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WG statt Altersheim Focus, 16.06.07 Nachbarschaftliche Wohnprojekte stoßen auf immer mehr Interesse bei Senioren, die möglichst lange selbstständig und dabei in Gemeinschaft leben wollen. Heinrich Boden hat sich für das Haus Mobile in Köln entschieden, lange bevor er das Rentenalter erreichte. In der Anlage leben junge und alte Menschen unter einem Dach. "Bei uns gibt es mehr nachbarschaftliches Miteinander als im klassischen Wohnblock", sagt der 58-Jährige. Wie er denken immer mehr Senioren und solche, die es in einigen Jahrzehnten werden. Das hat Sabine Matzke von der Wohnbundberatung Nordrhein-Westfalen festgestellt. "Die Nachfragen zu Hausgemeinschaften haben sich verstärkt und es gibt einen Trend zum nachbarschaftlichen Wohnen." Für Boden stand vor knapp zehn Jahren ohnehin ein Wohnortwechsel an. Er wollte vom Land in die Stadt ziehen. "Ich hatte schon vorher viel über alternative Wohnformen gelesen, aber der Gedanke war noch nicht so weit gereift." Das Beratungsbedürfnis in diesem Bereich nimmt zu. Untersuchungen des "Forum für Gemeinschaftliches Wohnen", eines Zusammenschlusses von Vereinen und Gruppen, die sich mit gemeinschaftlichem und generationsübergreifendem Wohnen befassen, machen den Trend deutlich. Während sich 1999 erst 2000 Menschen dort über neue Wohnformen im Alter beraten ließen, waren es 2005 bereits 10 200 Anfragen. Wunsch nach Privatraum Mit einer Wohngemeinschaft aus Studentenzeiten haben die alternativen Wohnformen wenig gemein. Im etwas gesetzteren Alter wollen sich die meisten nicht über den Abwasch oder Bäderputzen streiten. Auch wenn viele Senioren nicht alleine leben möchten, verzichten sie doch ungern auf ihre eigenen vier Wände. Großer Beliebtheit erfreue sich daher das "Wohnen im Quartier", berichtet Matzke. Die Senioren bleiben zumeist in ihrer eigenen Wohnung oder ziehen bei Pflegebedürftigkeit in ein Gemeinschaftshaus. So können sie ihre privaten Netzwerke aufrechterhalten. Soziale Einrichtungen oder Vereine unterstützen die Senioren – vor allem als Ansprechpartner. Basis für diese Wohnform sollten eine barrierefrei umgebaute Wohnung, altengerechte Serviceleistungen in der Region und eine gute Nachbarschaft sein. Im Haus Mobile in Köln wird Nachbarschaft großgeschrieben. Eine dauerhafte Pflege durch die anderen Hausbewohner ist aber nicht möglich. "Viele würden das sicher gut finden, aber das ist nicht umsetzbar. Es hoffen natürlich alle, dass sie nie so krank werden. Aber für solche Fälle gibt es hier eine ambulante Pflege", sagt Boden. 200 Projekte in Deutschland Bundesweit haben sich bereits Hunderte von Wohnprojekten unterschiedlicher Zusammensetzung gegründet: Häuser, in denen Alt und Jung, Senioren unter sich, aber auch Nichtbehinderte mit Behinderten oder Alleinerziehende mit Singles jeden Alters unter einem Dach wohnen. Viele dieser Projekte werden

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privat initiiert und sind daher den Kommunen nicht umfassend bekannt. Eine Studie von Bertelsmann und dem Kuratorium Deutsche Altershilfe beziffere die Zahl der Wohnprojekte auf 200, so Matzke. Die Praktikerin geht hingegen von einer deutlich hÜheren Zahl aus. Fßr Boden war der Umzug ins Haus Mobile der richtige Schritt. Anstatt in der eigenen Wohnung zu vereinsamen, teilen die Bewohner des Hauses Freud und Leid. "Sicher, wir hatten hier auch schon einige Todesfälle zu betrauern, aber wir freuen uns auch gemeinsam, wenn wieder ein Baby geboren wird."

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