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Berliner Woche

Seite 14

Berlin engagiert

14. August 2019 Kalenderwoche 33

Behindert – ja und?

KUMMER-NUMMER

HANDICAP-LEXIKON: Jasper Dombrowski und Linus Bade wollen Vorurteile abbauen

von Karen Eva Noetzel

Wolfgang F. und seine Frau Kerstin hatten sich ein schönes Zuhause in einer Wohnung der Howoge geschaffen. Doch dann kamen gesundheitliche Sorgen und Ängste – dem Paar wuchs auf einmal alles über den Kopf. Sie versäumten, ihre Wohngeld-Leistungen beim Jobcenter Lichtenberg weiter zu beantragen und meldeten sich auch nicht beim Vermieter. So wuchsen die Mietschulden, eine Räumungsklage drohte. Schließlich baten sie die KummerNummer um Hilfe. Das Kundenzentrum der Wohnungsbaugesellschaft und die Kundenberaterin des Jobcenters zeigten sofort Verständnis und halfen. Das Ehepaar hat inzwischen die Mietzahlungen wieder aufgenommen und der drohende Verlust der Wohnung ist vom Tisch.

Wenn Jasper Dombrowski etwas mitteilen möchte, benutzt er seine Nasenspitze. Mit ihr tippt er auf seinem iPad Buchstaben und ganze vorgegebene Wörter so flink wie andere mit zehn Fingern. Eine angenehme Stimme spricht dann die Sätze, die er eingegeben hat. Jasper Dombrowski ist wie sein Freund Linus Bade Tetraspastiker. Gemeinsam haben sie das„Handicap-Lexikon“ erfunden. Die beiden Berliner kennen sich schon seit Kindertagen. Linus war drei Jahre alt, Jasper etwa sieben oder acht, als sie sich regelmäßig beim Physiotherapeuten trafen. Beide haben bei ihrer Geburt nicht geatmet. Dadurch sind Hirnzellen abgestorben, die Bewegungsabläufe steuern. Ihr Handicap bezeichnet man als Tetraspastik.

Angucken, nachahmen oder sich lustig machen Die Idee zum außergewöhnlichen Lexikon sei ihm im Dezember 2015 gekommen, erzählt der 19-jährige Linus, der gerade eine Ausbildung zum Mediengestalter macht.„Mich ärgert es, wenn Menschen mich angucken, nachahmen oder sich über mich lustig machen. Sie haben Vorurteile, weil sie es nicht besser wissen.“ Er habe die Idee seines Freundes sofort gut gefunden und natürlich mitgemacht, ergänzt Jasper. Er ist vier Jahre älter als sein Freund und arbeitet als Layouter für die Behinderten Zeitung des Berliner Behindertenverbandes. Unter dem Motto„Behindert? Ja und?“ haben Jasper und Linus bisher 19 Behinderungen

Räumung abgewendet

Linus Bade und Jasper Dombrowski haben ein Handicap-Lexikon erfunden. Foto: KEN zusammengetragen, vom angeborenen Herzfehler bis zur Spina bifida, einer angeborenen Fehlbildung der knöchernen Wirbelsäule und des Rückenmarks.

die Freunde fortlaufend weiter.„Da muss noch einiges rein“, sagen sie. Es sei„ihre Herzensangelegenheit“ und „eine Lebensaufgabe“. Während der Arbeit am Lexikon tauschen sich Linus Bade und Die nicht allzu langen Texte Jasper Dombrowski über Facesind in leicht verständlicher book oder E-Mail miteinander Sprache verfasst.„Wir wollen aus. Beide leben noch bei ihdie Handicaps so leicht wie ren Eltern, der eine in Steglitz, möglich beschreiben, damit der andere in Tempelhof. Bisauch Menschen, die nicht rich- her stemmen die Freunde das tig Deutsch können, sich infor- Lexikon selbst. Sie hätten aber mieren“, sagt Linus Bade.„Wir gerne einen noch knackigeren finden, dass Menschen mit Internetauftritt und wünschHandicap auch ganz normale ten sich dafür Unterstützung. Menschen sind und auch so Gewinner des Preises behandelt werden sollen.“ Die wissenschaftlichen Fakten zu den einzelnen Handicaps recherchierten Linus und Jasper im Internet. Aber auch Bekannte und Besucher ihrer Webseite www.handicap-lexikon.de gaben Informationen. An ihrem Lexikon schreiben

„Respekt gewinnt“

Die Resonanz auf das Handicap-Lexikon ist bislang durchweg positiv.„Die Leute bedanken sich bei uns“, sagt Linus Bade. 2018 waren die beiden jungen Berliner mit ihrem Lexikon Preisträger des Respekt-

gewinnt-Preises des Berliner Ratschlags für Demokratie, einem Bündnis bekannter Berliner Persönlichkeiten, die sich gemeinsam für Demokratie, Vielfalt und Respekt in ihrer Stadt einsetzen. Und das Handicap-Lexikon ist längst nicht das einzige Projekt von Jasper Dombrowski und Linus Bade. Sie wollen einen Verein gründen, um ihr Lexikon-Vorhaben zu erweitern. Sie planen Workshops und Veranstaltungen zur Inklusion. Sie wollen eine Wohngemeinschaft aufbauen und haben die Selbsthilfegruppe „Rad ab“ für Menschen mit Körperbehinderung ins Leben gerufen. Die Gruppe trifft sich jeden letzten Freitag im Monat in den Räumen des Berliner Behindertenverbandes. Kontakt zu den Autoren per E-Mail an jasper@handicap-lexikon.de

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KW 33 - L30 Reinickendorf Wittenau Märkisches Viertel für die Ortsteile: Märkisches Viertel, Reinickendorf und Wittenau

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