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Carl Barks

Keine Erfolgsgeschichte freilich ohne Rückschläge: Als in den USA jüngst nach über sechzigjähriger Publikationsgeschichte die Disney-Comics eingestellt wurden, hat es kaum jemanden interessiert. Gerade mal 4000 Stück wurden zuletzt pro Ausgabe der bunten Disney-Comichefte abgesetzt. Zu Barks' Zeiten waren es mehrere Millionen pro Monat. In Europa ist es noch nicht so weit. Hier gehen wöchentlich mehrere Millionen von Disneys Comicheften, vom Micky-Maus-Heft bis zum "Lustigen Taschenbuch" über die Theke. Deshalb liegen die Zentren der weltweiten Disney-Comicproduktion schon lange in Skandinavien und Italien, wo die Figuren besonders populär sind. Aber auch im grundsätzlich comicfeindlichen Deutschland verkauft die "Micky Maus" immer noch jede Woche gut 250.000 Exemplare. Die Ente ist also Europäer geworden. "Es gibt keinen Menschen in den Vereinigten Staaten, der sich nicht mit

von Jonas Schertenleib

ihm identifizieren könnte", sagte Barks einmal über Donald Duck. Dieser Satz stimmt inzwischen wohl nicht mehr. Obwohl Donalds Qualitäten als Stehaufente, seine Würde, die er sich trotz dauernder Verluste bewahrt hat, doch an etwas zutiefst Amerikanisches rühren. Sein Pragmatismus ist die Essenz des American Dream: "Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut! Trotzdem muss einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt", hält der Straßenkehrer Duck bei Barks ganz gelassen fest. Vielleicht aber möchten es die Amerikaner in Zeiten angespannter Wirtschaftslage einfach nicht mehr hören, wenn Donald - ebenfalls bei Barks - klagt: "Vier Dollar sind wenig, wenn man sie hat, aber 'ne Menge, wenn man sie nicht hat." Vier Dollar, das ist in den USA derzeit der durchschnittliche Preis für ein Comicheft

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