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Jahresbericht 2011

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung


Jahresbericht 2011

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Hodlerstrasse 5a, CH-3011 Bern Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info@bfu.ch, www.bfu.ch


Herausgeberin Redaktion Konzept/Gestaltung Titelbild Fotos Auflage

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung Abteilung Publikationen / Sprachen Partner & Partner AG, Winterthur Ruben Wyttenbach S. 5, 25 Iris Andermatt; S. 7 Ruben Wyttenbach; S. 16, 28, 31 bfu; S. 17 Josef Bächler; S. 26 Giovanni Paolo Antonelli; S. 37 Bundesamt für Sport BASPO; S. 41 Michael Blaser; S. 42 Roberto Conciatori; S. 45 Fotolia 4500 Exemplare

© bfu, 2012

Alle Rechte vorbehalten. Die Wiedergabe einzelner Teile des Berichtes ist unter Quellenangabe gestattet. ISSN-Nr. 0487-8078


Vorwort

Forschung, Praxis und Vernetzung: die Erfolgsfaktoren für eine wirksame Prävention

Dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Schutz der

Verschiedene tragische Fussgängerunfälle im Spätherbst

dossier «Fussverkehr» auf. Darin werden das Unfallgesche-

2011 haben die Schweiz aufgerüttelt. Sie sind zum grossen

hen und die Risikofaktoren eingehend analysiert sowie

Medienthema geworden und auch die Politik hat um­

Präventionsziele und geeignete Sicherheitsmassnahmen

Fussgänger gibt, zeigt das umfangreiche bfu-Sicherheits-

gehend mit Vorstössen im Parlament reagiert. Die Expertise

dargestellt. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Mass­

der bfu war gefragt.

nahmen ist entscheidend, dass die Erkenntnisse aus

Die bfu beschäftigt sich seit jeher mit der Fussgängersicher-

Forschung und Praxis zusammengefügt und Synergien

heit und dem Langsamverkehr allgemein. Das Thema ist in

genutzt werden. Eine Stärke der bfu!

den letzten Jahren aber immer brisanter geworden, weil

Fussgängersicherheit ist nur ein Beispiel dafür, wie die bfu

die Zahl der schwer oder tödlich verletzten Fussgänger seit

die Brücke zwischen Theorie und Praxis schlägt. Im vor­

rund fünf Jahren stagniert, während jene der motorisierten

liegenden Jahresbericht finden Sie eine Vielzahl weiterer

Verkehrsteilnehmer kontinuierlich sinkt. Aus diesem Grund

Beispiele für unser Erfolgsrezept: die bfu-Bevölkerungs­

haben wir unser traditionelles bfu-Forum im Herbst 2011

befragung als Wegweiser für die Präventionsarbeit, das

dieser Thematik gewidmet. Der provokative Titel «Haben

Kursangebot für Behörden zum Thema «Unfallauswertung

wir die Fussgänger vergessen?» sollte aufrütteln. Fuss­

Strassenverkehr» oder die Vergabe des bfu-Sicherheits­

gänger und insbesondere Kinder als Fussgänger brauchen

zeichens für einen Snowboard-Handschuh mit Hand­

unseren besonderen Schutz.

gelenkschutz.

Brigitte Buhmann Direktorin


Inhalt

Unternehmen

Personelles8 Jahresrückblick  Jahresrechnung 2011

Forschung

9 12

Projekte: 

Dank Bewegungsförderung weniger Verletzungsrisiko 

18

Bevölkerungsbefragung – Wegweiser für die Präventionsarbeit

19

Datenerhebung zum Unfallgeschehen auf den Pisten 

20

Wochenend-Unfälle fordern zu viele junge Menschenleben im Strassenverkehr

21

Präventionspotenzial bei der Umsetzung von Via sicura 

22

Verkehrsmittel Nr. 1 unter die Lupe genommen

23

Ausbildung Weiterbildung:

Ein Haus geht auf Reisen

26

Neuer Kurs «Unfallauswertung Strassenverkehr»

27

20 Jahre Verkehrsinstruktoren-Tagung

28

Kurs «Sichere Bodenbeläge»

29

Beratung Projekte:

Leitfaden für sichere «Snowparks» 

32

Hindernisfreie Spielplätze – ein Gewinn für alle

33

«Achterbahn» für Mountainbiker 

34

Gemeinschaftsstrassen: attraktiv und sicher

35

Unfallträchtige Knotenfolge in Thun

36

Produktesicherheit Produkteprüfungen:

Gummiboote im Visier

38

Auf heisser Spur lebensgefährlicher Notstromgeneratoren

39

Snowboard-Handschuh mit Präventionseffekt

40

Kommunikation Kampagnen:

Kinder am Wasser beaufsichtigen

42

Müde? Der Turboschlaf bringts!

43

Die Alkoholkampagne im Zeichen des Dialogs 

44

Koordination Zusammenarbeit:

Was macht Sicherheitskonzepte erfolgreich?

46

Basel und Bern gewinnen den bfu-Sicherheitspreis

47

Vernetzte Präventionsarbeit am Beispiel des Schwerpunktprogramms Stürze

48

mobilesport.ch – die Internetplattform für Sportunterrichtende

49

Gesundheitsförderung Schweiz stellt sich vor

50


Die bfu Eine Million Nichtberufsunfälle pro Jahr: Die bfu setzt sich Tag für Tag für die Verhütung dieser Unfälle ein. Nicht zuletzt mit internen Sportangeboten trägt sie auch zur Gesundheit und zum Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden bei.


Personelles

Stiftungsrat

Geschäftsleitung

Beratung / Sicherheitsdelegierte Jörg Thoma, dipl. Ing. TH, Vizedirektor

Präsident

Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol., Direktorin

Ulrich Fricker, Dr. oec. HSG, Vorsitzender der

Stefan Siegrist, Dr. phil., stellvertretender

Verkehrstechnik

Geschäftsleitung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), Luzern; Vertreter der Suva

Direktor

Christian A. Huber, dipl. Ing. ETH

Jörg Thoma, dipl. Ing. TH, Vizedirektor Guido Fürer, dipl. Verbandsmanager VMI

Sport

Paul Reichardt, dipl. Ing. ETH

Fränk Hofer, eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer Ab 1. Dezember 2011: Hansjürg Thüler, eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer

Vizepräsident Diether Kuhn, Dr. iur., Leiter Markt Ost, Die Mobiliar, Bern; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV)

Bereiche und Abteilungen Direktion

Mitglieder Beat Arnet, Dr. med. MHA, Leiter Präventionsangebote, Suva Luzern; Vertreter der Suva Dominique Babey, Bereichsleiter Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung SECO, Bern; Vertreter der Suva Edouard Currat, dipl. Ing. Chem. ETH, MBA-HEC, Mitglied der Geschäftsleitung der Suva Luzern; Vertreter der Suva Markus Deplazes, MBL- und MBA-HSG, Mitglied der Direktion der «Zürich», OpfikonGlattbrugg, Leiter Kompetenzzentrum Körperschäden; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) Nathalie Imboden, Regionalsekretärin / Co-Leiterin Region Bern, Unia Bern; Vertreterin der Suva Werner Jeger, Fürsprecher und Notar, Vizedirektor des Bundesamtes für Strassen (ASTRA), Bern, Präsident und Vertreter des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) Stefan Kaufmann, Direktor santésuisse, Solothurn; Vertreter übrige Versicherungen Richard Lüthert, Leiter Document Management & Content, AXA Winterthur, Winterthur; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) Heinz Roth, lic. iur., Bereichsleiter Prävention SVV, Zürich; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) Urs Wernli, Zentralpräsident des Autogewerbe-Verbandes Schweiz (AGVS), Bern; Vertreter der Suva

Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol., Direktorin

Finanzen Kurt Fellinger, Betriebsökonom FH

Haus / Freizeit / Produkte Manfred Engel, dipl. Arch. FH Sicherheitsdelegierte Rolf Winkelmann, dipl. Ing. FH

Medienstelle Rolf Moning, lic. iur.

Kommunikation / Public Affairs Guido Fürer, dipl. Verbandsmanager VMI

Forschung / Ausbildung Stefan Siegrist, Dr. phil., stellvertretender

Kampagnen / Marketing Peter Matthys, exec MBA

Direktor Publikationen / Sprachen Forschung

Tom Glanzmann, dipl. Corporate Publisher

Roland Allenbach, dipl. Ing. ETH

Erziehung

Logistik / Recht / Personal

Barbara Schürch, MSc Psychologin

Paul Reichardt, dipl. Ing. ETH

Schulung

Recht / Personal Martin Leu, Personalleiter SKP Executives

Markus Hubacher, lic. phil., MPH

Informatik Peter Schönthal, dipl. Ing. FH

Betrieb Zita Schroeter, MAS IS

Die bfu beschäftigt 128 Mitarbeitende (inkl. 4 Auszubildende), was auf Vollzeitbeschäftigung umgerechnet 100 Personaleinheiten entspricht. Stand: 31. Dezember 2011

8 Unternehmen – Personelles

bfu – Jahresbericht 2011


Jahresrückblick

Januar

gelegter Fahrzeugkilometer 34 PW-Lenkerinnen schwer

Der Bundesrat eröffnet die Vernehmlassung zur Reduktion

verletzt oder getötet, bei den Lenkern waren es 26. Männer

des Schilderwalds. Dabei sollen auch die «Höchstgeschwin-

hingegen tragen häufiger die Schuld an Alkohol- und

digkeit 50 generell»-Tafeln an Ortseingängen abgeschafft

Geschwindigkeitsunfällen.

werden. In Zukunft soll die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ab der Ortstafel gelten. Die Auswirkungen dieses

März

Vorhabens auf die Verkehrssicherheit sind noch nicht ab-

Die Schweiz lernt den Turboschlaf kennen. Am 14. März

sehbar. Eine Arbeitsgruppe, der auch die bfu angehört,

2011 organisiert die bfu den ersten nationalen Turbo­schlaf­

wird die Implementierung der geplanten Regelung unter

tag im Rahmen einer breit angelegten Kampagne zur Be-

Berücksichtigung der Kriterien der Verkehrssicherheit ein-

kämpfung von Müdigkeit am Steuer. Der «Turbo­siesteur»

gehend prüfen.

bringt mit seinen Turboschlaf-Aktionen – einem kurzen

Seit Januar 2011 dürfen junge Deutsche bereits mit 17 Jahren

Schlaf von idealerweise 15 Minuten – die Botschaft unter

den Führerschein machen und unter bestimmten Be­

die Leute. Gemäss Schätzungen spielt die Müdigkeit bei

dingungen in Begleitung Erwachsener Auto fahren. Der

10 – 20 % aller schweren Unfälle eine Rolle.

Touring Club Schweiz TCS schlägt vor, ein ähnliches Modell

Zwischen März und Mai besuchen 1200 bfu-Sicherheits­

für die Schweiz zu prüfen. Aus Sicht der bfu sind die positi-

delegierte insgesamt 50 Weiterbildungskurse in der ganzen

ven Auswirkungen, die in Deutschland festgestellt wurden,

Schweiz. Der Fokus 2011 liegt auf baulichen Massnahmen

nicht unbedingt auf die Vorverschiebung des Anfangs­

zur Verhinderung von Stürzen.

alters, sondern auf die neu geschaffene Möglichkeit des begleiteten Fahrens zurückzuführen, die in der Schweiz

April

bereits seit langer Zeit besteht. Falls sich die Politik für

Der «SonntagsBlick» verbreitet eine Falschmeldung: Unsere

dieses Modell entscheidet, ist dessen Einführung wissen-

Beratungsstelle befürworte ein generelles Handyverbot am

schaftlich zu begleiten; gegebenenfalls sind flankierende

Steuer, das sich sogar auf das Telefonieren mit Freisprech-

Massnahmen zu ergreifen.

anlage erstrecken solle. Die bfu reagiert, indem sie darauf hinweist, dass ein solches Verbot aus Sicht der Prävention

Februar

sehr wirkungsvoll wäre. Sie stellt aber auch klar, dass diese

Die jährliche Erhebung der bfu bei den kantonalen Polizei-

Massnahme zurzeit nicht zur Diskussion steht, da die poli-

stellen ergibt, dass die Anzahl der Strassenverkehrsopfer

tische Unterstützung dafür fehlt.

2010 erneut leicht gesunken ist: 327 Personen wurden auf

Bei strahlender Sonne und pünktlich zum Start der Bade-

Schweizer Strassen getötet, 4458 wurden schwer verletzt.

saison lanciert die bfu ihre neue Wasser-Sicherheits­

Getrübt wird die Statistik durch die Tatsache, dass die An-

kampagne. Ziel: In der Schweiz soll künftig kein Kind mehr

zahl der getöteten Fussgänger im Vergleich zum Vorjahr

ertrinken. Die Kampagne mit dem Maskottchen Didi

um rund ein Viertel gestiegen ist. Dieser Anstieg ist voll­

Dusche soll Eltern, Betreuungspersonen und die Kinder

umfänglich auf Unfälle ausserhalb der Fussgängerstreifen

selbst auf die Gefahren im Schwimmbad, am See und am

zurückzuführen.

Fluss sensibilisieren. Parallel zur Kampagne wird der bfu-

Anlässlich des 40. Jubiläums des Frauenstimmrechts in der

Wasserreport publiziert, der unter anderem daran erinnert,

Schweiz wirft die bfu einen Blick auf die Unfallstatistiken:

dass Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todes­

Gibt es Unterschiede im geschlechterspezifischen Unfall­

ursache bei Kindern ist.

geschehen? Im Jahr 2005 wurden pro Milliarde zurück­

bfu – Jahresbericht 2011

Unternehmen – Jahresrückblick

9


Mai

August

Das Bundesamt für Gesundheit BAG lanciert eine neue

62 % der Autofahrerinnen und Autofahrer sind tagsüber

Alkoholkampagne. Die erste Schweizer Dialogwoche zum

mit Licht unterwegs. Das ist der höchste Wert seit Beginn

Thema Alkohol wird mit einer Kick-Off-Veranstaltung auf

der Erhebungen im Jahr 2001. Doch die Umsetzung dieser

dem Bundesplatz gestartet. Die bfu ist mit einem Stand

Sicherheitsmassnahme ist immer noch stark abhängig von

vertreten. Die Direktorin Brigitte Buhmann weist in ihrer

der Sprachregion. Während in der Deutschschweiz 68 %

Rede auf die negativen Auswirkungen von Alkohol auf die

und im Tessin 60 % der Automobilisten am Tag mit Licht

Fahrtüchtigkeit und die wichtige Zusammenarbeit mit dem

fahren, sind es in der Romandie nur 42 %.

BAG in diesem Bereich hin.

Der berühmte Zebra-Bus des Westschweizer Radios RSR

Tour de Suisse für Franky Slow Down: Der berühmte Engel

macht bei den ersten bis dritten Klassen der Primarschule

aus der Geschwindigkeitskampagne macht sich auf den

Biel halt. Unter Mitwirkung der bfu und ihrer Multiplika­

Weg, um seine Botschaft den Verkehrsteilnehmenden

toren stehen eine Woche lang die Sicherheit im Strassen-

näherzubringen. Von Schaffhausen über Olten bis nach

verkehr und im Wasser sowie die Prävention von Stürzen

Lausanne wird er von zahlreichen Fans erkannt.

auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler erzählen dem Moderator Jean-Marc Richard jeden Tag zwischen

Juni

12 Uhr und 12:30 Uhr in der Jugendsendung «Les Zèbres»

An der Fachtagung «Gemeinde-Sicherheitskonzept» an-

von ihren Erfahrungen.

lässlich der Ausstellung Suisse Public vom 21. Juni 2011 in Bern informierten sich 300 Teilnehmende – insbesondere

September

Gemeindefunktionäre und bfu-Sicherheitsdelegierte – über

Der Ständerat befürwortet die Velohelmpflicht für Kinder

den Sinn und die Ausgestaltung eines Sicherheitskonzepts

bis 14 Jahre. Aus Sicht der bfu würde die Massnahme dazu

in der Gemeinde. Denn Gemeinden und Städte sind für die

beitragen, dass alle Kinder von diesem grundlegenden

Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich. Und die Praxis

Schutz profitieren könnten. Das Sicherheitspaket Via sicura

zeigt: Gemeinden mit Sicherheitskonzept sind erfolgreicher.

geht weiter an den Nationalrat. Eine Studie, die die bfu im Auftrag des Fonds für Verkehrs-

Juli

sicherheit FVS durchgeführt hat, zeigt klar: Die Miss­

Erhebungen der bfu zeigen, dass sich die Rücksitzpassagiere

achtung des Vortritts zählt innerorts zu den häufigsten

schweizweit leicht häufiger anschnallen als noch im Jahr

Ursachen von Verkehrsunfällen. Sie ist für 35 % der schwer

zuvor. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass das Tragen

oder tödlich Verletzten auf Schweizer Strassen verant­

von Sicherheitsgurten auf den Rücksitzen seit 1994 obli­

wortlich. Neben dem Unfallgeschehen prüft die bfu auch

gatorisch ist, dann ist die Tragquote von 79 % (2009: 68 %,

mögliche Präventionsmassnahmen.

2010: 74 %) noch immer ungenügend.

Oktober «20 Minuten» bringt es auf der Titelseite: Zu viele junge Menschen sterben nach Disco- und Club-Besuchen, wie eine Untersuchung der bfu zeigt. Eine der vorgeschlagenen Präventionsmassnahmen ist, in der Fahrausbildung vermehrt auf die Ursachen von Risikoverhalten einzugehen. Die bfu organisiert in Zürich eine Tagung des «European Transport Safety Council» im Rahmen der Kampagne 10 Unternehmen – Jahresrückblick

bfu – Jahresbericht 2011


«Safe & Sober». Diese hat zum Ziel, Politiker, Meinungsbildner und Private für die Notwendigkeit eines systemischen

Die bfu in den Medien

Ansatzes zu den Folgen von Alkohol im Strassenverkehr zu

2011 war die bfu 4656 Mal in Presse, Radio und

sensibilisieren, insbesondere im Zusammenhang mit kom-

Fernsehen präsent. Auf grosses Interesse stiess

merziellen Transporten. Am runden Tisch in Zürich wird der

wiederum die Veröffentlichung der Strassenver-

Einsatz von Alkoholwegfahrsperren für Berufschauffeure

kehrsunfallzahlen für das Jahr 2010. Noch nie war

diskutiert. Weitere Themen werden an verschiedenen

die Zahl der Todesopfer (327) und der Schwerver-

Seminaren in anderen europäischen Ländern behandelt.

letzten (4458) so tief. Weiter interessierten sich die Medien für die immer zahlreicheren E-Bikes und –

November

gegen Jahresende – für die Häufung von Fussgänger­

Das diesjährige bfu-Forum ist der Verkehrssicherheit in

unfällen. Die Schätzung der bfu, in der Schweiz

Dörfern und Städten gewidmet und stellt die Frage:

würde rund die Hälfte der insgesamt etwa 45 000

«Haben wir die Fussgänger vergessen?» Traurige Aktualität

Fussgängerstreifen nicht den Normen entsprechen,

erhält das Thema im Spätherbst, als sich eine Unfallserie auf

führte nicht nur zu einer breiten Berichterstattung,

Fussgängerstreifen ereignet. Am Forum steht die Verbesse-

sondern löste auch zahlreiche Aktivitäten von

rung der Infrastruktur im Zentrum des Referats und der

Politik, Bund, Kantonen, Gemeinden und Organisa-

Diskussionen. Sie ist für die Sicherheit der am wenigsten

tionen aus. Thematisiert wurde auch die parla-

geschützten Verkehrsteilnehmenden entscheidend.

mentarische Beratung von Via sicura: Im Mittel-

Die 20. Verkehrsinstruktoren-Tagung ist ein grosser Erfolg.

punkt standen dabei die schärferen Bestimmungen

Über 200 Verkehrserziehungsspezialisten der Polizei aus

gegen Raser und die Einführung eines Velohelm­

der ganzen Schweiz setzen sich an der Tagung 2011 mit

obligatoriums für Kinder. Im Bereich Sport gaben

theoretischen und praktischen Aspekten ihrer Arbeit aus­

vor allem die sich häufenden Unfälle beim Schlitteln,

einander, tauschen Ideen und Erfahrungen aus. Zudem

Bergwandern und Baden zu reden und zu schrei-

halten Fachleute aus verschiedenen Bereichen Referate zur

ben. Da kam die neue Wasser-Sicherheitskampagne

Verkehrserziehung.

der bfu gerade zur richtigen Zeit: Zusammen mit der Müdigkeitskampagne mit dem propagierten

Dezember

15-minütigen Turboschlaf wurde sie in den Medien

Die bfu-Zählung auf Schweizer Schneesportpisten in der

denn auch breit abgehandelt.

Saison 2010/11 ergibt eine Helmtragquote von 81 %. Verglichen mit den 16 % im Winter 2002/03 ist das eine beeindruckende Steigerung. Die bfu hat mit ihren Infor­ mations- und Sensibilisierungskampagnen wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Der Nationalrat beschliesst, dass Kinder jeden Alters künftig auf allen Strassen – auch auf Hauptstrassen – ohne Begleitung Fahrrad fahren dürfen. Für die bfu ist diese Entscheidung unverständlich, zumal der Rat auch die Einführung einer Velohelmpflicht für Kinder bis 14 Jahre abgelehnt hat. Das Geschäft geht 2012 an den Ständerat zurück.

bfu – Jahresbericht 2011

Unternehmen – Jahresrückblick

11


Jahresrechnung 2011 Bilanz per 31. Dezember Aktiven

2011

2010

CHF (in 1000)

%

CHF (in 1000)

%

1 538

8,23

3 224

15,98

545 2 982 p.m. 1 711 6 776

2,92 15,97

1,54 14,60

9,16 36,28

312 2 944 p.m. 1 333 7 812

6,61 38,73

Maschinen / Mobiliar / Fahrzeuge Finanzanlagen Anlagevermögen

p.m. 11 903 11 903

63,72 63,72

p.m. 12 357 12 357

61,27 61,27

Total Aktiven

18 679

100,00

20 169

100,00

Flüssige Mittel Forderungen gegenüber • Kunden • übrige Forderungen Warenlager Aktive Rechnungsabgrenzungen Umlaufvermögen

Passiven

2011

2010

CHF (in 1000)

%

CHF (in 1000)

%

1 514 263 609 100 399 2 886

8,11 1,41 3,26 0,54 2,14 15,45

1 164 1 139 762 100 1 025 4 189

5,77 5,65 3,78 0,50 5,08 20,77

Stiftungskapital Freie Mittel Prävention Reserven Eigenkapital

200 2 162 13 431 15 793

1,07 11,58 71,90 84,55

200 2 349 13 431 15 980

0,99 11,65 66,59 79,23

Total Passiven

18 679

100,00

20 169

100,00

Kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber • Lieferanten • übrige Verbindlichkeiten Passive Rechnungsabgrenzungen Rückstellungen Budgetabgrenzungen Fremdkapital

12 Unternehmen – Jahresrechnung 2011

bfu – Jahresbericht 2011


Erfolgsrechnung 1. Januar bis 31. Dezember Ertrag

Rechnung 2011

Rechnung 2010

CHF (in 1000)

%

CHF (in 1000)

%

UVG-Beitrag Leistungsauftrag FVS Projektfinanzierung FVS Gemeinschaftskampagne FVS Übrige Präventionsleistungen Übriger Ertrag Finanzerfolg

18 903 2 738 1 061 2 490 2 614 -12 -436

69,09 10,01 3,88 9,10 9,56 -0,04 -1,59

18 686 2 675 705 988 2 209 44 177

73,33 10,50 2,77 3,88 8,67 0,17 0,70

Total Ertrag

27 360

100,00

25 483

100,00

UVG = Unfallversicherungsgesetz; FVS = Fonds für Verkehrssicherheit

Aufwand

Rechnung 2011

Rechnung 2010

CHF (in 1000)

%

CHF (in 1000)

%

Personalkosten Infrastruktur / Verwaltung Forschung Ausbildung Beratung bfu-Sicherheitsdelegierte Produktesicherheitsgesetz Kommunikation Kooperationen / Gemeinschaftskampagne FVS Veränderung Freie Mittel Prävention

15 345 2 630 884 1 283 273 309 71 4 024 2 728 -187

56,09 9,61 3,23 4,69 1,00 1,13 0,26 14,71 9,97 -0,68

14 416 2 430 1 209 1 363 143 347 102 3 538 1 345 591

56,57 9,53 4,74 5,35 0,56 1,36 0,40 13,88 5,28 2,32

Total Aufwand

27'360

100,00

25 483

100,00

bfu – Jahresbericht 2011

Unternehmen – Jahresrechnung 2011

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Anhang zur Jahresrechnung Ergänzende Angaben zur Jahresrechnung gemäss Art. 663b OR

1. Brandversicherungswerte 2011: CHF 5 387 000 2010: CHF 5 387 000

2. Risikobeurteilung Um die Übereinstimmung des Jahresabschlusses mit den anzuwendenden Rechnungslegungsnormen und die Ordnungsmässigkeit der Unternehmensberichterstattung zu gewährleisten, sind interne Vorkehrungen getroffen worden. Diese beziehen sich sowohl auf zeitgemässe Buchhaltungssysteme und -abläufe als auch auf die Erstellung des Jahresabschlusses. Im Geschäftsjahr wurden keine Risiken identifiziert, die zu einer dauerhaften oder wesentlichen Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage führen könnten.

3. Weitere Angaben Keine weiteren Angaben zur Jahresrechnung gemäss Art. 663b OR.

14 Unternehmen – Jahresrechnung 2011

bfu – Jahresbericht 2011


Kommentar zur Jahresrechnung Kommentar zur Bilanz per 31. Dezember 2011

Kommentar zur Erfolgsrechnung 2011

Die Bilanzsumme beläuft sich per 31.12.2011 auf

Ertrag und Aufwand belaufen sich auf je CHF 27,4 Mio.,

CHF 18,7 Mio. Die Abnahme gegenüber dem Vorjahr von

7 % mehr als im Vorjahr. Die Erhöhung im Vergleich zum

CHF 1,5 Mio. bei den Aktiven ist vor allem auf den Rück-

Vorjahr ist insbesondere auf die Aufträge des Fonds für

gang der Flüssigen Mittel und der Finanzanlagen zurückzu-

Verkehrssicherheit FVS zur Durchführung der Müdigkeits-

führen. Auf der Passivseite nahmen insbesondere die übri-

kampagne und zur Neulancierung der Velohelmkampagne

gen Verbindlichkeiten und die Budgetabgrenzungen ab.

zurückzuführen. Ungünstig zu Buch geschlagen hat der unerwartet hohe negative Finanzerfolg von CHF 436 000.

Aktiven

Das Umlaufvermögen per 31.12.2011 beträgt CHF 6,8 Mio.

Ertrag

gegenüber CHF 7,8 Mio. im Vorjahr. Die grösste Ver­

Im Rechnungsjahr 2011 beträgt der Gesamtertrag

änderung gab es bei den Flüssigen Mitteln und den

CHF 27,4 Mio. (2010: CHF 25,5 Mio.). Er setzt sich wie folgt

Aktiven Rechnungsabgrenzungen durch die höheren,

zusammen:

noch nicht in Rechnung gestellten Ausstände bei fremd­

finanzierten Projekten. Das Anlagevermögen per 31.12.2011 beträgt CHF 11,9 Mio.

Der Ertrag aus dem UVG-Prämienzuschlag beläuft sich auf CHF 18,9 Mio. resp. 69 % des Gesamtertrags.

Der FVS unterstützt die bfu mit insgesamt CHF 6,3 Mio.,

gegenüber CHF 12,4 Mio. im Vorjahr. Die langfristigen

ca. 23 % des Ertrags. Darin enthalten sind 4 Leistungs­

Finanzanlagen haben sich 2011 um rund CHF 0,5 Mio. verrin-

aufträge im Umfang von CHF 2,738 Mio., Projektfinanzie-

gert. Der Wert des Mobiliars, der elektronischen Hardware

rungen im Umfang von CHF 1,06 Mio. und die Finanzie-

usw. ist wie bisher mit dem Erinnerungsfranken bilanziert.

rung der Gemeinschaftskampagnen mit CHF 2,5 Mio.

Da der Anschaffungswert den Marktwert übersteigt, sind

(Geschwindigkeitskampagnen CHF 0,5 Mio. und Müdig-

die Finanzanlagen zum Marktwert bilanziert (Niederst-

keitskampagne CHF 2 Mio.)

wertprinzip).

Die Einnahmen aus den übrigen Präventionstätigkeiten

Passiven

Der übrige Ertrag ergibt einen Minusbetrag von 

belaufen sich auf CHF 2,6 Mio. (9,6 % des Ertrags). CHF 11 500.

Das Fremdkapital per 31.12.2011 enthält kurzfristige Verbindlichkeiten von CHF 1,8 Mio. (Lieferanten CHF 1,5 Mio., übrige Verbindlichkeiten CHF 0,3 Mio.). Die übrigen Ver-

Das Finanzergebnis von CHF –436 000 ergibt sich aus dem Zinsergebnis auf Post- und Bankguthaben (CHF 31 000)

bindlichkeiten umfassen hauptsächlich die fällige MWST

sowie den realisierten (CHF –163 000) und den nichtreali-

für das 4. Quartal und das Kontokorrent für zu viel

sierten (CHF –303  000) Wertschriften­verlusten.

überwiesene Mittel aus dem UVG-Prämienzuschlag (CHF 58 000). In den passiven Rechnungsabgrenzungen

Aufwand

sind CHF 530 500 (CHF + 55 000) für nicht bezogene

Der gesamte Aufwand beträgt CHF 27,4 Mio. Rund

Ferien- und Gleitzeitguthaben enthalten. Die Budget­

CHF 15 Mio. resp. 56 % des Gesamtaufwands entfallen auf

abgrenzungen konnten um CHF 0,6 Mio. reduziert werden

Personalkosten, CHF 2,6 Mio. resp. 9,6 % beträgt der Auf-

und betragen nur noch CHF 0,4 Mio.

wand für Infrastruktur und Verwaltung und CHF 9,6 Mio.

Das Eigenkapital per 31.12.2011 beträgt CHF 15,8 Mio.

oder 35 % macht der Aufwand für Präventionsaktivitäten

Es setzt sich wie folgt zusammen: Stiftungskapital

aus (inkl. Abbau Freie Mittel Prävention von CHF 187 000).

CHF 0,2 Mio., Reserven CHF 13,4 Mio. und Freie Mittel Prävention CHF 2,2 Mio. bfu – Jahresbericht 2011

Unternehmen – Jahresrechnung 2011

15


Bericht der Revisionsstelle an den Stiftungsrat der bfu Als Revisionsstelle haben wir die beiliegende Jahresrech-

über die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems abzu-

nung der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallver­

geben. Die Prüfung umfasst zudem die Beurteilung der

hütung bfu, bestehend aus Bilanz, Erfolgsrechnung und

Angemessenheit der angewandten Rechnungslegungs­

Anhang (Seiten 12 – 14) für das am 31. Dezember 2011 ab-

methoden, der Plausibilität der vorgenommenen Schätzun-

geschlossene Geschäftsjahr geprüft.

gen sowie eine Würdigung der Gesamtdarstellung der Jahresrechnung. Wir sind der Auffassung, dass die von uns

Verantwortung des Stiftungsrates

erlangten Prüfungsnachweise eine ausreichende und ange-

Der Stiftungsrat ist für die Aufstellung der Jahresrechnung

messene Grundlage für unser Prüfungsurteil bilden. 

in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften der Stiftungsurkunde und dem Reglement verantwortlich.

Prüfungsurteil

Diese Verantwortung beinhaltet die Ausgestaltung, Im­

Nach unserer Beurteilung entspricht die Jahresrechnung für

plementierung und Aufrechterhaltung eines internen

das am 31. Dezember 2011 abgeschlossene Geschäftsjahr

Kontrollsystems mit Bezug auf die Aufstellung einer Jahres-

dem schweizerischen Gesetz der Stiftungsurkunde und

rechnung, die frei von wesentlichen falschen Angaben

dem Reglement.

als Folge von Verstössen oder Irrtümern ist. Darüber hinaus sachgemässer Rechnungslegungsmethoden sowie die

Berichterstattung aufgrund weiterer gesetzlicher Vorschriften

Vor-nahme angemessener Schätzungen verantwortlich.

Wir bestätigen, dass wir die gesetzlichen Anforderungen

ist der Stiftungsrat für die Auswahl und die Anwendung

an die Zulassung gemäss Revisionsaufsichtsgesetz (RAG)

Verantwortung der Revisionsstelle

und die Unabhängigkeit (Art. 83b Abs. 3 ZGB in Ver­

Unsere Verantwortung ist es, aufgrund unserer Prüfung ein

bindung mit Art. 728 OR) erfüllen und keine mit unserer

Prüfungsurteil über die Jahresrechnung abzugeben. Wir

Unabhängigkeit nicht vereinbare Sachverhalte vorliegen.

haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit dem

In Übereinstimmung mit Art. 83b Abs. 3 ZGB in Verbindung

schweizerischen Gesetz und den Schweizer Prüfungs­

mit Art. 728a Abs. 1 Ziff. 3 OR und dem Schweizer Prü-

standards vorgenommen. Nach diesen Standards haben

fungsstandard 890 bestätigen wir, dass ein gemäss den

wir die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass wir

Vorgaben des Stiftungsrates ausgestaltetes internes Kon­

hin-reichende Sicherheit gewinnen, ob die Jahresrechnung

trollsystem für die Aufstellung der Jahresrechnung existiert.

frei von wesentlichen falschen Angaben ist. Eine Prüfung beinhaltet die Durchführung von Prüfungs-

Wir empfehlen, die vorliegende Jahresrechnung

handlungen zur Erlangung von Prüfungsnachweisen für

zu genehmigen.

die in der Jahresrechnung enthaltenen Wertansätze und sonstigen Angaben. Die Auswahl der Prüfungshandlungen

Ernst & Young AG

liegt im pflichtgemässen Ermessen des Prüfers. Dies schliesst eine Beurteilung der Risiken wesentlicher falscher

Bernadette Koch

Stefan Blaser

Angaben in der Jahresrechnung als Folge von Verstössen

Zugelassene

Zugelassener

oder Irrtümern ein. Bei der Beurteilung dieser Risiken be-

Revisionsexpertin Revisionsexperte

rücksichtigt der Prüfer das interne Kontrollsystem, soweit

(Leitende Revisorin)

es für die Aufstellung der Jahresrechnung von Bedeutung ist, um die den Umständen entsprechenden Prüfungshandlungen festzulegen, nicht aber um ein Prüfungsurteil 16 Unternehmen – Jahresrechnung 2011

Bern, 11. April 2012 bfu – Jahresbericht 2011


Die bfu forscht Forschung ist der Schlüssel zu erfolgreicher Unfallprävention. So hat eine Literaturübersicht ergeben, dass Bewegungsförderung je nachdem auch Unfallverhütung sein kann.


Projekte Dank Bewegungsförderung weniger Verletzungsrisiko Regelmässige körperliche Aktivität trägt bedeutend zur Erhaltung der Gesundheit bei. Bewegungsförderung kann auch Unfallverhütung sein, aber es kommt drauf an, wie die Programme konzipiert sind. Im Auftrag der bfu wurde in einer Literaturübersicht der aktuelle Stand des Wissens zu diesem Thema zusammengetragen. Körperliche Aktivitäten umfassen eine unbegrenzte Fülle

Obwohl in den letzten Jahren zu dieser Thematik vermehrt

von möglichen Bewegungsformen – Sporttreiben ist eine

geforscht worden ist, stand bisher weder das daraus gene-

davon. Ein grosser Anteil der Schweizer Bevölkerung be-

rierte Wissen in übersichtlicher Form zur Verfügung noch

wegt sich zu wenig oder zu wenig häufig. Ein optimales

waren die Kernaussagen dazu kompakt zusammengefasst.

Mass an körperlicher Aktivität ist jedoch eine wichtige

Diese Leistung hat nun das Institut für Sozial- und Präventiv­

Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit. Mehrere

medizin ISMP der Universität Zürich im Auftrag der bfu

nationale Institutionen engagieren sich daher in Program-

erbracht. Es hat in einer Literaturübersicht den aktuellen

men zur Gesundheitsförderung, die darauf abzielen, inak-

Stand des Wissens dargestellt. Darauf basierend hat die

tive Menschen zu körperlicher Bewegung zu animieren.

bfu zusammen mit den nationalen Institutionen für Be­

Jede Form von körperlicher Tätigkeit birgt aber auch ein

wegungs- und Sportförderung (Bundesamt für Gesundheit

gewisses Verletzungspotenzial. Das effektive Verletzungs-

BAG, Gesundheitsförderung Schweiz, Public Health

risiko hängt von der konkreten Aktivität ab: Die Wahr­ -

Schweiz) sowie den Partnern für Unfallprävention (Suva,

scheinlichkeit, sich im wettkampforientierten Ballsport zu

Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin) ein Grund­

verletzen, ist um ein Mehrfaches höher als bei Ausdauer-

lagendokument publiziert. Damit steht das aufbereitete

sportarten wie Schwimmen oder Bewegung im Alltag wie

Wissen allen Entscheidungsträgern für Bewegungs- und

ein Fussmarsch zur Arbeit. Die bfu setzt sich dafür ein, dass

Sportförderung in der Schweiz zur Verfügung.

Bewegungsförderung als Beitrag zum Erhalten oder Ver-

Die Hauptaussage lautet, dass die Förderer von Bewegung

bessern der Gesundheit keine Erhöhung des Gesamt­

und Sport Verbündete und nicht Gegenspieler der Unfall-

unfallrisikos mit sich bringt, sondern im idealen Fall das

verhüter sind. Die optimale Auswirkung auf die Gesund-

Risiko für Verletzungen sogar mindert.

heit und die wirkungsvolle Nutzung der Ressourcen wird man erreichen, wenn bei der Planung von Bewegungs­ förderungsprojekten die Aspekte der Unfallverhütung von Beginn an integriert werden. Bereits die Wahl der Bewegungsaktivität beeinflusst das Risiko einer Verletzung erheblich. Den bfu-Report «Bewegungsförderung und Unfallprävention» finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.068

18 Forschung – Projekte

bfu – Jahresbericht 2011


Bevölkerungsbefragung – Wegweiser für die Präventionsarbeit Dank der jährlichen Bevölkerungsbefragung erhält die bfu wertvolle Erkenntnisse über das Wissen, die Einstellungen und das Verhalten der Bevölkerung in Bezug auf Sicherheit bzw. Unfallprävention. Wichtige Ergebnisse und Entscheidungsgrundlagen werden dadurch ermittelt. Die bfu-Umfrage ist eine repräsentative Befragung der

Nicht zuletzt gibt die Erhebung wertvolle Hinweise zur

Schweizer Bevölkerung und wird seit 1995 jährlich durch-

Erfolgswahrscheinlichkeit bzw. zum tatsächlichen Erfolg

geführt. Dabei werden rund 1000 in der Schweiz wohn­

von politischen Forderungen. So wurde in den letzten

hafte Personen aus den drei Sprachregionen im Alter

Jahren z. B. die Einstellung der befragten Personen gegen-

zwischen 15 und 85 Jahren interviewt. Die Auswahl der

über Massnahmen aus dem Handlungsprogramm Via sicura

Haushalte erfolgt zufällig. Die Interviews dauern im Durch-

erfasst.

schnitt 20 Minuten und werden telefonisch durch ein Befragungsinstitut durchgeführt. Die Bevölkerungsbefragung erhebt Daten zu Verhaltensweisen, Wissen, Meinungen, Einstellungen und Werten in Bezug auf Sicherheit bzw. Unfallprävention. Gestellt werden Fragen zu den Bereichen Verkehr (z. B. Alkohol, Geschwindigkeit, Velohelm), Sport (Wandern, Schwimmen, Skifahren) sowie Haus und Freizeit (Sicherheitsprodukte im Haushalt, Stürze von Senioren, Kinder im Haus und Garten usw.). Manchmal ergeben sich eher unerwartete Erkenntnisse, wie z. B. in der Befragung 2011: Je tiefer das Bildungs­ niveau der Befragten, desto länger schätzten diese die Dauer ein, die es braucht, um nach dem Alkoholkonsum unter die legale Limite von 0,5 Promille zu kommen. Die gewonnenen Informationen werden verwendet, um Schwerpunkte und Zielgruppen der Prävention zu definieren. Sie dienen als Basis für die Konzeption, Durchführung und Evaluation von Präventionskampagnen und stellen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die strategische Planung der Präventionsarbeit der bfu dar. Auch liefern sie Ergebnisse für diverse Publikationen wie SINUS-Report (Sicherheitsniveau und Unfallgeschehen im Strassenverkehr) oder STATUS (Statistik der Nichtbetriebsunfälle).

bfu – Jahresbericht 2011

Forschung – Projekte

19


Datenerhebung zum Unfallgeschehen auf den Schneesportpisten Seit 23 Jahren erhebt die bfu mit den Schweizer Seilbahnen das Unfallgeschehen auf den Pisten. Eine Zusammenarbeit, die sich für alle lohnt. Im Schneesport kooperiert die bfu bereits seit 23 Jahren

Die Auswertungen helfen zum Teil auch, falsche Vorstel-

mit dem Dachverband Seilbahnen Schweiz SBS und den

lungen vom Unfallgeschehen auf den Pisten zu korrigieren.

Seilbahnunternehmen, um Unfälle dort zu erheben, wo sie

So wird immer wieder vermutet, dass viele Wintersportler

geschehen. Die Pistenrettungsdienste nutzen ein harmo­

durch Kollisionen mit anderen verletzt werden und dieser

nisiertes Unfallprotokoll zur Dokumentation von Rettungs-

Unfallhergang in jüngerer Zeit sogar zugenommen hat.

einsätzen in allen Schweizer Schneesportgebieten. Die Un-

Doch die Statistik zeigt eindeutig, dass Personenkollisionen

fälle werden anschliessend in ein extra dafür entwickeltes

einen Anteil von weniger als 10 % am Unfallgeschehen

Online-Erfassungssystem eingegeben.

ausmachen – und das seit Jahren unverändert.

Entscheidend für das Funktionieren der Datenerhebung ist, dass alle beteiligten Partner einen Nutzen daraus ziehen

Die Statistiken der Schneesport-Unfälle

können. Auf Seiten der Seilbahnunternehmen steht an

finden Sie auf: www.bfu.ch/sbs

erster Stelle die vollständige Dokumentation eines Unfalls. Ihrem Wunsch, im Erfassungssystem von einem Unfall jederzeit einen Bericht im PDF-Format erzeugen und die Unfallbilder im System erfassen zu können, wurde Rechnung getragen. Mit Hilfe einfacher statistischer Berichtsfunktionen können sich die Pistenbetreiber zudem einen Überblick verschaffen, an welchen Stellen sich die Unfälle ereignen, und notfalls Massnahmen ergreifen. Für die bfu ist es zentral, die erfassten Unfälle gesamtschweizerisch auszuwerten, Entwicklungen über die Jahre darzustellen und die Informationen zum Unfall­geschehen – z. B. von Kindern und Touristen – zu bekommen, die in Routinestatistiken nicht enthalten sind. Die wichtigsten Erkenntnisse werden jährlich im STATUS und ausführlicher in der bfu-Grundlage «Verletztentransporte im Schneesport» publiziert und der Öffentlichkeit und den Seilbahnunternehmen zur Verfügung gestellt.

20 Forschung – Projekte

bfu – Jahresbericht 2011


Wochenend-Unfälle fordern zu viele junge Menschenleben im Strassenverkehr Verkehrsunfälle in Wochenend-Nächten sind auffallend schwer und betreffen hauptsächlich junge Erwachsene. Die bfu hat im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit FVS das Thema untersucht. In einem Faktenblatt wurden Risikofaktoren analysiert und Präventionsmassnahmen vorgeschlagen. Die Auswertung der Strassenverkehrs-Unfallstatistik nach

Im Umkreis von Partylokalen/Clubs ausserorts oder an

Tageszeit und Wochentag zeigt, dass sich das Unfall­

Ausfallstrassen von Städten müssen in Wochenend-Näch-

geschehen in den Wochenend-Nächten deutlich von jenem

ten vermehrt gut sichtbare Polizeikontrollen durchgeführt werden.

in den Nächten unter der Woche unterscheidet. Während die Anzahl schwerer Personenschäden unter der Woche im

Fahrerassistenzsysteme, insbesondere die Elektronische

Verlauf des Abends markant abnimmt, ist diese Reduktion

Stabilitätskontrolle, sind zu fördern. Ein entzogener Füh-

in den Wochenend-Nächten von Freitag auf Samstag und

rerausweis soll nur nach Einbau eines Fahrdatenschreibers

von Samstag auf Sonntag nicht feststellbar. In diesem Zeit-

oder einer Alkoholwegfahrsperre wieder erlangt werden

raum weisen junge, männliche Neulenker ein markant

können.

höheres Risiko auf, einen schweren Unfall zu verursachen.

Die Infrastruktur ist so zu gestalten, dass die Strassen ers-

Die häufigsten Unfalltypen sind dabei Schleuder-/Selbst­

tens selbsterklärend und zweitens fehlerverzeihend sind

unfälle, gefolgt von Kollisionen mit einem festen Objekt

(z. B. Vermeidung fester Objekte am Fahrbahnrand).

am Fahrbahnrand. Ein paar Zahlen: •

In Wochenend-Nächten werden 11,1 % aller Getöteten und 7,4 % aller Schwerverletzten registriert.

Eckdaten

Die Letalität (Getötete pro 10 000 Verunfallte) ist rund

Analysiertes Unfallgeschehen: Wochenend-Nächte

doppelt so hoch wie bei den übrigen Unfällen.

Betrachtete Periode: Jahre 2000 – 2010

Rund die Hälfte aller schwer verletzten und getöteten PW-

Getötete pro Jahr: 52

Insassen in Wochenend-Nächten sind junge Erwachsene.

Schwerverletzte pro Jahr: 410

Bei diesen Unfällen stellt die Polizei bei 66 % der jungen

Hauptunfalltyp: Kollisionen mit festem Objekt

PW-Lenker unangepasste Geschwindigkeit fest; bei 48 % •

ausserhalb der Fahrbahn

besteht der Verdacht auf Alkohol, bei 8 % auf Drogen.

Hauptursache: Geschwindigkeit

50 % der jungen Lenker besitzen den Führerausweis erst

Hauptverursacher: junge Männer mit weniger

seit maximal 1 ½ Jahren, 20 % sogar weniger als ein hal-

als 1 Jahr Führerausweisbesitz

bes Jahr. Die bfu empfiehlt folgende Präventionsmassnahmen zur

Das bfu-Faktenblatt Nr. 06 «Unfallgeschehen

Reduktion der Unfälle in Wochenend-Nächten:

in den Wochenend-Nächten» finden Sie als PDF auf:

In der Fahrausbildung ist vermehrt Wert auf bessere

www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.084

Selbsteinschätzung und -kontrolle der Neulenkenden zu legen, also auf Themen rund um das Risikoverhalten, den Umgang mit Emotionen, die Empfänglichkeit für Gruppendruck, die Bedeutung des Autos usw.

bfu – Jahresbericht 2011

Forschung – Projekte

21


Präventionspotenzial bei der Umsetzung von Via sicura Bei Realisierung der gesetzlichen Massnahmen von Via sicura kann innerhalb von 10 Jahren mit einer maximalen jährlichen Reduktion von 90 bis 100 getöteten und 1100 bis 1200 schwer verletzten Verkehrsteilnehmenden gerechnet werden. Der Bundesrat will die Zahl der Strassenverkehrsopfer in den

Um eine Nutzen-Kosten-Analyse vornehmen zu können,

nächsten Jahren markant senken. Dazu hat er Via sicura –

musste der überwiegend nichtmonetäre Nutzen von

das Handlungsprogramm für mehr Sicherheit im Strassen-

Sicher­heitsmassnahmen, vor allem vermiedene Todesfälle

verkehr – zuhanden des Parlaments verabschiedet.

und Verletzungen, monetisiert werden. Insgesamt wurden

Das Bundesamt für Strassen ASTRA beauftragte die bfu,

sieben Kostenbestandteile berücksichtigt: medizinische

die einzelnen Massnahmen vertieft und das gesamte Mass-

Heilungs­kosten, Kosten von Sachschäden und Produktions­

nahmenpaket summarisch im Hinblick auf den Nutzen für

ausfällen, Wiederbesetzungskosten, Administrativkosten

die Verkehrssicherheit und die Kosten zu beurteilen. Im

von Versicherungen, Polizei- und Rechtsfolgekosten und

Vordergrund stand dabei die Frage, wie viele tödliche und

immaterielle Kosten.

schwere Verletzungen mit den einzelnen Massnahmen

Das vorliegende Via-sicura-Paket wurde sowohl hinsicht-

bzw. mit dem Gesamtpaket verhindert werden können.

lich Verletzungsprävention wie auch volkswirtschaftlichem

Die Abschätzung des Präventionspotenzials von Sicher-

Nutzen sehr positiv beurteilt: Die Anzahl der jährlich rund

heitsmassnahmen erfolgte nach einer Methode, die von der

350 getöteten und knapp 5000 schwer verletzten Verkehrs­

bfu seit Jahren angewandt wird. Gemäss dieser Methode

teilnehmenden kann durch die gesetzlichen Massnahmen

ist eine präventive Massnahme relevant, wenn sie auf eine

um rund ein Viertel reduziert und in den ersten 10 Jahren

hohe Zahl von schweren Verletzungen und Todesfällen ab-

kann ein materieller Nutzenüberschuss von durchschnitt-

zielt, auf einen Grossteil dieser Unfälle anwendbar ist, viele

lich 220 Mio. CHF pro Jahr generiert werden.

der unfallbedingten Verletzungen verhindert, unter den aktuellen Bedingungen mit einer starken Verbreitung ge-

Informationen rund um Via sicura finden Sie auf:

rechnet werden kann und eine hohe Anzahl von Verkehrsteil­

http://www.astra.admin.ch/themen/

nehmenden diese Massnahme umsetzt. Die Berechnungen

verkehrssicherheit/00236/index.html

erfolgen optimalerweise auf der Grundlage von Unfallund Verhaltensdaten und unter Einbezug wissenschaft­ licher Studien. Sind Expertenurteile nötig, werden diese deklariert.

22 Forschung – Projekte

bfu – Jahresbericht 2011


Verkehrsmittel Nr. 1 unter die Lupe genommen Das Unfallgeschehen der PW-Insassen hat sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte äusserst positiv entwickelt. Dennoch gibt es nach wie vor Risikobereiche, die angegangen werden müssen. Der 7. Band der bfu-Sicherheitsdossiers widmet sich den PW-Insassen. Die Auswertungen der polizeilich registrierten

Eckdaten

Unfälle zeigen, dass Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren

das höchste Risiko aufweisen, einen schweren Unfall zu er-

Analysiertes Unfallgeschehen: Jahre 2004 – 2008 (z. T. 1980 – 2008)

leiden. Rund die Hälfte aller schweren Personenschäden

G  etötete PW-Insassen pro Jahr:  177

bei PW-Insassen ereignet sich auf Ausserortsstrassen. Be-

S chwer verletzte PW-Insassen pro Jahr:  1750

sonders häufig sind Schleuder-/Selbstunfälle, gefolgt von

H  auptunfalltyp: Schleuder-/Selbstunfälle

Auffahr- und Frontalkollisionen. Anzusetzen ist der Hebel beim Fahrzeug durch den vermehrten Einsatz von Fahrerassistenzsystemen und beim Menschen: Zu verbessern sind – unter anderem – die un­ genügend ausgebildete Fahrkompetenz und die durch

infrastrukturelle Defizite, die zu Auffahrunfällen führen

Alkohol, Müdigkeit oder Ablenkung eingeschränkte Fahr-

(z. B. ungenügende Leistungsfähigkeit auf Autobahn­

fähigkeit der PW-Lenker. Das bfu-Dossier zeigt zudem klar

ausfahrten oder unkoordinierter Betrieb von Lichtsignal-

auf, dass die Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zur

anlagen)

Sicherheit der PW-Insassen leisten kann: Strassen sind

Defizite in Kurven ausserorts (z. B. schlecht einschätzbare

Defizite in Knoten innerorts (z. B. inadäquate Beleuchtung).

selbsterklärend und fehlerverzeihend zu bauen und adäquat zu unterhalten.

Kurvenverläufe)

Vor allem folgende infrastrukturellen Risikofaktoren gilt es zu reduzieren: •

Das bfu-Sicherheitsdossier Nr. 07 «Personen­­wagen-

feste Objekte nahe an der Fahrbahn (Bäume, Mauern/

Lenkende und -Mit­fahrende» finden Sie auf:

Geländer, Leitschranken)

www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.078

ungenügende Trennung zwischen den beiden Verkehrsrichtungen (vor allem ausserorts)

Wissenschaftliche Reihe für eine evidenzbasierte Prävention

Im Rahmen der bfu-Sicherheitsdossiers werden die Grundlagen für eine evidenzbasierte Präventionsarbeit zusammengetragen. Fachleuten auf dem Gebiet der Verhütung von Strassenverkehrsunfällen steht damit ein fundiertes Nachschlagewerk zur Verfügung, das einerseits den Handlungsbedarf und andererseits die Handlungsmöglich­keiten darlegt. Bisher liegen Dossiers zu den Themen Schutzprodukte, Fahrradverkehr, Fussverkehr, Fahrfähigkeit, Motorradverkehr und Geschwindigkeit vor. Der Bericht zu den PW-Insassen vervollständigt vorderhand diese Publikationsreihe.

bfu – Jahresbericht 2011

Forschung – Projekte

23


Die bfu bildet aus Die bfu verfügt über ein breites Kursangebot für alle Personen, die sich für die Prävention von Nichtberufsunfällen engagieren. Die jährliche VerkehrsinstruktorenTagung konnte mit der 20. Durchführung ein kleines Jubiläum feiern.


Weiterbildung Ein Haus geht auf Reisen Rund zwei Drittel der 600 000 Unfälle in Haus und Freizeit ereignen sich innerhalb des Hauses. Viele Gefahren lauern in Küche und Bad: Grund genug für die bfu, diese beiden Räume nachzubauen, in die Betriebe zu bringen und die Mitarbeitenden am realistischen Modell für die spezifischen Gefahren zu sensibilisieren. Alle von uns verbringen einen – kleineren oder grösseren –

Diese Art der Sensibilisierung kommt bei den Teilnehmen-

Teil des Tages im Badezimmer und in der Küche. Was wir in

den sehr gut an: Sie werden nicht «frontal berieselt», son-

diesen Räumen tun, ist nicht ohne Risiko, insbesondere,

dern können sich selber aktiv einbringen. Die bfu wird in den

weil wir die alltäglichen Handlungen stark automatisiert

Betrieben verstärkt in diese Richtung arbeiten, weil dadurch

ausführen: Wir stehen in der Dusche auf rutschigem Boden,

die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich die Menschen im

wir verwenden scharfe Messer, wir hantieren mit kochen-

Haus und in der Freizeit sicherheitsbewusster verhalten.

den Flüssigkeiten oder benützen Putzmittel, die uns bei falscher Handhabung gefährden können. Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass in diesen Räumen viele verschiedene

Die bfu bietet den Betrieben

Unfälle möglich sind: Das Spektrum reicht von Stürzen auf

folgende Themen zur Sensibilisierung

nassen Böden über Verbrennungen/Verbrühungen und

der Mitarbeitenden an:

Schnittverletzungen bis zu Vergiftungen, z. B. von Kindern,

Alkohol am Steuer? 1 Glas ist okay!

die sich mit frei zugänglichen Medikamenten oder mit in

Sicherheit durch Sichtbarkeit

Getränkeflaschen umgefüllten Putzmitteln vergiften. Diese

Kluge Köpfe schützen sich

Liste liesse sich fast beliebig verlängern.

Sichere Freizeit – sichere Ferien

Damit die Sensibilisierung für solche Unfallgefahren mög-

Sport – Sicherheit gewinnt

lichst realistisch erfolgen kann, hat die bfu ein komplett

Gartenarbeit

ausgestattetes Modell dieser Räume konstruieren lassen.

Do it yourself – sicheres Werken

Es fehlen weder Gaskochherd, Rüstmesser, Dusche noch

Das sichere Haus

Föhn oder Sicherungskasten mit FI-Schutz. Das Haus lässt

Stürze – sicher auf Schritt und Tritt

sich zerlegen und transportieren. Es kommt in den Betrie-

Mehr Sicherheit im Strassenverkehr

ben zum Einsatz, wenn die Belegschaft für die alltäglichen Gefahren sensibilisiert werden soll. Die Beraterin oder der Berater der bfu bitten eine Gruppe von je 5 bis 10 Mit­ arbeitenden, sich Küche und Bad genau anzuschauen und alle erkannten Gefahren zu notieren. Nach getaner Arbeit werden diese Gefahren in der Gesamtgruppe besprochen und die bfu-Spezialisten geben konkrete Präventionstipps. Zusätzlich kann auch der korrekte Gebrauch der Feuerlöschdecke geübt werden.

Unfallgefahren suchen am realistischen Küchenmodell

26 Ausbildung – Weiterbildung

bfu – Jahresbericht 2011


Neuer Kurs «Unfallauswertung Strassenverkehr» Die Verkehrsingenieure der bfu bieten Fachpersonen von Behörden und Ingenieurbüros regelmässig Weiterbildungskurse zu ausgewählten Themen an. Dieses Jahr stand die «Unfallauswertung Strassenverkehr» im Mittelpunkt. Mit dieser Wissensvermittlung kann ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geleistet werden. Das Bundesamt für Strassen ASTRA bot den kantonalen

Nach der Durchführung je eines Kurses in Deutsch mit 39

Behörden einen Kurs zur Theorie der geografischen Ver-

Teilnehmenden und in Französisch mit 32 Teilnehmenden

kehrsunfallauswertung an und beauftragte im Jahr 2010

werden aufgrund der grossen Nachfrage 2 bis 4 weitere

die bfu mit dessen Durchführung. Dieser Kurs war für die

Kurse anfangs 2012 angeboten.

bfu auch die Grundlage für die schon länger geplante eigene Schulung zum gleichen Thema. Das Aufzeigen der Zusammenhänge zwischen der Unfall­ entstehung, der Unfallaufnahme, der lokalen Auswertung und der Analyse von Unfallhäufungsstellen sowie die Ableitung und Umsetzung von geeigneten Massnahmen inklusive deren Evaluation bilden den Kern dieser Weiterbildung. Die bfu will damit Behörden, Planer und Ingenieure für die Themen sensibilisieren und die Anwendung der bewährten und von ihr seit langem eingesetzten Methoden fördern. Nebst der Vermittlung der theoretischen Grund­ lagen gemäss den einschlägigen Fachdokumentationen und den entsprechenden Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS wurden auch zwei Gruppenarbeiten durchgeführt. Die aktive Anwendung der theoretischen Inhalte wurde sehr geschätzt und rege genutzt. Die Grundlagen sind in einem für diesen Kurs erarbeiteten Handbuch dargestellt, das auch als Nachschlagewerk dient.

bfu – Jahresbericht 2011

Ausbildung – Weiterbildung

27


20 Jahre Verkehrsinstruktoren-Tagung Am 16. November 2011 wurde in der Bernexpo die 20. bfu-Verkehrsinstruktoren-Tagung durchgeführt. Über 200 Instruktoren aus der ganzen Schweiz nahmen am Anlass teil. Der Leitfaden dieser Jubiläumsveranstaltung lautete «Am Puls der Zeit». Die Zahl schwer verletzter und getöteter Kinder im Strassen­

Am Nachmittag wurden die Inhalte in Austauschseminaren

verkehr ist in den letzten Jahrzehnten stark zurück­

vertieft behandelt. So verfolgten z. B. zwei Kindergarten-

gegangen. Einen wichtigen Beitrag zu dieser erfreulichen

klassen im Beisein von interessierten Verkehrsinstruktoren

Entwicklung leisten seit vielen Jahren die Verkehrsinstruk-

gespannt die Aufführung eines Puppentheaters.

toren der Polizei. Sie sensibilisieren Kinder und Jugendliche

Die Verkehrsinstruktoren-Tagung der bfu ist schweizweit

für die Gefahren des Strassenverkehrs, bringen ihnen die

die einzige Plattform, die für diese Zielgruppe angeboten

Verkehrsregeln bei und schulen das richtige Verhalten als

wird. Sie wird durch den Fonds für Verkehrssicherheit FVS

Fussgänger und Velofahrer. Sie beraten Behörden, Schul­

mitfinanziert.

leitungen, Lehrpersonen und Eltern und führen Präventionsanlässe durch. Die bfu kooperiert eng mit den Verkehrsinstruktoren, bietet ihnen die Informationsplattform www.verkehrserziehung.ch an und führt alljährlich eine Tagung durch. An diesem Anlass halten Spezialisten verschiedener Fachbereiche Referate zu Themen, die für die Verkehrserziehung relevant sind. Er ist auch eine wichtige Gelegenheit für die Verkehrsinstruktoren aus der ganzen Schweiz, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen und den Fachleuten spezifische Fragen zu stellen. Der Leitfaden der Jubiläumsveranstaltung lautete «Am Puls der Zeit». Nach der Begrüssung durch die bfu-Direktorin folgten diverse Referate über das Transferlernen mit Kindern und Jugendlichen, die Wichtigkeit des Einsatzes

Erfahrungsaustausch unter Verkehrsinstruktoren

von Märchen im Verkehrsunterricht sowie den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern.

28 Ausbildung – Weiterbildung

bfu – Jahresbericht 2011


Kurs «Sichere Bodenbeläge» Pro Jahr ereignen sich rund 170 000 Sturzunfälle auf gleicher Ebene. Die Ursache dafür können rutschige Bodenbeläge sein. Die bfu bietet zu diesem Thema einen halbtägigen Kurs für Baufachleute an. Gehen ist für die meisten von uns ein alltäglicher und

Ein Ziel des Kurses ist es, das Thema sichere Bodenbeläge

auto­matisierter Bewegungsablauf. Gerade deshalb neigen

aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Daher zeigt

wir dazu, Sturzgefahren zu übersehen. Der Sturz als Unfall­

ein Architekt den gesamten Prozess des Bodenbelags von

ursache steht im Privatbereich an erster und in Industrie

der Planung bis zur Benützung und die Einflüsse auf die

und Gewerbe an zweiter Stelle. Dabei ereignen sich vor

Gleitsicherheit während der Bauphase eines Bauwerks. Er

allem Stürze auf gleicher Ebene, also beim ganz gewöhn­

macht auf die unterschiedlichen Ansprüche der diversen

lichen Umhergehen. Sichere Bodenbeläge sind eine

Beteiligten aufmerksam: Oft führen entgegengesetzte Be-

wichtige Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Un-

dürfnisse zu Spannungsfeldern in diesem Prozess, denen

fallverhütung.

Rechnung zu tragen ist.

Die bfu hat zu diesem Thema zwei Fachbroschüren er­

Zum Schluss weist ein Spezialist für Reinigung und Pflege

arbeitet: die «Anforderungsliste Bodenbeläge» und die

von Böden auf den Einfluss der Reinigung auf die Gleit­

neu überarbeitete Fachdokumentation «Bodenbeläge». In

sicherheit hin. Welche Wirkung haben Schmutz oder die

Ergänzung dazu bietet sie Fachleuten wie Vertretern der

Anwendung von falschen Reinigungsprodukten und

Bodenbelagsbranche, Architekten und Planern, Immobilien­

-methoden? Fazit: Reinigung und Pflege beeinflussen die

verwaltern und weiteren interessierten Kreisen den Kurs

Gleitsicherheit eines Bodens wesentlich und müssen

«Sichere Bodenbeläge» an.

deshalb bereits bei der Planung und Auswahl eines Boden­

Im Kurs werden den Teilnehmenden die verschiedenen

belags miteinbezogen werden.

Methoden zur Messung der Gleitfestigkeit vorgestellt. Anschliessend können sie durch Berühren diverse Belags­

Die bfu-Dokumentationen «Anforderungsliste

muster im Hinblick auf deren Rutschhemmung selbst ein-

Bodenbeläge» Art.-Nr. 2.032 und «Bodenbeläge»

schätzen. Danach wird mit dem Gleitmessgerät das

Art. 2.027 finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen

Resultat für ein durch die Kursbesuchenden ausgewähltes Belags­material ermittelt. In einem weiteren Schritt lernen diese die Anforderungsliste kennen und können anhand von Praxisbeispielen den Umgang mit der Liste sogleich üben.

bfu – Jahresbericht 2011

Ausbildung – Weiterbildung

29


Die bfu berät Ob in den Gemeinden, in den Schulen oder im Sportumfeld – die bfu berät und unterstützt die Arbeit der Fachleute für die Sicherheit der Bevölkerung. Manchmal weist sie dabei auch auf neue und visionäre Konzepte hin, wie zum Beispiel jenes der Gemeinschaftsstrassen.


Projekte Leitfaden für sichere Snowparks Die bfu-Fachdokumentation «Snowparks» setzt neue Massstäbe für Planung, Bau und Betrieb von solchen Anlagen. Sie dient den Parkbetreibern als Anleitung und definiert Sicherheitsstandards. Unter anderem arbeitete Halfpipe-Olympiasieger Gian Simmen daran mit. Schneesport ist populär. Ein Blick in die Schweizer Schnee-

Einen weiteren Akzent setzt die Fachdokumentation mit

sportgebiete zeigt: Besonders im Trend liegt das Befahren

der klaren Kennzeichnung der Parkanlage: Diese ist

und Überspringen von künstlichen Elementen. Diese Popu-

schweizweit einheitlich und unterscheidet sich mit ihrer

larität widerspiegelt sich auch darin, dass die Schweiz in

orangen Farbe und der Bezeichnung der Schwierigkeits­

den olympischen Disziplinen Halfpipe und Cross schon je

grade S-M-L klar von der Pistenbeschilderung in blau-rot-

einen Olympiasieger feiern durfte.

schwarz. So soll verhindert werden, dass Schneesportler,

Doch wie sieht das Unfallgeschehen in Snowparks aus? Die

die gerne auf schwarzen Pisten fahren, das Gefühl haben,

Statistik des Pisten- und Rettungsdienstes zeigt: Rund 6 %

sie könnten deswegen auch «schwarze» Elemente wie

aller Verletztentransporte erfolgten aus Snowparks. Davon

Sprünge, Halfpipes und künstliche Hindernisse problemlos

verschuldeten 70 – 85 % der Skifahrer und Snowboarder

bewältigen.

ihre Unfälle selbst, z. B. nach einem Sprung. Alarmierend

Die proaktiv eingebundenen Partner und Spezialisten, unter

ist, dass der Anteil an Kopf- und Rückenverletzungen bei

anderem der Autor Marc Weiler und Halfpipe-Olympia­

ihnen besonders hoch ist.

sieger Gian Simmen, begleiteten den Prozess mit viel Enga-

Das Risiko liegt einerseits beim Menschen und seinem Ver-

gement. Dank der breiten Abstützung hofft die bfu einer-

halten: Er hat keine oder wenig Parkerfahrung und/oder

seits, dass Snowparks optimal gebaut und gepflegt werden.

schätzt das Hindernis schlecht bzw. falsch ein. Anderseits

Anderseits will sie bewirken, dass sich die Benutzenden

sind zum Teil auch die Anlagen nicht optimal gebaut.

besser im Park orientieren und die Gefahren besser ein-

Bei der Fachdokumentation für sichere Snowparks hat die

schätzen können und sich dadurch weniger verletzen.

bfu zusammen mit praxiserfahrenen Experten aus dem Schneesport das vorhandene Wissen gesammelt und Mini-

Die bfu-Fachdokumentation «Snowparks» finden Sie

malanforderungen an Bau und Unterhalt definiert.

auf: www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.081

Ein besonderes Augenmerk widmet der Leitfaden den Einsteigern ohne oder mit wenig Erfahrung im Snowpark. Sie benötigen besonderen Schutz vor unbekannten Risiken.

bfu-Fachdokumentation 2.081

Snowparks

Eckdaten •

Partner: Seilbahnen Schweiz, J+S (BASPO), Swiss Ski, Swiss Snowsports, Suva, Parkbetreiber aus Brigels, Laax, Adelboden, Grindelwald und Deutschland

Ziele: einheitliche Signalisation von SnowparkAnlagen, standardisierte Anfängerlinie, Mindestanforderungen an künstliche Elemente

32 Beratung – Projekte

Autor: Marc Weiler

Bern 2011

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung

bfu – Jahresbericht 2011


Hindernisfreie Spielplätze – ein Gewinn für alle Mit dem Projekt «Spielplätze für alle» wird eine verbesserte Zugänglichkeit von öffentlichen Spielplätzen für Menschen mit Behinderungen angestrebt. Die bfu arbeitete mit anderen Partnern am Projekt mit und konnte dadurch die Anliegen der Unfallprävention einfliessen lassen. «Mit Spielplätzen für alle wollen wir dazu beitragen, dass

Die Spielplätze der Stiftung «Denk an mich» sollen – wie

Menschen mit einer Behinderung gleichberechtigt am ge-

es der Name sagt – allen etwas bieten. So werden auch

sellschaftlichen Leben teilnehmen können und integriert

Kinder mit uneingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten

sind. Das ist besonders wichtig, denn auf dem Spielplatz

herausgefordert, zum Beispiel mit einer anspruchsvollen

entwickelt sich das Sozialverhalten», hielt alt Bundesrat

Kletteranlage.

Samuel Schmid bei seiner Eröffnungsansprache auf einem

Für die bfu ist es wertvoll und lehrreich, gemeinsam mit an-

neu erstellten «Spielplatz für alle» fest. Auffallend: Dieser

deren Organisationen an solchen Projekten mitzuarbeiten

Spielplatz sieht fast so aus wie viele andere auch. Der

und ihr fachliches Wissen zur Unfallverhütung einzubringen.

Unterschied liegt darin, dass er nicht nur für Kinder mit Behinderungen, sondern auch für Personen mit Kinder­ wagen oder ältere Menschen mit Gehhilfen zugänglich ist.

Eckdaten

Dadurch können diese ihre Kinder oder Enkelkinder mühe-

Die Stiftung «Denk an mich» gewährt finan-

los zum Spielplatz begleiten.

zielle Unterstützung für hindernisfrei gestaltete

Von zentraler Bedeutung ist die richtige Auswahl an

Spielplätze.

Mobiliar und Material. Zum Beispiel Tische, an denen man

«Denk an mich» konnte für das Spielplatz-Projekt

mit einem Rollstuhl sitzen kann. Auch die hindernisfreie

starke und kompetente Partner gewinnen: das

Ausgestaltung des Raums, also breite Wege, keine Stufen,

Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von

keine Kiesflächen, ist wichtig. Bei den Spielplatzgeräten

Menschen mit Behin­derungen, die Schweizerische

gibt es Wippen mit Rückenlehnen oder eine Vogelnest-

Fachstelle für behindertengerechtes Bauen und

schaukel (Korbschaukel), in der mehrere Kinder gemeinsam sitzen und liegen können, auch solche mit schweren Behin-

die bfu. •

Die Beurteilungskommission behandelte im Jahr

derungen. Es ist kein Zufall, dass die Steinquader am Rand

2011 Projekte aus folgenden Orten: Wil SG,

des Sandkastens die gleiche Höhe wie ein Rollstuhl aufwei-

Bischofszell TG, Goldach SG, Wildhaus SG, Lenk

sen. So kann mit der Kraft der Arme von einer Sitzfläche

BE und Riehen BS.

zur anderen gewechselt und der Sandkuchen «gebacken» werden. Der Aufgang zur Rutschbahn ist so ausgestaltet, dass sich gehbehinderte Kinder mit den Armen hinauf­ ziehen können.

bfu – Jahresbericht 2011

Beratung – Projekte

33


«Achterbahn» für Mountainbiker Die Gotschna Freeride Piste für Mountainbiker in Klosters führt auf beinahe 6 km Länge mit mehr als 500 m Höhen­unterschied vom Gotschnaboden zur Talstation der Gotschnabahn. Vor der Eröffnung im Juli 2011 wurde eine Begehung mit allen Beteiligten und der bfu durchgeführt. Bei der Planung und Realisierung der Strecke stand die bfu-Fachdokumentation «Mountainbike-Trails» Pate. Bei der Begehung wurde klar, dass in Klosters ein Pisten­ verlauf mit extrem flüssiger Linienführung für alle Leistungs­

Fazit

niveaus gelungen ist. Über 200 Steilkurven, Sprünge und

Die Erbauer haben die Empfehlungen der bfu-Publi­

Wellen können befahren werden. Mountainbike-Fahrer mit

kation «Mountainbike-Trails» vollumfänglich und

guter Technik bewältigen die 50 Steilwandkurven unge-

profes­sionell umgesetzt. Aber trotz optimaler Infra­

bremst. Die Freeride-Piste ist von Juli bis Ende Oktober offen.

struktur: Das Befahren solcher Strecken erfolgt auf

Neben Projektleiter und Erbauer waren auch Personen der

eigenes Risiko und sollte den eigenen Fähigkeiten

Davos Klosters Bergbahnen, der Kantons- und Gemeinde-

und den Verhältnissen angepasst werden. Die erste

polizei, des Bauamtes, der Fachstelle Langsamverkehr

Fahrt ist grundsätzlich immer als Besichtigungs-

Kanton Graubünden sowie der bfu anwesend. Die Besich-

fahrt mit deutlich gedrosseltem Tempo in Angriff

tigung der gesamten Strecke erfolgte mit Freeridebikes.

zu nehmen.

Folgende Punkte fielen besonders auf: •

Zum Aufwärmen und für Anfänger gibt es auf dem Gotschnaboden ein sogenanntes «Skillcenter» für erste

Die Fachdokumentation «Mountainbike-Trails»

Versuche und um die heikelsten Passagen 1:1 zu erproben.

finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.040

Eine klare Signalisierung weist auf schwer befahrbare Stellen für Anfänger hin. Hier kann auf leichtere Passagen, sogenannte «Chickenlines», ausgewichen werden.

Wegkreuzungen wurden durch eine clevere Linienführung so gestaltet, dass Biker ihr Tempo entsprechend reduzieren müssen und dadurch ausreichend Zeit gewinnen, auf andere Benutzergruppen aufmerksam zu werden.

Infolge des teilweise erosionsanfälligen und sensiblen Untergrunds (verwurzelter Föhrenwald) wurden insgesamt 800 m der Strecke als «North Shore» erstellt. Das sind Holzkonstruktionen mit einem rutschfesten Belag. Um Unfälle auf solchen Passagen wegen schadhafter Bauten zu verhindern, sind häufige Kontrollgänge unumgänglich.

34 Beratung – Projekte

bfu – Jahresbericht 2011


Gemeinschaftsstrassen: attraktiv und sicher Seit einigen Jahren werden in Holland und anderen Ländern Zentrumszonen unter dem Label «Shared Space» umgestaltet und als DIE Lösung für sämtliche Verkehrsprobleme im Innerortsbereich propagiert. Um die Möglichkeiten und Grenzen von Gemeinschaftsstrassen objektiv zu beurteilen, erarbeitete die bfu mit ihren Partnern aus Deutschland und Österreich eine Fachdokumentation zum Thema. Ziel einer Gemeinschaftsstrasse ist, die Aufenthaltsqualität

Die Fachdokumentation stellt je zwei Beispiele von erstell-

der Verkehrsteilnehmenden, insbesondere des Langsam-

ten Gemeinschaftsstrassen aus Deutschland, Österreich

verkehrs, im Strassenraum zu erhöhen. Dabei dürfen aber

und der Schweiz beispielhaft vor. Die beiden beschrie­

die Auswirkungen der Umgestaltung auf die Verkehrssicher­

benen Schweizer Beispiele sind die Schwarzenburgstrasse

heit nicht vernachlässigt werden. Eine Gemeinschafts­

in Köniz BE und der Abschnitt der Brünigstrasse in Alp­

strasse umfasst in der Regel die Umgestaltung eines be-

nachstad OW vor der Talstation der Pilatus-Zahnradbahn.

stimmten Strassenraums in einer Ortsdurchfahrt und lässt

Bei beiden Projekten war die bfu beratend involviert.

sich je nach Bedarf auch in eine Tempo-30-Zone oder eine Begegnungszone integrieren. Die Gemeinschaftsstrasse

Die bfu-Fachdokumentation «Gemeinschafts­

soll anstelle der Dominanz des Fahrzeugverkehrs die

strassen» finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen,

gleichberechtigte Koexistenz aller Verkehrsteilnehmenden

Art.-Nr. 2.083

fördern. Um eine gemeinsame Vorgehensweise beim Umgestalten von Zentrumszonen zu erreichen, erarbeitete die bfu in Zusammenarbeit mit der Unfallforschung der Versicherer aus Deutschland und mit dem Kuratorium für Verkehrs­ sicherheit aus Österreich die Fachdokumentation «Gemein­ schaftsstrassen». Diese beschreibt die Anwendungs­ bereiche und Ausschlusskriterien sowie die Planungs- und Gestaltungsgrundsätze in Form einer Checkliste. Zentral für das Gelingen eines Gemeinschaftsstrassenprojekts sind der gesamte Planungsprozess und die Partizipation der verschiedenen Nutzergruppen. Diese Gruppen – Raumplaner, Verkehrstechniker, Interessenverbände (öffentlicher Verkehr, mobilitätseingeschränkte Personen), Anwohner, Gewerbe, Politiker – sind eng in das Projekt einzubinden.

bfu – Jahresbericht 2011

Beratung – Projekte

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Unfallträchtige Knotenfolge in Thun Der Kanton Bern saniert jedes Jahr systematisch mehrere Unfallschwerpunkte im kantonalen Strassennetz. 2010 stellte er unter anderem ein erhöhtes Unfallgeschehen auf der Kantonsstrasse Nr. 6 in Thun/Dürrenast fest. Das Tiefbauamt des Kantons Bern erteilte der bfu den Auftrag, eine Unfallanalyse durchzuführen. Das Unfallgeschehen wurde im Zeitraum von 2004 bis

Die bfu schlug die folgenden drei Lösungsvarianten zur Be­

2008 (5 Jahre) untersucht. Der «Holidaykreisel» weist ein

hebung der aufgeführten Mängel vor:

geringes Unfallgeschehen auf. Demgegenüber stellt sich

1. Umgestaltung der beiden Knoten in lichtsignalgeregelte

der unmittelbar folgende Knoten «Kantonsstrasse/See­

Anlagen

strasse» als Unfallschwerpunkt heraus, ereigneten sich

2. Erstellen eines Doppelkreisels mit baulicher Optimierung

doch dort im untersuchten Zeitraum 22 Unfälle des gleichen

des «Holidaykreisels»: Der Bypass für den Bus ist aufzu-

Typs. Die Verkehrsteilnehmenden übersehen beim Links-

heben und die Mittelinsel muss zu einer ausreichenden

einbiegen von der Seestrasse in die Kantonsstrasse die dort vortrittsberechtigten, geradeaus fahrenden Fahrzeuge.

Ablenkung führen. 3. Verbesserungsmassnahmen an beiden Knoten: gewisse

Für die Festlegung der massgebenden Mängel war es ent-

Verkehrsbeziehungen unterbinden und den «Holiday-

scheidend, beide Knoten als Einheit zu betrachten, um so

kreisel» und die Verzweigung «Kantonsstrasse/See­

auf dem genannten Abschnitt zu einer optimalen Lösung

strasse» baulich optimieren (schlechteste Variante)

zu gelangen. Als wichtigste Mängel stellten sich heraus: •

Aus Richtung Süd führen drei Fahrstreifen (motorisierter

Der Kanton Bern hat sich für die Variante 2, Bau eines Doppelkreisels, entschieden.

Verkehr, Fahrradverkehr und Linienbus) auf den Kreisel zu. In dieser Fahrtrichtung lenkt die Mittelinsel des Kreisels deshalb Fahrzeuglenkende nur ungenügend ab. Diese fahren in der Folge zu schnell auf den nachfolgenden Knoten «Kantonsstrasse/Seestrasse» zu. •

Aus Richtung Nord kann ebenfalls mit zu hoher Geschwindigkeit auf die Verzweigung «Kantonsstrasse/Seestrasse» und den nachfolgenden «Holidaykreisel» zugefahren werden. Die von der Seestrasse in die Kantonsstrasse einmündenden Fahrzeuglenkenden sind mit dem Verkehrsablauf und der Komplexität der Gesamtsituation in beiden Knoten überfordert.

36 Beratung – Projekte

bfu – Jahresbericht 2011


Die bfu prüft Die bfu ist ein vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO ernanntes Kontrollorgan für die Produktesicherheit im Nichtberufsbereich in der Schweiz. 2011 hat sie unter anderem die Qualität von aufblasbaren Freizeitbooten systematisch überprüft.


Produkteprüfungen Gummiboote im Visier Die bfu kontrollierte im Sommer 2011 in einer ihrer Stichproben das Marktangebot für aufblasbare Freizeitboote. Die Boote wurden dabei an Land sowie im Wasser auf ihre Sicherheit getestet. Nicht alle entsprachen den gesetzlichen Anforderungen. Erkenntnisse aus der bfu-Forschung zeigen, dass 10 % aller

Sechs Gummiboote genügten den Anforderungen oder

tödlichen Ertrinkungsunfälle in der Schweiz beim Tauchen

bestanden die Tests mit sehr kleinen, vernachlässigbaren

und Bootfahren geschehen. Todesfälle ereignen sich auf-

Mängeln. Ein Modell hingegen wies einen groben Sicher-

grund von Stürzen aus einem Boot oder durch Kentern. Die

heitsmangel sowie weitere Normenabweichungen auf. Bei

Mehrheit dieser Unfälle wird wahrscheinlich nicht durch

diesem Gummiboot fehlte die redundante Luftkammer, die

mangelhafte Produkte, sondern eher durch das Nicht­

beim plötzlichen Ausfall einer der Hauptluftkammern den

beachten von Wassersicherheitsregeln ausgelöst. Trotzdem

weiteren Gebrauch des Bootes ohne Versinken im Wasser

soll auch aus Sicht der Produktesicherheit zur Vermeidung

ermöglichen soll. Gegen den Inverkehrbringer dieses Bootes

dieser tödlichen Unfälle beigetragen werden, indem ge-

wurde ein Kontrollverfahren eröffnet und in dessen Verlauf

währleistet wird, dass nur sicherheitskonforme Boote auf

erreicht, dass der Verkauf des fehlerhaften Gummibootes

den Markt gelangen. Deshalb wurde entschieden, aufblas-

gestoppt und eine Warninformation an frühere Käufer

bare Gummiboote, die überwiegend dem Badebetrieb

herausgegeben wurde.

oder anderen Freizeitaktivitäten dienen, auf ihre Sicherheit

Dieses Beispiel zeigt, dass aufgrund von einzelnen Stich-

hin zu testen.

proben Produkte entweder verbessert oder aus dem

Damit ein aufblasbares Gummiboot als sicher gilt, muss es

Verkauf zurückgezogen werden können und dadurch ein

den Anforderungen des Produktesicherheitsgesetzes für

Beitrag zur Unfallverhütung geleistet wird.

das Inverkehrbringen genügen. Der Hersteller muss sein Produkt normenkonform konstruieren. Zudem sind Informationen an die Nutzenden zum korrekten Gebrauch sowie zu Bedienung und Wartung der Boote unerlässlich. Für die Stichprobe wurden im Frühsommer sieben aufblasbare Gummiboote in verschiedenen Verkaufsstellen in der Region Bern/Biel gekauft und durch die bfu nach aus­ gewählten Prüfkriterien getestet. Der Prüfumfang wurde auf der Basis der europäischen Normen für «Schwimmende Freizeit­ artikel zum Gebrauch auf und im Wasser» fest­ gelegt und die Resultate nach dieser Norm klassifiziert.

38 Produktesicherheit – Produkteprüfungen

bfu – Jahresbericht 2011


Auf heisser Spur lebensgefährlicher Notstromgeneratoren Als Kontrollorgan für die Produktesicherheit im Nichtberufsbereich gehen bfu-Inspektoren Meldungen und begründeten Hinweisen auf mangelhafte Produkte nach. 2011 waren dies unter anderem Notstromgeneratoren. Im vorliegenden Fall stellte die Kantonspolizei Bern fest,

Nach Kenntnis der Situation erliessen die bfu-Inspektoren

dass nichtkonforme Notstromgeneratoren in den Verkehr

umgehend ein Verkaufsverbot und ordneten einen Rückruf

gebracht worden waren. Ein intensiver Informationsaus-

an. Die Importfirma wurde verpflichtet, auf der Internet­

tausch zwischen Polizisten, Zollverwaltern, SECO-Beamten,

seite des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen

Privatpersonen und der bfu setzte ein. Selbst Fahrende, die

eine entsprechende Meldung zu publizieren. Als zusätzliche

in mehreren Gemeinden solche Notstromgeneratoren zum

Massnahme untersagte das SECO – mit Unterstützung der

Verkauf angeboten hatten, wurden von der Polizei zur

bfu – mit einer Allgemeinverfügung die weitere Inverkehr-

Herausgabe sachdienlicher Hinweise, wie zum Beispiel

bringung des mangelhaften Notstromgenerators für den

Quittungsnachweise, aufgefordert. Es wurde aufgedeckt,

gesamten Schweizer Markt.

dass die Geräte ohne ordentliche Zollanmeldung in die

Die bfu verschickte zudem Informationsschreiben mit

Schweiz eingeführt worden waren. Schliesslich führte die

Sicherheitswarnungen an grössere Verkaufsstellen und

Spur zum Sitz einer Schweizer Importfirma. Die Eidgenös-

Händlerketten. Und sie liess aus Sicherheitsgründen An­

sische Zollverwaltung informierte daraufhin das SECO. Es

gebote für die fehlerhaften Generatoren auf Online-Platt-

wurde vermutet, dass diese Notstromgeneratoren die

formen sperren.

Sicherheit in höchstem Mass gefährden könnten. Gemäss der Zuständigkeitsregelung beauftragte das SECO die bfu, weitere Abklärungen vorzunehmen. Nach Beschlagnahmung solcher Generatoren besuchten die bfu-Inspektoren die zuständige Importfirma. Vor Ort führten sie an einem Nachfolgemodell (der eingezogene Generator war nicht mehr im Sortiment) eine Prüfung durch. Ein äusserst gravierender Mangel wurde entdeckt: Die Benutzenden riskierten, beim Gerät in direkten Kontakt mit 400 Volt Spannung zu kommen, da die Anschluss­ stellen beim Voltmeter nicht gegen eine mögliche Berührung gesichert waren. Solche potenziellen Stromschläge sind lebensgefährlich.

bfu – Jahresbericht 2011

Produktesicherheit – Produkteprüfungen

39


Snowboard-Handschuh mit Präventionseffekt Die bfu fördert sichere Produkte. Vor diesem Hintergrund hat sie das bfu-Sicherheitszeichen einem Snowboard-Handschuh mit Handgelenkschutz verliehen. Dieser erfüllt die Anforderungen nach dem neuen bfu-Prüfreglement und läutet eine neue Generation von Handgelenkschützern ein. Einige Fakten: Es ist erwiesen, dass ein Handgelenkschoner

Um die Schutzwirkung und den Komfort von Handgelenk-

wirksam schützt. In den Wintersaisons 2002 – 2011 verletz-

schützern weiter zu verbessern, investiert die bfu in um-

ten sich im Durchschnitt 14 von 100 verunfallten Snow-

fangreiche Grundlagenarbeiten auf diesem Gebiet. Die

boardern an Hand oder Handgelenk. Die bfu-Erhebungen

Erkenntnisse daraus werden von der International Society

der Tragquoten von Schutzartikeln bei Ski- und Snow-

for Skiing Safety ISSS aufgenommen. Eine Arbeitsgruppe

boardfahrenden zeigen, dass seit 2007/08 immer weniger

der ISSS hat sich zum Ziel gesetzt, die Voraussetzungen für

Snowboarder einen Handgelenkschutz tragen. In einer

eine international abgestimmte Norm zu erarbeiten. Die

bfu-Studie gaben 25 % der Befragten an, ein solcher sei

bfu hat dabei die Koordinationsrolle übernommen.

unpraktisch und unbequem. Doch die Entwicklung bei den Snowboard-Handschuhen steht nicht still. So erhielt 2011 der Snowboard-Handschuh «Booter» der Firma Reusch das bfu-Sicherheitszeichen. Er besteht aus zwei Komponenten: dem eigentlichen Snowboard-Handschuh und dem Handgelenkschutz. Ein auf dem Handrücken integriertes Stabilisierungselement schützt das Handgelenk vor Überstreckung und ein zweiteiliges Dämpfungselement auf der Handinnenseite wirkt stossabsorbierend. Trotz dieser Schutzelemente bleibt das Handgelenk beweglich und der Handschuh schützt ohne Einbusse bei Design und Tragkomfort. Das ausgezeichnete Produkt gibt die Richtung vor, wie Verletzungen des Handgelenks beim Snowboardfahren reduziert werden können.

40 Produktesicherheit – Produkteprüfungen

bfu – Jahresbericht 2011


Die bfu kommuniziert 2011 lancierte die bfu zwei neue Kampagnen: eine zum Thema Ertrinkungsunfälle von Kindern, die andere zu Müdigkeit am Steuer. Damit machte sie die Bevölkerung auf zwei wichtige Unfallursachen aufmerksam.


Kampagnen Kinder am Wasser beaufsichtigen Im April 2011 startete die bfu die neue Präventionskampagne für mehr Sicherheit von Kindern im und am Wasser. Gemeinsam mit Partnern und mit der Botschaft «Kinder am Wasser immer im Auge behalten. Kleine in Reichweite» nimmt die bfu Eltern und andere Betreuungspersonen in die Pflicht und macht auf die Gefahren für 0- bis 9-jährige Kinder aufmerksam. Wasser ist ein attraktives Element, es macht Spass und

Viele Ertrinkungsunfälle von Kindern bis 9 Jahre ereignen

lädt zum Spielen ein. Doch ein Kind kann in weniger als

sich nach Stürzen ins Wasser, die nicht nur beim Baden,

20 Sekunden ertrinken – meist lautlos. Zusammen mit Part-

sondern auch beim Spielen oder Herumtollen am Wasser

nern wie swimsports.ch, Schweizerische Lebensrettungs-

passieren können. Selbst Kinder, die schwimmen gelernt

Gesellschaft SLRG und Schweizerischer Badmeister-

haben, können unter Wasser die Orientierung verlieren

Verband SBV hat die bfu eine Wasser-Sicherheitskampagne

und in Panik geraten. Damit sich das Kind selbst aus einer

lanciert, die bis 2013 dauern wird. Das Ziel der Kampagne:

solchen Notsituation retten kann, wird im Rahmen der

keine Ertrinkungsunfälle von Kindern.

Kampagne der Wasser-Sicherheits-Check (WSC) gefördert.

Die Hauptbotschaft der Kampagne lautet «Kinder immer

Es handelt sich dabei nicht um einen konventionellen

im Auge behalten. Kleine in Reichweite». Sie richtet sich in

Schwimmkurs; der Fokus liegt vielmehr auf dem angstfreien

erster Linie an Eltern und Betreuungspersonen, die im und

Aufenthalt im Wasser und der Fähigkeit zur Selbstrettung.

am Wasser für die Sicherheit der Kinder verantwortlich

Träger des WSC sind swimsports.ch, die Schweizerische

sind. Didi Dusche – gelbe Figur und Sympathieträger der

Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, der Schweizerische

Kampagne – ermahnt Eltern und Betreuende, die ihre Auf-

Schwimmverband SSCHV, Jugend und Sport J+S sowie

sichtspflichten verletzen.

die bfu.

Obschon nur 7 % der Ertrinkungsunfälle in überwachten Anlagen stattfinden, wurden die öffentlichen Bade­

Weiterführende Informationen finden Sie auf:

anstalten als Kommunikationsplattform definiert. So kann

www.water-safety.ch

die Botschaft – die überall in Wassernähe gilt – wirkungsvoll in die Breite kommuniziert werden. Badmeister und Partner­ organisationen können kostenlos die gelben KampagnenShirts, Kommunikationsmittel und Give-aways bei der bfu bestellen. Das hilft den Badmeistern, die Handlungsan­ weisung «Kinder immer im Auge behalten. Kleine in Reichweite» direkt den verantwortlichen Betreuungspersonen zu kommunizieren. Denn Badmeister sind keine Babysitter!

Kampagnenstart im Berner Marzilibad

42 Kommunikation – Kampagnen

bfu – Jahresbericht 2011


Müde? Der Turboschlaf bringts! 10 bis 20 % der Strassenverkehrsunfälle stehen in Zusammenhang mit Müdigkeit am Steuer. Die Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit entsprechen denjenigen von Alkohol – eine Tatsache, die oft unterschätzt wird. Grund genug für die bfu, im Frühjahr 2011 eine Sensibilisierungskampagne zum Thema zu lancieren, die bis 2013 dauern wird. Die Turboschlaf-Kampagne – durchgeführt im Auftrag des

Es wäre illusorisch zu glauben, man könne die Müdigkeit

Fonds für Verkehrssicherheit FVS und in Zusammenarbeit

überlisten; sie wird immer Oberhand behalten. Und sie

mit dem Touring Club Schweiz TCS und dem Verkehrs­

bringt nicht nur die Lenkenden selbst in Gefahr, sondern

sicherheitsrat VSR – dauert von 2011 bis 2013. In einer

auch die anderen Verkehrsteilnehmenden. Rund 1500 Per-

ersten Etappe wendet sie sich an alle Fahrzeuglenkenden,

sonen könnten jährlich unversehrt bleiben, wenn die Prä-

in einer zweiten an Senioren und Vielfahrende/Schicht­

ventionsmassnahme «bei Schläfrigkeit ein Turboschlaf von

arbeitende und in einer dritten an Junglenkende.

15 Minuten» befolgt würde.

Wer hat noch nie am Steuer gegen Symptome wie brennende Augen, ständiges Gähnen und zufallende Augen­ lider gekämpft? Es sind dies klare Zeichen von Müdigkeit,

Die bfu-Kampagnen auf einen Blick

die dramatische Auswirkungen haben können. Das einzig

M  üdigkeitskampagne*: in Zusammenarbeit

wirksame Mittel dagegen: der Turboschlaf. Wie es sein

mit Touring Club Schweiz TCS und Verkehrs­

Name sagt, handelt es sich dabei um ein kurzes Nickerchen

sicherheitsrat VSR

von 15 Minuten, jedoch mit heilsamer Wirkung. Diese Emp-

fehlung wird in der Kampagne mit verschiedenen, manchmal erstaunlichen Aktionen veranschaulicht. So dem ersten

Alkoholkampagne der bfu, in Zusammenarbeit mit den Polizeien*

W  ater-Safety-Kampagne: in Zusammenarbeit

nationalen Turboschlaftag vom 14. März, der den Beginn

mit Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft

der Kampagne markiert. Der «Turbosiesteur», der vom

SLRG, swimsports.ch, Schweizerischer Bad­

Nutzen des Turboschlafs überzeugt ist, sensibilisiert z. B. die jungen Lenkenden über die sozialen Medien, wo seine

meister-Verband SBV und anderen •

Velohelmbon-Aktion*: in Zusammenarbeit mit

Taten zu sehen sind (www.facebook.com/turbosieste).

dem Velo- und Sportfachhandel, Vergünstigung

TV- und Kino-Spots, Plakate und Mahnwände an Haupt-

von 57 000 Velohelmen um je 20 Franken

strassen und Autobahnen, Inserate, Broschüren und Internet

Geschwindigkeitskampagne des Schweizerischen

(www.turboschlaf.ch) sind die hauptsächlichen Kommu­

Versicherungsverbands SVV*: in Zusammenarbeit

nikationsmittel. Und dazu ein Türhänger, Blickfang und

mit bfu

Symbol der Kampagne. Die Medien spielen eine wichtige

Rolle: Mehrfach haben sie das Thema aufgenommen, sowohl in der Schweiz wie auch in Frankreich und Italien.

Schulweg-Kampagne des Touring Clubs Schweiz TCS*: in Zusammenarbeit mit bfu und Polizeien

K  ampagne Fahrer-Assistenz-Systeme der Stiftung für Prävention der AXA: in Zusammenarbeit mit bfu

Kampagne «Licht, Sicht, Sicherheit» der Arbeitsgruppe Sicherheit durch Sichtbarkeit*: in Zu­sammenarbeit mit bfu, Polizeien und anderen

* mit der finanziellen Unterstützung des Fonds für ­Verkehrssicherheit FVS

bfu – Jahresbericht 2011

Kommunikation – Kampagnen

43


Die Alkoholkampagne im Zeichen des Dialogs 18 % der Getöteten im Strassenverkehr sind Opfer eines Alkoholunfalls, an den Wochenenden sogar 23 %. Um die Lenkenden direkt auf das Thema anzusprechen, steht die laufende Präventionskampagne der bfu ganz im Zeichen des Dialogs. Mit der Sensibilisierungskampagne erinnert die bfu die

Einmal mehr durfte die bfu auch auf die Mithilfe diverser

Lenkenden an die Gefahr von Alkohol am Steuer. Mit

Polizeikorps zählen. Bei gezielten Alkoholkontrollen

klaren Aussagen, die sowohl die soziale Verantwortung

wurden die Lenkenden mit Informationsmaterial bedient

des Umfeldes als auch die Einsicht der Lenkenden wider-

und bei einer Messung von null Promille mit Fruchtgummis

spiegeln, melden sich Betroffene gleich selber zu Wort.

in Form von Coca-Cola-Flaschen belohnt. Diese Aktion

Die bfu engagiert sich ergänzend dazu als Trägerorgani­

gab den Polizeiorganen Gelegenheit, sich mit einer posi­

sation in der Dialogkampagne www.ich-spreche-über-

tiven Botschaft für die Sicherheit im Strassenverkehr zu

alkohol.ch des Bundesamts für Gesundheit BAG. Um dem

präsentieren.

Grundgedanken «Dialog» Rechnung zu tragen, wurden

Plakate, Inserate, Internetbanner und diverse unterstüt­

die Werbemittel entsprechend gestaltet. An der Kick-Off-

zende Kommunikationsmittel sind bewährte Elemente der

Veranstaltung der Dialogwoche am frühen Abend des

Alkoholkampagne.

20. Mai auf dem Bundesplatz war die bfu mit einem Stand präsent. Im Mittelpunkt dieses Anlasses stand ein Stammtisch, an dem Diskussionsrunden zum Thema Alkohol stattfanden. Die Direktorin Brigitte Buhmann vertrat dort die Anliegen und Empfehlungen der bfu. Wie bereits im Vorjahr wurde die Sensibilisierungs­­kampagne durch gewichtige Partner mitgetragen. Gemein­ sam mit Betrieben des öffentlichen Verkehrs lancierte die bfu in diversen Kantonen und Städten eine Aktion, bei der Gratis­tickets an die Bevölkerung verteilt wurden. Die Idee für diese Aktion stammte von den Zuger Verkehrsbetrieben, die ihrer­seits am Jazz-Festival in Zug die meist junge

«Zum Glück stoppte mich der Wirt.»

Bevölkerung direkt angesprochen und Tickets abgegeben hatten. Weiter ging die bfu mit der seit 22 Jahren erfolgreichen Aktion «Nez Rouge» wiederum eine Partnerschaft ein. ses Jahr über 7700 freiwillige Helfer auf über 11 000 Fahrten Menschen in fahruntüchtigem Zustand sicher nach

WWW.ICH-SPRECHE-ÜBER-ALKOHOL.CH

5.152.01-03.2011

Unter der Devise «Anrufen statt anlassen» begleiteten die-

Hause. Von diesem Heimfahrservice, der während den Festtagen am Jahresende in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein angeboten wird, profitierten über 23 000 Personen. Die Helfer verteilen ihren Fahrgästen bei dieser Gelegenheit jeweils Informationsmaterial aus der bfu-Alkoholkampagne. 44 Kommunikation – Kampagnen

bfu – Jahresbericht 2011


Die bfu ist vernetzt Dank vieler Kontakte und guter Vernetzung beteiligt sich die bfu an zahlreichen wichtigen nationalen Projekten. Besonders erwähnenswert ist die Zusammenarbeit verschiedener Partner im Projekt zugunsten der GesundheitsfÜrderung im Alter.


Zusammenarbeit Was macht Sicherheitskonzepte erfolgreich? Gemeinden und Städte sind für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich. Die Praxis zeigt: Gemeinden mit Sicherheitskonzept sind erfolgreicher. An der Fachtagung «Gemeinde-Sicherheitskonzept» an-

Im Anschluss an die Impulsreferate diskutierte eine Exper-

lässlich der Ausstellung Suisse Public vom 21. Juni 2011 in

tenrunde die Frage: «Was macht Sicherheitskonzepte in

Bern informierten sich 300 Teilnehmende – insbesondere

Gemeinden erfolgreich?» Als entscheidende Faktoren

Gemeindefunktionäre und bfu-Sicherheitsdelegierte – über

wurde auf strategischer Ebene das Vorhandensein eines

den Sinn und die Ausgestaltung eines Sicherheitskonzepts

Sicherheitsleitbildes und einer tragfähigen Sicherheits­

in der Gemeinde. In ihrem Referat führte bfu-Direktorin

organisation genannt. Auf operativer Ebene sind das Vor-

Brigitte Buhmann aus, dass dank systematischer Unfall­

handen­sein von Sicherheitsregeln, die systematische Ge-

verhütungsarbeit auch mit beschränkten finanziellen Res-

fahren­ermittlung und die gezielte Umsetzung von Mass-

sourcen beachtliche Erfolge erzielt werden können: «Die

nahmen entscheidend. Mit dem Einbezug der Bevölkerung

Bevölkerung profitiert von sicheren Verhältnissen und die

in die Entscheidungsprozesse soll sichergestellt werden,

Gemeinde gewinnt an Standortattraktivität.» Barbara Hayoz,

dass die verhaltensbezogenen Massnahmen greifen. Bei-

Gemeinderätin der Stadt Bern, betonte, Bewohnerinnen

spiele aus der Praxis zeigen, dass ein derart gestaltetes

und Bewohner würden erwarten, dass die öffentliche

Sicherheitskonzept sehr erfolgreich sein kann.

Hand für ihre Sicherheit sorgt. Franz Rein, Geschäftsführer

Die Fachtagung wurde von Roland Jeanneret – der lang­

«Sichere Gemeinden», Vorarlberg, Österreich, plädierte für

jährigen Stimme der Glückskette und von Radio DRS –

ein Umschwenken von der Risikodelegation zur Eigen­

moderiert.

verantwortung: «Betroffene sollen zu Beteiligten werden!» Hansruedi Lipp, Gemeindepräsident von Entlebuch, ist in

Die Tagung steht im Internet als Webcast zur

seiner Gemeinde einen Schritt weiter gegangen, als es das

Verfügung: www.bfu.ch, Sicherheit in den Gemeinden,

Gesetz verlangt, und hat ein erfolgreiches Sicherheits­

Fachtagung 2011

konzept umgesetzt. Die bfu erarbeitete zuhanden von Behörden sieben Dokumente für den Aufbau eines Sicherheits­ konzeptes in der Gemeinde: www.bfu.ch, Sicherheit in den Gemeinden, Für Behörden

46 Koordination – Zusammenarbeit

bfu – Jahresbericht 2011


Basel und Bern gewinnen den bfu-Sicherheitspreis Der bfu-Sicherheitspreis «Engagierte Gemeinde» wurde 2011 an die Städte Bern und Basel für ihre konsequente Umsetzung von Verkehrssicherheitskonzepten und die dadurch erzielten Erfolge vergeben. Mit der Auszeichnung «Engagierte Gemeinde» würdigt die

Beide Städte sind sich wohl bewusst, dass das Thema nie

bfu Ortschaften, die sich mit besonderen Leistungen für

abgeschlossen sein wird. Es ist zu hoffen, dass sie den Preis

die Sicherheit der Bevölkerung einsetzen. Die Preisträgerin-

als Ansporn verstehen, sich auch in Zukunft unvermindert

nen 2011 sind Bern und Basel. Beide Städte verfügen über

für die Erhöhung der Sicherheit im Strassenverkehr ein­

ein umfassendes Gesamt-Verkehrssicherheitskonzept und

zusetzen und damit den eingeschlagenen Weg weiterzu­

einen Massnahmenplan, nach dem Unfallschwerpunkte

gehen. Denn auch hier gilt: Wer aufhört, besser zu werden,

seit Jahren systematisch saniert werden.

hat aufgehört, gut zu sein!

Das erfolgreiche Konzept der Stadt Bern gründet auf dem bereits 1993 verabschiedeten «Massnahmenplan Verkehrssicherheit». Dieser stellt drei Punkte in den Vordergrund:

Anerkennungsurkunden

die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur durch die

Die bfu zeichnete 2011 zudem zwei Gemeinden

Sanierung von Unfallschwerpunkten, die Durchführung

mit einer Anerkennungsurkunde für ihre Bemühun-

von Informationskampagnen für die Bevölkerung sowie

gen um die Unfallverhütung aus: In Monthey VS

flankierende Massnahmen. Erwähnt sei beispielsweise die

gestaltet der lokale bfu-Sicherheitsdelegierte mit

Montage von Trixi-Spiegeln an 110 Lichtsignalanlagen, die

dem privaten «Radio Chablais» jährlich 10 halbstün-

den toten Winkel von Lastwagen entschärfen. Überzeugt

dige Sendungen zu aktuellen Unfallverhütungs-

haben die Jury insbesondere das systematische Vorgehen

themen. In Stans NW sorgt ein breit abgestütztes

sowie das auf Kontinuität und Langfristigkeit angelegte

Projekt dafür, dass alle – insbesondere aber die

Konzept.

Kinder – sicherer unterwegs sind.

Mit einem ähnlichen Verkehrssicherheitskonzept ist es Basel gelungen, die Unfallschwerpunkte (Strassenabschnitte, Kreuzungen usw. mit fünf und mehr Unfällen pro Jahr) auf ihrem Stadtgebiet von 47 im Jahr 2001 auf sieben im Jahr 2010 zu reduzieren. Ausschlaggebend dafür war nicht zuletzt die Schaffung eines eigenständigen Dienstes für Verkehrs­sicherheit bei der Kantonspolizei Basel-Stadt. Erfahrungen aus der Praxis fliessen nun direkt in die Planung neuer Projekte ein, was zu stetigen Verbesserungen führt.

bfu – Jahresbericht 2011

Koordination – Zusammenarbeit

47


Vernetzte Präventionsarbeit am Beispiel des Schwerpunktprogramms Stürze Die Zusammenarbeit der bfu mit dem interkantonalen Projekt «Via – Best Practice Gesundheitsförderung im Alter» erweist sich für das Schwerpunktprogramm Stürze der bfu als sehr positiv. Ein gemeinsames Ziel und eine effiziente Arbeitsweise ermöglichen eine breite Wirkung. Das Projekt «Via – Best Practice Gesundheitsförderung im

Eine Netzwerktagung im April 2011 ermöglichte eine breite

Alter» entstand auf Anregung der Kantone. Die Vision von

Information zum Projekt und den Miteinbezug von inte­

Via ist die Stärkung der Autonomie älterer Menschen, die

ressierten Organisationen und Einzelpersonen. Mit über

umfassende Förderung ihrer Gesundheit und damit Lebens­

120 Teilnehmenden fand ein reger Austausch und Wissens­

qualität. Die Grundlagen für das Projekt wurden 2009 und

transfer statt. Sämtliche in Altersarbeit und Prävention

2010 geschaffen, die Umsetzung erfolgt 2011 – 2013.

engagierten Stellen hatten die Möglichkeit, sich zu infor-

Das Projekt ist in fünf Teilprojekte unterteilt:

mieren, sich auszutauschen und ihre Anliegen einzubrin-

1. Bewegungsförderung

gen. Im September 2011 fand in der bfu ein Experten­

2. Sturzprävention

treffen statt. Das Portfolio wird 2012 finalisiert und über

3. Beratung, Veranstaltungen und Kurse

die Netzwerke von Via und bfu verbreitet.

4. Schwer erreichbare und benachteiligte Zielgruppen

Die Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern, der

5. Partizipation der Hausärztinnen und Hausärzte

Gesundheitsförderung Schweiz sowie den Kantonsver­ tretungen ermöglicht ein breit abgestütztes Vorgehen. Der

Die bfu beteiligte sich finanziell und personell am Teil­

Sturzprävention – dem Hauptanliegen der bfu – wird

projekt Sturzprävention. In Zusammenarbeit mit der Akut-

durch die Vernetzung mit anderen altersrelevanten Themen

geriatrie der Universität Basel konnte sie Grundlagen zur

eine breite Plattform gegeben.

Entwicklung eines Übungsportfolios zur Sturzprävention erarbeiten. Die effektive Entwicklung des Übungsport­ folios erfolgt nun unter der Leitung der bfu.

Eckdaten

Via – Best Practice Gesundheitsförderung im Alter, 2009–2013 •

Strategische Projektleitung: Gesundheitsförderung Schweiz

Mitfinanzierende Kantone 2011:

Budget: ca. CHF 500 000.–/Jahr

AG, AR, BL, BE, GR, NW, SH, TG, UR, VD, ZG

48 Koordination – Zusammenarbeit

bfu – Jahresbericht 2011


mobilesport.ch – die Internetplattform für Sportunterrichtende Mit mobilesport.ch stellt das Bundesamt für Sport BASPO ein Instrument zur Verfügung, das den Lehrpersonen und den Trainern die anspruchsvolle Arbeit erleichtern soll. Die bfu als Partnerin bringt dabei Sicherheitsthemen direkt zu den Multiplikatoren im Sportunterricht. mobilesport.ch ist die seit Januar 2011 angebotene, kosten­

Mit der Lancierung der Online-Plattform verstärkt der Bund

lose Online-Plattform des BASPO mit Informationen, An­

seine Bemühungen zur allgemeinen Sport- und Bewegungs­

leitungen und Hintergrund-Dossiers für Sportunterricht

förderung in der Schweiz. Diese Kernaufgabe des BASPO

und Training. Sie ersetzt das Ende 2010 eingestellte Magazin

haben Bundesrat und Parlament mit der Verabschiedung

«mobile». Das Angebot richtet sich an Lehrpersonen aller

des total revidierten Sportförderungsgesetzes im Sommer

Schulstufen, an J+S-Leitende, an Trainer sowie an alle

2010 bestätigt. Ziel des Gesetzes ist unter anderem, das

Interessierten, die Ideen für einen qualitativ hochstehen-

weitere Engagement des Bundes zur subsidiären Lenkung

den Sportunterricht suchen. Die Plattform bietet konkrete

der Sportentwicklung mit Blick auf einen hohen Nutzen

Übungsanleitungen sowie Hintergrundinformationen zu

für die Gesellschaft zu stützen. mobile­sport.ch fügt sich –

übergreifenden Themen an, wie Sicherheit, Fairplay, psy-

mit seinem Fokus auf einen qualitativ hochstehenden und

chologisches Training, Ernährung und vieles mehr.

entsprechend wirksamen Sportunterricht – nahtlos in die

mobilesport.ch ist benutzerfreundlich und die Navigation

Strategie des Bundes ein.

eröffnet den Suchenden verschiedene Zugänge – etwa über die Stichwortsuche, über die Sportart oder via Schul-

www.mobilesport.ch

stufe. Viele Beiträge werden mit Bild und Videomaterial veranschaulicht. Die Plattform wird laufend mit neuen Inhalten bestückt und entwickelt sich weiter. Die bfu, Schlüsselpartnerin von mobilesport.ch, teilt Idee und Vision und entwickelte die Online-Plattform bereits in der konzeptionellen Phase entscheidend mit. Das Sportteam der bfu steht der Steuerungsgruppe und dem Redaktionsteam seither mit Fachwissen und Beiträgen seiner Experten zur Seite. Bis heute hat die bfu rund 50 Artikel zum Thema Sicherheit im Sport auf mobilesport.ch ver­ öffentlicht. Eine Handvoll Suva-Sportthemen runden das Angebot ab. Mit ihrer Präsenz setzt die bfu ihr Konzept, Multiplikatoren für sicheren Sport­ unterricht zu schulen, zielstrebig um.

bfu – Jahresbericht 2011

Koordination – Zusammenarbeit

49


Gesundheitsförderung Schweiz stellt sich vor Immer wieder hört man in Debatten, das Gesundheitssystem stosse an seine Grenzen, ein Umdenken sei dringend nötig. Doch was heisst umdenken? Wer soll umdenken? In welche Richtung? Gesundheitsförderung Schweiz nimmt diesen Auftrag wahr. Ein Umdenken ist im Gesundheitswesen seit langem im

Gesundheitsförderung Schweiz nimmt eine Vermittlerrolle

Gang, nur vollzieht es sich recht unauffällig und in kleinen

ein zwischen politischen Institutionen, Akteuren des

Schritten. Vor rund 50 Jahren kam jemand auf die Idee, die

Gesundheitswesens, der Wissenschaft und der Privatwirt-

Frage: «Warum wird der Mensch krank?» anders herum

schaft. Auf partnerschaftlicher Basis werden Programme

zu stellen: «Was hält den Menschen gesund?» Seither gibt

erarbeitet, die einem aktuellen Bedürfnis entsprechen. Ein

es neben der medizinischen Forschung auch die Saluto­

Beispiel ist das Projekt «Via – Best Practice Gesundheits­-

genese. Diese erforscht, wie Gesundheit entsteht und wie

förderung im Alter», an dem neben den Kantonen auch die

sie erhalten werden kann. Gesundheitsförderung über-

bfu beteiligt ist. Die demographische Entwicklung der

setzt diesen Ansatz in alltagstaugliche, praktisch umsetz-

Schweiz hat zur Folge, dass der Anteil der über 65-Jährigen

bare Projekte.

an der Bevölkerung stetig steigt. Das zentrale Anliegen des

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz wurde als

Projektes ist es, die Chancen für eine autonome Lebens­

Gemeinschaftswerk aller Kantone, der Eidgenossenschaft

führung im Alter zu erhöhen und so den Seniorinnen und

und der Kranken- und Unfallversicherungen geschaffen.

Senioren eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Das

Mit dem neuen Krankenversicherungsgesetz von 1994

Wissen, wie die Gesundheit erhalten werden kann, ist da-

bekam die Stiftung den gesetzlichen Auftrag, Aktivitäten

bei ebenso wichtig wie die spezifische Unfallprävention.

für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung anzuregen,

Kooperation und Bündelung der Kräfte sind nötig, um das

zu fördern und durchzuführen. Seither gehen von jeder

hohe Niveau unseres Gesundheitssystems zu erhalten. In

Krankenkassen-Police CHF 2.40 an die Stiftung, die mit

der Stärkung der Prävention liegen die grössten Ent­

diesem Geld Aktivitäten zur Prävention und Gesundheits-

lastungsmöglichkeiten. Ich verspreche mir darum viel von

förderung unterstützt.

der Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsförderung

Die Stiftung konzentriert sich heute auf drei Schwerpunkte:

Schweiz und der bfu.

• gesundes Körpergewicht • betriebliche Gesundheitsförderung

Dr. Thomas Mattig,

• Prävention und Gesundheitsförderung stärken

Direktor Gesundheitsförderung Schweiz

50 Koordination – Zusammenarbeit

bfu – Jahresbericht 2011


Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit ein. Als Schweizer ­Kompetenzzentrum für Unfallprävention forscht sie in den Bereichen Strassenverkehr, Sport sowie Haus und Freizeit und gibt ihr Wissen durch Beratungen, Aus­ bildungen und Kom­ munikation an Privatpersonen und Fachkreise weiter. Mehr über Unfall­prävention auf www.bfu.ch.

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Hodlerstrasse 5a, CH-3011 Bern Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info@bfu.ch, www.bfu.ch

1.017.01 – 06.2012

Sicher leben: Ihre bfu.

Jahresbericht 2011  

Jahresbericht der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu

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