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Merz Akademie Stuttgart Strategien des Dokumentarischen Prof. Katja Eydel Sommersemester 2009

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Henri Cartier-Bresson (1908-2004) Fachkolloquium 2. Semester Benjamin Wurster


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Inhalt Einleitung ....................................................................................................04 Arbeitsmethode und Position...............................................................06 Bildaufbau und -sprache.........................................................................08 SchwarzweiĂ&#x;-Film und Postproduktion...........................................10 Statement.....................................................................................................12 Quellen..........................................................................................................14


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Einleitung Sein erstes Grundwissen der Bildsprache und -komposition erlernt Bresson mit einem zweijährigen Studium der Malerei bei dem Kubisten André Lhote. Dabei setzt er sich vor allem mit den surrealistischen Eigenschaften wie Geschmack für Intitution, Ungehorsam, Zufall, Bewahrung der Konzidenz und der vorrangigen Stellung der erlebten Erfahrung auseinander. Nach dem Studium lernt Bresson während seines Ausgangs im Militärdienst Harry und Caresse Crosby kennen. Durch sie knüpft er Kontakte zu Künstlern und Galleristen wie Salvador Dali, Max Ernst und Julien Levy. Dabei lernt er auch Gretchen und Peter Powel (Amateurphotographen) kennen. Sie zeigen Bresson die Photographie als ein Ausdrucksmittel und eine Kunstform auf, anstelle eines reinen Zeitvertreibs. Seine ersten Aufnahmen, abgesehen von den Schnappschüssen in seiner Kindheit mit einer sogenannten „Brownie Box“ (Kodak), macht Bresson von Material und Stuktur. Das streben nach Abstraktion ist die vorherschende Ästhetik der europhäischen Photographie der zwanziger Jahren, nach dieser sich zunächst auch Bresson richtet. Seine Photographien sind zu dieser Zeit noch stark von der Vogel und Froschperspektiven geprägt sowie von der „Nouvelle Vision“, der Anordnung sich wiederholdender Formen. Durch eine Afrikareise nach dem Militärdienst beginnt Bresson mit gelegentlichen Reportageaufnahmen. Doch erst als er nach Europa zurückkehrt beschließt er ernsthaft Fotograf zu werden. Der Auslöser für seinen Entschluss sich der Photographie zu widmen ist eine Photo von Munkácsi. Er beschreibt das Bild als eine „Wirklichkeit, die durch das Objektiv zu sehen ist“ trotz einer kompositorischen Strenge, wie bei einer Inszenierung. Und er erkennt zudem: „Die Photographie kann die Ewigkeit im Augenblick festhalten.“ Die Aufnahmen die darauf entstehen sind noch stark durch die Sureallisten geprägt. Erst nach dem Krieg sieht sich Bresson als proffesioneller Photograph und meint damit die Distanzierung des „abstrakten Ansatzes der Photografie“ hinzu dem Interesse für „menschliche Werte“ als Reporter im Photojournalismus.


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Photo: Martin MunkĂĄcsi Arts et MĂŠtiers graphiques 1931


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Arbeitsmethode und Position Zu Beginn seiner Reportagephotographie probiert Bresson verschiedene Kameramodelle aus. Doch bleibt er an einer Kleinbildkamera von Leica (Modell: „Leica M“ 35 mm) hängen. Durch die einfache Handhabung und Mobilität der Kamera sieht er in ihr das perfekte Werkzeug für die Kreationsphase seiner Bilder. Die 30 Aufnahmen ohne Filmwechseln erlauben ihm Fexibilität und die „Größe“ des Apparates ein beinhahe „unbemerktes“ Photographieren. Weshalb er auch kein Stativ benutzt. Zu dieser Zeit trägt die Kamera zudem den Spitznamen „Detektivkamera“. Mit Absicht verzichtet er auch auf eine künstliche Beleuchtung wie etwa ein Blitzgerät. Alles soll genau so wiedergegeben werden, wie er es mit seinem „verlängerten Auge“, wie er seine Kamera nennt, erfasst.

Photo: Dan Budnik Henri Cartier-Bresson Paris 1961


07 Krönung von Georg VI London 1937

Wie die Vorgehensweise Bressons bei der Kreation schon vermuten lässt lehnt Cartier-Bresson die Planung oder Konzeptionierung seiner Werke ab. In seinen Bildern gibt es keinerlei Inszenierung oder Posen (mit Ausnahme Anfang der 30er Jahren). Er stellt die Ablehnung der Inszenierung mit der Ablehnung der Gesellschaft des Spektakels gleich und will in keinem Fall eine Sensationsfotografie betreiben sondern „Situationen die andere Formen des Daseins darstellen als das Ereignis“. Als er beispielsweise im Jahre 1936 zur Krönung von Georg VI nach London reist photographiert er nicht den König sondern das Volk.


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Bildaufbau und -sprache Den Bildaufbau sieht Cartier-Bresson an erster Stelle. Deshalb finden sich immer wieder außergewöhnlich stark konstruierte Bilder, die aber immer durch eine zufällige Komposition entstehen. Auf diese Weise entstand auch die jeweilige Bildsprache die er später mit dem „entscheidenden Augenblick“ betittelt und bekannt wird. Bresson vergleicht diesen Augenblick mit einem Bogenschützen, der die Position seines Ziels vorausahnen muss um einen Treffer zu landen. Seine Bilder folgen oft den Gesetzen des Goldenen Schnitts − damit ein Sujet seine ganze Intensität entfaltet, müssen laut Bresson die Formbezüge ganz genau festgelegt werden.

Joinville-le-Pont Frankreich 1938

Der entscheidente Augenblick, dessen Wortkombination durch die Abwandlung eines von Bresson benutztes Zitat − „Es gibt nichts, auf der Welt, was keinen entscheidenden Moment hätte“ (Mémoires, Cardinal de Retz) − entstammt gilt nicht nur alleine der Bildkompostion und dem Bildaufbau. Der Entscheidende Augenblick entsteht dann, wenn in einem Art Höhepunkt eines Moments „die Dinge in einer ebenso ästhetischen wie bedeutsamen Anordnung“ zusammenkommen.“ Gemeint damit ist das Zusammentreffen verschiedener Elemente die den Sprung von einem „gewöhnlichen“ Festhalten eines Moments zu einem Kunstwerk überschreitet. Die Schwierigkeit darin liegt alleine im Erkennen des Höhepunktes einer Situation.


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Arena von Valencia Spanien 1933


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Schwarzweiß-Film und Postproduktion Cartier-Bresson ist starker Verfechter der SchwarzweißPhotograpie. Seine Argumente liegen hauptsächlich in der schlechten Empfindlichkeit bei (schnellen Bewegungen) der Farbemulsionen und der Farbwiedergabe der Bilder in den 50er Jahren im Gegensatz zu der Malerei. Trotzdem fertigt er immer wieder Farbphotographien an, die er aber zum größten Teil nur auf Bestellung bzw. auf Wunsch von Auftraggebern entstehen. Auch mit den stetigen Verbesserungen der Technik bleibt er dem Schwarzweiß-Film bis zu seinem Lebensende treu. place de l‘Europe gare Sanit-Lazare Paris 1932


11 Mit einer Postproduktion möchte Bresson seine Ethik in den Bildern nicht verlieren. Weshalb er Redakteuren bei der Verarbeitung seiner Bilder häufig darauf hinweist keine zusätzlichen Informationen in der Bildunterschrift zu erfinden, da die Photos für sich selber sprechen sollen. Auch eine Zerstörung des Bildformats und der Bildkomposition, durch eine Einpassung in ein Layout versucht er zunächst anhand eines Stempels auf der Rückseite mit der Aufschrift „Bitte nicht beschneiden“ zu verhindern. Da er aber schnell bemerkt das auch das keine funktionierende Lösung ist setzt er (ab Ende der 60er Jahren) einen schwarzen Rahmen (nicht berührter Rand des Negatives vom Licht) um seine Bilder, um die Beschneidung der Photographien weitestgehend zu verhindern. Diese Maßnahmen zeigen auch seinen professionellen Anspruch im Bezug auf seine Arbeit auf.


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Statement Bresson will mit seinen Aufnahmen alles genau so wiedergeben, wie es aus der Situation entsteht. Er benutzt keine speziellen Effekte, wie eine künstliche Beleuchtung und lässt von jeglicher Inszenierung ab. Doch für mich ergibt sich genau aus dieser Situation die nur in diesem, einen, bestimmten Augenblick entsteht einen Wiederspruch. Denn wenn alles so wiedergegeben werden soll, wie es in der Wirklichkeit ist, dann stellt sich die Frage, ob dieser bestimmte Augenblick auch noch dazu gehört. Dieser „perfekte“ Augenblick sowohl von der Ästhetik als auch in seinem strengen Bildaufbau wirkt für mich schon wieder Realitätsfern. Dabei ist es vielleicht auch genau dieser Wiederspruch der dazu beiträgt, aus der Aufnahme etwas einzigartiges zu machen und ein Kunstobjekt zu entwerfen. Trotzdem beschäftigt mich dieser Gedanke immer eingehender, umso weiter ich die Entwicklung und die fortlaufende Richtung des Standpunkts von Bresson verfolge.


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Quellen (01)

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Clément Chéroux: „Henri Cartier-Bresson. Der Schnappschuss und sein Meister“, in: Schirmer/Mosel (Hrsg.). München 2008. Zuerst als: „Henri Cartier-Bresson − Le tir photographique“ , in: Editions Gallimard (Hrsg.). Paris 2008

Henri Cartier-Bresson: „Henri Cartier-Bresson. Photographer.“, in: Little, Brown and Company (Hrsg.). Boston · New York · London 1992. Zuerst als: „Henri Cartier-Bresson. Photographe“, in: Delpire Editeur (Hrsg.). Paris 1979


Cartier-Bresson  

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