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H O C M Ü

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F A K U L T Ä T 0 1 A R C H I T E K T U R

W I N T E R S E M E S T E R 2 0 1 3 / 2 0 1 4

C O N T A I N E R W O H N H E I M Prof.Dr.Franz Xaver Baier

M 5 . 4 D e m o k r a t i e: G e s t a l t e n

B E N J A M I N

S C H E L S


I N H A LT

INHALT 01


INHALT 02

01 KONZEPT

S. 03

02 CONTAINER

S. 09

03 WOHNMODULE

S. 15

05 WOHNHEIM

S. 20


0 1 K O N Z E P T

KONZEPT 03


R E C H T

A U F

W O H N E N

Das Recht auf Wohnen gehört zu den grundlegenden Menschenrechten in Deutschland 1. Dieses Recht beinhaltet das Wohnen in erschwinglichem2, kulturell3 und lagetechnisch4 (zB. Nähe zur Universität) angemessenem Maße.

KONZEPT 04


F E H L E N D E W O H N H E I M P L Ä T Z E In Deutschland ist dieses Menschenrecht besonders bei Studenten nicht ausreichend gewährleistet. Hohe Mieten in Universitäts- und Hochschulnähe sind für Studierende ohne staatliche Unterstützung oft nicht tragbar oder führen zu langen Pendelwegen. Studenten sind auf Wohnheime angewiesen. In Deutschland gibt es ca. 228.000 geförderte Wohnheimplätze5 für über 2,5 Millionen Studenten6. Laut Bundesbauministerium fehlen im Bundesgebiet mindestens 70.000 Wohnheimplätze7.

KONZEPT 05


F E H L E N D E

G R U N D S T Ü C K E

Die Bereitschaft der Städte und Kommunen ist dabei groß, diesem Problem zu lösen. Das Land Bayern beispielsweise fördert einen Wohnheimplatz mit bis zu 32.000 Euro8, ähnliche Förderprogramme gibt es in Thüringen und Baden Württemberg. Was fehlt sind geeignete und bezahlbare Grundstücke.9

KONZEPT 06


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Es gibt vielfach Raum, der auf Grund von verschiedenen Faktoren nicht genutzt wird (zB. Insolvenzen, rechtliche Streitigkeiten, etc.). Als Beispiele im Stadtgebiet von München: „EON-Gelände“ in München-Obersendling, 80.000 qm. Geplant als Standort der Hauptverwaltung eines Energiekonzerns, seit 1994 Brachland. Eigentümer: E.ON AG/ Stadt München. „Wüste von Sendling“ in München-Untersendling, 7.000 qm. Ehemaliges Bauzentrum der Stadt München, seit 2002 Brachland. Eigentürmer: Stadt München. Beide Grundstücke verfügen über eine sehr gute Verkehrsanbindung, gehören dazu teilweise der Stadt selbst und wären als Grundstück für ein Studentenwohnheim bestens geeignet. KONZEPT 07

„EON-Gelände“, München-Obersendling


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Brachflächen in atraktiver Lage sind meist Austragungsorte langer Streitigkeiten zwischen verschiedenen Meinungsträgern, gemeinsam haben sie immer die ungewisse Zukunft. Um diese Flächen nutzen zu können, bedarf es einer flexiblen, temporären Lösung, die diese Nutzungslücken ausfüllen können bis eine endgültige Lösung gefunden wird und der Eigentümer die Fläche wieder benötigt, oder sich aber entscheidet es als Wohnheim zu belassen. Studenten haben in der Regel befristete Mietverträge für eine gewisse Anzahl an Semestern oder die Dauer ihres Studiums. Sie sind deshalb sehr flexibel auf temporäre Wohnheime verteilbar. Stellt man den gleichen Anspruch an das Wohnheim, ist das eine attraktive Lösung des Problems.

KONZEPT 08

„Wüste von Sendling“, München-Untersendling


0 2 C O N T A I N E R

CONTAINER 09


L Ö S U N G : C O N T A I N E R

Ziel ist es erschwinglichen, architektonisch hochwertigen Wohnraum für Studenten zu schaffen der flexibel eingesetzt werden kann, dort wo Raum verfügbar ist. Die Lösung: Ein Container-Wohnheim für Studenten.

CONTAINER 10


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Grundlage ist ein 40 Fuß ISO-Container (Schiffscontainer) wie er im internationalen Handel üblich ist. Durch ihre kostengünstige Herstellungsweise und die sehr hohe Verbreitung sind sie sehr günstig zu erwerben (gebraucht ab ca. 1000 €). Seecontainer lassen sich bei einem zulässigem brutto Gesamtgewicht von bis zu 30 Tonnen in Stapeln zu 8 Containern aufreihen, ohne das Hilfskonstruktionen nötig sind. Des weiteren sind sie natürlich in ihrer eigentlichen Eigenschaft als Transport-Container sehr flexibel und kostengünstig zu transportieren.

CONTAINER 11


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Seecontainer bestehen aus einem Stahlskelett, das als Haupttragstruktur dient. In Längsrichtung sind am Boden Querträger eingezogen, auf denen der Containerboden aus Holz eingezogen wird. Die Wände bestehen aus Trapez- Stahlblech. Tür und Dach werden aus Stahlblech gefertigt. Schematischer Aufbau

2,44

Bei Außenmaßen von 12,192 m (40 Fuß) × 2,438 m (8 Fuß) × 2,896 m ( L x B x H ) bietet ein 40 ft Seecontainer ca. 28 qm nutzbaren Raum.

2,591

Auf Grund ihrer eigentlichen Bestimmung als Transportcontainer auf hoher See sind sie extrem robust, wasserdicht und sehr langlebig.

12,19

CONTAINER 12

Grundriss, Schnitt 40FT Seecontainer M1:100


C O N T A I N E R + A R C H I T E K T U R Containergebäude haben auf Baustellen als temporäre Aufenthalts- oder Büroräume („Baustellencontainer “) eine längere Tradition. Diese Containertypen basieren meist auf Grund der Transport- und Stapelbarkeit auf den Außenmaßen von Seecontainern, sind aber ansonsten eigenständige Systeme. In der Architektur gibt es in den letzten Jahren vermehrt Nutzungskonzepte für Seecontainer.

„Baustellencontainer“ der Alpine GmbH

„Studenthousingship“ (Konzept), Sculp(it) Architects, 2005

„ Container City“ (Konzept), MVRDV, Rotterdam (NL), 2001

CONTAINER 13


TEMPORÄRE CONTAINERBAUTEN Beispiele für Containergebäude als temporäre Zwischenlösung: „Basislager “, Atelier- und Bürokomplex. 135 Container, ca. 200 Nutzer. Von Oktober 2009 - 2013 auf einer ehemaligen Industriebrache der Swiss Life in Zürch. Seit 2013 auf städtischem Brachplatz in ZürichAltstetten. Bauzeit: 2 Monate

„Basislager“, NRS-Team, Zürich-Altstetten (CH), 2009

„Containersiedlung Leutschenbach“, Asylwohnheim. 70 Container, 114 Bewohner. Seit 2010 auf einem Brachplatz einer Brauerei in Zürich. Bauzeit: 2 Monate

CONTAINER 14

„Containersiedlung Leutschenbach“, Zürich, 2010


0 3 W O H N M O D U L E

WOHNMODULE 15


A

Die Module bestehen aus einem oder zwei gebrauchten 40FT Schiffscontainer. Prinzipiell gibt es drei Modul arten: GEMEINSCHAFTSMODULE Zwei Container, im Erdgeschoss. Erschließung über die Innenseite GEWERBEMODULE Zwei Container, im Ergeschoss. Erschließung über die Außenseite WOHNMODULE Ein oder zwei Container, in den Obergeschossen in Querrichtung Erschließung über Laubengang an der Innenseite WOHNMODULE 16

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E R D G E S C H O S S

O B E R G E S C H O S S E

GEWERBEMODUL

B

GEMEINSCHAFTSMODUL

F

17,15

2,44

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WOHNMODULE 17,15

2,44

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Die Gemeinschaftsmodule im Erdgeschoss können von allen Bewohnern genutzt werden. Sie werden durch den Haupterschließungsgang erschlossen. Aufenthaltsraum-Modul Bietet einen möblierten gemeinschaftlich genutzten Raum für alle Bewohner des Wohnheims (ca. 40 qm), eine Küche sowie getrennte Toiletten. Hier kann gemeinsam gekocht und gegessen werden und es ist ein Platz zum Feiern. Versorgungs-Module Als Beispiel ein Modul für die Entsorgung und die Unterbringung der Fahrräder. Daneben sind viele weitere gemeinsam genutzte Module vorstellbar.

WOHNMODULE 17


E

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B

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Die Gewerbemodule im Erdgeschoss werden im Idealfall von der Straßenseite erschlossen. Sie bieten durch die Ladenmieten eine Einnahmequelle für das Wohnheim.

Lager

W

Laden-Modul Bietet eine Verkaufsfläche von ca. 40 qm, ein Lager mit 8 qm sowie getrennte Mitarbeitertoiletten. Im Beispiel als Bücherladen. Lager

Cafè-Modul Mit Bar, getrennten Toiletten und 59 Plätzen im Gastraum sowie einer Terasse mit 25 Sitzplätzen.

WOHNMODULE 18

Kasse

E

Verkaufsfläche

G


O

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N

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N 2,44

W

17,15

10 qm

10 qm

Das eigentliche Wohnen findet in den Obergeschossen statt. Über einen Laubengang an der Stirnseite werden die Wohnmodule jeweils erschlossen. Single- Modul Wohnraum für einen Bewohner mit Wohnküche (10 qm), abgetrenntem Schlafzimmer (10 qm), Bad mit Dusche und einem separatem WC.

WG-Modul Wohnraum für drei Bewohner mit zentraler Wohnküche (20 qm), drei abgetrennten Schlafzimmern ( je 10 qm), Bad mit Dusche und separatem WC.

WOHNMODULE 19

2,44

17,15


0 4 W O H N H E I M

WOHNHEIM 20


A

U

F

B

A

U

Die einzelnen Module werden per LKW angeliefert und mit einem Kran am Bestimmungsort platziert. Dann werden sie miteinander verschraubt, die Strom und Sanitäranschlüsse angeschlossen. Bis zu 15 Container können zu einer Zeile verbunden werden. Bei mehrgeschossigen Anlagen erfolgt die vertikale Erschließung über zusätzliche Treppenhäuser an den Zeilenenden, es lassen sich bis zu sechs Module stapeln.

WOHNHEIM 21


S

C

H

E

M

A

Es gibt viele varianten ein Wohnheim aus den Modulen zu errichten. In diesem Konzept befindet sich die Gewerbefläche an der Straßenseite mit den Eingängen zu den Läden, der Laubengang zu den gemeinschaftlich genutzen Modulen an der Rückseite. Die Wohnungen im Obergeschoss werden durch Laubengänge über Treppen an den Seiten der Gänge erschlossen.

WOHNHEIM 22


F

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G

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N

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In der größten Ausdehnung besteht ein Komplex aus 90 einzelnen Containern und bietet bis zu 244 Studenten Wohnraum auf einer Grundfläche von 600 qm mit 120 qm Ladenfläche.

WOHNHEIM 23

Grundriss EG

Grundriss OG01 -05


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G

Die Wohncontainer sind im Besitz der Studentenwerke oder eines Investoren. Der Baugrund wird vom Eigentümer jeweils für einen befristeten Zeitraum gemietet oder bestenfalls zur Verfügung gestellt (zB. bei städtischen Besitztümern). Das Aufstellen bzw. der Umzug eines Wohnheims ist in weniger als vier Wochen zu bewerkstelligen, so das ein Mietvertrag ab einem Jahr Dauer rentabel sein kann. Zusätzlich finanziert sich das Wohnheim über staatliche Zuschüsse, Fördergelder, Spenden etc. sowie die Einnahmen aus den Ladenmieten.

WOHNHEIM 24


Q

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L

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N

1 ICESCR Art. 11 (1): „The States Parties (...) recognize the right of everyone to an adequate standard of living for himself and his family, including (...) housing.“

4 ICESCR Art. 11 (1) General Comment 4 (f): „Location. Adequate housing must be in a location which allows access to employment options.“

Bayrische Verfassung, Art. 106: „(1) Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung. (2) Die Förderung des Baues billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden.“

5 Statistisches Bundesamt: „Statistik der Studenten“, Wiesbaden 2013

Europäische Sozialcharte, Art. 31: „Das Recht auf Wohnung. Um die wirksame Ausübung des Rechts auf Wohnung zu gewährleisten, verpflichten sich die Vertragsparteien, Maßnahmen zu ergreifen, die darauf gerichtet sind: 1. den Zugang zu Wohnraum mit ausreichendem Standard zu fördern (...) die Wohnkosten für Personen, die nicht über ausreichende Mittel verfügen, so zu gestalten, daß sie tragbar sind.“

6 Deutsches Studentenwerk: „Es reicht noch nicht“, Pressemitteilung vom 07.09.2012, URL: http://www.studentenwerke.de/presse/2012/070912a.pdf (abgerufen am 20.01.2014)

2 ICESCR Art. 11 (1) General Comment 4 (c): „Affordability. Personal or household financial costs associated with housing should be at such a level that the attainment and satisfaction of other basic needs are not threatened or compromised. (...) States parties should establish housing subsidies for those unable to obtain affordable housing, as well as forms and levels of housing finance which adequately reflect housing needs.“

rufen am 20.01.2014)

3 ICESCR Art. 11 (1) General Comment 4 (g): „Cultural adequacy. The way housing is constructed, the building materials used and the policies supporting these must appropriately enable the expression of cultural identity and diversity of housing.“

QUELLEN 25

7 Lina Kirstgen: „Trotz Wohnungsbau: Es fehlen 70.000 Studentenwohnungen“, in: ZEIT CAMPUS vom 26.08.2013, URL: http://www.zeit-verlagsgruppe.de/presse/2013/08/trotz-wohnungsbau-es-fehlen-70-000-studentenwohnungen/ (abge-

8 Bayerisches Staatsministerium des Innern: „Richtlinien für die Förderung von Wohnraum für Studierende“, Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 17. Mai 2013, URL: http://www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/ Navigation/Foerderrecherche/suche.html?get=4aa561e46fff16fb87d819d09c76984 2;views;document&doc=10002&typ=RL (abgerufen am 20.01.2014) 9 Bayrisches Staatsministerium des Inneren, für Bau und Verkehr: „Wohnungen für Studenten“, 19.06.2013, URL: http://www.stmi.bayern.de/med/aktuell/archiv/2013/2 0130619studentenwohnungen/ (abgerufen am 20.01.2014)


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Prof.Dr.Franz Xaver Baier

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S C H E L S

M5.4 Demokratie:Gestalten

CONTAINER WOHNHEIM

BA 5.4 booklet demokratie gestalten wohncontainer  
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