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Bergrettungsdienst im Alpenverein S端dtirol

Jahresbericht 2014


Bildnachweis: Die Bilder für diese Broschüre wurden von folgenden Bergrettungsstellen zur Verfügung gestellt: Ahrntal, Antholz, Bruneck, Hochpustertal, Innichen, Laas, Lana, Meran, Pfelders, Ridnaun/Ratschings, Seis, Tiers, Welschnofen

Der besseren Lesbarkeit wegen schließt die männliche Bezeichnung immer auch die weibliche mit ein.


Ehrenamtlich als Retter am Berg Das vergangene Jahr war eines der niederschlagreichsten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen mit dementsprechend vielen schlecht Wettertagen. Das hatte entgegen unseren Vermutungen aber nicht zur Folge, dass die Zahl der Einsätze rückläufig war. Normalerweise haben wir in Sommern mit schönem Wetter eine Vielzahl von Einsätzen. Aus den heurigen Einsatzzahlen lässt sich aber erkennen, dass sich die Menschen vom schlechten Wetter nicht abschrecken lassen, trotzdem in den Bergen unterwegs zu sein. Im abgelaufenen Jahre hatten wir 1309 dokumentierte Ausrückungen zu Bergrettungseinsätzen zu verzeichnen. Dazu wurden von unseren 927 ehrenamtlichen Mitgliedern an die 20.200 Einsatzstunden geleistet. Alleinig die Zahl der bewältigten Rettungseinsätze am Berg von 2014 sagt zu wenig aus, um die Leistung der ehrenamtlichen Bergretter in Südtirol sichtbar zu machen. Der erfolgreiche Rettungseinsatz ist das Ergebnis des Engagements von Menschen, die neben dem Beruf freiwillig Verantwortung übernehmen, sich perma-

nent aus- und fortbilden und sich einem erhöhtem Maß an Eigengefährdung aussetzen. Zunächst unabhängig davon, ob es ein einzelner Einsatz in der Woche ist, oder gleich mehrere an einem Tag sind. Der Aufwand für die Einsatzbereitschaft bleibt für alle gleich. Ein diensthabender Entscheidungsträger, eine Einsatzmannschaft, Fahrzeug und Ausrüstung sind 365 Tage, 24 Stunden am Tag einsatzbereit. Im Hintergrund sind Arbeitgeber, die Ihre Mitarbeiter für den Rettungseinsatz unter der Woche freistellen und Familien, die immer wieder ein Stück weit zurückstecken müssen. Die Verantwortung liegt auf vielen Schultern. Das trägt dazu bei, dass das Verständnis in der Bevölkerung steigt und dadurch das gesellschaftliche Leben sicherer ist. Die Aktiven in der Bergrettung kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Sie alle stellen gemeinsam den gesetzlichen Auftrag zur Rettung am Berg sicher. Ihre Motivation resultiert nicht aus einem wirtschaftlichen Gewinnstreben. Im Vordergrund steht das Ziel, Menschen am Berg in Not bestmöglich zu helfen. Diese gesellschaftliche Verantwortung ist ein Wert, der für

sich selbst steht und nicht in Zahlen zu fassen ist. Die Grundlage für die umfassende Wertschöpfung der Bergrettung wird ermöglicht durch das Engagement des Landes Südtirol, der Gemeinden, den vielen Förderern und Spendern. Hierfür sage ich ein herzliches „Vergelt‘s Gott“. Bergretter sind beispielgebend für gesellschaftliche Verantwortung. Bei euch Bergretter bedanke ich mich für Euren stets verlässlichen Einsatz, für die Bereitschaft sich weiter zu entwickeln um den Aufgaben und Entwicklungen gewachsen zu sein. Für das kommende Jahr wünsche ich Euch und uns allen Gesundheit, fördert weiterhin die Gemeinschaft, und habt weiterhin Freude bei der Arbeit als Bergretter. Allen Bergsteigern und Einsatzkräften wünsche ich, dass sie stets gesund nach Hause kommen. Berg Heil

Toni Preindl Landesleiter


Die Bergrettung gewährleistet einen öffentlichen Dienst. Nur durch regelmäßige Schulungen sind die Mitglieder in der Lage im Einsatz komplexe Aufträge zu erfüllen.


Auftrag mit Pflichten Das Land Südtirol hat den Bergrettungsdienst per Landesgesetz an zwei staatlich anerkannte Hilfsorganisationen übertragen. Es sind dies der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol sowie der Südtiroler Berg– und Höhlenrettungsdienst C.N.S.A.S. welche einen flächendeckenden Rettungsdienst in den Südtiroler Bergen gewährleisten.

In 57 Rettungsstationen beider Bergrettungsorganisationen sind derzeit insgesamt 1.500 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Diese Helfer gewährleisten eine ganzjährige Bereitschaft um im Einsatzfall zur Stelle zu sein.

Die Bergrettung wird im Notfall durch die Landesnotrufzentrale Südtirol alarmiert. Die Landesnotrufzentrale ist eine integrierte Leitstelle, welche in kürzester Zeit sämtliche Hilfsorganisationen Südtirols aufbieten kann. Im Notfall wählen Sie:


Ein fl채chendeckender Dienst, welcher 365 Tage im Jahr funktionieren muss bedarf einer ausreichenden Anzahl an Bergrettungsstellen und Helfern.


Wussten Sie... … dass der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol über 36 sogenannten AED-Geräten (Automatisierte Externe Defibrillatoren) verfügt, die flächendeckend in der gesamten Provinz verteilt sind? … dass im Jahr 2014, 430 geprüfte AED-Anwender des Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol rund um die Uhr einsatzbereit waren? … dass diese modernen Geräte und die qualifizierten Bergrettungsmitglieder über Leben und Tod entscheiden können? … dass sich die AED-Anwender immer wiederholenden Schulungen und jährlichen Rezertifizierungen unterstellen müssen? … dass es ehrenamtliche Mitarbeiter gibt, die dafür ihre Freizeit opfern um im Ernstfall Leben zu retten? VIELEN DANK DAFÜR


Bergretter sind in erster Linie Bergsteiger. Deren Passion, gepaart mit erlernter Rettungstechnik, ergibt eine funktionierende Bergrettung!


Ohne Ehrenamt läuft‘s nicht Das größte Kapital unserer Organisation ist die Summe der Menschen aus denen sie besteht. Diese Gemeinschaft macht es möglich, dass der Bergrettungsdienst 365 Tage im Jahr rund um die Uhr funktioniert. Hinter dieser Gemeinschaft stecken Personen, die ihre Freizeit dafür opfern, den Verunglückten, Vermissten, Erkrankten oder sonst in Not Geratenen zu helfen, sie zu suchen, zu versorgen, zu bergen und abzutransportieren. Jeder Einsatz stellt die Retter vor neue Herausforderungen, bei denen Entscheidungen nicht selten unter Zeitdruck getroffen werden müssen.

Bergretter bilden sich aus, halten sich körperlich fit, veranstalten Dorffeste um teure Rettungsausrüstung ankaufen zu können. Bergretter sind zu jeder Tages– und Nachtzeit da, sie fragen nicht wenn es darum geht gekonnt Hilfe zu leisten. Ihnen sei es zu Verdanken, dass im Land ein gut ausgebautes Netzwerk an kompetenten Hilfskräften im medizinischen und bergsteigerischen Bereich existiert. Und dafür, dass es diese wertvolle Gemeinschaft an Rettern gibt, genießt der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol ein großes Ansehen bei Gästen und Einheimischen.


Bereits vor dem ersten Weltkrieg gab es in S端dtirol 39 Bergrettungsstellen


Vom Anwärter zum Bergretter Die Grundausbildung des Anwärters umfasst ein umfangreiches Programm bestehend aus diversen Kursen und Tests, die bestanden werden müssen, bevor zur Anwärterprüfung angetreten werden kann. Der Weg vom Anwärter zum Bergretter umfasst einen Ausbildungszeitraum von mindestens 2 Jahren und gliedert sich in 4 Kurseinheiten einem Sommer– und einem Wintertest.

42 Jahre. Das ist das Durchschnittsalter der Anwärter und aktiven Bergretter im Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol. Folgend die Geschlechtsverteilung:

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Anwärter

142

158

163

167

157

165

189

183

182

174

133

122

127

Aktive Mitglieder

646

629

629

636

654

659

675

693

721

736

772

809

798

Mitglieder außer Dienst

166

169

187

199

197

213

217

241

227

213

134

141

154

2

2

1

1

1

1

1

2

2

2

2

2

2

956

958

979

1.003

1.009

1.038

1.082

1.119

1.132

1.125

1.041

1.074

1.081

Ehrenmitglieder Gesamt


Prad ; 4 St. Leonhard ; 9 Grรถden ; 12 St. Martin ; 13 Schlanders ; 13 Rabenstein ; 17 Moos ; 17 Laas ; 17 Kaltern ; 17 Olang ; 18 Innichen ; 18 Platt ; 21 Pfelders ; 21 Tiers ; 23 GossensaรŸ/Pflersch ; 30 Sarntal ; 34 Ulten ; 36 Schnals ; 36 Sterzing ; 37 Mals ; 37 Latsch ; 37 Antholzertal ; 38 Welschnofen ; 39 Bozen ; 40 Martell ; 41 Ridnaun / Ratschings ; 44 Sand in Taufers ; 45 Vintl ; 48 Lana ; 48 Bruneck ; 54 Brixen ; 54 Ahrntal ; 56 Hochpustertal ; 72 Seis am Schlern; 88 Meran ; 175


1.309 Einsatzausrückungen Bei insgesamt 1.028 Einsatzereignissen sind 1.309 Einheiten der Bergrettung ausgerückt. In Zahlen ausgedrückt sind dies recht nüchterne Ziffern; Es gilt zu bedenken, dass hinter jedem Einsatz einiges mehr steckt:  Ehrenamtliche Helfer, welche ihre Arbeitsstätte verlassen.  Menschen, welche in eine missliche Lage geraten sind.  Einsätze, welche über Tage andauern.  Angehörige, welche um ihre Lieben bangen.

Wussten sie ...  dass von 916 betreuten Personen insgesamt 222 unverletzt gerettet werden konnten?  dass im Jahr 2014 die Bergrettung bei 28 Arbeitsunfällen zugegen war?

 Dass sich 119 Patienten am Sprunggelenk verletzt haben?

 dass insgesamt 37 Patienten eine Infarktsymptomatik aufwiesen, und 126 Patienten Erschöpfungszustände hatten?  dass 52 Mountainbiker vom Bergrettungsdienst im vergangenen Jahr versorgt worden sind?


Mit 1.309 Ausr端ckungen ist das Jahr 2014 absolutes Rekordjahr


Absolutes Rekordjahr Trotz des schlechten Wetters fanden im Jahr 2014 so viele Einsatzausrückungen statt wie noch nie zuvor. Das vergangene Jahr gilt, seit Aufzeichnung der Einsatzdaten, als absolutes Rekordjahr. Dazu haben die Zunahme an Wander– und Skitourenunfälle

wesentlich beigetragen. Im Gegensatz zum Einsatzjahr 2013 haben die Wanderunfälle um 15% und die Skitourenunfälle um satte 90% zugenommen. Auffallend ist, dass die Rettungskräfte meist zu leichten Verletzungen gerufen werden, denn ausschließlich bei diesen

ist eine wesentliche Zunahme zu verzeichnen.

300 250

Einsätze nach Monaten

2010

200

2011

150

2012

100

2013

50 2014

0


Einsatzstunden

20.202

16.802 15.856

15.299 14.461 12.359

12.402 11.279

10.728 10.006 9.285

9.579

15.071 14.261 12.280

11.847

10.851

9.594

8.095 7.949 5.864 3.619 2.424 2.506

1 9 9 4

1 9 9 5

1 9 9 6

1 9 9 7

1 9 9 8

3.044 3.035

1 9 9 9

2 0 0 0

4.927

3.986 3.653 4.309 3.423

2 0 0 1

2 0 0 2

2 0 0 3

2 0 0 4

5.433 5.479

6.754

6.102 5.081

5.631

4.043 4.225 4.180

2 0 0 5

2 0 0 6

2 0 0 7

2 0 0 8

2 0 0 9

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Bei Eins채tzen eingesetzte Bergrettungsmitglieder

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„Nebenberuf“ Bergretter Arbeit, Familie sowie die Tätigkeit bei der Bergrettung unter einen Hut zu bekommen ist heutzutage schon fast ein Meisterwerk. Einsätze kommen plötzlich vor und zwar im Sommer wie im Winter zu jeder Uhrzeit und nicht nur am Wochenende.

Um die Dienstbereitschaft abdecken zu können müssen Bereitschaftsdienste definiert werden, die von den Bergrettungsmitgliedern abgedeckt werden. Gedankt sei an dieser Stelle allen Partnern, Familienangehörigen und Arbeitgebern, die für die Tätigkeit der Bergretter viel Ver-

ständnis haben und sie jederzeit für den Einsatz freigeben. Neben den Bergrettern leisten auch Familie und Arbeitgeber einen wertvollen Beitrag für den Bergrettungsdienst und nicht zuletzt für die in Not geratenen Menschen.


916 betreute Patienten im Jahr 2014

1.200

1.000

972 916 855

800

788 786 643

626

600

573 443 457

400

212

678

805

715 726

621

614

450 384

370 356

200

570

669

703

257

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1 9 8 9

1 9 9 0

1 9 9 1

1 9 9 2

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1 9 9 4

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1 9 9 8

1 9 9 9

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Wer, wie, was? Jeder Verunfallte am Berg stellt ein Schicksal dar. Es muss unterstrichen werden, dass immerhin knapp ein Viertel aller betreuten Personen unverletzt gerettet werden konnten. Die Bergunfallstatistik muss vom Leser nicht nur in Diagrammen betrachtet werden, wie bei jeder Statistik zählen jene Faktoren, welche hinter den Zahlen stehen. Präzisiert sei an dieser Stelle, dass die verstorbenen Patienten nicht immer durch Alpinunfälle ums Leben gekommen sind. Es reicht vom Verkehrsunfall im Gebirge bis hin zum Arbeitsunfall. Nicht zur Bergunfallstatistik werden die Einsätze im Pistenbereich gezählt. Dies würde mit sich bringen, dass die Statistik vollständig verfälscht wird, ein Umstand, welcher sehr oft den gesamten Alpinismus in den Misskredit bringt.


* Einsatzorte 2007 - 2014

An so genannten „Hot Spots“ finden zahlenmäßig mehr Bergrettungseinsätze statt. Dies ist vor allem von der touristischen Erschließung abhängig.


Vielfalt Südtirol wird jedes Jahr von sehr vielen Bergtouristen besucht. Aus aller Herren Länder kommen diese, und dementsprechend vielfältig widerspiegelt sich auch das Nationenmuster der Patienten. 74% der italienischen Patienten sind Südtiroler Einwohner, denen die Bergrettung zu Hilfe geeilt ist!

Verkehrsunfall; 17 Medizinisch; 43

Langlauf; 10 Law ine; 7 Rodelbahn; 4

Suchaktion; 94 Mountainbike; 51

Skipiste; 21 Gletschertour; 17 Klettern; 18

Arbeitsunfall; 26

Klettersteig; 12

Unbekannt; 6

Skitour; 78

Sonstiges; 50

Spaltensturz; 1

Paragliding; 16 Wildw asser; 2

Wandern; 444

Die Vielfältigkeit widerspiegelt sich auch in der Statistik der diversen Einsatzarten. Zur Bewältigung der unterschiedlichsten Einsatzarten benötigt es nicht nur einer guten Ausbildung, für besondere Einsatzarten werden eigens hierfür ausgebildete Spezialisten eingesetzt.


Seit 50 Jahren bilden die Suchhundeführer eine Gruppe im Bergrettungsdienst des Alpenvereins Südtirol. Im Jahr 2014 gab es einen Wechsel an der Führungsspitze. Bei den fälligen Neuwahlen wurde der Rittner Wolfgang Rainer von der Bergrettungsstelle Bozen zum Landesreferenten gewählt. Er folgt auf Hans Berger, der die Gruppe 13 Jahre lang geführt hat. Es sind große Schuhe in die Wolfgang steigen musste. Hans verstand es immer die Gruppe zu motivieren, hatte Weitblick und gute Ideen, die er konsequent verfolgte. Auch bei den Bezirksvertretern hat es Neuerungen gegeben. Neu im Amt sind Stephan Habicher von der Bergrettung Latsch für den Bezirk Vinschgau und Fritz Obexer von der Bergrettung Bozen für den Bezirk Bozen. Bestätigte Bezirksvertreter sind Stephan Holzer von der Bergrettung Lana für den Bezirk Meran. Er ist auch gleichzeitig Landesreferent-Stellvertreter. Paul Seidner von der Bergrettung Gossensass vertretet den Bezirk Eisacktal und Ruth Leimegger von der Bergrettung Bruneck vertretet Pustertal. Vertreter für die Gruppe Fährtenhund ist Josef Bachmann von der Bergrettung Antholz und Schriftführer ist Roland Melauner von der Bergrettung Bruneck.

von links: Landesleiter Toni Preindl, Roland Melauner, Fritz Obexer, Wolfgang Rainer, Josef Bachmann, Stephan Holzer, Stephan Habicher, Paul Seidner, Ruth Leimegger

Landesreferent Wolfgang Rainer (links) und Stellvertreter Stephan Holzer


Jubiläumsjahr Das vergangen Jahr war für die Hundeführer im Bergrettungsdienst ein Jubiläumsjahr. 1964 hatte sich eine kleine Gruppe BRD – Männer, die mit Hunden Sucharbeit leisteten, zusammengeschlossen. Am 30. August 2014 feierte in Nals die mittlerweile große Familie das 50-Jahr-Jubiläum. Inzwischen gibt es 40 Hundeführer, die da sind für Menschen in Bergnot. Landesreferent Wolfgang Rainer konnte Hundeführer mit Hunden, Familienangehörige und viele Ehrengäste auf dem Festplatz in Nals willkommen heißen. Auch Vertreter von Hunde- und Rettungsorganisationen aus Nachbarprovinzen und Nachbarländer waren zur Jubiläumsfeier gekommen. „Euer Dienst ist Berufung; ihr seid im Auftrag Gottes unter-

wegs“ sagte Pater Basilius Schlögel beim Wortgottesdienst´, der die Feier einleitete und alle Hundeführer und Hunde segnete. Nach den Festreden wurde dieses Jubiläum noch gebührend gefeiert.

Harte Ausbildung: Hundeführer sein bedeutet in erster Linie auch Bergretter sein. Neben der Grundausbildung zum Bergretter beginnt zeitgleich die intensive Arbeit mit dem Vierbeiner. Regelmäßiges Üben mit dem Vierbeiner ist für jeden Hundeführer eine Selbstverständlichkeit. Nur Individualisten mit viel Ehrgeiz stellen sich dieser Herausforderung. Der Lohn dafür ist bei den Einsätzen meist sehr bescheiden, doch allein die Genugtuung geholfen zu haben ist für einen Südtiroler Bergretter Dank genug.


Kinder sind unsere Zukunft. Es liegt in unserer Verantwortung sie sowohl auf die Gefahren als auch auf die Aufgaben des Bergrettungsdienstes hinzuweisen.


Prävention Der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol hat es sich in seiner Vereinssatzung zur Aufgabe gemacht die Unfallprävention groß zu schreiben. Im Stillen machen die Bergrettungsstellen Südtirols eine Aufgabe, welche eher einem logistischen Großereignis gleichen müsste. Jedes Jahr zu Winterbeginn veranstalten unsere Bergrettungsstellen diverse Kampagnen für das sichere Winterbergsteigen.

Große Beliebtheit haben diese Veranstaltungen bei Schitourengehern aber auch bei Schulklassen gefunden. Es ist auch für unsere Bergretter eine Bereicherung, wenn man sieht mit wie viel Spaß sich Kinder für das Thema Sicherheit am Berg begeistern lassen.

Auch die Vorbereitungskurse für Schitourengeher der vergangenen Jahre zeigen immer wieder ihre Früchte, von denen die Öffentlichkeit meist nie etwas erfährt. Immer wieder erhalten wir Rückmeldungen von Schitourengehern, dass nur durch die Vorbereitungskurse der Bergrettung eine schnelle Kameradenrettung nach einem Lawinenabgang zum raschen Auffinden eines Verschütteten geführt hat.


Ausbildung ist und bleibt die Seele unserer T채tigkeit.


Ausbildung Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.

23.600 Kursstunden wurden im Jahr 2014 auf Landesebene abgewickelt. Hinzu kommen noch unzählige Ausbildungstermine, welche in den 35 Bergrettungsstellen vor Ort absolviert werden.

© Laozi (*604 v. Chr.), Legendärer chinesischer Philosoph

Dieses Zitat trifft auch auf die Bergrettung zu, aber die Investitionen in die Ausbildung lohnen sich allemal! Eine solide Grundausbildung sowie stete Fortbildung sind Grundlagen für die Tätigkeit als Bergrettungsmitglied.

30000

Grundsätzliches: Bergrettungsmitglieder sind bei ihren Einsätzen im Gebirge sehr oft alleine vor Ort und müssen deshalb Entscheidungen treffen, welche der Einsatzleiter im Tal nur schwer dem Mitglied vor Ort abnehmen kann. Bergretter müssen im Einsatz eigenständig voraus denken um situationsgerecht handeln zu können.

Kurs te ilne hm e r Abs olvie rte Kurs s tunde n

25000 20000 15000 10000 5000 0 1 9 8 1

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Bergrettung und IT aktuell an alle Mitglieder auch zwischen den landesweiten Ausbildungskursen verteilt werden.

Die Ausbildung und auch die ständige Weiterbildung führen Bergretter in ihrer Freizeit durch. Um den Qualitätsstandard dieser Ausbildungen weiterhin hoch zu halten, bekommen die Bergretter zusätzliche Unterstützung. Durch die großzügige Unterstützung der Stiftung Südtiroler Sparkasse kann eine zentrale und moderne Online-Plattform aufgebaut werden. Damit kann Wissen schnell und

Mit dieser Anwendung stehen jedem Mitglied alle relevanten Ausbildungsinhalte in der jeweils aktuellen Fassung zur Verfügung. Die bisherigen Druckerzeugnisse werden dabei schrittweise auch um Filme und weitere interaktive Anwendungen ergänzt. Ausbildungsvorbereitung am Computer, praktische Übungen dann am Berg Die Lösung ist mehr als eine informative Webseite. Sie erlaubt den Anwendern zu interagieren und sich zu qualifizieren.

So können sich die Retter auf die gemeinsamen Ausbildungskurse optimal vorbereiten und vor Ort kann die Zeit besser für die praktische Übung genutzt werden. http://www.wissensbox.de

Genutzt werden kann die Learnbox-App von jedem internetfähigem Gerät, also vom Rechner, iPad oder Smartphone. Neben den technischen Möglichkeiten wurde konsequent auf eine möglichst einfach Bedienung Wert gelegt. Damit wird sichergestellt, dass auch weniger technikaffine Nutzer mit der Anwendung zurechtkommen. Auch andere Rettungsorganisationen, wie die Bergwacht Bayern oder das Bayerische Rote Kreuz, nutzen die Learnbox-App bereits erfolgreich. Durch die gemeinsame Nutzung einer Plattform wird damit auch die organisations- und länderübergreifende Zusammenarbeit verbessert.


Das vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung finanzierte Projekt SUMMIT wurde im Jahr 2014 abgeschlossen. Das Projekt wird der Priorität „Raum und Nachhaltigkeit“ zugeordnet und gehört dort zum thematischen Bereich der Innovationslinie „Prävention natürlicher und technologischer Gefahren und Zivilschutz“. Partner dieses umfangreichen Vorhabens waren das TIS innovation park, das Institut für Geographie der Universität Innsbruck, der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol, die Abteilung

Brand– und Zivilschutz der Autnomen Provinz Bozen Südtirol sowie die Abteilung Zivil– und Katastrophenschutz Land Tirol. Zwei nennenswerte Projekte, die im Rahmen des SummitProjektes in Zusammenarbeit mit dem Bergrettungsdienst fertiggestellt wurden sind:

 die interaktive Lernplattform für Wintersportler avalanchetrail.bz.it  das Kommunikations– und Ausbildungskonzept im Lawinennotfall

Ziel des Projektes war, den Wintersportler zu sensibilisieren um leichtsinniges Verhalten im alpinen Raum durch Erhöhung von Sicherheitsbewusstsein und Eigenverantwortung zu verhindern.


Pistenrettung Von den 35 Bergrettungsstellen führen annähernd 30 davon Dienst in Skigebieten sowie auf Loipen durch, die mit den derzeit landesweit 5 Motorschlitten und 6 ATV (All Terrain Vehicle), auch Quads genannt, den Unfallort in kurzer Zeit erreichen können. Die klassische Prellung oder Fraktur, der Zusammenstoß zweier Skifahrer, der Unfall mit einem Pistenfahrzeug, die von einen Variantenfahrer ausgelöste Lawine, ein Herzinfarkt im Gasthaus, der vermisste Gast… In keinem Umfeld ist die Vielfalt der Einsätze größer als in einem Skigebiet. Die Wetterlagen und das sich ständig verändernde Terrain stellen zudem hohe Ansprüche an die Bergretter, die dank der umfangreichen Ausbildung im sowohl notfallmedizinischen als auch alpintechnischen Bereich bestens für Pistenrettungseinsätze gerüstet sind. In enger Zusammenarbeit mit diversen anderen Institutionen wird täglich eine Unzahl an Patienten auf Südtirols Skipisten und Langlaufloipen versorgt.

Von 35 Bergrettungsstellen führen annähernd 30 davon Dienst in Schigebieten sowie auf Loipen durch!


Helfer vor Ort In abgelegenen Gebieten vergeht mehr Zeit als in der Stadt bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bzw. des Notarztes, wodurch sich die Zeitspanne ausdehnt, die sich bei schlechten Witterungsverhältnissen (z.B. Eis- und Schneeglätte) nochmals verlängert. Andererseits ist die erfolgreiche Erstversorgung von Notfallpatienten u.a. von kurzen Anfahrtszeiten abhängig. Bereits seit dem Jahr 2005 führen in den Orten Tiers, Antholz, Rabenstein im Passeier sowie Pfelders unsere Bergrettungsstellen den Dienst Helfer vor Ort durch. Diese besondere Art der Nachbarschaftshilfe wurde allein im Jahr 2014 insgesamt 118 mal in Anspruch genommen. Seit dem Start des Dienstes waren es 943 Notfälle, welche die Helfer vor Ort betreut haben.


Das neue digitale Alarmierungsnetz Im Jahr 2014 gelang es, das digitale Alarmierungsnetz mit den knapp 60 Umsetzerstationen gemäß dem POCSAG-Funk-Standard vollständig zu installieren. Die Alarmierung von Hilfsmannschaften im Südtiroler Zivilschutz erfolgte in Südtirol bis dato organisationsunabhängig auf den jeweils eigenen Funknetzen. Dabei waren Alarmierung und Sprechfunk immer auf denselben Funkkanälen, was zu einer Beeinträchtigung des Dienstes, vor allem bei komplexeren Einsätzen, geführt hat. Im Auftrag des Landes Südtirol hat der Landesfeuerwehrverband ein landesweites digitales Alarmierungsnetz mit knapp 60 Umsetzerstationen errichtet. Mittels des digitalen Datenübertragungsstandards gemäß POCSAG werden hinkünftig die verschiedensten Hilfsorganisationen Südtirols alarmiert. Mit der Einführung der digitalen Alarmierung erzielt man nicht nur schnellere Alarmierungszeiten, eine sehr viel höhere Ausfallsicherheit des Alarmierungsnetzes wird mit der neuen Technologie auch gewährleistet. Zu erwähnen ist auch, dass die neuen Pager organisationsübergreifend verwendet werden können. Ist z.B. ein Bergrettungsmitglied auch Mitglied einer Feuerwehr, so kann dasselbe Gerät für die Feuerwehralarmierung benützt werden.


Schutzbekleidung Eine zuverlässige Einsatzbekleidung bildet neben einer soliden und kontinuierlichen Aus– und Weiterbildung die Grundlage für den Schutz vor Unfällen. Im Jahr 2014 konnte das Projekt Schutzbekleidung abgeschlossen werden. Alle Bergrettungsmitglieder wurden mit der neuen Schutzbekleidung ausgerüstet. Ermöglicht wurde das Vorhaben in erster Linie durch die finanzielle Unterstützung von Seiten der Autonomen Provinz Bozen sowie den Raiffeisenkassen Südtirols. Durch den fachlichen Einsatz der Mitglieder der vereinsinternen Arbeitsgruppe, konnte in enger Zusammenarbeit mit der Firma Salewa ein funktionelles Schutzbekleidungssystem, speziell auf die Anforderungen der Bergretter, realisiert werden. Allen am Projekt Beteiligten sei an dieser Stelle gedankt.


Mit High-Tech-Fasern unterwegs Rettungseinsätze an hohen Wänden stellen große Ansprüche sowohl an die Bergretter als auch an das notwendige Material, besonders wenn eine Hubschrauberunterstützung nicht möglich ist. Es sind lange und mühsame Anstiege, die unsere Bergretter hinterlegen müssen. Insofern spielt das Gewicht der mitzutragenden Rettungsausrüstung eine große Rolle. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 vier Rettungsstel-

len versuchsweisen mit einem Dyneema-Rettungssatz ausgestattet. Dyneema ist eine hochfeste, vollstatische und extrem glatte Polyethylen-Faser. Das im Bergrettungssatz zum Einsatz kommende Dyneemaseil hat im Gegensatz zur üblichen Rettungsausrüstung den Vorteil, dass es halb so viel wiegt sowie geringere Dehnungsverluste und eine höhere Festigkeit bei Kantenbelastung aufweist.

Auf Grund der geringen Dehnung eignen sich Dyneemaseile ideal für den Bau einer Horizontalseilbahn oder eines Schrägaufzuges. Mit Unterstützung der Bayrischen Bergwacht, konnten im vergangenen Jahr unsere Ausbilder sowie die Bergrettungsstellen, welche in Besitz dieses Rettungssystems sind, erfolgreich in das Rettungsverfahren mit Dyneemaseil eingewiesen werden.


„Kollegen unter Kollegen“ - PEER Während Einsätzen gibt es Situationen in denen auch Retter an ihre Grenzen gelangen können. Die Grenzen können verschiedenster Natur sein; ob physisch oder psychisch. Man kann von einem Bergretter nicht verlangen, dass er wie eine Maschine funktioniert und alle Sorgen und Nöte wegsteckt, welche ihm bei einem Einsatz geblieben sind.

Einsätze gehen Jedem Nahe! In welcher Form auch immer.

Dem Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol ist es ein Anliegen, dass Einsatzkräfte heil aus sämtlichen Einsatzgeschehen aussteigen können. So hat sich im Bergrettungsdienst bereits seit einigen Jahren eine Gruppe an versierten Mitgliedern zusammengeschlossen, welche im Bedarfsfall auch für andere Bergretter da sind. Es ist dies die sogenannte „PEERGruppe“

In speziellen Ausbildungskursen, die unter der Leitung des Institutes für Psychologie der Universität Innsbruck abgehalten wurden, ist die Bergrettungsgruppe auf diese Thematik vorbereitet worden. Bergretter, die ein Einsatzereignis nicht verarbeiten können, haben nun jederzeit die Möglichkeit - und dies völlig auf anonyme Weise - mit einem PEER ein Gespräch zu führen um das Erlebte aufzuarbeiten.


Die Canyoning-Gruppe Aktuelle Berg– und Wassersportarten stellen die Bergrettung ständig vor neuen Herausforderungen. So auch beim Thema Canyoning. Eine Canyoningtour führt fast ausnahmslos flussabwärts. Ist man erst einmal in die Tour eingestiegen, ist ein Rückzug vor Ende der Tour oft nicht mehr möglich. Kommt es in einer Schlucht zu einem Unfall, sind spezifische Gefahren zu berücksichtigen und andere Rettungstechniken als die sonst üblichen gefordert. Eine solide Alpinausbildung, Kenntnisse des

Wildwassers sowie Erste-Hilfe-Kenntnisse sind für den Canyoning-Retter unabdingbar. Derzeit sind auf Landesebene 63 qualifizierte Canyoning-Retter aus den Rettungsstellen von Bozen, Brixen, Laas, Lana, Mals, Meran, Moos, Sand in Taufers, St. Martin, St. Leonhard, Schlanders, Schnals, Seis am Schlern, Sterzing und Vintl, aktiv. Die Grundausbildung zum Canyoning-Bergretter umfasst insgesamt 16 Stunden an 2 Tagen. Darauf folgen regelmäßige Fortbildungen um auf dem neuesten Stand zu bleiben.


Dank ... … kann man immer gebrauchen! Doch ist der Dank der heutigen Tage ein sehr seltenes Phänomen geworden. Viele Dinge werden zur Selbstverständlichkeit, und wenn mal etwas gut läuft, dann halt nur deswegen, weil man es ja so voraussetzt. Über den Dank freut sich dennoch jeder Bürger, auch wenn seine Leistung noch so klein ist. Es bestätigt die Arbeit und spornt an weiter zu machen! Gerade deswegen wollen wir hier danken!

Der Bergrettungsdienst bedankt sich jedenfalls!. Der Dank sei zu aller erst an die mehr als 900 aktiven Retter und Retterinnen gerichtet. Sie arbeiten im Stillen mit Idealismus und Fleiß. Sie sind es, welche sich diese Aufgabe zu Herzen genommen haben. Ein aufrichtiger Dank sei auch an jene gerichtet, welche unsere Bergretter stützen, die Familien unserer Bergrettungsmitglieder. Das gesamte System des Rettungsdienstes am Berg setzt auch das Verständnis vieler Arbeitgeber voraus; Ohne deren Einwilligung wäre so mancher Einsatz nicht durchführbar.

Bergrettung kostet auch Geld! Verschiedene Gerätschaften, Ausbildung und Versicherung, aber auch laufende Spesen wie Treibstoff und dergleichen müssen beglichen werden. Hier helfen uns unsere Gönner, sowie die öffentliche Hand weiter. Das Land Südtirol sowie die 116 Gemeinden Südtirols stehen den Bergrettungsstellen in finanzieller Hinsicht stets zur Seite. Mit den lokalen Kreditinstituten haben wir seit zahlreichen Jahren verlässliche Partner gefunden, welche uns immer wieder bei der Realisierung von schwer finanzierbaren Projekten und Vorhaben helfen.


Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol Landesverband

Soccorso Alpino dell‘Alpenverein Südtirol Unione Provinciale

I-39018 Vilpian (BZ) Brauereistraße 18 Tel. +39 0471 675 000 Fax +39 0471 675 008 info@bergrettung.it www.bergrettung.it

I-39018 Vilpiano (BZ) Via Birreria, 18 Tel. +39 0471 675 000 Fax +39 0471 675 008 info@bergrettung.it www.bergrettung.it

Der jahresbericht 2014 landesverband2  
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