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vierteljährlich - 66. Jahrg. Nr.4 P206948

Dezember 2019 - Februar 2020

R LPH Fahrtenschreiber

3D

leitartikel: Radikaler Gehorsam

| S.2

Zweite Etappe: JĂźngerschaft

| S.6

Das Symposium AGORA 100

| S.9

Dreidimensional leben

| S.11


| LEITARTIKEL

Radikaler Gehorsam ... Jünger machen, die in der Welt ihren Mann (oder ihre Frau) stehen – wie geht das? Ist das wirklich notwendig? Können wir nicht einfach Jünger machen – oder Christen beibringen, wie sie am besten in der Welt überleben können? Tja, ein Jünger, der nicht mit beiden Füssen in der Welt steht, ist wie ein Luftballon, den man am Boden festhält. Wenn wir Christen beibringen, wie wir in der Welt überleben können, dabei aber Jüngerschaft auβen vor lassen, ist das wie ein Körper ohne Knochengerüst. Beides muss Hand in Hand gehen. Jesu’ Gebot Jünger zu machen war damit verbunden, den Gehorsam an Seine Gebote zu lernen. Wie helfe ich anderen, Gottes Gebote zu halten? Wann hast Du zum letzten Mal mit dem Blick darauf Deine Bibel gelesen? Muss ich mich wirklich an alle Gebote Jesu halten? Sind die heutzutage noch gültig? Hier ein paar Beispiele: Jesus sendet Seine Jünger zu zweit aus – warum mache ich das beinahe nie? Wie verleugne ich mich selbst? Wie nehme ich täglich mein Kreuz

Verantwortlicher Herausgeber Jan Wisse Firmennummer: 0410.278.623 Postamt: 3000 Leuven 1 Erkennung: P206948 Zeichnung auf der Titelseite Benny Raemdonck Abonnement Dreimonatlich gratis An/Abmelden zur: info@vianova.be

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Jan Wisse Direktor für Projekte auf mich? Wie kann ich ein Dienstknecht sein? Wie lade ich Arme zu einem Fest ein – wie bringe ich sie zu mir nachhause? Wie kann ich meine Nachbarn lieben wie mich selbst? Meine Feinde lieben? Tue ich das eigentlich wirklich? Und wie sieht das dann genau aus? Wäre es nicht toll, wenn wir Menschen darin begleiten könnten bzw. einander helfen würden, die Gebote Jesu zu halten? Wenn wir uns gegenseitig ermutigen könnten, das in der Welt in die Tat umzusetzen und auf diese Art Salz und Licht zu sein für unsere Umgebung? Ich glaube, dass die Bibel genau das von uns erwartet, dass Jesus genau das von uns erwartet. Es ist eine Herausforderung, Ihm in diesem Punkt gehorsam zu sein und darüber nachzudenken, warum wir es manchmal eben doch nicht sind. Was würde es Dich kosten, Ihm in jedem Bereich Deines Lebens gehorsam zu sein, und was würde dabei herauskommen, wenn wir das (alle) wären? Meiner Meinung nach eine veränderte Gemeinde. Jan Wisse

Kontakt Romboutsstraat 7 1932 Zaventem Tel: +32(0)2/241.30.15. E-mail: info@vianova.be Webseite: vianova.be • Facebook: vianova.be Twitter: vianova_be • YouTube: VIANOVA Datenschutz Wir respektieren die Privatsphäre unserer Abonnenten: https://www.vianova.be/nl/privacyverklaring (auf Niederländisch)

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WARUM HEISST DIE BEM JETZT VIANOVA?

WIE SETZT IHR DIE NEUE VISION PRAKTISCH UM?

• Uns fiel auf, daß Ungläubige mit dem Namen ‚Belgische Evangelische Mission‘ oft nur wenig anfangen konnten, und dass das Wort ‚Mission‘ sie manchmal eher abschreckte, während wir doch gerade diese Menschen erreichen wollen.

Wir sind davon überzeugt, dass in unserer Gesellschaft heutzutage ein starkes Zeugnis davon ausgeht, Jesus in örtlichen Gemeinschaften wider zu spiegeln. Mit örtlich meinen wir sowohl die Gegend, in der man wohnt, als auch verschiedene Bevölkerungsgruppen, mit denen man in Kontakt steht (Studenten, Motorradfahrer, Teenagermütter, Elternvereine…).

• Früher konnte man am Namen einer Organisation erkennen, wofür sie stand. Heutzutage muss ein Name vor allem eingängig und einfach sein, etwas was man sich leicht merken kann.

• BEZ, BEM oder MEB? Der Name unserer Organisation lautete in jeder Sprache anders. Nicht gerade ideal für ein Land mit drei offiziellen Landessprachen. VIANOVA dagegen ist in jeder Sprache genauso. • Zu einer völlig erneuerten Vision und einem Neustart gehört einfach auch ein neuer Name.

Ganz konkret will VIANOVA Leute dazu motivieren, Jesus auf lokaler Ebene wider zu spiegeln und Gemeinschaften zu bilden. In unserem Land gibt es bereits einige Projekte und Gemeinschaften, die mit dieser Vision arbeiten. Gembloux, Hannut, Asse, Heusden-Zolder & Motto-Connection. Bei letzterer handelt es sich um eine Gemeinschaft von Motorradfahrern. Wir kennen viele Leute, die das Anliegen haben, lokale Gemeinschaften zu formen. VIANOVA möchte allen, die dieses Ziel verfolgen, unter die Arme greifen und sie unterstützen.

Wenn Du Fragen oder Anmerkungen hast, etwas nicht deutlich ist oder Du uns einfach nur ermutigen willst,… angefangen von einfachen Dingen bis hin zu herausfordernden Fragen über die neue Vision, die neue Strategie,… Zögere nicht und schicke uns eine Mail nach ralph@vianova.be . Wir schreiben diese Rubrik also gemeinsam mit Dir!

trimonthly magazine - Issue 76 P206948

December 2019 - February 2020

R LPH Road journal

3D

Editorial - Radical obedience

| p.2

Second Stage: shaping disciples

| p.6

The AGORA100 Symposium

| p.9

Living in 3 Dimensions

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| KURZE NACHRICHTEN

MISSIONAREN WIRD ES SCHWER GEMACHT IN UNSER LAND ZU KOMMEN. Seit Januar 2019 hat sich einiges geändert bei der Antragsstellung von Visa bzw. der Genehmigung eines Langzeitvisums. Seit Belgien am 01. Januar 2019 diese Europäische Gesetzgebung einführte, ist es für auβereuropäische Missionare viel schwieriger geworden in unser Land zu kommen.

Wendy Bartel: „Ich fühle mich gleichzeitig entwurzelt und doch noch verwurzelt. Während der letzten drei Jahre sind in meinem Leben alte Wurzeln heraus-

Bevor diese strengere Gesetzgebung in Kraft trat, konnte VIANOVA, genau wie andere Missionsgesellschaften, selbst Missionaren Visa erteilen. Das ist jetzt nicht mehr möglich, und ohne Arbeitserlaubnis bekommt man sowieso kein Visum mehr. Einige Ausnahmen gibt es jedoch. Wenn jemand als Pastor arbeitet und als solcher offiziell vom Staat anerkannt ist, bekommt er ein Visum. Für einen ‘normalen’ Missionar, der nicht als Pastor arbeitet, sondern sich mehr auf Evangelisation ausrichtet, ist es nun jedoch fast unmöglich geworden, noch ein Visum zu erhalten.

gerissen worden. Dadurch fühle ich mich momentan innerlich zerrissen. Trotzdem bin ich gleichzeitig auch sicher verwurzelt in Christus. Durch diesen Kampf hat mein Verlangen das Evangelium Menschen weiterzusagen, die Christus noch nicht als ihren Fels kennen und deren Leben ein Scherbenhaufen ist, nur noch zugenommen.“

Bitte beten Sie mit uns für eine Lösung dieses Problems! Die ARPEE setzt sich sehr stark dafür ein, neue Möglichkeiten zu finden – beten Sie bitte mit um Weisheit!

AUF WIEDERSEHEN, ANDREAS & INGE! Es war das Jahr 2000. Andreas und Inge Seidlitz überquerten die deutsch-belgische Grenze, um das Leiterteam der BEM Gemeinde in Eupen zu verstärken. Auch wenn sie das Vorrecht hatten, um in ihrer eigenen Muttersprache Gott zu dienen, wurden sie immer wieder von der anderen Kultur in Belgien überrascht. Unzählige Stunden standen sie auf dem Eupener Wochenmarkt RALPH | 4

mit dem christlichen “Bücherwagen”, tausende Kilometer sind sie gefahren, um die Gute Nachricht in ihrer Umgebung bekannt zu geben, ebenso viele Emotionen und Beziehungen haben sie mit ihren Brüdern und Schwestern in Eupen erlebt… Im deutschsprachigen Belgien haben sie eine zweite Heimat gefunden. Mit Schmerz verlässt man seine Wahlheimat, auch wenn man nach

dem Vaterland zurückkehrt. Die Gemeinde Eupen hat mit Berthold und Renate Lamparter neue Leiter gefunden, die sie auf dem Weg mit Christus begleiten. Wir sind dankbar für den Einsatz von Andreas und Inge mit ihren zwei Söhnen und wünschen ihnen alles Gute und Gottes Segen für ihre Zukunft!


DER KASSENWART GEHT IN RENTE! Nach 40 Jahren geht unser Kassenwart Berend de Wit im November in Rente. Deshalb suchen wir dringend einen Nachfolger für seine Arbeit bei der Stiftung BEZ/Onze Hoop. Diese Stiftung kanalisiert die Spenden, die täglich für ca. 95% der Missionare in Belgien eingehen. Mit Hilfe von Berend und dem von ihm selbst entwickelten Excelprogramm werden diese jeden Tag aktualisiert. Wer Erfahrung mit Excel und Buchhaltung hat, kann sich bei Peter melden. Sie müssen nichts Neues

entwickeln und können vielmehr jederzeit auf unsere Hilfe als Teamviewer zurückgreifen. Sie sollten allerdings eine Leidenschaft für die Missionsarbeit und 5 Minuten Zeit am Tag haben. Jeden Monat wird ein Abschluss gemacht und die Übersicht davon an unser Büro in Zaventem geschickt. Das kostet sie nicht mehr als eine Stunde Arbeit pro Monat. Wäre das etwas für Sie? Dann rufen Sie doch an unter +32-2-2413015. Oder per E-mail: peter.hartman@vianova.be

Abschied Berend Beim Betreten des Wohnzimmers von Berend und Dora de Wit in Hoevelaken fällt einem sofort die wunderschöne Johannus Orgel ins Auge. Berend beginnt zu spielen, und unter den inspirierenden Klängen kommen mir alle möglichen Kindheitserinnerungen in den Sinn, die mich wehmütig machen. Zeit für ein Interview mit einer markanten Persönlichkeit, die schon seit 40 Jahren der BEM, inzwischen VIANOVA, dient. Nicht „einfach nur” ein Kassenwart, sondern ein Kassenwart, der Abschied nimmt. Wie bist Du mit der BEM in Kontakt gekommen, Berend? „Durch meine Schwägerin Anneke Schellevis, die die Literaturarbeit in Belgien etabliert hat. Meine erste Begegnung fand 1975 während einer Zeltevangelisation in Sint-Truiden statt, bei der wir mithalfen. Mit Jan van ‘t Hof, der für mich wie ein Vater war, ging ich damals zum ersten Mal von Tür zu Tür, um mit Leuten über Gott zu reden. Erst führte Jan das Wort, aber auf einmal sagte er, dass ich jetzt an der Reihe wäre. In dem Augenblick, als ich mit der Frau an der Tür sprach, bin ich eigentlich zum Glauben gekommen.“ Berend erzählt mir, dass Gott seine Worte, die „einfach so aus ihm heraussprudelten“ gebrauchte, um diese Frau anzurühren. An jener Tür in Sint-Truiden wurde glauben für ihn etwas ganz persönliches, und am gleichen Abend auch für seine Frau. In dem Zelt in Sint-Truiden erklärte Johan Lukasse das Evangelium und rief

Kees van Velzen

dann zur Bekehrung auf. Jener Tag hat das Ehepaar de Wit verändert. Von diesem Moment an lasen sie auch die Bibel mit ganz neuen Augen. 1979 hat Berend dann die Verwaltung der BEM in den Niederlanden übernommen. Er hat für „BEZ/Onze Hoop ein maβgeschneidertes Verwaltungssystem in Excel erstellt, das noch immer in Gebrauch ist! Auch heute noch ist innerhalb von 5 Minuten alles wieder up to date. Auf meine Frage, was ihn in der Bibel besonders anspricht, antwortet Berend, dass ihn Gottes Treue immer wieder berührt. Und dann erzählt er etwas sehr persönliches. Dora und er hätten sehr gerne Kinder gehabt. Aber ihre Ehe blieb kinderlos, und doch haben sie darüber Frieden gefunden. Auβerdem wollten sie Gottes Willen tun. Der Vers über „Gottes Herde hüten, die bei ihnen ist“, hat schlieβlich zum Durchbruch geführt: Mehr als 40 Jahre lang hat Dora als Lehrerin gearbeitet. Dort hatte sie Kinder um sich, die ihre Herde waren, für die sie sorgte. Auf meine Frage nach seiner schönsten Erinnerung beginnt Berend zu strahlen. Es gibt zwar einige, aber am schönsten war es doch immer, wenn Menschen zum Glauben gekommen sind. Das ist und bleibt einfach die gröβte Freude! Auch der Kauf der Nortonhäuser war etwas ganz besonderes. Johan Lukasse war an den Häusern interessiert, aber wo sollte das nötige Geld

BEREND

herkommen? Es wurde jedoch nichts weiter darüber bekanntgegeben. Eines Tages rief eine Frau bei Johan an, um ihn in Brüssel zu treffen. Zu Fuβ machte er sich auf den Weg. Die Frau hatte eine Plastiktüte bei sich. “Sie sind auf der Suche nach einem Gebäude in Brüssel? Das ist für Sie!” Es stellte sich heraus, dass sie ihm Wertpapiere und Bargeld geschenkt hatte, mit dem ein Groβteil der Kosten für das erste Haus gedeckt werden konnten. Was muss die Niederlande über VIANOVA wissen? „Dass es die frühere BEM ist. Dass die Methoden sich zwar verändert haben, aber dass das Ziel, Menschen zu Jesus zu bringen, dasselbe geblieben ist. Die Wurzeln bleiben dieselben. Menschen brauchen Jesus Christus! Dafür müssen wir als Niederländer auch weiterhin beten!” Und dazu kommt noch, dass es einen Nachfolger geben muss, weil er zurücktritt! Berends gröβter Wunsch ist, dass VIANOVA ausgehend von der Bibel Menschen wieder hin zu Gottes Wort bringt. „Wir dürfen und müssen zur Bekehrung drängen!“ Wenn Menschen umkehren und neu geboren werden, entstehen neue Gemeinden. Das war immer die Berufung, und das muss auch so bleiben!

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Zweite Etappe: Jüngerschaft Das Reich Gottes kann man mit einer Fussballmannschaft vergleichen. Jeder spielt auf der ihm zugewiesenem Position und folgt genau den Anweisungen des Trainers. So kann die Mannschaft gewinnen und verhilft sie dem Verein zu neuer Ehre. Der Erfolg hängt von zwei Schüsselfaktoren ab, die die gesamte Strategie des Trainers zusammenfassen: auf welcher Position man steht und wie man sich ohne Ball bewegt. Dazu kommt die Fähigkeit, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, wenn man im Ballbesitz ist. So könnte man auch die Strategie Jesu, unseres Trainer, zusammenfassen: Er hat seine (12-köpfige) Mannschaft auf das Spielfeld seiner Zeit geführt und ihnen damit ein Vorbild hinterlassen. Von diesem Vorbild können wir, seine Mannschaft des 21. Jahrhunderts, heute noch lernen. Wie viele Mannschaftssportarten ist Fussball hauptsächlich ein Spiel, bei dem es darauf ankommt, wie man steht bzw. den Ball abgibt und, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, ein Tor schiesst. Es ist immer lustig und fast ein bisschen lächerlich,

Eric Zander

Kinder dabei zu beobachten, wie sie alle dem Ball hinterherrennen mit dem einen Ziel: ein Tor zu schiessen. Wenn unser Trainer uns dazu aufruft, „alle Menschen, zu Jüngern machen“, besteht die Gefahr, dass wir uns nur darauf fixieren, Leute zu bekehren und die Zahl der Gemeindemitglieder zu erhöhen. Dann laufen wir sozusagen alle hinter dem Ball her, um keine Gelegenheit zu verpassen ein Tor zu schiessen, egal wo wir uns gerade auf dem Feld befinden... Alle Gelegenheiten sind schliesslich gut, oder? Bei Jesu Befehl (Matth. 28; 19) an seine Jünger handelt es sich jedoch nicht um eine einmalige Aktion, sondern um einen Prozess. Einige Bibelübersetzungen führen uns in die Irre mit dem Wortlaut: „Gehet hin, um Jünger zu machen.“ Das Gebot Jesu spiegelt vielmehr einen Prozess, einen Lebensweg wider. Wörtlich beginnt er mit „gehend“ oder sogar „lebend“. Darüber hinaus ist das Wort „Jünger“ im Urtext auch nicht der Satzgegenstand (wie „zu Jüngern machen“), sondern die Handlung selbst (buchstäblich „jüngern“... was man nur schwer

übersetzen kann). Es handelt sich also eher um einen kontinuierlichen Prozess des ‚Machens von Jüngern‘, die Jesus immer ähnlicher werden. Dieser Vorgang gewinnt an Dynamik mit dem „Coming-out“, der Taufe und dem Folgen der Anweisungen des Trainers. Aber kommen wir zurück zu der Strategie, die uns zu diesem ultimativen Ziel führt: gut aufgestellt sein und die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. Wenn wir Jesus genau beobachten, sehen wir, dass seine Position beeindruckend war. Er folgte immer den Anweisungen seines Trainers, seines Vaters im Himmel. „Das Wort wurde Mensch und lebte (buchstäblich „er schlug sein Zelt auf“) unter uns.“ 1 Er war „in allem ein Mensch wie wir“ 2 , er wurde „ein Mensch von Fleisch und Blut“ 3 , er nahm seinen Platz im Spiel ein. Sein Spielstil war niemals statisch. „Laufendes Wort“ würde ihn vielleicht am besten charakterisieren, er spielte ein aktives Spiel, war ständig in Bewegung, „laufendes Wort“ im engeren und auch im übertragenen Sinne. In der Statistik der Feldspieler berechnet man die Anzahl


der Kilometer, die jeder im Laufe eines Spiels zurücklegt. Jesus war ein Meister auf diesem Gebiet... Wie viele Kilometer hat er nicht zurückgelegt! Zusammen mit seinen Jüngern oder mit den Menschenmassen, die ihm folgten durch Städte und Dörfer, von Galiläa nach Judäa und zurück, auch durch Samaria und auf heidnischem Boden; nach der Auferstehung nach Emmaüs, zum Seeufer und auf den Berg zur Himmelfahrt. Nur selten war er allein unterwegs, immer gemeinsam mit denjenigen, die ihm folgen wollten. Im Neuen Testament ist „laufen“ auch ein Synonym für „sich benehmen“, also unser Verhalten gegenüber unseren Zeitgenossen. Und Jesus hat das Leben wahrhaftig gelebt. Er erlebte alle Aspekte eines Menschenlebens, jedoch selten allein, sondern mit seiner Familie, seinen Freunden, seinen Jüngern, Neugierigen, der Menschenmenge... Er hat gegessen, getrunken, gefeiert, geweint, gearbeitet, sich ausgeruht, gedient, geheilt, geholfen... Seinem Unterwegs sein fügte Jesus jedoch stets das Wort hinzu, so wie die Situation es erforderte. Er hat ermutigt, korrigiert, erklärt, unterrichtet, verkündet, gedrängt...

Er ist unser Vorbild im Spiel. Das ist die Strategie für uns alle und von VIANOVA. Zunächst die Schlüsselposition. Das ist der erste Schritt, den wir im letzten RALPH erklärt haben: Jesus in der Welt widerspiegeln, dort, wo der Trainer uns hinstellt. Wie Salz, das ausgestreut wird, wie eine Lampe auf ihrem Leuchter. Darüber hinaus sind wir gerufen, Menschen in der Welt zu Jüngern zu machen, jeder in seinem besonderen Kontext. Nach dem Beispiel Jesu entwickeln wir ein aktives Spiel, ein laufendes Wort unter unseren Zeitgenossen, die Jesus noch nicht kennen, gemeinsam mit ihnen, an ihrer Seite. Die Schlachter Übersetzung sagt: „Wandelt in Weisheit denen gegenüber, die ausserhalb sind, und kauft die Zeit aus!“ 4 und auch „Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt... und kauft die Zeit aus.“ 5 Unsere Rolle besteht darin zu wandeln, an ihrer Seite zu leben. Unser Trainer stellt uns strategisch so auf, dass sich auf dem Weg Jesu Gelegenheiten bieten im richtigen Moment 6 von ihm zu sprechen. Am Kreuz wurden wir von unseren Sünden

erlöst und werden nun durch einen neuen Wandel geleitet, durch die Kraft der Auferstehung, so dass wir in der Nachfolge Jesu „in einem neuen Leben wandeln“ 7 . Der erste Schritt der richtigen Stellung, nämlich Jesus in der Welt widerzuspiegeln, ist zwar wesentlich, der zweite darf jedoch nicht ausbleiben: Menschen in der Welt zu Jüngern Jesu machen. Das ist unsere Berufung, in Teamarbeit. Möchten Sie uns dabei helfen?

J

G

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1

Joh 1:14, 2 Phil 2:7, 3Hebr 2:14, 4Kol 4:5, 5 Eph 5:15-16, 6Kol 4:6, 7Röm 6:4

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ERÖFFNUNG – WILLKOMMEN IM VIANOVA-CENTER Teil 4 unseres Jubiläumsjahrs war die Eröffnung des Hauptquartiers in Zaventem. Mitten in einem Gewerbegebiet ist das neue Gebäude gleichsam ein Symbol unseres Wunsches nach Integration in der Welt. Das VIANOVA Center spiegelt auch eine große Ambition wider: Eine erneuerte Vision, eine überarbeitete Strategie und die Umorientierung unserer Aktivitäten. Ein ehrgeiziges Projekt, das sich auch in der Raumgestaltung ausdrückt.

Es gibt unter anderem Schulungsräume, eine Fachbibliothek, ein Filmstudio und eine Lounge. Falls Sie in der Nähe sind, zögern Sie nicht vorbeizuschauen! Sie kamen eigentlich aus ganz Belgien und sogar aus dem Ausland. Lesen Sie einige Interviews auf unserer Internetseite.


DAS SYMPOSIUM AGORA 100 Unser Jubiläumsjahr endete mit dem fünften Teil, dem Symposium AGORA 100. Es kamen Gäste aus allen Bereichen und verschiedenen Gemeindegründungsbewegungen Westeuropas für knapp eine Woche zusammen. Die etwa 100 Teilnehmer überlegten und reflektierten gemein-

sam (partizipativ) die Frage: Wie kann man heutzutage, in unserer ständig wandelnden Gesellschaft, die Gemeinde Christi in Form von integrierten Gemeinschaften von Jüngern Jesu erfahren? RALPH | 9


„Lasst die Botschaft von Chris-

| INTERVIEW

tus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Unterrichtet einander in der Lehre Christi und zeigt einander den rechten Weg.“

EDITH

(Kolosser 3,16 - NGU)

Unterwegs Jünger formen

Sue Tops Vor vielen Jahren kamen Willy und ich mit zwei kleinen Jungs aus den USA nach Belgien, um in Willy’ s Heimatland Gemeinde zu gründen und den Belgiern Gottes Wort nahezubringen. Das hörte sich phantastisch an… Nach ein paar Monaten zeigte sich jedoch, dass es ganz und gar nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt hatte. Meistens war es einfach nur frustrierend – von meinen Schwiegereltern wurden wir wegen unseres Glaubens nicht akzeptiert, und die Belgier allgemein machten auf mich einen kühlen und unglücklichen Eindruck. Es war für mich auch ungewohnt, meinen kleinen erst dreijährigen Sohn schon in den Kindergarten zu schicken… in meinen Augen war er dafür noch viel zu klein!!! Aber das Leben ging weiter. Nach und nach fing ich an, das Land und die Leute zu lieben und war dankbar für alles, was Gott mich hier gelehrt hat. Heute – so viele Jahre später, haben wir einiges mit Gott erlebt, und ich sehe jetzt klarer, was Sein Plan für mein Leben ist. Da Gastfreundschaft eine meiner Gaben ist, haben wir immer ein offenes Haus für andere. Wir sind so dankbar für die Gemeinschaft, in die Er uns gebracht hat – auf einen Campingplatz mit ungefähr 300 Chalets, wo viele Leute ihren festen Wohnsitz haben. Dort versuchen wir Salz und Licht zu sein, indem wir unsere Nachbarn sehen lassen, wer wir sind und was unser Leben ausmacht. Eine unserer Nachbarinnen hat fast ein halbes Jahr lang mit uns in der Bibel gelesen und sich dann für Jesus entschieden. Sie hat sich auf unserem Grundstück in einem aufblasbaren Schwimmbad taufen lassen! Willy war 30 Jahre lang Gefängnispfarrer. Daher haben wir viele Kontakte zu ehemaligen Häftlingen und ihren Familien… und auch da spielt Gastfreundschaft eine wichtige Rolle! Es ist spannend zu erleben, wie Gott im Leben dieser Leute wirkt! Und dann sind da natürlich noch unsere Kinder und 6 wunderbare Enkel, die alle in unserer Nähe wohnen!! Wir beten inbrünstig für sie, dass Jesus auch ihr Leben nachhaltig verändert. Für mich als Oma sind sie jeden Tag in meinem Herzen und in meinen Gebeten!! So gehen wir, in unserem mittlerweile fortgeschrittenen Alter, noch stets weiter vorwärts und freuen uns über die Liebe und den Frieden Gottes, den Er uns schenkt, wenn wir versuchen „Verlorene für Christus zu gewinnen“. Wenn wir unseren Blick auf Ihn gerichtet halten, bereitet Er Herzen darauf vor, Seine Liebe zu erfahren!!! Er ist unsere Festung und dafür loben wir Ihn!!!!!

Dreidimensional leben Um Menschen zu Jüngern Jesu zu machen, die in ihrem eigenen Tempo unterwegs sind, wurde in den VIANOVA-Gemeinschaften ein neues Konzept eingeführt: die 3D Gruppen. Ist das eine neue Software, die Gemeindemitglieder in Spieler verwandelt? Oder wird ihnen eine Ausbildung als Architekt angeboten? Wir fragen Luc Salsac, dessen Gemeinschaft 3D organisiert. „Wie der Name schon sagt“, erklärt Luc, „spielen die 3D Gruppen auf eine dritte Dimension an, nämlich die einer Gemeinschaft. Zusammen mit den öffentlichen Versammlungen (den Gottesdiensten) und kleineren Hausbibelkreisen vereinen die 3D Gruppen jeweils 3 Jünger (Männer oder Frauen), die füreinander da sind und sich gegenseitig ermutigen. Ganz konkret sollte jeder Gruppenteilnehmer denselben Bibelleseplan folgen. Alle zwei Wochen trifft man sich dann, um persönliche Gebetsanliegen auszutauschen, füreinander zu beten und Gott um Leitung zu bitten, wie das Gelernte in die Praxis umgesetzt werden kann. Durch die 3D Gruppen lernen Gläubige, gemeinsam auf Gottes Stimme zu hören und Ihm zu folgen.“ Sind Sie neugierig geworden? Dann lesen Sie doch weiter. Einige 3D-er haben unsere Fragen beantwortet. CHRISTEL, GERMAINE, AUDREY, MARIE-FRANCE - „In unserer vierköpfigen 3D Gruppe verpassen wir es nur selten den täglichen Bibeltext zu lesen, weil wir wissen, dass wir alle zur gleichen Zeit damit beschäftigt sind. Oft glaubt man, dass man die Bibel kennt, weil man sie schon mehrmals (manchmal von frühester Kindheit an) gelesen hat. Gemeinsam entdecken wir aber so viel mehr Schätze! Wenn


Eunice Parodi

C-G-A-M wir uns darüber austauschen, wie wir den jeweiligen Text verstehen, wird er viel deutlicher. Dadurch kommen wir Gott näher, lernen es Seine Stimme zu hören und die Dinge mit seinen Augen zu sehen. In den 3D Gruppen sind die Jünger gemeinsam unterwegs und tauschen sich darüber aus, was sie von Gott empfangen haben. Eine wunderbare Quelle der Freude und des Trosts! Wenn man mit denselben Partnern regelmässig für persönliche Gebetsanliegen betet, wird man ermutigt dranzubleiben und nicht aufzugeben... auch wenn sich scheinbar nichts ändert. Das Tolle daran ist zu entdecken, dass Gott oft andere Wege und Lösungen bietet. Zum Beispiel haben wir lange für eine Arbeitsstelle einer unserer Töchter gebetet. Es war uns aber klar, dass nicht direkt ein Angebot vom Himmel fallen würde. Die Überraschung war jedoch gross, als eines Tages jemand vor der Tür dieser jungen Frau stand, um ihr eine Arbeit anzubieten, ganz ohne dass sie sich bewerben musste!“ DÉBORAH, ANNE-SYLVIE - „Die 3D Gruppe (auch wenn wir nur zu zweit sind) motiviert uns, regelmässig in Gottes Wort zu lesen. Manchmal haben wir den Eindruck, die Bibel schon ganz zu kennen, bis wir dann merken, dass unser Wissen nur bruchstückhaft war. Wie wenn man ein paar einzelne Puzzlestücke hat, aber noch nie das Gesamtbild bewundern konnte. Wenn wir uns über dieselben Bibeltexte austauschen, entdecken wir die Zusammenhänge. Welch eine Freude, wieder neu zu lernen, was wir bereits dachten erreicht zu haben! Natürlich ist es eine Herausforderung, so viele Kapitel in kurzer Zeit zu lesen, aber die Erkenntnisse

A-M-A

D-A

SYLVAIN

des einen beantworten die Fragen des anderen. Diese neue Gewohnheit bringt uns näher zusammen und bereichert uns.“

eine Freundschaft mit ihrem heutigen Mann begann, waren wir beiden anderen die ersten, die davon erfuhren und für das Ehepaar beteten.“

AXELLE, MURIEL, ADELINE - „Die 3D Gruppe ist viel mehr als ein Leseverein oder eine Gruppe von Freundinnen. Es ist vielmehr das Bewusstsein, dass wir Geschwister im Herrn sind. Gemeinsam lernen wir, das Wirken Gottes in unserem Leben zu erkennen und auf den guten Weg zurückzukommen. Uns wird bewusst, dass wir nie alleine sind und erleben die Kraft des Gebets in unserem täglichen Leben. Wir sprechen auch über vertrauliche Dinge. Als eine von uns

SYLVAIN - „Ich fange dieses Jahr mit dem 3D Konzept an und freue mich darauf, zu erleben, wie dieses Mittel uns helfen wird, im Glauben zu wachsen. Mir ist aufgefallen, dass durch das regelmässige Lesen der Bibel, die Gespräche über die kostbaren Schätze, die man darin findet und das Gebet füreinander, Menschen zu Jüngern werden. Ich kann es kaum erwarten, zusammen mit anderen und mit Jesus unterwegs zu sein.“

IN DER PRAXIS - Möchten Sie auch eine oder mehrere 3D Gruppen in

Ihrer Gemeinde organisieren, wissen aber nicht so genau wie? Fangen Sie damit an, die Idee in Ihrer Gemeinde vorzustellen. Das Konzept wird bestimmt auf Interesse stossen. •

Versammeln Sie die Interessenten und stellen Sie die Gruppen zusammen. Die 3D Gruppen sind nicht gemischt (also Männer und Frauen zusammen). In einer Gruppe sind im Idealfall 3 Teilnehmer. Wenn das nicht möglich ist, versuchen sie Gruppen von 2 oder 4 Personen zu bilden. Jede Gruppe entscheidet für sich, wann und wo sie sich treffen will und braucht eine Art Leiter. Suchen Sie zunächst Leute, die dafür geeignet sind. Nach ein oder zwei Lesezyklen kristallisieren sich vielleicht schon neue Kandidaten heraus. Schlagen Sie jeder Gruppe einen gemeinsamen Bibelleseplan vor, z.B. einen Leseplan im Alten Testament und einen im Neuen Testament. Lassen Sie jede Gruppe ihren eigenen Weg finden. Es werden sich Beziehungen entwickeln, und durch den Kontakt miteinander werden neue Begabungen ans Licht kommen. Machen Sie nach einem oder zwei Lesezyklen eine Bestandsaufnahme. Haben Sie neue Anfragen für 3D Gruppen bekommen? Haben Sie in den bestehenden Gruppen neue Leiter gefunden? Vergessen Sie nicht, sich selbst einer Gruppe anzuschliessen!

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2019-12 RALPH_DE  

Zeitschrift von VIANOVA (est. 1919, Belgian Evangelical Mission), Dezember 2019.

2019-12 RALPH_DE  

Zeitschrift von VIANOVA (est. 1919, Belgian Evangelical Mission), Dezember 2019.

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