Issuu on Google+

BENEDIKT DECKER FRAME

BENEDIKT DECKER ANALOGON


ANALOGON


ANALOGON Zur Authentizit채t der Fotografie Benedikt Decker


ESSAY FOTOGRAFIEN INDEX


ESSAY


Fenster Der italienische Architekt und Kunsthistoriker Leon Battista Alberti hatte die Vorstellung, dass ein Bild ein Fenster sei, durch dessen Rahmen das dargestellte Geschehen betrachtet werde. Analog verhält es sich bei den Fotografien der Fenster. Der sich jeweils am Format des Fensterrahmens orientierende Bildausschnitt wird zum Stellvertreter des Rahmens eines Gemäldes, in dessen das Geschehen dargestellt wird. Die Fotografien paraphisieren eine malerische Komposition bei denen der Fotograf nicht Teil der Paraphase wird. Er tritt in den Hintergrund und ist zum Zeitpunkt der Belichtung nicht auf dem Bildausschnitt zu sehen. Auf diese Weise tritt das Aufzeichnungsmedium in den Vordergrund. Die Kamera befindet sich zwischen dem Sehraum der sich optisch in der Scheibe spiegelt, faktisch aber hinter der Sehrichtung der Kamera liegt und dem sich tatsächlich vor der Kamera befindendem Sehraum. „Wird die Kamera zwischen zwei Motiven postiert, vermag sie nur mittels eines Spiegels in einer Aufnahme festzuhalten, was sich vor dem Objektiv und hinter dem Apparat befindet.“ Joachim Schmid

Zeichen mit dem velum nach Alberti, Simmern 1531


Der Bildraum, in den der Betrachter blickt, wird gleichzeitig der Sehraum der sich aus der anderen Seite der Scheibe in Blickrichtung der Kamera ergibt. So als wäre der Außenraum im Inneren des Zimmers. Als Beispiel dient die Fotografie Galerie 81. Hier befindet sich im Zentrum des Bildes hinter dem Fenster eine Holzfigur, die in Richtung der Kamera blickt. Der urbane Raum, welcher sich in der Scheibe von außen spiegelt, könnte mit den Augen der Holzfigur gesehen werden. Der Betrachter aus der Kameraperspektive müsste sich praktisch nur umdrehen, um den Sehraum der Holzfigur zu er blicken, doch der Wechsel von der Fiktion zur Wirklichkeit ist durch die Gebundenheit an das Medium der Fotografie nicht möglich. Die Spiegelung im Fenster verbindet wieder, was sie räumlich trennt. Sie stiftet Verwirrung. Sie ist fragmentarisch und schemenhaft. „Wer von außen durch ein offenes Fenster blickt, sieht nie so viel Dinge, wie der, der auf ein geschlossenes Fenster schaut. Die Barriere, die visuell nicht zu überwinden ist, beflügelt die Phantasie, die den Blick hinter diese imaginiert.“ Charles Baudelaire

Intransparenz Licht ist die Bedingung von jeder Erscheinung und hat die Eigenschaft diaphan also transparent zu sein. Licht macht also Unsichtbares erst sichtbar. Dieses Element taucht in den Fotografien der Fenster als Undurchsichtigkeit hervorgerufen durch Spiegelungen und Überlagerung auf. Das Medium wird durch die Spiegelung als Störung manifestiert. Der Betrachter muss sich durch die Undurchdringlichkeit hindurchsehen, um eigenständig sehend zu werden.

Galerie 81, Benedikt Decker, Stuttgart 2013


Abbildungsqualität Etymologisch gehört die Schärfe nicht zum Bereich des optischen sondern des haptischen und ist bezogen auf die Schneidefähigkeit von Materialien. Im übertragenden Sinne auf die Fotografie meint der Begriff der Schärfe zunächst das Getrenntsein der Dinge, ihr Nichtverschwimmen, das deutliche sich Abheben und die größtmögliche Erkennbarkeit. Die Scheibe teilt das Foto in zwei Perspektiven auf, die es dem Betrachter ermöglicht zwischen der Außenperspektive und der Innenperspektive zu springen. Die Teilung erfolgt durch den fotografischen Moment, indem das Fenster, der Raum hinter dem Fenster und das hinter der Kamera liegende mit gleicher Schärfe abgebildet wird. Das Fenster macht eine doppelseitige Realität reflektierbar. Es präsentiert sich als Abbild einer dreidimensionalen Realität und ebenso als eigenständiges zweidimensionales Objekt. Die Fotografien der Fenster besitzen technisch gesehen keine Unschärfe, so weit das die Abbildungsqualität der Kamera erlaubt. Sie greifen demnach theoretisch gesehen die Eigenschaft des sich deutlichen Abheben und der Trennung der Dinge auf. Beim Betrachten der Bilder tritt Gegensätzliches ein. Es gelingt nur mit erhöhter Konzentration die verschiedenen Elemente auf dem Bild voneinander zu trennen. Die Erklärung lässt sich auf die Intransparenz der Scheibe zurückführen. Daraus resultiert die Undurchdringlichkeit für den Betrachter.

Das Analogon Roland Barthes Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die angenommene Objektivität der Fotografie. Er fragt sich was die Fotografie vermittelt. Definitionsgemäß ist es „[...] die Begebenheit als solche, das buchstäblich Wirkliche.“ Roland Barthes Allerdings behauptet er, dass es im Zuge des Abbildungsprozesses zu Reduktionen des Maßstabs, der Perspektive und der Farbe kommt. Demzufolge entspricht das Bild nicht dem Wirklichen. Es entspricht zumindest dem perfekten Analogon davon, welches vom gesunden Menschenverstand gerade durch diese analogische Perfektion definiert wird. Die Fotografien werden vom konzeptuellen Ansatz ausgehend 1 zu 1 in der Originalgröße der abgelichteten Schaufenster mittels Drucktechnik reproduziert. Folglich tritt die von Barthes genannte Abbildungsprozess gebundene Reduktion des Maßstabs nicht auf. Dadurch gelingt es ein möglichst vollkommen authentisches Abbild zu erstellen und dieses in einen Raum, beispielsweise den Raum der Ausstellung zu transportieren. Es entsteht eine Schnittstelle zwischen Illusion und Wirklichkeit.


FOTOGRAFIEN


01


02


03


04


05


06


07


08


09


10


11

12


13


14


15

16


17


18


19


20


21

22


23


24


25


26


INDEX


01 Stuttgart, 5,6 x 2,4 Meter

02 Stuttgart, 2,7 x 1,7 Meter

03 Hamburg, 3,5 x 1,8 Meter

04 Hamburg, 3,5 x 1,8 Meter

05 Stuttgart, 3 x 2,4 Meter

06 Stuttgart, 1,6 x 1,6 Meter

07 Stuttgart, 1 x 1,6 Meter

08 Stuttgart, 2,5 x 2,5 Meter

09 Sindelfingen, 7,5 x 2,6 Meter

10 Stuttgart, 5,3 x 3,5 Meter

11 Stuttgart, 3,2 x 2,1 Meter

12 Stuttgart, 3,2 x 2,1 Meter


13 Stuttgart, 2,5 x 2,1 Meter

14 Lindau, 2,4 x 2,4 Meter

15 Stuttgart, 2,8 x 2,3 Meter

16 Stuttgart, 3,6 x 2,3 Meter

17 Stuttgart, 2 x 1,9 Meter

18 Stuttgart, 7,8 x 2,4 Meter

19 Stuttgart, 6 x 2,5 Meter

20 Stuttgart, 4 x 2,4 Meter

21 Stuttgart, 1,3 x 1,5 Meter

22 Stuttgart, 0,9 x 1,7 Meter

23 Stuttgart, 3,1 x 2,3 Meter

24 Stuttgart, 1,3 x 1,6 Meter


25 Hamburg, 2,3 x 2,2 Meter

26 Stuttgart, 2,5 x 2,5 Meter



ANALOGON