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CHF 6.–

#18 Mai/Juni 2010

lf.ch w w w.zwoe


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S.


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S.

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Planet Constantin: Der Walliser Sonnenkönig im O-Ton

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Wie gesagt, äh…: Fussballer reden

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Die Single: Roger Milla singt für Sandy

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Die Liste: Peinlich, peinlich – Fauxpas aus dem Schweizer Fussball

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Das Fundstück: Schönes GC-Foto

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Auswärtsfahrt: Derby der ewigen griechischen Rivalen

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Mämä erklärt: Begehrte Aussenverteidiger

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Feld-Studien: Hölzernes aus Lausanne, fotografiert von Markus Scherer

14 AFRIKA 16 Mottls Reise Ein freischaffender Journalist tourt durch Afrika – sein Tagebuch 24 Das Phanton

Wer ist Gilles Yapi?

30 Weisser Mann in Benin

Als Alain Gaspoz in der Heimat seiner Mutter zum Volkshelden wurde

34 Casting bei Xamax

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Wie die Neuenburger auf dem Schwarzen Kontinent immer wieder Rohdiamanten finden

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Im ZWÖLF-Wald Waffenlauf zur WM-Vorbereitung

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Weisch no: Mit dem Wolf in Afrika

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Die NLA-Legende: Papa Bouba Diop und Henri Camara – die senegalesischen Zwillinge

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Schweizerreise: Beim Mini-CC in Naters

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«Der Goalie-Trainer haute jeden Abend eine Flasche Wodka weg»

Der Luzerner Michel Renggli über wilde Wiler Zeiten, Latours Rhetorik und Ailtons Mätzchen

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Unser Mann in London: Peter Balzli zeigt auf den Punkt

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Schwarzes Brett: Schuh, Film, Magazin, Buch

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ZWÖLF war dabei: CC sieht im Casino doppelt

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Smalltalk, eine schöne E-Mail und Impressum

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S.S.

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Fussball­verrückter als Afrika geht kaum. Gekickt wird überall, ständig und mit allem, was irgend­ wie dazu taugt, wie Mike Mottl auf seiner langen Reise quer durch den te n le Ta t. a h t ll te s e tg s fe t n e n Konti grosse e in e n e rt ta s e ig n e w t h ic n , e gibt es unzählig dem h c a n ir w o w l, te â h c u e N in x Karriere bei Xama ­ e g h c ru b h rc u D n e D . n e b a h t Erfolgsrezept gefrag Ziel: in s e u e n in e S t. s g n lä i p a Y s le schafft hat Gil uch A . n te h ic rr e e h c ir K e in e te s der Elfenbeinkü as tw e r e tt u M r e in e s d n La m e d Alain Gaspoz will r e d r e in a tr n re io n Ju ls a t te zurückgeben und am in. n e B n vo ft a h c s n n a lm a n o ti a «Eichhörnchen», der N n o h c s ZWÖLF t h c li g ö rm e t, h e Noch bevor die WM losg ball. s s Fu n e h c is n a ik fr a n e d in k mal einen Einblic

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Mottls reise

Mit dem Ball am Fuss durch Afrika Text: Mike Mottl / Bilder: Mike Mottl, Sean Wilks

Seit über einem Jahr bereist der Zürcher Mike Mottl den Schwarzen Kontinent. Für ZWÖLF hat er sich in Kamerun mit Roger Milla getroffen und in Marokko Umberto Barberis besucht. Ein Reise­ bericht über ein Retortenteam mitten in der Sahara, eine ausgefallene Ver­ längerung in der Champions League und Fussball als Lebenselixier.

M

itte Oktober 2009, der Beginn einer langen Reise an die WM in Südafrika. Meine erste Ansprechperson in Sachen Fussball im Norden Marokkos ist Umberto Barberis. Er wurde im letzten Sommer von Kénitra Athletic Club (KAC), einem kleinen Traditionsverein der ersten marokkanischen Division, angeheuert. Barberis war in der Schweiz nach einer erfolgreichen Spielerkarriere längere Zeit Trainer bei Lausanne-Sports und gilt als Ausbildner. Er ist Feuer und Flamme für seine neue Aufgabe in einem total anderen Umfeld, in dem sich viele junge Talente tummeln, ansonsten aber

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kaum Ressourcen vorhanden sind. «Die spinnen total!», sagt Barberis und gerät ins Schwärmen: «Hier spielen sie mit dem Herzen.» Seiner Arbeit werde in Marokko mit Respekt begegnet, nicht wie in der Super League, wo nur der kurzfristige Erfolg zähle. Das sehen nicht alle so. Von den einheimischen Fans höre ich nach dem schlechten Saisonstart, Barberis verdiene im Gegensatz zu den Spielern viel Geld, doch die Resultate liessen zu wünschen übrig. Das Spiel gegen den Leader, das ich besuche, endet 0:0. Die Fans bringen ihren Unmut zum Ausdruck, indem sie eine riesige Gelbe Karte als Transpa-

rent in der Fankurve zeigen. Wie ich zwei Monate später erfahre, wurde Umberto Barberis in Kénitra wegen mangelnder Erfolge schliesslich entlassen. Meine erste Fussballerkenntnis auf dem afrikanischen Kontinent: Bei erfolglosen Trainern herrschen die gleichen Gesetze wie überall anders auch. Fussball und Politik in der Sahara Südlich durch die Wüste in Westsahara lerne ich den Senegalesen Amadou Sadio Diallo kennen, der seine Heimat vor einigen Jahren verlassen hat, um sein Glück in einer grossen Fussballliga zu suchen. Inzwischen hat es der 27-Jährige, zumindest vorläufig, in die höchste marokkanische Division gebracht. Diallos Team, der JSM Laâyoune, trainiert und wohnt 1000 Kilometer nördlich in Casablanca und fliegt jeweils nur für die Heimspiele mitten in die Sahara, wo die Spieler ein wunderbares Stadion mit Naturrasen erwartet. Dies hat einen politischen Hintergrund: Der JSM Laâyoune ist ein Propagandawerkzeug des Königs. Westsahara wird seit 30 Jahren von den Marokkanern illegal besetzt. Ihnen sind alle Mittel recht, um das phosphatreiche und strategisch wichtig gelegene Gebiet an sich zu binden. Und so werden mit viel Geld nicht nur Marokkaner in die Verwaltungshauptstadt Laâyoune umgesiedelt und Geschäftsleute mit Steuererleichterung angelockt, sondern wird auch


Nouakchott, Mauretanien: Falsches Trikot, falscher Name – der nächste Patrick Vieira vor dem Nationalstadion.

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gilles yapi

Das Phantom

Text: Christoph Lenz / Bilder: Matthias Muff

Er wechselt vom Leader zum Zweiten. Er will in Abidjan eine Kirche errichten. Er ist nur ein Schatten auf dem Spielfeld. Und er ist der Schrittmacher im Tempo­ fussball der Young Boys. Das ergibt alles keinen Sinn. Also noch mal von vorne: Wer ist Gilles Yapi?

U

nd jetzt ist also ganz plötzlich alles wieder in Minne. Gilles Yapi spielt wieder, Gilles Yapi trifft wieder, Gilles Yapi setzt sich wieder neben Trainer Vladimir Petkovic, wenn sich die Mannschaft nach einer gewonnenen Partie zu den Fans begibt und sich feiern lässt. Erstmals seit Beginn dieser Rückrunde redet Gilles Yapi sogar wieder mit den Medien – auch wenn er dabei immer noch reichlich wenig zu sagen weiss. Gilles Yapi ist wirklich zurück. Er strahlt, klatscht Hände ab und lässt sich auf die Schultern klopfen. Genau so wie damals, im letzten Herbst, als er diese Mannschaft von Sieg zu Sieg führte. Und vielleicht war es ja wirklich nur ein schlechter Traum, was sich da in den letzten sieben Wochen im Umfeld

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der Berner Young Boys abspielte. Die Fans haben ein langes Gedächtnis. Aber manchmal vergessen sie sehr schnell. Nein, ein Traum war es natürlich nicht. Das wissen alle in Bern, nur daran denken mögen sie nicht. Und vergessen ist hier übrigens auch nichts, schon gar nicht vergeben. Gilles Yapi, der gewiefte Lenker der Young Boys, dieses unendlich wichtige Scharnier im zentralen Mittelfeld, geht. Zum FC Basel. Ausgerechnet. Wieso tut er das? Was will er damit erreichen? Geht es um Geld, wie bei Saif Ghezal, jenem Verteidiger, der die Young Boys im Dezember überstürzt verliess? Möglich. Aus gut unterrichteten Quellen ist zu erfahren, dass der FC Basel Yapis Gehalt verdoppelt hat.

Von 500 000 auf 1 Million Franken. Nur, Yapi bestreitet, dass das Salär den Ausschlag gegeben hat. Geht es um persönliche Querelen? Das hatte Gilles Yapi doch immer vehement, manchmal gar zu vehement bestritten. Geht es um die internationale Bühne? Wahrscheinlich. Gilles Yapi möchte unbedingt zurückkehren in die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, das ist kaum möglich ohne Auftritte in der Champions oder der Europa League. Aber dann sollte er doch ins Ausland wechseln, sicher nicht aber vom Leader der Super League zum Zweiten. Es ist paradox. Man kann es beim besten Willen nicht verstehen in Bern. Und man will es auch nicht verstehen. Yapis Traum Die Ironie von Yapis Transfer ist zu schmerzhaft. Die Ironie, die da heisst: Die Young Boys mögen wohl Leader sein, vielleicht sogar Meister werden. Der Grund dafür ist aber eher zufällig, eine Laune des Wettbewerbs, eine vorübergehende Schwäche der Konkurrenz. Die bessere, zukunftsträchtigere Mannschaft ist trotzdem der FC Basel. Und das wird auch so bleiben. Rückblende: Man kennt diese Antworten, die am 7. Februar in der Medienlounge des Stade de Suisse geäussert werden. Das Team habe gut trainiert. Die Vorbereitung sei optimal verlaufen.


yapi

Fr端her machte Opoku Nti die Spielfelder der NLA unsicher, heute die Strassen von Z端rich.

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xamax nicht so verhätschelt wie die Schweizer», sagt der Bauunternehmer. Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Aber es scheint, als würden viele Spieler aus Afrika sich in Demut üben. Aus Neuenburg wird die Geschichte kolportiert, Omar Ismaeel, der aus Tschad stammende Nationalspieler Bahreins, habe sieben Monate (!) ge-

braucht, bis er sich getraute, mit Carlos Varela zu reden. «Das ist so», bestätigt Urfer, «Ismaeel sieht sein Standing in der Mannschaft eben viel tiefer, als es jenes von Varela ist. Da hat er sich nicht getraut.» Der Sportchef hat sich fast zwei Stunden Zeit genommen für das Interview.

Jetzt klingelt sein Telefon. Er muss ran. Wahrscheinlich verrät ihm am anderen Ende einer seiner Scouts aus den Weiten Afrikas gleich den Namen des nächsten Supertalents. Bis Urfer den nächsten Brown entdeckt, werden sich die düs­ teren Wolken über Neuenburg verzogen haben.

Gerard Bi Goua Gohou (21, Elfenbeinküste)

«Ich war oft einsam»

Ibrahima Niasse ist zwar erst 21 Jahre alt, unter den Afrikanern bei Xamax ist der Senegalese aber so etwas wie der Chef und die gute Seele. Weil er bereits vor seinem Wechsel zu Xamax 2008 in Europa – bei Nancy – gespielt hat, kennt er die Begebenheiten hier am Besten. ZWÖLF: Ibrahima Niasse, wie ist Ihre Integration in Europa abgelaufen? Niasse: Es ist ein grosser Schritt. Anfangs war ich oft einsam. Es ist nicht so einfach, wenn man jeden Abend alleine im Hotelzimmer verbringt. Das hat sich dann aber geändert. Es ist ein ganz normaler Prozess.

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Und fussballerisch? Ich kam in Frankreich an und dachte wirklich, ich sei wahnsinnig gut. Da bin ich schnell auf die Welt gekommen. Ich musste hart arbeiten. An allem. Ich war noch nirgendwo. Das habe ich anfangs völlig unterschätzt. Hier sind die Verhältnisse einfach traumhaft. Es wird alles zur Verfügung gestellt: die Schuhe, die Infrastruktur, alles. Darum habe ich den Anspruch, so hart zu arbeiten, wie es nur geht. Ich will etwas zurückgeben. Wie hat sich Ihr Standing in der Heimat verändert? Das ist kein Vergleich mehr zu früher. Inzwischen ist es für mich relativ an-

strengend, in Senegal Ferien zu machen. Ich komme einfach nicht mehr zur Ruhe. Jedes Kind kennt mich. Das ist zwar eine Ehre und schön, aber eben auch nicht so entspannend. Es heisst, Sie seien die gute Seele der Afrikaner bei Xamax. Wie äussert sich das? Ich versuche einfach, meinen Kollegen zu helfen. Da gibt es ganz viele grundsätzliche Dinge, die hier einfach völlig anders sind als in Afrika. Die Manieren, das Einkaufen und so weiter. Wenn die Jungs etwas wissen müssen, können sie mich fragen.


Abdulla Baba Fatadi (24, Nigeria/Bahrain)

das nächste rätsel:

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Die neue Frage: Welcher aktuelle Nationalspieler stand in nur einem Super-League-Spiel in der Startaufstellung? E-Mail mit Absender, Betreff «Teleclub» und der Lösung an info@zwoelf.ch oder Postkarte an Zwölf, Postfach 8951, 3001 Bern. Auflösung im nächsten Heft (ZWÖLF 19), Einsendeschluss: 12. Mai 2010

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Wallis Miniatur

Rubrik

Der Oberwalliser Dorfklub FC Naters wehrt sich in der 1. Liga gegen die welsche Ăœbermacht. Mit Stolz und dem Mut der Verzweiflung. Präsident, Patron und Financier Hans Ritz wird manchmal mit Christian Constantin verglichen. Text: Sam Burgener Bilder: Stefan Bohrer

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Schweizerreise

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ZWÖLF 18 - Afrika  

Aussergewöhnliche Ereignisse erfordern eine gute Vorbereitung. Deshalb stimmen wir Euch schon früh auf die WM in Südafrika ein und berichten...

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