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>2015 das mAGAZIN zur domsanierung

Bestuhlt Belichtet

Neue Kirchenmöbel für den Dom Eindrucksvolles Lichtkonzept

Bewundert

Domschatz macht in New York Furore

Licht

Gestalten

3/2013 Nr. 12

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Zukunft für das Erbe


Liebe LESERINNEN UND Leser,

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die Spannung steigt! In weniger als einem Jahr wird unser Dom wieder eröffnet – genauer gesagt am 15. August 2014, um 17 Uhr. Alle sind zu diesem Ereignis herzlich eingeladen! Es werden sicher nicht alle Menschen im Mariendom Platz finden, aber wir werden den Eröffnungsgottesdienst natürlich auf den Domhof übertragen. Daher lade ich Sie ganz persönlich schon jetzt zu diesem Festtag ein!

französische leichtigkeit

Im Inneren des Domes kann man inzwischen erahnen, wie schön, hell und einladend unser Gotteshaus künftig sein wird. Um Ihnen davon einen Eindruck zu geben, nehmen wir Sie mit auf den Weg durch den neu konzipierten Dom mit seinen umgestalteten Kapellen, modernem Mobiliar und gelungener Lichtführung. Letztere trägt wesentlich zur Helligkeit des gesamten Raumes bei.

Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen. Bank? Oder Stuhl? Die Bank ist vertraut, natürlich. Dicht an dicht sitzt man an hohen Festtagen in der langen Reihe – und rückt einander schon mal ziemlich auf die Pelle. Das hat jetzt ein Ende: Jeder Gottesdienstbesucher findet Platz auf einem eigens für den Dom gefertigten Holzstuhl aus Eiche. Verzichten muss er auf nichts: eine bequeme Sitzfläche ist da und vor sich kann er das Gesangbuch ablegen. Und natürlich kann er zur heiligen Wandlung niederknien. Denn vor ihm ist eine Kniebank. Sie verbindet die Vorbei sind die Zeiten der unbeeinzelnen Stühle miteinander zu einer Reihe. Frankreich-Urlauber weglichen Kirchenbänke. Filigrane, kennen den Anblick. Für alle anleichte Holzstühle lösen die tradideren wird es ein völlig neues tionsreiche Sitzgelegenheit ab. Raumgefühl im Dom. Obwohl natürlich auch die Stühle dicht an dicht in vielen Reihen stehen, ist der Eindruck ein ganz anderer. Viel leichter, lichter und vor allem freier wirkt der Raum. Der neue Domstuhl gibt die größtmögliche Flexibilität für alle Arten von Gottesdiensten. Schließlich kann er immer wieder neu gruppiert werden. Beispielsweise kann er bei einer Taufe ganz leicht um das Taufbecken herum aufgestellt werden. Gefertigt wird der Stuhl nach einem Entwurf des in London lebenden deutschen Designers Martin Ebert. „Wir haben fast alle Stuhlklassiker der letzten 70 Jahre erwogen“, erzählt Jochem Vieren, der Projektleiter von Schilling-Architekten für die Domsanierung. „Die Bestuhlung ist so ziemlich das Schwierigste.“ Viele Modelle und Prototypen gab es. Nachdem das Domkapitel auf seinem Favoriten Probe gesessen hat, wurde noch nachgebessert. Hier ein bisschen mehr Ablagefläche für die Arme an der Kniebank, dort eine optimierte Rundung für den Rücken. Denn das ist das Wichtigste am neuen Domstuhl: er muss ergonomisch sein, also gesundes Sitzen ermöglichen. Egal, ob man eine kurze Andacht feiert, ein längeres Pontifikalamt oder die lange Osternacht. Und bequem soll er natürlich auch sein. Dafür sorgt die Sitzfläche aus einer stabilen, belastbaren Bespannung aus dänischer Papierschnur. Es muss auch niemand befürchten, dass er künftig im Dom keinen Platz mehr bekommt, wenn dieser nur noch Stühle hat: Bis zu 200 Menschen werden im Hauptschiff Platz finden; standardmäßig wird es rund 180 Stühle geben. Hinzukommen zusätzliche 500 Stühle, die bei Bedarf aufgestellt werden können – etwa bei großen Anlässen wie der Chrisammesse.

Lassen Sie sich schon jetzt einstimmen auf das große Ereignis, auf das wir – und vor allem die vielen hart arbeitenden Handwerker und Planer – seit fünf Jahren hinarbeiten. Doch bevor es so weit ist, wünsche ich Ihnen eine gute Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr!

Petra Meschede Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit

IMPRESSUM >2015 DAS MAGAZIN ZUR DOMSANIERUNG wird herausgegeben von der Hauptabteilung Kommunikationsund Öffentlichkeitsarbeit des Bischöflichen Generalvikariats Hildesheim, Domhof 24, 31134 Hildesheim Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Petra Meschede Konzept, Redaktion und Gestaltung: Bernward Medien GmbH, Hildesheim Text: Hildegard Mathies, Köln Druck: Fischer Druck GmbH, Peine Fotos: Schilling-Architekten S. 2/3, 5 unten, 7, 8/9; Müller S. 6 unten; bph S. 5 oben, 7, 10/11; Geert Schäfer: Titel/S. 4; Dommuseum S. 8/9, 11; S. 6 oben privat; Fotostudio Hahn S. 2

„>2015“ wird umweltfreundlich auf FSC®-zertifiziertem Papier und Co2-kompensiert gedruckt.

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Viel offener und einladender wirkt der Dom mit der neuen Bestuhlung.

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>2015 3/2013 Auch die Fenster der Apsis werden noch erneuert.

einblicke und ausblicke Das Lichtkonzept hört bei der Elektrik nicht auf, sondern umfasst auch die Fenster des Domes. Das Wichtigste: Innen und Außen werden verbunden. So bilden der neu gestaltete Domhof und der Dombau als katholisches Zentrum der Stadt auch lichttechnisch eine sichtbare Einheit. Jedenfalls, wenn es dunkel oder dämmerig ist.

Beim Ausbau der Apsisfenster konnte man vom Dominnern den 1000-jährigen Rosenstock sehen.

es werde licht Lange wirkte der romanische Dom gedrungen, schwer, etwas düster. Nun werden Sie Ihr helles Wunder erleben, wenn Sie den neu gestalteten Dom das erste Mal betreten. Schon die Computersimulation lässt ehrfürchtig still werden. Das neue Lichtkonzept für den Dom macht den Raum als heiligen Raum unmittelbar erlebbar. Daran haben sowohl die neuen Fenster als auch die neue Lichtanlage ihren Anteil. Erst einmal wundert man sich. Hier fehlt doch etwas?! Wo kommt das ganze Licht überhaupt her? Keine Hängelampen. Keine Strahler an Säulen und Balustraden. Der Grund: Die Beleuchtung wird zu 80 Prozent im Dachstuhl montiert. „Da oben sieht es aus wie in einem Tanzsaal“, erläutert Jochem Vieren, Projektleiter von Schilling-Architekten für die Domsanierung. Das Domdach wurde komplett wärmegedämmt. Die Technik verbirgt sich unter einer Bretterschicht, dem „Tanzsaalboden“. Klappen ermöglichen den Zugang zur Beleuchtungsanlage. Das Licht strahlt durch spaltförmige Öffnungen in den Dom hinunter. Insgesamt erstrecken sie sich über 140 Meter, durchs Haupt- und Querschiff, in den Seitenschiffen und im Godehardichor.

Durch die Schlitze fällt das Licht exakt an die richtigen Stellen. Mal wird der ganze Dom ausgeleuchtet. Mal wird der Domchor angestrahlt. Dann richtet sich das Licht auf die Gemeinde, auf den Ambo, die Kathedra oder den Altar. Ob Alltags- oder Sonntagsgottesdienst, ob Taufe oder Hochzeit, ob Christmette oder Osternacht: für jede denkbare Gottesdienstform und -situation werden die LED-Lampen programmiert. Der Küster braucht sie dann nur noch in der Sakristei per Wisch über einen ComputerBildschirm einschalten. Und alles im Blick behalten, um immer auf alles reagieren zu können. Die LED-Technik ist günstig im Stromverbrauch und senkt mit einer Haltbarkeit von 20 bis 30 Jahren die Betriebskosten. „Sie erlaubt es, einzelne Elemente oder Szenen auch aus großer Höhe punktgenau zu treffen“‚ erläutert Vieren. Das könnte theoretisch und im Extremfall sogar nur die Fingerspitze des Lektors sein, der das Lektionar umblättert. Eingebaut wird die Lichttechnik erst ganz am Schluss. Denn dann entscheidet sich, wie viele LED-Lampen tatsächlich verbaut werden. Gebündelt werden sie in mehreren Modulen – jedes einzelne wird zwischen 30 und 40 Lämpchen enthalten. In den Seitenkapellen ist der Einbau dieser Lichttechnik wegen der Gewölbe nicht möglich. Hier kommt das Licht durch dezente Boden- und Wandstrahler. Entworfen hat das Lichtkonzept das Ingenieurbüro Bamberger aus der Nähe von Eichstätt. Walter und Michael Bamberger haben das Lichtkonzept für viele bedeutende Kirchen gemacht. „Wir bekommen also eine Domillumination auf Weltniveau“, freut sich Jochem Vieren. Weltklasselicht für das Weltkulturerbe also.

Im vergangenen Herbst waren die alten Fenster ausgebaut worden. Nun bekommt der Dom ganz besondere Fenster: sogenannte Grisaillefenster wie im Mittelalter – aber hergestellt in einem spektakulären, computergesteuerten Verfahren. Die Fenster sind durchbrochen: in der Mitte befindet sich ein Schirm aus Glas, das in Grisaillemalerei hergestellt wird. Es ist transluzides Glas, nicht ganz durchsichtig, aber lichtdurchlässig. Darum herum ist ein Rand aus Klarglas, je nach Fenstergröße zwischen 15 und 25 Zentimetern breit. Dadurch kann der Gottesdienstbesucher den blauen Himmel sehen. Und der Passant sieht am Abend das Licht im Inneren des Gotteshauses. Er erblickt die plastisch ausgeleuchteten filigranen Strukturen der aus der Not geborenen Nachkriegsdecke. Sie wurde wegen der Akustik von den alten dekorativen Holzelementen befreit. „Man sieht dann: Hier wird gefeiert“, sagt Projektleiter Jochem Vieren. Der Dom wirkt einladend. Die neuen Fenster werden keine Sprossen haben und dadurch besonders viel Leichtigkeit ausstrahlen. Die Paderborner Firma Glas Peters stellt sie in monolithischer Senkglastechnik her. Die Farbe, die in der Mitte der Fenster künstlerisch aufgebracht wird, wurde genau so schon im Mittelalter verwendet. Sie besteht aus Eisenoxid und Glasfluss und wird mit Nelkenöl aufgerieben. Auf die Scheibe wird sie mit einem Dachshaarverreiber aufgebracht – klassische Glasmalerei. Handwerklich ist das bei Fenstermaßen von 2,10 Meter Breite und 3,70 Meter Höhe eine Herausforderung, erklärt Glasmaler Wilhelm Peters. Nach der künstlerischen Bearbeitung wird die riesige Glasplatte am Stück in einen Ofen geschoben. Ein Computer-Programm muss dabei exakt eingestellt werden, um das Glasstück bei 630 Grad Celsius spannungsfrei zu brennen. „Das ist schon einmalig“, sagt Vieren. Nicht geplant, aber schlüssig im Konzept ist ein besonderer Glanzpunkt: Erstmals wird der Dombesucher den 1000-jährigen Rosenstock vom Innenraum aus sehen. Als die alten Fenster in der Apsis entfernt waren, fiel der Blick aller Umbau-Verantwortlichen plötzlich auf den Rosenstock. Und eine Idee wurde geboren. So wird nun die legendäre Pflanze, die den Gründungsort des Bistums Hildesheim markiert, optisch in den Dom geholt. Und sie führt die Blickachse aus dem Dom heraus. In der fast 1200-jährigen Geschichte des Domes werden so Innen und Außen, Himmel, Erde und der sakrale Raum künftig miteinander verbunden sein.

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DER DOMBAU V ERE I N

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Menschen für den Dom

Dombauverein Hohe Domkirche Hildesheim E.V. > Helfen Sie mit, die Zukunft des Welterbes zu sichern! Werden Sie Mitglied im Dombauverein Hohe Domkirche Hildesheim e.V. Kontakt Dombauverein Hohe Domkirche Hildesheim e.V. Domhof 2 · 31134 Hildesheim Telefon 0 51 21 / 307-216 Fax 0 51 21 / 307-214 dombauverein@domsanierung.de www.dombauverein-hildesheim.de Mitgliedsbeiträge 100,- Euro für institutionelle Mitglieder 50,- Euro für Einzelpersonen 25,- Euro für Schüler und Studenten Spendenkonto Volksbank Hildesheim Konto-Nummer 4 019 757 300 BLZ 259 900 11 Sparkasse Hildesheim Konto-Nummer 99 063 414 BLZ 259 501 30

Sponsoren >2015 Herzlichen Dank für die Unterstützung der bisherigen Ausgaben des Magazins zur Domsanierung. > BWV, Beamten-Wohnungs-Verein zu Hildesheim eG > EVI, Energieversorgung Hildesheim GmbH & Co. KG > DKM, Darlehnskasse Münster eG > Autohaus Dobbratz, Lamspringe > Bauunternehmen Kubera, Hildesheim > gbg, Gemeinnützige Baugesellschaft zu Hildesheim AG > Schilling Architekten, Köln

Horst Wadehn ist Vorsitzender des Vereins UNESCO-Welterbestätten Deutschland. Engagiert setzt er sich für den Erhalt des Welterbes ein. Und für ein gutes Miteinander von Denkmalschutz und Tourismus. Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an den Hildesheimer Dom denken? Ein prachtvolles Gebäude, das mich schon 1989 – als ich erstmals in Hildesheim war – fasziniert hat. Was zeichnet den Dom aus? Mich beeindrucken die romanische Architektur, die Konzentration einzigartiger Kunstwerke – und natürlich der 1000-jährige Rosenstock.

Was erhoffen Sie sich für das Hildesheimer Welterbe durch die Sanierung? Es wäre mein Wunsch, dass sich viele Menschen aus aller Welt den Dom ansehen, ihn bestaunen und vor allem Einkehr halten. Und dass sie sich im Glauben dankbar dieses außergewöhnlichen, aus menschlichem Geist und von Menschenhand geschaffenen Bauwerks erfreuen. In welcher Stimmung sehen Sie der Wiedereröffnung entgegen? Mit großer Freude. Auch deshalb, weil unser Verein dann sowohl die Mitgliederversammlung als auch die Jahrestagung, die mit der deutschen UNESCO-Kommission durchgeführt wird, in Hildesheim veranstalten. Somit gehören wir zu den ersten Gästen, die den Dom und das Dommuseum besichtigen dürfen. Wenn Sie allein eine Nacht im Dom verbringen dürften: Was würden Sie machen? Ein besonderer Genuss wäre für mich gefühlvoll gespielte Orgelmusik – obwohl ich dann nicht alleine wäre! Und die Betrachtung all der Kunstschätze.

Dem Dom untrennbar verbunden Immer hat der Hildesheimer Dom eine Hauptrolle gespielt im Leben von Richarda Kurzbach. Als Kind sah sie – Jahrgang 1937 – ihn in Trümmern liegen. Auf dem Heimweg von der Schule setzte sie sich mit Freundinnen oft zum Plausch auf die Trümmer. Später wurde ihr der Dom auf andere Weise ein Zufluchtsort: Die evangelische Christin hatte sich in einen Katholiken verliebt, der schon einmal verheiratet gewesen war. Damals skandalös. Viel Ausgrenzung hat das Ehepaar Kurzbach deshalb erlebt. Doch im Dom fühlten sie sich angenommen und zu Hause. Daher war es Ehrensache für die engagierte Frau, die in Celle lebt, dass sie 2010 als eine der Ersten dem Dombauverein beitrat. Zwei Abschnitte hat sie auf dem Zeitstrahl im Kreuzgang erworben: 1977, das Jahr ihrer Hochzeit, und 1711. Damals wurde die Peter- und Paul-Kapelle, der Vorläufer ihrer

geheimnisvolle irminsul Legenden und Spekulationen ranken sich bis heute um die mittelalterliche Irminsäule im Hildesheimer Dom. Jetzt kehrt der Leuchter zurück ins Herz des Domes. Wenn der neue Dom eröffnet wird, rückt ein ungewöhnliches Ausstattungsstück wieder stärker in den Blickpunkt: die Irminsäule. Oder althochdeutsch: die Irminsul. Die vergangenen Jahrzehnte hat sie, von den meisten Blicken vermutlich nur zufällig oder flüchtig gestreift, wie ein Stiefkind oben auf dem Godehardichor verbracht. Im neuen Dom aber wird sie den markanten Schlussakzent im Hochchor setzen: mittig aufgestellt ragt die mehr als 2 Meter hohe Säule dann vor der Rundung der Apsis empor und wird die Blicke auf sich ziehen. Auch deshalb, weil sie von einem Kreuz gekrönt wird. Das Kreuz als zentrales und fundamentales Symbol des Christentums löst die bisherige silberne Marienfigur ab. Die Irminsäule stammt aus dem Mittelalter, wie sich aus urkundlichen Erwähnungen schließen lässt. Seitdem wird sie auch als Leuchter im Hildesheimer Dom genutzt. Ihr wahres Alter ist bis heute unbekannt. Nach mehreren Umgestaltungen und Restaurierungen im Verlauf ihrer Geschichte umgibt seit dem 17. Jahrhundert ein Strahlenkranz aus 14 Kerzenhaltern die Mari-

enstatue. Ob die Säule den Leuchterkranz aus Kupferblech behält, wird derzeit noch geprüft. Entschieden wird, ob er kunsthistorisch betrachtet wichtig ist oder entfernt werden kann, ohne zu sehr in die Entwicklungs- und Restaurierungsgeschichte einzugreifen. Offen ist auch noch, welches Kreuz die Spitze der Säule krönen wird. Die Irminsäule besteht aus verschiedenen Materialien. Der Schaft ist aus Kalksinter gefertigt – Kalkablagerungen der römischen Eifel-Wasserleitung. Die etwa 95 Kilometer lange, gemauerte Leitung führte einst von der Nordeifel nach Köln. Fünf kalkhaltige Quellen des als Sötenicher Kalkmulde bekannten Gebietes speisten den Aquädukt. „Kalksinter wurde im Mittelalter als sogenannter Eifelmarmor hochgeschätzt und zum Teil über weite Strecken gehandelt“, berichtet Dr. Claudia Höhl vom Dommuseum Hildesheim. Weil die Größe des Materials durch die Maße des Aquädukts begrenzt war, wurden nur Einzelstücke aus Eifelmarmor hergestellt – die dadurch umso wertvoller wurden. Vermutlich wurde Kalksinter erstmals für die Pfalzkapelle Karls des Großen

Die kostbare Säule beim behutsamen Abtransport vor der Sanierung. Eine überzeugte Spenderin: Richarda Kurzbach.

Celler Heimatgemeinde St. Ludwig, eingeweiht. Wenn die neue Domorgel erklingt, hat Richarda Kurzbach auch daran ihren Anteil: Für die Urenkelinnen ihres Mannes, hat sie zwei Orgelpfeifen erworben. „Dann klingen sie für euch, auch wenn ihr in der Ferne seid“, hat sie den jungen Mädchen gesagt. Schon jetzt freut sich Richarda Kurzbach auf den Tag, an dem der neu gestaltete Dom eingeweiht wird: „Ich wünsche mir, dass alles heller wird, vor allem die Apsis. Ja, viel Licht wünsche ich mir“, sagt sie.

Wie die Irminsul genau aussehen wird, ist noch offen.

verwendet. Auch auf der Braunschweiger Burg Dankwarderode finden sich Kamine und Wandplatten aus Kalksinter. Oben und unten wird der Säulenschaft von bronzenen Wülsten umgeben. Der obere geht dabei kapitellartig in einen Metallkelch über. Auf einem Postament steht darin bislang die Madonna. Auf dem Kerzenreif befindet sich eine lateinische Inschrift, die übersetzt lautet: „Damit nicht die Finsternis bestrafe, was das Handeln des Menschen im Leben getan hat, sei der Glaube mit dem Werk verbunden, sei Licht dem Licht hinzugefügt. Und so sollen eure Früchte eurem Vater zur Ehre gereichen.“ Bis heute gibt die Irminsäule den Forschern Rätsel auf. Es ist nicht eindeutig zu klären, wozu sie verwendet wurde. Doch auch wenn die Vergangenheit der Irminsul noch im Dunkel liegt und vielleicht nie ganz geklärt werden kann, so ist ihre Zukunft nun im Zuge der neuen Domsanierung wieder strahlend hell: im Fokus der Aufmerksamkeit.


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Heilige, märtyrer und altäre

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Figurengruppe des Immaculata-Altares (18. Jh.)

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2 Zehntausend Märtyrer Hier werden zwei moderne Beichträume aufgestellt, die sich dezent in die neue, helle Gestaltung des Domes einfügen. 3 St. Matthäus und Drei Könige Diese Kapelle bietet Raum für die Chöre der Hildesheimer Dommusik. Auf einer Stufenanlage werden die Sängerinnen und Sänger ihren Platz finden.

Statuen des Propheten Isaia und des Apostels Philippus (Alabasterfiguren, 1743)

5 Gemälde „Anbetung der hl. drei Könige“ (um 1640)

schmiedeeiserne Gitter (Barock)

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1 St. Georgius Im Zentrum dieser Andachtskapelle steht die Pietà aus dem 15. Jahrhundert. Das schmiedeeiserne barocke Gitter grenzt den Raum als Andachtsort ab. Die Gläubigen können hier Kerzen entzünden und im Gebet verweilen.

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Neun Kapellen hat der Hildesheimer Dom, fünf im nördlichen Schiff und vier im südlichen. Sie werden einige der wertvollen Ausstattungsstücke und Kunstschätze des Domes bergen, bieten aber auch Platz für die Domchöre und die Chororgel. Ziel der Domsanierung ist, das Gotteshaus als heiligen Ort erfahrbar zu machen. Dazu gehört auch die Gestaltung und Nutzung der Kapellen an der Nord- und an der Südseite. Die Kapellen an der Nordseite sollen drei Akzente setzen: als Ort der Kirchenmusik, als Ort der Beichte und als Ort der Andacht. Die Kapellen der Südseite werden Erinnerungsorte werden. Im Jahreskreis sollen hier unterschiedliche inhaltliche Akzente gesetzt werden. Erbaut wurden die Kapellen im 14. und 15. Jahrhundert. Sie trugen nicht nur der wachsenden Zahl der Gläubigen Rechnung, sondern gaben vor allem der individuellen Frömmigkeit und Anbetung Raum.

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4 Gnadenkapelle Hier bekommt die neue Chororgel ihren Platz. Sie wird derzeit von Orgelbau Seifert in Kevelaer gebaut. Eine Besonderheit: Von der Gnadenkapelle aus wird sich auch die große Domorgel dank modernster Technik spielen lassen. 5 St. Barbara In dieser Kapelle befindet sich der einzige nahezu komplett erhaltene Altar der alten Domausstattung. Das Altarbild zeigt den Stifter zu Füßen und Dompatrone. 6 St. Vincenz- und Anastasiuskapelle Diese Kapelle wird künftig die Krippe aufnehmen. Deshalb wird hier das große Bild „Anbetung der Könige“ positioniert.

Pietà (2. Hälfte 15. Jh.)

St. Barbara-Altar (vor 1702)

7 St. Elisabeth Die Alabasterfiguren des Propheten Jesaja und des Apostels Philippus werden an diesem Ort aufgestellt. Sie hatten früher in der Taufkapelle ihren Platz. An die Taufe erinnern auch die barocken Gefäße für das Salböl. 8 Immaculata Die Altarfiguren mit Maria im Zentrum erinnern an die Hauptpatronin des Domes und an den Namenstag der Bischofskirche.


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Glanzstücke des Domschatzes und des Domes wie das Ringelheimer Kruzifix und das Taufbecken werden in New York ausgestellt. Weihbischof em. Hans-Georg Koitz reiste zur Eröffnung – und gab den Tagesthemen ein Interview.

amerika feiert den domschatz Ehre, wem Ehre gebührt: Der Hildesheimer Domschatz ist einer der weltweit bedeutendsten und besterhaltenen mittelalterlichen Schatzsammlungen. In einer in den USA noch nie dagewesenen Ausstellung können jetzt New Yorker und Touristen 50 ausgewählte Objekte bestaunen.

Gänsehaut. Was sonst kann man fühlen? Zugegeben, auch ein bisschen Stolz. Der ist aber völlig berechtigt und gar nicht anmaßend in diesem Fall. Und vor allem herrscht ganz viel Freude. So weit gereist und so umfangreich verliehen war der Domschatz noch nie. Bis zum 5. Januar 2014 ist er im Metropolitan Museum of Art (MET) in New York, einem der meistbesuchten und größten Museen der Welt, zu bestaunen. „Medieval Treasures from Hildesheim“ (Mittelalterliche Schätze aus Hildesheim) heißt die Schau. Thomas P. Campell, Direktor des MET, betont die Einmaligkeit der Ausstellung: Erstmals erlebe Amerika eine Ausstellung dieser Art. „Das Metropolitan Museum besitzt eine lange Tradition bedeutender Ausstellungen aus Leihgaben mittelalterlicher Kunstschätze”, sagt er und nennt als Beispiele frühere Präsentationen mit Schätzen aus dem Markusdom in Venedig, der Abtei von Saint-Denis oder dem Vatikan. „Die Leihgaben aus Hildesheim stechen jedoch selbst in diesem glanzvollen Kontext hervor.“ Im Mittelpunkt der Schau stehen die Werke, die der heilige Bischof Bernward während seiner Amtszeit in Auftrag gab, sammelte oder auch mit eigenen Ideen gemeinsam mit den Künstlern schuf. Und so gingen einige der wertvollsten und schönsten Ob-

jekte des Domschatzes auf die Reise nach New York. Zum Beispiel das Bernward-Kreuz oder das Kleine Bernward-Evangeliar. Auch andere Glanzstücke werden gezeigt: das Ringelheimer Kruzifix, die Goldene Madonna, das Oswald-Reliquiar, die drei Scheibenkreuze, tragbare Reisealtäre, wertvolle Emailarbeiten, Reliquiare und vieles mehr. Ein besonders schweres Prachtstück stammt direkt aus dem Dom: das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert, das während der Domsanierung ja nicht benötigt wird. Es ist berühmt für seine reiche figürliche Ausstattung. Bei so einem großen Ereignis durfte eine Delegation aus Hildesheim bei der Eröffnung natürlich nicht fehlen. Domdechant Weihbischof em. Hans-Georg Koitz flog ebenso nach New York wie der Direktor des Dommuseums Hildesheim, Professor Dr. Michael Brandt, dessen Mitarbeiter und Kurator der Ausstellung, Dr. Gerhard Lutz, sowie Dr. Claudia Höhl und Restaurator Uwe Schuchardt. Ganz überwältigt von New York und der Ausstellung war Weihbischof Koitz. „Dass unsere Schätze von den Hildesheimern anerkannt werden, wusste ich ja“, sagt er. „Aber dass ihnen die Welt – die UNESCO, das Museum, die Medien, die Besucher – eine so hohe Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringt, war für mich

doch neu und überraschend.“ Und es war einfach schön zu sehen, wie der Schatz etwa in der New York Times oder in den deutschen Tagesthemen gewürdigt wurde. Professor Brandt werden besonders zwei Momente unvergesslich bleiben: Der erste Blick auf die wunderbare Präsentation im Museum – und die Lektüre der ebenso lobenden wie einfühlsamen Ausstellungsrezension in der New York Times. Holland Cotter hatte unter anderem geschrieben, dass die Ausstellung emotional sehr lebendig sei. „Um dies zu spüren, müssen Sie nichts über Dogmen oder Geschichte wissen oder weit in die Vergangenheit zurückreisen aus einer säkularen Gegenwart. Sie müssen nur bereit sein, innezuhalten, aufmerksam zu sein, etwas Zeit zu investieren und so zu handeln, als ob Objekte aus der Vergangenheit Ihnen etwas Wahres über Ihr Leben in der Gegenwart erzählen könnten – wie Sie es leben können, was Sie fühlen können. Sie können es“, so Cotter. Gemeinsam mit dem Dom zählt der Domschatz zum Weltkulturerbe. Das Besondere am Hildesheimer Domschatz: Viele der Objekte sind bis heute bei besonderen Anlässen in liturgischem Gebrauch.


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Das Magazin zur Domsanierung (3/2013, Nr. 12)  

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