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Nr. 03 — 2 015

DAS MAGA ZIN DER B E R LI N E R PH I LH AR M ON I K E R

MYTHOS MAESTRO

Zusammen singen macht Spaß. Es fördert Teamgeist, gegenseitigen Respekt und stärkt das Selbstvertrauen. Kindern eine starke Stimme zu geben, ist das Ziel des EducationProjekts Vokalhelden der Berliner Philharmoniker. In verschiedenen Bezirken der Stadt wie Moabit und Hellersdorf werden Kinder zum Singen eingeladen und erleben die Freude am gemeinsamen Musizieren. Höhepunkt des Projekts sind die Auftritte des jungen Chors mit dem weltberühmten Orchester. Die Vokalhelden gehören zu den zahlreichen Initiativen im Rahmen des Programms Born to Be, mit dem die Deutsche Bank und ihre Stiftungen die Zukunftsperspektiven junger Menschen verbessern.

€ 7,00 (D) € 7,30 (A) € 7,50 (LUX) CHF 12,50 (CH)

Nr. 03 — 2 015

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23.04.15 10:45

SIMON RATTLE UND BEETHOVEN

NATUR, POESIE UND FREIHEIT

MUSIK ZUM ANFASSEN

Der neue Symphonien-Zyklus

Der Sonderweg der französischen Musik

Die Renaissance der Schallplatte


VORSPIEL — EDITORIAL

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»128« heißt dieses Magazin der Berliner Philharmoniker, abgeleitet von der Anzahl der Mitglieder des Orchesters (wenn es voll besetzt ist). Mit diesem Namen und dem Seitenumfang des Hefts wollen wir betonen, woraus die Besonderheit dieses Kollektivs erwächst: aus den ganz individuellen Qualitäten jedes einzelnen Musikers, jeder einzelnen Musikerin, die schließlich im Spiel einen einzigartigen Ensemblegeist prägen.


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Liebe Musikfreunde, im vergangenen Juni haben die Berliner Philharmoniker Kirill Petrenko zu ihrem designierten neuen Chefdirigenten gewählt. Wir freuen uns sehr und gratulieren Kirill Petrenko ganz herzlich! Natürlich haben wir diese Wahl zum Anlass genommen, den Schwerpunkt Ihres neuen »128« dem Thema Dirigenten zu widmen. Unter dem Titel »Mythos Maestro« beleuchten wir die – übrigens erstaunlich junge – Kulturgeschichte des Dirigierens, fragen nach, wie man überhaupt Dirigent wird, haben mit einem ganz beson­ deren »Dirigenten der Nacht« gesprochen, und selbstverständlich stellen wir Ihnen Kirill Petrenko sowie alle bisherigen Chefdirigen­ ten unseres Orchesters im Porträt vor. Im Ressort Berliner Philharmoniker steht dann die Vorfreude auf die kommende Spielzeit mit Simon Rattle im Zentrum. Zwei künstlerische Schwerpunkte hat Sir Simon für 2015/2016 gewählt, die wir hier mit ausführlichen Essays vertiefen wollen: den Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien sowie die französische Musik von Rameau bis Boulez. Und schließlich gehen wir einem interessanten aktuellen Phä­ nomen nach: Mitten in unserem digitalen Zeitalter bringen viele Labels, darunter auch die Berliner Philharmoniker Recordings, wieder Schallplatten heraus. Das schöne, alte Vinyl erlebt derzeit eine veri­table Renaissance. Warum das technisch überhaupt mög­ lich ist, erfahren Sie in unserem Feuilleton. Ich wünsche Ihnen eine so interessante wie aufschlussreiche Lektüre Ihres neuen »128«!

Herzlich, Ihr Martin Hoffmann

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V O R S P I E L — I N H A LT

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INH A LT 16

Thema: Mythos Maestro Ein Schwerpunkt

Matthias Pintscher Der Komponist und Dirigent im Gespräch

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Alle Neune Zum Beethoven-Zyklus der Berliner Philharmoniker

Vinyl Die Schallplatte erlebt eine Renaissance

Fotos: Collage mit Fotos von Chris Christodoulu (oben links); akg-images / arkivi UG (unten links); Andrea Medici (oben rechts); Phil Clarke-Hill / agefotostock / Avenue Images (unten rechts)

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TH E MA: MYTHOS MAE STRO

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Wahrheitssucher gefunden Kirill Petrenko im Porträt Vo n S u s a n n e S t ä h r

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Am Pult der Zeit Die Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker Vo n S u s a n n e S t ä h r

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Mythos Maestro Kulturgeschichte des Dirigierens Vo n Vo l k e r H a g e d o r n

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Schneiden, stechen, bohren Der Taktstock als Werkzeug Vo n E c k h a r d R o e l c k e

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Die erste Viertelstunde Wie wird man Dirigent? Vo n F l o r i a n Z i n n e c k e r

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Im peripheren Hörraum Was Wissenschaft und Medizin über Dirigenten wissen Vo n A n n e t t e K u h n

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Der Dirigent der Nacht Techno-DJ Westbam im Gespräch Vo n S e b a s t i a n F a s t h u b e r

B E R LI N E R PH I LHAR MON I KE R

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Unfehlbare Technik, lebendiges Gefühl Beethovens Symphonien und die Geschichte ihrer Interpretation Vo n P e t e r H a g m a n n

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Natur, Poesie, Freiheit Der besondere Weg der französischen Musik Vo n K a r l B ö h m e r

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Lippenbekenntnis Zum Jahr des Horns 2015 Vo n K l a u s W a l l e n d o r f

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Nichts für Salonlöwen Der Philharmonische Salon von Götz Teutsch Vo n Vo l k e r Ta r n o w

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Sehnsucht nach dem Erzählen Der Komponist und Dirigent Matthias Pintscher im Gespräch

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FE U I LLETON

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Musik zum Anfassen Die Schallplatte erlebt eine Renaissance Vo n T h a d d e u s H e r r m a n n

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Hilfe per SMS Unterstützung für UNICEF aus der Berliner Waldbühne

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Inselreich der Superlative Indonesien – ein Land, viele Musikkulturen Vo n H i l t r u d C o r d e s

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Sonnenuntergangslichter Die Philharmonie-Leuchte gilt als Designklassiker Vo n G e r h a r d F o r c k

116

Fragen zur Musikliebhaberei Diesmal an den Schauspieler Ulrich Matthes

Vo n J ü r g e n O t t e n

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Mein Instrument als Lebenspartner Diesmal mit Stefan de Leval Jezierski und seinem Horn

VOR S PI E L

03 Vorwort 06 Text & Bild 08 Nachrichten 12 Zahlenspiel NACH S PI E L

118 Bücher und CDs 124 Konzertkalender 127 Cartoon 128 Impressum


VORSPIEL — TE XT & BILD

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TEXT & BILD

S U S A N N E S TÄ H R

ECKHARD ROELCKE

PETE R HAG MAN N

Susanne Stähr, geboren 1964 in Bad Homburg, begann ihre Berufslaufbahn beim Deutschen Historischen Museum und bei den Berliner Festspielen. Als Pressesprecherin und Dramaturgin war sie an der Hamburgischen Staatsoper und bei der Münchener Biennale für neues Musiktheater tätig, ehe sie 2001 die Leitung der Kommunikation bei den Salzburger Festspielen übernahm. Seit 2007 ist sie als Dramaturgin dem Schweizer Lucerne Festival verbunden, arbeitet aber auch regelmäßig für die Berliner Philharmoniker: mit Einführungsvorträgen und als Autorin (u. a. für die Bände »Variationen mit Orchester« und »50 Jahre Konzerte in der Philharmonie«). Als Mitglied im Vorstand der Freunde der Berliner Philharmoniker verantwortet sie die Gestaltung der Matineen. Auf SWR2 moderiert sie die Sendung »Treffpunkt Klassik – Neue CDs«.

Eckhard Roelcke, geboren 1960 in Heidelberg, ist Musikwissenschaftler und Absolvent der Hamburger Journalistenschule. Als Musikkritiker hat er u.a. für die »ZEIT«, den »KulturSPIEGEL« und die Berliner Seiten der »FAZ« geschrieben. Er arbeitet für verschiedene ARD-Hörfunksender, schreibt Features und moderiert die Sendung »Fazit – Kultur vom Tage« auf Deutschlandradio Kultur. Zwei Buchveröffentlichungen: »Der Taktstock – Dirigenten erzählen von ihrem Instrument« (Zsolnay, 2000) sowie »Träumen Sie in Farbe? – György Ligeti im Gespräch mit Eckhard Roelcke« (Zsolnay 2003). Eckhard Roelcke lebt in Berlin.

Peter Hagmann studierte in seiner Heimatstadt Basel Musikwissenschaft und promovierte 1982. Bereits 1978 legte er seine Diplomprüfung als Organist ab. 1982 bis 1988 war er Leiter der Musiksammlung an der Universitätsbibliothek Basel. Musikkritiker ist er seit 1972, seit 1989 als Erster Musikkritiker und Feuilleton-Redakteur bei der »Neuen Zürcher Zeitung«, wo er vor kurzem in den Ruhestand ging. Er ist Dozent an den Universitäten Bern und Zürich sowie an der Hochschule Zürich-Winterthur, zudem JuryMitglied beim Schubert-Wettbewerb in Graz und beim Credit Suisse Young Artist Award. Neben weiteren Auszeichnungen erhielt er 1990 den Kritikerpreis des steirischen herbstes Graz sowie 2001 den Kritikpreis der Landeshauptstadt Salzburg. Seit 2004 ist er Jurymitglied beim Preis der deutschen Schallplattenkritik.

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Fotos: Max Hopp (E. Roelcke); NZZ (P. Hagmann); Lucy Webb (K. Böhmer)

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K ARL BÖHMER

THADDEUS HERRMANN

ANNET TE HAUSCHILD

Karl Böhmer studierte Musikwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und promovierte mit einer Dissertation über Mozarts »Idomeneo«. Seit 1992 ist er Mitarbeiter der Landesstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz, seit 2009 deren Geschäftsführer. Für die Stiftung hat er Texte über mehr als 4000 Kammermusikwerke geschrieben, die als Online-Kammermusikführer zugänglich gemacht wurden (www.kammermusikfuehrer.de). An der Musikhochschule Mainz lehrt er Stilkunde des 18. Jahrhunderts. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des 18. Jahrhunderts: Bach, Händel, Alessandro Scarlatti und Mozart sowie Opera seria und Oratorium. Er hat zwei Bücher publiziert (»Mozart in Mainz«, »Händel in Rom«) sowie etliche Aufsätze in Kongressberichten und FachzeitS.72 schriften. " 

Thaddeus Herrmann arbeitet seit Beginn der Neunzigerjahre als Journalist. Sein Handwerk lernte er zunächst beim Sender Freies Berlin (SFB) als Reporter, Moderator und Redakteur. Später betreute er für das Magazin »DE:BUG« als Chef vom Dienst die Bereiche Musik, Technik, Gadgets und Kultur. Seit 2014 betreibt er das Online-Magazin www.dasfilter.com. Außerdem schreibt er für die Technik-Webseite Engadget und ist Moderator bei Radio Fritz vom rbb.

Annette Hauschild, geboren in Gießen, wurde im umtriebigen Nachwende-Berlin zur Fotografin. Mit 20 Jahren zog sie nach BerlinMitte, studierte im Lette-Verein und besuchte Arno Fischers Meisterklasse am Schiffbauerdamm. Seit 1996 ist sie Mitglied der Agentur Ostkreuz und kuratierte gemeinsam mit Ute Mahler die Ausstellungen »Ostzeit« und »Über Grenzen«. Ihre Arbeiten sind regelmäßig in Ausstellungen und internationalen Magazinen zu sehen. Für »128« fotografiert Annette Hauschild regelmäßig die Rubrik »Mein Instrument als Lebenspartner« und in dieser Ausgabe die Reportage »Sonnenuntergangslichter« zu Günter Ssymmanks Philharmonie-Leuchte.

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"  S.92 und S.110


VORSPIEL — NACHRICHTEN

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PHILH A R MONISCHE NACHR ICHTEN

F R A N Ç O I S -X A V I E R ROTH DEBÜTIERT BEI DEN BERLINER PHILHARMONIKERN Dass er Dirigent wurde, verdankt François-Xavier Roth seinem Vater, der damals Titularorganist an der Pariser Kirche Sacré-Cœur de Montmartre war: »Ich habe ihn sehr oft dort spielen gehört. Alles von alter Musik, Buxtehude und Pachelbel, Claudio Monteverdi bis zu Olivier Messiaen und unseren Zeitgenossen. Er hat mir alles gegeben. Auch Literatur, nicht nur Musik. Das war mein wichtigster Einfluss.« Als Neunjähriger begann Roth ein Querflötenstudium, noch als Jugendlicher wurde er Mitglied des Orchestre Symphonique de Paris: »Das war […] eine Traumstelle für einen jungen Flötisten. Ich habe dort das ganze symphonische Repertoire

kennengelernt, eine besondere Zeit für mich.« Der vielfarbige Orchesterklang sollte den Musiker nicht mehr loslassen, weshalb er schon während seiner Instrumentalistenzeit ans Dirigieren dachte: »In Frankreich ist die Situation speziell. Wenn Pianisten oder Organisten oder Komponisten zu dirigieren beginnen, dann ist das normal, nicht aber Orchestermusiker.« Die Gelegenheit ergab sich, als der Dirigent seines Orchesters die Klangbalance vom Saal aus überprüfen wollte, und fragte, wer für ihn dirigieren könne: »Da wusste ich: Das ist meins.« Anschließend begann Roth ein Dirigierstudium bei János Fürst und Jorma Panula. Seinen Durchbruch hatte er, als er im Jahr 2000 den Donatella-Flick-Wettbewerb in London gewann. Anschließend wurde er Assistant Conductor beim London Symphony Orchestra und arbeitete

dort u. a. mit Pierre Boulez und Sir Colin Davis zusammen. Von Sir John Eliot Gardiner ausdrücklich ermutigt, gründete Roth 2003 das innovative Orchester Les Siècles, das sowohl auf modernen wie auf historischen Instrumenten, je nach Werk und oftmals während des gleichen Konzertes, kontrastreiche Programme aufführt – kein Wunder, dass das Repertoire des französischen Dirigenten von der Musik des 17. Jahrhunderts bis in die Moderne reicht und alle Genres umfasst: Orchester­ werke, Opern und Kammermusik. Den Posten des Chef­dirigenten beim bis Herbst 2016 existierenden SWR Sinfonie­orchester Baden-Baden und Freiburg übernahm Roth mit seinem Debüt bei den Donaueschinger Musiktagen 2011; zum 1. September 2015 wird er Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln. HH


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PHILHARMONISCHES K L AV I E R Q UA R T E T T

Fotos: Marco Borggreve (links); Kristina Miljković (rechts)

ISIDOR A ŽEBELJAN – WAN D E R IN Z WISCHE N D E N K L A N G W E LT E N Isidora Žebeljan wollte bereits mit zwölf Jahren Komponistin werden. Damals studierte sie auf dem Klavier Sergej Prokofjews »Visions fugitives« ein: »Das war ein sehr besonderer Moment in meinem Leben, weil ich plötzlich die Musik ganz und gar fühlte und verstand – es war gleichzeitig ein körperliches Erlebnis. Ich kann also Prokofjew als meinen musikalischen Vater bezeichnen.« Ihre Inspirationen schöpft sie allerdings aus ganz unterschiedlichen Quellen, aus den Kompositionen von Debussy, Ravel, Strawinsky, Bartók, Reich, Ligeti und Xenakis ebenso wie aus mittelalterlichen Straßengesängen und der Volksmusik des Balkans, vor allem der ihres Heimatlands Serbien. »Die serbische Musik hat etwas wahnsinnig Fesselndes – all das Leiden, diese Trauer, Leidenschaft und Sehnsucht hat eigentlich etwas entsetzlich Pathetisches, aber genau aus diesem Grund ist sie auch liebenswert und lustig.« Ihren eigenen Stil beschreibt Žebeljan, die 1967 in Belgrad geboren wurde und an der dortigen Musikhochschule bei dem Messiaen-Schüler Vlastimir Trajković studierte, als den Versuch,

eine Musik zu schaffen, die wie die zeitgenössische traditionelle Musik eines imaginären Volks klingt. Ihre Musik knüpft an Volksmusik an, ohne folkloristisch zu sein, orientiert sich an der Klangästhetik der zeitgenössischen Musik, ohne dogmatisch zu wirken. Vielmehr destilliert sie aus den verschiedenen Einflüssen ihre ganz eigene Klangsprache. 2003 gelang ihr mit der Oper »Zora D.« in Amsterdam der künstlerische Durchbruch. Der Kontakt zu den Berliner Philharmonikern entstand über den Solo-Hornisten Stefan Dohr, der bei der Belgrader Aufführung ihres »Dance of Wooden Sticks« für Horn und Streichquartett mitwirkte und Isidora Žebeljan daraufhin beauftragte, ein Werk für das Philharmonische Oktett Berlin zu schreiben. Das Ergebnis: »Needle Soup«, ein witziges Stück, das mit seiner Aneinanderreihung von plötzlichen, unerwarteten Klangereignissen und -veränderungen wie eine Kurzgeschichte und ein Kurzfilm gebaut ist und wegen seiner rhythmischen Komplexität höchste Anforderungen an die Spieler stellt. Serviert wird die »Needle Soup« nun erstmals am 17. Oktober vom Philharmonischen Oktett Berlin im Kammermusiksaal. NR

Das Philharmonische Klavierquartett Berlin ist eines der wenigen festen Ensembles in dieser Besetzung. Gegründet wurde es 1985 von Rainer Sonne, langjähriger Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, und dem philharmonischen Geiger Rainer Mehne; vervollständigt wurde es durch den Cellisten Markus Nyikos sowie den Pianisten Pavel Gililov. Nach einem Generationswechsel setzt sich das Ensemble seit 2013 aus drei Mitgliedern des Orchesters, dem Konzertmeister Andreas Buschatz, dem Bratscher Matthew Hunter und dem Cellisten Knut Weber, zusammen. Es wird ergänzt durch den Pianisten Markus Groh, der 1995 als erster deutscher Pianist den Concours Reine Elisabeth in Brüssel gewann. Auch in der neuen Besetzung pflegt das Berliner Philharmonische Klavierquartett ein umfassendes Repertoire, das auch viele im gängigen Konzertbetrieb

zu Unrecht vernachlässigte Werke beinhaltet, was schon zu zahlreichen interessanten Wiederentdeckungen geführt hat. Denn die überaus reizvolle Besetzung, die dank des Zusammenwirkens von Tasteninstrument und Streicherklang bisweilen in »große« symphonische Dimensionen vorstoßen kann, hat seit der Wiener Klassik unzählige Komponisten in­ spiriert: neben Haydn, Mozart, Beet­ hoven, Weber, Schubert, Brahms und Dvořák, auch Strauss, Bridge, Suk, Martinů, Turina, Milhaud und Schnittke. HH


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THEMA: MY THOS MAESTRO — WISSENSCHAFT


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IM PERIPHEREN HÖRRAUM Was einen guten Dirigenten ausmacht, lässt sich kaum messen. Ein paar wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es aber doch. Vo n A n n e t te Ku h n

OR DE N T L ICH M IT DE N Armen fuchteln, den Kopf heftig schütteln, den Körper mal nach links, mal nach rechts wiegen – und schon erklingt schönste Musik. Dass es so einfach wohl nicht ist, ein Orchester zu leiten, lässt sich leicht erahnen. Dirigieren ist schließlich keine Gymnastik oder gar Zauberei. Aber was macht einen Dirigenten tatsächlich aus? Welche Leistungen vollbringt er während der Proben und bei einem Konzert? Wie gelingt es ihm, dass Musiker ihm folgen? Sicher gehört viel Begabung dazu, die sich nur schwer analysieren lässt. Doch die allein reicht nicht. Ein Dirigent sollte auch ein sehr guter Kommunikator und Motivator sein, er muss sich in Worten, aber auch mit seinem ganzen Körper gut vermitteln können. Und er muss schließlich auch sein Handwerk verstehen. So braucht er eine gute Schlagtechnik, ein besonderes Hörvermögen, ein sehr gutes Repertoirewissen und ein stark ausgeprägtes Gedächtnis. Einiges davon lässt sich erlernen, manches sogar messen. Doch gibt es über Dirigenten nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Das liegt zum  "

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THEMA: MY THOS MAESTRO — WISSENSCHAFT

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Intensives Hörtraining führt zu einer Veränderung der neuronalen Struktur im Gehirn.

einen daran, dass im Vergleich zu anderen Musikern die Gruppe der Dirigenten klein ist und es daher schwer ist, überhaupt aussagekräftige Studien zu erstellen. Zum anderen fällt es Dirigenten wohl noch schwerer als anderen Musikern, über ihre Arbeit oder gar über ihre Probleme zu sprechen, ist doch gerade ihr Beruf mit einem besonderen Nimbus umgeben. Zu Alexander Schmidt ist jedenfalls noch kein Dirigent gekommen. Der Neurologe, der seit einem Jahr Leiter des Kurt-Singer-Instituts für Musikphysiologie und Musikergesundheit in Berlin ist, betreibt an der Berliner Charité eine Musikersprechstunde. Doch weder hier noch an den Universitätskliniken, an denen er zuvor tätig war, habe sich bisher ein Dirigent vorgestellt. »Dabei sind Dirigenten ja genauso wie andere Musiker physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt«, sagt Schmidt. F I LT E R N U N D L O K A L I S I E R E N

Eine der wenigen Untersuchungen, die es überhaupt zu Dirigenten gibt, bezieht sich auf ihr Hörvermögen. Vor einigen Jahren hat der Neurologe Thomas Münte, damals an der Universität Magdeburg, das räumliche Hörvermögen von Dirigenten mit dem anderer Profimusiker und mit dem von Nicht-Musikern verglichen. Dabei kam er zu dem Schluss, dass Dirigenten weit besser Geräusche filtern und lokalisieren können. Das heißt, sie können in einem Orchester zum Beispiel heraushören, ob das zweite Horn einen falschen Ton spielt oder das Cello in der dritten Reihe patzt. Für die Untersuchung platzierten die Forscher mehrere Lautsprecher im Raum, aus denen in unregelmäßiger Folge Geräusche kamen. Davor setzten sie die Probanden und maßen deren Hirnaktivität. Dabei zeigte sich, dass alle Versuchsteilnehmer, gleich ob Musiker oder nicht, ähnlich gut filtern konnten, wenn die Geräusche aus den Boxen unmittelbar vor ihnen kamen. Bei der Fokussierung auf Lautsprecher, die seitlich

standen, lagen aber nur die Dirigenten richtig bei der Benennung der Quelle. Die beiden anderen Gruppen wiesen eine deutlich höhere Fehlerquote auf. Für Münte heißt das: »Nur die Dirigentengruppe ist in der Lage, ihre Aufmerksamkeit im peripheren Hörraum zu bündeln.« Und er schlussfolgert auch, dass das intensive Hörtraining, das Dirigenten in ihrem Beruf praktizieren, zu einer Veränderung der neuronalen Struktur im Gehirn führt. PR Ä ZISE , ABER NICHT ABSOLUT HÖREN

Kaum möglich ist es hingegen, durch Training ein absolutes Gehör zu erlangen. Entweder man hat es, oder man hat es eben nicht. Allenfalls eine Annäherung ist hier möglich. Nur etwa fünf Prozent der Musiker haben ein absolutes Gehör, gleich ob Dirigent oder Instrumentalist. Offenbar bemisst sich die Qualität eines Dirigenten nicht daran, ob er einen Ton ohne Vorgabe eines Referenztons präzise identifizieren kann. Ein absolutes Gehör, so haben Forschungen gezeigt, hängt nicht in erster Linie mit Musikalität, sondern mit der Tonalität der Muttersprache zusammen. Nur so ist zu erklären, dass es in Asien viel mehr Menschen mit absolutem Gehör gibt, denn dort sind tonale Sprachen verbreitet, in denen sich über die Aussprache die Wortbedeutung erschließt. Um ihre These zu belegen, hat die Musikpsychologin Diana Deutsch für eine Studie an der Universität von San Diego das Hörvermögen chinesischer und amerikanischer Musikstudenten miteinander verglichen und festgestellt, dass die Hälfte der Chinesen, die aktiv Mandarin sprachen, ein absolutes Gehör aufwies. Hatten sich die chinesischen Immigranten allerdings von ihrer Muttersprache entfernt, so die Erkenntnis der Musikpsychologin, ließ auch die Fähigkeit, absolut zu hören, nach. Umgekehrt heißt das: Wer sein Gehör trainiert, wird zwar nicht absolut, aber doch zumindest präziser hören.


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Ein Dirigent sollte die Partitur im Kopf haben – und nicht den Kopf in der Partitur.

Aber auch das Hören allein macht noch keinen guten Dirigenten. Erforderlich ist zudem eine hohe Gedächtnisleistung. Dirigenten müssen die Werke gut kennen und in der Lage sein, eine Partitur im Kopf abzuspeichern. »Ein analytisches Herangehen an die Partitur und sehr gute musiktheoretische Kenntnisse erleichtern dabei das Memorieren«, erklärt der Neurologe Alexander Schmidt. So soll schon einst Hans Richter zu dem jungen Dirigenten Siegfried Wagner gesagt haben: »Das freut mich, dass du die Partitur im Kopf hast und nicht den Kopf in der Partitur.« Dabei merken sich die Dirigenten nicht das Notenbild, sondern die musikalische Struktur eines Stückes und die damit verbundene Klangvorstellung. »Aktiviert werden dabei nicht nur musikalische, sondern auch emotionale, visuelle und sensomotorische Gedächtnisinhalte«, erklärt Schmidt. N O N V E R B A L E K O M M U N I K AT I O N

Arturo Toscanini wurde zum Beispiel nachgesagt, dass er Text und Musik von hundert Opern und jede Note für jedes Instrument von etwa 250 symphonischen Werken im Kopf gehabt haben soll. Er dirigierte grundsätzlich ohne Partitur. Grund dafür war zwar wohl seine starke Kurzsichtigkeit, aber das schmälert nicht die große Gedächtnisleistung. Herbert von Karajan wiederum dirigierte in Konzerten häufig mit geschlossenen Augen. Die Noten kannte er auswendig. Für die Orchestermusiker war das allerdings zunächst irritierend. Sind die Augen doch gerade während eines Konzerts, in dem ja eine verbale Kommunikation nicht möglich ist, für viele Dirigenten ein wichtiger Weg, um sich mitzuteilen. Doch zu den Ausdrucksmöglichkeiten eines Dirigenten gehört nicht allein der Blickkontakt. Mit der Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester hat sich Wolfgang Hattinger intensiv auseinandergesetzt. Er ist selbst Dirigent, unterrichtet an der Kunstuniversität Graz und hat das umfangreiche Buch »Der Dirigent. Mythos, Macht, Merkwürdigkeiten« verfasst. Dar-

in beleuchtet er die vielfältigen Anforderungen an einen Orchesterleiter. »Schlagtechnik lässt sich relativ rasch lernen, die Kommunikation viel schwerer, manchmal nie«, sagt er. Dabei, so hat der Musikwissenschaftler Clemens Wöllner in einer Untersuchung herausgefunden, habe gerade sie eine große Bedeutung: Orchestermusiker würden nämlich stärker auf die Signale der Körpersprache achten als auf die Schlag­technik. Für die nonverbale Vermittlung spielen vor allem Mimik, Gestik und Körperhaltung eine wichtige Rolle. Es reicht ja nicht, dass der Dirigent die Klangvorstellung in seinem Kopf hat, er muss sie auch eindeutig vermitteln können. Unklare Botschaften können dazu führen, dass die Musiker sie unterschiedlich interpretieren. »Die wirklich großartigen Konzerte unterscheiden sich von den sehr guten ja nur durch vielleicht fünf bis zehn Prozent. Gut spielen können die Profiorchester mit vielen Dirigenten, aber die außergewöhnliche Qualität findet sich nur im Detail und ist eigentlich keine Frage mehr von Technik, eher von gemeinsamem Flow und feinfühligster Empathie«, sagt Hattinger. AUF TRIT T UND AUSS TR AHLUNG

Die Herausforderung für einen Dirigenten liegt darin, das Orchester für seine interpretatorische Auffassung zu gewinnen. Gerade das birgt aber auch Konfliktstoff. »In jedem professionellen Orchester spielen heute sehr gut ausgebildete Musikerinnen und Musiker, die durchaus ihre eigenen Meinungen zur Interpretation der Werke haben, aber dennoch einem Dirigenten in Gestaltungsfragen weitgehend untergeordnet sind«, so Hattinger. Ein Dirigent müsse es schaffen, den Musikern das Gefühl zu geben, dass sich ihr Einsatz lohnt. Doch dazu braucht es Ausstrahlung, Einfühlungsvermögen und Überzeugungskraft. »Nicht jeder ist geboren, vor ein Orchester zu treten«, sagt Alexander Schmidt. Und Fragen zum Auftreten, weiß Hattinger, werden im Studium kaum thematisiert. <

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Foto: Peter Adamik


BERLINER PHILHARMONIKER

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Unfehlbare Technik, lebendiges Gefühl

Nichts für Salonlöwen

B e e th ove n s Sy m p h o ni e n u n d d i e G e s c h i c h te i h r e r I nte r p r e t ati o n

D e r P h i l h a r m o ni s c h e S a l o n vo n G öt z Te u t s c h

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Natur, Poesie, Freiheit

Sehnsucht nach dem Erzählen

D e r b e s o n d e r e We g d e r f r a n zö s i s c h e n M u s i k

D e r Ko m p o ni s t u n d D i r i g e nt M at th i a s P i nt s c h e r i m G e s p r ä c h

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Lippenbekenntnis Zum Jahr des H o r n s 2015

Mein Instrument als Lebenspartner D i e s m a l m i t Ste f a n d e L eva l J e zi e r s k i u n d s e i n e m H o r n


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BERLINER PHILHARMONIKER — BEETHOVEN

UNFEHLBARE TECHNIK, LEBENDIGES GEFÜHL Die Symphonien Beethovens und die Geschichte ihrer Interpretation Vo n Pe te r H a g m a n n

A M A N FA N G WA R E I N S T R E I T , war der Zank um Mälzels

Metronom – man könnte auch sagen: ein Dilemma, ausgelöst durch ein Gerät. Ein Gerät, das Johann Nepomuk Mälzel nicht erfunden, aber sehr erfolgreich vermarktet hat. Berühmt war Mälzel für seine mechanischen Orchester, etwa das riesige Panharmonikon mit seinen 259 Instrumenten, das er 1805 baute, an den kaiserlichen Hof Napoleons verkaufte und Komponisten wie Joseph Haydn und Antonio Salieri schmackhaft machte. Auf einer seiner Reisen nach Amsterdam lernte er Diederich Nicolaus Winkel kennen, der einen mechanischen Zeitgeber gebaut hatte – was für Mälzel von Interesse war, weil er selber, allerdings auf anderer mechanischer Grundlage, einen solchen Zeitgeber entworfen hatte. Da er sich auf dem Markt der mechanischen Instrumente auskannte und wusste, dass absahnen konnte, wer der Erste war, machte er sich Winkels Zeitgeber zu eigen und ließ ihn 1815 patentieren. Mälzels Metronom, bis heute in Gebrauch und bekannt unter der aus den Notentexten bekannten Abkürzung »MM«, war geboren. Und mit ihm die Frage, welche Tempi für die Symphonien Beethovens die vom Komponisten intendierten seien. E I N P R O B L E M AT I S C H E S V E R M ÄC H T N I S

Und das kam so: Als Mälzels Metronom in Wien ins Gespräch kam, hatte Ludwig van Beethoven acht seiner neun Symphonien komponiert. Die Erste war 1799 bis Anfang 1800 entstanden, die Achte hatte er 1812 abgeschlossen; nur die Neunte war noch nicht geboren, sie sollte 1824

fertiggestellt sein. Mälzel war Beethoven durchaus ein Begriff, er sollte dem schwerhörigen Komponisten ein Hörgerät bauen. Im Geschäft waren die beiden aber auch wegen des Stücks »Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria«; Mälzel sollte einen Teil des Werks auf eine Walze für sein Panharmonikon übertragen. Aber auch jenseits dessen konnte der Komponist Notiz nehmen von der neuen Erfindung, wurde Mälzels Gerät doch heftig diskutiert. Beethoven wiederum war, wie sich Briefen von seiner Hand entnehmen lässt, unglücklich über die mangelnde Genauigkeit der in den Partituren verwendeten Tempobezeichnungen – da kam ihm die Einführung von Mälzels Metronom gerade recht. Jedenfalls ließ der Komponist in der »Allgemeinen musikalischen Zeitung« vom 17. Dezember 1817 eine Liste mit Metronomzahlen für die Symphonien Nr. 1 bis Nr. 8 publizieren; später folgten auf verschiedenen Wegen Angaben zu vielen anderen Werken, auch zur Neunten Symphonie. Ein auktoriales Vermächtnis, erstellt mit Hilfe einer scheinbar unfehlbaren technischen Vorrichtung. Dass sie aus dem Bereich der mechanischen Musikinstrumente stammte, sorgte indessen von Anfang an für lebhafteste Kritik. Lebendige, pulsierende Musik und der feste Schlag eines mechanischen Zeitgebers – wie sollte sich das vertragen? Und ein ganzer Satz in ein und demselben Zeitmaß, was sollte das mit Kunst zu tun haben? Wo sich doch das Wesen von Kunst gerade nicht durch das Mechanische, nicht durch das in regelmäßigem Ablauf Festgelegte manifestiert?  "


Abbildung: akg-images

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BERLINER PHILHARMONIKER — BEETHOVEN

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Zugleich wurde offenkundig, dass die Metronomangaben des Komponisten die Möglichkeiten der Interpreten überstiegen – in einer Zeit, welche die Musik Beethovens bisweilen als unspielbar empfand, kein Wunder. Bald wurde darüber spekuliert, dass das Gerät, das der Komponist zur Hand hatte, möglicherweise defekt war – eine Hypothese, welche die Debatte bis in unsere Zeit trug. Später kam gar die Idee auf, dass die Zählzeit, welche die Metronomzahlen auszudrücken suchten, nicht der einzelne Schlag gewesen sei, dass vielmehr zwei Schläge pro gezählte Einheit zu denken wären, der Hin- und Herbewegung des Pendels entsprechend. Willem Retze Talsma legte darüber 1980 ein Buch vor, und namhafte Interpreten unterstützten ihn, indem sie die Musik nun einfach im halben Tempo spielten. Das erleichterte die Sache schon merklich. D I E U N B E A N T WO R T E T E F R AG E

Für die Interpretationsgeschichte der Symphonien Beethovens ist die Frage der Tempi zu einem zentralen Aspekt geworden. Sie hat bis heute keine Beantwortung gefunden – und sie wird auch nie eine finden. Das hängt mit der

Beethovens Symphonien im halben Tempo? Das machte die Sache einfacher. spezifischen Natur des musikalischen Kunstwerks zusammen. Trotz der schriftlichen Fixierung steht ein Stück Musik nicht einfach ein für alle Mal in einer verbindlichen Ausformung fest. Es muss vielmehr immer und immer wieder aufgeführt werden, denn erst in ihrer klanglichen Verwirklichung findet Musik zu ihrer vollgültigen Existenz.

Wenn Musik aber erst durch diese Umsetzung in Klang lebt, bedarf sie des Interpreten; sie ist darum in prononcierter Weise einem Akt der Rezeption unterworfen – einem zweifachen zudem, weil sich vor die Rezeption durch das Publikum jene durch den Interpreten stellt. Keine Musik ohne Komponisten, das versteht sich. Aber auch keine Musik ohne Interpreten, weshalb sich dem musikalischen Kunstwerk als solchem die Geschichte seiner Interpretation als eine zweite Form seiner Existenz anlagert. Das gilt auch für die Symphonien Beethovens. Der Eintritt des Tonträgers in die Musikgeschichte hat das Bewusstsein dafür entschieden befördert. Seit die Möglichkeit besteht, Aufführungen musikalischer Werke zu speichern, gibt es eine explizite Interpretationsgeschichte, gibt es den hörbaren Weg, den die Kompositionen bis in die jeweilige Gegenwart einer neuen Aufführung durchschritten haben. Wie weit dieser Weg ist, mag erahnen, wer sich in die Aufnahme des Kopfsatzes von Beethovens Fünfter Symphonie vertieft, für die sich die Berliner Philharmoniker und ihr damaliger Chefdirigent Arthur Nikisch im Herbst 1913 in ein Studio der Deutschen Grammophon Gesellschaft in Berlin begaben. Jenseits der geringen technischen Qualität des aufgezeichneten Klangs macht das Tondokument bedeutende Aussagen: Es lässt erkennen, dass zum einen das anfängliche Tempo merklich hinter Beethovens Metronomangaben zurückbleibt, dass zum anderen aber auch von einem einheitlichen Zeitmaß, wie es heute gepflegt wird, keine Rede


Abbildungen (v. l. n. r.): IAM / akg-images; Archiv Berliner Philharmoniker; Wien Museum

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sein kann. Gewiss lässt sich im Hören ein Grundpuls denken; er bleibt jedoch implizit, weil die Tempi über den musikalischen Verlauf hinweg außerordentlich stark modifiziert werden. Schon die Fermate, auf welche die drei repetierten Achtel des Beginns hinführen, wird so lang genommen, dass der Zeitverlauf ins Stocken gerät. Nach der zweiten Fermate aber zieht das Tempo stark an, das musikalische Geschehen wird auf den verminderten Akkord hin ausgerichtet, bis es sich im Quintruf der beiden Hörner erfüllt – und diesen Hornruf nimmt der Dirigent wiederum betont langsam. Das Tempo also nicht als Grundlage der musikalischen Struktur, sondern als Ausdrucksmittel; nicht in einer erkennbaren Regelmäßigkeit durchgezogen, sondern der emotionalen Verlaufskurve der einzelnen Phrase angepasst. Für Ohren von heute wirkt das heterogen, um nicht zu sagen: manieristisch. Für die Interpreten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die sich nicht als Diener am Werk verstanden, die sich vielmehr als Mitgestalter, wenn nicht als Schöpfer zweiter Ordnung sahen, gehörten solche Darstellungsmittel zum Handwerk. Die lebendige Bewegtheit, als Ausdruck der künstlerischen Subjektivität und somit der kreativen Autonomie gewürdigt, geht auf den emphatischen Begriff von Interpretation zurück, wie ihn die Spätromantik ausgebildet hat. Ohrenfällige Beispiele dafür bieten die auf Papierrollen aufgezeichneten, mit Hilfe einer raffinierten elektropneumatischen Vorrichtung wiedergegebenen Interpretationen, wie sie die Welte-Mignon-Klaviere und die Welte-PhilharmonieOrgeln hören lassen. Es handelt sich dabei um Dokumente aus dem Jahrzehnt vor dem Aufkommen der kommerziellen Schallplattenaufnahme; auch wenn ihre Authentizität nicht bis ins Letzte nachgewiesen werden kann, vermitteln sie doch aufschlussreiche Einblicke in das Tun und Lassen etwa von Pianisten, die in direkter Verbindung zur Liszt-Schule standen. Ihr freizügiger Umgang mit dem Tempo, will sagen: der reichliche Einsatz von Tempomodifikationen war nur eines von vielen Darstellungsmitteln, die von dieser Ästhetik zeugen. Heute sind sie gründlich außer Übung gekommen. U N KÜ N STLE R I SCH, WE I L M ECHAN I SCH

Mälzels Metronom hatte in diesem Umfeld rein gar nichts verloren; es galt als unkünstlerisch, weil mechanisch. Paradoxerweise entwickelten sich nun aber gerade im Umfeld der Welte-Reproduktionsinstrumente Denkweisen der Interpretation, die für die Erscheinung der Symphonien Beethovens von entscheidender Bedeutung waren. Während die Konstrukteure der Firma Welte alles daran setzten, das Mechanische an ihren Instrumenten vergessen zu machen und die von ihnen vorgeführten Tondokumente als Ausdruck rein künstlerischen Wollens erscheinen zu lassen, zielte eine Gruppe von Musikern gerade auf das Gegenteil – gerade auf den mechanischen Aspekt. Paul Hindemith komponierte in den späten 1920er-Jahren Stücke, die er gar nicht erst auf Papier festhielt, sondern

gleich in die Papierrolle stanzte. Der Interpret sollte ausgeschaltet werden, der Komponist wollte seine Musik direkt zum Sprechen bringen – ohne einen die kompositorischen Absichten eigenmächtig auslegenden, ja möglicherweise verfälschenden Vermittler. Womit wir bei der Gegenbewegung angekommen wären, bei der Neuen Sachlichkeit, die eng verbunden war mit der musikalischen Avantgarde der

Interpreten lassen sich nicht mit eindeutigem Federstrich kategorisieren. Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Und womit Mälzels Metronom noch einmal mit aller Macht in die Interpretationsgeschichte der Symphonien Beethovens eingreift. Diese Geschichte der musikalischen Interpretation (das muss als eine weitere Klammerbemerkung hier eingefügt werden) ist im Falle der Symphonien Beethovens von einer derartigen Komplexität, dass sie heute noch gar nicht erfasst, geschweige denn stringent und schlüssig erzählt werden kann. Überblick und Ordnungen mögen sich schaffen lassen, doch entstehen sie auf der Basis der subjektiven Erfahrung dessen, der sie schafft: Interpretationsgeschichte als, um an den Musikwissenschaftler Jürg Stenzl und einen Buchtitel aus seiner Feder anzuschließen, eine Reihe von Geschichten. Nicht nur geschehen das Erfassen, Erkennen und Vermitteln der Faktenlage auf methodisch unsicherem Lesen Sie weiter in Grund, es lässt sich auch jede interpretationsgeschichtliche der aktuellen Hypothese durch das Beibringen gegenteiliger Beobachtungen und Behauptungen alsbald Ausgabe außer Kraft setzen. Nr. 03/2015 Zudem lassen sich die Interpreten nicht mit eindeutigem Federstrich kategorisieren; wenn von einem Dirigenten "

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BERLINER PHILHARMONIKER — HORN

LIPPENBEKENNTNIS Zum Jahr des Horns 2015 Vo n K l a u s Wa l l e n d o r f

Foto: Heribert Schindler

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»Der Klang des Horns ist weich, warm und rund wie ein Kuhfladen auf der Seiser Alm, aber auch heldisch und imposant wie eine Porschehupe im Abendstau.« Siegfried Ruf: »Hornstöße«

B E VO R E R S I C H die Berechtigung erblasen hat, diese hymnische Bewertung auch auf das eigene Spiel anzuwenden, sollte der Hornist sich darüber im Klaren sein, dass 99 Prozent seiner Zunftgenossen für die Dauer ihrer Beschäftigung mit dem geliebten Instrument auch mit dessen unvorhersehbaren Tücken zu kämpfen haben werden. Als Belege für die Stichhaltigkeit dieser These folgen einige Tagebucheinträge aus meiner über 50-jährigen Spielpraxis:

11. März 1961 – Düsseldorf Jürgen P. hat mir zugeredet, das stimmt. Aber wenn ich geahnt hätte, was für ein widerborstiges Instrument mir da in die Hände gefallen ist, hätte ich mein Interesse daran gar nicht erst bekundet! Die Töne, die ich ins Mundstück hineinblase, haben oft keine Ähnlichkeit mit denen, die den Schallbecher verlassen, und sobald sie an die Öffentlichkeit gelangen, klingen sie offenbar so, dass Frau B. aus dem 2. Stock bei uns klingelt und fragt, ob wir Hirsche in der Wohnung hätten. 24. Juni 1963 – Düsseldorf Bei der Schulfeier sollen Hendrik S. und ich aus Knellwolfs Hornduetten das »Heideröslein« vorspielen. Hendrik verwaltet die Oberstimme, weil ich noch nicht so hoch komme. Er allerdings auch nicht immer. An der Stelle »Röslein, Röslein, Röhöslein roooot« rutscht er unter so kläglichem Gurgeln vom Zielton ab, dass

die Lehrer hörbare Mühe haben, sich nicht vom gnadenlosen Gewieher unserer Mitschüler anstecken zu lassen. August 1965 – Musikalische Begeg­nungs­ stätte Schloss Glienicke bei Berlin Ich teile ein Zimmer mit Alfred G. aus Kiel, der genau wie ich im Juni Preisträger im Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« geworden ist. Das Leben hier im Sommerlager des Jeunesses-Musicales-Weltorchesters gefällt uns gut: tagsüber Horn spielen und abends in die Kneipe. Heute erhalte ich von zu Hause das Schulzeugnis, das mir die Mittlere Reife und damit den Übertritt in die Oberstufe bescheinigt. Unter dem Eindruck dieser Noten überlege ich, Berufsmusiker zu werden. »Immer noch besser als arbeiten«, meint auch Alfred. (Nachtrag 1976: Er ist aber dann Dachdecker geworden.) Abends wie gewohnt Umtrunk und Grüne Hefte. Noch klingen nicht alle meine Horntöne so, als würde ich mal von ihnen leben können. 25. Juni 1976 – Gesees bei Bayreuth Gleich nach dem Aufstehen spüre ich bereits, dass mit meinem Ansatz etwas nicht stimmt. Äußerlich sieht man nichts von einer Lippenschwellung. Eine kleine Blase kann ich im Spiegel immerhin erkennen, wenn ich die Unterlippe nach außen stülpe. Ich spiele ein paar Töne an, wie jeden Morgen, aber das Instrument gehorcht nicht. Um zehn habe ich »Siegfried«-Probe mit Pierre Boulez im Festspielhaus. Ich versuche  "

Wissenswertes rund ums Horn, zusammengestellt vom Autor aus Johann Christoph Adelungs »Grammatisch-kritischem Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart« von 1811. Das Horn: des -es, plur. die Hörner, Diminut. das Hörnchen, Oberd. Hörnlein. Die Zusammensetzungen Posthorn, Hiefhorn, Jägerhorn, Waldhorn, Flügelhorn, Krummhorn, Schallhorn u. s. f. sind noch jetzt bekannt, so wie ein solches Instrument im gemeinen Leben auch nur schlechthin das Horn genannt wird. In Pohlen bedienen sich die Jäger in vielen Gegenden noch eigentlicher Kühhörner. Der Waldhornist: des -en, plur. die -en, ein Zwitter mit einer ausländischen Endung, derjenige, welcher das Waldhorn bläset, und so fern er es geschickt zu blasen weiß. Das Blasehorn: des -es, plur. die -hörner. Ein Horn, darauf zu blasen, dergleichen an einigen Orten die Hirten und Nachtwächter führen, welches auch nur schlechthin das Horn genannt wird; Nieders. Tuuthorn.


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ein paar Motive zu blasen, es klingt eher nach Siechtum als nach Siegfried. Verbliebener Tonumfang: anderthalb Oktaven. Das wird fürs 1. Horn kaum reichen und bis zehn Uhr nicht besser werden. Ich versuche es mit einer Bierkompresse direkt auf die angeschwollenen Lippenmuskeln und verlege die allabendlichen Hefeweizen-Spülungen des Rachenraums auf den heutigen Morgen vor. Vielleicht beschert mir die Zufuhr von zwei Litern Maisel-Edeltrüb ja auch die mentale Dämpfung, die mir über die Reaktion der Zuhörerschaft hinweghilft. Meine kläglichen Bemühungen um dokumentengetreue Tonerzeugung gehen aber in der demütigenden Peinlichkeit allgemeinen Schweigens unter. Ich erstatte heute noch das Vorab-Honorar zurück und fahre nach Hause. Den Jahrhundert-Ring müssen sie ohne mich hinkriegen. 3. Juli 1976 – aus dem Feuilleton des »Würmtaler Merkur« »Wenn der Hornist einen Ton nicht ganz perfekt anbläst, drängt sich gern eine unerwünschte Nachbarnote zwischen Zunge und Mundstück und verursacht in diesem Niemandsland zwischen Absicht und Ergebnis eine kleine, schluckaufartige Entladung, eine tonale Fehlzündung, die Kiekser – auch Kickser oder Kixer – genannt wird. Seine flächendeckende Verbreitung bis in höchste Kreise hinein bewahrt Hornisten weltweit davor, sich auf ihre Kunst allzu viel einzubilden. Gleichwohl empfiehlt sich der Aufbau eines hohen Selbstwertgefühls, denn übertriebene Demut vor der Materie begünstigt wiederum das Aufkommen instrumentaler Fehlleistungen und kann sogar zum gefürchteten Espenlaub-Effekt führen. Kiekser bedürfen keiner Vorbereitung und gelingen von ganz allein. Was man sich hingegen erarbeiten muss, sind vom Komponisten vorgeschriebene stilistische Nebeneffekte wie Triller, Pralltriller, kurze und lange Vorschläge, Doppelschläge oder Mordente. Wenn man diese Verzierungen so meisterhaft ausführt, dass sie nicht wie Kiekser klingen, ist man auf dem Weg zum vollendeten Hornspiel einen großen Schritt weiter. Wenn alle günstigen Umstände zusammentreffen, ist Hornspiel ein reines Vergnügen, sogar für den Ausübenden.«

12. Juli 1999 – Hochsitz bei Gersbach nahe Weitramsdorf (Coburger Land) 6 Uhr 15, die Lichtung liegt im erstarkenden Glanz eines wolkenlosen Sommermorgens vor mir. Von meinem Hochsitz aus sehe ich, wie sich ein junges Reh anschickt, das schützende Waldesdunkel zu verlassen. Schon setzt es in großen Sprüngen durch das taufeuchte Gras. Das ist der Moment: Ich setze das Fürst-Pless-Horn an die Lippen und drücke ab. »Es wollt’ ein Jägerlein jagen – dreiviertel Stunde vor Tagen« schallt, nein, dröhnt es aus dem konisch gewundenen Messingbecher und streckt das wackere Tier zu Boden. Irgendwo muss man ja üben, denke ich und fahre fort: »Der Tag bricht an, die Jagd geht los, ja horrido, ja ho!« Angelockt von meinen waidgerechten Signalen, läuft mir bald ein Wild ums andere vors Mundrohr. Kaum ist das Echo meiner Tonfolgen aber verklungen, erhebt sich’s wieder und stiebt davon – nicht selten im Rhythmus des »Freischütz«-Jägerchors. 1. Mai 2015 – Hilton Hotel Athen Dass sich in meinem Schallbecher heute Morgen die Akropolis spiegelt, gibt meinem Einspielritual eine gewisse mythologische Größe. In vier Stunden werden wir das Europa­konzert mit dem Hornquartett aus Rossinis »Semiramis«-Ouvertüre eröffnen und mit rauschenden Es-Dur-Kaskaden aus Schumanns »Rheinischer« beenden. Der erhabene Blick auf den Bilderbuchtempel kontrastiert beträchtlich mit meiner Beklommenheit angesichts einer Serie von hohen Tönen, deren missglückte Ausführung mir den Tag ruinieren könnte. Dieses Gefühl kennt jeder Hornist, es sorgt für Bodenhaftung und begrenzt die Zahl der Konkurrenten. »Horn ist schwerer, als es wiegt«, sagte mein Lehrer Paul W. vor fünfzig Jahren, als ich nach ein paar fehlerfreien Tonleitern schon von den Berliner Philharmonikern fantasierte. Die Obertöne liegen halt zu eng beieinander. Daran wird sich auch im Jahr des Horns nichts ändern. < KONZ E RT TE RMIN Kammermusiksaal 27. September 2015 ab 11 Uhr »Gib Luft, ist doch keine Blockflöte« – Ein Tag rund ums Horn Hornisten und Mitglieder der Berliner Philharmoniker sowie Nachwuchshornisten

Das Jagdhorn: des -es, plur. die -hörner, ein jedes blasendes Instrument von Messing oder Horn, so fern dasselbe bey der Jagd gebraucht wird, und wohin das Parforce-Horn, das Waldhorn, das Flügelhorn, das Rüdenhorn, das Hiefhorn und der Jagdzink gehören. In engerer Bedeutung wird das Flügelhorn, als das kleinste unter den messingenen Jagdhörnern, mit diesem Nahmen belegt. Der Hörnerträger: des -s, plur. ut nom. sing. ein Ehemann, welcher Hörner träget, d. i. von seiner Gattinn in Ansehung der ehelichen Treue hintergangen wird. Schon Opitz gebraucht dieses Wort. Im Franz. Cornard. S. Horn II. 2.1) und Hahnrey. Hagedorn nennt den Bock scherzhaft den sichersten und dümmsten Hörnerträger. Als die Treue ward gebor’n, da kroch sie in ein Jägerhorn; der Jäger blies sie in den Wind, daher man keine Treu’ mehr find’t. – Simrock, 10472; Gerlach, 14; Dove, 439.


ON LI N EKON Z E RT D ES M ONA TS

Live in der Digital Concert Hall

SIMON R ATTLE DIR IGIERT BEETHOV ENS NEUNTE Wer an klassische Musik denkt, denkt an Ludwig van Beethoven. Interpretationen seiner Symphonien waren Höhepunkte der Amtszeiten sämtlicher Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Nach einem ersten Gesamtzyklus 2008 legt Sir Simon Rattle in der neuen Saison erneut seine Lesart vor. End- und Höhepunkt ist natürlich die Neunte Symphonie: ein visionäres Werk sowohl durch die Verschmelzung von Instrumental- und Vokalstimmen als auch durch seine Utopie einer brüderlichen Welt.

L I V E - Ü B E R T R AG U N G Fr, 16. Oktober 2015 20 Uhr Berliner Philharmoniker Dirigent Sir Simon Rattle Sopran Annette Dasch Mezzosopran Eva Vogel Tenor Christian Elsner Bass Dimitry Ivashchenko Rundfunkchor Berlin Einstudierung Simon Halsey Ludwig van Beethoven Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Foto: Monika Rittershaus

Die Digital Concert Hall ist der virtuelle Konzertsaal der Berliner Philharmoniker im Internet. Unter www.digital-concerthall.com werden die Berliner Konzerte des Orchesters live übertragen und nach wenigen Tagen in einem Video-Archiv als Aufzeichnungen angeboten. Unser Partner Deutsche Bank unterstützt die Digital Concert Hall seit ihrem Start 2008.

UNSER GUTSCHEIN FÜR SIE! Als Leser von 128 – Das Magazin der Berliner Philharmoniker laden wir Sie ein, die Digital Concert Hall zu testen. Mit dem folgenden Gutschein-Code erhalten Sie ein kostenloses 48-Stunden-Ticket:

B PH MAG 92H Gutschein gültig bis 31. Dez 2015

www.digital-concert-hall.com


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BERLINER PHILHARMONIKER — GÖTZ TEUTSCH


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NICHTS FÜR SALONLÖWEN Erfolgsgeschichte seit 15 Jahren: Der Philharmonische Salon von Götz Teutsch Vo n Vo l ke r Ta r n ow

der Zweifel, die Unzufriedenheit mit dem, was man vor zwei oder drei Jahrzehnten unter Programmplanung verstand. »Heute mag das ja anders sein«, sagt Götz Teutsch, »aber damals entstanden Konzerte mit Kammermusik nach dem Zufallsprinzip: Was kannst du, was kann ich – und dann tat man sich einfach zusammen.« Dem Zusammensein entsprach kein Zusammenhang; es blieb den Autoren der Programmhefte überlassen, musik­ historische Beziehungen zu konstruieren, die es faktisch gar nicht gab. Teutsch wollte das ändern, und er dachte lange über verschiedene Möglichkeiten nach. Da der Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker noch nie ohne Bücher leben konnte, schwebte ihm eine Art von Veranstaltung vor, die Musik und Literatur verband. Aber man riet ihm ab, mokierte sich sogar über seine angeblich unrealistischen Pläne. Bei einer Konzertreise der Philharmoniker im Oktober 1999 nach Moskau fiel die Entscheidung. Teutsch trug seine Lieblingsidee vor, ein paar mitreisende Kritiker trugen ihre Lieblingsbedenken vor und stellten schon den Totenschein aus – eine A M A N FA N G WA R

musik-literarische Veranstaltungsreihe der Philharmoniker habe gewiss keine Zukunft. Dermaßen alleingelassen, mutterseelenallein mitten auf dem Roten Platz, sagte sich der Cellist: Wollen doch mal sehen, wer recht hat! Moskau ist kein schlechter Platz für tollkühne Ideen. Tschaikowsky schrieb dort ein Klavierkonzert, dessen Akkorde bei seinem Mentor Nikolai Rubinstein wahre Tobsuchtsanfälle auslösten; Skrjabin entwarf Grundrisse eines

Teutsch kann nicht ohne Bücher leben. So verband er Musik und Literatur. aus Feuersäulen bestehenden Mysterientempels; Prokofjew Lesen Sie weiter in machte mit seinem blauen Ford die Straßen unsicher, was der aktuellen weder untätigen Bonzen noch werktätigen Fußgängern als wahrhaft sozialistische Verhaltensweise erschien.  Nr."03/2015 Ausgabe

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Foto: mauritius imagesâ&#x20AC;&#x2030;/â&#x20AC;&#x2030;Photononstop

Gamelan-Ensemble, Indonesien


FEUILLETON

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Musik zum Anfassen D i e S c h a l l p l at te e r l e b t e i n e Renaissance

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Hilfe per SMS U nte r s tü t zu n g f ü r U N I C E F a u s d e r B e r li n e r Wa l d b ü h n e

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Inselreich der Superlative Indonesien – e i n L a n d , v i e l e M u s i k k u l tu r e n

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Sonnenuntergangslichter D i e P h i l h a r m o ni e - L e u c h te g i l t a l s D e s i g n k l a s s i ke r

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Fragen zur Musikliebhaberei Diesmal an den Schauspieler U l r i c h M at th e s


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FEUILLETON — INDONESIEN

K I S MU M U Z N E S S A F AN

in es sie s s a .D t, sance s i a h gib n c e o n R pt ine ben erhau ebt e Glau l b r n ü e e r d e tt ie lte allpla Zeita , die n h n n c e e S l t s a e Di sia en. igit nthu n hab rem d E e e r n s o e l n u ver inig hnik wir e c n e e T k n ann e alte verda errm H an di s eu Vo n

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I N D E R G R O S S E N Lagerhalle geht es

Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe Nr. 03/2015

zu wie in einem Bienenstock. An zahlreichen Arbeitsplätzen ist das Personal damit beschäftigt, Schallplatten zu konfektionieren. Das Vinyl wird auf Spindeln direkt von den Pressautomaten hierher transportiert. Sorgfältig aufgereiht liegt nun alles bereit: die Platten, Außen- und Innencover, Gutscheine für den digitalen Gratis-Download der Musik, Booklets oder was auch immer dem Endkunden noch mit auf den Weg gegeben werden soll. Wichtigstes Arbeitsutensil: Handschuhe. Jede Platte wird einzeln von der Spindel gehoben, mit geschultem Blick auf etwaige Beschädigungen geprüft und sprichwörtlich eingetütet. Wenn das fertige Produkt schließlich noch die Zellophanier-Maschine durchlaufen hat, werfen sich die Mitarbeiterinnen im Presswerk mit ordentlichem Schwung auf die Transportkartons, in denen je zwei Dutzend Schallplatten verpackt sind, um das letzte bisschen Luft herauszudrücken. Ein Schnaufen ist zu hören. Am Ende des Rollbandes wartet die Palette, auf der die Platten in alle Welt verschickt werden. Vorne werden schon die nächsten Spindeln zu den Arbeitsplätzen gerollt. Es herrscht Hochbetrieb. Denn die Schallplatte, einst totgesagtes Medium, erlebt eine Renaissance. Das ist ein Trend, der sich schon seit einiger Zeit abzeichnet, mittlerweile jedoch auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wollte man noch vor wenigen Jahren eine Schallplatte kaufen, blieb einem – abgesehen von wenigen Spezialgeschäften, die ihr Angebot meist auf eine klar definierte Musikrichtung beschränkten – kaum etwas anderes übrig, als es für ältere Titel auf dem Flohmarkt oder für aktuelle Produktionen bei großen OnlineHändlern zu versuchen, für die die benötigte Lagerfläche keine große Rolle spielt. Mittlerweile räumen auch die innerstädtischen Läden der Schallplatte wieder Verkaufsflächen ein. Tendenz steigend. Ob neue oder alte Titel, Rock, Pop, Jazz oder Klassik: Die Frage, ob man ein Album denn als CD oder Vinyl wolle, wird wieder gestellt. Und sie wird immer öfter mit Letzterem beantwortet. Das »schwarze Gold« spielt wieder eine signifikante  "


FEUILLETON — UNICEF

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HILFE PER SMS Unterstützung für die UNICEF-Syrienhilfe aus der Berliner Waldbühne

phones und Handys im Konzert erlaubt, ja sogar erwünscht: Bei ihrem Saison­ abschlusskonzert Ende Juni in der Berliner Waldbühne baten die Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle und der Pianist Lang Lang ihr Publikum ausdrücklich darum, die Mobilgeräte zu zücken – und per SMS die Syrienhilfe der UNICEF mit fünf Euro zu unterstützen. Über 12.000 Euro wurden auf diese Weise gesammelt. Aber auch Simon Rattle, Lang Lang sowie das Orchester, das seit 2007 Internationaler UNICEFBotschafter ist, wollten helfen und haben gemeinsam 60.000 Euro gespendet. Der gesamte Betrag wird nun einem UNICEFFlüchtlingsprojekt im Südosten der Türkei zugutekommen. <

Foto: Sven Darmer

FÜR DIESES EINE MAL waren Smart­­-


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FEUILLETON — LEUCHTE


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SONNENUNTERGANGSLICHTER Günter Ssymmanks Philharmonie-Leuchte gilt als Designklassiker. Nun werden die Originale erneuert. Vo n G e r h a r d F o r c k F o to s vo n A n n e t te H a u s c h i l d

Eine ruhige Wohnstraße im vornehmen Teil von Charlottenburg in der Nähe des Kurfürstendamms: Der Raum einer großzügigen Altbauwohnung – einzuordnen irgendwo zwischen Bibliothek und Arbeitszimmer – ist wohlgeordnet vollgestellt mit Kisten und anderen Behältnissen, die wiederum allerlei Kleinteiliges aus Kunststoff und Metall enthalten, das sich dem unkundigen Betrachter nicht sofort erschließt. Bei näherem Hinsehen und einigen Erläuterungen von Christian Ssymmank wird klar: Hier werden Lampen aus rund 420 Einzelteilen montiert. Doch nicht irgendwelche Lampen. Es handelt sich um die PhilharmonieLeuchten, jene Lampen, die sein Vater Günter Ssymmank Ende der Fünfzigerjahre für Hans Scharouns Philharmonie entwarf. Günter Ssymmank war erst Schüler des

Architekten, dann Hochschulassistent und schließlich einer seiner Mitarbeiter. Später war er bis zu seiner Emeritierung 1984 Professor für Industrielles Gestalten. O R G A N I S C H E S P E N TA G O N

Von Scharoun beauftragt – und von dessen Philosophie einer organischen Architektur stark inspiriert –, entwickelte Ssymmank zunächst für das Foyer der Philharmonie und später für das Treppenhaus der Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße jene kugelförmigen Lampen, die dem Besucher der beiden Gebäude so wohlvertraut sind. Als gestalterische Grundform hat er dabei das Pentagon Lesen Sie weiter in aufgegriffen, jenes gleichseitige Fünfeck also, aus dem aktuellen heraus Scharoun die gesamte Konstruktion derder Philharmonie aufgebaut hat.  " 03/2015 Ausgabe Nr.


NACHSPIEL — BÜCHER UND CDS

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W IEDER ENTDECKT Eine Künstler-Biografie und eine klassische CD, neu empfohlen. Diesmal von Fergus McWilliam

Buch

The Rest is Noise Alex Ross 704 Seiten, Piper Verlag, München, 2009 Gebundene Ausgabe 29,95 Euro Taschenbuchausgabe 14,99 Euro

Es ist eine weitverbreitete Haltung unter Künstlern und Musikern, Kri­ tiker jeglicher Couleur in Misskredit zu bringen. Wir halten sie für un­ qualifiziert, wir beschuldigen sie des beruflichen Neids, wir verunglimpfen ihren angeblich übermächtigen öf­ fentlichen Einfluss, und oft fürchten wir sie. Wir geben vor, die schlech­ ten Kritiken zu ignorieren, sind aber nichtsdestotrotz hoch erfreut über die guten. Wir ärgern uns über sie, manchmal halten wir sie gar für Parasiten. So lange, bis ein erhellendes, aufschlussreiches Buch wie dieses daherkommt – geschrieben von ei­ nem Musikkritiker –, bei dem all die­ se Vorurteile außer Kraft gesetzt wer­ den. Solch ein Buch ist »The Rest is Noise – Das 20. Jahrhundert hören« von Alex Ross. Vor der schriftstel­ lerischen Qualität des Autors und der Fülle seines Wissens habe ich schlicht den größten Respekt. Dieser Kritiker weiß, wovon er spricht! »The Rest is Noise« schlägt einen weiten erzählerischen Bogen, in dem die historischen Ereignisse und die Musik des 20. Jahrhunderts mitein­ ander verknüpft werden. Es ist im Grunde eine unglaubliche (Kultur-)

Geschichte des letzten Jahrhunderts, erzählt durch die Musik. Der Autor ist ganz offensichtlich unvoreingenom­ men und neugierig, dabei gleichzei­ tig gebildet und sehr kenntnisreich. Man findet bei ihm nicht das kleinste bisschen akademischer Überheblich­ keit oder künstlerischer Parteinahme. Was mich zur Lektüre dieses Bu­ ches bewegte, war dieser Kommen­ tar im britischen »Guardian«: »Gele­ gentlich schreibt jemand ein Buch, auf das man sein ganzes Leben ge­ wartet hat. Alex Ross’ packende Mu­ sikgeschichte des 20. Jahrhunderts ist für mich solch ein Buch« (Alan Rusbridger). Rusbridger sollte recht behalten – ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!


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Fergus McWilliam Fergus McWilliam, in Schottland geboren, erhielt seine Ausbildung als Hornist in Kanada, Amsterdam und Stockholm. Vor seinem Engagement bei den Berliner Philharmonikern (1985) spielte er u. a. im Detroit Symphony Orchestra und im Symphonieorchester des BR. Er ist als Solist und Kammermusiker international aktiv, u. a. im Philharmonischen Bläserquintett Berlin. Zudem unterrichtet er an der philharmonischen OrchesterAkademie sowie an der Royal Academy of Music in London. Der waschechte Highlander hat auch manch einem seiner Kollegen schottischen Malt Whisky nahegebracht. Foto: Jim Rakete

CD

Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan Béla Bartók: Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta Paul Hindemith: Sinfonie „Mathis der Maler“ EMI Classics

Während meines letzten Schuljahrs am Gymnasium (1969) empfand ich eine gewisse Müdigkeit und Desillu­ sionierung, was mein Hornstudium und das Musikmachen im Allgemei­ nen betraf. Im Jahr zuvor hatte es in der westlichen Welt die großen De­ monstrationen gegen den VietnamKrieg und gegen das Establishment gegeben, und wie alle meine jungen Zeitgenossen war auch ich von Zorn, Zynismus und Resignation über die Sinnlosigkeit unserer Zukunft erfüllt. Diese allgemeine Unzufriedenheit fiel zusammen mit meinem ganz persön­ lichen Kampf mit meinem Instrument. Ich steckte in einer Sack­gasse. An meiner Schule gab es einen Deutschlehrer und einen Musiklehrer, die eine besessene Liebe zur Musik teilten. Ich wusste nicht, dass sich die beiden auch privat kannten, bis sie mich eines Tages zu einer ihrer »Listening Sessions« einluden. Sie trafen sich hin und wieder bei Piz­ za und Bier, um sich ihre neuesten Entdeckungen auf Langspielplatte anzuhören. Ihre hemmungslose Lei­ denschaft für die Musik, ohne jeden Zynismus, überraschte und inspi­ rierte mich in einer Weise, wie ich es seit meiner frühen Kindheit nicht

mehr erlebt hatte. Die Platte, um die es bei dieser Zusammenkunft ging, war die Aufnahme zweier Klassiker des 20. Jahrhunderts: Béla Bartóks Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta und Paul Hindemiths Sym­ phonie »Mathis der Maler«, gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan. Es war diese Aufnahme, die sie mir als Entdeckung des Monats präsentierten. Mein Ehrgeiz wurde wieder entfacht und mein Traum, ein professioneller Hornist zu werden, wieder zum Leben erweckt. Nach dem Treffen kaufte ich mir die Platte selbst, und ich habe sie bis heute.


N ACHS P I EL — KO N Z ER T K A L EN D ER

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KONZERTE

d e r S t i f tu n g B e r l i n e r P h i l h a r m o n i ke r

September – Oktober – November

FR 28 .08 19 U H R

Philharmonie Konzert zur Saisoneröffnung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle   Dirigent Britten Variations on a Theme of Frank Bridge Schostakowitsch Symphonie Nr. 4 c-Moll

FR 02 .10. 20 U H R

Kammermusiksaal Concerto Melante

Philharmonie Berliner Philharmoniker Zubin Mehta  Gil Shaham  Thierry Escaich 

 Dirigent  Violine  Orgel

Schmidt Zwischenspiel und »Karnevalsmusik« aus Notre Dame Korngold Violinkonzert D-Dur Saint-Saëns Symphonie Nr. 3 c-Moll »Orgelsymphonie«

SA 12 .09. 19 U H R SO 13.09. 20 U H R

Philharmonie Berliner Philharmoniker Matthias Pintscher  Renaud Capuçon 

DO 24 .09. 20 U H R FR 25.09. 20 U H R SA 26 .09. 19 U H R

 Dirigent  Violine

Fauré Pelléas et Mélisande, Suite Pintscher Mar’eh für Violine und Orchester Schönberg Kammersymphonie Nr. 2 es-Moll Debussy La Mer

SA 03.10. 19 U H R

Philharmonie Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle 

SO 27.09. 11 U H R

Philharmonie Familienkonzert – Immer unterwegs Blechbläserensemble der Berliner Philharmoniker Klaus Wallendorf   Erzähler

FR 18 .09. 20 U H R SA 19.09. 19 U H R SO 20.09. 20 U H R

Balogh Weltreise

Philharmonie

Kammermusiksaal

Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle   Dirigent Florian Boesch   Bassbariton Mitglieder des Rundfunkchors Berlin

Hornisten der Berliner Philharmoniker weitere Mitglieder der Berliner Philharmoniker Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker Nachwuchshornisten aus Berliner Musikschulen und -hochschulen

Herrmann Psycho: A Narrative for String Orchestra Schönberg Die glückliche Hand Nielsen Pan und Syrinx Symphonie Nr. 4 »Das Unauslöschliche«

Telemann Sinfonia melodica C-Dur TWV 50:2 Janitsch Sonata da camera Es-Dur Sonata da camera C-Dur Telemann Quartett g-Moll TWV 43:g2 Janitsch Sonata da camera Telemann Sonate c-Moll TWV 42:c4 Sinfonia e-Moll TWV 50:4

 Dirigent

Beethoven Symphonie Nr. 4 B-Dur Symphonie Nr. 7 A-Dur SO 04 .10. 11 U H R

Kammermusiksaal Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

SO 27.09. 11 U H R

»Gib Luft, ist doch keine Blockflöte!« – Ein Tag rund ums Horn

Mozart Serenade Es-Dur KV 375 Wolf Italienische Serenade für Streichquartett Brahms Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11 SO 04 .10. 20 U H R

Philharmonie – Karl-Schuke-Orgel Cameron Carpenter 

 Orgel

Werke von Bach MO 05.10. 20 U H R

Philharmonie D I 22 .09. 20 U H R

DO 01.10. 20 U H R

Kammermusiksaal

Kammermusiksaal

Prisma Kammermusik Berliner Philharmonisches Klavierquartett Debüt in neuer Besetzung Rainer Mehne   Violine

Jazz at Berlin Philharmonic Iiro Rantala  Ulf Wakenius  Lars Danielsson  Morten Lund  Viktoria Tolstoy 

Mozart Klavierquartett g-Moll KV 478 Martin Klavierquintett Schumann Klavierquartett Es-Dur

Junge Deutsche Philharmonie Jonathan Nott  Antoine Tamestit   Klavier  Gitarre  Kontrabass  Schlagzeug  Gesang

Lost Heroes – Tribute to John Lennon & Esbjörn Svensson Kuratiert von Siggi Loch

 Dirigent  Viola

Gubaidulina Violakonzert Bruckner Symphonie Nr. 9 d-Moll D I 06 .10. 20 U H R MO 12 .10. 20 U H R

Philharmonie Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle  Beethoven Symphonie Nr. 1 C-Dur Symphonie Nr. 3 Es-Dur »Eroica«

 Dirigent


N ACHS P I EL — KO N Z ER T K A L EN D ER

12 6

M I 07.10. 20 U H R D I 13.10. 20 U H R

SO 18 .10. 16 U H R SO 25.10. 16 U H R

Philharmonie

Kammermusiksaal

Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle 

Der philharmonische Salon Udo Samel   Sprecher Mitglieder der Berliner Philharmoniker Cordelia Höfer   Klavier Götz Teutsch   Programmgestaltung

 Dirigent

Beethoven Leonoren-Ouvertüre Nr. 1 C-Dur Symphonien Nr. 2 D-Dur und Nr. 5 c-Moll

Philharmonia Quartett

Philharmonisches Diner bei »Königin Louise« Das Berliner Philharmonische Orchester unter Arthur Nikisch und der Konzertagentin Louise Wolff

DO 08 .10. 20 U H R M I 14 .10. 20 U H R

Philharmonie Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle 

SA 31.10. 20 U H R

Kammermusiksaal

 Dirigent

Beethoven Symphonie Nr. 8 F-Dur Symphonie Nr. 6 F-Dur »Pastorale«

MO 19.10. 20 U H R

Krystian Zimerman 

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker Anna Prohaska   Sopran Laura Fernández, Daniel Orellana   Tanz

Philharmonie

Beethoven Symphonie Nr. 4 B-Dur Symphonie Nr. 7 A-Dur

Villa-Lobos Bachianas brasileiras Nr. 1 Fauré Sicilienne op. 80 Nr. 3 Berceuse op. 56 Nr. 1 Villa-Lobos Bachianas brasileiras Nr. 5 sowie Tangos und mehr von Piazzolla, Salgán u. a.

SA 10.10. 19 U H R FR 16 .10. 20 U H R

Kammermusiksaal

Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle 

 Dirigent

D I 20.10. 20 U H R

Philharmonie Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle  Gesangssolisten Rundfunkchor Berlin

 Dirigent

Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen Roger Willemsen   Moderation und Programmgestaltung Talago Buni Gamelan Ensemble Teil 1: Unterwegs im Land der 17.000 Inseln

SO 11.10. 14.30 U H R SO 11.10. 17 U H R

DO 22 .10. 20 U H R FR 23.10. 20 U H R SA 24 .10. 19 U H R

Familienkonzert – Zurzeit nicht erreichbar Gesangsstudierende der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin Mitglieder der Berliner Philharmoniker Simon Rössler   Leitung Menotti Das Telefon u. a. SO 11.10. 20 U H R

 Klavier

Schubert Klaviersonate A-Dur D 959 Klaviersonate B-Dur D 960 SO 22 .11. 11 U H R

Philharmonie – Karl-Schuke-Orgel 50 Jahre Orgel in der Berliner Philharmonie Gunnar Idenstam   Orgel N. N.   Schlagzeug Werke von Ravel, Praetorius, Bach und Lully M I 25.11. 20 U H R DO 26 .11. 20 U H R

Beethoven Symphonie Nr. 9 d-Moll

Kammermusiksaal

FR 06 .11. 20 U H R

Philharmonie Philharmonie

FR 09.10. 20 U H R DO 15.10. 20 U H R

Beethoven Streichquartett B-Dur op. 130 mit der »Großen Fuge« op. 133 Schostakowitsch Streichquartett Nr. 13 b-Moll op. 138 Beethoven Streichquartett B-Dur op. 130: für die Erstaufführung nachkomponiertes Finale

Deutsche Oper Berlin, Tischlerei Artist in Residence Peter Sellars   Inszenierung Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker Duncan Ward   Dirigent Julia Bullock   Sopran Michael Schumacher   Tanz Mitglieder des Rundfunkchors Berlin Saariaho La Passion de Simone

Philharmonie Berliner Philharmoniker Giovanni Antonini  Piotr Anderszewski 

 Dirigent  Klavier

Haydn Symphonie Nr. 101 D-Dur »Die Uhr« Mozart Klavierkonzert c-Moll KV 491 Haydn Symphonie Nr. 103 Es-Dur »Mit dem Paukenwirbel«

SO 29.11. 14.30 U H R SO 29.11. 17 U H R

Philharmonie Familienkonzert – Merry QUIZmas! Mitglieder der Berliner Philharmoniker Sarah Willis, Malte Arkona   Moderation Musikalisches Adventsquiz

Kammermusiksaal Francesco Piemontesi 

 Klavier

Haydn Variationen f-Moll Hob. XVII:6 Stockhausen Klavierstücke IX und V Beethoven Klaviersonate E-Dur op. 109 Mozart Fantasie d-Moll KV 397 Beethoven Klaviersonate As-Dur op. 110 SA 17.10. 20 U H R

Kammermusiksaal Philharmonisches Oktett Berlin Thieriot Oktett B-Dur op. 62 Žebeljan Needle Soup, Uraufführung Beethoven Septett Es-Dur

M I 28 .10. 20 U H R DO 29.10. 20 U H R FR 30.10. 20 U H R

SO 29.11. 20 U H R MO 30.11. 20 U H R D I 01.12 . 20 U H R

Philharmonie

Philharmonie

Berliner Philharmoniker Andris Nelsons  Baiba Skride 

 Dirigent  Violine

Schostakowitsch Violinkonzert Nr. 1 a-Moll Strauss Eine Alpensinfonie

Berliner Philharmoniker François-Xavier Roth  Anna Caterina Antonacci 

 Dirigent  Sopran

Varèse Ionisation für 13 Schlagzeuger Lully Suite aus Le Bourgeois gentilhomme Berlioz Les Nuits d’été Debussy Première Suite d’orchestre Ravel La Valse


12 8 — A U S G A B E N R . 0 3 . 2 015

K A MENSK YS GEIGENHUMOR

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NACHSPIEL — IMPRESSUM

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IMPR ESSUM

c hs te D ie nä e int ersch e b a g r! Aus embe z e D . am 2

128 – Das Magazin der Berliner Philharmoniker wird herausgegeben von der Berliner Philharmonie gGmbH für die Stiftung Berliner Philharmoniker Herbert-von-Karajan-Straße 1, D–10785 Berlin Telefon: +49 (0)30 254 88-0, Fax: + 49 (0)30 254 88 323 E-Mail: magazin128@berliner-philharmoniker.de Internet: www.berliner-philharmoniker.de

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ISSN 

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Ausgabe September 2015  
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