury: Das Projekt befasst sich mit der weltweiten Umsetzung von Verkehrssicherheitsprogrammen in den verschiedenen Niederlassungen unseres multinationalen Unternehmens. Wir haben eine Risikomanagement-Strategie festgelegt, die auf bekannten Methoden beruht, um Risiken und Gefahren

Schulung Der Einsatz des Handbuchs ist verbunden mit der Teilnahme an einem bfu-Ausbildungskurs zur Sicherheit auf Arbeitsfahrten. Der Kurs findet für die Deutschschweiz am 5. und 6. Juni 2013 in Bern statt, für die

im Strassenverkehr zu erkennen und zu analysieren. Diese können sich in unserem Unternehmen von Land zu Land unterscheiden. Wir haben eine Kontrollliste mit 10 Punkten verfasst, die verschiedene Themen abdeckt wie die Erarbeitung einer Verkehrssicherheitspolitik, die Risikoanalyse, die Kommunikation usw. Unser «Safe Driving Tool Kit» beinhaltet all diese verschiedenen Elemente und unterstützt unsere Nie-

Westschweiz am 26. und 27. Juni 2013 in Bussigny. Im Tessin wird die Schulung gemäss Nachfrage orga­ni­ siert. Interessierte Personen können via w ­ ww.sicherankommen.bfu.ch Kontakt aufnehmen.

Was bringt Ihnen die Unterstützung durch die bfu? Die bfu bringt ihre Erfahrung in der Unfallverhütung sowie eine Aussensicht ein. Und da die Ziele ihres Handbuchs die gleichen sind wie unsere, schien es uns naheliegend, ihren Berater für Nichtbetriebsunfälle in Betrieben, Christian Wyssmüller, als externen Experten beizuziehen. Er hat uns geholfen, die Module des bfu-Handbuchs in unser Programm zu integrieren. Somit wir auch das erste Schweizer Unternehmen, das diese Zusammenarbeit realisiert hat. Ihr Programm stammt von 2008, Sie haben sicher bereits erste Ergebnisse? Über alle Nestlé-Betriebe gesehen sind Verkehrsunfälle trotz ­hervorragender lokaler Programme nach wie vor der Hauptgrund für Todesfälle. In der Schweiz hingegen hatten wir seit über 10 Jahren keine Todesfälle oder Unfälle mit Schwerverletzten mehr. Wir führen das zurück auf unsere Anstrengungen im Bereich der Prävention, der Ausbildung und der Anwendung der geltenden Sicherheitsregeln. Zudem haben wir festgestellt, dass bei so grossen Fahrzeugflotten wie den unsrigen sich die Einhaltung der Geschwindigkeitslimiten und ein zurückhaltender Fahrstil positiv auf die Benzinkosten auswirken – ein für das Unternehmen nicht zu vernachlässigender Faktor. Interview: Magali Dubois

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NETZWERK BETRIEBE

«Wir haben uns minutiös vorbereitet» BESUCHSTAG Zu ihrem 100-jährigen Jubiläum öffnete die Zuckerfabrik Aarberg 3 Tage lang ihre Tore für die Bevölkerung. Tausende von Personen liessen sich diese Gelegenheit nicht entgehen und verfolgten die Zuckerproduktion von nahem. Eine Herausforderung für Logistik und Sicherheit.

Thomas Frankenfeld (links), Werkleiter, und Markus Nobs, bfu-Chef-Sicherheitsdelegierter, auf dem Areal der Zuckerfabrik Aarberg.

Ein herb-süsser Duft liegt in der Luft, gedämpfter Lärm dringt aus den verschiedenen Fabrikationshallen. Werkleiter Thomas Frankenfeld und bfuChef-Sicherheitsdelegierter Markus Nobs überblicken das Gelände der Zuckerfabrik Aarberg und lassen den Tag der offenen Türe vom Oktober 2012, anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Unternehmens, Revue passieren. «Das Interesse war riesig», berichtet Thomas Frankenfeld, «verteilt auf 12

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3 Tage empfingen wir rund 14 000 Besucherinnen und Besucher.» Es zeigt, wie stark die Fabrik in Aarberg und Umgebung verankert ist – als Arbeitgeberin und als Abnehmerin von Zuckerrüben aus vielen Seeländer Bauernbetrieben. Anspruchsvoller Rundgang

Die Bewältigung dieser Besuchermenge war eine grosse Herausforderung. «Es war machbar, indem wir einen klaren

Rundgang vorgegeben und diesen minutiös vorbereitet haben», erklärt Frankenfeld. Die Sicherheit war ein zentrales Anliegen, weshalb der Werkleiter frühzeitg den bfu-Chef-Sicherheitsdelegierten Markus Nobs mit ins Boot holte. Zusammen wurden im Vorfeld sämtliche organisatorischen und technischen Fragen besprochen und vor Ort angeschaut. Sehr zur Zufriedenheit des Werkleiters: «Wenn man selber täglich


im Betrieb ist, übersieht man vieles. Der externe Blick des Sicherheitsspezialisten und seine kritischen Fragen waren deshalb sehr hilfreich.» Und der bfu-Fachmann Markus Nobs gibt das Kompliment gleich zurück: «Die Anlage war aus Sicht der Arbeitssicherheit bereits auf einem guten Stand. Durch die Öffnung des Werks für Besuchende kam eine zusätzliche Dimension dazu. Diese Wechselwirkung war spannend.» Der Rundgang war anspruchsvoll. Da es von der Rübe bis zum fertigen Zucker zahlreiche Verarbeitungsschritte braucht, führte der Weg an mehreren Produktionsanlagen im Freien und in Hallen vorbei. Sie Besuchenden gingen über steile Treppen und Passerellen in luftiger Höhe. Die waren dabei von wechselnden Gerüchen und Temperaturen und zuweilen ohrenbetäubendem Lärm umgeben. Die Tour dauerte 1 bis 1 ½ Stunden, je nach persönlichem Gehtempo. Umsichtige Vorbereitung

Die allererste Sicherheitsmassnahme bestand darin, die Gäste zu informieren, dass sich der Rundgang nur für körperlich fitte und schwindel-

freie Personen eignet und dass sie die Gehörschutzpfropfen, die gratis abgegeben wurden, verwenden sollen. Die grösste Herausforderung aber war die Absicherung des Rundgangs. Der gesamte Besucherbereich war mit rot-weissen Bändern und Ketten abgegrenzt, Geländer und Abdeckungen schützten vor dem Herunterfallen. Der bfu-Chef-Sicherheitsdelegierte hatte auf einige versteckte Gefahren aufmerksam gemacht wie schlecht erkennbare Sockel und Absätze oder hervorstehende Elemente im Kopfbereich. Diese konnten alle eleminiert werden. «Wir haben vieles bedacht», sagt Nobs. «Wir waren uns bewusst, dass es auch Kinder auf dem Rundgang haben würde und die Eltern – und überhaupt alle Besuchenden – durch das Beobachten der Maschinen abgelenkt sein würden.» Umso grösser mussten die Vorsichtsmassnahmen sein. An gewissen Stellen musste man für grössere Menschenansammlungen gewappnet sein, obwohl die Personen zeitlich gestaffelt eingelassen wurden und der Rundgang grundsätzlich nur in einer Richtung geführt wurde. «Wir haben zudem darauf ge-

achtet, dass sich die Besuchenden gut orientieren konnten. Sie haben immer zum Voraus gesehen, wo der Weg als nächstes hinführen wird, und wir haben entlang der Strecke rund 30 Aufsichtspersonen eingesetzt und Notausgänge vorgesehen», ergänzt Thomas Frankenfeld. Kein einziger Unfall

Der Einsatz hat sich gelohnt, sind beide Männer rückblickend überzeugt. «Es war eine tolle Stimmung», schwärmt Thomas Frankenfeld. «Unser Ziel, die Zuckerfabrik möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, haben wir erreicht.» Am Ende des Rundgangs erwarteten die Besuchenden ein Festzelt und verschiedene Attraktionen für Jung und Alt. Ein Dokumentarfilm zur Geschichte des Schweizer Zuckers sowie eine Live-Demonstration zur Rübenernte von einst und jetzt rundeten das Programm ab. Auch der bfu-Chef-Sicherheitsdelegierte blickt zufrieden zurück: «Es gab keine Unfälle. Die Sanität musste bloss ein Nasenbluten behandeln.» Ursula Marti

ANGESAGT

Eine Nacht und ein Tag Magisches Licht, glückliche Nachtschwärmer und offene Museumstüren … die Berner Museumsnacht lädt auch 2013 wieder zum Entdecken ein. Für die bfu ist die Museumsnacht am 22. März etwas ganz Besonderes: Als Gastteilnehmerin öffnet sie ebenfalls ihre Türen. Unter dem Motto « ... des Lebens» zeigt die bfu Fotos und Plakate aus vergangenen Zeiten, die Präventionsausstellung, verborgene unterirdische Gänge und verwöhnt die Besuchenden mit ­Klängen, Kulinarischem und vielem mehr. Das ganze Programm der Museumsnacht fin-

den Sie auf www.museumsnacht-bern.ch. Der 19. Juni 2013 ist eher für Tagschwärmer. Die bfu lädt Sicherheitsde­ legierte, Verkehrsinstruktoren und Sicherheitsbeauftragte von Betrieben zu einem Präventionsanlass im Berner Kursaal ein. Hierbei steht das Gestern, Heute und Morgen der Unfallverhütung im Zentrum. Gewinnen Sie 5 x 2 Eintritte für die Berner Museumsnacht vom 22. März: Schreiben Sie ein E-Mail mit Ihrer Adresse an info@bfu.ch. Verlosung und Versand am 19. März. Viel Glück! tg

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NETZWERK KANTONE

Mit «Fiesta» wird das Fest ein Erfolg QUALITÄTSLABEL Seit bald 10 Jahren hat das Wallis ein Qualitätslabel für Veranstaltungen. Das neue Instrument hat im Kanton zu einem Umdenken geführt.

Patrick Suard, bis Ende 2012 Präventionsverantwortlicher bei der Stiftung «Sucht Wallis».

Das Label «Fiesta» wird im Wallis immer beliebter. Seit bald 10 Jahren werden damit Veranstaltungen ausgezeichnet, Tendenz steigend: Letztes Jahr haben rund 100 Veranstalter das Zertifikat erhalten, 2005 waren es noch 15. Die Einführung des Labels im Wallis entsprach einem grossen Bedürfnis. «Zu Beginn des neuen Jahrtausends mussten kommunale und kantonale Präventions- und Sicherheitsakteure bei Veranstaltungen immer wieder eingreifen und dabei feststellen, dass 14

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es mehr und mehr zu Gewalt oder Unfällen kam. Zwar gab es verschiedene Initiativen, um dem entgegenzuwirken, doch jeder Akteur arbeitete für sich allein. Die Einführung der 0,5-Promillegrenze war deshalb der ideale Moment, um ein neues gemeinsames Instrument zu erarbeiten», erläutert Patrick Suard. Als Präventionsverantwortlicher bei der Stiftung «Sucht Wallis» war er bis Ende 2012 während vieler Jahre für das FiestaLabel zuständig.

Die Organisatoren von Veranstaltungen wussten oft nicht, wie die Verfahren für die nötigen Bewilligungen abliefen. Zudem gab es grosse Unterschiede zwischen solchen, die sich darum bemühten, die Risiken ihres Fests im Griff zu haben und andern, die dies vernachlässigten. Grund genug für die beteiligten Partner, einen Massnahmenkatalog zu erarbeiten, mit dem man Feste jeder Grössenordnung ohne Zwischenfälle über die Bühne bringen kann.


Um das Label zu erhalten, müssen sich die Organisatoren verpf lichten, auf dem Festgelände bestimmte Sicherheitsregeln einzuhalten, wie beispielsweise einen Ordnungsdienst oder eine adäquate Beleuchtung einzurichten. Sie haben auch dafür zu sorgen, dass kein Alkohol und Tabak an unter 16-Jährige verkauft wird, und müssen Massnahmen ergreifen, damit Festbesucher sicher nach Hause gelangen.

versehenen Veranstaltungen systematisch zu kontrollieren. «Damit wird die Handhabung einheitlicher, was dem Label mehr Glaubwürdigkeit verleiht», ist Patrick Suard überzeugt. Nach der Veranstaltung erhalten die jeweiligen Partner einen Bericht. Dieser ist sehr hilfreich, um weitere Optimierungen vorzunehmen. Sind bei Festen Probleme aufgetaucht, kann das Label künftig auch verweigert werden. Gut fürs Image

2012 haben rund 100 Veranstalter das Fiesta-Label erhalten.

Bei den Behörden stiess die Checkliste von Anfang an auf offene Ohren. Gegenwärtig sind fast 40 Label-Verleiher – zumeist Polizeikorps der Gemeinden – im Einsatz, die 86 Ortschaften abdecken. Bei der Stiftung «Sucht Wallis» zeigte sich mit der Zeit der Bedarf nach einem kantonalen Koordinator für das Fiesta-Label. Seit einigen Monaten ist ein solcher nun im ganzen Kanton unterwegs, um alle mit dem Label

Patrick Suard ist überzeugt, dass das Zertifikat den Organisatoren viele Vorteile bringt: Einerseits erhalten neue Veranstalter Beratung und Unterstützung und andererseits ist das Label gut fürs Image. «Es ist eine Sicherheitsgarantie. Durch das Label haben Eltern weniger Bedenken, ihr Kind ans Fest gehen zu lassen», erläutert er. Zudem freut sich Suard, dass das neue Label zu einer «positiven Dynamik» im Kanton geführt hat: «Heute gehören Fragen des Jugendschutzes und des Risikomanagements beim Organisieren einer Veranstaltung automatisch dazu.» Organisatoren von grösseren Anlässen – wie etwa das Caprices Festival –, die dem Label beigetreten sind, gingen mit gutem Beispiel voran. Und sie haben auch bewirkt, dass kleinere Feste das Qualitätslabel führen.

«Sucht Wallis» zieht eine positive Bilanz der ersten Jahre mit dem FiestaLabel. Zahlenmässig ist die Wirkung schwer einzuschätzen, umso mehr, als das Programm Teil eines Gesamtkonzepts für das Risikomanagement von Festen ist, das verschiedene Aktionen und Partner umfasst. Immerhin ist die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle im Kanton Wallis in 10 Jahren um ein Drittel zurückgegangen, während der Verkehr auf den Strassen weiter zunimmt. Zudem hat in der neuen Generation eine Bewusstseinsbildung stattgefunden: Immer mehr Junge achten darauf, dass jemand dabei ist, der sie nüchtern heimfährt, oder sie benutzen den öffentlichen Verkehr, um unversehrt nach Hause zu gelangen. Die guten Erfahrungen mit dem Fiesta-Label haben auch das Interesse anderer Kantone geweckt. «Sucht Wallis» ist offen für jede Zusammenarbeit ausserhalb der Kantonsgrenzen, betont jedoch, dass das Label in der heutigen Form nicht einfach unbesehen übernommen werden kann. Im Lauf dieses Jahres soll eine Studie erstellt werden, um die Bedürfnisse und die Möglichkeiten abzuklären, das Zertifikat bei Fachdiensten, Vereinigungen und Gemeinden anderer Kantone einzuführen. Sandrine Rovere

EINFACH GENIAL

Spannende Infos im Handumdrehen Was verbindet die Steuerung einer Spielkonsole und die bfu? Antwort: die Präventionsausstellung, die die bfu anlässlich ihres 75-Jahr-Jubiläums ins Leben gerufen hat. Sie zeigt Unfallprävention ganz neu! Die Navigation durch die Inhalte erfolgt durch Handbewegungen. Diese werden von Kinect, einer neuartigen Steuerung der Videospielkonsole, registriert. So innovativ

die Steuerung, so spannend sind die Inhalte. 6 Themen warten darauf, entdeckt zu werden: Alkohol und Übermüdung – Persönliche Schutzausrüstung im Sport – Im Auto – Im Strassenverkehr – Stürze – Sicherheit im und ums Haus. Die Präventionsausstellung ist ab 25. März an verschiedenen Orten in der Schweiz zu sehen und durch Interessierte hier buchbar: www.75.bfu.ch tg

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KAMPAGNE

Die bfu auf 33 x 28 mm «Wir machen Menschen sicher» – eine Mission, der die bfu seit 75 Jahren nachlebt. Wie veranschaulicht man diesen Leitspruch auf einer Fläche von nicht ganz 10 cm 2 ? René Sager hat sich der Herausforderung gestellt. Der Inhaber des Grafikateliers Sputnik wurde von der Schweizerischen Post eingeladen, an einem Wettbewerb zur Gestaltung einer Sondermarke für die bfu teilzunehmen. Er hat diese Herausforderung perfekt gemeistert. «Freizeit, Sport, Strassenverkehr, alte Menschen, Kinder, Erwachsene – die bfu vereint unglaublich vieles. Ich habe mich gefragt, wie ich das alles auf eine Marke bringe und in einen Zusammenhang mit Unfällen stelle», sagt René Sager. Zwischen März und Juni 2012

hatte er dann die zündende Idee: Sinnbildlich baut die bfu Brücken über Gräben, in die man hineinfallen könnte. Sie ist wie selbstverständlich für die Schweizer Bevölkerung da. Und zwar in allen Landesteilen, weshalb Sager die 3-sprachige Bezeichnung «bfu, bpa, upi» in die Gestaltung integriert hat. «Ich hatte grosse Freude am Entscheid der Jury!», erinnert sich Sager. Für den Grafiker ist es nicht die erste Briefmarke, die er umsetzen durfte. Und das verbindet ihn mit der bfu, für die es auch bereits die dritte Briefmarke in ihrer Geschichte ist. Die bfu-Marke ist solange Vorrat an allen Poststellen erhältlich und kann auf www.philashop.ch oder mit dem beigelegten Flyer der Post bestellt werden. tg

Die bfu macht die Schweizer Bevölkerung sicher – das Sujet der 85-Rappen-Briefmarke. © Die Post

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sicher leben  

Das bfu-Magazin für Präventionspartner

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