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Bergrettungsdienst im Alpenverein SĂźdtirol Jahresbericht 2018


Der besseren Lesbarkeit wegen schlieĂ&#x;t die männliche Bezeichnung immer auch die weibliche mit ein.


Ein bewegtes Jahr Der Bergrettungsdienst im AVS hat seine 70 Jahre auf Schloss Tirol gefeiert. Es war ein Jahr zum nachdenken, einen Rückblick zu halten über die Entstehung und der Ziele des Vereins. Der Alpenverein feiert 2019 sein 150stes Bestehen. Nach seiner Gründung entstanden bald auch die ersten Bergrettungsdienste und nach dem zweiten Weltkrieg, 1948, waren es schon wieder 9 Rettungsstellen, die in Südtirol den Bergrettungsdienst im AVS Landesverband gegründet haben. War man bis 1997 ein Referat vom Alpenverein Südtirol, so sind wir heute ein eigenständiger Verein, aber immer noch eine Sektion des Alpenvereins; man hat dort Stimmrecht nach Anzahl der eigenen Mitglieder. Dies war auch Thema 2018, ob wir als Zivilschutzverein eine Pflichtmitgliedschaft im AVS noch zeitgemäß sehen. Mit klarer Mehrheit haben die Rettungsstellen bei der Herbsttagung sich für den Verbleib beim AVS ausgesprochen. In einem Verein, der wie unserer einen professionellen Dienst ausübt, gibt es ständig Veränderungen, bzw. Bestimmungen

und Gesetze die es einzuhalten gilt. Mit der Reform des dritten Sektors in Italien, die die neuen Bestimmungen für Vereine regelt, kommt auch wieder neue Arbeit auf uns zu. Wir werden als ehrenamtliche Organisation in Zukunft steuerlich begünstigt, aber auch die Bestimmungen dazu sind rigoroser geworden. Wir haben dazu schon einiges an Vorarbeit geleistet und mit der Gründung des Dienstleistungszentrums für das Ehrenamt Südtirol werden wir auch vom Land unterstützt und verhoffen uns einiges an Erleichterungen. Was die Einführung der Einheitlichen Notrufnummer 112 anbelangt, stand diese Änderung unter starker Kritik, da der Notruf mit 2 Zentralen abgewickelt werden muss. Keinen großen Einfluss hat dieser Umstand auf die Bergunfälle, da diese ohnehin längere Anfahrtswege und eine zeitaufwändigere Abklärung mit sich bringen. In Sachen Handyortung konnte leider noch keine Lösung gefunden werden. Diese obliegt den Ordnungskräften und wir haben in Italien mehrere davon. Auf unseren Lösungsvorschlag,

ein für die Zwecke des Bergrettungsdiensts entwickeltes Ortungsgerät einzusetzen, haben wir leider noch keine Antwort bekommen. Was nicht heißt, dass wir schlecht mit unseren Ordnungskräften zusammenarbeiten. Wir haben 2018 wieder, wie vor Jahren, mit dem Militärhubschrauber Übungen durchgeführt und in Zusammenarbeit mit CNSAS Südtirol einen Kurs für Militäristen abgehalten. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Carabinieri und der Finanzwache vor Ort funktioniert besonders gut, wie wir immer wieder von unseren Rettungsstellen erfahren. Was vielleicht noch zu erwähnen wäre: mit 1422 Ausrückungen unserer Rettungsstellen haben wir wieder einen neuen Rekord gebrochen, ein weiterer Anstieg, wie schon die Tendenz der letzten Jahre zeigte.

Ernst Winkler Landesleiter


Auftrag mit Pflichten Das Land Südtirol hat den Bergrettungsdienst per Landesgesetz an zwei staatlich anerkannte Hilfsorganisationen übertragen. Es sind dies der Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol sowie der Südtiroler Berg– und Höhlenrettungsdienst C.N.S.A.S. welche einen flächendeckenden Rettungsdienst in den Südtiroler Bergen gewährleisten. In 57 Rettungsstationen beider Bergrettungsorganisationen sind derzeit insgesamt 1.700 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Diese Helfer gewährleisten eine ganzjährige Bereitschaft um im Einsatzfall zur Stelle zu sein.

Die Bergrettung wird seit 2017 durch die Einheitliche Notrufzentrale 112 in Bozen alarmiert, welche den Notfall an die Landesnotrufzentrale weiterleitet und in kürzester Zeit sämtliche Hilfsorganisationen Südtirols aufbieten kann. Im Notfall wählen Sie:


Wussten Sie... … dass im Jahr 2018 der einsatzreichste Tag der Sonntag mit 297 Ausrückungen war? … dass im Monat August unsere Bergrettungsstellen am meisten gefordert werden? 2018 fanden 17% aller Ausrückungen in diesem Monat statt. … dass 39% aller Ausrückungen am Wochenende stattgefunden haben? … dass der 18. Juli 2018 der einsatzreichste Tag mit 20 Ausrückungen war? … dass montags die meisten Arbeitsunfälle passiert sind, zu denen der Bergrettungsdienst gerufen wurde? Je mehr man sich dem Wochenende nähert, desto eher nehmen Arbeitsunfälle ab. … dass die Rettungsstelle Brixen im Jahr 2018 mit 19 Ausrückungen am meisten Mountainbikeunfälle abgearbeitet hat? Spitzenreiter bei Loipenunfällen ist die Rettungsstelle Seis (6), bei Tierbergungen hingegen die Rettungsstelle Laas (7).


In der Falle der Bürokratie 16. Jänner 2018: Nebel liegt über den verschneiten Weiden der Villanderer Alm. Am Parkplatz der Gasserhütte treffen an jenem Dienstagmorgen die ersten Fahrzeuge ein. Es sind weder Wanderer noch Tourengeher, sondern Vertreter von Behörden und Zivilschutzorganisationen aus Südtirol, Belluno, dem Trentino und dem Nachbarland Tirol. Ein immer lauter werdendes Propellergeräusch durchbricht die Stille. Aiut Alpin trifft ein. An Bord ein hoch technisches Instrument zur Ortung von Mobiltelefonen. Mehrere Antennen ragen aus dem Rumpfboden. Der Vorführung des Gerätes steht trotz schlechten Wetterbedingungen nichts im Wege. Der Helikopter hebt ab und beginnt seinen Suchflug mit dem Techniker des Herstellers. In Echtzeit wird die Mission auf eine Leinwand projiziert. Nach wenigen Minuten kann sich das Publikum von der Effizienz des Gerätes überzeugen. Der Beweis, dass die Suche nach Vermissten mit Hilfe von Technik eine Wende nehmen könnte, ist erbracht. Gedankt sei an dieser Stelle all jenen, die dieses Projekt unterstützt und mit Überzeugung und

Pioniergeist ihren wertvollen Beitrag geleistet haben. Nun bleibt nur zu hoffen, dass diese Vorführung nicht das Ende, sondern den Beginn einer Reise darstellt.


Vom Anwärter zum Bergretter Vorweg soll klar sein, dass jede volljährige Person das Anrecht hat, zur Bergrettung zu gehen. Natürlich müssen hierfür die nötigen körperlichen Voraussetzungen vorhanden sein.

Ausbildung ist eine alles umfassende Anwärterprüfung, in der die weitschichtigen Facetten der Bergrettung überprüft werden (schriftlich, mündlich, praktisch).

Die Ausbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren, wobei die Anwärter zwischen den Kurseinheiten einen Sommer– und einen Wintertest absolvieren müssen, um die weiteren Kurse besuchen zu dürfen. Abschluss der

Insgesamt 160 Ausbildungsstunden bewältigt der Bergretter, um als aktives Mitglied nach der Anwärterprüfung fungieren zu können. Die gesamte aufgebrachte Zeit ist die Freizeit der Bergretter.

Mitgliederzahlen 2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

Anwärter

189

183

182

174

133

122

127

129

122

133

124

Aktive Mitglieder

675

693

721

736

772

809

798

827

839

832

850

Mitglieder außer Dienst

217

241

227

213

134

141

154

168

153

78

83

1

2

2

2

2

2

2

2

1

1

1

Ehrenmitglieder Gesamt

1.038 1.119 1.132 1.125 1.041 1.074 1.081 1.126 1.115 1.044 1.058


190

180

170

160

150

140

130

120

110

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

Moos Platt Prad Olang St. Leonhard Rabenstein St. Martin Pfelders Schlanders Antholzertal Innichen Kaltern Laas Sterzing GossensaรŸ/Pflersch Grรถden Mals Martell Latsch Schnals Tiers Ridnaun / Ratschings Ulten Sarntal Vintl Welschnofen Bozen Sand in Taufers Bruneck Ahrntal Lana Brixen Hochpustertal Meran

Seis am Schlern

0


1.422 Einsatzausrückungen Bei insgesamt 1.249 Ein- Wussten Sie... satzereignissen sind 1.422 Einheiten der Bergrettung • dass von 1.025 betreuten Personen insgesamt 190 ausgerückt. unverletzt gerettet werden konnten? In Zahlen ausgedrückt sind dies recht nüchterne Ziffern; Es gilt zu bedenken, dass • dass im Jahr 2018 die Bergrettung bei 23 Arbeitsunhinter jedem Einsatz einiges fällen zugegen war? mehr steckt: • Ehrenamtliche Helfer, wel- • dass sich 156 Patienten am Sprunggelenk verletzt che ihre Arbeitsstätte verhaben? lassen. • Menschen, welche in eine • dass insgesamt 35 Patienten eine Infarktsymptomissliche Lage geraten matik aufwiesen, und 167 sind. Patienten Erschöpfungszustände hatten? • Einsätze, welche über Tage andauern. • dass 110 Mountainbiker vom Bergrettungsdienst im • Angehörige, welche um vergangenen Jahr versorgt ihre Lieben bangen. worden sind?


750 2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

1.422 AusrĂźckungen

1.350

1.150

950


Mountainbiking im Trend Bei keiner Disziplin ist die Zunahme der Unfälle so auffallend wie beim Mountainbiken. Sind unsere Rettungsstellen im Jahr 2013 noch zu gerade einmal 51 Mountainbike-Unfällen ausgerückt, waren es im Jahr 2018 mehr als doppelt so viele, nämlich 110. Mountainbiking hat sich zweifelsohne zu einer Trendsportart entwickelt, nicht zuletzt wegen des mittlerweile weit verbreiteten Elektroantriebs. Dies bestätigen neben der Statistiken, die vielen Zeitungsartikel, bei denen von Konfliktsituationen

zwischen Wanderern und Mountainbikern die Rede ist. Um dieser Problematik entgegenzuwirken ist eine von der IDM-Südtirol koordinierte Arbeitsgruppe, bei welcher auch der Alpenverein Südtirol von Beginn beteiligt ist, seit Jahren aktiv. Eine Maßnahme, die gesetzt werden konnte, ist die einheitliche Beschilderung für Mountainbiker, die nach und nach auf Südtirols MTB-Routen zu finden sein wird. Der Bergrettungsdienst im AVS konnte dabei aufgrund der gesammelten Erfahrungen, wertvolle Empfehlungen im Hinblick auf die Umsetzung des Projektes geben können.

Ausrückungen nach Monat Oktober; 8%

80%

November; 2% Dezember; 4%

September; 12%

60%

August; 17%

40%

Juli; 16%

Juni; 13%

20%

Mai 5%

April; 6%

März; 6%

Jänner; 5% Februar; 5%

0%

100%


17.308 Einsatzstunden

21.000 19.000 17.000 15.000 13.000 11.000 9.000 7.000 5.000 3.000 2006

2008

2010

2012

2014

2016

2018

6.794 eingesetzte Bergrettungsmitglieder


Vielfalt Die Vielfältigkeit widerspiegelt sich auch in der Statistik der diversen Einsatzarten. Zur Bewältigung der unterschiedlichsten Einsatzarten benötigt es nicht nur einer guten Ausbildung, für besondere Einsatzarten werden eigens hierfür ausgebildete Spezialisten eingesetzt. Denn verschiedene Situationen verlangen verschiedene Vorgangsweisen. Und genau in der Beherrschung der verschiedenen Rettungstechniken, gepaart mit einer professionellen Patientenversorgung, liegt die Stärke unserer Bergrettungsmitglieder. Im Ernstfall gesellt sich zudem der Faktor Zeitdruck, der nicht eine unwesentliche Rolle spielt. Diesem kann nur mit einer guten Vorbereitung standgehalten werden.

Unbekannt; 8 Sonstiges; 76 Paragliding; 15 Spaltensturz; 4

Seilbahn; 3 Wildwasser; 3

Steileis; 7

Skitour; 48 Klettersteig; 24 Klettern; 20 Gletschertour; 7 Skipiste; 7 Rodelbahn; 15 Lawine; 15 Wandern; 523

Langlauf; 9 Verkehrsunfall; 14 Medizinisch; 30

Suchaktion; 72

Mountainbike; 110 Arbeitsunfall; 22


1.025 betreute Patienten

1025

1035 1000

972

950

947

948

916

900

855

850

786

800

805

788

750

715

700

726

650

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

600


Wer, wie was? Jeder Unfall am Berg ist ein Schicksalsschlag für einen Menschen. Es muss unterstrichen werden, dass immerhin knapp ein Viertel aller betreuten Personen unverletzt gerettet werden konnten. Schwere Erkrankung 138 Personen 13%

Die Bergunfallstatistik muss vom Leser nicht nur in Diagrammen betrachtet werden, wie bei jeder Statistik zählen jene Faktoren, welche hinter den Zahlen stehen. Präzisiert sei an dieser Stelle, dass die verstorbenen Patienten nicht immer durch Alpinunfälle ums Leben gekommen sind. Sie reichen vom Verkehrsunfall im Gebirge bis hin zum Arbeitsunfall. Nicht zur Bergunfallstatistik werden die Einsätze im Pistenbereich gezählt. Dies würde mit sich bringen, dass die Statistik vollständig verfälscht wird, ein Umstand, welcher sehr oft den gesamten Alpinismus in den Misskredit bringt.

Leichte Erkrankung 619 Personen 60%

Gefährdung d. Vitalfunktionen 26 Personen 3%

Unverletzt 190 Personen 19%

Verstorben 52 Personen 5%


64% der italienischen Staatsbßrger waren Provinzansässige

600

500

400

300

200

100

0


Botschafter der Sicherheit Ziel und Zweck des Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol ist es neben der mittelbaren Hilfeleistung und Rettung aller im Gebirge oder unwegsamen Gelände in Not geratener Menschen oder Tiere, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, welche zur Unfallprävention, Aufklärung und zur Sicherheit im alpinen oder unwegsamen Gelände beitragen.

Dass die 35 Bergrettungsstellen diese Aufgabe flächendeckend erfüllen ist durchaus bekannt, denn die Präventionsveranstaltungen sind von Jahr zu Jahr bei Skitourengehern und Schulklassen beliebter geworden. Untermauert wird diese Tätigkeit mit beachtlichen Zahlen. Im Jahr 2018 konnten an insgesamt 131 Tagen, 532 Bergretter wertvollen Dienst leisten und bringen es auf knapp 3.000 Stunden allein im

Bereich Prävention. Der Aufwand für die Organisation der zahlreichen Projekte macht sich durchaus bezahlt. Immer wieder erhalten wir Rückmeldungen von Skitourengehern, dass nur durch die Vorbereitungskurse der Bergrettung eine schnelle Kameradenrettung nach einem Lawinenabgang zum raschen Auffinden eines Verschütteten geführt hat.


Ausbildung Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut. © Aristoteles

Hinzu kommen noch unzählige Ausbildungstermine, welche in den 35 Bergrettungsstellen vor Ort absolviert werden.

Dieses Zitat trifft auch auf die Bergrettung zu, aber die Investitionen in die Ausbildung lohnen sich allemal!

Grundsätzliches: Bergrettungsmitglieder sind bei ihren Einsätzen im Gebirge sehr oft alleine vor Ort und müssen deshalb Entscheidungen treffen, welche der Einsatzleiter im Tal ihnen nur schwer abnehmen kann. Bergretter müssen im Einsatz eigenständig voraus denken um situationsgerecht handeln zu können.

Eine solide Grundausbildung sowie stete Fortbildung sind Grundlagen für die Tätigkeit als Bergrettungsmitglied.24.208 Kursstunden wurden im Jahr 2018 von 2.882 Teilnehmern auf Landesebene abgewickelt. 27000

25000

23000

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

21000


Hundeführer - Ein Fall für zwei Was ist ein Hundeführer ohne seinem Hund, was ein Hund ohne seinem Hundeführer? Aus Sicht der Bergrettung ist die Antwort schlicht: keine Einheit. Und nur unter diesem Begriff kann ein Hundeführer im Bergrettungsdienst Effizienz im Einsatz bringen. Die Hundeführer des Bergrettungsdienst im AVS können auf eine über 50 Jahre lange Tradition zurückblicken. Damals wie heute tragen die derzeit 32 Hundefüherer und -innen mit viel Engagement zu einem klaren Mehrwert für unsere Organisation bei. Hundeführer im Bergrettungsdienst zu sein be-

deutet nicht, seinen Pflichten als Bergretter nicht mehr nachgehen zu müssen. Im Gegenteil - es gilt nämlich neben der Grundausbildung und periodischen Fortbildung, eine zusätzliche Ausbildung zu absolvieren, die wiederum viele Fortbildungsstunden auf Bezirks- und Landesebene mit sich bringt. Im Jahr 2018 können die Hundeführer wieder eine rege Tätigkeit vorweisen. Neben den 120 Einsätzen (19 Lawineneinsätze, 101 Suchaktionen) zu welchen ihre Hilfe angefordert wurde, können sie auf eine beachtliche Ausbildungsbilanz zurückblicken:

Bezirksebene Lawinenkurse

Landesebene

Ausland

27 Tage

7 Tage

13 Tage

Stöberkurse und Mantrailing

273 Tage

8 Tage

9 Tage

Gesamt

300 Tage

15 Tage

22 Tage

Auf dem internationalen Austausch und Vergleich legen auch unsere Hundeführer einen besonderen Wert. Das lässt sich zum einen aus der obigen Tabelle entnehmen. Zum anderen nahmen insgesamt 3 Hundeführer an 2 wichtigen Veranstaltungen im

Rahmen der Internationalen Kommission der Alpinen Rettung teil. Vom 10.04. bis 14.04.2018 fand die Tagung der Hundeführera am Passo Rolle (I), im Oktober hingegen die einwöchige internationale Konferenz in Chamonix (F) statt.


Unerwarteter Einsatz in Georgien Es mag etwas sonderbar erscheinen wenn von einem Bergrettungseinsatz in Georgien die Rede ist. Am 7. Oktober 2018 erreichen der Ausbildungsleiter Matthias Hofer gemeinsam mit Bergretter Thomas Erlacher, beide Mitglieder der Bergrettungsstelle Brixen, die Hauptstadt von Georgien um nach den seit Wochen verschollenen Bergsteiger Jörg Hofer aus Meran zu suchen. Ziel des jungen Mannes war es, den Berg Ushba in der Region Swanetien zu besteigen. Man versuchte von Südtirol aus die Suchaktion zu koordinieren, jedoch gelang es nicht auf kooperative Partner zu stoßen um etwas in Bewegung zu setzen. Das für Bergsteiger immer attraktiver werdende Land Georgien verfügt nämlich über keinen Bergrettungsdienst, wie er in unseren Breiten bekannt ist. Somit stand klar, dass man vor Ort tätig werden musste. Nach aufwändiger Abklärungsarbeit mit der Versicherungsgesellschaft, einem Verbindungsbeamten in Georgien, Helikoptergesellschaften vor

Ort um die notwendigen Suchflüge durchzuführen sowie dem Landeshauptmann, der bei der italienischen Botschaft in Georgien interveniert ist, machten sich die Bergretter mit den notwendigen technischen und finanziellen Mitteln auf dem Weg nach Georgien. Nach zwei Tagen intensiver Recherchen und Suchflügen vor Ort blieb die Suche erfolglos. Dass der junge Mann trotz allen Bemühungen bis heute nicht gefunden werden konnte ist eine traurige Gewissheit. Sicher ist auch die Tatsache, dass der Bergrettungsdienst im AVS bei Bedarf auch weiterhin außerhalb Südtirols Grenzen Hilfe leisten wird.


70 Jahre Landesverband Der Landesverband des Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol feiert im Jahr 2018 sein 70-jähriges Bestehen und somit die Vereinigung der heute 35 Bergrettungsstellen, mit dem gemeinsamen und unveränderten Ziel, in Not geratenen Menschen und Tieren im unwegsamen Gelände Hilfe zu leisten. Auf Schloss Tirol fand am 7. September 2018 die Jubiläumsfeier mit Vertretern der 35 Bergrettungsstellen und geladenen Gästen aus Politik, Zivilschutzorganisationen von Nah und Fern sowie Behördenvertretern, statt. Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation des neuen Dokumentarfilms über den Bergrettungsdienst. Zu finden gibt es den 57-minütigen Film auf Youtube unter dem Suchbegriff „Bergrettung Südtirol“.


ABCDE - Alphabet rettet Leben Das sogenannte ABCDE-Schema hat sich in der Notfallversorgung als internationaler Standard etabliert und in vielen Kliniken und Rettungsdiensten erfolgreich durchgesetzt. Dieses Schema stellt einen roten Faden, also eine Reihenfolge dar, nach welcher der Patient Schritt für Schritt versorgt wird. Mit dieser neuen Methode Patienten zu behandeln, wurden die Bergretter seit dem Vorjahr nach und nach vertraut gemacht. Mit dem wertvollen Beitrag des ärztlichen Leiters Dr. Daniel Hölbling Patscheider ist es weiters gelungen, ein neues Patientenprotokoll nach dieser standardisierten Methode zu entwerfen und einzuführen. Dieser Ansatz soll unter anderem dazu beitragen, die Rettungskette noch effizienter zu gestalten. Genauso wie der Einsatz von medizinischer Notfallausrüstung, die in der taktischen Medizin Anwendung findet. Schlussendlich hat die Versorgung von Patienten am Berg gegenüber der Notfallmedizin im städtischen Bereich ihre Eigenheiten. Bergretter arbeiten nicht selten in Gefahrenbereichen und bei außerordentlichen klimatischen Bedingungen, wodurch sich Parallelen zur taktischen Notfallmedizin erkennen lassen. Dadurch hat sich der Einsatz von Hightech-Produkten, die ihren Ursprung in der Kriegsmedizin haben, auch im Bergrettungsdienst bewährt.


Pistenrettung Von den 35 Bergrettungsstellen führen annähernd 30 Dienst in Skigebieten sowie auf Loipen durch. Mit den derzeit landesweit 4 Motorschlitten und 8 ATV (All Terrain Vehicle), auch Quads genannt, kann der Unfallort in kurzer Zeit erreicht werden. Die klassische Prellung oder Fraktur, der Zusammenstoß zweier Skifahrer, der Unfall mit einem Pistenfahrzeug, die von einen Variantenfahrer ausgelöste Lawine, ein Herzinfarkt im Gasthaus, der vermisste Gast… In keinem Umfeld ist die Vielfalt der Einsätze größer als in einem Skigebiet. Die Wetterlagen und das sich ständig verändernde Terrain stellen zudem hohe Ansprüche an die Bergretter, die dank der umfangreichen Ausbildung im notfallmedizinischen und alpintechnischen Bereich bestens für Pistenrettungseinsätze gerüstet sind. In enger Zusammenarbeit mit diversen anderen Institutionen wird täglich eine Unzahl an Patienten auf Südtirols Skipisten und Langlaufloipen versorgt.


Helfer vor Ort In abgelegenen Gebieten vergeht bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bzw. des Notarztes viel Zeit. Bei schlechten Witterungsverhältnissen (z.B. Eis- und Schneeglätte) wird die Zeitspanne zusätzlich ausgedehnt. Andererseits ist die erfolgreiche Erstversorgung von Notfallpatienten u.a. von kurzen Anfahrtszeiten abhängig. Bereits seit dem Jahr 2005 sind unsere Bergrettungsmitglieder in Tiers, Antholz, Rabenstein im Passeier sowie Pfelders als Helfer vor Ort tätig. Diese besondere Art der Nachbarschaftshilfe wurde allein im Jahr 2018 insgesamt 144 mal in Anspruch genommen. Seit dem Start des Dienstes waren es 1.461 Notfälle, welche die Helfer vor Ort betreut haben.


Interreg Italia-Österreich Das Interreg-Projekt unter dem Akronym S.T.A.R.T. (Smart Test for Alpine Rescue Technology ) zielt ganz speziell auf die Themen und Bedürfnisse der Bergrettungsdienste ab. Durch dieses Vorhaben sollen auf lokaler Ebene die Zusammenarbeit der grenznahen Ortsstellen der Bergrettungen gefördert und auf Landeseben sollen die Bergrettungen in Tirol, Südtirol, Belluno und Kärnten die institutionelle Zusammenarbeit etablieren. Dabei ist es ein Anfang, neue Technologien und Techniken der Bergrettung zu verglei chen und zu analysieren, um daraus Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Ziel ist es nicht nur die Ausbildungen zu harmonisieren, sondern gemeinsam Technologiekompetenz zu entwickeln und dauerhafte Zusammenarbeit im grenznahen Bereich und bei internationalen Notfalleinsätzen zu etablieren. Um möglichst alle relevanten Themenbereiche umsetzen zu können, wurde Hauptaugenmerk auf ein starkes Konsortium gelegt, das über das Knowhow und die analytischen Fähigkeiten verfügt, die Ziele effizient und effektiv erfolgreich umzusetzen.


Neuer Notfallrucksack „Auch der beste Handwerker ist nur so gut wie sein Werkzeug“. Nach diesem Motto machte sich das notfallmedizinische Ausbildungsteam des Bergrettungsdienst im AVS auf der Suche nach einem geeigneten Notfallrucksack. Leicht, kompakt und praktisch in der Anwendung, diese Eigenschaften sollte der neue Rucksack erfüllen. Genauso wie das Seil in der Rettungstechnik eine zentrale Rolle spielt, genauso wichtig ist es der Notfallrucksack in der medizinischen Versorgung. 5 Rucksäcke stehen deshalb für die Landeskurse zur Verfügung, die unter anderem als Referenz für die Bewältigung der täglichen Einsätze unserer Rettungsstellen dienen. Der Inhalt ist übersichtlich und systematisch nach den Prinzipien des neuen Patientenprotokoll strukturiert. Die Aufteilung des Inhalts auf mehrere Bergretter ist im Bedarfsfall im Handumdrehen erledigt.


Civil Protect 2018 Südtirols Zivilschutz ist ein ausgesprochen gut funktionierender Apparat, der sich in erster Linie aus freiwilligen Helfern zusammensetzt. Eine Messe bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, diese Realität der Öffentlichkeit zu präsentieren, erst recht wenn sich dabei alles um den Zivil– und Katastrophenschutz dreht. Dass sich die Civil Protect im Jahr 2018 zum 6. Mal wiederholt hat, spricht für ihren Erfolg. Tatsächlich nahmen die Besucherzahlen von Auflage zu Auflage ständig zu. Das bestätigen auch die freiwilligen Helfer, die vom 23. bis 25. März 2018 den Bergrettungsdienst im AVS am Stand, der mit den Kollegen des CNSAS geteilt wurde, präsentierten. Ein sehr positiver Nebeneffekt der Messe ist der Erfahrungsaustausch, der zwischen den Mitgliedern verschiedener Zivilschutzorganisationen und den vielen Ausstellern stattfindet. Die nächste Auflage der Civil Protect steht im Jahr 2021 auf dem Programm.


Bergrettung und Fortschritt Der digitale Wandel hat auch im Bergrettungsdienst Einzug gehalten. Wo früher noch Stift und Block angesagt waren, fließen heute nur noch Daten, sowohl auf verwaltungstechnischer als auch auf operativer Ebene. Die Auswirkungen sind auch im Einsatzalltag wiederzuerkennen. Hat früher ein Einsatz noch Tage gedauert, werden heute nur noch „wenige“ Stunden aufgewendet. Dazu beigetragen haben neben der schnellen Alarmierung, die heute mit digitalen Personenrufempfängern stattfindet, moderne Einsatzmittel, von der leichten Gebirgstrage bis zum leistungsfähigen Helikopter, der heute auch bei Nachtstunden eingreifen kann. Dem Fortschritt sei Dank kann den Patienten immer schneller und effizienter geholfen werden. Nun steht hinter dem Begriff „Fortschritt“, nicht wie es zu scheinen mag, ausschließlich die technische Weiterentwicklung, sondern in erster Linie eine Mannschaft, die aus Fleisch und Blut besteht. Denn Technik allein löst, bis auf Gegenprobe, den in Not geratenen nicht das Problem.

Ein Meilenstein für die Rettung am Berg stellen die nachtflugtauglichen Rettungshelikopter dar. Die gesamte Heli-Flotte ist nun mit modernster Technik ausgestattet, die den Einsatz in den Abend- und Nachtstunden ermöglicht. Von mehreren erfolgreichen Nachteinsätzen wurde in den Medien bereits berichtet. Die gesamte Mannschaft, so auch die Bergretter, operieren unter besonderen Umständen, die ein höheres Maß an Achtsamkeit und Sorgfalt voraussetzen. Helikopterausbildungen finden dementsprechend, nicht nur wie bisher tagsüber, sondern auch bei fehlendem Tageslicht statt.


PEER-Gruppe Einsatznachsorge beginnt am besten meist im Vorfeld und im Zuge der Ausbildung in Form von Information und Sensibilisierung der Einsatzkräfte. Nur so erfahren die während eines Einsatzes oft an Körper und Geist belasteten Bergretterinnen und Bergretter, welch mögliche Reaktionen sich auch bei ihnen nach einem belastenden Einsatz einstellen und was sie am besten dagegen ausrichten können.

renamtlichen Rettungsdienstes. Einmal mehr hat sich im abgelaufenen Jahr die Wichtigkeit der PEER-Tätigkeit im Coaching einzelner Mitglieder unseres Rettungsdienstes gezeigt, die ihrerseits den Umgang mit ihren Kolleginnen und Kollegen nach einem schweren Ereignis bei den PEER-Mitgliedern hinterfragen wollten. Zur einfachen PEER-Arbeit zählt daher auch all jene Arbeit, die zwischen Kollegen innerhalb einer Rettungsstelle im Einsatzalltag erbracht wird. Dabei ist eine gelebte Kameradschaft, die in unseren Reihen gepflegt wird, sehr hilfreich. Sensibilisierung und Prävention wird bei der Bergrettung groß geschrieben, so dass diese Themen nunmehr seit einigen Jahren in der Grundausbildung verankert sind und gezielt angeschnitten werden. Neben der Möglichkeit für alle Bergrettungsfrauen und -männer, jederzeit anonym Kontakt mit einem PEER aufzunehmen, kann weiterhin seitens der Rettungsstellen bei den PEERs zwecks Abhaltung von internen Informationsabenden angefragt werden.

Auch im vergangenen Arbeitsjahr 2018 wurden mehrere Einzel- und Gruppengespräche geführt, um Geschehenes besser verstehen zu können. Bei diesen Gesprächen ging und geht es vor allem darum, das während dem Einsatz gemachte Erlebnis sowie die dadurch entstandenen Eindrücke für den Einzelnen verständlicher zu machen. Hierzu braucht es nicht immer gleich eine Katastrophe oder ein großes Unglück. Auch kleine, sogenannte Routine-Einsätze können die eine oder andere Einsatzkraft im darauffolgenden Alltag nachhaltig negativ beeinflussen. Dies zu erkennen und etwaige korrigierende Maßnahmen einzuleiten, zeugt von großer Eigenverantwortung und Ernsthaftigkeit in der Ausübung dieses eh- Willi Feichter


Die Canyoning-Gruppe Die Canyoning-Gruppe erhielt im Jahr 2018 Verstärkung durch den Neuzugang von weiteren 10 Mitgliedern, erfolgreiche Absolventen des dreitägigen Grundkurses in Südtirol. Hochmotivierte Bergretter aus dem ganzen Land, haben im Juni diesen sehr anspruchsvollen Grundkurs besucht und mussten dabei nicht nur ihre gute und ausreichende Kondition, sondern auch den sicheren Umgang mit dem Element Wasser unter Beweis stellen. Das Verhalten im Wildwasser und richtiges Schwimmen waren am ersten Tag ein Thema der Ausbildung. Außerdem wurde den Teilnehmern im Lehrsaal von Vintl, noch am gleichen Tag in der Theorie ein wichtiger Teil des Ausbildungsspektrums über die Canyoning-Rettung vermittelt. Die weiteren Tage in Vilpian waren mit Theorie und praktischer Ausbildung im Bach voll ausgefüllt. Am letzten Tag wurde die Ausbildung mit einer Abschlussübung, wo das ganze Team gefordert war,

erfolgreich und ohne größere Verletzungen abgeschlossen. Wie wichtig eine qualifizierte und fundierte Ausbildung ist, haben die Mitglieder der Canyoning-Gruppe im Laufe des Jahres bei diversen Sucheinsätzen in engen Bachläufen bewiesen. Im September 2018 waren die Retter bei einer großangelegten Suchaktion in Schlanders an der Etsch im Einsatz. Im laufenden Jahr 2019 werden wieder Schnupperkurse, Fortbildungen und der Canyoning Grundkurs für die interessierten Bergretter angeboten. Als Gruppenleiter möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Mitgliedern der Canyoning-Rettung, bei den Bezirksvertretern und beim Landesverband für den tatkräftigen Einsatz und die Unterstützung bedanken. Ohne diese wäre eine funktionierende Canyoningrettung in der Bergrettung des AVS nicht möglich. Wolfgang Hauber


Dank... … kann man immer gebrauchen! Doch ist der Dank der heutigen Tage ein sehr seltenes Phänomen geworden. Viele Dinge werden zur Selbstverständlichkeit, und wenn mal etwas gut läuft, dann halt nur deswegen, weil man es ja so voraussetzt. Über den Dank freut sich dennoch jeder Bürger, auch wenn seine Leistung noch so klein ist. Es bestätigt die Arbeit und spornt an weiter zu machen! Gerade deswegen wollen wir hier danken! Der Bergrettungsdienst bedankt sich jedenfalls!. Der Dank sei zu aller erst an die mehr als 900 aktiven Retter und Retterinnen gerichtet. Sie arbeiten im Stillen mit Idealismus und Fleiß. Sie sind es, welche sich diese Aufgabe zu Herzen genommen haben. Ein aufrichtiger Dank sei auch an jene gerichtet, welche unsere Bergretter stützen, die Familien unserer Bergrettungsmitglieder. Das gesamte System des Rettungsdienstes am

Berg setzt auch das Verständnis vieler Arbeitgeber voraus; ohne deren Einwilligung wäre so mancher Einsatz nicht durchführbar. Bergrettung kostet auch Geld! Verschiedene Gerätschaften, Ausbildung und Versicherung, aber auch laufende Spesen wie Treibstoff und dergleichen müssen beglichen werden. Hier helfen uns unsere Gönner, sowie die öffentliche Hand weiter. Das Land Südtirol sowie die 116 Gemeinden Südtirols stehen den Bergrettungsstellen in finanzieller Hinsicht stets zur Seite. Mit den lokalen Kreditinstituten haben wir seit zahlreichen Jahren verlässliche Partner gefunden, welche uns immer wieder bei der Realisierung von schwer finanzierbaren Projekten und Vorhaben helfen.


Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol Landesverband

Soccorso Alpino dell‘Alpenverein Südtirol Unione Provinciale

Brauereistraße 18 I-39018 Vilpian (BZ) Tel. +39 0471 675 000 Fax +39 0471 675 008 info@bergrettung.it www.bergrettung.it

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Jahresbericht 2018  

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