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Jahresbericht 2017

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung


Jahresbericht 2017

bfu – Jahresbericht 2017

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Herausgeberin bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung Autoren/Redaktion bfu-Abteilungen Lektorat Hedy Rudolf und Andrea Krämer, Lektorinnen, bfu Gestaltung SRT Kurth & Partner AG, Ittigen Bilder Titelbild: Rob Lewis Innenbilder: S. 7 JAN: Andrea Campiche; S. 7 FEB, S. 7 JUN: Ruben Wyttenbach; S. 7 MAR, S. 7 AUG: TCS; S. 7 APR, S. 7: Georgios Kafelas; S. 7 MAI: Mathias Blättler; S. 7 JUL: Rod Kommunikation; S. 7 SEP, S. 7 NOV, S. 17, 20, 26, 27, 29, 35, 36, 40: bfu; S. 7 OKT, S. 15, 21, 24, 38: Iris Andermatt; S. 7 DEZ: Jérôme Piguet; S. 22: Giovanni Antonelli; S. 23: Screenshot Online-Tool Swiss Volley; S. 25: Hans Minder; S. 31, 32, 33, 41, 43: GettyImages; S. 37: Peter Wilhelm/ Verkehrshaus; S. 39: Benjamin Zurbriggen/PPR Druck/Auflage AST & FISCHER AG, Wabern 6/2018/3700, gedruckt auf FSC-Papier © bfu, 2018

Alle Rechte vorbehalten. Verwendung unter Quellenangabe erlaubt. Kommerzielle Nutzung ausgeschlossen. ISSN 0487-8078 (Print), ISSN 1664-5731 (PDF)


Vorwort

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen! In keinem OECD-Land starben 2016 im Verhältnis zur Bevölkerungszahl so wenige Menschen im Strassenverkehr wie in der Schweiz. Der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC zeichnete deshalb die Schweiz für ihre erfolgreichen Bemühungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit aus. Bei der Preisverleihung im Juni 2017 in Brüssel war auch die bfu

Mit vielen anderen Aktivitäten setzte sich die bfu

anwesend. Dies in der Überzeugung, dass sich auch

auch 2017 für die Verhütung von Unfällen in Haus

unser Engagement nachhaltig positiv auf die Sicher-

und Freizeit ein. Etwa mit der Offensive «Sicher ste-

heit im Strassenverkehr ausgewirkt hat.

hen – sicher gehen» und den praktischen Anleitun-

Die bfu sieht im Preis eine Verpflichtung, sich weiter

gen, wie Sturzunfällen vorgebeugt werden kann.

für die Verkehrssicherheit zu engagieren. Mit der

Oder mit dem SafetyKit «Heimwerken», das es Be-

Durchsetzung der bestehenden Vorschriften, der

trieben ermöglicht, ihre Mitarbeitenden für Gefah-

Umsetzung der Massnahmen aus Via sicura und der

ren bei dieser beliebten Freizeitaktivität zu sensibili-

Weiterführung der Präventionsbemühungen lassen

sieren. Und nicht zuletzt erneuerte und bereicherte

sich noch mehr schwere Verletzungen und Todes-

die bfu ihre Präventionsausstellung im Verkehrshaus

fälle verhindern. Mit Sorge verfolgt die bfu deshalb

der Schweiz mit einer magischen Spiegelwelt.

das nachlassende Bewusstsein der Politik für die Un-

Sie merken: Ihre Sicherheit liegt uns am Herzen.

fallprävention. Umso mehr, als eine erste Evaluation

Viele weitere Beispiele für unser Engagement im Jahr

von Via sicura zeigte: Die Massnahmen wirken! Die

2017 finden Sie in diesem Jahresbericht. Und eines

bfu wird sich für die Umsetzung der Via-sicura-

können wir Ihnen wieder versprechen: Wir ruhen

Massnahmen stark machen.

uns nicht aus, wenn es um Unfallverhütung in der

Auch bei Sport und Bewegung sowie in Haus und

Freizeit geht. Im Gegenteil: Wir machen Menschen

Freizeit, den beiden anderen Tätigkeitsgebieten der

jeden Tag ein bisschen sicherer.

bfu, ruhte sie sich alles andere als aus. 2017 lancierte sie u. a. die neue Sportkampagne «Denk mit beim Sport» und tauschte sich am bfu-Forum Sport mit verschiedenen Institutionen über Erfolgsfaktoren

Brigitte Buhmann

zahlreicher Präventionsmassnahmen im Sport aus.

Direktorin

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Unternehmen

Jahresrückblick

Personelles

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Forschung

Neues bfu-Sicherheitsbarometer zur Schweizer Verkehrssicherheit

16

bfu-Befragung zu den Ursachen von Alleinunfällen mit E-Bikes

17

7

Schweizer Autokäufer zu Fahrassistenzsystemen befragt

18

bfu-Erhebung der tödlichen Sportunfälle

19

Mit welcher Ausrüstung schützen sich Mountainbiker?

20

Ausbildung

Aus- und Weiterbildung im Dienste der Unfallprävention

22

Unfallverhütung in den Planungstools von Sportverbänden

23

Weiterbildungskurse und Fachtagung für die bfu-Sicherheitsdelegierten

24

Beratung

Road Safety Inspection RSI beim Baseltor in Solothurn

26

Das Freibad Weyermannshaus Bern wird winter-sicher

27

Beratung zugunsten der Kleinsten in der Schweiz

28

Neue Unfallpräventionskonzepte von Schweizer Sportverbänden

29

Produktesicherheit

Stichprobenprogramm: europaweite Kontrolle von Kettensägen 32

Stichprobenprogramm: Sicherheit von Motorrad-Schutzhandschuhen

33

Kommunikation

Denk mit beim Sport – die neue bfu-Sportkampagne

36

SEE YOU – die magische Spiegelwelt der bfu im Verkehrshaus der Schweiz

37

Neue Angebote für die Unfallverhütung in Betrieben

38

Tag des Lichts: SEE YOU – auch im Dunkeln

39

Sicherer auf der Piste und auf Skitouren

40

Koordination

Beratungskoordination mit dem Netzwerk behindertengerechtes Bauen

42

Jahresrechnung 2017

44

JA

Finanzen

SE

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bfu – Jahresbericht 2017


Training von Kraft und Gleichgewicht, kluge Köpfe schützen sich – auch beim Schlitteln, stilvolle Outfits für mehr Sichtbarkeit, Magie im Verkehrshaus der Schweiz, die bfu taucht ab, Schweiz für Verkehrssicherheit ausgezeichnet, ein Gips kann richtig nerven, Rad steht – Kind geht, smarte Heimwerker schützen sich, gemeinsam gegen Freizeitunfälle im Tessin, ein neues Schweizer Verkehrssicherheitsziel, Alkohol am Steuer nach einem Fest.

MAR

FEB

APR JUL

he m iht n ger .

5.346.01 - 07.2017

JAN

Bis im Jahr 2030 soll die Anzahl der Getöteten auf Schweizer Strassen von 230 auf 100 reduziert werden.

MAI

JUN 130 MENSCHENLEBEN

AUG

könnten jährlich gerettet werden.

OKT

Bessere Tipps auf sport.bfu.ch

SEPT

NOV

Low_RZ_BfU_Plakat_Bike_A3_297x420_KD_dfi.indd 1

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DEZ

04.07.17 09:45

Jahresrückblick

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JA N UA R

J

FEBRUA R

ährlich verletzen sich in der Schweiz rund 280 000 Personen bei Stürzen, fast 1400 ster­ben an den Folgen. Besonders betroffen sind

Senioren. Die bfu legt ihnen deshalb Anfang 2017 einfache Übungen zum Training von Kraft und Gleichgewicht ans Herz. Damit können ältere Erwachsene ihr Sturzrisiko deutlich verringern. Das ist speziell in dieser Jahreszeit wichtig, wo Strassen und Wege oft rutschiger sind als sonst. Die Übungen sind Teil der Kampagne «Sicher stehen – sicher gehen», mit der bfu, Pro Senectute, Rheumaliga Schweiz, physioswiss und Gesundheitsförderung Schweiz ältere Erwachsene für ein regelmässiges Training begeistern wollen. Im Oktober 2017 legt die bfu zusammen mit Procap Schweiz nach und veröffentlicht ein Trainingsprogramm für Senioren mit Rollator oder Personen im Rollstuhl. Oft ist es die Angst vor Gefahren, der bewährte Aktivitäten an Schulen zum Opfer fallen. Sie ist nicht ganz unbegründet: Jährlich verletzen sich rund 50 000 Kinder und Jugendliche im Alter bis 15 Jahre bei schulischen Aktivitäten. Die gute Nachricht: Der Grossteil der Unfälle im Schulalltag verläuft glimpflich. Und: Mit geeigneten Vorkehrungen lassen sich viele Unfälle verhindern. Die bfu empfiehlt, Unfall-

K

luge Köpfe schützen sich – auch beim Schlitteln. So lautet die zentrale Botschaft an die Schlittlerinnen und Schlittler. Beim scheinbar einfachen Wintersport verlet-

zen sich in der Schweiz jährlich 7300 Personen, auch mit Todesfolge. Die bfu weist auf die 10 Schlittelregeln und auf die geeignete Schutzausrüstung hin. Nach wie vor tragen erst 50 % beim Schlitteln einen Helm. Der Kranken- und Unfallversicherer Concordia greift die Botschaft auf und weist in einer grossen Kampagne aufs Helmtragen beim Schlitteln hin. Und nochmals Wintersport im Februar: Seit Jahren wird das Angebot an Snowparks in der Schweiz ausgebaut – mit Folgen für die Unfallzahlen. Von den etwa 65 000 in der Schweiz wohnhaften Snowboardern und Skifahrern, die sich jährlich verletzen, verunfallen über 4400 in einem Snowpark. Eine Erhebung der bfu zeigt, dass ungefähr 30  % der Personen, die sich in einem Snowpark verletzen, mit dem Rettungshelikopter in ein Spital gebracht werden müssen. Neben Snowparks thematisiert die bfu auch das Freeriden. Denn jährlich kommen in der Schweiz durchschnittlich 12 Freerider ums Leben. Zwei Videos geben den Schneesportlern wichtige Tipps, damit die Wintersaison nicht vorzeitig im Spital endet.

prävention systematisch und bewusst in die Schulen zu integrieren. Die Webplattform www.sichereschule.bfu.ch bietet dabei praktische Unterstützung. Mit zwei Verfügungen des Bundesamts für Strassen ASTRA erhält die bfu offiziell grünes Licht zur Verwendung ihrer zwei Plakatnetze auf Nationalstrassen und auf Raststätten. Damit kann sie neben den wichtigen Standorten der Sicherheitsdelegierten in Städten und Gemeinden auf zusätzliche Stellen für Plakate aus Strassenverkehrskampagnen zurückgreifen. An die Verfügung gekoppelt ist auch ein Prozess zur Freigabe der Plakatsujets durch die Behörden.

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MÄRZ

N

icht nur gezieltes Training kann Stürze verhindern, auch eine Gehhilfe ist bei nachlassendem Gleichgewicht und schwindender Kraft

nützlich. Mit einer Broschüre und einem Video unterstützt die bfu Seniorinnen und Senioren bei der Wahl und der richtigen Einstellung eines Rollators oder Gehstocks. Die Empfehlungen wurden gemeinsam mit acht nationalen Organisationen und dem Felix Platter-Spital in Basel erarbeitet. Auch der Spielplatz muss jährlich in den Service. Rund 9000 Kinder erleiden Verletzungen auf Spielplätzen. Die meisten verunfallen im Zusammenhang mit Spielplatzobjekten, fehlerhaften Anlagen oder

«

A PRI L

Du hesch de ke Vortitt, du Pfyffe.» Mit dieser markigen Ausdrucksweise verschafft sich Wutbürger Müller Luft, während er das Verhalten von Auto- und Velo-

fahrenden im Kreisel von seinem Balkon aus beobachtet. Das Video ist Teil der Kampagne «Vorsicht beim Vortritt», die nach

aufgrund des Bodenbelags. Deshalb empfiehlt die

drei Jahren in ein Verlängerungsjahr geht.

bfu besonders im Frühling, die Spielplätze einer um-

Die Pylonis, die bfu-Identifikationsfiguren für Kinder, kommen

fassenden Sicherheitskontrolle zu unterziehen. Das

in Fahrt. Neu zeigen sie Kindern im Rahmen des Verkehrsunter-

ist unter anderem ein Aufgabengebiet der 1200 bfu-

richts altersgerecht und spielerisch, wie sie sich auf dem Velo

Sicherheitsdelegierten in Gemeinden und Städten.

sicher verhalten können. Hintergrund des zweiten von der bfu

Mit dem nötigen Fachwissen und mit geschultem

geschnürten Massnahmenpakets sind die jährlich über

Auge stehen sie als kompetente Ansprechpersonen

60 schweren Verkehrsunfälle mit Kindern auf dem Velo.

in Sachen Unfallprävention der Bevölkerung mit Rat

Die Anzahl der schwer und tödlich verletzten Motorradfahren-

und Tat zur Seite. In einem neuen Video mit Franky

den ging vom Jahr 2015 auf 2016 stark zurück. Ihr Risiko für

Slow Down als Gast gibt die bfu Einblick in den viel-

einen schweren oder tödlichen Unfall ist jedoch immer noch

fältigen Alltag der Sicherheitsdelegierten.

50-mal höher als jenes der PW-Insassen. Die Föderation der

Stilvolle Outfits stehen im Zentrum der neuen Kam-

Motorradfahrer der Schweiz FMS und die bfu engagieren sich

pagne «MADE VISIBLE», die die Sichtbarkeit bei

deshalb mit ihrer Kampagne «Stayin’ Alive» weiter dafür, dass

Dunkelheit fördern will. Die auf drei Jahre ausge-

die Unfallzahlen gesenkt werden können. Unfälle mit Motorrä-

legte Kampagne weist neben hilfreichen Tipps auf

dern und Rollern ereignen sich auch auf dem Arbeitsweg und

entsprechende Kleidungsstücke und Accessoires

führen zu Abwesenheiten am Arbeitsplatz. Deshalb bietet die

hin, die sich in ein stilvolles Outfit integrieren lassen

bfu Unternehmen ein spezielles SafetyKit, mit dem Mitarbei-

und im Ernstfall Leben retten können. Angespro-

tende für die Gefahren auf den zwei schnellen Rädern sensibi-

chen wird vor allem der Langsamverkehr, also z. B.

lisiert werden können.

Fussgänger und Velofahrende. Die Gesamtverant-

Seit 1980 ist die bfu im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern

wortung für die Kampagne trägt der Touring Club

präsent und bringt Jung und Alt Unfallverhütung näher. 2017

Schweiz TCS, die bfu ist Partnerin der Kampagne.

schreibt sie im Verkehrshaus diese Geschichte weiter mit der Ausstellung SEE YOU. Hauptattraktion ist ein magisches Spiegellabyrinth mit 68 Spiegeln auf 85  m2. Der Gang durch die Spiegelwelt soll zum Nachdenken anregen, wie man den Strassenverkehr für sich und andere Verkehrsteilnehmende ein Stück sicherer machen kann.

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MAI

D

ie bfu begleitet Sportlerinnen und Sportler auch unter Wasser in Schweizer Seen und Flüssen. Tauchen ist eine Wassersportart, die

zu schweren Unfällen führen kann: Jährlich enden in der Schweiz vier Tauchgänge tödlich. Die bfu veröffentlicht deshalb zusammen mit der Fachstelle für

JU N I

Tauchunfallverhütung FTU und dem Schweizer Unterwasser-Sport-Verband SUSV die überarbeitete Broschüre «Tauchen in der Schweiz». Diese wurde um das Thema Flusstauchen erweitert. Zudem gibt ein bfu-Video Empfehlungen zum Thema. Immer wieder kommen politische Vorstösse auf die Traktandenliste, die den Interessen der Unfallverhütung zuwiderlaufen. Die bfu versucht deshalb, mit Zahlen und Fakten zu einer sinnvollen Meinungsbildung beizutragen. In bfu-Positionen oder Medienmitteilungen nimmt sie Stellung zu entsprechenden Vorstössen. Ende April etwa zu den Plänen des Bundesrats, die Fahrausbildung zu optimieren. Die bfu begrüsst die angestrebten Änderungen weitgehend. Als problematisch sieht sie aber die mögliche Herabsetzung des Mindestalters bei der Kategorie A1 (125 cm3) auf 16 Jahre. Im Mai nimmt die bfu zu einem weiteren Vorstoss Stellung: Das seit 1964 geltende und bestens bewährte Verbot des Verkaufs und Ausschanks von Alkohol auf Autobahnraststätten soll abgeschafft werden. Die bfu rät dringend davon ab, doch im September spricht sich nach dem Nationalrat auch der Ständerat für die Abschaffung aus. Für Fitnessgeräte im Aussenbereich gibt es eine neue Norm, die auch für Vitaparcours gilt. Zusammen mit der bfu überprüft die Stiftung VITA Parcours das Baukonzept für ihre rund 500  Parcours und gibt eine neue Bauanleitung heraus.

M

it verschiedenen Massnahmen konnte die Verkehrssicherheit von Kindern unter 15 Jahren in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert werden. Trotzdem

verlieren 9 Kinder pro Jahr im Strassenverkehr ihr Leben, weitere 220 verletzen sich schwer. Die bfu vertieft das Thema in dem vom Fonds für Verkehrssicherheit FVS finanzierten Sicherheitsdossier «Kinder im Strassenverkehr» und stellt Massnahmen zur Reduktion der Kinderunfälle vor. E-Bike-Unfälle betreffen nicht nur Senioren. Bei den 25- bis 64-Jährigen ist eine Zunahme der schweren Unfälle zu beobachten. Um für die Gefahr von Selbstunfällen zu sensibilisieren, macht die bfu auf Plakaten und in einem Video auf die Gefahren aufmerksam. Zu sehen ist ein Cowboy, der sich nur mit Mühe auf dem Sattel hält und erkennen muss, dass sein E-Bike wilder ist, als er denkt. Der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC zeichnet die Schweiz für ihre erfolgreichen Bemühungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit aus. Insbesondere werden damit auch Massnahmen im Rahmen des Via-sicura-Pakets gewürdigt. Eine im Juni veröffentlichte Evaluation des Bundes zu Via sicura zeigt, dass die Massnahmen wirken. Die bfu äussert jedoch ihr Bedauern zur Absicht des Bundesrats, zwei wichtige geplante Massnahmen (Blackbox und Alkohol-Wegfahrsperre) nicht umzusetzen. Gleichzeitig weist sie mit der Veröffentlichung des neuen bfu-Sicherheitsbarometers auf die «Sorgenkinder» der Verkehrssicherheit hin. Dazu gehören die Risikofaktoren Ablenkung und Geschwindigkeit, die Velohelmtragquote, der Langsamverkehr generell, Senioren als Opfer von Verkehrsunfällen und das nachlassende Bewusstsein der Politik für die Verkehrssicherheit. Im Juni startet auch eine weitere Auflage der Bergwanderkampagne. Diese will unter anderem für eine gute Vorbereitung von Wanderungen sensibilisieren. Eine Befragung der bfu zeigt, dass jeder zweite Wanderer ungenügend vorbereitet ist.

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JU L I

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r will Sporttreibende zu unvorsichtigem Handeln verführen: Fritz der Gips. Vorwitzig und nervend, besserwisserisch, aber offensichtlich kein Experte in Sachen Sport. Die

Aufforderung der Kampagne an die Sporttreibenden ist klar:

AUGUS T

«Ein Gips kann richtig nerven. Hör nicht auf Fritz – Denk mit beim Sport». Die bfu zeigt mit der Kampagne, dass jede und jeder dazu beitragen kann, die Zahl der jährlich 400 000 Sportunfälle und 180 Todesfälle zu vermindern. Zielgruppe sind vor allem Sportlerinnen und Sportler zwischen 16 und 55 Jahren. Mit klugen Tipps und Eigenverantwortung sollen sie unversehrt ihren Aktivitäten nachgehen. Und nochmals begibt sich die bfu in diesem Jahr ins Wasser und macht Badeunfälle in Seen und Flüssen zum Thema. Jedes Jahr ertrinken in der Schweiz durchschnittlich 49  Menschen. Opfer sind vor allem junge Männer und ausländische Staatsangehörige. Gründe können höhere Risikobereitschaft, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten sowie Unkenntnis der Gefahren sein. Ebenfalls gefährdet sind Kinder. Deshalb empfiehlt die bfu, dass Kinder schwimmen lernen und in der Primarschule den Wasser-Sicherheits-Check WSC absolvieren. Sie unterstreicht dies mit einem informativen Video zum WSC. Die bfu schnürt ein Gesamtpaket rund um die Beratung zu Geländer und Brüstungen. Zur bereits im Vorjahr veröffentlichten Neuauflage der entsprechenden Fachbroschüre werden 2017 auch ein Video und Geländermodelle bereitgestellt. Die aufeinander abgestimmten Hilfsmittel werden insbesondere in Schulungen eingesetzt.

F

ür schnelle E-Bikes gilt in der Schweiz seit 2012 eine Helmtragpflicht. Jede sechste Person setzt sich jedoch darüber hinweg und setzt ihren

Kopf aufs Spiel. Generell stagniert die Velohelmtragquote auch bei Velos ohne elektrischen Antrieb bei unter 50 %. Erfreulich sind dagegen die Gurtentragquote der PW-Insassen und die Lichteinschaltquote am Tag, die beide ein hohes Niveau erreicht haben. Weil es immer noch regelmässig zu gefährlichen Zwischenfällen auf dem Schulweg kommt, steht der Schulanfang 2017 wieder ganz im Zeichen der bekannten Verkehrssicherheitskampagne «Rad steht, Kind geht». Kinder lernen, die Strasse erst dann zu überqueren, wenn andere Verkehrsteilnehmende am Fussgängerstreifen ganz anhalten. Im Auftrag des SECO kontrolliert die bfu stichprobenweise die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften bei Produkten. 2015 prüfte die bfu Wickelkommoden. Eine Journalistin verlangte zusätzlich zur erfolgten Warnung vor einzelnen fehlerhaften Produkten die Herausgabe aller Resultate. Da sich Produktesicherheitsgesetz und das Gesetz über das Öffentlichkeitsprinzip widersprechen, verzichtet die bfu darauf, die Angaben über alle Inverkehrbringer weiterzugeben, begrüsst aber die Klärung des Widerspruchs durch ein Gericht. Nur eine Minderheit der Autofahrenden hält sich immer an die Geschwindigkeitsbeschränkung, auch wenn sich ein Grossteil darüber im Klaren ist, dass überhöhte Geschwindigkeit problematisch ist und Kontrollen stattfinden. Bei Alkohol verhält es sich anders: Nur ein kleiner Teil der Automobilisten gibt an, unter Alkoholeinfluss zu fahren, obschon nur wenige erwarten, in eine Alkoholkontrolle zu geraten. Dies sind zwei von vielen Erkenntnissen aus der neuen bfu-Statistik STATUS, die Ende August 2017 erscheint.

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SEP T EM BER

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um dritten Mal geht das bfu-Forum Sport in Bern über die Bühne. Vier Institutionen stellen in Referaten ihre Konzepte und Vorgehens­

OK TO BER

weisen in der Sportunfallprävention vor: der Schweizerische Eishockeyverband SIHF, die Suva, das Sportamt des Kantons Thurgau sowie das Bundesamt für Sport BASPO mit den Förderprogrammen Jugend+Sport und Erwachsenensport Schweiz esa. In der anschliessenden Podiumsdiskussion werden die Ziele und Absichten hinter den verschiedenen Strategien ergründet und Erfolgsfaktoren rausgeschält. Jährlich verunfallen 57 000 Schweizerinnen und Schweizer bei der Pflege und beim Unterhalt von Haus und Garten sowie bei anderen Heimwerkerarbeiten. Das Unfallrisiko ist dabei viel höher als bei anderen unbezahlten Hausarbeiten wie Kochen oder Putzen. Die häufigsten Unfallursachen sind mangelnde Erfahrung, Unwissenheit im Umgang mit Maschinen und Geräten oder deren unzweckmässiger Einsatz sowie Zeitdruck. Wer verunfallt, fehlt später auch bei der Arbeit. Um via Betriebe für die Gefahren beim Heimwerken zu sensibilisieren, lanciert die bfu ein weiteres SafetyKit mit Plakat, Videospot, Flyer und Präsentation für die Mitarbeitenden. Die Botschaft: «Keine halben Sachen – Smarte Heimwerker schützen sich.» Die SafetyKits sind eines von mehreren Unterstützungsangeboten für Betriebe, um die Zahl der 7,5 Millionen verlorenen Arbeitstage wegen Nichtberufsunfällen einzudämmen. In einem Video an die Adresse von Entscheidungsträgern in Unternehmen zeigen die Post, eine Bäckerei, ein Energieunternehmen und eine Zementfirma, wie sie die Angebote der bfu in Anspruch nehmen. Beim Mountainbike-Fahren verletzen sich jährlich 8000 Sportlerinnen und Sportler. Mit einer persönlichen Schutzausrüstung könnten viele Verletzungen verhindert oder deren Schweregrad reduziert wer-

F

ahrassistenzsysteme weisen ein hohes Schutzpotenzial auf. Eine von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW im Auftrag der bfu durchgeführte

Befragung zeigt aber, dass nur ca. 10 % der Autokäuferinnen und Autokäufer die Systeme gut kennen. Zudem sind sie oft skeptisch und haben falsche Vorstellungen von den Sicherheitseffekten der Assistenzsysteme. Mit einer OnlineKampagne macht die bfu deshalb Ende Jahr auf die Seite www.sicheres-auto.ch aufmerksam, auf der die Systeme umfassend erklärt werden. Grosser Anlass zur Verhütung von Freizeitunfällen in Lugano: Mehrere Tessiner Organisationen und die bfu führen erstmals einen gemeinsamen Infoabend für Betriebe zur Verhütung von Freizeitunfällen durch. In Praxis und Theorie erfahren die rund 100 Teilnehmenden, was sie in ihrem Unternehmen tun können. Eine Alkohol-Wegfahrsperre sorgt dafür, dass Personen in angetrunkenem Zustand ihr Auto nicht mehr fahren können. Diese Massnahme war im Rahmen von Via sicura vom Parlament beschlossen worden, wurde aber bisher nicht in Kraft gesetzt. Pro Jahr könnten damit bis zu 60 Schwerverletzte und 5 Todesopfer vermieden werden. Deshalb weist die bfu auf die Wichtigkeit dieser Massnahme hin und führt am 7.  Oktober 2017 gemeinsam mit dem European Transport Safety Council ETSC einen «Safe & Sober Talk» durch. An der Tagung für Fachexperten geht es darum, was die Schweiz von andern Ländern bezüglich Alkohol-Wegfahrsperre lernen kann. Er gehört zu einer der wichtigsten Forschungspublikationen der bfu und wird vom Fonds für Verkehrssicherheit FVS mitfinanziert: der SINUS-Report. Die im Oktober veröffentlichte Ausgabe 2017 zeigt die Wichtigkeit der Umsetzung von Via sicura, der Verbesserung der Strasseninfrastruktur sowie der Ausnützung des Sicherheitspotenzials von Fahrassistenzsystemen.

den. Erstmals führt die bfu eine Erhebung zum Tragen der Schutzausrüstung durch. Die Daten von über 1500 Mountainbikern fliessen ein.

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N OV EM BER

H

öchstens 100 Verkehrstote und eine deutliche Reduktion der Anzahl Schwerverletzter

– das ist das neue Verkehrssicherheitsziel, das

sich die bfu und das Bundesamt für Strassen ASTRA

DE ZEM BER

bis 2030 gemeinsam gesetzt haben. Experten von ASTRA, TCS, ACS, VCS und bfu diskutieren am 19. bfu-Forum Strassenverkehr vom 14.  November, wie diese Halbierung der Anzahl Getöteter erreicht werden kann. Schweizweit führt die Polizei mit Partnern am 16.  November 2017 mehrere Veranstaltungen im Rahmen des «Tags des Lichts» durch, um die Bevölkerung für die Sichtbarkeit bei Nacht zu sensibilisieren. Höhepunkt bildet ein auf dem Bundesplatz stattfindender Anlass von TCS, Polizei Bern und bfu im Rahmen der Kampagne «MADE VISIBLE». Zudem veröffentlicht die bfu ein Video, das eindrücklich die Sichtbarkeit von diversen Kleidungsstücken aus verschiedenen Distanzen zeigt. Zum 25. Mal lädt die bfu zur Verkehrsinstruktorentagung ein, knapp 300  Personen nehmen teil. Das Thema vom 22. November 2017 lautet «Die heutige Jugend ...». Verschiedene Fachreferenten beleuchten Fakten und Mythen über Kinder und Jugendliche und zeigen den Einfluss der Entwicklung und der Motorik sowie des Medienkonsums auf die Verkehrsbildung auf. Die Erkenntnisse werden in den am Nachmittag stattfindenden Austauschseminaren vertieft. Im Vergleich dazu war die erste Tagung im Jahr 1992 bescheiden: Sie dauerte einen halben Tag, hatte keinen eigentlichen roten Faden und zog

A

m 11. Dezember 2017 starten die kantonalen Polizeikorps der Westschweiz und des Tessins ihre erste gemeinsame Präventionskampagne im Strassenverkehr

«Wer fährt, trinkt nicht». Kernstück ist ein aufwühlendes Video, das die Gefahr von Alkohol am Steuer nach festlichen Anlässen zeigt. Die bfu unterstützt die Kampagne, denn Statistiken zeigen: Alkoholunfälle machen an Weihnachten und zum Jahresende einen klar grösseren Anteil an allen Verkehrsunfällen aus. Gerade auch im Winter ist die Schweiz ein Land für Aktivitäten in der Natur. SchweizMobil, das Netzwerk für den Langsamverkehr, veröffentlicht auf seiner Website neben Routen fürs Wandern, Schneeschuhwandern, Schlitteln und für Langlauf auch Tipps für mehr Sicherheit beim Ausüben der entsprechenden Aktivitäten. Die bfu hat dabei die Präventionsanliegen eingebracht. Beim Skifahren betrifft mehr als die Hälfte aller Verletzungen die unteren Extremitäten. Deshalb ist es wichtig, dass die Skibindungen korrekt eingestellt werden, um das Risiko von Verletzungen an Bein und Knöchel zu verringern. Im Rahmen der neuen Sportkampagne erinnert die bfu mit der frechen Figur «Fritz der Gips» daran, die Skibindung vor der ersten Fahrt einstellen zu lassen.

100 Personen an. Kurz vor dem 1. Advent macht die bfu gemeinsam mit der Beratungsstelle für Brandverhütung BfB auf die erhöhte Brandgefahr in der Adventszeit aufmerksam und gibt Tipps zum richtigen Umgang mit Weihnachtsdekorationen und Kerzen. Die meisten durch Kerzen verursachten Brände ereignen sich aufgrund von Unachtsamkeit.

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Personelles

Stiftungsrat

Geschäftsleitung

Präsident Felix Weber, lic. oec. HSG, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt Suva, Luzern; Vertreter der Suva

Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol., Direktorin Stefan Siegrist, Dr. phil. EMBA, stellvertretender Direktor Regula Hartmann, lic. rer. pol., BSc Psychologie Guido Fürer, dipl. Verbandsmanager VMI Paul Reichardt, dipl. Ing. ETH

Vizepräsident Diether Kuhn, Dr. iur., Leiter Markt Ost, Die Mobiliar, Bern; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV Mitglieder Christoph Bühler, Leiter Personenversicher­ungen, Mitglied der Direktion, Zurich Versicherungs-Gesellschaft AG; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV (ab 1.12.2017) Andreas Christen, Leiter Medical Services & Gesundheitsmarkt, Mitglied der Direktion, Zurich Versicherungs-Gesellschaft AG; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV (bis 30.11.2017) Edouard Currat, dipl. Ing. Chem. ETH, MBA-HEC, Mitglied der Geschäftsleitung der Suva Luzern; Vertreter der Suva Natalie Imboden, Regionalsekretärin / Co-Leiterin Region Bern, Unia Bern; Vertreterin der Suva Isabel Kohler Muster, lic. iur., Fürsprecherin, Leiterin Rechtsdienst santésuisse-Gruppe; Vertreterin übrige Versicherer Edith Müller Loretz, Betriebsökonomin FH, Abteilungsleiterin Präventionsangebote der Suva; Vertreterin der Suva Pascal Richoz, Leiter des Leistungsbereichs Arbeitsbedingungen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO; Vertreter der Suva Heinz Roth, lic. iur., Bereichsleiter Prävention SVV, Zürich; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz AGVS, Bern; Vertreter der Suva Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung und Prävention, AXA Winterthur, Winterthur; Vertreterin des Schweizerischen Versicherungs­verbandes SVV

14 Personelles

Bereiche und Abteilungen Direktion Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol., Direktorin Finanzen Kurt Fellinger, Betriebsökonom FH

Bildung / Betriebe / Sport Regula Hartmann, lic. rer. pol., BSc Psychologie Bildung Barbara Schürch, MSc Psychologin Betriebe Daniel Poffet, lic. rer. pol., MBA Sport Hansjürg Thüler, eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer

Forschung / Beratung / Produkte­ sicherheit

Kommunikation / Public Affairs Guido Fürer, dipl. Verbandsmanager VMI Kampagnen / Marketing Peter Matthys, exec MBA Publikationen / Sprachen Tom Glanzmann, MAS Writing and Corporate Publishing (bis 30.11.2017) Marc Bächler, lic. phil. hist., CAS Corporate Publisher, CAS Corporate Communications (ab 1.12.2017) Medienstelle Marc Bächler, lic. phil. hist., CAS Corporate Publisher, CAS Corporate Communications (bis 30.11.2017) Nicolas Kessler, CAS Corporate Communications (ab 1.12.2017) Zentrale Dienste Paul Reichardt, dipl. Ing. ETH Personal / Recht Martin Leu, Personalleiter SKP Executives Informatik Peter Schönthal, dipl. Ing. FH Logistik / Dokumentation Carmen Furger, Dr. phil.

Stefan Siegrist, Dr. phil. EMBA, stellvertretender Direktor

Die bfu beschäftigt 125 Mitarbeitende (inkl. 4 Auszubildende), was 104 Vollzeit­ stellen entspricht.

Forschung Roland Allenbach, dipl. Ing. ETH

Stand: 31. Dezember 2017

Verkehrstechnik Patrick Eberling, dipl. Ing. ETH Sicherheitsdelegierte Stefan Baeriswyl, dipl. Bauingenieur HTL Haus / Freizeit / Produkte Tobias Jakob, dipl. Bauingenieur HTL

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Die bfu forscht Durch ihre Forschung schafft die bfu die Grundlagen, um erfolgversprechende Präventionsaktivitäten zu planen, die richtigen Massnahmen umzusetzen und diese zu überprüfen. Auch 2017 hat sie geforscht: etwa zu Alleinunfällen mit E-Bikes, zu Fahrassistenzsystemen, zu Todesfällen im Sport oder zur Schutzausrüstung von Mountainbike-Fahrern. Und sie hat ein neues Sicherheitsbarometer veröffentlicht, welches das Sicherheitsniveau im Strassenverkehr dokumentiert.


Neues bfu-Sicherheitsbarometer zur Schweizer Verkehrssicherheit Die Unfallzahlen und deren Entwicklung, das Schutzverhalten über die letzten Jahre sowie bfu-gestützte Expertenurteile sind Basis für ein neu veröffentlichtes bfu-Sicherheitsbarometer. Das Barometer von 2017 hat gezeigt, dass das Niveau der Verkehrssicherheit in der Schweiz hoch ist – auch im internationalen Vergleich.

Die Erkenntnisse der bfu-Forschungstätigkeit werden jähr-

• Präventionsarbeit: Die Rechtsetzung in der Schweiz ist

lich in verschiedenen Berichten publiziert. Darin finden sich

gut, aber es gibt Potenzial bei der Durchsetzung des be-

detaillierte Grundlagen zu den Bereichen Strassenverkehr,

stehenden Rechts. Auch die Technik kann den Menschen

Sport und Bewegung sowie Haus und Freizeit. Eine zent-

noch mehr unterstützen. Fahrzeuge müssen menschen-

rale Publikation ist zum Beispiel der STATUS-Bericht. Er

gerechter und Strassen noch stärker selbsterklärend und

stellt das Unfallgeschehen dar und macht Aussagen zu

fehlerverzeihend gestaltet werden.

Einstellungen und Verhalten der Schweizer Bevölkerung.

• Politik: Der Fortschritt in den verschiedenen Handlungs-

Ein weiteres Schwergewicht, der SINUS-Report: Er vertieft

feldern wie z. B.Infrastruktur und Ausbildung kann an der

das Unfallgeschehen im Strassenverkehr und weist auf Ent-

Erreichung quantitativer Leistungsziele gemessen wer-

wicklungen hin. Und nicht zuletzt veröffentlicht die bfu in

den. Die Schweiz verfügt derzeit über keine derartigen

ihren Erhebungen Zahlen vor allem zum Schutzverhalten

Teilziele, was die Beurteilung und Lancierung von Mass-

der Bevölkerung. Was bisher fehlte, war eine zusammen-

nahmen erschwert. Das Bewusstsein der Politik für die

fassende Darstellung all dieser Sicherheitsindikatoren so-

Verkehrssicherheit scheint etwas nachzulassen.

wie eine knappe Gesamtbeurteilung des Sicherheitsniveaus. Mit dem neuen bfu-Sicherheitsbarometer wurde

Die bfu-Grundlage «bfu-Sicherheitsbarometer»

diese Lücke nun geschlossen.

(Art.-Nr. 2.333) finden Sie auf www.bestellen.bfu.ch.

Das Sicherheitsbarometer 2017 gibt das Niveau der Verkehrssicherheit in der Schweiz als hoch an, auch im

Europäischer Verkehrssicherheitspreis

internationalen Vergleich. Aber es zeigen sich auch

für die Schweiz

«Sorgenkinder»:

Der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC zeichnete im

• Unfallgeschehen: Die Schweizer Strassen gehören zu

Juni 2017 die Schweiz für ihre erfolgreichen Bemühungen

den sichersten der Welt, aber nicht alle Verkehrsteilneh-

zur Verbesserung der Verkehrssicherheit aus. Er würdigte

menden profitieren gleichermassen davon. So gibt es

damit auch den Umstand, dass sich unser Land nicht auf

kaum Fortschritte beim Langsamverkehr, immer mehr

seinen Lorbeeren ausruht. Für die bfu beinhaltet der Preis

ältere Personen werden Opfer von Verkehrsunfällen und

die Verpflichtung, den erfolgreichen Weg weiterzugehen

Unfälle mit E-Bikes nehmen zu.

und in der Verkehrsunfallprävention nicht nachzulassen.

• Sicherheitsindikatoren: Verkehrssicherheitsmassnah-

Am bfu-Forum Strassenverkehr vom November 2017

men werden zwar von der breiten Bevölkerung akzep-

wurde denn auch ein neues Sicherheitsziel formuliert: Die

tiert und die Verkehrsteilnehmenden verhalten sich rela-

Anzahl Verkehrstoter soll bis 2030 auf unter 100 und die

tiv regelkonform, aber die Zustimmung zu einzelnen

Anzahl Schwerverletzter deutlich gesenkt werden.

Massnahmen – etwa Tempolimiten ausserorts und auf Autobahnen – nimmt ab.

16 Forschung

bfu – Jahresbericht 2017


bfu-Befragung zu den Ursachen von Alleinunfällen mit E-Bikes Alleinunfälle mit dem E-Bike sind häufig, deren Hergänge und Ursachen jedoch weitgehend unbekannt. Um mehr Wissen zu solchen Unfällen zu gewinnen, führte die bfu eine Befragung durch. Es zeigte sich, dass längst nicht nur die älteren E-Bike-Fahrenden von Alleinunfällen betroffen sind. Ausrutschen stellt den häufigsten Unfallhergang dar.

Fast die Hälfte der polizeilich registrierten schweren Perso-

Mit dieser Studie konnte die bfu wertvolle Erkenntnisse zu

nenschäden von E-Bike-Fahrenden ereignet sich bei Allein-

den generellen Erfahrungen von E-Bike-Fahrenden in der

unfällen. Über die genauen Ursachen und Hergänge dieser

Schweiz und im Speziellen zu den Ursachen und Hergän-

Unfälle können die amtlichen Daten jedoch nicht detailliert

gen von E-Bike-Alleinunfällen gewinnen. Die Ergebnisse

Auskunft geben. Auch in der wissenschaftlichen Literatur

können dazu verwendet werden, Massnahmen und Hand-

ist diesbezüglich noch relativ wenig Wissen vorhanden.

lungsempfehlungen zur Prävention dieser Unfälle abzulei-

Um diese Wissenslücke zu schliessen, führte die bfu im

ten. Der bfu-Report Nr. 75 «Verkehrssicherheit von E-Bikes

Herbst 2016 eine Befragung unter E-Bike-Fahrenden durch.

mit Schwerpunkt Alleinunfälle» enthält neben den voll-

Die Umfrage richtete sich an alle regelmässigen E-Bike-

ständigen Ergebnissen der Befragung auch eine Auswer-

Benutzenden. Wer schon einmal einen Alleinunfall im

tung der polizeilichen Verkehrsunfallstatistik sowie eine Li-

Strassenverkehr erlitten hatte, wurde detailliert zu den

teraturanalyse.

Umständen und Ursachen des Unfalls befragt.

2017 setzte die bfu auch ihre E-Bike-Kampagne fort, die

Von den 4171 Teilnehmern ist rund jeder dritte (34 %) mit

auf Alleinunfälle fokussierte. Mit der Frage «Beherrschen

seinem E-Bike schon mindestens einmal verunfallt (Kolli-

Sie Ihr E-Bike?» wies sie darauf hin, dass eine Fahrt mit ei-

sion, Selbstunfall im Gelände oder auf der Strasse). Am

nem E-Bike ziemlich wild sein kann.

häufigsten sind Selbstunfälle im Strassenverkehr. Zwischen den Altersgruppen zeigt sich dabei kein Unterschied: In allen Altersgruppen erlitt jeweils ungefähr jeder Sechste schon einmal einen Selbstunfall mit dem E-Bike im Strassenverkehr. Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Männer haben ein höheres Risiko für Selbstunfälle als Frauen. Zwischen schnellen und langsamen E-Bikes zeigt sich dabei kein Risikounterschied.

schen ? BeherrE bike sie Ihr -

Der mit Abstand am häufigsten genannte Unfallhergang ist das Ausrutschen (v. a. wegen Eis- oder Schneeglätte). Fast jeder Dritte (31 %) der Verunfallten gab dies als Ursache an. An zweiter bis vierter Stelle folgen die Hergänge Überqueren einer Schwelle (v.  a. von Randsteinen), Geraten in Tramschienen und Bahngleise bzw. Ausrutschen darauf sowie Ausweichen (v.  a. anderen Verkehrsteilnehmenden).

bfu – Jahresbericht 2017

r ist wilde Ein E-Bike denkt. als man

Forschung

17


Schweizer Autokäufer zu Fahrassistenzsystemen befragt Die Verbreitung von Fahrassistenzsystemen (FAS) ist nach wie vor bescheiden. In einer Befragung wollte die bfu den Ursachen auf den Grund gehen: Welchen Kenntnisstand haben potenzielle Nutzer von FAS, was sind die Gründe für oder gegen einen Kauf und welche Informationsangebote sind erwünscht. Die Resultate unterstreichen die Notwendigkeit einer aktiven Informationsarbeit.

Durch den Einsatz von Assistenzsystemen liesse sich ein

Um die noch bescheidene Verbreitung von FAS zu steigern,

Grossteil aller schweren PW-Unfälle verhindern. Mit Blick

bedarf es einer aktiven Informationsarbeit. Dabei ist es

auf die Unfallverhütung ist eine rasche Implementierung

wichtig, potenzielle Autokäufer auf eine einfache und

von Sicherheitstechnologien mit hoher Wirksamkeit wün-

leicht verständliche Art und Weise umfassend über bereits

schenswert. Doch die Produktnachfrage ist bescheiden.

etablierte und neu auf dem Markt erhältliche Produkte zu

Wie kann die Nachfrage gesteigert werden und welche

informieren. Es gilt, Neugier und Interesse zu wecken, die

Massnahmen sind nötig, um die Verbreitung von FAS zu

Bekanntheit der einzelnen Systeme zu erhöhen, allfällige

fördern? Um dies für den Schweizer Markt herauszufinden,

Vorurteile und Befürchtungen abzubauen, das technische

gab die bfu bei der Zürcher Hochschule für angewandte

Verständnis und damit das Vertrauen zu fördern sowie

Wissenschaften ZHAW eine Studie in Auftrag. Potenzielle

vor allem den jeweiligen Sicherheitsnutzen aufzuzeigen.

Autokäufer wurden zu möglichen Kaufgründen, aber auch

So werden beim Autokauf sinnvolle sicherheitsorientierte

zu Barrieren befragt.

Entscheide ermöglicht.

Obwohl der Bekanntheitsgrad der erhältlichen Assistenzsysteme in den letzten Jahren gestiegen ist, gab der Gross-

Die fünf Hürden beim Kauf von Sicherheitssystemen:

teil der Befragten an, die meisten Systeme nicht zu kennen

• Bekanntheit: «Nie davon gehört»

oder höchstens davon gehört zu haben. Zudem sehen viele

• Persönlicher Bedarf: «Sinnvoll, aber nicht für mich»

für sich selber kaum einen persönlichen Bedarf an Sicher-

• Systemvertrauen: «Sinnvoll, aber noch nicht ausgereift»

heitstechnologien. Die meisten glauben, sie seien über-

• Emotionen: «Es nimmt mir die Freude am Fahren»

durchschnittlich gute Autofahrer und würden nie verunfal-

• Bauchgefühle: «Der Tempomat ist mein Favorit»

len. Als weitere Kaufbarriere erwies sich das fehlende Systemvertrauen. Viele der befragten Personen urteilten,

Die bfu-Grundlage «Fahrassistenzsysteme – Befra­

FAS seien (zu) fehleranfällig. Auch Bedenken auf der emo-

gung potenzieller Autokäufer» (Art.-Nr. 2.339) fin­

tionalen Ebene kamen zum Ausdruck. Gerade junge Er-

den Sie auf www.bestellen.bfu.ch.

wachsene befürchten teilweise den Verlust des klassischen Fahrgefühls. Des Weiteren liegen verzerrte Vorstellungen zu Sicherheitseffekten von Assistenzsystemen vor. So attestierten viele Personen selbst dem Tempomaten eine Sicherheitswirkung – einem System, das sich sogar als eher sicherheitsabträglich herausgestellt hat. Dadurch laufen selbst sicherheitsaffine Personen Gefahr, infolge ihrer verzerrten Einschätzung wenig sinnvolle Kaufentscheide zu fällen.

18 Forschung

bfu – Jahresbericht 2017


bfu-Erhebung der tödlichen Sportunfälle In den vergangenen 17 Jahren kamen in der Schweiz durchschnittlich 184 Personen pro Jahr beim Sporttreiben ums Leben. Die Gesellschaft akzeptiert diese Last nicht. Deshalb hat die bfu den Auftrag, schwere Sportunfälle zu verhüten und Präventionsaktivitäten von Partnern zu koordinieren.

Sportunfälle stellen ein bedeutendes Public-Health-Prob-

Anhand dieser Erkenntnisse können Präventionsmassnah-

lem dar. Einerseits verursachen sie grosses menschliches

men definiert werden. Mehrere bedeutende nationale

Leid, andererseits hohe Kosten im Gesundheitssystem. Die

Institutionen wie beispielsweise der Schweizerische Alpen-

Frage nach dem akzeptablen Risiko im Sport kann nicht

Club SAC, das WSL-Institut für Schnee- und Lawinen­

ohne Weiteres beantwortet werden. Zudem sind die

forschung SLF, die Schweizerische Kommission für Unfall-

Risikowahrnehmung und die Risikobereitschaft individuell

verhütung

unterschiedlich. Für die meisten Sportler liegt ein Unfall mit

Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, die Stif-

auf

Schneesportabfahrten

SKUS,

die

tödlichem Ausgang nicht mehr innerhalb des akzeptablen

tung Safety in Adventures, die Fachstelle für Tauchunfallver­

Risikos.

hütung FTU oder die Suva engagieren sich ebenfalls für die

Tatsache ist aber, dass in der Schweiz jedes Jahr durch-

Unfallverhütung in den jeweiligen Sportsettings. Denn mit

schnittlich 184 Personen bei der Ausübung einer Sportart

geeigneten Massnahmen können viele Todesfälle verhin-

tödlich verunglücken. Auffallend ist, dass über 80 % davon

dert werden.

Männer sind. Dies lässt sich nicht nur mit ihrer erhöhten Exposition erklären, sondern auch mit der höheren Risiko-

Die bfu-Erhebung «Tödliche Sportunfälle 2000–2016»

bereitschaft. Knapp ein Drittel der Todesopfer sind auslän-

finden Sie als PDF auf www.bestellen.bfu.ch.

dische Gäste. Diese verunglücken vor allem beim Bergsteigen und Bergwandern. Bergsport mit durchschnittlich 84 tödlich verunfallten Personen pro Jahr ist ohnehin Spitzenreiter bei den tödlichen Sportunfällen. Über die Hälfte davon entfallen aufs Bergwandern. Danach folgt der Schneesport mit jährlich 39 Getöteten, wobei drei Viertel dieser Personen abseits der Pisten ums Leben kommen. Ebenfalls eine hohe Anzahl von Todesfällen muss bei Sportarten rund ums Wasser verzeichnet werden. Dabei sterben pro Jahr 29 Personen, die meisten beim Schwimmen oder Baden in freien Gewässern. Im Flugsport verunglücken jährlich weitere 17 Personen tödlich, hauptsächlich beim Gleitschirmfliegen oder Base-Jumping. Wirkungsvolle Präventionsarbeit basiert auf Erkenntnissen der Unfallforschung. Aus diesem Grund führt die bfu eine eigene Erhebung zu den tödlichen Sportunfällen durch.

bfu – Jahresbericht 2017

Forschung

19


Mit welcher Ausrüstung schützen sich Mountainbiker? Fürs Mountainbiking empfiehlt die bfu Velohelm, Langfingerhandschuhe, Sportbrille und Protektoren. Welche davon tragen Mountainbiker? Dies brachte die bfu im Herbst 2017 mit einer Erhebung in Erfahrung. Die Ergebnisse erlauben, zielgerichtet Massnahmen zur Förderung der Schutzausrüstung zu erarbeiten und umzusetzen.

Beim Mountainbike-Fahren verletzen sich jährlich

Das Ergebnis: Während über 90 % der Sportler einen Helm

8000 Spor­tler­innen und Sportler, Tendenz steigend. Mit

tragen und auch Handschuhe und Brille (jeweils 80 %) zur

einer persönlichen Schutzausrüstung, wie z. B. Helm, Lang-

Standardausrüstung gehören, werden andere Protektoren

fingerhandschuhe und Schutzbrille könnten viele Verlet-

deutlich seltener benutzt. Die detaillierten Ergebnisse der

zungen verhindert oder zumindest deren Schweregrad re-

Piloterhebung sind auf der Website der bfu publiziert. Die

duziert werden.

Erhebung wird künftig alle zwei Jahre wiederholt. Damit

Im Rahmen des bfu-Schwerpunktprogramms Fahrrad/Bike

können die umgesetzten Massnahmen auf ihren Erfolg hin

soll auch das Tragen der Schutzausrüstung beim Moun-

überprüft werden.

tainbike-Fahren gefördert werden. Doch wie viele der

Zudem überarbeitete die bfu 2017 ihre Broschüre «Moun-

Mountainbiker benutzen eine solche? Wie unterscheiden

tainbiking – Die Natur ruft» mit vielen Tipps zu Ausrüstung

sich die Tragquoten bei Touren- und Pistenbikern? Gibt es

und Verhalten beim Mountainbiking.

regionale Unterschiede? Zur Beantwortung dieser Fragen erarbeitete die bfu eine Erhebung zur persönlichen Schutzausrüstung bei Mountainbikern, die im Herbst 2017 durchgeführt wurde. Sie ist Basis für Massnahmen, mit denen das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung gezielt gefördert werden kann. Die grösste Herausforderung der Erhebung lag bei der Auswahl der Erhebungsstellen. Um geeignete Orte zu finden, wurden die ca. 1200 Sicherheitsdelegierten der bfu im Frühjahr 2017 per E-Mail kontaktiert. Sie wurden gebeten, von Mountainbike-Fahrern frequentierte Stellen in ihrer Region auf einer Webkarte zu markieren und die Koor-

Mountainbiking Die Natur ruft

dinaten mit Bemerkungen an die bfu zurückzusenden. Mehr als 200 Orte konnten dadurch bestimmt werden. Anschliessend wurden die Vorschläge mithilfe von Websites, auf denen Strecken und Erfahrungsberichte von Mountainbike-Fahrern publiziert werden, geprüft und bewertet. Von Anfang September bis Ende Oktober reisten sodann geschulte Interviewer an den Wochenenden an 41 schweizweit verteilte Erhebungsstellen. So konnte die bfu Daten

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung

von nahezu 1500 Mountainbike-Fahrern gewinnen.

20 Forschung

bfu – Jahresbericht 2017


Die bfu bildet aus Durch Aus- und Weiterbildung gibt die bfu Wissen zur Unfallverhßtung weiter. In den Genuss kommen meist Fachpersonen, die dieses Wissen in der Praxis direkt anwenden oder ihrerseits das Gelernte weitergeben. 2017 schulte die bfu rund 4600 Personen. Zum Beispiel zu Glas in der Architektur oder zur Infrastruktur im Strassenverkehr. Oft bringt sich die bfu auch in bestehende Ausbildungstools ein, etwa bei Sportverbänden.


Aus- und Weiterbildung im Dienste der Unfallprävention Was die wenigsten wissen: Die bfu bildet jedes Jahr Fachleute aus oder weiter, damit sich diese für die Verhütung von Unfällen engagieren können. 2017 standen die neu entwickelten ISSI-Zertifizierungskurse für Strassenverkehrsingenieure im Fokus. Mit der Ausbildung dieser Fachleute fördert die bfu die Umsetzung einer bedeutsamen Via-sicura-Massnahme.

«Teach the teachers», das ist auch in der Unfallverhütung

Im Arbeitsgebiet Strassenverkehr bildet die bfu u. a. Ver-

ein erfolgversprechender Ansatz. Mit der Aus- und Weiter-

kehrsinstruktorinnen und -instruktoren der Polizei weiter,

bildung von Fachleuten verfolgt die bfu das Ziel, die Sicher-

die den Kindern und Jugendlichen das sichere Verhalten im

heit zu multiplizieren. Die Teilnehmenden erhalten Wissen,

Strassenverkehr beibringen. Oder sie engagiert sich in den

das sie in ihrem Berufsalltag anwenden oder weitergeben

Aus- und Weiterbildungslehrgängen für Verkehrsinge­

können. Damit wird Unfallverhütung noch effizienter.

nieure. Diesen kommt bei der sogenannten Verhältnis­

Die Palette der bfu-Bildungsaktivitäten ist weitreichend: Im

prävention im Strassenverkehr eine wichtige Bedeutung

Arbeitsgebiet Haus und Freizeit werden beispielsweise

zu. Denn: Fehler im Strassenbau, wie etwa ein falsch kons-

Pflegefachpersonen angesprochen, die Hausbesuche bei

truierter Kreisel oder ein Fussgängerstreifen an einer un-

Senioren machen und dort Sturzgefahren erkennen sollen,

übersichtlichen Stelle, können fatale Folgen haben. Des-

oder Hauswarte, die die Sicherheit von Spielplatzgeräten

halb wurde im Rahmen des Programms Via sicura die

beurteilen müssen. Auf dem Gebiet Sport und Bewegung

Umsetzung von Infrastrukturmassnahmen gesetzlich ver-

schult die bfu z. B. im Rahmen des Programms «Sport in

ankert. Artikel 6a des Strassenverkehrsgesetzes SVG ver-

der Armee». Oder sie bringt das Thema Unfallverhütung

pflichtet Planer, Bauer und Betreiber von Strassen­

bei PluSport ein, der Dachorganisation für Behinderten-

infrastruktur, die Verkehrssicherheit angemessen zu

sport in der Schweiz. Die bfu schult dabei Leitende, damit

berücksichtigen, zu überwachen und allenfalls Unfall-

Sicherheitsüberlegungen in die Planung und Umsetzung

schwerpunkte zu beheben.

von Sportlektionen einfliessen (Bild auf der vorhergehen-

Dies hat die bfu bewogen, verschiedene Lehrgänge für

den Seite).

Verkehrsingenieure zur Anwendung der in Artikel 6a verankerten Infrastruktur-Sicherheitsinstrumente (ISSI) zu entwickeln. Damit sollen die Verkehrsingenieure bei der Umsetzung der gesetzlichen Forderung unterstützt werden. In den 2017 erstmals angebotenen Lehrgängen konnten bereits 60  Road-Safety-Auditoren und 22  Road-Safety-Inspektoren zertifiziert werden. Die Lehrgänge werden auf Deutsch und Französisch angeboten und je nach Teilnehmerzahl auch in italienischer Sprache. Alle Weiterbildungsangebote der bfu umfassen rund 250  Kurse und Veranstaltungen mit rund 4600  Teilnehmenden pro Jahr. Dabei handelt es sich um eigene bfuKurse sowie um Kurse und Veranstaltungen mit bfu-Beteiligung, z. B. an Pädagogischen Hochschulen, an (Fach-) hochschulen, Pflegefachschulen oder bei der Armee.

22 Ausbildung

bfu – Jahresbericht 2017


Unfallverhütung in den Planungstools von Sportverbänden Sportunfälle passieren auch im geleiteten Sport. Umso wichtiger ist es, dass Leiterinnen und Leiter in Prävention fit sind. Swiss Volley und Swiss Unihockey haben deshalb gemeinsam mit der bfu ein Planungstool für Trainer entwickelt, mit dem Unfallprävention in die Trainings einfliesst.

Swiss Volley und Swiss Unihockey entwickelten ein Pla-

• Im Planungstool finden die Benutzenden die entspre-

nungstool, das Trainer bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Die-

chenden sportartspezifischen Merkblätter von

ses Tool bot auch für die Unfallverhütung die Chance, sich

Jugend+Sport sowie diverse Links, u. a. zum Ratgeber

einzubringen. Denn gut strukturierte Trainings sind die

Unfallverhütung der bfu.

Basis erfolgreicher Prävention. Das Ziel des Tools ist es, Trainerinnen und Trainer zu quali-

• Die bfu-Sportkampagne «Denk mit beim Sport» ist ebenfalls eingebettet.

tativ guten Trainings zu befähigen. Diese sollen Trainings-

Das Tool von Swiss Unihockey wurde im September 2017

formen und -intensitäten so wählen, dass sie dem Spiel-

freigeschaltet. Im ersten Monat registrierten sich bereits

plan über die gesamte Saison angepasst sind.

mehr als 2000 User. Das Tool von Swiss Volley folgte im

Die Zusammenarbeit zwischen Swiss Volley und Swiss Uni-

Januar 2018. Damit hat die bfu die Zusammenarbeit mit

hockey war sehr erfolgreich. Die unfallpräventiven Inhalte

zwei weiteren Verbänden gefestigt und zur Erhöhung der

sind heute gut integrierte Bestandteile des Planungstools:

Sicherheit in den Sportarten beigetragen.

• Die drei wichtigsten Tipps für die jeweilige Sportart erscheinen als Pop-up auf der Website und am Ende je-

volleyplaner.lernetz.site

des Ausdrucks aus dem Planungstool.

unihockeyplaner.lernetz.site

• Auf der Website ist ein E-Book aufgeschaltet, das sich inhaltlich ausschliesslich mit Unfallgeschehen und Unfallverhütung befasst. Künftig wird auch das Unfallpräventionskonzept der Sportverbände aufgeschaltet.

bfu – Jahresbericht 2017

Ausbildung

23


Weiterbildungskurse und Fachtagung für die bfu-Sicherheitsdelegierten Damit Unfälle im Zusammenhang mit Glas in der Architektur vermieden werden können, hat die bfu ihre Sicherheitsdelegierten in den Weiterbildungskursen 2017 zu diesem Thema geschult. Auch rund um Strassenverkehr erhielten sie Fachwissen: An der Tagung Suisse Public wurde aufgezeigt, welche Massnahmen sich bei Tempo-30-Zonen und Fussgängerstreifen bewähren.

Wände, Dächer, Böden und Brüstungen sind heute oft aus

Die Fachspezialisten der bfu zeigten auf, welches Wissen

Glas. Dass diese Einsatzbereiche von Glas zu steigenden

aus der Forschung vorliegt, und Verkehrsingenieure gaben

Anforderungen bezüglich Sicherheit führen, liegt auf der

Einblick in die Praxis. Unter anderem auch an einem kon-

Hand. Glasbauteile sollen dem jeweiligen Anwendungsbe-

kreten Beispiel in Luzern, wo ein Programm zur Förderung

reich entsprechend eingesetzt werden und so Personen

von Fussgängerstreifen und eine eigene Mobilitätsstrate-

vor Verletzungen schützen.

gie bestehen.

Über die Schutzziele und die Sicherheitsanforderungen an

Im Anschluss diskutierten bfu-Fachspezialisten zusammen

Glas schulte die bfu ihre Sicherheitsdelegierten an den

mit Präventionspartnern über den Sinn von Tempo-30-Zo-

Weiterbildungskursen 2017 speziell. Nach der Vermittlung

nen und Fussgängerstreifen. Und insbesondere darüber,

des Wissens sollten diese befähigt sein, sicherheitsför-

ob und wie durch geeignete Massnahmen die Sicherheit

dernde Massnahmen im Planungsprozess rechtzeitig ein-

und Wohnqualität erhöht werden kann und wo die spezi-

zubringen.

fischen Herausforderungen liegen.

Basis für die Schulung war die grundlegend überabeitete Richtlinie «Sicherheit mit Glas – Anforderungen an Glasbauteile», die vom Schweizerischen Institut für Glas am Bau SIGAB in enger Zusammenarbeit mit der bfu herausgegeben wird. Die Richtlinie zeigt den Einsatz von Glasbauteilen – differenziert nach typischen Glasanwendungen – entsprechend den Anforderungen des Personenschutzes. An den halbtägigen Schulungen an 50 Stand­ orten in der ganzen Schweiz nahmen gegen 1000  bfuSi­cherheitsdelegierte teil. Alle zwei Jahre findet in Bern die Suisse Public statt, die grösste Leistungsschau des öffentlichen Sektors. Die bfu führt in diesem Rahmen jeweils eine Fachtagung durch. 2017 präsentierte sie den aktuellen Wissensstand zu Tempo-30-Zonen und Fussgängerstreifen. Die Beruhigung des Verkehrs in Wohnquartieren, Dorf- und Stadtzentren bildet einen zentralen Bestandteil jeder kommunalen Verkehrsplanung. Die Umsetzung wird von Parteien, Vereinen und Einzelpersonen oft kontrovers diskutiert und führt zu lebhaften Debatten.

24 Ausbildung

bfu – Jahresbericht 2017


Die bfu berät Ihr Fachwissen bringt die bfu auch in Form von Beratungen ein. Sie berät Gemeinden und Städte bei Sicherheitsfragen zu Bäderanlagen oder Kinderspielplätzen. Oder auch die Kantone, wenn sie Defizite an der Verkehrsinfrastruktur erkennen und Massnahmen zu deren Behebung umsetzen wollen.


Road Safety Inspection RSI beim Baseltor in Solothurn Immer wieder ereignen sich beim Kreisel beim Baseltor in Solothurn Unfälle mit Bahnbeteiligung. Hier fährt die Bahn durch den Kreisel, der deshalb auch mit einer Lichtsignalanlage ausgerüstet ist. Im Auftrag des Kantons Solothurn hat die bfu eine Road Safety Inspection unter Berücksichtigung der Unfälle (RSI plus) durchgeführt.

Das Massnahmenprogramm Via sicura hat zum Ziel, die

auch durch linienbezogene Defizite beeinträchtigt wird.

Sicherheit auf Schweizer Strassen nachhaltig zu erhöhen.

Diese lassen sich unter anderem mithilfe der Analyse des

Teil des Pakets sind auch Massnahmen, die die verkehrs-

Unfallgeschehens ermitteln.

technische Infrastruktur betreffen. Der Kanton Solothurn

Die Auswertung des Unfallgeschehens im vorliegenden Fall

ist mit Unterstützung der bfu dabei, diese Instrumente

zeigt Unfälle im Kreisel und beim Zufahren, bei denen Fahr-

ebenfalls anzuwenden. Ein Pilotprojekt war die sicherheits-

zeuge seitlich kollidierten. Zudem ereigneten sich Unfälle

technische Untersuchung eines Kreisels in der Nähe des

mit der Bahn wegen Rotlichtmissachtung durch den Indivi-

Baseltors.

dualverkehr. Die ungünstige Geometrie des Kreisel-Ovals

Rund um die Stadt Solothurn werden die Verkehrsknoten

und die überbreite Kreisfahrbahn führen zu kritischen Fahr-

mit Lichtsignalanlagen geregelt. Nur beim Baseltor befin-

manövern. Dabei sind Fahrzeuglenkende zum Teil so über-

det sich ein Kreisel, der auch noch von einer Bahn durch-

fordert, dass das Rotlicht übersehen wird, wenn die Bahn

fahren wird. Diese fährt in einer 90-Grad-Kurve durch das

sich nähert, zumal diese nur jede Viertelstunde verkehrt.

Kreiselzentrum. Darum regelt hier zusätzlich eine Lichtsig-

Für alle gefundenen Sicherheitsdefizite hat die bfu dem

nalanlage den Verkehr. Diese Doppelregelung kann jedoch

Kanton Solothurn Massnahmen empfohlen. Dieser wird

problematisch sein. So haben sich im Kreisel mehrere Un-

nun über das weitere Vorgehen entscheiden.

fälle mit Bahnbeteiligung ereignet. Aus diesem Grund hat die bfu zusammen mit dem Auftraggeber, dem Kanton Solothurn, entschieden, im vorliegenden Fall eine Road Safety Inspection RSI vorzunehmen, diese jedoch mit einer Unfallanalyse des betroffenen Strassenabschnitts zu ergänzen (RSI plus). Mit einer RSI werden Sicherheitsdefizite auf dem bestehenden Strassennetz systematisch identifiziert und wenn möglich beseitigt, bevor sie zu Unfällen führen oder sich gar zu Unfallschwerpunkten entwickeln. Die ausgewählten Strecken werden mit Videoaufzeichnung befahren und basierend auf dieser Besichtigung werden die Defizite erfasst. Gegebenenfalls ist zusätzlich eine Begehung der Strecken notwendig. Danach werden die erkannten Mängel beschrieben und in ihrer Auswirkung auf die Verkehrssicherheit bewertet. Anschliessend werden Massnahmen zur Behebung der Defizite vorgeschlagen. Die sicherheitstechnische Analyse von Strassenabschnitten zeigt immer wieder, dass die Verkehrssicherheit sowohl durch punkt- als 26 Beratung

bfu – Jahresbericht 2017


Das Freibad Weyermannshaus Bern wird winter-sicher Immer öfter werden Badeanlagen im Winter geöffnet, zum Beispiel zur Nutzung als Park. Der Winter­betrieb soll jedoch ohne eine Aufsicht auskommen, weshalb technische, bauliche und zusätzliche organisatorische Massnahmen nötig sind. Die bfu hat in diesem Zusammenhang die Planer der bevorstehenden Sanierung des Freibads Weyermannshaus in Bern beraten.

In einer «Badi» halten sich Personen in der Regel im Som-

dürfen. Als Alternative wurde auch eine Umzäunung der

mer auf, und dies unter Aufsicht eines Bademeisters. Im

Wasseranlage vorgeschlagen. Sie stellt oft die wirksamste

Winter liegen die Flächen brach. Es kommt immer öfter vor,

Lösung dar, um ein Gewässer zu sichern. Zusätzlich oder

dass Bäderanlagen im Winter als Parkanlagen genutzt wer-

alternativ können sich die Betreiber des Weyermannshau-

den, jedoch ohne Aufsichtspersonen. Dies erfordert Über-

ses zur Errichtung eines Stufenbaus bzw. einer Flachwas-

legungen zur baulichen Sicherheit. Auch das Freibad Wey-

serzone entscheiden. Eine solche Zone stellt eine «Sicher-

ermannshaus Bern sollte wintertauglich werden. Dessen

heitszone» dar. Ein Kleinkind, das ins Wasser fällt, wird

Betreiber kamen für eine entsprechende Beratung auf die

darin aufgefangen.

bfu zu.

Die zweite Herausforderung im Weyermannshaus sind die

Bei dieser Art von Beratung bezieht sich die bfu auf ihre

gefrorenen Wasserflächen. Denn Eisflächen haben eine

Fachdokumentationen 2.019 «Bäderanlagen» und 2.026

grosse Anziehungskraft, sind aber sehr gefährlich, wenn

«Gewässer». Im Unterschied zu den nur als Bad genutzten

sie begangen oder befahren werden, bevor sie genügend

Anlagen müssen die zusätzlichen Massnahmen für die zur

tragsicher sind. Gemeinwesen bzw. private Eigentümer sol-

Doppelnutzung (Bäder und Parkanlagen) konzipierten An-

cher Eisflächen haben gewisse Sicherungspflichten. Hier

lagen zum Teil nur temporär umgesetzt werden. Dies ist

kommt die Dokumentation der SLRG «Tragverhalten von

zum Beispiel der Fall bei Absperrungen durch Zäune.

Eis» zur Anwendung. Diese gibt Aufschluss, wie bei der

Im Wohnumfeld von Menschen muss immer davon ausge-

Freigabe einer Eisfläche – z. B. zum Schlittschuhlaufen –

gangen werden, dass sich Kinder unbeaufsichtigt an einem

vorgegangen werden muss.

natürlichen oder künstlichen Gewässer aufhalten, auch

Die bfu hielt die Erkenntnisse ihrer Beratung in Form eines

wenn die Bauten nicht primär für diese Altersgruppe er-

Berichts an die Betreiber des Weyermannshauses fest. Die

stellt worden sind. Diese Gefahr besteht auch beim Freibad

vorgeschlagenen Massnahmen wurden umgesetzt und

Weyermannshaus: Unbeaufsichtigte Kinder oder Nicht-

die Parkanlage war im Winter 2017/18 fürs Publikum zu-

schwimmer könnten ins Wasser stürzen und ertrinken, ins-

gänglich.

besondere da die Wassertiefe am Beckenrand zwischen ca. 60 cm bis über 3  m beträgt. Deshalb waren im Weyermannshaus Sicherungsmassnahmen technischer Natur notwendig. Die Umzäunung, im Normalfall ein 1,8 bis 2,5 m hoher Zaun rund um die gesamte Anlage, soll Kinder am Eintreten in den Park ohne eine Begleitperson hindern. Der Badepark Weyermannshaus sollte nur durch möglichst wenige Zugänge betreten werden können. Dort weist eine Parkordnung unter anderem darauf hin, dass sich Kinder nur in Begleitung Erwachsener in der Anlage aufhalten bfu – Jahresbericht 2017

Beratung

27


Beratung zugunsten der Kleinsten in der Schweiz «Auch der Spielplatz muss jährlich in den Service.» So lauteten Titel und Botschaft einer im Frühling 2017 veröffen­t­lichten Medienmitteilung. Sie löste ein grosses Medienecho aus und förderte das Bewusstsein, dass Spielgeräte regelmässigen Unterhalt benötigen. Dies führte zu zahlreichen Beratungsanfragen an die bfu-Sicherheitsdelegierten.

Jedes Jahr verletzen sich auf Spielplätzen 9000 Kinder. Um

oder Quartierspielplatz), der Zustand bestehender Geräte

offene und versteckte Gefahren zu beseitigen und Unfälle

und Böden sowie die zu erwartende Intensität der Nut-

mit bleibenden Schäden zu vermeiden, beraten die Chef-

zung. Bei Neuanschaffungen ist darauf zu achten, dass die

Sicherheitsdelegierten seit vielen Jahren Gemeinden und

Anforderungen der entsprechenden Normen erfüllt sind.

Firmen vor Ort. Zudem vermitteln sie in Kursen das Wissen,

Zudem ist ein Sicherheitsplan inklusive Verantwortungen

um sichere Spielplätze zu planen und zu unterhalten.

zu erstellen, wobei auch die finanziellen Mittel für Unter-

In den Vorjahren hatten sich mehrere schwere Unfälle in-

halt und Ersatz einzurechnen sind.

folge Fehlplanung und ungenügenden Unterhalts von Kin-

Die Mitteilung der bfu fand eine grosse Resonanz in den

derspielplätzen ereignet. Die bfu entschied sich deshalb,

Medien. Das Thema wurde 2017 über 1000-mal aufgegrif-

im März 2017 eine Medienmitteilung zum Unterhalt von

fen. Höhepunkte waren die bfu-Auftritte in der Hauptaus-

Spielplätzen zu publizieren. Neben der Sensibilisierung für

gabe der SRF-Tagesschau und in der SRF-Radiosendung

typische Gefahren und entsprechenden Empfehlungen

Espresso. Das löste auch Folge-Anfragen aus: Die bfu-

machte sie auch auf die Beratungstätigkeit der bfu und

Sicherheitsdelegierten führten 176 Beratungen durch und

ihrer Sicherheitsdelegierten in Städten und Gemeinden

erstellten anschliessend technische Berichte dazu.

aufmerksam. Gefahren auf Spielplätzen gehen von morschen Holzpfosten aus, von Seilen, die nicht mehr halten, von defekten Stahlfedern oder gekippten Fundamenten. Besondere Beachtung sollte auch dem Aufprallbereich geschenkt werden: Hat es hier harte Gegenstände wie Steine oder Splitter? Genügt das Fallschutzmaterial noch den Anforderungen? Und auch scharfe Kanten und abgebrochene oder gar fehlende Teile bergen Gefahren. Damit Spielplätze über den ganzen Lebenszyklus für Kinder sicher sind, empfiehlt die bfu, ein Sicherheits- und Unterhaltskonzept zu erstellen. Zu klären sind vorab die Anforderungen abhängig vom Standort (z. B. Schule, Tagesstätte

28 Beratung

bfu – Jahresbericht 2017


Neue Unfallpräventionskonzepte von Schweizer Sportverbänden Im Spielsport ereignen sich relativ viele Unfälle. Die bfu rät deshalb den Sportverbänden zur Erstellung und Umsetzung ganzheitlicher Unfallpräventionskonzepte. Damit unterstreichen die Verbände ihren Willen und ihre Bemühungen, Unfallprävention zu betreiben.

Die Team-Spielsportarten Fussball, Volleyball, Handball,

stellten ihre Präventionsprojekte vor: der Schweizerische

Basketball, Unihockey und Eishockey weisen kontinuierlich

Eishockeyverband SIHF, die Suva, das Sportamt des Kan-

hohe Unfallzahlen aus. Wenn auch die Verletzungen in

tons Thurgau sowie das Bundesamt für Sport BASPO mit

diesen Sportarten oft nicht so gravierend sind, so begrün-

den Förderprogrammen Jugend+Sport und Erwachsenen-

det allein die Häufigkeit der Unfälle einen erhöhten Präven-

sport Schweiz esa. Das Forum gab Einblick, wie Präventi-

tionsbedarf.

onsprogramme entworfen werden, um erfolgreich in der

Die Sportarten werden überwiegend organisiert und an-

Praxis zu wirken. Bei der anschliessenden Diskussion wur-

geleitet betrieben – zumeist im Sportverein. Anliegen der

den die Ziele und Absichten hinter den verschiedenen Stra-

Unfallverhütung können somit gezielt über die nationalen

tegien beleuchtet und die Wirksamkeit einzelner Massnah-

Sportverbände in deren Gefässe eingespiesen werden. Die

men thematisiert.

bfu wählte dabei einen umfassenden Ansatz in Form ganzheitlicher Präventionskonzepte, berät die Verbände aber sportartenspezifisch. Spielsportverbände zeigten grundsätzlich grosses Interesse an der Unterstützung durch die bfu. Es ist ihnen klar, dass die Ausarbeitung eines Konzepts Aufwand generiert und dass es mit der Erstellung nicht getan ist. Für die künftige Umsetzung ist auch die Einbettung der Unfallprävention im Verband ein wichtiges Thema. Der Eishockeyverband nominierte sehr schnell eine breit abgestützte Arbeitsgruppe und erstellte einen Konzeptentwurf. Mit dem Unihockey-, dem Handball- und dem Volleyballverband wurde im ersten Schritt eine Bestandesaufnahme vorgenommen. Keine Aktivitäten fanden mit dem Fussballverband statt, da er von der Suva unterstützt und begleitet wird. Unfallpräventionskonzepte waren auch Thema am 3. bfuForum Sport vom 7.  September 2017. Vier Institutionen

bfu – Jahresbericht 2017

Beratung

29


Die bfu prüft Sicherheit geht auch bei Produkten vor, die Frau und Herr Schweizer nutzen. Im Auftrag des SECO prüft die bfu Produkte im nichtbetrieblichen Bereich. 2017 unter anderem vier Kettensägen im Rahmen eines internationalen Stichproben­ programms – mit ernüchterndem Ergebnis. Besser haben die neun überprüften Motorrad-Schutzhandschuhe abgeschnitten. Die geltenden Vorschriften werden hier gut eingehalten.


Stichprobenprogramm: europaweite Kontrolle von Kettensägen Die bfu hat in ihrer Funktion als Marktüberwachungsbehörde an einem internationalen Stichprobenprogramm teilgenommen und vier Kettensägen überprüft. Die Unterschiede bei den kontrollierten Produkten waren gross.

Kettensägen werden hauptsächlich im professionellen Um-

und die Kontrolle von vier Produkten, die vorwiegend für

feld, in der Forst- und Landwirtschaft, im Gartenbau und

die Verwendung im Freizeitbereich vorgesehen sind. Für

auf der Baustelle verwendet. Zusätzlich werden sie aber

alle teilnehmenden Länder wurden einheitliche Prüfkrite-

auch von Eigenheimbesitzern und privaten Landbesitzern

rien festgelegt. Dazu gehörte eine umfangreiche Überprü-

eingesetzt, sei es, um die Umgebungsarbeiten am eigenen

fung der Sicherheitsfunktionen durch die akkreditierten

Haus selber auszuführen oder in der Freizeit Brennholz auf-

Prüflabors. Zudem wurden auch formelle Aspekte geprüft

zubereiten.

wie z. B. die Konformität der eingeforderten Hersteller-

Die Hauptgefahr einer Kettensäge geht von der unge-

nachweise und der Inhalt der Betriebsanleitung.

schützten, mit hoher Geschwindigkeit laufenden Säge-

Die in der Schweiz kontrollierten Produkte ergaben folgen-

kette aus, die mit vielen messerscharfen Schneidezähnen

des Ergebnis: Bei einem Produkt wurden keine Mängel

bestückt ist. Damit ist die Kettensäge eines der gefährlichs-

festgestellt, zwei Produkte wiesen formelle Mängel auf.

ten Gartenschneidgeräte. Deren Einsatz kann bei falscher

Ein weiteres Produkt wurde aufgrund gravierender techni-

Handhabung, z. B. aufgrund ungenügender Ausbildung

scher Mängel durch den Inverkehrbringer vom Markt zu-

oder Nichttragens von Schutzkleidung, rasch zu schweren

rückgerufen. Alle betroffenen Inverkehrbringer wurden zur

bis lebensbedrohlichen Schnittverletzungen führen. Um

Behebung der Mängel angehalten.

dieses Risiko so weit wie möglich zu reduzieren, muss eine moderne Kettensäge über verschiedenste Sicherheitsfunktionen verfügen, die die Sägekette in Gefahrensituationen innert Sekundenbruchteilen zum Stillstand bringen. Wegen des hohen Risikopotenzials entschied sich die bfu in ihrer Funktion als Marktüberwachungsbehörde, an einer europaweit koordinierten Marktüberwachungsaktion der Organisation Product Safety Forum of Europe PROSAFE teilzunehmen. Im Rahmen dieser gemeinsamen Aktion kauften in den Jahren 2016 und 2017 13 nationale Behörden rund 70 verschiedene Produkte, forderten bei den Herstellern die vorgeschriebenen Nachweise ein und kontrollierten diese. Die bfu beteiligte sich durch den Einkauf

32 Produktesicherheit

bfu – Jahresbericht 2017


Stichprobenprogramm: Sicherheit von Motorrad-Schutzhandschuhen Wie gut schützen Motorrad-Schutzhandschuhe? Dieser Frage ist die bfu in ihrer Funktion als Mark­tüberwachungsbehörde ebenfalls nachgegangen. Sie kontrollierte insgesamt neun Modelle im Rahmen einer Stichprobe. Das Resultat war durchwegs positiv: Die Schutzhandschuhe schützen alle nach Vorgaben der Norm.

In der Schweiz verletzen sich pro Jahr rund 4500 Motor-

chanisch zu schützen. Bei Motorradunfällen sind die Hände

radfahrende, davon zwei Drittel leicht. Ein Helm, spezifi-

bei einem Zusammenprall mit anderen Fahrzeugen, mit

sche Bekleidung und Protektoren helfen Fahrern und Bei-

Strassenelementen oder beim Schlittern über den Strassen-

fahrern, Verletzungen zu reduzieren. Die bfu empfiehlt

belag besonders gefährdet.

deshalb Motorradfahrern, protektive Kleidung zu tragen.

Persönliche Schutzausrüstungen gehören in den Zustän-

Motorrad-Schutzhandschuhe sollen vor Umweltbedingun-

digkeitsbereich der bfu. In ihrer Funktion als Marktüberwa-

gen schützen, ohne die für die Bedienung von Kontrollele-

chungsbehörde entschied sie sich deshalb, Motorrad-

menten und Schaltern des Motorrads erforderliche Finger-

Schutzhandschuhe einer Prüfung zu unterziehen. Auf Basis

fertigkeit der Trägerin oder des Trägers unnötig

der 2015 veröffentlichten Norm EN 13594 wurden die

einzuschränken. Zusätzlich sind die Handschuhe dazu be-

Produkte bfu-intern und durch akkreditierte Prüfstellen

stimmt, bei einem Unfall die Hände und Handgelenke me-

getestet. Prüfschwerpunkte waren die geltenden Anforderungen an die Stossabriebfestigkeit, an die Aufpralldämpfung an den Fingerknöcheln sowie an das Verstellsystem der Handschuhe. Auch formelle Aspekte wie die Benutzerinformation wurden kontrolliert. Insgesamt wurden neun Modelle für die Stichprobe ausgewählt. Die Produkte sollten möglichst von verschiedenen Herstellern und aus unterschiedlichen Vertriebskanälen stammen. Die bfu kaufte die Produkte in Motorrad-Fachgeschäften, in Motorradzubehör-Fachgeschäften und im Online-Handel ein. Erfreulicherweise wies keiner der überprüften MotorradSchutzhandschuhe funktionelle Schutzmängel auf. Bei einem grossen Teil mussten jedoch fehlende Sprachversionen bei der Benutzerinformation bemängelt werden. Zudem wurde in zwei Fällen das Produkt zwar vom Hersteller mit einer gültigen Benutzerinformation in Verkehr gebracht, der Händler gab diese dem Benutzer jedoch nicht ab. Das Resultat zeigt, dass Hersteller die geltenden Vorschriften ernst nehmen und umsetzen. Es besteht allerdings betreffend Einhalten formeller Bestimmungen noch Handlungsbedarf. Die betroffenen Inverkehrbringer wurden zur Behebung der Mängel angehalten.

bfu – Jahresbericht 2017

Produktesicherheit

33


Die bfu kommuniziert Eine neue Broschüre für den Schneesport, eine neue Kampagne in Partnerschaft mit dem TCS für mehr Sichtbarkeit bei Dunkelheit, vielfältige neue Angebote für Betriebe zur Reduktion von Freizeitunfällen und eine erneuerte Präventions­aus­ stellung im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Und schliesslich eine neue Sportkampagne, mit der die bfu den 400 000 Sportunfällen den Kampf ansagt.

5.347.01 - 07.2017

ÕMķĞTVľŗğSũêİMP įŒUGªSĆFİDĭFİğSʼn


Denk mit beim Sport – die neue bfu-Sportkampagne Jährlich verletzen sich rund 400 000 in der Schweiz wohnhafte Sportlerinnen und Sportler bei Unfällen im In- und Ausland, 140 werden dabei getötet. Entgegen der Meinung vieler Sportler sind diese Unfälle kein unabänderliches Schicksal. Mit Eigenverantwortung und Köpfchen kann jede und jeder etwas dagegen tun. Deshalb: Denk mit beim Sport.

Die bfu tut bereits viel, wenn es um Unfallverhütung im

Sportler hören nicht auf ihn und vertrauen lieber den Tipps

Sport geht: Schulungen, zum Beispiel von Leiterpersonen,

der bfu, die sie auf der Website sport.bfu.ch finden. Diese

Beratung von Verbänden oder auch sportartenspezifische

enthält Tipps zu über 70 Sportarten.

Kampagnen. Vermehrte körperliche Aktivitäten, immer

Den Auftakt der Kampagne bildeten Fernsehspots, You-

mehr verschiedene Sportarten und dadurch weniger Wis-

Tube-Videos und Social-Media-Aktivitäten. Flankierend

sen über den Sport sowie die Tendenz zu mehr Einzel- und

wurden Inserate, Plakate, Banden und Give-aways an

Individualsport führen dazu, dass die Reduktion der jähr-

Sportanlässen eingesetzt. Der Startschuss ist gefallen. Nun

lich 400 000  Sportunfälle eine grosse Herausforderung

gilt es, die Kampagne mit Ausdauer über die kommenden

bleibt. Allerdings ist es nicht möglich, für die in der Unfall-

Jahre weiterzuführen.

statistik aufgeführten 200 Sportarten einzelne Unfallverhütungsbotschaften zu propagieren.

Tipps und weitere Informationen auf: sport.bfu.ch

Die bfu entschied sich deshalb, dies mit einer neuen Sensibilisierungskampagne zu tun, die Kernthemen aufgreift, die für alle Sportarten Gültigkeit haben. Die neue Kampagne ist als kommunikatives Dach für alle Aktivitäten im Sportbereich zu verstehen und richtet sich an selbstorganisierte Breitensportler. Mit der Aufforderung «Denk mit beim Sport» erinnert die bfu Sporttreibende daran, dass Risiken bestehen und sie es in der Hand haben, diese zu beeinflussen. Denn mit einem angepassten Risikoverhalten ist es möglich, sich unabhängig vom Leistungsniveau gefahrenbewusst vorzubereiten und zu agieren. Das eigens für die Kampagne entwickelte Label «Denk mit beim Sport. Stopp Sportunfälle» nimmt diesen zentralen Gedanken auf. Anfang Juli wurde die neue Sportkampagne und mit ihr der Hauptakteur «Fritz der Gips» ins Leben gerufen. Fritz der Gips ist eine vorwitzige, nervende und besserwisserische Figur in Form eines Gipsarms. Wie der Gips zeigt, ist man mit dessen Tipps schlecht beraten. Der Antiheld versucht, Sporttreibende zu unvernünftigem Handeln zu bewegen – doch er bleibt stets erfolglos mit seinen offensichtlich falschen und dummen Ratschlägen.

36 Kommunikation

bfu – Jahresbericht 2017


SEE YOU – die magische Spiegelwelt der bfu im Verkehrshaus der Schweiz Seit 1980 ist die bfu permanent im Verkehrshaus der Schweiz präsent, seit 2009 in der Halle Strassen­ verkehr. Es war an der Zeit, sowohl die Halle als auch die bfu-Ausstellung zu erneuern. «SEE YOU – die magische Spiegelwelt der bfu» heisst die neue Ausstellung, die Mitte April feierlich eröffnet wurde.

Unmittelbar vor den Ostertagen mit vielen Besuchenden

Die bfu und das Verkehrshaus der Schweiz verbindet eine

eröffnete das Verkehrshaus mit zahlreichen Gästen feier-

rund 40-jährige Geschichte. Die Unfallverhütung spielte

lich die neu inszenierte Halle Strassenverkehr, u. a. mit Jürg

dort seit jeher eine grosse Rolle. In der im Jahr 2009 eröff-

Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen ASTRA,

neten bfu-Themeninsel «Sicherheit» drehte ein Karussell

Peter Sauber, Unternehmer, Miss Schweiz Lauriane Sallin,

als Symbol für den Verkehrsraum. Es wurde in die neue

Brigitte Buhmann, Direktorin der bfu und Präventionsengel

Ausstellung integriert und steht für den ersten Fahrsimula-

Franky Slow Down.

tor im Leben eines Menschen. Und dort soll es sich auch

Wer in die Halle Strassenverkehr eintritt, kommt an der ma-

weiterhin drehen.

gischen Spiegelwelt «SEE YOU» der bfu nicht vorbei. Denn dort erwartet die Besuchenden das riesige Spiegellabyrinth

Mehr Informationen auf seeyou.bfu.ch

mit 68 Spiegeln auf 85 m2. Die Ausstellung ist ein Erlebnis für Gross und Klein. Alle suchen sich ihren eigenen Weg

Wissenswertes zur SEE-YOU-Spiegelwelt:

durch das Labyrinth und stellen sich Fragen wie «Bin ich

Anzahl Spiegel

sicher?», «Reflektiere ich?» oder «Bin ich gut unterwegs?».

Fläche 

85 m2

Alles Fragen, die auch im Strassenverkehr zentral sind. So

Länge 

65 m

umsichtig, wie man sich in der Spiegelwelt bewegt, sollte

Winkel der Spiegel zueinander 

man auch auf der Strasse unterwegs sein: slow down und

Eröffnung 

volle Konzentration. Denn jährlich 80 000 verletzte Perso-

Geplante Ausstellungsdauer

68

60 Grad 12. April 2017 10 Jahre

nen auf Schweizer Strassen sind zu viel! Das ist die Hauptbotschaft, die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung mit auf die Strasse nehmen sollen. Die rundum erneuerte Ausstellung entwickelte sich bereits kurz nach der Eröffnung zum neuen «Must-See» im Verkehrshaus. Bis Ende 2017 tauchten rund 430 000 Besuchende, davon 44  000  Schülerinnen und Schüler, in die Spiegelwelt ein. Neben dem «Wow-Effekt» im Labyrinth bieten auch die Experimentierstationen rund um die Spiegelwelt etliche Aha-Erlebnisse zum Thema «Sehen und gesehen werden» mit Reflektionen, Spiegeln, Licht, Sehen und Reaktion. Es gibt viel zu entdecken und die diversen Stationen laden Interessierte, speziell auch Schülerinnen und Schüler, zum Vertiefen ein.

bfu – Jahresbericht 2017

Kommunikation

37


Neue Angebote für die Unfallverhütung in Betrieben Über eine Million Freizeitunfälle ereignen sich jedes Jahr in der Schweiz, davon sind über 500 000 Erwerbstätige betroffen. Ein Unfall in der Freizeit bedeutet auch Ausfall im Unternehmen. Deshalb schnürt die bfu für Betriebe immer wieder neue Präventionspakete, die sich einfach und praxisnah einsetzen lassen.

Viele Betriebe haben auch 2017 die Angebote der bfu ge-

Jährlich verletzen sich jedoch fast 20 000 Personen beim

nutzt. Mit gutem Grund: Während Berufsunfälle stetig

Wandern oder Bergwandern, rund 40 davon tödlich. Mit

zurückgehen, besteht bei den 500 000 Freizeitunfällen der

der Themenpräsentation «Bereit für den Berg?» werden

Arbeitnehmenden nach wie vor grosser Handlungsbedarf.

Mitarbeitende auf die Gefahren beim Wandern aufmerk-

Dass es sich lohnt, zeigten 2017 vier engagierte Unterneh-

sam gemacht und sie erhalten Tipps, um Unfälle zu vermei-

men ganz unterschiedlicher Grösse und aus unterschiedli-

den. Die bfu-Experten vermitteln diese und viele weitere

chen Branchen: PostLogistics, Groupe E Connect SA, Beck

Themen auf erlebbare und spannende Weise.

Lyner und JURA Management AG. In einem Video erzäh-

Das erwähnte Video, die neuen und bisherigen kostenlo-

len die verantwortlichen Personen, wie sie mit Unterstüt-

sen bfu-SafetyKits, die Palette an Themenpräsentationen

zung der bfu Nichtberufsunfall-Prävention konkret umset-

und viele weitere Angebote für Unternehmen finden Sie

zen. Sie berichten, welchen Stellenwert diese einnimmt,

auf www.betriebe.bfu.ch.

wie sie in die Unternehmenskultur eingebettet ist und jeden Tag aktiv gelebt wird. Für die unterschiedlichsten Betriebe hat die bfu das jeweils passende Angebot, z. B. die SafetyKits, pfannenfertige Einsatzmittel, die sowohl in KMU wie auch in grösseren Betrieben eingesetzt werden können. 2017 lancierte sie zwei neue SafetyKits zu den Themen «Motorrad/Roller» und «Heimwerken». Motorradfahrende legen zwar nur 2  Prozent der auf den Schweizer Strassen gefahrenen Kilometer zurück – und doch beträgt ihr Anteil an den Schwerverletzten 30 Prozent. Auch auf dem Weg zur Arbeit wird dieses Transportmittel oft und gerne benützt und es passieren damit Unfälle. Heimwerken steht ebenfalls hoch im Kurs. Sägen, Schleifen, Hämmern und Bohren – Do it yourself ist im Trend! Gleichzeitig ist es nicht ganz ungefährlich. In der Schweiz verletzen sich dabei jährlich rund 57 000 Personen. Zum Thema Wandern gibt es eine neue Themenpräsentation, um die Mitarbeitenden zu sensibilisieren. Wandern ist äusserst beliebt: Rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung geht regelmässig wandern.

38 Kommunikation

bfu – Jahresbericht 2017


Tag des Lichts: SEE YOU – auch im Dunkeln Bei Dämmerung und Nacht, aber auch bei Nebel oder Regen sind Farben und Details schlecht erkennbar. Im Rahmen der Kampagne «MADE VISIBLE» führte die bfu zusammen mit der Polizei und Partnern am «Tag des Lichts» schweizweit Aktionen durch, um die Bevölkerung für bessere Sichtbarkeit im Strassen­verkehr zu sensibilisieren.

Der weitaus grösste Anteil der Informationen im Verkehr

Brigitte Buhmann bedankte sich bei den Kindern auf dem

wird über das Auge aufgenommen. Nachts sowie bei Re-

Waisenhausplatz mit warmen Pylonis-Strickmützen mit re-

gen und Schnee ist die Sicht aber stark eingeschränkt. Das

flektierenden Fäden, die im Dunkeln glitzern.

Unfallrisiko in der Dämmerung und in der Nacht ist dreimal so hoch wie bei Tageslicht, bei Nebel oder Schneefall sogar

Über MADE VISIBLE

zehnmal so hoch. Am Feierabend zwischen 17 und 18 Uhr

Der Tag des Lichts ist Teil der Kampagne «MADE VISIBLE».

ereignen sich besonders viele Unfälle, wenn es in den Win-

Die Gesamtverantwortung dafür trägt der Touring Club

termonaten bereits dunkel ist.

Schweiz TCS, die bfu ist Partnerin. Die Finanzierung erfolgt

In dieser Jahreszeit wird meist dunkle Kleidung getragen,

durch den Fonds für Verkehrssicherheit FVS. Täglich kommt

was für die sogenannt verletzlichen Verkehrsteilnehmen-

es auf Schweizer Strassen zu gefährlichen Situationen, weil

den wie Fussgänger und Velofahrer gefährlich sein kann.

Verkehrsteilnehmende übersehen werden. Dieser Gefahr

Autofahrer erkennen Fussgänger und Velofahrer mit dunk-

wollen TCS und bfu mit MADE VISIBLE entgegenwirken:

len Kleidern im Licht der Scheinwerfer erst aus rund

mit lichtreflektierenden Elementen, die sich modisch in je-

25 Metern Entfernung. Tragen diese helle Kleidung, erhöht

des Outfit integrieren lassen. Die auf drei Jahre ausgelegte

sich die Distanz auf 40 Meter, bei lichtreflektierenden Ma-

Präventionskampagne gibt neben hilfreichen Tipps auch

terialien sogar auf 140 Meter. Entsprechende Accessoires

Hinweise auf entsprechende Kleidungsstücke und Acces-

gibt es genug: Leuchtwesten, Arm- oder Fussgelenkbin-

soires, die im Ernstfall Leben retten können.

den, Leuchtmaterial für Mützen und Schultaschen ermöglichen, frühzeitig von allen Seiten gesehen zu werden.

Mehr zur Kampagne auf www.madevisible.swiss

Überall im Land führte die Polizei mit verschiedenen Partnern anlässlich des «Tags des Lichts» am 16. November Aktionen durch, um die Bevölkerung für bessere Sichtbarkeit im Strassenverkehr zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit dem TCS und der Kantonspolizei Bern wurde im Rahmen der Kampagne MADE VISIBLE mit einer Berner Schulklasse ein Design-Workshop durchgeführt. Dabei wurde den Kindern gezeigt, wie sie mit reflektierenden Materialien an ihren Kleidern ihre Sichtbarkeit im Alltag verbessern können. Nach dem anschliessenden «Räbeliechtli-Umzug» zum Bundesplatz überreichten die Kinder dem ASTRA-Direktor Jürg Röthlisberger einen selbstgestalteten Schal mit reflektierenden Elementen. bfu-Direktorin

bfu – Jahresbericht 2017

Kommunikation

39


Sicherer auf der Piste und auf Skitouren Schneesport ist in der bfu ein Schwerpunkt – auch in der Kommunikation. 2017 hat sie die Publikums­ broschüre «Skifahren und Snowboarden» überarbeitet. Diese enthält die wichtigsten Tipps für das Fahren auf und abseits der Piste und in Snowparks. Zudem hat die bfu Weiterentwicklung und Betrieb der Internet-Plattform ww.skitourenguru.ch für Skitourengänger unterstützt.

Skifahren und Snowboarden ist bei Einheimischen und

rien gefiltert werden, wie Nähe zum Ausgangspunkt, Hö-

Touristen weiterhin beliebt, aber auch mit Gefahren ver-

henlage, Höhenmeter usw. Mit diesen Informationen kann

bunden. Mit dem richtigen Verhalten können jedoch viele

eine Tour einfacher ausgewählt und detailliert geplant

Unfälle vermieden werden. Die neu aufgelegte und aktua-

werden.

lisierte Publikumsbroschüre «Skifahren und Snowboarden»

Die bfu unterstützt die Weiterentwicklung und den Betrieb

informiert über die richtige Ausrüstung, die geltenden Ver-

von Skitourenguru, um Skitourengänger in möglichst si-

haltensregeln, die Signalisationen, das Verhalten im

cheres Gebiet zu lenken. Mit den gleichen Überlegungen

Snowpark und abseits der Pisten sowie über das Verhalten

empfiehlt die bfu den Tiefschneefreaks, im Zweifelsfall auf

bei einem Unfall. Auch die neue Sportkampagne (siehe

markierten und vor Lawinen gesicherten Abfahrtsrouten

S. 36) wird darin thematisiert. Die bfu erklärt in der Bro-

zu fahren.

schüre, was «mitdenken» im Schneesport heissen kann. Als Neuigkeit enthält diese einen Beitrag mit Augmented

Die bfu-Publikumsbroschüre «Skifahren und

Reality: Mit einer App kann eine Seite gescannt werden,

Snowboarden – Ab auf die Bretter» (Art.-Nr. 3.002)

dann erscheint ein thematisch passendes Video zu

finden Sie auf www.bestellen.bfu.ch.

Snowparks auf dem Smartphone. Die Broschüre wird auch von J+S-Leiterinnen und -Leitern verwendet. Dafür wurde sie mit weiteren Informationen ergänzt, die diesen helfen, den Schneesportunterricht mit Kindern und Jugendlichen sicherer zu gestalten. Auch Skitouren werden immer beliebter. Ursache von schweren Unfällen sind hier meist Lawinen. Viele Skitourengänger planen ihre Tour kurzfristig und möchten dafür nicht viel Zeit aufwenden. Die Plattform www.skitourenguru.ch bie-

Skifahren und Snowboarden Ab auf die Bretter

tet Unterstützung, indem die Benutzenden dort Vorschläge für Skitouren mit geringem Lawinenrisiko vorfinden. Für über 800 Skitouren wird täglich ein Lawinenrisiko-Indikator berechnet. Damit erhält man mit wenigen Mausklicks eine Liste von Touren, die für den nächsten Tag ein kleines Lawinenrisiko aufweisen. Für jede Tour sind die wichtigsten Informationen verfügbar, wie Lawinenbulletin, Swisstopo-Karte, GPS-Track, Schneemenge,

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung

Schlüsselstellen usw. Zusätzlich kann nach weiteren Krite-

40 Kommunikation

bfu – Jahresbericht 2016


Die bfu ist vernetzt Zusammen sind wir stark! Kaum eine Tätigkeit der bfu kommt ohne starke Partnerschaften aus. Dazu gehören zum Beispiel Netzwerke wie jenes der bfu-Sicherheitsdelegierten. Aber auch Verbände, Institutionen oder Berufsgruppen, mit denen die bfu Kontakt pflegt und mit ihnen gemeinsam Massnahmen umsetzt. 2017 engagierte sich die bfu zusammen mit Vertretern des Netzwerks «Behin­ dertengerechtes Bauen» für die Reduktion von Sturzunfällen.


Beratungskoordination mit dem Netzwerk behindertengerechtes Bauen Sicherheit und Hindernisfreiheit in öffentlichen Bauten sind zwei Anliegen, die bestens harmonieren. Deshalb unterstützen sich die bfu und das nationale Netzwerk behindertengerechtes Bauen gegenseitig mit ihrem Fachwissen. Durch die Zusammenarbeit profitieren beide Organisationen genauso wie die Personen, die sich in den Gebäuden aufhalten.

Das gesamtschweizerische Netzwerk behindertengerech-

• Erwirken von Auflagen in der Baugenehmigung,

tes Bauen wird von drei Organisationen getragen: Procap,

wodurch diese verbindlichen Charakter erhalten

Pro Infirmis und Hindernisfreie Architektur. Das Netzwerk

• Aktive und passive Teilnahme an Weiterbildungen

setzte sich zum Ziel, eine gleichberechtigte Umwelt zu fördern. Der hindernisfreie Zugang zu öffentlichen Bauten

der Partnerorganisationen • Vernetzung der Websites, Verlinkung auf Weiter­

und Anlagen soll eine selbstverständliche Realität werden.

bildungsangebote und Aufführen von vertiefenden

Er hilft sowohl Menschen mit Handicap wie auch älteren

Informationsangeboten

Personen oder jungen Familien, z. B. mit Kinderwagen. Durch Massnahmen wie Rampen, Lifte, Höranlagen oder

Die Zusammenarbeit bringt allen Beteiligten Nutzen und

lesbare Signaletik wird die Zugänglichkeit verbessert.

die Ziele lassen sich gemeinsam verfolgen. Für Bauherr-

Die bfu nahm 2017 erstmals an den Bauberatungstreffen

schaft und Planer verringert sich der gegenseitige Abstim-

dieses Netzwerks teil. Die Treffen fanden für die deutsch-

mungsaufwand und für die Genehmigungsbehörden

sprachigen Fachorganisationen in Olten und für die franzö-

werden widersprüchliche Auflagen vermieden. Auch bfu-

sischsprachigen in Lausanne statt. Ziel war es, das Ver-

intern haben die Erkenntnisse dazu geführt, dass die

ständnis zwischen den Partnerorganisationen zu fördern

Zuständigkeiten mit Bezug auf hindernisfreies Bauen klarer

und gegenseitig die Arbeitsweisen besser kennenzulernen.

bestimmt werden konnten: Die bfu-Chef-Sicherheits-

Die bfu stellte die Arbeit ihrer Chef-Sicherheitsdelegierten

delegierten und die Sicherheitsdelegierten in den Gemein-

und ihre Beratungstätigkeit zum Thema Wohnen im Alter

den kennen die Fachstelle für behindertengerechtes Bauen,

vor. Die regionalen Fachberater für hindernisfreie Architek-

an die sie verweisen können, und können sich damit auf

tur wurden bei dieser Gelegenheit zu den Weiterbildungs-

die unfallpräventiven Anforderungen konzentrieren.

kursen der 1200 Sicherheitsdelegierten im Jahr 2018 eingeladen.

Weitere Informationen auf www.hindernisfreie-architektur.ch

Die Zusammenarbeit hat viele Vorteile: • Förderung der teils schon bestehenden Kooperationen in den Regionen und Gemeinden durch eine über­ greifende Zusammenarbeit auf strategischer Ebene • Hinweise an die Bauherrschaft und Planer zum recht­ zeitigen und sinnvollen Einbezug von Präventionsorganisationen und damit inhaltliche Abstimmung der Empfehlungen und Auflagen, insbesondere beim Erstellen von Dokumenten

42 Koordination

bfu – Jahresbericht 2017


Finanzbericht 2017 bfu – Jahresbericht 2017

43


Jahresrechnung 2017 Bilanz CHF in 1000

Aktiven

Erläuterungen

Flüssige Mittel Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

1

31.12.2017

31.12.2016

%

%

5 377

21,9

5 084

22,2

954

3,9

367

1,6

Übrige Forderungen

2

167

0,7

200

0,9

Warenlager

3

p.m.

0,0

p.m.

0,0

Aktive Rechnungsabgrenzungen

4

Umlaufvermögen

357

1,5

915

4,0

6 855

27,9

6 566

28,7

Sachanlagen 5

343

1,4

362

1,6

Finanzanlagen 6

17 331

70,7

15 973

69,7

Anlagevermögen

17 673

72,1

16 335

71,3

Total Aktiven

24 528

100,0

22 902

100,0

844 99

Passiven

989

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Übrige Verbindlichkeiten

7

Passive Rechnungsabgrenzungen

8

Kurzfristiges Fremdkapital Stiftungskapital Allgemeine Reserven

2014

844

3,4

518

2,3

99

0,4

83

0,4

989

4,0

934

4,1

1 932

7,9

1 535

6,7

200

0,8

200

0,9

15 910

64,9

15 910

69,5

Wertschwankungsreserven

2 320

9,5

2 112

9,2

Freie Mittel Prävention

4 166

17,0

3 145

13,7

Eigenkapital

22 596

92,1

21 367

93,3

Total Passiven

24 528

100,0

22 902

100,0

44 Finanzen

bfu – Jahresbericht 2017


Erfolgsrechnung CHF in 1000

Ertrag

Erläuterungen

UVG-Ertrag Ertrag aus Präventionsleistungen

2017

2016

%

%

19 606

75,9

19 093

75,2

6 191

24,0

6 287

24,8

Übriger Betriebsertrag

19

0,1

17

0,1

Total Betriebsertrag

25 817

100,0

25 397

100,0

2014

Aufwand Aufwand für Präventionsleistungen

-7 691

  Forschung   Ausbildung

2014 -29,8

-6 865

-614

-657

-1 261

-1 309

  Beratung

-219

-190

  bfu-Sicherheitsdelegierte

-271

-346

  Betriebe

-640

-591

  Produktesicherheitsgesetz   Kommunikation   Kooperation 9

Ergebnis vor Abschreibungen und Finanzerfolg Abschreibungen 5 Ergebnis vor Finanzerfolg Finanzerfolg 10 Jahresergebnis

bfu – Jahresbericht 2017

-3 412

-15 766

Total Betriebsaufwand

Ausserordentliches Ergebnis

-68

-4 371 -221

Personalaufwand Infrastruktur-/ Verwaltungsaufwand

-94

-27,0

-293 -61,1

-15 726

-61,9

-2 196

-8,5

-2 197

-8,7

-25 653

-99,4

-24 788

-97,6

164

0,6

609

2,4

-290

-1,1

-271

-1,1

-126

-0,5

339

1,3

1 356

5,3

455

1,8

-

0,0

0,0

1 229

4,8

793

3,1

Finanzen

45


Geldflussrechnung CHF in 1000

Jahresergebnis Abschreibungen Veränderungen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Veränderung übrige Forderungen



2017 1 229



2016 793

290

271

-586

328

33

558

Veränderung Aktive Rechnungsabgrenzungen

558

-338

Veränderung Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

326

-159

Veränderung übrige Verbindlichkeiten

16

27

Veränderung Passive Rechnungsabgrenzungen

55

-291

-1 358

-449

563

739

Sonstige fondsunwirksame Erträge aus Finanzanlagen Geldfluss aus Betriebstätigkeit Investitionen in Sachanlagen

-270

-74

Geldfluss aus Investitionstätigkeit

-270

-74

293

666

Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit Nettoveränderung der Flüssigen Mittel Flüssige Mittel per 1. Januar

5 084

4 419

Flüssige Mittel per 31. Dezember

5 377

5 084

46 Finanzen

bfu – Jahresbericht 2017


Eigenkapitalnachweis CHF in 1000

Eigenkapital per 31.12.2015 Jahresergebnis 2016 Eigenkapital per 31.12.2016 Jahresergebnis 2017 Eigenkapital per 31.12.2017

Stiftungskapital

Reserven

Wertschwankungsreserven

Freie Mittel Prävention

Gesamtes Eigenkapital

200

15 910

2 059

2 404

20 573

-

-

53

740

793

200

15 910

2 112

3 145

21 367

-

-

208

1 021

1 229

200

15 910

2 320

4 166

22 596

Das Jahresergebnis wird den Wertschwankungsreserven sowie den Freien Mitteln Prävention zugeteilt. Die Freien Mittel Prävention gelten als kurzfristige Reserven und sollen Ausgabenschwankungen über die Jahre ausgleichen. Sie haben Eigenkapitalcharakter. Die Wertschwankungsreserven sollen Schwankungen auf dem Wertschriftenvermögen auffangen und haben per 31.12.2017 ihren Sollwert gemäss Anlagereglement erreicht.

bfu – Jahresbericht 2017

Finanzen

47


Anhang Allgemeines

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: Diese

Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung ist eine Stif-

Position enthält kurzfristige Forderungen aus der ordent-

tung im Sinne von Art. 80 ff ZGB. Sie fördert gemäss

lichen Geschäftstätigkeit mit einer Restlaufzeit bis zu

Art. 88 Unfallversicherungsgesetz UVG die Verhütung

einem Jahr. Die Forderungen werden zu Nominalwerten

von Nichtberufsunfällen durch Aufklärung und allge-

eingesetzt. Die betriebswirtschaftlichen Ausfallrisiken

meine Sicherheitsvorkehrungen und koordiniert gleich-

werden im Bedarfsfall durch Einzelwertberichtigungen,

artige Bestrebungen. Die bfu ist von der Kapital- und

ansonsten durch Pauschalwertberichtigungen, die auf

Gewinnsteuer befreit.

Erfahrungswerten beruhen, berücksichtigt.

Die vorliegende Jahresrechnung wurde in Übereinstim-

Finanzanlagen: Das finanzielle Anlagevermögen enthält

mung mit dem gesamten Regelwerk der Fachempfehlung

neben Flüssigen Mitteln börsenkotierte Wertschriften, mit

zur Rechnungslegung der Schweizerischen Fachkommis-

der Absicht langfristiger Anlage der freien Vermögens-

sion Swiss GAAP FER und dem Obligationenrecht (OR)

werte. Die Wertschriften sind zum Kurswert bilanziert.

erstellt. Auf einen separaten handelsrechtlichen Abschluss wird verzichtet (dualer Abschluss). Die Jahresrechnung

Sachanlagen: Die Bewertung der Sachanlagen erfolgt zu

vermittelt ein den tatsächlichen Verhältnissen entspre-

Anschaffungskosten abzüglich der betriebswirtschaftlich

chendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage

notwendigen Abschreibungen und Wertbeeinträchti-

(true and fair view).

gungen. Die Abschreibungen werden linear über die wirtschaftliche Nutzungsdauer der Anlagen vorgenommen.

Die vorliegende Jahresrechnung wurde vom Stiftungsrat

Diese wurde wie folgt festgelegt: Mobiliar und Einrich-

am 30. Mai 2018 genehmigt.

tungen 10 Jahre, Informatik-Client-Hardware 4 Jahre und Server-Hardware 5 Jahre.

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Es gilt das Prinzip der Einzelbewertung. Grundlage der

Verbindlichkeiten: Die Verbindlichkeiten werden zu

Bewertung sind generell die Anschaffungs- bzw. Her-

Nominalwerten erfasst.

stellungskosten. Die wichtigsten Regeln in Bezug auf die verschiedenen Positionen werden nachstehend wieder-

Ertragsrealisation: UVG-Erträge werden perioden-

gegeben.

gerecht abgegrenzt. Dienstleistungserträge werden in der Periode erfasst, in der die Dienstleistungen erbracht

Flüssige Mittel: Die Flüssigen Mittel umfassen Kasse,

wurden. Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Präventions-

Postcheck- und Bankguthaben. Sie werden zu Nominal-

material werden beim Versand an die Kunden in der

werten bewertet. Die in den Depots der Vermögens-

Erfolgsrechnung verbucht.

verwaltungsmandate gehaltenen Flüssigen Mittel sind in den Finanzanlagen enthalten.

48 Finanzen

bfu – Jahresbericht 2017


Erläuterungen zur Jahresrechnung CHF in 1000

2017

2016

957

370

1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Gegenüber Dritten Delkredere Total

-3

-3

954

367

102

100

2. Übrige Forderungen Gegenüber staatlichen Stellen Gegenüber Sozialversicherungen Gegenüber Mitarbeitenden Übrige Forderungen Total

15

69

8

10

43

21

167

200

3. Warenlager Das Warenlager besteht grösstenteils aus Präventionsmaterial, das gratis an die Bevölkerung abgegeben wird und daher keinen Wiederverkaufswert besitzt. Somit wird dieses pro Memoria bilanziert. 4. Aktive Rechnungsabgrenzungen Guthaben UVG-Prämienzuschläge

80

Vorausbezahlte Mieten

375

104

104

Noch nicht verrechnete Projekterträge

71

328

Übrige Aktive Rechnungsabgrenzung

102

108

Total

357

915

5. Sachanlagen Anschaffungswerte 1.1.2017

Mobiliar

IT-Hardware

Total

1 584

595

2 179

Zugänge

125

146

270

Abgänge

-

151

151

Anschaffungswerte 31.12.2017

1 708

590

2 298

Kumulierte Abschreibungen 1.1.2017

1 343

474

1 817

172

118

290

Abschreibungen Abgänge

151

151

1 515

441

1 956

Nettobuchwert 31.12.2016

241

122

362

Nettobuchwert 31.12.2017

193

149

343

Kumulierte Abschreibungen 31.12.2017

2

6. Finanzanlagen Liquidität

1 294

1 036

Obligationenfonds

6 949

6 652

Aktienfonds

7 320

6 458

Immobilienfonds Total

1 768

1 827

17 331

15 973

Es werden keine komplexen Derivate oder strukturierten Produkte gehalten, die nicht nach BVV2 zulässig sind und eine Hebelwirkung auf das Gesamtvermögen haben. bfu – Jahresbericht 2017

Finanzen

49


2017

2016

7. Übrige Verbindlichkeiten Gegenüber staatlichen Stellen Gegenüber Sozialversicherungen Gegenüber Mitarbeitenden Total 8. Passive Rechnungsabgrenzungen Ferien- und Gleitzeitguthaben von Mitarbeitenden Übrige Passive Rechnungsabgrenzungen Total 9. Infrastruktur-/ Verwaltungsaufwand Informatikaufwand Sonstiger betrieblicher Aufwand Total

10

9

46

7

27

99

83

2014

Noch nicht abgerechnete Projekte

Raumaufwand

83

2014 632

587

356

310

1

37

989

934

2014

2014 1 459

1 465

260

249

476

483

2 196

2 197

-4

-0

10. Finanzergebnis Ergebnis der Geschäftskonten Erträge und Kursgewinne Finanzanlagen

1 430

526

Finanzertrag

1 426

526

Aufwände und Kursverluste Finanzanlagen

-15

-19

Aufwand für Wertschriftenverwaltung

-55

-52

Finanzaufwand

-70

-71

Finanzergebnis

1 356

455

11. Personalvorsorge Die bfu war 2017 der Sammelstiftung PKG angeschlossen. Der Deckungsgrad beträgt per 31.12.2017 114 %. Es besteht keine wirtschaftliche Verpflichtung oder kein wirtschaftlicher Nutzen aus der Personalvorsorge, die in der Bilanz abgebildet werden müssten. 2017 wurden Personalvorsorgeaufwände von CHF 1,7 Mio. der Erfolgsrechnung

13. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag Nach dem Bilanzstichtag und bis zur Verabschiedung der Jahresrechnung durch den Stiftungsrat am 30. Mai 2018 sind keine wesentlichen Ereignisse eingetreten, die die Aussagekraft der Jahresrechnung beeinträchtigen könnten beziehungsweise offengelegt werden müssten.

belastet. 12. Transaktionen mit nahestehenden Personen Es wurden im Berichtsjahr keine Transaktionen mit nahestehenden Personen (Stiftungsräte) getätigt.

50 Finanzen

bfu – Jahresbericht 2017


Bericht der Revisionsstelle an den Stiftungsrat der bfu

Als Revisionsstelle haben wir die beiliegende Jahresrechnung

genommenen Schätzungen sowie eine Würdigung der Gesamt-

­(Seiten 44 bis 50) der Schweizerischen Beratungsstelle für Un-

darstellung der Jahresrechnung. Wir sind der Auffassung, dass

fallverhütung bfu bestehend aus Bilanz, Erfolgsrechnung, Geld-

die von uns erlangten Prüfungsnachweise eine ausreichende und

flussrechnung, Eigenkapitalnachweis und Anhang für das am

­angemessene Grundlage für unser Prüfungsurteil bilden.

31. Dezember 2017 abgeschlossene Geschäftsjahr geprüft. Prüfungsurteil Verantwortung des Stiftungsrates

Nach unserer Beurteilung vermittelt die Jahresrechnung für das

Der Stiftungsrat ist für die Aufstellung der Jahresrechnung in

am 31. Dezember 2017 abgeschlossene Geschäftsjahr ein den

Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER, den gesetzlichen Vor-

tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-,

schriften und der Stiftungsurkunde verantwortlich. Diese Verant-

Finanz- und Ertragslage in Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER

wortung beinhaltet die Ausgestaltung, Implementierung und

und entspricht dem schweizerischen Gesetz und der Stiftungs­

Aufrechterhaltung eines internen Kontrollsystems mit Bezug auf

urkunde.

die Aufstellung einer Jahresrechnung, die frei von wesentlichen falschen Angaben als Folge von Verstössen oder Irrtümern ist.

Berichterstattung aufgrund weiterer gesetzlicher

Darüber hinaus ist der Stiftungsrat für die Auswahl und die ­

Vorschriften

A­nwendung sachgemässer Rechnungslegungsmethoden sowie

Wir bestätigen, dass wir die gesetzlichen Anforderungen an die

die Vornahme angemessener Schätzungen verantwortlich.

Zulassung gemäss Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) und die Unabhängigkeit (Art. 728 OR) erfüllen und keine mit unserer Unabhän-

Verantwortung der Revisionsstelle

gigkeit nicht vereinbaren Sachverhalte vorliegen.

Unsere Verantwortung ist es, aufgrund unserer Prüfung ein

In Übereinstimmung mit Art. 83b Abs. 3 ZGB in Verbindung mit

­Prüfungsurteil über die Jahresrechnung abzugeben. Wir haben

Art. 728a Abs. 1 Ziff. 3 OR und dem Schweizer Prüfungsstandard

unsere Prüfung in Übereinstimmung mit dem schweizerischen

890 bestätigen wir, dass ein gemäss den Vorgaben des Stiftungs-

Gesetz und den Schweizer Prüfungsstandards vorgenommen.

rates ausgestaltetes internes Kontrollsystem für die Aufstellung

Nach diesen Standards haben wir die Prüfung so zu planen und

der Jahresrechnung existiert.

durchzuführen, dass wir hinreichende Sicherheit gewinnen, ob die Jahresrechnung frei von wesentlichen falschen Angaben ist.

Wir empfehlen, die vorliegende Jahresrechnung zu genehmigen.

Eine Prüfung beinhaltet die Durchführung von Prüfungshandlungen zur Erlangung von Prüfungsnachweisen für die in der Jahres-

Bern, 30. Mai 2018

rechnung enthaltenen Wertansätze und sonstigen Angaben. Die

BDO AG

Auswahl der Prüfungshandlungen liegt im pflichtgemässen ­Ermessen des Prüfers. Dies schliesst eine Beurteilung der Risiken

wesentlicher falscher Angaben in der Jahresrechnung als Folge von Verstössen oder Irrtümern ein. Bei der Beurteilung dieser

Matthias Hildebrandt

Markus Schenkel

Risiken berücksichtigt der Prüfer das interne Kontrollsystem, ­

Leitender Revisor Zugelassener Revisionsexperte

Zugelassener Revisionsexperte

­soweit es für die Aufstellung der Jahresrechnung von Bedeutung

ist, um die den Umständen entsprechenden Prüfungshandlungen festzulegen, nicht aber um ein Prüfungsurteil über die Wirk­ samkeit des internen Kontrollsystems abzugeben. Die Prüfung umfasst zudem die Beurteilung der Angemessenheit der angewandten Rechnungslegungsmethoden, der Plausibilität der vorbfu – Jahresbericht 2017

Finanzen

51


Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit ein. Als Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention forscht sie in den Bereichen Strassenverkehr, Sport sowie Haus und Freizeit und gibt ihr Wissen durch Beratungen, Ausbildungen und Kommunikation an Privatpersonen und Fachkreise weiter. Mehr über Unfallprävention auf www.bfu.ch.

www.socialmedia.bfu.ch

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Hodlerstrasse 5a, CH-3011 Bern Tel. +41 31 390 22 22, info@bfu.ch, www.bfu.ch

1.050.01-06.2018

Sicher leben: Ihre bfu.

bfu Jahresbericht 2017  

Inhalt Jahresbericht 2017: Training von Kraft und Gleichgewicht, kluge Köpfe schützen sich – auch beim Schlitteln, stilvolle Outfits für me...

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