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B e e t h o v e n f e s t B o n n 9. 9. b i s 9. 1 0 . 2 0 1 1


Das Beethovenfest Bonn 2011 steht unter der Schirmherrschaft der Ministerpr채sidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft.

Wir danken unseren Hauptsponsoren:


I n h a lt

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4 Grußworte 9 »Ja, er hatte zuweilen gemüts­ ruhige, sogar weihevolle Stunden« Liszt, seine Beethoven-Rezeption und das erste Bonner Beethovenfest von PD Dr. Axel Schröter

16 Zeitleiste Beethovenfest 19 »Zwischen einer Vergangenheit, die wir nicht mehr wollen, und einer Zukunft, die wir noch nicht kennen« Franz Liszt und das Neue in der Musik von Barbara Stach

27 Die Liszt-Nacht Franz Liszt in zehn Facetten von Dr. Tilman Schlömp

31 Besondere künstlerische Akzente »Orchestras in Residence« beim Beethovenfest Bonn 2011 von Dr. Annette Semrau

35 Beethoven, Liszt und Mahler im Fokus Internationale Orchester, Solisten und Dirigenten beim Beethovenfest Bonn 2011 von Dr. Annette Semrau

41 Musik für Einheit und Frieden Das National Youth Orchestra of Iraq setzt Zeichen von Karl-Walter Keppler


45 Gespräch mit Rebecca Saunders und Carolin Widmann von Michael Struck-Schloen

50 Steve Reich spielt Steve Reich Konzert zum 75. Geburtstag des Komponisten von Dr. Annette Semrau

5 52 Symphonik der Jahrhundertwende(n) Gedenken an Gustav Mahler und seine Beethoven-Rezeption von PD Dr. Hartmut Hein

57 Neue klangsinnliche Perspektiven Kammermusik von Dr. Egbert Hiller

62 »Strahlende Zweifellosigkeit sinnvollen Ausdrucks« Debüts junger Künstler von Dr. Annette Semrau

67 Liszt literarisch Rezitationskonzerte von Dr. Tilman Schlömp

71 Nicht mit Reizen gegeizt! Das Junge Beethovenfest Bonn 2011 von Marie Christine Schwalb

74 Traurige Teufelsmusiker Die melancholischen Klänge der Donaumonarchie von Dr. Tilman Schlömp

76 Zeitleiste Beethovenhalle 87 90 92 94 95

Werkliste Künstlerliste Karten und Allgemeine Hinweise Vorverkaufsstellen Spielstätten


M it Freude übernehme ich die Schirmherrschaft für das Beethovenfest Bonn 2011 unter dem Motto »Zukunftsmusik«! Das weltweit bekannte und etablierte Festival ist eines der her­a usragenden Kulturereignisse in unserem kulturreichen Land NordrheinWestfalen. Die Topstars der Klassik­ szene und die besten Orchester treten beim Beethovenfest auf, doch auch der Nachwuchs findet hier sein Podium. Unter anderem haben Gustavo Dudamel und Martin Grubinger ihre Karriere hier begonnen – beide sind inzwischen Weltstars.

Das Beethovenfest Bonn fördert nicht nur junge Künstlerinnen und Künstler, sondern führt Jugendliche auch an die Musik und an das Management eines Festivals heran. Das ist ganz im Sinne der Landesregierung, denn alle Kinder haben ein Recht auf Kultur und Bildung. Darum planen wir, Kindern und Jugend­ lichen mit dem »Kulturrucksack« ein konkretes Angebot zu machen, kulturelle Bildung zu erleben. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe. Diesen Aspekt betont auch das Beethovenfest, indem viele Angebote nicht nur für ein nachwachsendes Publikum kostenlos oder zu einem sehr günstigen Eintrittspreis zu erleben sind. Ein ganz besonderer Moment wird sicherlich das Konzert des National Youth Orchestra of Iraq sein. Die Ju­ gend­lichen, die aus allen Landesteilen und Religionsgruppen kommen, treten erstmals außerhalb des Irak auf! Das Land NRW fördert diesen Orchestercampus von Deutscher Welle und Beethovenfest Bonn. Ich wünsche Ihnen allen ein Beethovenfest voller »Zukunftsmusik« und freue mich besonders, dass wir den diesjährigen Nordrhein-Westfalen-Tag in Bonn und während des Beethovenfestes begehen! Herzlich Ihre

Hannelore Kraft Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen


I m Liszt-Jahr blickt das Beethovenfest Bonn auf seine lange Tradition zurück: 1845 organisierte Franz Liszt zur Einweihung des Beethoven-Denkmals auf dem Münsterplatz anlässlich des 75. Geburtstags des Komponisten ein dreitägiges Musikfest. Das Beethovenfest Bonn 2011 stellt unter dem Motto »Zukunftsmusik. Beethoven, Liszt und das Neue in der Musik« Liszt als Persönlichkeit, Virtuosen, Visionär, Mäzen und Komponisten vor, der Beet­ hoven verehrte und davon ausgehend seine eigene »Zukunftsmusik« entwickelte, die bis weit ins 20. Jahrhundert nachwirkte. Den Komponisten Liszt würdigen wir in einer Liszt-Nacht mit zehn Konzerten an fünf Spielorten, den Mäzen und Visionär Liszt, indem wir das zweite Kon­zert des von ihm initiierten Beet­ hovenfestes 1845 mit Concerto Köln unter der Leitung von Ivor Bolton präsentieren. Für dieses Beethovenfest ließ Liszt eigens einen Konzertsaal bauen, um Beethovens Geburtstag angemessen zu feiern – daran sollten wir uns spätestens zu Beethovens 250. Geburtstag im Jahr 2020 messen lassen!

Mit Anne-Sophie Mutter, Hélène Grimaud, Zubin Mehta und dem Israel Philharmonic Orchestra, Man­f red Honeck und dem Pittsburgh Symphony Orchestra, Sir John Eliot Gardiner sowie Sir Colin Davis und dem London Symphony Orchestra, Riccardo Chailly und dem Gewandhausorchester, Paavo Järvi und Der Deutschen Kammer­phil­ har­m onie Bremen als »Orchestra in Residence« sowie Iván Fischer und dem Budapest Festival Orchestra haben wir herausragende Programme entwickelt. Ein weiterer Höhepunkt erwartet Sie beim Orchestercampus von Deutscher Welle und Beethovenfest Bonn mit dem National Youth Orchestra of Iraq, das erstmals außerhalb seines Landes auftreten wird. Ich danke allen Förderern, Sponsoren und Stiftungen sowie unserer Schirmherrin, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, für das entgegengebrachte Vertrau­en und ihre großartige Unterstützung in diesem Jahr!

Ihre

Ilona Schmiel Intendantin des Beethovenfestes Bonn


D as Internationale Beethovenfest Bonn 2011 steht ganz im Zeichen des 200. Geburtstages des Komponisten und Virtuosen Franz Liszt. »Zukunftsmusik« ist das Thema des diesjährigen Beethovenfestes, aber wir blicken be­wusst auch zurück zu den Wurzeln: 1845 wurde anlässlich von Beethovens 75. Geburtstag das Denkmal von Ernst Hähnel auf dem Münsterplatz enthüllt. Franz Liszt, der Beethoven glühend verehrte, organisierte zur Einweihung das erste Beethovenfest.

Vom 9. September bis zum 9. Oktober begrüßen wir beim Internationalen Beethovenfest Bonn wieder die besten Orchester und Top-Stars der Musikszene: Freuen Sie sich mit mir auf AnneSophie Mutter, Hélène Grimaud, Zubin Mehta und das Israel Philharmonic Orchestra, das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Manfred Honeck, das London Symphony Orchestra mit Sir Colin Davis und Sir John Eliot Gardiner, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen als »Orchestra in Residence« und natürlich auf unser Beethoven Orchester Bonn. Selbstverständlich wird auch das umfangreiche Schülerprogramm des Jungen Beethovenfestes fortgesetzt. Vom 1. bis 3. Oktober ist Deutschland zu Gast in Bonn. Unser Land feiert hier den Tag der Deutschen Einheit, zu­ sammen mit dem Nordrhein-West­ falen-Tag. Das Beethovenfest Bonn ist in diese Feierlichkeiten eingebunden, und wir werden die Menschen, die zu uns kommen, herzlich willkommen heißen – auch musikalisch. Sehen wir uns?

Jürgen Nimptsch Oberbürgermeister der Stadt Bonn


D ie Deutsche Welle fördert den Dialog der Kulturen und setzt sich ein für Völkerverständigung und Toleranz. Dass Musik hierbei eine besondere Rolle spielen kann, das hat die Deutsche Welle in der Vergangenheit in zahlreichen Beispielen aufgezeigt. Die Erfolge und Rückmeldungen haben uns ermutigt, das diesjährige Motto des Beethovenfestes, »Zukunftsmusik«, auf ganz besondere Weise zu interpretieren. Unsere Initiative, alljährlich aus wechselnden Weltregionen ein herausragendes Nachwuchsorchester zu einem einwöchigen Orchestercampus einzuladen und dies mit einem Kompositionsauftrag zu verbinden, gilt nämlich in diesem Jahr dem Nationalen Jugendorchester des Irak. Die jungen Musiker kommen aus allen Landes­ teilen und allen Religionsgruppen. Das Orchester, das seine erste Auslandsreise unternimmt, wird in Bonn und Berlin Konzerte geben und auch zu einem mehrwöchigen Workshop ein­ geladen. Damit versuchen wir, einen nachhaltigen Beitrag zum kulturellen Austausch mit der arabischen Welt zu leisten.

Mit der weltweiten Verbreitung dieser und anderer Konzerte des Beethovenfestes Bonn schafft die Deutsche Welle ein Forum für den von ihr mitinitiierten interkulturellen Dialog. Wir ergänzen damit unsere journalistischen Programmangebote, mit denen wir – etwa in der arabischen Welt – schon seit Jahrzehnten als mediale Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland präsent sind. Ich freue mich mit Ihnen gemeinsam auf das diesjährige Beethovenfest mit seinen vielen Höhepunkten und hoffe, dass unsere Hörer genauso wie das Publikum vor Ort viele unvergessliche Stunden erleben werden.

Ihr

Erik Bettermann Intendant der Deutschen Welle


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» J a , e r h at t e z u w e i l e n g e m ü t s r u h i g e ,

s o g a r w e i h e v o l l e S t u n d e n« Liszt, seine Beethoven-Rezeption und das erste Bonner Beethovenfest

B eethovens Werke in Konzert und Unterricht Die Bedeutung, die Beethoven für Liszt hatte, kann wie diejenige Liszts für die Wirkungsgeschichte Beethovens kaum hoch genug eingeschätzt werden. Denn zum einen erreichte das von Liszt in Konzerten vermittelte Beethoven-Bild europaweit ein immens großes Publikum, zum anderen lebten Liszts Beethoven-Interpretationen in seinen Schülern und Enkelschülern weiter, von denen hier als die prominentesten nur Hans von Bülow, Eugen d’Albert und Frederic Lamond genannt seien. Liszts Publikum war zwar in einem nicht unerheblichen Maß sensationshungrig und primär an Virtuosenakrobatik interessiert. Liszt konfrontierte es neben Kabinettstücken jedoch immer wieder gezielt mit Beethovenschen Kompositionen, insbesondere in Paris und im deutschsprachigen Raum. Dass die Fachpresse gerade Liszts Beethoven-Deutungen mit hohem Lob bedachte, mag für sich sprechen. Man denke dazu an Berlioz’ emphatische Berichterstattung über Liszts Erstaufführung der »Hammerklaviersonate« 1836 in Paris, an die Rezensionen Heinrich Adamis über Liszts Wiener Konzerte der Jahre 1838/39, 1840 und 1846 oder an die von Faszination geprägten Kritiken Ludwig Rellstabs über Liszts Berlin-Aufenthalt 1842.

Liszts Schüler lernten im Unterricht noch im sehr viel stärkeren Maß als die breite Öffentlichkeit Beethovensche Kompositionen kennen, und zwar auch solche, die Liszt in den Virtuosenjahren allenfalls in Privat­kreisen gespielt hatte. Kein Geringerer als Hans von Bülow, der seine auflagenstarke Ausgabe der Beethovenschen Klaviersonaten Liszt »als Frucht seiner Lehre« widmete, sprach gar von Liszt als dem »unerreichtesten Beethovenkenner der Welt«. Bearbeitungen der Werke Beethovens In der Tat vollzog sich Liszts Beethoven-Rezeption, die in einem hohen Maß die Geschichte einer Beethoven-Interpretation ist, auf nahezu allen Ebenen. Verwiesen sei hier neben seinen Interpretationen als Pianist und Dirigent und seiner Tätigkeit als Lehrer vor allem auf die Klavierpartituren sämtlicher Symphonien, auf die Bearbeitung der neunten Symphonie und der Klavierkonzerte Nr. 3 bis 5 für zwei Klaviere, auf die Liedbearbeitungen (»Adelaide«, Gellert-Lieder, »An die ferne Geliebte« sowie diverse Goethe-Lieder wie »Kennst Du das Land« oder »Die Trommel gerühret«), auf die Transkription des Sep­t ettes sowie auf die beiden Beethoven-Kantaten von 1845 und 1870. Weitere Zeugnisse seiner Aus­

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einandersetzung mit Beethoven sind die 1857 begonnene Gesamtausgabe der Werke Beethovens im Verlag Ludwig Holles (Wolfenbüttel), von der Liszt nicht weniger als zehn Bände redigierte, sowie seine kompositorischen Auseinandersetzungen mit Beethovens Schaffen. Schließlich haben auch Liszts Äußerungen als Schriftsteller Bedeutung erlangt, wenngleich sie im Kontext der verbalen Beethoven-Rezeption der Zeit insgesamt eher einen bescheidenen Raum einnehmen. Einen besonderen Stellenwert hatten für Liszt zunächst die Werke der mittleren Schaffensperiode Beethovens. Sie bildeten das Reservoir für seine Konzerte der Virtuosenzeit. Zu erwähnen sind vor allem einige Klaviersonaten, und zwar die »Sonate mit dem Trauermarsch«, die »Mondschein-Sonate«, die »Sturm-Sonate« und die »Appas­ sio­nata«, das dritte und fünfte Klavierkonzert, die Klavierbearbeitungen der fünften und sechsten Symphonie sowie die »Kreutzer-Sonate«. Erst mit den Wiener Konzerten des Jahres 1846 wird eine Schwerpunktverlagerung auf das Spätwerk ersichtlich. Liszt spielte in Wien nahezu exakt zehn Jahre nach der Pariser Darbietung ein zweites Mal die »Hammerklaviersonate«, ferner die Sonaten op. 101 und op. 110. Auch die Aufführung der neunten Symphonie 1849 zur Goethe-Zentenarfeier in Weimar und deren Bearbeitung für zwei Klaviere zu vier Händen ist eine konsequente Fortsetzung der Auseinandersetzung mit dem »späten« Beethoven, die in der Beschäftigung mit den späten Streichquartetten gipfelte. Sie wurden

in Weimar in Gegenwart Liszts bereits in den frühen 50er Jahren aufgeführt. Die »Weihekusslegende« Die Beethoven-Rezeption Liszts war lange mythenumwoben. Zu den Mythen gehörte die vielfach als gewiss angesehene persönliche Begegnung zwischen dem jungen Liszt und Beethoven, die wohl faktisch nie stattgefunden hat. Zwar versuchte Anton Schindler ein Treffen zwischen dem elfjährigen Liszt, dessen Vater Adam Liszt und Beethoven zu vermitteln. Dazu kam es jedoch nicht. Auch die Legende von dem sogenannten »Weihe­kuss«, den Beethoven Liszt nach dessen Abschiedskonzert in Wien auf die Stirn gegeben haben soll, gehört ins Reich der Mythen. Aufgrund der Konversa­t ions­h efte kann heute kein Zweifel be­stehen, dass nur Beethovens Neffe Carl und Beet­hovens Bruder Johann bei dem Kon­zert am 13. April 1823 anwesend waren. Sie äußerten sich gegenüber Ludwig van Beethoven, der sich bezüglich des Spiels des jungen Liszt und der Frequentierung des Konzertes erkundigte, nicht sonderlich beeindruckt über Czernys kleinen Meisterschüler. Ins Leben gerufen hat die »Weihekusslegende« nach derzeitigem Kenntnisstand erst Peter Cornelius, der aus Anlass des Weimarer Beethoven-Konzertes vom 17. Dezember 1858, mit dem sich Liszt von seinem Amt als Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten zurückzog, einen Festprolog dichtete, in welchem es unter anderem hieß:


»Der Wunderknabe Liszt hat einst in Wien Die junge Kunst dem Meister zeigen dürfen. Der, taub schon ganz, doch mit den Augen lauschend, Ergriff gerührt den Knaben nach dem Spiel,

tung von Louis Spohr. Darüber hinaus hatte er sich an der Finanzierung des Denkmals maßgeblich beteiligt und auch auf eigene Kosten die Festhalle für die Konzerte errichten lassen.

Und schloss mit einem Kuss ihn an sein Herz. Nun prüft einmal, ob etwa dieser Kuss, Musik geworden in des Mannes Seele, Wenn er des Meisters Bilder Euch entrollt; Ob etwa von der Weihe dieses Kusses Ein Hauch die Virtuosen überschauert, Die kunstgewappnet seinem Stabe folgen; Ob etwa jener Kuss die Kraft ihm gab, Beethoven’s Wort den Jüngern recht zu deuten.«

Für Cornelius bestand aufgrund des chronotopologischen Zusammenhangs ›Beethoven und Liszt in Wien‹ gleichsam ein magischer Konnex, den er po­ e­t isch zur Tatsache verklärte. Damit war nicht nur die Legende ins Leben gerufen, sondern auch die Authentizität der Beethoven-Interpretationen Liszts im Vergleich zu anderen BeethovenInterpreten der Zeit garantiert. Es ist – so gesehen – nur folgerichtig, dass insbesondere Liszts Schüler an dieser Legende festhielten. Das Beethoven-Denkmal und seine Einweihung 1845 in Bonn Eines der wichtigsten Ereignisse, das Liszts Vereh­ rung für Beethoven ostentativ nach au­ ßen kehrte, war das Bonner Beethovenfest aus Anlass der Einweihung des Beethoven-Denkmals 1845. Liszt dirigierte dort die fünfte Symphonie, den Kanon »Mir ist so wunderbar« und das Finale aus »Fidelio« sowie seine erste Beethoven-Kantate. Ferner spielte er das fünfte Klavierkonzert unter der Lei-

Man darf Liszt den tief verwurzelten Wunsch unterstellen, Beethoven nicht nur durch vielbeachtete Konzerte, sondern auch, losgelöst vom Medium Zeit, in welchem sich Musik nun einmal vollzieht, ein Denkmal zu setzen und damit eine überzeitliche Erinnerungskultur zu gründen. Denn seine BeethovenBegeisterung und -Verehrung war echt und sogar metaphysisch überhöht. So hatte Liszt nicht erst im 1840 gedruckten Vorwort zu seinen Klavierpartituren der Symphonien Nr. 5 und 6 geschrieben: »Der Name Beethoven ist heilig in der Kunst.« Schon 1834 hatte er zusammen mit dem Geiger und Bratscher Chris­tian Urhan Beethovens »KreutzerSonate« op. 47 in Paris in der Eglise St. Vincent de Paul aufgeführt und damit praktizierte Kunstreligion betrieben. Und es ist bezeichnend, dass Liszt 1845 aus Anlass der »Inaugura­t ion« des Beethoven-Denkmals in Bonn eine Festkantate komponierte, die den langsamen Satz des »Erzherzogtrios« op. 97 integrierte, dem bereits Liszts Lehrer Carl Czerny, der selbst wiede­r um Beethoven-Schüler war, einen »heilig religiösen Charakter« zusprach. Der Schlussteil der Kantate für Soli, Chor und Orchester kommt Sanktus-Akklamationen gleich. Verse wie »Heilig! Heilig! Des Genius Walten auf Erden« oder »Heil! Beethoven! Heil dem Ge­ nius! Himmelgeborenen, gottgesen­ deten Beethoven!« sind bezeichnend.

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Auch wenn es in Bonn ein Festkomitee gab, das sich bereits 1835 aus Anlass der Errichtung des Beethoven-Denkmals gegründet hatte – zunächst als »Bonner Verein für Beethovens Monument« –, so kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Liszt es war, der für die Rea­l isierung der Planungen die wirksamsten Impulse setzte. So gab er 1841 in Paris zwei vielbeachtete Benefizkonzerte zu Gunsten des Bonner Beethovendenkmals, auch transkribierte er für das von dem Wiener Verleger Mecchetti gedruckte »BeethovenAlbum«, dessen Erlös wiederum dem Bau des Beet­hoven-Denkmals zufloss, den Trauermarsch der »Eroica«. Schließlich, und wahrlich nicht zuletzt, beteiligte sich Liszt mit einer Spende von 2666 Thalern an der Finanzierung und damit mit einem Betrag, der von keinem anderen auch nur annähernd erreicht, geschweige denn überboten worden wäre. Liszt war damit, modern gesprochen, der Haupt­s ponsor. 1839 hatte er sogar angeboten, das Denkmal voll zu finanzieren, allerdings daran die Bedingung geknüpft, den Künstler, nämlich seinen Freund, den italienischen Bildhauer Lorenzo Bartolini, damit zu beauftragen. Letzteres widerstrebte jedoch dem Festkomitee aus nationalen Gründen. Aber nicht nur an der Deckung der Kosten, die die Herstellung des BeethovenDenkmals verursachte, war Liszt maßgeblich beteiligt. So lud Liszt namhafte Persönlichkeiten seiner Zeit ein, verpflichtete Künstler und ließ, als evident wurde, dass in Bonn eigentlich keine Räumlichkeiten für die Festveranstal-


tungen vorhanden waren, innerhalb von zwölf Tagen von 14 Bonner Handwerksmeistern eine zweckmäßige Konzerthalle errichten. Dass erst so die Möglichkeit gegeben war, das Beethovenfest überhaupt stattfinden lassen zu können, zeigt die Organisationsdefizite, die auf Seiten des Komitees zu konstatieren sind. Innerhalb des dreitägigen Bonner Beethovenfestes von 1845 – wohl eines der wirkungsmächtigsten Ereignisse dieser Art und allenfalls mit den Niederrheini­ schen Musikfesten vergleichbar –, trat Liszt als Dirigent, Pianist und Komponist in Erscheinung. Allerdings fielen ihm, bedingt möglicherweise durch Anton Schindler, der in Liszt seit 1840 einen musikalischen »Vandalen« sah, nicht die attraktivsten Aufgaben zu. Die anspruchsvollsten Werke, nämlich die »Missa solemnis« und die neunte Symphonie leitete zumindest Louis Spohr. Der Bonner Musikdirektor Heinrich Karl Breidenstein dirigierte Beethovens C-Dur-Messe sowie einen eigenen Festchor. Liszts Auftritt in Bonn stieß dann auch trotz seines hohen Engagements nicht auf uneingeschränkte Sympathie, was zum Teil an seinem ungewöhnlichen Dirigierstil gelegen haben mag, der schon früh von einem pagodenhaften Taktschlag Abstand nahm. Über seine Interpretation des fünften Klavierkonzertes zeigte sich jedoch selbst Anton Schindler, der sich gleichsam als Statthalter Beethovens auf Erden begriff, angetan. So schrieb Schindler noch 1860 in der dritten Auflage seiner

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Beethoven-Biographie: »Ja, er [Liszt] hatte zuweilen gemütsruhige, sogar weihevolle Stunden, in denen er vielleicht den großen Tonmeister selber ganz befriedigt haben würde, z. B. sein Vortrag des ›Es-Dur-Konzerts‹ 1845 bei der Inaugurationsfeier des Beetho­venMonuments in Bonn.«

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Sind auch die Töne dieses Konzertes seit langem verklungen, so hat das Bronzedenkmal Ernst Julius Hähnels nach wie vor nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt, wie auch Liszts Beethoven-Kantate inzwischen von Günther Massenkeil als Klavierauszug ediert und unter der Leitung von Bruno Weil auf CD eingespielt wurde. Das Bonner Beethovenfest von 1845 wirkt allein so bis in die Gegenwart nach, wie sich auch dessen Idee noch heute alljährlich neu formiert.

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Do 15.9.

Fr 16.9.

So 18.9.

Mo 19.9.

20 Uhr

»Kreutzer-Sonate«

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Fr 7.10.

44

11 Uhr

»Das erste Beethovenfest 1845« Zur Geschichte des von Franz Liszt initiierten Beethovenfestes Bonn 1845

Sa 24.9.

PD Dr. Axel Schröter

20 Uhr

»Missa solemnis«

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Privatdozent am Musikwissenschaftlichen Institut der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

20 Uhr

Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

19 Uhr

Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (Fass. für zwei Klaviere von Franz Liszt) 19 Uhr

Ouvertüre zu Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel »Coriolan« c-Moll op. 62 (»Coriolan-Ouvertüre«) Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67 Quartettkanon aus der Oper »Fidelio« op. 72 Arie des Seraph aus dem Orato­ rium »Christus am Ölberge« op. 85 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Es-Dur op. 74 (»Harfen-Quartett«) Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 Mo 26.9.

20 Uhr

Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello B-Dur op. 130 (mit Großer Fuge op. 133) Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello cis-Moll op. 131


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2. Beethovenfest

1. Volkstümliche Beethoventage

1970

der »Bürger für Beethoven«

3. Beethovenmaraton

der »Bürger für Beethoven«

2. Beethovenmaraton

1998

1996

Die Stadt Bonn sagt die Durchführung des Beethovenfestes 1995 ab; 1993 Daraufhin Gründung der Initiative »Bürger für Beethoven«

im Dreijahresrhythmus

1977-1992

Das »Internationale Beethovenfest Bonn 1970« anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten findet in drei Zyklen (Mai, Sept., Dez.) statt

27. Beethovenfest

Beethovenfest und Kammermusikfest (bis 1956) alternierend im Zweijahresrhythmus

29. bis 34. Beethovenfest

1931

1947-1974

Von nun an (bis 1944) jährliche Abhaltung der von der Pianistin Elly Ney initiierten »Volkstümlichen Beethovenfeste«

16. bis 28. Beethovenfest

1893

1871

1897-1956

Mit Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg werden die Bonner Kammermusikfeste im Zweijahresrhythmus durchgeführt

3. bis 30. Kammermusikfest

2. Kammermusikfest

(ursprünglich 1870 geplant, wegen des Deutsch-Französischen Krieges verschoben), für das eine zweite Beethovenhalle errichtet wird

1. Beethovenfest

1997

1995

33. Beethovenfest

1989

in verkleinerter Form

Städtisches Beethovenfest

und 1. Beethovenmarathon der »Bürger für Beethoven«

Beethoven Festival Bonn

mit Eröffnung des auf Initiative von Hermann-Josef Abs errichteten Kammermusiksaales des Beethoven-Hauses

28. Beethovenfest

mit Eröffnung der neuen Bonner Beethovenhalle, die nach den Plänen von Siegfried Wolske gebaut

Beethovenfest

15. Beethovenfest / 25. Kammermusikfest

anlässlich des 100. Todestages Beethovens

»Deutsches Beethoven-Fest«

mit der Aufführung aller neun Symphonien Beethovens durch das Kölner Gürzenich-Orchester unter Franz Wüllner

Beethovenfest

gegründet und unter der Mitwirkung von Joseph Joachim, anlässlich des Erwerbs von Beethovens Geburtshaus

1. Kammermusikfest

unter der Leitung von Franz Liszt und Louis Spohr anlässlich der Enthüllung des Beethoven-Denkmals von Ernst Hähnel auf dem Bonner Münsterplatz, für das Festival wird eigens eine Konzerthalle aus Holz errichtet

1974

1959

1946

1927

1894

1890

1845


anlässlich des 250. Geburtstages von Beethoven

2020

2011

Beethovenfest Bonn: »ZUKUNFTSMUSIK«

Beethovenfest Bonn

2009

2008-2011

2006

Beethovenfest Bonn: »IM LICHT«

Frage nach Intention und Rezeption von Beethovens Werk

Beethovenfest Bonn: »ROSSIJA«

Ilona Schmiel löst Professor Dr. Franz Willnauer ab und übernimmt die Intendanz und Geschäftsführung des Festivals

2004

2003

Intern. Beethovenfest Bonn: »Beethoven und die Zweite Wiener Schule«

Beethovenfest Bonn: »BOHEMIA«

2001

1999

Internationales Beethovenfest Bonn: »Beethoven-Variationen«

Von nun jährlich unter der Intendanz und Geschäftsführung von Prof. Dr. Franz Willnauer

Internationales Beethovenfest Bonn: »Beethoven und Goethe«

2010

2008

2007

2005

Beethovenfest Bonn: »INS OFFENE«

Beethovenfest Bonn: »MACHT. MUSIK«

Beethovenfest Bonn: »JOY«

Beethovenfest Bonn: »LIBERTÉ«

Länderschwerpunkte

anlässlich des 175. Todestages Beethovens

Inter. Beethovenfest Bonn: »Nicht verloren habt ihr ihn…«

Intern. Beethovenfest Bonn: »Ordnung und Freiheit«

Gründung der Internationale Beethovenfeste Bonn

2004-2007

2002

2000

1998

Z e i t l e i s t e B e e t h o v e n f e s t 1 8 4 5 b i s 2 0 2 0


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»Z w i s c h e n e i n e r V e r g a n g e n h e i t, d i e

w i r n i c h t m e h r w o l l e n , u n d e i n e r Z u k u n f t , di e w i r n o c h n i c h t k e n n e n « Franz Liszt und das Neue in der Musik

D er Begriff »Zukunftsmusik« wirft viele Fragen auf, sobald man den allgemeinen Sprachgebrauch hinter sich lässt. Unterscheiden kann man zwischen einer Perspektive in die Zukunft, die den Begriff für die Musik verwendet, die entstehen soll, und einer Perspektive aus der Zukunft, die aus der Rückschau bestimmte Werke als solche identi­fiziert, die über ihre eigene Entstehungszeit hinausgewiesen haben. Beide Blickrichtungen gehen von einem Fortschritt in der Musik aus. Dieser Fortschritt kann nicht im Sinne von Verbesserung gemeint sein; das je zukünftige Meisterwerk kann nicht das hundert Jahre ältere übertrumpfen: Beethovens neunte Sym­p honie nicht Bachs »Matthäus­ passion«, Nonos »Prometeo« nicht Wagners »Parsifal«. »Den Schauplatz eines Fortschrittes in der Kunst liefern nicht ihre einzelnen Werke, sondern ihr Material«, schreibt Theoder W. Adorno in seinem Essay »Reaktion und Fortschritt« von 1930. Dieses Material verändert und erweitert sich unter den Händen der Künstler durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte unaufhörlich. Der individuelle Zugang zu den Werken der Vergangenheit, das Vertrautwerden mit den verschiedenen Möglichkeiten der Materialbearbeitung prägen die eigene schöpferische Tätigkeit ebenso wie die jeweilige künstlerische und poli­

tische Gegenwart. Das bedeutet für die Musik, dass das zur Verfügung stehende Material, die zwölf Töne, nicht unveränderlich ist, und erst recht nicht be­stimmte Strukturen ihrer Anordnung; das sind nur einzelne geschichtliche Gestalten. »Fortschritt heißt nichts anderes als je und je das Material auf der fortgeschrittensten Stufe seiner geschichtlichen Dialektik zu begreifen«, also eingedenk aller dem Komponisten zugänglichen Ausprägungen, die die Musikgeschichte bereithält, eine eigene authentische Sprache zu finden und nur so glaubwürdig für die Zukunft zu bleiben. Wählt man die Perspektive in die Zukunft, um dem Begriff »Zukunftsmusik« auf die Spur zu kommen, liegt die Betrachtung von Leben und Werk Franz Liszts nahe. An seiner Musik und der Richard Wagners haftet das Etikett »Zukunftsmusik«, das teils durch eigenes Bekenntnis, teils durch externe Klassifizierung angebracht worden ist. »Meine einzige Ambition als Musiker war und wäre es, meinen Speer in die unendlichen Räume der Zukunft zu schleudern«, schreibt Liszt 1874 an seine frühere Lebensgefährtin Carolyne von Sayn-Wittgenstein. Er blickt zu dieser Zeit auf Jahrzehnte künstlerischer Produktivität zurück, in denen er sich immer wieder in Artikeln, Briefen und

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anderen Schriften die Frage nach einer zukünftigen Musik gestellt hat. Damit nimmt er am allgemeinen Diskurs der Musikszene seiner Zeit teil. Wie lässt sich die an ein Ende gekommene klassische Formensprache überwinden? Das Wort von der Zukunftsmusik weht durch die Salons. Robert Schumann stellt schon 1833 – im Vorfeld seiner Mitgründung der »Neuen Zeitschrift für Musik« – fest, »eine Zeitschrift für zukünftige Musik fehlt noch«. Franz Liszt, der seit seinem elften Lebensjahr hauptsächlich in Paris wohnt, erlebt den Wunsch der Menschen nach einer besseren Zukunft aus nächster Nähe. Er wird Zeuge der Julirevolution von 1830 und der Inthronisierung des »Bürgerkönigs« Louis-Philippe und begeistert sich für die Revolution, erfüllt von dem Willen, mit seiner Kunst auf soziale Missstände hinzuweisen und sie zu mildern. In einer seiner ersten programmatischen Schriften, »Über zukünftige Kirchenmusik« von 1834, die ein Jahr später in seine Artikelserie »Zur Stellung der Künstler« in der »Gazette musicale« aufgenommen wird, schreibt er emphatisch: »Heute, da der Altar erbebt und schwankt, heute, da Kanzel und religiöse Zeremonien Gegenstand des Zweifels und des Spottes sind, muß die Kunst notwendigerweise aus dem Tempel heraustreten, sie muß sich verbreiten und ihre kühne Entwicklung außerhalb vollenden. Wie einst, und mehr noch, muß die Musik sich an VOLK und GOTT wenden; sie muß vom einen zum anderen gehen; den Menschen bessern, veredeln und trösten, Gott loben und preisen. Um dies zu erreichen, muß

eine neue Musik geschaffen werden. Diese zutiefst religiöse, starke und wirksame Musik, die wir in Ermangelung eines anderen Namens Menschheitsmusik (»musique humanitaire«) nennen wollen, wird THEATER und KIRCHE in gewaltigen Ausmaßen vereinigen. Sie wird zugleich dramatisch und weihevoll sein, prachtvoll und einfach, pathetisch und ernst, feurig und wild, stürmisch und ruhig, heiter und zart.« Die revolutionären Ereignisse von 1830 reißen Liszt aus einer großen Depression nach dem plötzlichen Tod des Vaters und der unglücklichen Liebe zu einer jungen Frau aus der höchsten Pariser Gesellschaft. Ergriffen von den historischen Umwälzungen kann er seine Zurückgezogenheit der vergangenen drei Jahre beenden, die er abgesehen von seinem Broterwerb durch Klavierunterricht mit intensiver Lektüre religiöser und philosophischer Schriften und Weltliteratur von Shakespeare über die französischen Klassiker bis Byron und Goethe verbracht hat. Noch im selben Jahr besucht er Versammlungen der Saint-Simonisten, deren utopischer Sozialismus und Wertschätzung des Künstlers als eines Vermittlers zwischen Gott und der Gesellschaft ihn faszinieren, und findet sich dort in Gesellschaft von Hector Berlioz, Victor Hugo, Heinrich Heine, George Sand, Eugène Delacroix und anderen bedeutenden Künstlern und Intellektuellen der Epoche. Trotz baldiger Abwendung vom Saint-Simonismus behält Liszt eine lebenslange Empathie für die Bedürftigen der Gesellschaft, die sich in den folgenden Jahrzehnten in unzähligen Wohltätig-


keitskonzerten, Geldgaben und persönlichem Engagement ausdrückt. In seiner depressiven Phase hat der katholisch aufgewachsene junge Mann eine mystische Religiosität entwickelt. Er liest mit großem Eifer theologische Schriften und entdeckt ab Herbst 1833 die Werke des Abbé Lamennais, dessen liberaler, von der Trennung von Staat und Kirche ausgehender Glauben und christliche Humanität für ihn einer Offen­barung gleichen. Vor diesem Hintergrund müssen Liszts eigene schriftstellerische Aktivitäten aus dieser Zeit und darüber hinaus beurteilt werden. In der schon erwähnten Artikelserie »Zur Stellung der Künstler« kritisiert er die Missstände des schlecht organisierten und nur halbherzig von der Politik unterstützten Musiklebens und fordert für die Künstler bessere finanzielle Verhältnisse und höhere Anerkennung. Sein Entwurf einer zukünftigen Musik wird aber nicht nur von diesem sozialen Aspekt bestimmt, sondern auch von seinem erwachenden Verständnis von Künstlertum. Im April 1832 hat er erstmals Paganini im Konzert erlebt und ist begeistert von dessen Technik und künstlerischer Aura. Dabei ist ihm nicht der virtuose Glanz das Wesentliche. Um die Musik zu durchdringen, müsse der Künstler mit den künstlerischen Hervorbringungen unterschiedlicher Diszi­ plinen und Zeiten vertraut sein. In­spiriert von der waghalsigen Technik Paganinis widmet er sich gleichwohl auch intensiv der Erweiterung seiner pianistischen Möglichkeiten und erobert bald die Salons

der vornehmsten Pariser Familien. Seine Vortragskunst beschränkt sich nicht nur auf seine phänomenale Virtuosität mit ihren nie gesehenen Sprüngen, Repeti­ tionen, Akkordtrillern und schwindelerregenden Glissandi, sondern ist von einer außergewöhnlichen musikalischen Empfindsamkeit und auratischen Kraft. Die von ihm ausgehende Faszination ist heute kaum vorstellbar und mit der Hysterie gegenüber Popstars nur bedingt zu vergleichen. Das Faszinosum Liszt elektrisierte zu einer Zeit, die keine musikalischen Reize außerhalb eines Konzertsaals, Salons, einer Kirche oder eines Tanzbodens kannte und auch abgesehen von vervielfältigten Porträts keine Möglichkeiten der Idolatrie hatte. Umso überwältigender müssen seine leibhaftigen Auftritte gewirkt haben. Heinrich Heine hat Liszts Pariser Konzerte mehrfach besucht und dessen Wirkung immer wieder mit spitzer Feder festgehalten. 1837 berichtet er in seinen »Vertrauten Briefen« über die französische Bühne für August Lewalds »Allgemeine Theaterrevue« von Liszts eindrucksvollen Auftritten in Pariser Salons: »Daß ein so unruhiger Kopf, der von allen Nöten und Doktrinen der Zeit in die Wirre getrieben wird, der das Bedürfnis fühlt, sich um alle Bedürfnisse der Menschheit zu bekümmern, und gern die Nase in alle Töpfe steckt, worin der liebe Gott die Zukunft kocht: daß Franz Liszt kein stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche Schlafmützen sein kann, das versteht sich von selbst.« Bei aller Polemik kann Heine nicht verleugnen, dass Liszt ein Künstler von ungeheurer Dynamik ist. Seine Darbietung ist nicht das Ergebnis

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stumpfen Trainings, sondern Ausdruck unermüdlicher Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit und dem unbekannten Terrain vor ihm. Liszt antwortet ihm freundschaftlich-melancholisch aus Venedig: »Bin denn ich es ganz allein, der sich unbequem fühlt in dieser Zeit, in der wir leben? Oder sind wir es nicht alle, die – trotz unserer schönen gotischen Sessel und unserer Kissen à la Voltaire – unbequem sitzen zwischen einer Vergangenheit, die wir nicht mehr wollen, und einer Zukunft, die wir noch nicht kennen?« Um eine neue Sprache für das Klavier zu finden und ihm einen orchestralen Klang abzugewinnen, ersinnt er immer weitere Raffinessen. Im Dezember 1830 hat er der Uraufführung von Berlioz’ »Symphonie fantastique« beigewohnt. Seine Begeisterung für dieses neuartige Werk verstärkt sich nach dem abermaligen Besuch einer Aufführung zwei Jahre später, die ihn dazu anregt, die Symphonie auf das Klavier zu übertragen. Dies ist die erste seiner zahlreichen berühmten »Transkriptionen« großer Orchesterwerke, seiner »partitions de piano«, die nicht einfach die vorhandenen Töne einer Partitur auf zehn Finger verteilen, sondern den Anspruch auf eine Nachschöpfung mit den durch ihn ungemein erweiterten Mitteln des Klaviers erheben. Liszts Komponieren nimmt vom Klavier seinen Ausgang; die Gattungsgrenzen seiner Transkriptionen symphonischer Werke anderer (später auch seiner eigenen), der Paraphrasen über Themen anderer, aber auch eigener Kompositionen sind fließend und bedingen einander.


Zahlreiche Klavierwerke entstehen. Gleichzeitig verändern sich Liszts Lebens­ umstände, 1833 lernt er Marie d’Agoult kennen, eine verheiratete junge Gräfin aus dem Pariser Hochadel. Ihre Beziehung wird öffentlich, als Marie ein Kind von ihm erwartet und Paris in Richtung Genf verlässt. Liszt reist ihr nach. Es ist der Beginn eines mehrjährigen Wanderlebens, in dessen Verlauf nach Blandine zwei weitere Kinder, Cosima und Daniel, geboren werden. Immer wieder unterbrochen von umjubelten Konzertreisen in ganz Europa bereist Liszt mit Marie d’Agoult von der Schweiz aus zum ersten Mal Italien. Während im ersten Band des Klavierzyklus‘ »Années de pèlerinage« Eindrücke aus der Schweiz ihre musikalischen Spuren hinterlassen haben, versammelt der zweite Band die musikalische Auseinandersetzung mit der Kunst Italiens und eine Huldigung der Werke von Raffael, Michelangelo, Petrarca oder Dante. Zwischen allen großen Kunstwerken der verschiedenen Gattungen bestehe eine »verborgene Verwandtschaft« (Liszt an Berlioz 1839), in ihnen spreche sich »der geheime und poetische Sinn der Dinge, diese Idealität« (Liszt im Vorwort zum »Album d’un voyageur«) aus, die die Musik wiederum in besonderer Weise zum Ausdruck bringen könne. Die zukünftige Aufgabe der Instrumentalmusik sei es, selbst auch Poesie zu werden, angeregt durchaus von bedeutenden künstlerischen Hervorbringungen vergangener Jahrhunderte. Dieser für Liszts Œuvre entscheidende Ansatz ist ein sehr moderner, der bis in unsere Zeit weiterent­wickelt wird: Kunst aus der Kunst anderer zu schaffen, mit seiner Kunst anderes zu

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kommentieren, umzudeuten, zu erweitern, den gemeinsamen Kern herauszustellen.

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Auch in der von Liszt begründeten Gattung der »Symphonischen Dichtung«, die er als legitime Nachfolgerin der klassischen Symphonie ansieht, nimmt diese Einsicht in die Verwandtschaft der Künste Gestalt an. Ein großer Teil davon entsteht in seiner Weimarer Zeit ab 1848. Nach der langwierigen Trennung von Marie d’Agoult und dem Beginn der Beziehung zu Carolyne von Sayn-Wittgenstein beendet er seine Virtuosenkar­riere und wechselt für die nächsten zwölf Jahre als Hofkapellmeister nach Weimar. Dort setzt er sich nicht nur unermüdlich für das Kulturleben des kleinen Herzog­ tums ein und bringt viele zeitgenössische Opern auf die Bühne, darunter zahl­­reiche Aufführungen der Werke Richard Wagners, mit dem er seit ihrer Begegnung 1840 in Paris befreundet ist. Er widmet sich auch intensiv der Komposition eigener Werke. So unterschiedlich die dreizehn »Symphonischen Dichtungen« in ihrer Entstehung und thematischen Beziehung sein mögen, sie sind allesamt inspiriert von literarischen Vorlagen oder einer programmatischen Idee. Den Ansatz, »Musik als eine dichterische Kunst« zu verstehen, weitet er nun ins Instrumental-Orchestrale. »Wenn erst als oberster Grundsatz der Gedanke feste Wurzel geschlagen hat, (...) daß der Mensch, um Musiker zu werden, vor allem seinen Geist bilden müsse, daß er denken, ur­ theilen lerne, mit einem Wort, daß er Ideen habe, um die Saiten seiner Lyra

mit der Tonhöhe der Zeiten in Übereinstimmung zu bringen, um die Kundgebungen seiner Kunst in Bilder zu gruppieren, die durch einen poetischen oder philosophischen Faden untereinander verbunden sind: dann ist das große Wort der ‚Zukunftsmusik’ erreicht.« (Liszt in seiner Abhandlung über »Marx und sein Buch: Die Musik des 19. Jahrhunderts und ihre Pflege«, 1855) Die Symphonischen Dichtungen eint die Einsätzigkeit, die gleichwohl eine versteckte fließende Mehrsätzigkeit ist. Auch strukturell entfernt sich Liszt – unter dem nachhaltigen Eindruck von Berlioz’ »Symphonie fantastique« und dessen weiteren symphonischen Werken – von der tradierten Gestaltung des Tonmaterials. Nicht mehr die Bearbeitung zweier gegensätzlicher Themen in Exposition, Durchführung und Reprise ist Leitfaden seines Komponierens. Sicher maßgeblich beeinflusst von Berlioz’ »Idée fixe« entwickelt er die eigene Technik weiter, ein einzelnes Motiv immer wieder zu verwandeln und als zentrales Gestaltungsmerkmal eines ganzen Werkes als Leitmotiv zu nutzen. Die Entstehungszeit der Symphonischen Dichtungen um 1850 ist die Zeit, in der die Diskussion um die »Zukunftsmusik« besonders lebhaft geführt wird. Sie ist aufs Engste mit dem Kreis um Liszt und Wagner verbunden, die sich auch die »Neudeutschen« nennen und sich mit Gleichgesinnten auf Initiative Liszts 1854 im »Neu-Weimar-Verein« zusammengeschlossen haben. Während Liszt und Wagner die Auffassung vertreten, dass die Musik einen programmatischen Hin-


tergrund sichtbar werden lassen müsse, um selbst Poesie zu werden und nicht länger der Literatur und Malerei untergeordnet zu sein, plädiert der namhafte Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick in seiner einflussreichen Studie »Vom Musikalisch-Schönen« von 1854 dafür, den Zweck der Musik nicht in der Erzeugung eines poetischen Gefühls zu sehen, sondern das musikalische Kunstwerk selbst als Zweck an sich anzuerkennen. Den Werken der »neudeutschen Schule« wirft er Formlosigkeit vor – im Gegensatz zu den Werken Schumanns, Mendelssohns und später Brahms‘ – und erkennt die »Motivtransformation« als Gestaltungstechnik des Tonmaterials nicht an. Er verurteilt außerdem das oft Pompöse, Effekthascherische und Mythisch-Überhöhende der »Zukunftsmusiker« – und nicht zuletzt viel deutschnationales und antisemitisches Gedankengut. Das gilt vor allem für Wagner. Liszt versteht sich als Europäer und engagiert sich immer wieder für Bedürftige und mittellose Künstler, egal welcher Herkunft. Für Wagners Machwerk »Über das Juden­ thum in der Musik« hat er kein Verständnis. Umso befremdlicher sind Passagen in seiner Schrift »Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn«, die zwar höchstwahrscheinlich von Fürstin Sayn-Wittgenstein verfasst sind, von denen er sich aber nicht distanziert, auch wenn er sich nicht als Antisemit verstehen will. Die oft dunkel-mythische Aura seiner Musik eignete sich dennoch, vom National­ sozialismus als Staatsmusik missbraucht zu werden; man denke etwa an das triumphierende Bläsermotiv aus »Les Préludes« für den Anfang der »Wochenschau«.

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Nach seiner Zeit in Weimar und einem mehrjährigen Aufenthalt in Rom mit großer Nähe zur katholischen Kirche hat er seit 1870 ein von ihm selbst als »vie trifurquée« bezeichnetes Leben geführt: eine dreigeteilte Existenz zwischen Rom, Budapest und Weimar. Trotz abnehmender körperlicher Kräfte reist er in seinen letzten Lebensjahren als Lehrer, gelegentlich Konzertierender und gefeierter Künstler immer noch quer durch Europa. Es entstehen nur noch wenige Werke – neben der letzten Sym­ phonischen Dichtung »Von der Wiege bis zur Bahre« vor allem kürzere Klavierstücke wie »Nuages gris«, »Trauergondel«, »Schlaflos« oder »Unstern«. Sie sind in einer reduzierten enigmatischen Tonsprache komponiert und entfernen sich teils stark von den herkömmlichen formalen und harmonischen Strukturen. Nimmt man die am Anfang angesprochene zweite Perspektive ein, den musikwissenschaftlichen Blick aus der Zukunft in die Vergangenheit, gilt Liszt oft aufgrund dieser Werke als Verkünder einer »Zukunftsmusik«, in der schon Schönbergs Zwölftonmusik anklinge. Diese Auffassung ist verlockend und nachvollziehbar, sie ist aber mittlerweile ein Interpretationsklischee geworden. Auch wenn später die Tonalität in Liszts Kompositionen immer schwebender wird, hat er sich doch schon Anfang der dreißiger Jahre mit den avantgardistischen musikphilosophischen Ideen F. J. Fétis’ und dessen »ordre omnitonique« auseinandergesetzt. Der Primat der Tonika wird hier zugunsten der Verbindung einer jeden Tonart mit einer anderen dank einer bestimmten enharmonischen Technik aufgegeben. Spuren dieses Ein-

flusses sind bereits in Liszts früheren Werken zu erkennen. Das gleiche gilt von seiner monothematischen Kompositionstechnik, die sich nicht mehr an die Konstruk­tionsprinzipien der klassischen Sonatenform hält und auf serielle Techniken vor­auszuweisen scheint. Gleichwohl finden sich in seinem Œuvre durch die Jahrzehnte trotz vieler neuer Lösungen immer wieder abgegriffene Wendungen und voraussehbare Klänge – vergleichbar vielleicht mit dem Nebeneinander seiner lebenslangen Sympathie mit dem revolutionären Impetus, Ungerechtigkeiten zu überwinden, und dem ebenso dauerhaften Arrangement mit den feudalen Strukturen seiner Zeit. Den Begriff »Zukunftsmusik« zu verwenden, aus der einen wie der anderen Perspektive, bedeutet immer auch der Frage nachzugehen, ob die Geschichte der Musik überhaupt als eine Entwicklung auf ein Ziel hin verstanden, im Vor­ hergehenden also immer schon nach dem Folgenden oder Übernächsten geforscht und ein stetiger Fortschritt angenommen werden kann. Der aufgeschlossene und sensible Zuhörer ist 2011 besonders eingeladen, diese Überlegungen am Werk Liszts zu überprüfen. Über »Zukunftsmusik« nachzudenken, heißt aber auch, sich mit der Musik der eigenen Gegenwart auseinanderzusetzen. Eine Musik, deren Impetus aufrichtig und die ein originelles Zeugnis ihrer Zeit ist, wird dem Zuhörer immer eine Glaubwürdigkeit vermitteln, die anrührt oder aufwühlt – unabhängig von ihrem Entstehungsdatum. Barbara Stach Dramaturgin des Beethovenfestes Bonn


L i s z t- N a c h t 2 0 1 1

Franz Liszt in zehn Facetten

d as Wesen seiner Musik müssen wir in den neuen Ideen finden«, formulierte Béla Bartók, »in dem kühnen Vordringen in die Zukunft«. Egal von welcher Seite man sich Franz Liszt nähert – überall bemerkt man diese neuen Ideen. Wie wäre es, all diese Facetten an einem Abend zu erleben? Unmöglich? Die Liszt-Nacht versucht es und lehnt sich dabei locker an die offene Struktur des ersten Beethovenfestes an. An fünf Spielorten werden einige der wichtigsten Liszt-Aspekte in Szene gesetzt: Symphonik: virtuos orchestrierte Werke wie die »Fantasie über ungarische Volksmelodien« für Klavier und Orchester oder der »Mephisto-Walzer« Nr. 1 in der Beethovenhalle. Symphonische Dichtungen: Musik als Poesie – die orchestrale Meisterdisziplin des Komponisten. Einige der berühmtesten Werke dieser Gattung erklingen als Transkriptionen für die Orgel in der Münsterbasilika. Geistliche Musik: Liszt hat zu Herzen gehende religiöse Meditationen ge­ schaf­fen, Chorwerke wie den 137. Psalm und die zwei Legenden, beide als Orgelfassung in der Münsterbasilika zu hören. Transkriptionen: Liszt, der Bearbeiter, als Interpret eigener und fremder Werke. Die neunte Symphonie seines großen Vorbilds Beethoven hat er – quasi symphonisch – für zwei Klaviere über-

tragen, im Studio der Beethovenhalle. Avantgarde: Liszt, der Neuerer, der in seinen späten Werken verstörend schroff und pessimistisch sein konnte – »La Lugubre Gondola«, »Nuage Gris« u. a. erklingen in der Version für Violoncello und Klavier in der Schlosskirche. Poesie: Liszts Umgang mit der Singstimme illustrieren die selten zu hö­ renden französischen Lieder, im Beethoven-Haus. Folklore: Auch wenn die Ungarischen Rhapsodien keine originalen Volks­ weisen verarbeiten, so hatten sie doch Signalwirkung für das kulturelle Selbstbewusstsein der entstehenden Nationalstaaten. Das Cymbal, das um 1860 den Schritt von der Volksmusik in die Kunstmusik machte, ist in der Schlosskirche zu hören. Virtuosität: Wie Paganini hatte er die Spieltechnik seines Instruments revolutioniert. Seine »halsbrecherischen« Werke wie die »Etudes d‘éxecution trans­c endantes«, »La Campanella« oder das »Grand Duo Concertant« (Studio der Beethovenhalle, BeethovenHaus) beweisen dies. Liszt-Rezeption: Sein Einfluss auf spätere Generationen klingt immer wieder an, in den Werken von Zoltán Kodály, Béla Bartók, Gyögy Ligeti und György Kurtág (Beethovenhalle, Münsterbasilika, Schlosskirche).

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L i s z t- N a c h t S a

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Übersicht aller Konzerte an den verschiedenen Veranstaltungsorten

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B e e t h o v e n h a l l e , G r o SS e r S a a l

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19 Uhr

Fanfare Ciocaˇrlia Roma und Sinti Philharmoniker Riccardo M Sahiti Dirigent Volkstümliche Arrangements für Bläser und Schlagzeug Rodion Schtschedrin: »Carmen«-Suite nach Georges Bizet für Streich­orchester und Schlagzeug

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21.45 Uhr

Mihaela Ursuleasa Klavier Géza Hosszu-Legocky Violine Roman Patkoló Kontrabass Roma und Sinti Philharmoniker Riccardo M Sahiti Dirigent Franz Liszt: »Mephisto-Walzer« Nr. 1 für Orchester S 110/2 Fantasie über ungarische Volks­ melodien für Klavier und Orchester »Ungarische Rhap­sodie« Nr. 2 für Orchester S 359/2 (Fass. für Orchester von Karl Müller-Berghaus) sowie Werke von Zoltán Kodály, Giovanni Bottesini und Camille Saint-Saëns

Beethovenhalle, Studio

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19 Uhr

Duo d’Accord Franz Liszt: »Réminiscences de Don Juan« (Paraphrase über »Don Giovanni«) für zwei Klaviere S 656 Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (Fass. für zwei Klaviere von Franz Liszt)

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21.45 Uhr

Nikolai Tokarev Klavier Franz Liszt: Etüde Nr. 10 f-Moll aus den »12 Etudes d‘éxecution transcendantes« S 139 Fantasie über Themen aus Opern von Mozart S 697 »La Campanella«. Etüde Nr. 3 aus den »Grandes études de Paganini« S 141 »Sonetto 104 del Petrarca« aus den «Années de pèlerinage. Deuxième Année – Italie« S 161 sowie Werke von Paul Pabst, Frédéric Chopin, Alexander Scrjabin und Alexander Rosenblatt


Beethoven-haus

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19 Uhr

Jutta Koch Sopran Matthias Stier Tenor Eric Schneider Klavier Liederabend zum Thema »Franz Liszt und Paris« Französische Lieder von Franz Liszt, Francis Poulenc und Giacomo Meyerbeer

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21.45 Uhr

Elena Denisova Violine Alexei Kornienko Klavier Franz Liszt: Grand Duo Concertant sur la Romance de M. Lafont »Le Marin« für Violine und Klavier S 128 sowie Werke von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Pablo de Sarasate

Münsterbasilika

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19 Uhr

Martin Haselböck Orgel BonnSonata Markus Karas Dirigent Franz Liszt: »Orpheus«. Symphonische Dichtung S 98 (Fass. für Orgel vom Komponisten) sowie Originalwerke für Orgel von Franz Liszt und György Ligeti kombiniert mit Kompositionen für Frauenchor

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21.45 Uhr

Iveta Apkalna Orgel BonnSonata Markus Karas Dirigent Franz Liszt: »Prometheus«. Symphonische Dichtung S 99 (Fass. für Orgel von Jean Guillou) sowie Arrangements für Orgel von Franz Liszt und Zsolt Gárdonyi kombiniert mit Kompositionen für Frauenchor

Schlosskirche

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19 Uhr

Julian Steckel Violoncello Paul Rivinius Klavier Agnes Szakály Cymbal István Dominkó Klavier Werke für Violoncello und Klavier von Franz Liszt, Zoltán Kodály und Béla Bartók sowie Arrangements für Cymbal solo bzw. Cymbal und Klavier von Franz Liszt und Johann Sebastian Bach

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21.45 Uhr

Julian Steckel Violoncello Paul Rivinius Klavier Agnes Szakály Cymbal István Dominkó Klavier Werke für Violoncello und Klavier von Franz Liszt, Zoltán Kodály und Béla Bartók sowie Werke und Arrangements für Cymbal solo bzw. Cymbal und Klavier von Franz Liszt, Béla Bartók und György Kurtág

In kurzen Einführungen bei einigen dieser Konzerte zeigen Annette Kristina Banse, Hans Christian Schmidt-Banse und Bodo Primus Querverbindungen zwischen Biographie und Werk des Komponisten. Die »Liszt-Nacht« wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.

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B e s o n d e r e k ü n s t l e r i s c h e A k z e n t e

»Orchestras in Residence« beim Beethovenfest Bonn 2011

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M usik und Globalisierung« – dieses Thema wird nicht nur auf Symposien, in Veröffentlichungen und Forschungsberichten diskutiert, sondern es nimmt auch nachweislich Einfluss auf die unterschiedlichen Bereiche des musikalischen Lebens. Neben der Vermischung von Musikstilen, der univer­ sellen Verfügbarkeit von Musik und der Omnipräsenz der großen Label haben sich seit den 1990er Jahren zahlreiche neue Residence-Programme etabliert. Die Vernetzung verschiedener künstlerischer Einrichtungen hat damit eine neue Qualität erreicht, die der medialen Verbreitung entgegenzusteuern scheint. Immer mehr Künstler, Ensembles und Orchester machen sich auf den Weg, um bei Festivals und an Konzerthäusern durch Residencies oder Konzertreihen präsent zu sein. Diese Konzerte bilden einen Gegenpol zur Schnell­ lebigkeit der medialen Welt und garantieren intensive Konzerterlebnisse. Auch wenn die Präsenz vieler Orchester durch CDs und DVDs, in Rundfunk und im Netz beachtlich ist – Live-Qualität ist dadurch nicht zu ersetzen. Grob lassen sich zwei Residence-Konzepte unterscheiden: Zum einen gibt es langjährige Residencies, die es Orchester und Gastgeber erlauben, sich programmatisch eng abzustimmen, beson-

dere Projekte im Bereich Education anzubieten und medial zusammenzuarbeiten. Zum anderen werden einmalige Residencies veranstaltet, bei denen Orchester zu einem längeren Aufenthalt eingeladen sind, um in zwei oder mehr Konzerten verschiedene ihrer Facetten zu präsentieren. Nach seinem sensationellen Debüt in 2009 wird das Pittsburgh Symphony Orchestra (PSO) gemeinsam mit hochrangigen Solistinnen das Beethovenfest Bonn 2011 mit zwei Konzerten eröffnen. Das 1895 gegründete PSO gehört zu den traditionsreichsten amerikanischen Orchestern. Sein Aufstieg in die Spitzenklasse in den 1930er Jahren verbindet sich mit den Dirigenten Otto Klemperer und Fritz Reiner. André Previn (1976 bis 1984), Lorin Maazel (1988 bis 1996) und Mariss Jansons (1997 bis 2004) konnten als Musik­ direktoren an diese große Tradition anknüpfen. Seit der Saison 2008/09 amtiert Manfred Honeck als neuer Chef, der auch in Bonn am Dirigentenpult steht. Mehr als 30 Auslands­ tourneen hat das Orchester im Laufe seiner Geschichte absolviert, eine weitere folgt 2011, mit Station beim Beethovenfest Bonn. Das Programm des ersten Konzertes am 9. September stellt die Geigerin Anne-Sophie Mutter


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in den Mittelpunkt. Im ersten Teil erklingen zwei Werke für Violine und Orchester: das Sommerstück »Lichtes Spiel« von Wolfgang Rihm, das der Solistin gewidmet und 2009 von ihr uraufgeführt wurde, und das Violinkonzert von Felix Mendelssohn. Den 100. Todestag von Gustav Mahler würdigt das Orchester mit dessen fünfter Symphonie. Am zweiten Abend (10.9.) begleitet das Pittsburgh Symphony Orchestra die Pia­ nistin Hélène Grimaud im vierten Klavierkonzert von Beethoven, außerdem erklingt Tschaikowskis Symphonie Nr. 5. Ein weiteres Spitzenorchester ist das London Symphony Orchestra (LSO), das 1904 als erstes unabhängiges und selbst verwaltetes Orchester Englands gegründet wurde. 1906 fand ein Konzert in Paris statt, das erste Gastspiel eines britischen Orchesters im Ausland. Als 1982 das neue Barbican Center fertig gestellt wurde, wurde das LSO zum Resident Orchestra ernannt. Darüber hinaus gastiert das Orchester seit 1997 jährlich im New Yorker Lincoln Center und ist seit 2006 Resident Orchestra der Pariser Salle Pleyel. Dank seiner eindrucksvollen Auftritte gilt das London Symphony Orchestra als eines der bedeutendsten Orchester der Welt, aber sein Tätigkeitsbereich erstreckt sich weit über den Konzertsaal hinaus.

A n n e - S o p h i e M u t t e r


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Die drei Konzerte umfassende Resi­ dency des LSO beim Beethovenfest Bonn 2011 ist ausnahmslos Werken von Ludwig van Beethoven gewidmet. Das Orchester, das vor kurzem in London unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner einen Zyklus mit den Symphonien Beethovens präsentiert hat, spielt in gleicher Besetzung in Bonn zuerst zwei Konzerte mit jeweils zwei Symphonien: am ersten Abend die vierte und fünfte, am zweiten Abend die erste und neunte. Im dritten Konzert dirigiert der Präsident des Orchesters, Sir Colin Davis, die »Missa solemnis«. Sowohl die Neunte als auch die »Missa solemnis« warten dabei mit zwei Solistenquartetten von außergewöhnlicher Qualität auf. Drei Mal Beethoven der Spitzenklasse! Ebenfalls mit Beethoven verbindet sich die Residency eines der weltweit führenden Kammerorchester, das seit 2004 als »Orchestra in Residence« beim Beethovenfest Bonn zu Gast ist: Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Diese hat in den Jahren 2004 bis 2008 alle neun Symphonien Beethovens unter der Leitung seines Künstlerischen Leiters, des estnischen Dirigenten Paavo Järvi, in Bonn präsentiert. Parallel wurden die Symphonien im Rahmen des »Beethoven-Projektes« in der zurzeit führenden 5.1 DSD-Technologie aufgenommen. Die Residency gipfelte 2009 in einer zyklischen Aufführung aller Symphonien an vier Abenden, bei der die letzte der entstandenen CDs veröffentlicht wurde. Der Zyklus wurde in einer Dokumentation festgehalten, die wiederum 2010 als DVD er-

schienen ist und international Beachtung erlangte. Sie enthält sowohl die Mitschnitte der Konzerte in Bonn als auch einen Dokumentarfilm, der die Herausforderungen dieses Projekts intensiv schildert. Das neue Projekt, das die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi in 2010 begonnen haben, ist Robert Schumann gewidmet. Auch hier sollen alle vier Symphonien des in Bonn verstorbenen Komponisten eingespielt werden. In zwei Konzerten am Eröffnungswochenende erklangen beim vergangenen Beethovenfest bereits die zweite und dritte Symphonie, der Zyklus wird am 23. September mit der Symphonie Nr. 4 fortgesetzt. Ergänzt wird das Programm durch das Violinkonzert von Johannes Brahms, Solistin ist die junge japanische Geigerin Sayaka Shoji. Nach dem Erfolg mit den »Katastrophenkonzerten« beim Beethovenfest Bonn 2009 und 2010 werden Mitglieder des Orchesters 2011 erneut in zwei Kinderkonzerten mit den Tücken des Musikbetriebs kämpfen. Gemeinsam mit dem clownesken Duo des Wiener Masken- und Musiktheater haben sie wieder ein Spezial-Programm für das Beethovenfest Bonn ausgearbeitet. Dr. Annette Semrau Dramaturgin des Beethovenfestes Bonn


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Fr 9.9.

Sa 10.9.

Mi 14.9.

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Do 15.9.

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20 Uhr

Hélène Grimaud Klavier Pittsburgh Symphony Orchestra Manfred Honeck Dirigent

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20 Uhr

Anne-Sophie Mutter Violine Pittsburgh Symphony Orchestra Manfred Honeck Dirigent

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20 Uhr

London Symphony Orchestra Sir John Eliot Gardiner Dirigent 20 Uhr

Rebecca Evans Sopran Wilke te Brummelstroete Mezzosopran Steve Davislim Tenor Vuyani Mlinde Bassbariton Monteverdi Choir London Symphony Orchestra Sir John Eliot Gardiner Dirigent Fr 16.9.

20 Uhr

Carmen Giannattasio Sopran Sarah Connolly Mezzosopran Paul Groves Tenor Matthew Rose Bass London Symphony Chorus London Symphony Orchestra Sir Colin Davis Dirigent So 18.9.

11 und 14 Uhr

Wiener Masken- und Musiktheater Mitglieder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Fr 23.9.

20 Uhr

Sayaka Shoji Violine Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Paavo Järvi Dirigent

S i r

J o h n

E l i o t

G a r d i n e r


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Z u b i n

M e h t a


B e e t h ov e n , L i s z t u n d M a h l e r i m F o k u s

Internationale Orchester, Solisten und Dirigenten beim Beethovenfest Bonn 2011

S elten war ein Festivalprogramm so dicht wie beim Beethovenfest Bonn 2011: Beethoven als Namensgeber sowie die zwei Jubilare des Jahres – Franz Liszt, dessen 200. Geburtstages gedacht wird, und Gustav Mahler, der vor 100 Jahren gestorben ist – scheinen omnipräsent. In der Tat sind diese drei Komponisten wie kaum ein anderes Trio vornehmlich im Bereich der Orchestermusik miteinander verbunden. Beethoven war für beide jüngeren Komponisten Vorbild, Liszt und Mahler wiederum haben ihrerseits die symphonische Tradition Beethovens am konsequentesten fortgeführt, besonders im Bezug auf die Gattung der Vokalsymphonie. Und so verwundert es nicht, dass kaum ein Orchester zum diesjährigen Beethovenfest reist ohne einen dieser drei großen Symphoniker im Gepäck. Das erste Konzert mit einem Werk der drei Protagonisten findet aus Anlass des 100. Todestages von Gustav Mahler am 18. Mai statt und wird vom Phil­ harmonia Orchestra London unter der Leitung von Lorin Maazel dargeboten. Das Orchester, das 1945 als reines Schallplattenorchester gegründet wurde, zählt heute zu den renommiertesten Klangkörpern der Welt. Auf dem Programm des Jubiläumskonzerts in Bonn steht die erste Symphonie Mahlers, die

niederländische Geigerin Janine Jansen interpretiert in der ersten Konzerthälfte das Violinkonzert von Felix Mendelssohn. Nur unwesentlich älter ist das Israel Phil­harmonic Orchestra, das im Dezember 1936 unter der Leitung von Arturo Toscanini sein erstes Konzert gab. Im Mai 1961 debütierte Zubin Mehta am Pult dieses Orchesters, mit dem ihn eine der fruchtbarsten und beeindruckendsten musikalischer Beziehungen des 20. Jahrhunderts verbindet: 1969 wurde er musikalischen Berater des Orchesters, das ihn 1977 zum Chefdirigenten, 1981 zum Music Director auf Lebenszeit ernannte. 2011 feiert das Israel Philharmonic dieses doppelte Jubiläum unter anderem mit einem Konzert beim Beethovenfest Bonn. Neben Tschaikowskis vierter Symphonie widmet sich das Programm Franz Liszts Symphonischer Dichtung »Les Préludes«. Das gleiche Werk erklingt eine Woche später in der Interpretation durch das Ensemble Anima Eterna, das sich in den letzten Jahren von einem Barock­­ en­semble zu einem großen Symphonie­o rchester entwickelt hat, dessen Besetzung und Instrumentarium – je nach Programm – entsprechend der his­to­rischen Aufführungspraxis variiert.

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Gemeinsam mit seinem künstlerischen Leiter Jos van Immerseel kombiniert das Orchester »Les Préludes« mit wei­ teren Kompositionen von Franz Liszt – unter anderem seinem zweiten Kla­ vierkonzert mit dem französischen Pia­ nis­ten Pascal Amoyel – und Richard Wag­n er. Beide Komponisten verband eine einzigartige und eigenwillige Freundschaft: Liszt war der bedeutendste Förderer Wagners und dirigierte zahlreiche seiner Werke. Wagner wiederum heiratete 1864 Liszts Tochter Cosima. Auch das Beethoven Orchester Bonn widmet diesem als »Neudeutsche« in der Musikgeschichte vereinten Komponistenpaar ein eigenes Konzert. Unter seinem Generalmusikdirektor Stefan Blunier präsentiert es Wagners »Wesendonck-Lieder« – gesungen von der schwedischen Mezzosopranistin Anna Larsson – sowie Auszüge aus »Tristan und Isolde«, beides Zeugnisse von Wagners Beziehung zu Mathilde Wesendonck. Es folgt Franz Liszts »Dante-Symphonie«, eine große Symphonie mit Chor nach Dantes »Göttlicher Kommödie«. Zwei weitere Liszt-Interpreten von Weltrang sind in Soloabenden zu erleben: Im Rahmen des dreiteiligen LisztLiederzyklus interpretiert der in Weimar geborene Bariton Matthias Goerne, am Klavier begleitet von Eric Schneider, Lieder von Franz Liszt und Hugo Wolf zum Thema »Franz Liszt und Wien«. Goernes warme und geschmeidige Baritonstimme macht die Lieder von Franz Liszt, der sich auch und gerade in dieser kleinen Form als Neuerer erweist, zu einer spannenden Entdeckung.

Der als »Genie am Klavier« gefeierte Arcadi Volodos wird sich im Rahmen des Beethovenfestes Bonn 2011 der h-Moll-Sonate von Franz Liszt annehmen, die Robert Schumann gewidmet ist und als ein Höhepunkt im Klavierschaffen des Komponisten gilt. Volodos Virtuosität und sein einzigartiges Empfinden für Zeit und Klangfarben machen ihn zu einem romantischen Erzähler par excellence – und zu einem idealen Interpreten dieses Werks. Zurück zu Gustav Mahler, dem zweiten Jubilar des Festivals: Neben dem Philharmonia Orchestra und dem Pittsburgh Symphony Orchestra, »Orchestra in Residence« des Eröffnungswochenendes, das das Beethovenfest Bonn 2011 mit Mahlers fünfter Symphonie eröffnet, widmen sich noch drei weitere Gastorchester dem Jubilar Gustav Mahler. Am 17.9. gastiert das Budapest Festival Orchestra unter seinem Gründer und langjährigen Leiter Iván Fischer für ein Konzert in Bonn. Gemeinsam haben sie sich in den letzten Jahren intensiv mit Mahler beschäftigt, was Aufnahmen der Symphonien Nr. 2, 4, und 6 eindrücklich belegen. Für das Beethovenfest Bonn haben sie die erste Symphonie von Mahler vorbereitet, die in Budapest unter Leitung des Komponisten uraufgeführt wurde. Als einschlägig bekanntes Liszt-Orchester interpretieren sie außerdem gemeinsam mit dem kroa­ tischen Pianisten Dejan Lazic´ Liszts »Totentanz«, eine witzig-makabre Para­ phrase über den »Dies-irae«-Hymnus des gregorianischen Requiems.


Das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung des französischen Dirigenten Sylvain Cambreling kombiniert Mahlers vierte Symphonie, seine wohl klassizistischste Schöpfung dieser Gattung, mit der Uraufführung eines neuen Violinkonzertes von Rebecca Saunders, das vom Beethovenfest Bonn und BBC Radio 3 in Auftrag gegeben wurde. Solistin ist Carolin Widmann, die sich besonders als Interpretin für Neue Musik einen Namen gemacht hat. Das Sopran-Solo im Finalsatz der vierten Symphonie von Gustav Mahler, das auf einem Gedicht aus »Des Knaben Wunderhorn« basiert, interpretiert die junge englische Sopranistin Sarah-Jane Brandon. Eine Auswahl der Orchesterlieder aus der Sammlung »Des Knaben Wunderhorn« erklingt schließlich im Abschlusskonzert am 9.10., das noch einmal Werke der drei zentralen Komponisten des Festivals vereint. Solist der Mahlerschen Lieder ist der Bariton Christian Gerhaher, der von der Zeitschrift »Opernwelt« zum besten Sänger des Jahres 2010 ernannt wurde. Er wird begleitet vom Finnish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung seines Chefdirigenten Sakari Oramo. Oramo begann seine Laufbahn beim Finnish Radio Symphony Orchestra als Geiger und Konzertmeister, 1993 sprang er erstmals kurzfristig für einen erkrankten Dirigenten ein – und blieb am Pult des Orchesters, das er seit der Saison 2003/04 als Chefdirigent betreut. Gemeinsam interpretieren sie Liszts Symphonische Dichtung »Orpheus« sowie – zum Abschluss des Beethovenfestes Bonn 2011 – die siebte Symphonie des Namensgebers.

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A n n a

L a r s s o n


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Mit Beethovens drittem Klavierkonzert präsentiert sich die portugiesische Pianistin Maria João Pires, deren internationale Karriere begann, als sie in Brüssel einen zu Beethovens 200. Geburtstag ausgelobten internationalen Wettbewerb gewann. Ihr stehen das Gewandhausorchester Leipzig und Riccardo Chailly, der 19. Gewandhauskapellmeister, zur Seite. Beethovens Klavierkonzert wird ergänzt durch ein Werk des zweiten Gewandhauskapellmeisters, Felix Mendelssohn. Seine »Reforma­ tionssymphonie« entstand 1829/30, also nur drei Jahre nach Beethovens Tod. Seine Begeisterung für die Klaviersonaten Beethovens bringt der US-amerikanische Pianist Murray Perahia auf besondere Weise zum Ausdruck: Gemeinsam mit dem Cheflektor des Henle Verlags unterzieht er sämtliche Klaviersonaten Beethovens für die Gesamtausgabe einer sorgfältigen Revision. Murray Perahia fungiert dabei nicht nur als Herausgeber, sondern verantwortet auch die Fingersätze. Man darf vermuten und hoffen, dass das Programm seines Konzertes beim Beethovenfest Bonn eine Sonate des Namensgebers beinhaltet. Auf eine ganz andere Epoche hat sich das italienische Barockensemble Zefiro spezialisiert, das je nach Bedarf als Kammerensemble oder Orchester auftritt. Dem für Bonn ausgewählten Programm hat das Orchester unter seinem Leiter Alfredo Bernardini den Titel »Zefiro in Aqua« gegeben, der auf die Lokalität dieser Konzerte anspielt: Oberhalb des Rheins im Park der Villa Hammerschmidt wird das Orchester

zwei Open-Air-Konzerte geben, in denen alle drei »Wassermusik«-Suiten von Georg Friedrich Händel sowie weitere bekannte Barockwerke zu diesem Thema erklingen werden. Ein durch und durch romantisches Programm schließlich präsentiert das Rotterdams Philharmonisch Orkest, das zu den führenden Orchestern der Niederlande gehört. Unter der Leitung seines Chefdirigenten Valery Gergiev erlangte das Orchester ab 1995 internationale Anerkennung. Mit dem Beginn der Saison 2008/09 folgte Yannick Nézet-Séguin als Chefdirigent: Der kanadische Ausnahmekünstler – Jahrgang 1975 – ist nicht nur Chefdirigent des Rotterdams Philharmonisch Orkest, sondern auch gewählter erster Gast­ dirigent des London Philharmonic Orchestra, seit 2010 außerdem desig­ nierter Chefdirigent des Philadelphia Orchestra. In Bonn präsentiert er mit seinem Rotterdamer Orchester die achte Symphonie Anton Bruckners, außerdem mit dem norwegischen Cellisten Truls Mørk das Cellokonzert von Antonín Dvorˇák – eines der schönsten für dieses Instrument. Dr. Annette Semrau Dramaturgin des Beethovenfestes Bonn

202

4 5

So 11.9.

18 Uhr

Israel Philharmonic Orchestra Zubin Mehta Dirigent So 11.9.

11 + 18 Uhr

Zefiro Barockorchester Alfredo Bernardini Dirigent


7

Mo 12.9.

12

Sa 17.9.

20 Uhr

Maria João Pires Klavier Gewandhausorchester Leipzig Riccardo Chailly Dirigent 20 Uhr

Dejan Lazic´ Klavier Budapest Festivalorchester Iván Fischer Dirigent

19

So 18.9.

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So 25.9.

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Do 29.9.

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18 Uhr

Pascal Amoyel Klavier Anima Eterna Jos van Immerseel Dirigent 18 Uhr

Matthias Goerne Bariton Eric Schneider Klavier 20 Uhr

Sarah-Jane Brandon Sopran Carolin Widmann Violine BBC Symphony Orchestra Sylvain Cambreling Dirigent

204 F r 3 0 . 9 .

20 Uhr

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So 2.10.

18 Uhr

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Do 6.10.

Truls Mørk Violoncello Rotterdams Philharmonisch Orkest Yannick Nézet-Séguin Dirigent

Anna Larsson Sopran Limburger Domsingknaben Beethoven Orchester Bonn Stefan Bunier Dirigent 20 Uhr

Murray Perahia Klavier

205 S a 8 . 1 0 .

20 Uhr

So 9.10.

19 Uhr

Arcadi Volodos Klavier

62

Christian Gerhaher Bariton Finnish Radio Symphony Orchestra Sakari Oramo Dirigent

R i c c a r d o

C h a i l ly


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N a t i o n a l

Y o u t h o f

O r c h e s t r a

I r a q


M u s i k f ü r E i n h e i t u n d F r i e d e n

Das National Youth Orchestra of Iraq setzt Zeichen

E s war ein sehr bewegender Augenblick in der Eingangshalle des Sunhills Hotels in Erbil am 9. August 2010; 40 junge Musiker kämpften mit den Tränen oder ließen ihnen freien Lauf. Es galt Abschied zu nehmen nach zweiwöchigem gemeinsamen Musizieren. Draußen wartete der Bus, der 26 von ihnen wieder nach Bagdad zurückbringen würde, nach Hause, wo Unsicherheit auf sie wartete. Die anderen blieben in Kurdistan, aber sie verabschiedeten sich von Freunden, die sie nun ein Jahr lang nicht wieder sehen würden. Mit diesem Orchester, dem National Youth Orchestra of Iraq, hat sich ein Traum erfüllt, den Suhal Sultan als 17-jährige Pianistin im Jahre 2008 träumte: ein Jugendorchester mit Mitgliedern aus allen Teilen Iraks zu gründen, das durch die Musik zeigen sollte, dass Einheit und Frieden in solch einer unterschiedlichen Gruppe gelebt werden konnte. Dieser Traum, so unrealistisch er zunächst zu sein schien, ging in Erfüllung. Suhal Sultan gewann die Unterstützung der britischen Regierung und des British Councils sowie der kurdischen Teilregierung. Entscheidend war auch, dass sie Paul MacAlindin fand, den Dirigenten aus Schottland, der sich an die scheinbar unmögliche Aufgabe machte, mit Musikern zu ar-

beiten, die teilweise noch nie Unterricht bekommen hatten und Orchesterarbeit nicht kannten. 2009 fand eine erste Sommerakademie in der kurdischen Stadt Sulaimaniya statt, wohin er mit zwölf Musiklehrern aus den USA und Europa reiste. Es galt, die einzelnen Musiker zu unterrichten und in bis zu zehn(!)-stündigen Proben ein Orchester mit einem eigenen Profil zu schaffen. Dirigent, Orchester und Zuhörer waren überwältigt von dem sowie dem Ergebnis dieser zweiwöchigen Arbeit, das in einem Abschlusskonzert in Anwesenheit vieler Zuschauer, der Medien, des kurdischen Premierministers Dr. Barham Salih sowie einiger Mitglieder seines Kabinetts präsentiert wurde. Das Orchester lebte das folgende Jahr im »Cyber Space« fort. Über Skype fand Einzelunterricht statt, Bewerbungsunterlagen für die nächste Sommerakademie wurden per Internet oder CD eingereicht. Im Sommer 2010 spielte das Orchester Mendelssohn, Beethoven sowie ein Werk des irakischen Komponisten Lance Conway (»Heartbeat of Baghdad«). Beim Abschlusskonzert strahlte die Versöhnungsidee des Orchesters erneut auf alle Anwesenden aus, darunter Vertreter der irakischen Regierung in Bagdad, die das Projekt inzwischen unterstützt, sowie der deut-

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schen Regierung und des Goethe Instituts. Mit der gemeinsamen Hilfe des Beethovenfestes Bonn, der Deutschen Welle in Bonn und des in Köln gegründeten Fördervereins wird das Orchester im Rahmen seiner dritten Sommerakademie erstmals ins Ausland und zwar zum Beethovenfest Bonn 2011 reisen. Dort wird es am Orchestercampus 2011 der Deutschen Welle und des Beethovenfestes Bonn teilnehmen. Vom Irak soll dabei eine neue Botschaft ausgehen, die nicht von Schreckensnachrichten, Bomben und religiösen Konflikten bestimmt ist. Die Einladung zum Orchestercampus der Deutschen Welle und des Beethovenfestes Bonn ist eine große Herausforderung und Ehre. Die Vorfreude und der Wille der 40 jungen Musiker, sich dieser Herausforderung zu stellen, sind ebenso groß. Der Weg dahin bleibt spannend: Zuerst sollen Instrumente und Zubehör in den Irak gesandt werden, um bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen. Im August 2011 wird das Orchester zunächst zwei Wochen in Erbil proben und ein Konzert geben. Ein Traum ist ein weiteres Konzert in der Hauptstadt Bagdad, wo das Orchester westliche Musik in Verbindung mit irakischer Musik aufführen möchte. In Bonn werden zwei weitere Wochen mit Proben stattfinden, unter anderem für die Uraufführung der beiden irakischen Orchesterwerke von Ali Authman und Mohammed Amin Ezzat. Diese werden von den 40 Musikern des Orchesters präsentiert. Für das Violinkonzert von Beethoven, das die junge Münchener Geigerin Arabella Steinbacher interpre-

tieren wird, sowie für die Haydn-Sinfonie wird das Orchester mit Instrumentalisten des Bundesjugendorchesters erweitert. Damit soll das Orchester nicht nur eine für die Aufführung adäquate Größe erlangen, sondern die Mög­lichkeit zu einem aktiven Austausch mit Jugendlichen des Gastlandes bekommen. Für Bonner Schüler werden Probenbesuche sowie begleitende Veranstaltungen zum Orchestercampus angeboten werden. Durch die intensive Probenphase wird das Orchester die musikalische Reife erlangen, dieses außergewöhnliche Projekt zu präsentieren und seine Botschaft der Versöhnung überzeugend zu vertreten. Die Deutschen Welle wird das Konzert über verschiedene Medien in den Irak und die ganze Welt verbreiten. Geplant sind Berichte sowie PodcastAngebote vom Campus-Konzert über dw-world.de/beethoven sowie über irakische Partnersender. Auf dieser Grundlage kann das Orchester in den kommenden Jahren weiter wachsen, ein wichtiger Baustein beim Wiederaufbau der zerstörten irakischen Kultur werden und ein Zeichen der Hoffnung in der Welt setzen. Hierfür lohnen sich alle Anstrengungen und dauerhafte Hilfen. Karl-Walter Keppler Vorsitzender des Fördervereins Nationales Irakisches Jugendsinfonie­ orchester e.V. – »JOI«, Köln


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Sa 1.10.

20 Uhr

Beethovenhalle

Deutsche Welle präsentiert: CAMPUS - KONZERT

Arabella Steinbacher Violine National Youth Orchestra of Iraq Mitglieder des Bundesjugendorchesters Paul MacAlindin Dirigent Ali Authman: »Invocation« (Uraufführung, kurdisches Auftragswerk der Deutschen Welle) Mohammed Amin Ezzat: NN (Uraufführung, arabisches Auftragswerk der Deutschen Welle) Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 104 D-Dur Hob 1:104 Ludwig van Beethoven: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

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In Kooperation mit dem Deutschen Musikrat, Bundesjugendorchester. Gefördert durch das Auswärtige Amt, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch RWE.

P a u l

M a c a l i n d i n


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R e b e c c a

S a u n d e r s


V o n d e r J a m - S e s s i o n z u m K l a n g ko s m o s Rebecca Saunders’ neues Violinkonzert für Carolin Widmann

D er Komponist als einsamer HeimWerker vor dem Bildschirm oder papierenen Notenlinien – dieses romantische Bild mag für bestimmte Gattungen wie das Orchester- oder Chorwerk noch greifen. Wenn aber Solisten eine Hauptrolle spielen (wie im Konzert oder in der Kammermusik), kommt wieder jene persönliche Kommunikation zur Geltung, die in allen Epochen die Seele der Musik bildete: Für welche Persönlichkeit schreibe ich, welcher individuelle »Klang-Körper« haucht meinem Werk Leben ein, wie werden Klänge Wirklichkeit, die vorerst nur im Kopf umhergeistern? Wer solche Fragen ernst nimmt, verlässt bald das Arbeitszimmer und begibt sich mit dem Interpreten ins Labor – für die Komponistin Rebecca Saunders ohnehin der kreative Nor­ malzustand am Beginn jeder Kompo­ sition. Um die Jahreswende begab sie sich also von ihrem Wohnort Berlin nach Leipzig, wo Carolin Widmann seit 2006 als Professorin für Violine lehrt. Anlass: der Auftrag zu einem neuen Violinkonzert durch das Bonner Beethovenfest und den britischen Rundfunkkanal BBC Radio 3. »Es war eine Art Jam-Session«, erinnert sich Carolin Widmann, »eine Klang­expedition, bei der die Einfälle allmählich ins Laufen kamen und man

in unerschlossene Gebiete gelangte. Und als ich einmal nicht das traf, was ihr vorschwebte, hat sie einfach die Geige in die Hand genommen und es selbst versucht. Ich wusste gar nicht, dass sie das Instrument studiert hat.« Rund dreißig Jahre ist es her, dass die gebürtige Londonerin Rebecca Saunders Vio­l ine und Komposition an der Universität Edinburgh studierte. Mit 23 Jahren aber hängte sie über Nacht die Geige an den sprichwörtlichen Nagel und strebte nach »Europa«, wie die Engländer den Kontinent mit liebe­voller Distanz nennen. Nachdem sie einige Platten mit »europäischer« Neuer Musik gehört hatte, entschied sie sich für den Lehrer Wolfgang Rihm, fand heraus, dass er in Karlsruhe unterrichtete, identifizierte den Ort auf der Weltkarte. Und weil Rihm ihr nicht die Analyse von Werken oder das so genannte »Handwerk« oktroyierte, sondern sie aufforderte, Fragen an sich selbst zu stellen, entwickelte sich die Schülerin ganz eigenständig und begann, sich und ihre Musiker in seltsame, sinnliche Klänge einzuspinnen, durch die zuweilen altmodische Spieluhren oder rauschende Radios hindurchtönten. Für Carolin Widmann eine neue Erfahrung: »Es gibt Komponisten, die vielleicht erst an einer Harmonie

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arbeiten oder an einer Linie. Bei ihr ist zuerst der Klang, also etwas ganz Sinnliches. Das ist der Kernpunkt, um den sich alles dreht.«

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Für Rebecca Saunders sind die »JamSessions« und das Erforschen neuer Klangregionen nicht nur Inspiration und Vorbereitung, sondern Teil der Komposition selbst. Sei es mit Solisten, sei es mit den lange vertrauten Mitgliedern des Ensembles musikFabrik oder mit etablierten Orchestern wie der Staatskapelle Dresden, für die Saunders als »Capell-Compositrice« der Saison 2009/2010 mehrere Stücke kompo­ nierte – immer lotet die Komponistin zuerst bestimmte Klangfelder und -konstellationen als Substanz des späteren Werks aus. »Ich bin zu Carolin mit einer Palette von kontrastreichen Grundklängen gefahren«, beschreibt sie den Arbeitsprozess. »Ein Klang etwa beginnt mit einer expressiven, großen Geste aus dem Nichts bis zu einem verzerrten Fortissimo: iiusch! Dazu ein Doppeltriller im Flageolett auf der dritten und vierten Saite, der ein Glissando sein kann oder stabil oder sehr beweglich. Dahinter steckt auch eine körperliche Geste: Carolin macht das mit höchster Spannung, höchster Expressivität und Leidenschaft, die aber sehr kontrolliert sind. Das macht es so professionell und so spannend.« Wer die gebürtige Münchnerin einmal mit Schumann-Sonaten oder den halsbrecherischen Solo-Etüden ihres Bruders Jörg Widmann erlebt hat, weiß, was Rebecca Saunders mit Leidenschaft und Kontrolle meint. Die atem-

beraubende Präzision und Virtuosität ihres Spiels, der lodernde, aber nie pathetische Ausdruck, die schöne Auto­ rität ihrer Bühnenpräsenz machen Carolin Widmann automatisch zur Hauptdarstellerin – weshalb auch außer Frage steht, dass Saunders für sie ein echtes Solokonzert schreibt, das sich nicht, wie so häufig in der neuen Musik, selbst in Frage stellt. »Es wird ein Konzert mit einer klaren Solostimme sein. Dennoch wird das Orchester mit der Geige vielfach vernetzt. Es gibt z. B. starke perkussive Klänge, die ich mit bestimmten Solisten im Orchester verbinden will, um Diagonalen im »Orchesterleib« zu bilden. Einige Töne werden immer von der Solo-Oboe gespielt, andere immer vom Solo-Kontrabass, das Solo-Streichquartett spielt bestimmte Klänge zusammen mit der Solistin. Und dann gibt es einen Klang über einen einzigen Ton, den ich im Orchester zu einem großen Spektrum ausarbeiten will – sehr expressiv und hoffentlich auch lyrisch. Aus der Gegenüberstellung dieser verschiedenen Klangwelten wird sich dann eine bestimmte Form entwickeln, die ich noch ausarbeiten muss.« Das Verfahren, mit dem Rebecca Saunders aus den experimentell entwickelten Klangkonstellationen eine Form zusammensetzt, erinnert an die Arbeit einer Malerin. Oft klebt sie die Klangmaterialien an die Wand ihres Berliner Ateliers – »und auf einmal ist das wie ein Bild, das ich im Ganzen betrachten kann, rein grafisch, denn noch ist nichts aufs Notenpapier gebracht. Das Zusammensetzen dieser Texturen und


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C a r o l i n

W i d m a n n


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Klangflächen ist dann für mich das eigent­liche Komponieren.« Dieser Prozess des »Kom-ponierens« zu größeren Formen und Strukturen ist ein äußerst sorgfältiger und skrupulöser Akt der Verbindung, Schichtung und Gegenüberstellung der Einzelkomplexe. So ist die Form bei Rebecca Saunders weniger straff und zielgerichtet organisiert, mehr dem Ermessen der Komponistin vorbehalten, ihrem Gespür für Rhythmus, Dramatik, entgrenzende Stille. Aber auch die Größe des Apparats – das neue Violinkonzert entsteht für das BBC Symphony Orchestra – bestimmt die Gestalt des Werks. »Wenn man achtzig Musiker auf der Bühne hat, muss man mit viel breiterem Pinsel arbeiten und einen anderen Abstand zur Entwicklung des Klanges haben. Durch meine gewachsene Erfahrung mit Orchestern ist es mir heute deshalb nicht mehr so wichtig, ganz nah an den Instrumenten zu sein beim Komponieren.« Auf bestimmte Individuen im Orchester will sie dennoch nicht verzichten – am wenigsten auf das Akkordeon: »Ohne Akkordeon kann ich keine Orchestermusik schreiben. Es verbindet alles mit allem.« Für Carolin Widmann, die das Konzert am 29. September mit dem BBC Symphony Orchestra und dem Dirigenten Sylvain Cambreling uraufführen wird, ist diese akribische Arbeit am Klang faszinierend. Dass die Geige damit endgültig erschlossen und vermessen sei, glaubt sie nicht: »Ich finde, und da bin ich natürlich ganz subjektiv, dass die Geige noch phänomenale Möglichkeiten hat. Dass innerhalb der gleichen Deka-

de ein Stück von Wolfgang Rihm entstehen kann, das sich 25 Minuten nur mit einer einzigen Linie beschäftigt, dass die hochvirtuosen Sciarrino-Capricen neben einer Toccatina von Lachenmann stehen, neben den Miniaturen von George Benjamin oder dem Riesenstück »Hipartita« von György Kurtág – das zeigt, dass die Geige noch längst nicht erschöpft ist. Es geht weiter.« Michael Struck-Schloen Musikwissenschaftler, freier Autor und Moderator beim WDR, Windeck


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Do 29.9.

20 Uhr

Beethovenhalle

Sarah-Jane Brandon Sopran Carolin Widmann Violine BBC Symphony Orchestra Sylvain Cambreling Dirigent Carl Maria von Weber: Ouvertüre zur Oper »Oberon« J 306 Rebecca Saunders: Konzert für Violine und Orchester (Uraufführung, Auftragswerk von Beethovenfest Bonn und BBC Radio 3) Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4 G-Dur

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S y l v a i n C a m b r e l i n g


S t e v e R e i c h s p i e lt S t e v e R e i c h

Konzert zum 75. Geburtstag des Komponisten

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E ine Legende wird 75! Am 3. Oktober 2011 jährt sich der Geburtstag des großen amerikanischen Komponisten Steve Reich. Aus diesem Anlass gibt das Ensemble Modern gemeinsam mit Syn­ergy Vocals ein Konzert in Bonn mit zwei der bekanntesten Werke Steve Reichs. Außerdem dabei: der Komponist selber, der als Pianist und Schlagzeuger in beiden Stücken mitwirken wird. Geboren in New York, studierte Steve Reich Philosophie und Komposition, unter anderem bei Darius Milhaud und Luciano Berio. Reichs großes Kunststück war es, aus verschiedenen Quellen eine unverwechselbar eigentümliche und gleichfalls »Neue Musik« zu entwickeln. Der Begriff »Minimal Music« (erst in den späten 70er-Jahren von Michael Nyman geprägt) trifft Reichs Musik dabei nur unzureichend. Denn Reich ignorierte die Errungenschaften der Schönberg-Schule nicht, er inte­grierte sie in einen Kosmos, der die Tra­dition Amerikas, besonders des Jazz, ebenso enthält wie die Klangwelt des frühen Strawinski, die Berufung auf tonale Zentren und die Besinnung auf den großen Zauber der Wiederholung. Musik als Mikrokosmos aus rhythmischen Klängen und sich ständig wiederholenden Klanggebilden, dies ist Reichs

Credo, nicht die punktuelle Verknappung. Von ganz besonderer Bedeutung für Steve Reichs Entwicklung sind die Beschäftigung mit afrikanischer und balinesischer Musik – beides Quellen, aus denen sich die in Bonn gespielten Werke speisen. 1970 lerne Steve Reich bei einem Meistertrommler des Ewe-Stammes an der University of Thana in Ghana afrikanische Trommeltechniken und komponierte »Drumming« (1971). Das Werk basiert auf einem einzigen Grundrhythmus, der durch schrittweises Einsetzen von Schlägen in ein Anfangsmodell von elf Pausen und einem Schlag auf- und entsprechend abgebaut wird.1973 und 1974 machte sich Reich bei balinesischen Lehrern in Seattle und Berkeley mit balinesischer Gamelan-Musik vertraut und arbeitete anschließend in­­ tensiv an der Komposition »Music for 18 Musicians« (1974/76), die ihn weltberühmt machte. Darin gibt Reich einzig ein zeitliches Raster vor, das nach und nach von elf Akkorden gefüllt wird. Hat das Stück erst einmal angefangen, könnte es ewig weitergehen. Dr. Annette Semrau Dramaturgin des Beethovenfestes Bonn


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Mi 21.9.

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20 Uhr

F o r u m d e r K u n s t- u n d Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland K o n z e r t z u m 75. G eb u r t s ta g v o n S t e v e Rei c h

Steve Reich Klavier, Schlagzeug Synergy Vocals Ensemble Modern Steve Reich: »Drumming – Part One« für vier Paar gestimmte Bongos Steve Reich: »Music for 18 Musicians« Eine Veranstaltung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Kooperation mit dem Beethovenfest Bonn.

S t e v e

R e i c h


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I v รก n

F i s c h e r


S y m p h o n i k

d e r

J a h r h u n d e rt w e n d e ( n )

Gedenken an Gustav Mahler und seine Beethoven-Rezeption

D em Dirigenten Bruno Walter galt sein künstlerischer Ziehvater Gustav Mahler als der »letzte Romantiker«. Gleichermaßen gilt er uns aber auch – man denke an die Presse zu seinem 150. Geburtstag 2010 oder Theodor W. Adornos Mahler-Monographie – als »Wegbereiter der Moderne« oder gar als »Zeitgenosse der Zukunft«. In Mahlers Werken wiederholte sich um 1900, was ein Jahrhundert früher Beetho­vens Kompositionen darstellten: Beide eigne­ten sich Tradiertes an und nutzten es als Grundlage für Brüche mit Konventionen, Aufbrüche in neue Klangwelten, Infragestellung und Neubestimmung musikalischer Formen und Ausdrucksmittel. Beethovens Instrumentalmusik inspirierte mit ihrer neuartig »poetischen« Klangrede eine damalige »Moderne«, die sich in der »romantischen« Musikästhetik des 19. Jahrhunderts spiegelte (nicht zuletzt in der Beethoven-Rezeption E.T.A. Hoffmanns). Durch Erweiterungen und Auflösungen weniger des DurMoll-Tonalen als vielmehr gewohnter Gattungsnormen und Rezeptionshaltungen markierte Mahler jenen Weg, welchem die Symphoniker des 20. Jahrhunderts – etwa Dmitri Schostakowitsch, Leonard Bernstein oder Hans Werner Henze – folgten wie einst Mahler selbst Beethovens Vorbild.

Dass Mahler der Gattung der Symphonie gerade dadurch ihr Überleben sicherte, dass er auch Vokalstimmen in einen nach wie vor primär instrumentalen Diskurs mit einbezog, darf als konsequente Fortsetzung der Idee Beethovens verstanden werden. Dieser hatte beide musikalische Sphären bereits experimentell in der »ChorFantasie« op. 80 und 1824 schließlich in seiner neunten Symphonie mitein­ ander verbunden. Das Projekt einer solchen Gattungsvermischung von Symphonie und Kantate wurde Mitte des 19. Jahrhunderts noch weitenteils von Musikästhetikern kritisiert. Dennoch entwickelten parallel dazu Komponisten wie Hector Berlioz (»Roméo et Juliette«, 1839), Felix Mendelssohn (»Lobgesang«, 1840), Féli­c ien David (Ode-Symphonie »Le Desert«, 1844) oder Franz Liszt (»Dante-Symphonie«, 1856, und »Faust-Symphonie«, 1856/57) bereits weitere, jeweils singuläre vokalsymphonische Werkkonzepte. In Gustav Mahlers Vokalsymphonien schließlich gelangte solche Gattungsmischung zu einem für das 19. Jahrhundert exemplarischen Abschluss. Mahler reanimierte und modifizierte in seiner zweiten Symphonie den Final­ typus der Neunten und integrierte dort sowie in den beiden folgenden Sympho-

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nien orchesterbegleitete Lieder. Als Textbasis diente überwiegend die 1805 bis 1808 von Clemens Brentano und Achim von Arnim publizierte Sammlung »Des Knaben Wunderhorn«. Diesen drei »Wunderhorn«-Symphonien mit Vokalanteil (Nr. 2 bis 4) folgten drei Instru­m entalwerke (Nr. 5 bis 7) und schließlich jene achte »Symphonie der Tausend«, welche Schöpfer-Hymnus und Goethes finale »Faust«-Szenen zur monumentalen Kantate mit Ausmaßen des romantischen Oratoriums verband. Das 1808/09 entstandene, von Bruno Walter 1911 posthum uraufgeführte »Lied von der Erde« präsentierte quasi abschließend das komplementäre Konzept einer wiederum auf Einzelstimmen reduzierten symphonischen Lieder­ folge. Auch darüber hinaus nimmt Mahler Bezug auf Beethovens Symphonien, die ihm als Dirigent überaus vertraut waren: Gemäß dem Motto »mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey« der Pastorale griff Mahler auf einen lied­ orientierten Volks- und auch »Naturton« zurück. Dieser bildete einen Ge­genpol zu den »heroischen« bzw. idealistischen Sphären, die von Beginn an in seiner Symphonik präsent waren. Bereits die rein instrumentale erste Symphonie weist diverse Aspekte auf, die zeigen, inwiefern sich Mahler an den im 19. Jahrhundert dominanten Beethoven orientierte: Seine Programmhinweise sowie seine Idee eines »Helden« als ästhetisches Subjekt der Musik erlauben durchaus Assoziationen – auch in formaler Hinsicht – von Beethovens »Eroica« sowie der »Pastoral-

Symhonie«. Mahlers Held wandelt durch die erwachende Natur (erster Satz), wohnt Volkstanz und Trauerzug bei und erfährt dann Dante-gemäß im Finale »Dall‘ Inferno al Paradiso« Schmerz und Verklärung. Jene Identifikation seitens der Hörer, welche die programmatische Konstruktion eines lyrischen Rollen-Ichs in dieser Symphonie erlaubt, kann man 2011 sogar in zwei Aufführungen nacherlebt werden. Wird in der ersten Symphonie bereits eigenes Material der »Lieder eines fahrenden Gesellen« von 1884/85 im Orchester übernommen, so eröffnet sich in der vierten Symphonie nun eben jene Welt der »Wunderhorn«-Lieder, welche Mahler ab 1887 zunächst mit Klavierbegleitung komponierte und später auch orchestrierte: Das 1892 entstandene Lied »Das himmlische Leben« bildet dort das Finale und zugleich als thematischer Steinbruch den Ausgangspunkt der Komposition, was der Hörer aber erst am Ende bemerken kann. Mahlers Pointe allerdings besteht darin, dass er statt eines erhabenen Chorfinales à la Beethoven eine vorgeblich volkstümlich-naive Himmelsvorstellung aus quasi kindlicher Perspektive als Abschluss präsentiert. Der Finalsatz in Mahlers Vierter führt damit stärker noch als der »Todtenmarsch ›in Callot’s Manier‹« aus Mahlers Erster in Bereiche ironischer Brechung. Die ganze Symphonie lotet – möglicherweise motiviert durch Mahlers Lektüre der Schillerschen Abhandlung »Über naive und sentimentalische Dichtkunst« – abermals Verhältnisse


aus zwischen Natur und Kunst, kultivierter Form und musikalisch-idiomatischem, programmatischem Inhalt: Der Kopfsatz durchwandert auf klassizistische und zugleich klanglich plastische Weise die Sonatensatzform, wobei Kinderlieder und »Naturlaute« anklingen. Es folgt ein grotesker Totentanz und ein elegischer langsamer Variationensatz, welcher Anspielungen an das Glockenmotiv aus Wagners »Parsifal« wie auch an das kontemplative Quartett »Mir ist so wunderbar« aus Beethovens »Fidelio« enthält. Der Himmel kommt uns hier – ähnlich dem gleichpositionierten Adagio molto e cantabile in Beethovens Neunter – bereits recht nah, bevor das finale Lied musikalischbildhafte Vorstellungen des Transzendenten bestätigt und zugleich ironisch unterläuft, indem es auf VolkstümlichIrdisches zurückweist. Mahlers Fünfte mit jenem Adagietto, das als Film-Hit aus Lucchino Viscontis »Tod in Venedig« (1971) Mahlers Musik weithin popularisierte, erklingt im Eröffnungskonzert. Der lange Weg, den die Symphonie im 19. Jahrhundert genommen hat, wird bei diesem reinen Orchesterwerk hörbar: Opernhafte Klangeffekte schon zu Beginn, vehementere Marsch-Musiken als in den Gattungsvorläufern, ein überdimen­ sioniertes, mitunter brutales Scherzo, Kontraste auf allen Ebenen. Der »letzte Romantiker« blickt hier über jene Schwelle der Moderne eines anbrechenden Jahrhunderts, in welchem bereits der Verlust bisheriger kultureller Behausungen zu drohen scheint – um sich und uns dann doch im schmerz-

lich schönen Adagietto-Liebesgesang an seine spätere Frau Alma und im prunkenden Finale euphorisch eine lichtere persönliche Heimstatt zu entwerfen. Eine heroische, eine versöhnlich-idealistische Lösung in der Tradition Beethovens? Dr. Hartmut Hein Privatdozent am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln

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Mi 18.5.

20 Uhr

Philharmonia Orchestra London Lorin Maazel Dirigent Symphonie Nr. 1 D-Dur (»Der Titan«) Fr 9.9.

20 Uhr

Pittsburgh Symphony Orchestra Manfred Honeck Dirigent Symphonie Nr. 5 cis-Moll

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Sa 17.9.

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Do 29.9.

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So 9.10.

20 Uhr

Budapest Festivalorchester Iván Fischer Dirigent Symphonie Nr. 1 D-Dur (»Der Titan«) 20 Uhr

Sarah-Jane Brandon Sopran BBC Symphony Orchestra Sylvain Cambreling Dirigent Symphonie Nr. 4 G-Dur 19 Uhr

Christian Gerhaher Bariton Finnish Radio Symphony Orchestra Sakari Oramo Dirigent Lieder aus »Des Knaben Wunderhorn«

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A r c a d i

V o l o d o s


N e u e k l a n g s i n n l i c h e P e r s p e k t i v e n

Kammermusik bei Beethovenfest Bonn 2011

F ür Liszts Ausdrucksvermögen bezeichnend ist die Wiedergabe zweier Gefühlsmomente: des diabolischen und des katholisch-gläubigen«, meinte Ferruccio Busoni (1866 – 1924), der mit diesen Worten das Janusköpfige im Wesen von Franz Liszt unterstrich. Polaritäten bestimmten das Leben und Schaffen des gebürtigen Ungarn, dessen 200. Geburtstag 2011 gefeiert wird. So glänzte Liszt einerseits als brillanter »Salonlöwe«, der sich auf dem gesellschaftlichen Parkett ebenso virtuos bewegte wie seine Finger über die Klaviertastatur wirbelten. Und andererseits war er ein zutiefst religiöser Mensch und fortschrittlicher Denker – was zu seiner Zeit durchaus keinen Widerspruch darstellte. Selbst war der Komponist, Pianist, Dirigent und Musik­ theo­retiker ganz ergriffen von der Idee, ein »Orpheus der Musik« zu sein. Gleichwohl verwies Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein auch auf andere Farben in Liszts Naturell: »So habe ich für ihn zwölf Jahre lang gesorgt, immer mit meiner Arbeit in demselben Zimmer, sonst hätte er nie komponiert alles, was die Weimarer Periode auszeichnet! Genie hat ihm nicht gefehlt, aber Sitzfleisch und Fleiß, Arbeitsausdauer. Wenn niemand ihm dabei hilft, so kann er nicht – und wenn er fühlt, dass er nicht kann – so greift er zu auf-

regenden Mitteln … Man muss bei ihm mit einer Arbeit sitzen, solang man will, dass er selbst arbeitet. Ohne eine solche ruhige, beständige, sanfte, milde hingebende Frauengesellschaft kann er nicht Großes tun, nur feilen.« »Mehr zum Träumen als zum Spielen« Nun, Liszts romantisch überhöhter und idealisierter Selbsteinschätzung tat die Ansicht seiner Lebensgefährtin der Weimarer Jahre keinen Abbruch. Zwar identifizierte er sich bereits als Klaviervirtuose mit dem mythischen Orpheus. Er vertiefte sich aber noch mehr in diese Vorstellung, als er sich, auch schöpferisch, auf andere Gattungen wie Orchester- und Kammermusik zu konzentrieren begann. Eine Vorliebe hatte Liszt für die Besetzung Violon­cello und Klavier, für die er eine Reihe von Werken schuf. Das dunkle Timbre des Violoncellos, das zudem als das Streichinstrument gilt, das am ehesten den ganzen Menschen widerspiegelt, mit »seinem« Instrument, dem Klavier, zu kombinieren, reizte ihn besonders in späteren Jahren. Welche Ausdruckssphären ihm dabei vorschwebten, offenbart seine Bemerkung über die 1875 zum Gedenken an seine Gönnerin Marie von Mouchanoff uraufgeführte »Première élégie«, die er als »mehr zum Träumen als zum Spielen« gedach-

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te Musik charakterisierte. Steven Isserlis und Dénes Várjon interpretieren das Stück in ihrem Konzert vom 5. Oktober.

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Stärker noch als die »Première élégie« gemahnt die »Deuxième élégie« von 1877 an jenseitige Vergeistigung. Beide Elegien greifen mit ihrem »impressio­ nistisch« anmutenden Kolorit Claude Debussy und der musikalischen Zukunft vor. Die »Deuxième élégie« wird im Rahmen der Liszt-Nacht gespielt, die an mehreren Aufführungsorten ein breites Spektrum aus Liszts Œuvre mit Schwerpunkten auf Kammer-, Klavier- und Or­gelmusik sowie Liedern bietet. Bereichert wird das Programm der Liszt-Nacht von Werken anderer Komponisten, auf die er sich bezog, die seine Zeit­genossen waren oder auf die er als ein Vordenker der »Moderne« ausstrahlte. Starken Einfluss übte Liszt auf nach­folgende ungarische Tonkünstler wie Zoltán Kodály, Béla Bartók und György Kurtág aus, von dem unter anderem die »Hommage à R. Sch.« erklingt. Im Finalsatz dieses Trios für Klarinette, Viola und Klavier, einem breit ausgestalteten »Abschied«, spannte Kurtág den Bogen von Schumann und Liszt über Mahler (»Das Lied von der Erde«) zu sich selbst und zurück. »Genialitätsdampfmühle« Auch der spanische »Virtuose« Pablo de Sara­ sate und der russische Tüftler und Neutöner Alexander Scriabin fanden Anknüpfungspunkte bei Liszt, ebenso wie Hugo Wolf, Igor Strawinski und Maurice Ravel. Den Höhepunkt im Klavierschaffen Franz Liszts markiert die expressive h-Moll-Sonate von 1852/53, die der Pianist Arcadi Volodos einer

Schubert-Sonate sowie den 3 Intermezzi für Klavier von Brahms gegenüberstellt. Die radikale Innovationskraft der Lisztschen Sonate irritierte und provozierte den Wiener Kritikerpapst Eduard Hanslick noch Jahre nach der Ent­s tehung: »Die h-Moll-Sonate ist eine Genialitätsdampfmühle, die fast immer leer geht – ein fast unausführbares musikalisches Unwesen. Nie habe ich ein raffinierteres, frecheres Anein­anderfügen der disparaten Elemente erlebt – einen so blutigen Kampf gegen alles, was musikalisch ist.« Dieses harsche Urteil fiel indes nicht von ungefähr, standen sich Liszt und Hanslick doch in einer erbitterten, bis ins 20. Jahrhundert hineinragenden ästhetischen Auseinandersetzung diametral gegenüber. Ausgetragen wurde dieser – mit polemischen Attacken geführte – Richtungsstreit zwischen den Anhängern der »Neudeutschen Schule« und den Verfechtern so genannter »absoluter Musik«. Während sich die »Neudeutschen« mit ihren Hauptvertretern Liszt und Wagner mit Programmsymphonie und Musikdrama als »musikalische Fortschrittspartei« begriffen, scharten sich die Anhänger »absoluter Musik« um den vermeintlich konservativen »Klassizisten« Johannes Brahms; während die »Neudeutschen« die »poetische Idee« zur schöpferischen Grundlage erhoben, konterte Hanslick, das scharfzüngige Sprachrohr der Gegenpartei, mit der »tönend bewegten Form«, die allein Inhalt und Gegenstand der Musik sei. »Alles aus einem« Beide Seiten bemühten sich, die eigene künstlerische


Position mit Blick auf die Tradition zu rechtfertigen, beide verstanden sich als Sachwalter des »klassischen Erbes« und beriefen sich auf Ludwig van Beethoven. Spannend ist in diesem Zusammenhang die kammermusikalische Gegenüberstellung von Liszt und Brahms bei der Liszt-Nacht (Elena Denisova, Violine, und Alexei Kornienko, Klavier) und in den Konzerten von Arcadi Volodos bzw. Linus Roth und José Gallardo. Trotz ihrer »parteigebundenen« Gegnerschaft waren Liszt und Brahms künstlerisch weit weniger voneinander entfernt als es zunächst scheinen mag. Zwar »klingt« ihre jeweilige Musik ganz anders, übereinstimmend verfolgten sie jedoch den Ansatz, alle Themen und Motive eines Werks aus einer Urzelle zu entfalten – und dies weist in letzter Konsequenz auf die von Arnold Schönberg Anfang der 1920er Jahre entworfene Zwölftontechnik voraus. »Alles aus einem, das haben wir von Brahms gelernt«, verkündete der Zwölftöner und Schönberg-Schüler Anton Webern, wobei er ebenso Liszt hätte nennen können. Auch ist heute längst bekannt, dass viele von Brahms’ Werken den stilisierten Maßgaben »absoluter Musik« nur bedingt entsprachen. Der Unterschied war vor allem der, dass Liszt offensiv für Programmmusik eintrat, während Brahms außermusikalische Anregungen möglichst für sich behielt. Die Übereinstimmung im Geiste zwischen Liszt und Brahms ging sogar noch weiter und berührte Grundfragen der Tonkunst im 18. und 19. Jahrhundert. Mit der Ausprägung des bürgerlichen Musiklebens ging der Verlust der

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E l e n a

B a s h k i r o v a


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funktionalen Bindungen an Kirche und Hof einher. Das führte dazu, dass neue »Sinngehalte« gesucht und gefunden werden mussten. Vor diesem Hintergrund erscheint es ebenso schlüssig, sich von außermusikalischen Quellen – von Literatur, Bildender Kunst, philosophischen Reflexionen oder persönlichen Belangen – inspirieren zu lassen wie auch die Struktur der Musik selbst verstärkt in den Fokus künstlerischer Wahrnehmung zu rücken. »Brücke zur Seele« Dieser Prozess kann bis zu Beethoven zurückverfolgt werden, den Liszt und Brahms ja gleichermaßen als Zentralsonne für ihre eigene Entwicklung in Anspruch nahmen. Beethoven ist selbstverständlich auch in diesem Jahr der Fixstern des nach ihm benannten Musikfestes. Auf dem Feld der Kammermusik markiert die Aufführung seiner Violinsonaten einen Schwerpunkt. An drei Abenden, vom 17. bis 19. September, spielen Julian Rachlin und Itamar Golan alle zehn Sonaten im Beethoven-Haus, »kontrapunktiert« von Duostücken György Kurtágs. Damit werden nicht nur 200 Jahre Musikgeschichte überbrückt, sondern durch die wechsel­s eitige Be­spiegelung auch neue klang­sinnliche Perspektiven auf beide Komponisten eröffnet. Dass in der Duo-Sonate als wohl intimster Gattung der Kammermusik neben vertraulichen Zwiegesprächen auch Konflikte und (existenzielle) Krisen ausgetragen werden, zeigen allein schon Beethovens Violinsonaten eindringlich auf. Ähnliches gilt für seine Sonaten für Violoncello und Klavier. Zwei von ihnen

stellen Steven Isserlis und Dénes Várjon in ihren Konzerten am 4. und 5. Oktober den Cellosonaten Liszts und weiteren Werken gegenüber. Eine direkte Verbindung zwischen Liszt und Beethoven ergibt sich über die neunte Symphonie, die Liszt für Klavier zu vier Händen bearbeitete. Das Duo d’Accord spielt diese Version im Verlaufe der LisztNacht neben dessen »Réminiscences de Don Juan« (»Paraphrase über Don Giovanni«). Originalwerken Beethovens für Klavier widmet sich vor allem der Pianist Martin Stadtfeld (am 24. September). Höhepunkt seines Programms ist dessen letzte Klaviersonate op. 111. Auch das Hagen-Quartett konzentriert sich auf Beethoven und bettet ihn zugleich musikhistorisch sinnfällig ein. In seinem ersten Konzert (am 26. September) beleuchtet es mit den Streichquartetten B-Dur op. 130 (samt Großer Fuge op. 133) und cis-Moll op. 131 das gleichermaßen entrückte wie bahnbrechende – und als »Brücke zur Seele« (Oswald Spengler) charakterisierte – späte Schaffen Beethovens. Tags darauf im zweiten Konzert sind mit Haydn ein berühmtes Vorbild und mit Brahms und Bartók zwei würdige Nachfolger Beethovens vertreten. Zwar ist Bartóks Bezugnahme auf den »Klassiker« weniger offensichtlich als bei Brahms. Mit der – auch im vierten Streichquartett unverkennbaren – Auslotung eines radikal veränderten Ausdrucksbedürfnisses sah sich der Ungar aber ganz in der Tradition Beethovens.

Dr. Egbert Hiller Musikwissenschaftler und freier Autor, Köln


3

13

So 11.9.

11 Uhr

Liedermatinée mit Preisträgern des Tschaikowski-Wettbewerbs 2011

und Mo 19.9.

Di 20.9. und Mi 21.9.

Streichquartette von Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Johannes Brahms und Béla Bartók

50

Sa 24.9.

43

So 25.9.

20 Uhr

53

Di 4.10. und Mi 5.10.

Linus Roth Violine José Gallardo Klavier Werke von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Franz Liszt u. a.

20 Uhr

54 Steven Isserlis Violoncello Dénes Várjon Klavier Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Liszt u. a.

20 Uhr

Claudia Barainsky Sopran Eric Schneider Klavier Liederabend zum Thema »Franz Liszt und Bayreuth«

40

17 Uhr

Eugene Ugorski Violine Konstantin Lifschitz Klavier Werke von Ludwig van Beethoven, Béla Bartók, Ernest Chausson und Richard Strauss Mo 3.10.

20 Uhr

Michaela Martin Violine Ori Kam Viola Frans Helmerson Violoncello Pascal Moragues Klarinette Werke von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Johannes Brahms, Franz Liszt u. a.

So 2.10.

52

24 Elena Bashkirova Klavier

Fr 23.9.

20 Uhr

20 Uhr

Itamar Golan Klavier 22 Ludwig van Beethoven: Violinsonaten Nr. 1 bis 10 Richard Dubugnon: Neues Werk für Violine, Viola und Klavier (Deutsche Erstaufführung)

29

Mo 26.9. und Di 27.9.

45 Hagen Quartett

Sa 17.9., So 18.9.

21 Julian Rachlin Violine

23

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20 Uhr

Martin Stadtfeld Klavier Klavierwerke von Ludwig van Beethoven

205

Sa 8.10.

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So 9.10.

20 Uhr

Arcadi Volodos Klavier Werke von Franz Liszt, Franz Schubert und Johannes Brahms 11 Uhr

Prˇemysl Vojta Horn Tomoko Sawano Klavier Werke von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann u. a.

18 Uhr

Matthias Goerne Bariton Eric Schneider Klavier Liederabend zum Thema »Franz Liszt und Wien«

Weitere Kammermusikabende finden im Rahmen der »Liszt-Nacht« statt, siehe Seiten 28 und 29.

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»S t r a h l e n d e Z w e i f e l l o s i g k e i t

s i n n v o l l e n A u s d r u c k s« Debüts junger Künstler beim Beethovenfest Bonn 2011

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I n den vergangenen drei Jahrzehnten hat die eindringliche Kunst junger Instrumentalisten unauffällig, aber wesentlich unser Musikleben bereichert. Nicht so sehr auf brillante Unanfechtbarkeit oder auf lukrative WettbewerbsPerfektion scheint es ihnen mittler­weile anzukommen, sondern viel mehr auf den reinen Ausdruck, das sinnvolle Espressivo, die differenzierte Tiefe.« Mit dieser Feststellung beginnt Joachim Kaiser einen Artikel in der »Süddeutschen Zeitung« vom 5. November 2010, der sich der Frage widmet, »wie sich junge Instrumentalisten neben den Größen der Vergangenheit behaupten« können. Laut Kaiser brauchen viele der jungen Interpreten den Vergleich mit den scheinbar »übermächtigen« Vorgängern nicht zu scheuen, da sie eigene Schwerpunkte setzen. Zudem sind viele der jungen Musiker Zeit ihres Lebens auf der Suche nach neuen Ideen und Lösungen, ihr Repertoire reicht von Alter bis Neuer Musik, sie treten sowohl als Solisten als auch in kammermusikalischen Formationen auf und sie suchen neue Wege, Musik immer wieder neu erlebbar zu machen. Dass dies nicht als bewusste Abgrenzung, sondern aus persönlicher Überzeugung geschieht, darf vorausgesetzt werden.

Vertreter dieser Musikergeneration, die sich schon einen festen Platz im Musikleben erspielt hat, sind in großer Zahl beim Beethovenfest Bonn 2011 vertreten, viele von ihnen zum ersten Mal. So auch im Sonderkonzert, in dem sich die 1978 in den Niederlanden geborene Geigerin Janine Jansen unter der Leitung von Lorin Maazel mit dem Violinkonzert von Felix Mendelssohn vorstellt. Die zweifache ECHO-KlassikPreisträgerin ist eine engagierte Kammermusikerin und seit 1998 Mitwirkende bei den Spectrum Concerts Berlin, einer bedeutenden Kammermusikreihe in der Berliner Philharmonie. Diese Tatsache verbindet sie mit dem in Litauen geborenen Geiger Julian Rachlin (Jahrgang 1974). Gemeinsam mit dem Pianisten Itamar Golan wagt er in Bonn die »größte Herausforderung für jeden Geiger«, die zyklische Präsentation der zehn Beethoven-Violinsonaten an drei Abenden. Mit jeweils einem Kammermusikabend präsentieren sich auch zwei weitere junge Geiger erstmals beim Beethovenfest: zum einen der Russe Eugene Ugorski, Jahrgang 1989, zum anderen der 1977 in Ravensburg geborene Linus Roth. Eugene Ugorski, der jüngste Solist des diesjährigen Festivals, betrat die internationale Musikszene, als er 2005 einer Einladung Valery Gergievs


zum Moscow Easter Festival folgte. Seinen Einstand in Bonn gibt Eugene Ugorski mit der »Frühlingssonate« von Beethoven. Beethovens zehnte und letzte Violinsonate ebenso wie Piazzollas »Grand Tango« findet sich im Programm von Linus Roth, der 2006 den ECHO-Klassik-Preis als »Bester Nachwuchskünstler« erhielt. In Bonn präsentiert er sich gemeinsam mit dem argentinischen Pianisten José Gallardo, mit dem er seit einigen Jahren ein festes Duo bildet und der bereits mehrfach beim Beethovenfest zu Gast war. Zum ersten Mal in Bonn zu Gast ist die 1983 geborene japanische Geigerin Sayaka Shoji, die gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi das Violinkonzert von Johannes Brahms inter­ pretiert. 1999 gewann sie als jüngste Preisträgerin überhaupt den PaganiniWettbewerb in Genua. Die Münchener Geigerin Arabella Steinbacher (Jahrgang 1981) präsentiert sich im Campus-Konzert mit dem Violinkonzert von Beethoven. Ihre Auf­ nahme dieses Werkes mit dem WDR Sinfonieorchester wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Rahmen der Liszt-Nacht schließlich debütiert der 1985 in der Schweiz geborene Geiger Géza Hosszu-Legocky. Neben klassischer Musik begeistert er sich für traditionelle ungarische Gypsy Music und gründete das preisgekrönte Ensemble The 5 DeVils. In Bonn tritt er mit den Roma und Sinti Philharmonikern auf. Im gleichen Konzert stellt sich auch die 1978 geborene rumänische Pianistin Mihaela Ursuleasa erstmals dem Festivalpublikum vor und zwar mit

der »Fantasie über Ungarische Volksmelodien« für Klavier und Orchester von Franz Liszt. Ebenfalls im Rahmen der Liszt-Nacht debütiert der 1983 in Moskau geborene Pianist Nikolai Tokarev, der eindeutig zu den gefragtesten jungen Pianisten gehört. Sein Markenzeichen: eine atemberaubende Mischung aus technischer Brillanz und überragender musikalischer Fantasie. Auch zwei weitere junge Pianisten geben ihr Debüt beim Beethovenfest Bonn 2011 mit Werken von Franz Liszt: Der in Kroatien geborene und am Mozarteum ausgebildete Pianist Dejan Lazic´ (Jahrgang 1977) spielt begleitet vom Budapest Festival Orchestra den »Totentanz« von Liszt. Das zweite Klavierkonzert wird interpretiert von dem französischen Pianisten und Liszt-Spezialisten Pascal Amoyel (Jahrgang 1971). Seine Aufnahme der »Funerailles« von Liszt wurde vom Klassik-Magazin »Le Monde de la musique« 2009 zu den fünf besten Einspielungen gezählt – neben Alfred Brendel, Vladimir Horowitz und Krystian Zimerman. Ein reines Beethoven-Programm präsentiert der 1980 in Koblenz geborene Pianist und vierfache ECHO-KlassikPreisträger Martin Stadtfeld, der sich durch seine selbstbewussten und wegweisenden Bach-Interpretationen einen Namen gemacht hat. In Bonn spielt er Auszüge aus seiner CD »Der junge Beet­hoven«, außerdem die letzte Klaviersonate des Komponisten. Mit Beethoven debütieren auch drei junge Sängerinnen und Sänger, nämlich in den Gesangsquartetten der

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neunten Symphonie und der »Missa solemnis«: der Bassbariton Vuyani Mlinde, die Sopranistin Carmen Giannattasio und der Bassist Matthew Rose. Erwähnt sei darüber hinaus die südafrikanische Sopranistin Sarah-Jane Brandon, die den Solopart in Gustav Mahlers vierter Symphonie, gespielt vom BBC Symphony Orchestra, übernimmt. Im Rahmen des Liszt-Liederzyklus und der Liszt-Nacht treten die Sopranistin Jutta Koch und der Tenor Matthias Stier auf. Begleitet von Eric Schneider präsentieren sie Lieder zum Thema »Franz Liszt und Paris«. Die 1976 in Lettland geborene Organistin Iveta Apkalna hat in den vergangenen Jahren die Orgel von ihrem »angestaubten« Image befreit – 2005 erhielt sie als erste Organistin den ECHO– Klassik-Preis in der Kategorie »Instrumentalistin des Jahres«. Für die LisztNacht hat sie ausschließlich Bear­ beitungen von Werken Liszts für ihr Instrument ausgewählt.

Philharmonisch Orkest und gewählter erster Gastdirigent des London Philharmonic Orchestra, ist er 2010 zum designierten Chefdirigenten des Philadelphia Orchestra ernannt worden. In Bonn debütiert er mit seinem Rotterdamer Orchester und Bruckners achter Symphonie. Abschließend sei noch einmal Joachim Kaiser zitiert: »Folgendes Fazit drängt sich nun auf: Was einst als repräsentative Öffentlichkeit für große Kunst gegolten haben mag, ähnelt mittlerweile nur mehr einer gewiss immer noch vielgeliebten Nische. Welches Glück, dass eine junge Interpreten-Generation in dieser Nische den Glauben an ihre Sache, an ihre Mission derart produktiv zu bewahren vermochte. Mehr noch – dass es ihr gelang, einer eigentlich verzweifelten Situation die strahlende Zweifellosigkeit sinnvollen Ausdrucks abzugewinnen.« Dr. Annette Semrau Dramaturgin des Beethovenfestes Bonn

Beethovens Sonate für Horn und Klavier steht im Mittelpunkt des Programms des jungen Tschechen Prˇemysl Vojta (Jahrgang 1983), der sich beim ARDMusikwettbewerb 2010 gleich drei Preise sichern konnte. Beim Beethovenfest Bonn bestreitet er gemeinsam mit der Pianistin Tomoko Sawano das zweite Preisträgerkonzert im Schumannhaus. Ein letzter Name, den man sich in jedem Fall merken sollte, ist derjenige des jungen kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin (Jahrgang 1975). Seit 2008 Chefdirigent des Rotterdams

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10

203

Mi 18.5.

20 Uhr

Janine Jansen Violine Do 15.9.

20 Uhr

Vuyani Mlinde Bassbariton Fr 16.9.

20 Uhr

Carmen Giannattasio Sopran Matthew Rose Bass


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Sa 17.9.

20 Uhr

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Sa 17.9. bis

Dejan Lazic´ Klavier

Mo 19.9.

20 Uhr

21 Julian Rachlin Violine 22 19

So 18.9.

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Fr 23.9.

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Sa 24.9.

35

Sa 24.9.

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Sa 24.9.

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Do 29.9.

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20 Uhr

Pascal Amoyel Klavier 20 Uhr

Sayaka Shoji Violine 19 Uhr

Jutta Koch Sopran Matthias Stier Tenor 21.45 Uhr

Mihaela Ursuleasa Klavier Géza Hosszu-Legocky Violine Nikolai Tokarev Klavier Iveta Apkalna Orgel 20 Uhr

Martin Stadtfeld Klavier 20 Uhr

Sarah-Jane Brandon Sopran Fr 30.9.

20 Uhr

Yannick Nézet-Séguin

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Sa 1.10.

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So 2.10.

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Mo 3.10.

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So 9.10.

Dirigent

20 Uhr

Arabella Steinbacher Violine 17 Uhr

Eugene Ugorski Violine 20 Uhr

Linus Roth Violine 11 Uhr

Prˇemysl Vojta Horn

J a n i n e

J a n s e n


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C o r i n n a

H a r f o u c h


L i s z t l i t e r a r i s c h

Rezitationskonzerte beim Beethovenfest 2011

W er starb 1827? Natürlich, das war Adam List, der Vater von Franz Liszt (der sich damals noch ohne »z« schrieb). Ein wichtiges Datum für die Musikgeschichte. Denn nach rastlosen Konzertreisen als pianistisches Wunderkind – Wien, Pest, München, Straßburg, Städte in England und der Schweiz – hatte der fünfzehnjährige Franz Liszt nun erstmals so etwas wie einen festen Wohnsitz. Mit seiner Mutter lebte er in Paris, unterrichtete Klavierspiel und Komposition und holte in einem selbst auferlegten Crashkurs im Selbststudium die fehlende Schulbildung nach. Von da an machte ihn seine erstaunliche Fähigkeit, Menschen zu gewinnen, zu fesseln und zu faszinieren, zum künstlerischen Weltbürger. In Paris verkehrte er mit Heinrich Heine und Victor Hugo, er war befreundet mit Chopin, Trauzeuge von Berlioz, Schwiegervater von Wagner. Balzac inspirierte er zu einem Künstlerroman. Kaum jemanden ließ er gleichgültig. Auch die Frauen nicht, die ihm als einem der ersten Stars auf dem Konzertpodium zu Füßen lagen. Doch die Frauen, die es länger mit ihm aushielten, waren keine »girlies«, sondern starke Persönlichkeiten mit eigenen künstlerischen Ambitionen.

Was passierte noch 1827? Ach ja, Marie Cathérine Sophie de Flavigny heiratete am 16. Mai Charles Louis Constant d’Agoult und wurde so zur Comtesse d’Agoult. 1833 lernte die verheiratete Frau Franz Liszt kennen. 1835 verließ sie ihren Ehemann und ließ sich mit dem gefeierten Virtuosen in Genf nieder. Was heute dem Boulevard eine Kurzreportage wert gewesen wäre, war damals die große Liebe – zumindest für ein paar Jahre. »Die kleinliche, vernünftige, enge Wirklichkeit genügt mir nicht mehr, wir müssen unser ganzes Leben, unsere ganze Liebe, unser ganzes Unglück erleben!«, schrieb Liszt der Geliebten 1835. Der »ganzen Liebe« waren fünf Jahre vergönnt, dem »Unglück« der schleichenden Entfremdung weitere fünf Jahre. »Es ist eine alte Geschichte«, hätte Heine vielleicht dia­ gnostiziert, eine Geschichte aber immerhin, der wir eine Reihe von Klavier­ ­stücken verdanken, darunter auch Vorstudien zu den »Années de Pèlerinage«. Sie war aber auch Katalysator für den autobiographischen Schlüsselroman »Nélida«, den Marie d’Agoult 1846 unter dem Pseudonym Daniel Stern veröffentlichte (Nélida ist ein Anagramm von Daniel). In diesem Roman gibt eine reiche Erbin ihr aristokratisches Leben für die Liebe zu einem mittelmäßigen Künstler, einem Maler, auf.

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Kurz nachdem Franz Liszt seine zweite große Liebe – Jeanne Elisabeth Carolyne Fürstin von Sayn-Wittgenstein – 1847 in Kiew traf, las diese erst einmal den Roman ihrer Vorgängerin, während Liszt weiter nach Konstantinopel reiste. Die Lektüre scheint auf die Beziehung aber keinen negativen Einfluss gehabt zu haben. Doch auch diese adlige Dame war verheiratet. Zwar wurde sie 1855 nach russischem Recht geschieden, als Katholikin jedoch war sie nach wie vor gebunden. Bis zum Papst musste man gehen, um diese Bindung zu lösen, doch als 1861 die höchste geistliche Unbedenklichkeit erwirkt war, war die Liebe erloschen. Wie diese gab es viele weitere Episoden im Leben des Künstlers, die erzählt werden wollen – sein widersprüchliches Verhältnis zur katholischen Kirche etwa sein Aufenthalt auf der Insel Nonnenwerth, auf der er sich »wie auf Flügeln ins Reich der Phantasie getragen« fühlte. Und natürlich die Gründung des Beethovenfestes in Bonn 1845. 166 Jahre später fokussiert das Beethovenfest schlaglichtartig einige dieser Episoden in Rezitationskonzerten. Corinna Harfouch und Hideyo Harada beleuchten die Beziehung zu Marie d’Agoult, Barbara Auer und Sebastian Knauer erinnern an die Zeit auf Nonnenwerth, Stefan Mickisch rückt die historische Situation 1845 ins Blickfeld. In ihren kurzen Einführungen zur Liszt-Nacht zeigen Annette Kristina Banse, Hans Christian Schmidt-Banse und Bodo Primus Querverbindungen zwischen Biographie und Werk.

Da war doch noch etwas 1827? Richtig, Goethe resümierte sein wohl größtes Werk (an dessen zweitem Teil er gerade arbeitete) mit den Worten: »Da kommen sie und fragen, welche Idee ich in meinem ›Faust‹ zu verkörpern gesucht. Als ob ich das selber wüßte und aussprechen könnte!« Der junge Franz Liszt – er hatte um 1830 den »Faust« kennengelernt – war fasziniert von dem Stoff, der die Schicksale von Faust und Gretchen zum Kampf der ewigen Gegensätze Gut und Böse, Gott und Satan, Himmel und Hölle, überhöhte. Hatte er die innere Zerrissenheit der Hauptfigur vielleicht selbst gespürt? Den Hang zum Großen, zu letzten Dingen, erkennt man in etlichen seiner Werke. Paradies und Hölle, aus dem Blickwinkel von Goethe, Lenau, Dante oder des Komponisten selbst, begegnen uns immer wieder, in den Oratorien »Christus« und »Die Legende von der heiligen Elisabeth«, aber auch als apokalyptische Visionen in »Totentanz«, »Csárdás macabre«, »La lugubre gondola« und den »Mephisto-Walzern«. Dokumente von Scheitern und Erlösung wie die monumentale »Faust-Symphonie« oder die »Symphonie zu Dantes Divina commedia« gehören ebenso dazu. Das Konzert in der Burg Namedy mit Martin Schwab, Martin Walch und Till Alexander Körber spürt Liszts Beziehungen zum großen »Faust«-Stoff nach. 1827 wurde, wenn man so will, der Grundstein zu einem auch literarisch fruchtbaren Künstlerleben gelegt. Dr. Tilman Schlömp Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros des Beethovenfestes Bonn


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So 18.9.

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So 18.9.

11 Uhr

Stefan Mickisch Klavier und Moderation »Das erste Beethovenfest 1845« 18 Uhr

Martin Schwab Rezitation Martin Walch Violine Till Alexander Körber Klavier »Historia von Doktor Johann Fausten«

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30 S a 2 4 . 9 . 1 9 u n d 2 1 . 4 5 U h r – Annette Kristina Banse Rezitation Hans Christian Schmidt-Banse 39 Rezitation Bodo Primus Rezitation Kurze Einführungen zur »Liszt-Nacht«

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Mi 28.9.

20 Uhr

Barbara Auer Rezitation Sebastian Knauer Klavier »… und spielte mit den Damen Blindekuh« Sa 8.10.

20 Uhr

Corinna Harfouch Rezitation Hideyo Harada Klavier »Wenn ihre Stimm‘ im Kuss verhallt«

S e b a s t i a n

K n a u e r


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J u n g e s

B e e t h o v e n f e s t


N i c h t m i t R e i z e n g e g e i z t !

Das Junge Beethovenfest Bonn 2011

W enn im September in der Bonner Innenstadt wieder orangefarbene Fahnen wehen und überall Plakate mit geschwungenem »B« zu sehen sind, dann ist es wieder soweit: Die Musik hält Einzug in den Alltag. Einen Monat lang werden Bonn und Umgebung zur Schaubühne hochkarätiger Musiker, bieten auch Platz für unbekanntere Künstler und widmen sich uns – den Jugendlichen. Dabei wird nicht mit Reizen gegeizt. Schon seit vielen Jahren wird im Rahmen des Orchestercampus der Deutschen Welle und des Beethovenfestes Bonn Jugendorchestern aus aller Welt die Möglichkeit gegeben, ihr Können beim Beethovenfest zu präsentieren und so erste Erfahrungen auf einer internationalen Bühne zu sammeln. Dieses Jahr wird das National Youth Orchestra of Iraq zu Gast sein, das musikalisch beeindruckt, auch und gerade vor dem Hintergrund der Lebenswirklichkeit im Irak. Aber auch für Bonner Kinder und Jugendliche gibt es eine Vielzahl an Angeboten, die verlockend sind: Bei »Nachgefragt« können Schüler Interviews mit Künstlern führen und so erkennen, dass die oftmals so unbeschwert und leicht klingende Musik ein echtes Handwerk ist, das große Konzentration und körperliche Anstren-

gung sowie viel Disziplin und Übung erfordert. Wer die Stars der klassischen Musik lieber aktiv erleben will, der kann einer Probe beiwohnen und mit eigenen Augen beobachten, wie letzte Korrekturen für ein Konzert vorgenommen werden. Durch eine kurze Einführung und Erläuterung zu dem jeweiligen Stück verleibt man sich dieses ein und ist so am Abend des Konzertes nicht weniger aufgeregt als der Künstler selber. So hält das Lampenfieber auch im Publikum Einzug. Aber nicht nur Schüler kommen zu Künstlern, sondern es geht auch umge­ kehrt. International erfolgreiche Künstler besuchen Bonner Schüler an den Schulen. Gäste bei »Wie kommt‘s…?« waren im letzten Jahr unter anderen die hoch gelobte Sopranistin Mojca Erdmann und 2009 die junge argenti­ nische Cellistin Sol Gabetta. Einen ganzen Tag beim Beethovenfest kann man auch erleben, wenn man sich für »Backstage« bewirbt. So ist es möglich, beispielsweise an der Seite von Ilona Schmiel, Intendantin und Ge­ schäfts­führerin des Beethovenfestes, einen unverstellten Blick hinter die Kulissen des Festivals zu werfen – ein einmaliges Erlebnis! Wem das nicht reicht, der kann »Schülermanager« werden und so gemein-

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sam mit anderen Schülern aus Bonn und Umgebung ein Festivalkonzert organisieren. Das »Junge Beethovenfest« gibt es seit 2009 und stößt auf großen Zulauf und Interesse. Die Schüler bilden ihr eigenes »junges« Abbild des Beethovenfestes und organisieren von A bis Z alles selbst. Das Pilotprojekt von 2009 wurde mit dem »Kinder zum Olymp!«-Preis der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet und gehört zu den Preisträgern »365 Orte im Land der Ideen« 2011. Die Zeit als Schülermanager dauert ungefähr ein halbes Jahr, nach dem »eigenen« Konzert erfüllt einen Stolz und nicht zuletzt die von Karl Valentin geprägte Erkenntnis: »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!« Künstler in diesem Jahr ist Goran Bregovic´, der mit seinem Wedding and Funeral Orchestra ein mitreißendes Konzert geben wird. Der Musiker, der sich selbst als »Jugoslawe« sieht, nimmt das Publikum mit auf eine Reise auf den Balkan und verbindet dabei die Folklore seiner Heimat gekonnt mit der Popmusik des Westens. Ein Mix, der gleichzeitig vertraut und fremd klingt und somit thematisch in die Kontinuität der Konzerte des »Jungen Beetho­ venfests« passt: 2009 HipHopt Klas­sik, und 2010 BaRock. Das Konzert des »Jungen Beethovenfests« mit Goran Bregovic´ findet am 17. September um 20 Uhr im Telekom Forum Bonn statt. Dass Jugendliche kein Interesse an klassischer Musik haben, lässt sich leicht durch die positiven Rückmel­ dungen und die rege Teilnahme der Jugendlichen und Auszubindenden

Bonner Unternehmen an den Projekten des Beethovenfests widerlegen. Allein im vergangenen Jahr nahmen 3700 junge Bonnerinnen und Bonner an einer der oben genannten Veranstaltungen teil. Aber man muss nicht unbedingt selbst aktiv werden beim Beethovenfest: Es ist auch möglich, nur zu genießen und entspannt im Sessel zu versinken, um der Musik zu lauschen – und das mit der ganzen Familie. Hierzu laden die Fa­milienkonzerte ein, die nicht nur mit ihrem ungewöhnlichen Programm locken, sondern auch durch die Uhrzeit, zu der sie stattfinden. In diesem Jahr sind das erneut zwei »Chaoskonzerte« mit dem Wiener Masken- und Musiktheater sowie Mitgliedern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen – seit acht Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil des Beethovenfestes Bonn. Neu im Programm ist das »Bienenkino« des Ensembles Tetete, das 2009 mit dem »Junge Ohren Preis« ausgezeichnet wurde. Das »Bienenkino« ist ein live improvisierter Zeichentrick bestehend aus Musik, Erzählung, Zeichnung und Animation. Die Abenteuergeschichten der Biene Seppi sind dabei sowohl für die Künstler als auch für das Publikum eine phantasievolle Fahrt ins Blaue. Doch nicht nur bei den Familienkonzerten erwartet den Zuhörer ein unerwartetes Spektakel: Nahezu jedes Konzert des Beethovenfests hält spannende Momente und Überraschungen parat, die immer einen Besuch lohnen!

Marie Christine Schwalb Schülermanagerin Dramaturgie 2009


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Sa 17.9.

17

So 18.9.

18

41

20 Uhr

Goran Bregovic´ and his Wedding and Funeral Orchestra »Best of Goran Bregovic´« (Schülermanager-Projekt 2011) 11 und 14 Uhr

Wiener Masken- und Musiktheater Mitglieder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen »Chaoskonzert« So 25.9.

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11 und 14 Uhr

Ensemble Tetete 42 »Bienenkino«

Weitere Informationen zu den Veranstal­t ungen und Anmelde­ möglichkeiten unter www.jungesbeethovenfest.de

F a m i l i e n k o n z e r t


T r a u r i g e T e u f e l s m u s i k e r

Die melancholischen Klänge der Donaumonarchie

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… und das ungeheure Lebewesen, das dieser Strom war, verstärkte seine Laute und Stimmen, sein Klatschen, sein anschwellendes Gelächter am Ufergestein, sein zartes Flüstern an einer ruhigen Strombiegung …« Die Donau ist ein sagenumwobener Fluss, der zweitgrößte Europas. Von ihrem Ursprung im Schwarzwald bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer berührt und durchfließt sie zehn Länder, darunter Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien. Sie war Lebensader und Namensgeber für einen Vielvölkerstaat, die »Donaumonarchie«. Franz Liszt kam in seiner Kindheit und auf seinen späteren Reisen durch Österreich und Ungarn mit diesen Kulturen in Berührung. Auch wenn die echte ungarische Volksmusik erst im 20. Jahrhundert von Kodály und Bartók systematisch aufgezeichnet wurde – es gab sie schon zu Liszts Zeiten, die zahlreichen Dorfkapellen, die zu Hochzeiten und Begräbnissen spielten, die umherreisenden Musiker, die mit Geige und Cymbal ihr populäres Folkloreprogramm in den Westen trugen. Brahms, Liszt und viele andere haben Melodien und Klangeffekte von diesen Musikern übernommen. Auch heute gibt es noch die Dorfkapellen und Bands, die aus der reichen musikalischen Tradition schöpfen, auch wenn sie diese mit Pop- und Jazz-Ele-

menten mischen. Ein bisschen verrückt und melancholisch sind sie alle. Im Gedenken an Franz Liszts musikalische Wurzeln stellt das Beethovenfest 2011 einige der traurigen Teufelsmusiker vor. Die Besetzung der Gypsy Devils mit Cymbal, Klarinette und Streichern kommt den umherreisenden Kapellen des 19. Jahrhunderts sehr nahe. Zwischen Operette und Jazz-Standards verbinden die furiosen Musiker ungarische, slowakische, russische, griechische, jüdische und rumänische Elemente mit Musik der Roma und Sinti. Eine authentische Roma-Dorfkapelle ist die Fanfare Cioca˘rlia aus dem Dorf Zece Pra˘jini im ostrumänischen Kreis Ias,i. Ohne Frack und ohne Noten, aber mit 200 Beats pro Minute lassen sie die Wände wackeln. Eine ganz andere, eher donauferne Va­ rian­te der Blaskapelle sind die 14 Berliner Flötisten, die klassische »Flötenwellen« durch den Saal fluten lassen. Goran Bregovic´ wurde in Sarajevo ge­ boren, der Stadt, die im vergangenen Jahrhundert zweimal traurige Berühmtheit erlangte. Er lebt jetzt in Paris und Belgrad, bezeichnet sich selbst als »Jugos­lawe« und verkörpert so eine künstlerische Verbindung zwischen Ostund Westeuropa. Mit seinem Wedding and Funeral Orchestra hat er es geschafft, östliche und westliche Musik­stile mit­einander zu verschmelzen und aus


den folkloristischen Wurzeln schräge europäische Popmusik wachsen zu lassen. Die Ungarn Ferenc Snétberger und Tony Lakatos haben dagegen ihre klassische Ausbildung am Béla-BartókJazzkonservatorium in Budapest dazu genutzt, um sich über alle Grenzen der nationalen Musik hinwegzusetzen. Schließlich führt die Reise auch nach Bulgarien, wo Ivo Papasov mit seiner Wedding Band zur Hochzeit aufspielt. Manche der osteuropäischen Idiome klingen im Westeuropa des 21. Jahrhunderts möglicherweise fremder, als sie zu Liszts Zeiten geklungen haben – es sind »Laute und Stimmen« eines sagenumwobenen Flusses, der durch die Deiche der Globalisierung sickert.

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Dr. Tilman Schlömp Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros des Beethovenfestes Bonn

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Sa 17.9.

20 Uhr

Goran Bregovic´ and his Wedding and Funeral Orchestra Sa 17.9.

20 Uhr

Gypsy Devils Paul Gulda Klavier Do 22.9.

20 Uhr

Die 14 Berliner Flötisten Do 22.9.

20 Uhr

Ivo Papasov & Band

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Fr 7.10.

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Sa 8.10.

20 Uhr

Ferenc Snétberger Gitarre Tony Lakatos Saxophon 20 Uhr

Fanfare Cioca˘rlia

G o r a n

B r e g o v i c’


Z e i t l e i s t e B e e t h o v e n h a l l e

1845

Die erste Beethovenhalle Anlass: Beethovenfest aus Anlass des 75. Geburtstages von Ludwig van Beethoven mit Enthüllung des Beethoven-Denkmals auf dem Münsterplatz Ort: Franziskanerstraße, Privatgelände des »Räss’­ schen Gartens« neben der Franziskanerkirche (heute Viktoriabad) Bauzeit: Juli/August 1845: Innerhalb von elf Tagen von 95 Zimmerleuten errichtet Dauer: Zwei Monate später »Verkauf auf Abbruch« durch einen Notar. Grund: feuerpolizei­liche Bedenken Architekt: 14 Bonner Werkmeister. Fachkundige Unterstützung durch den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner und dessen Mitarbeiter Vincenz Statz Architektur: Die Beet­hoven­halle bestand komplett aus Holz und hatte die Form einer Basilika. Sie wurde wegen ihrer Akustik gelobt und war eine »Leistung handwerk­licher Akkordarbeit«. Das Festgebäude besaß Kapitellschmuck, aufgemalte Friese und Wandverkleidungen. Finanzierung: Die Summe für den Bau der Beethovenhalle setzte sich aus privaten Spenden zusammen, die großzügigste Geldspende stammte von Franz Liszt. Besucherzahl: 2500 Plätze

1870

Die zweite Beethovenhalle Anlass: Beethovenfest aus Anlass des 100. Geburtstages von Ludwig van Beethoven (aufgrund des Deutsch-Französischen Krieges auf 1871 verschoben) Ort: Vierecksplatz in der Brückenstraße, heute Berliner Freiheit Bauzeit: Baubeginn am 3. März 1870, Einweihung am 17. Dezember 1870 Dauer: am 18. Oktober 1944 während eines Bombenangriffs zerstört Architekt: Bauunternehmer Joseph Engelskirchen Architektur: Der Bau bestand überwiegend aus Tannenholz mit einer freistehend vorgelagerten Stuckfassade, die eingeschossig in neoklassizistischem Stil und mit einem giebel­ bekrönten Rundbogenportal die Gestalt der eigentlichen Halle verdeckte. Das Gebäude war eine dreischiffige Basilika mit längsseitiger Empore. Finanzierung: Der Bau erfolgte auf Grundlage eines Finanzierungsplans, der von einem »Beethovenkomitee«, das sich aus 38 Bonner Bürgern zusammensetzte, der Stadtverwaltung und dem Bauunternehmer Joseph Engelskirchen erarbeitet worden war. Besucherzahl: 1500 Plätze Sonstiges: Die Halle wurde im Verlauf der nächsten Jahrzehnte zu einem »international angesehenen und wegen ihrer Akustik gelobten Zentrum des Musiklebens«.


1959

Die dritte Beethovenhalle Ort: Bei der Suche nach einem Standort für die Halle kam der Platz der im Krieg zerstörten zweiten Beethovenhalle nicht mehr in Frage. Der Bauausschuss des Stadtrates empfahl, die Halle auf dem Gelände der zerstörten Universitätskliniken am nördlichen Rand der Altstadt zu bauen. Dieser Empfehlung folgte der Rat der Stadt mit Beschluss vom 21. März 1952. Die Hausadresse lautet heute Wachsbleiche 16. Bauzeit: Der Rat der Stadt fasste am 8. Juni 1955 den Errichtungsbeschluss. Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. März 1956. 1959 war der Neubau unter der Leitung Siegfried Wolskes vollendet. Mit einem Festakt wurde die neue Beethovenhalle am 8. September 1959 eröffnet. Architekt: Siegfried Wolske, 29-jähriger Architekt und ScharounSchüler (1925-2005) Architektur: Der Gebäudekomplex der Beethovenhalle besteht aus einer Gruppe unregelmäßig geformter Kuben mit unterschiedlichen Dachneigungen, die um den überkuppelten Saalbau herum angeordnet sind. Zentraler Baukörper ist die Kuppel, die den 36 Meter breiten und 49 Meter tiefen Saal überspannt. Es handelt sich um eine freitragende, mit Kupfer eingedeckte Stahlkonstruktion. Finanzierung: Die Gesamtkosten betrugen 9,5 Millionen DM (Spenden in Höhe von mehr als 1 Mio. DM / Bund 1 Mio. DM / Land NRW 1 Mio. DM / Stadt Bonn 6,5 Mio. DM) Besucherzahl: 1650 bis 1980 Plätze (Großer Saal) Sonstiges: Der Bau wurde in den folgenden Jahren durch Anbauten sowie Renovierungsmaßnahmen nach einem Brand mehrfach umgebaut und erweitert.

2020

Die vierte Beethovenhalle Anlass: 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven Ort: am Rheinufer Bauzeit: 3 Jahre Architekt: Zaha Hadid, London, und Hermann & Valentiny, Luxemburg, heißen die Finalisten des Architekturauswahlverfahrens, die im Sommer 2009 benannt wurden. Architektur: An Bonns Rheinufer soll ein architektonisches Wahrzeichen mit internationaler Ausstrahlung entstehen: »Der Diamant« von Zaha Hadid Architects liegt wie ein geschliffener Diamant am Rhein. Der extravagante Solitär mit den vielen Winkeln und Öffnungen ist mit seiner Längsseite parallel zum Fluss ausgerichtet. »Die Wellen« von Hermann & Valentiny and Partners, parallel zum Flusslauf des Rheins posi­ tioniert, sind ein geschwungenes Band, das nicht nur auf die Bewegungen des Wassers Bezug nimmt, sondern auch zur Musik Beethovens passt. Finanzierung: Die Kosten werden von den DAX-Unternehmen auf 100 Mio. € beziffert. Besucherzahl: ca. 1500 Plätze (Großer Saal), 500 Plätze (Kleiner Saal) Sonstiges: Das Beethoven-Festspielhaus wird eine hervorragende Akustik besitzen und wird durch das Beethovenfest Bonn, das Beethoven Orchester Bonn sowie für diverse Nachwuchsprojekte genutzt werden.


Die Sponsoren des Beethovenfestes 2011

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Hauptsponsoren:

Eventsponsoren:


Ă–ffentliche FĂśrderer:

Stiftungen: 81

Eventsponsor des Rhein-Sieg-Kreis:

Campus-Partner:

Medienpartner:

Bonner Partner des Beethovenfestes:

Kulturpartner:


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Foto: Laura Padgett

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Sonntag, 27. März 2011, 20 Uhr

Donnerstag, 11. August 2011, 20 Uhr

Veronika Eberle Violine Francesco Piemontesi Klavier

Jocelyn B. Smith und Band »pure & natural«

Werke von Bach, Brahms und Franck Zugunsten der Deutschen Stiftung Musikleben Donnerstag, 14. April 2011, 20 Uhr

Patricia Kopatchinskaja Violine Anna Maria Pammer Sopran Kafka-Fragmente op. 24 von Kurtàg Sonntag, 26. Juni 2011, 19 Uhr

Olga Scheps Klavier

Werke von Beethoven, Rachmaninoff und Chopin

9. bis 18. Juli 2011

In Kooperation mit Rheinvokal

Sonntag, 14. August 2011, 14 Uhr

Nils Landgren Posaune und Michael Wollny Klavier

Finissage der Ausstellung »Martin Noël. Schichtwechsel«

Mittwoch, 28. September 2011, 20 Uhr

Barbara Auer Rezitation Sebastian Knauer Klavier

Lesung mit Musik von Liszt, Chopin und Beethoven In Kooperation mit dem Beethovenfest Bonn

6. Rolandseck-Festival

Künstlerische Leitung: Guy Braunstein, 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker mit Amihai Grosz, Olaf Maninger, Zvi Plesser, Gili Schwartzman, Chen Halevi, Chezy Nir u.v.a. Meisterklasse mit Mitgliedern des West Eastern Divan Orchestra (Leitung: Chaim Taub)

Tickets an der Museumskasse unter 02228/94 25 16, und bei den Vorverkaufsstellen von Bonn- u. Koblenzticket. www.arpmuseum.org

Ort der Künste


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W e r k l i s t e 2 0 1 1

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21 10 Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 36 (Fass. des Komponisten für Violine, Violoncello und Klavier) 23 Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60 9 Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67 9 16 56 Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 62 Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 10 Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (Fass. für zwei Klaviere von Franz Liszt) 31 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37 7 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58 2 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 16 56 Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 49 Ouvertüre »Leonore III« zur Oper »Fidelio« op. 72 202 Ouvertüre zu Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel »Coriolan« c-Moll op. 62 (»Coriolan-Ouvertüre«) 7 16 56 Messe für vier Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel D-Dur op. 123 (»Missa solemnis«) 203 Quartettkanon »Mir ist so wunderbar« aus der Oper »Fidelio« op. 72 16 56 Arie des Seraph aus dem Oratorium »Christus am Ölberg« op. 85 56 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Es-Dur op. 74 (»Harfen-Quartett«) 56 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello B-Dur op. 130 (mit Großer Fuge op. 133) 44 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello cis-Moll op. 131 44 Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 D-Dur op. 12/1 13 Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 A-Dur op. 12/2 21 Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 Es-Dur op. 12/3 13 Sonate für Violine und Klavier Nr. 4 a-Moll op. 23 13 37 Sonate für Violine und Klavier Nr. 5 F-Dur op. 24 (»Frühlingssonate«) 13 50 Sonate für Violine und Klavier Nr. 6 A-Dur op. 30/1 21 Sonate für Violine und Klavier Nr. 7 c-Moll op. 30/2 21 Sonate für Violine und Klavier Nr. 8 D-Dur op. 30/3 22 Sonate für Violine und Klavier Nr. 9 A-Dur op. 47 (»KreutzerSonate«) 22 Sonate für Violine und Klavier Nr. 10 G-Dur op. 96 22 52 Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 4 C-Dur op. 102/1 53 Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 5 D-Dur op. 102/2 54 Sonate für Horn und Klavier F-Dur op. 17 61 Sonate für Klavier Nr. 1 f-Moll op. 2/1 40 Sonate für Klavier Nr. 32 c-Moll op. 111 40 Rondo für Klavier C-Dur op. 51/1 40 Rondo a capriccio für Klavier G-Dur op. 129 (»Die Wuth über den verlorenen Groschen«) 40 Zwei Stücke für Klavier WoO 51 40 Präludium für Klavier f-Moll WoO 55 40 Allegretto für Klavier c-Moll Hess 69 40 Franz Liszt: Eine Symphonie zu Dantes »Divina commedia« S 109 (»Dante-Symphonie«) 51 »Les Préludes«. Symphonische Dichtung S 97 202 19 »Les Préludes«. Symphonische Dichtung S 97 (Fass. für Orgel von Helmut Deutsch) 38 »Orpheus«. Symphonische Dichtung S 98 62 »Orpheus«. Symphonische Dichtung (Fass. für Orgel vom Komponisten) S 98 33 »Prometheus«. Symphonische Dichtung S 99 (Fass. für Orgel von Jean Guillou) 38 »Von der Wiege bis zum Grabe«. Symphonische Dichtung S 107 19 »Mephisto-Walzer« Nr. 1 für Orchester S 110/2 (»Der Tanz in der Dorfschenke«) 35 »Czárdás macabre« S 224 15 »Ungarische Rhapsodie« Nr. 2, 3 und 6 für Orchester S 244 15 »Ungarische Rhapsodie« Nr. 2 für Orchester S 359/2 (Fass. für Orchester von Karl Müller-Berghaus) 35 »Liebestraum« Nr. 3 aus 3 Notturnos S 541 15 Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 A-Dur S 125 19 »Totentanz«. Paraphrase auf »Dies Irae« für Klavier und Orchester S 126 12 Fantasie über ungarische Volksmelodien für Klavier und Orchester S123 35 »Mephisto-Walzer« Nr. 2 für Violine und Orchester S 515 20 Grand Duo Concertant sur la Romance de M. Lafont »Le Marin« für Violine und Klavier S 128 20 37 Epithalam (Hochzeitslied) zu Eduard Reményis Vermählungsfeier für Violine und Klavier S 129 20 »Première élégie« für Violine und Klavier S 130 52 »Romance oubliée« für Violine und Klavier S 132 20 »Romance oubliée« für Violine und Klavier S 132

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(Fass. für Cymbal und Klavier) 34 »La lugubre gondola« für Violine und Klavier S 134 20 24 »Die drei Zigeuner« für Violine und Klavier S 383 (Fass. für Cymbal und Klavier) 34 »Première élégie« für Violoncello und Klavier S 130 54 »Deuxième élégie« für Violoncello und Klavier S 131 34 »Romance oubliée« für Violoncello und Klavier S 132 34 53 »La lugubre gondola« für Violoncello und Klavier S 134 39 54 »Oh Du mein Holder Abendstern« aus Richard Wagners »Tannhäuser« für Violoncello und Klavier S 380 34 »Die Zelle in Nonnenwerth« für Violoncello und Klavier S 382 39 53 »Der traurige Mönch«. Ballade von Nikolaus Lenau mit melodramatischer Pianoforte-Begleitung zur Deklamation S 348 20 »Réminiscences de Don Juan« (Paraphrase über »Don Giovanni«) für zwei Klaviere S 656 31 Etüde Nr. 10 f-Moll aus den »12 Etudes d‘éxecution transcendantes« S 139 20 36 »La Campanella«. Etüde Nr. 3 aus den »Grandes études de Paganini« S 141 36 »Ab irato«. Étude de perfectionnement de la méthode des méthodes S 143 60 »Un Sospiro«. Etüde Nr. 3 aus den »3 Études de Concert« S 144 60 »Vallée d‘obermann«, »Le mal du pays«, »Les cloches de Genève« aus den »Années de pèlerinage. Première Année – Suisse« S 160 60 »Il Penseroso« aus den »Années de pèlerinage. Deuxième Année – Italie« S 161 60 »Sonetto 104 del Petrarca« aus den »Années de pèlerinage. Deuxième Année – Italie« S 161 36 60 Consolation Nr. 2 für Klavier S 172/2 60 Legende Nr. 1 »Saint François d‘Assise, la predication aux oiseaux« für Klavier S 175/1 23 Legende Nr. 1 »Saint François d‘Assise, la predication aux oiseaux« für Klavier S 175/1 (Fass. für Orgel von Günter Berger) 38 Legende Nr. 2 »Saint Francois de Paule marchant sur les flots« für Klavier S 175/2 (Fass. für Orgel von Max Reger) 38 Sonate für Klavier h-Moll S 178 205 »Nuages Gris« für Klavier solo S 199 (Fass. für Violoncello und Klavier) 39 »Première valse oubliée« für Klavier S 215 60 »Première valse oubliée« für Klavier S 215 (Fass. für Cymbal und Klavier) 34 Ungarische Rhapsodie Nr. 6 für Klavier S 244/6 (Fass. für Cymbal und Klavier) 39 Ungarische Rhapsodie Nr. 11 für Klavier S 244/11 60 Ungarische Rhapsodie Nr. 12 für Klavier S 244/12 (Fass. für Cymbal und Klavier) 39 Fantasie über Themen aus den Opern von Wolfgang Amadeus Mozart »Die Hochzeit des Figaro« und »Don Giovanni« S 697 (»Figaro-Fantasie«) 36 Präludium und Fuge auf den Namen B-A-C-H für Orgel S 260 33 Les Morts. Oraison für Orgel S 516/2 33 Variationen über den Basso Continuo der Kantate »Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen« von J. S. Bach für Orgel S 673 33 »O salutaris hostia I« für Frauenchor und Orgel S 40 33 Weihnachtslied. »O heilige Nacht« für Sopran, Frauenchor und Orgel S 49 33 Mariengarten. »Quasi cedrus« für Sopran, Frauenchor und Orgel S 62 33 »Ave Maria« für Singstimme und Orgel S 341 38 Psalm 137 für Sopran, Frauenchor, Violine und Klavierbegleitung S 17 38 Lieder für Singstimme und Klavier (zu den Themen »Franz Liszt und Bayreuth«) 29 Lieder für Singstimme und Klavier (zu den Themen »Franz Liszt und Paris«) 32 Lieder für Singstimme und Klavier (zu den Themen »Franz Liszt und Wien«) 43 Gustav Mahler: Symphonie Nr. 1 D-Dur (»Der Titan«) 201 Lieder aus »Des Knaben Wunderhorn«

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Symphonie Nr. 4 G-Dur

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Symphonie Nr. 5 cis-Moll

1

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Zeitgenössische Komponisten: Thomas Adès: »Lieux Retrouvés« für Violoncello und Klavier (Deutsche Erstaufführung) 54 Ali Authman: »Invocation« (Uraufführung, kurdisches Auftragswerk der Deutschen Welle) 49 Richard Dubugnon: Neues Werk für Violine, Viola und Klavier (Deutsche Erstaufführung) 13 21 22 George Enescu: »Prélude à l’unisson« aus der Suite Nr. 1 für Orchdster C-Dur op. 9 12 Mohammed Amin Ezzat: Orchesterwerk (Uraufführung, arabisches Auftragswerk der Deutschen Welle) 49 Zsolt Gárdonyi: Hommage à Franz Liszt für Orgel 38 György Ligeti: Volumina für Orgel 33 »Coulée«. Etüde Nr. 2 für Orgel 33 Olivier Messiaen: »Appel interstellaire« aus »Des Canyons aux Étoiles« für Horn solo 61 Steve Reich: Drumming – Part One für vier Paar gestimmte Bongos 25 Music for 18 Musicians 25 Wolfgang Rihm: »Lichtes Spiel«. Ein Sommerstück für Violine und kleines Orchester 1 Alexander Rosenblatt: Rhapsodie »Liszt-Fantasie« für Klavier 36 Rebecca Saunders: Konzert für Violine und Orchester (Uraufführung, Auftrag des Beethovenfestes Bonn und BBC Radio 3) 47 Klement Slavický: Capricci für Horn und Klavier 61


Sonstige: Johann Sebastian Bach: Chaconne aus der Partita d-Moll BWV 1004 (Fass. für Cymbal solo) 34 Mili Alexander Balakirew: Romance für Violoncello und Klavier 54 Béla Bartók: Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Nr. 4 C-Dur Sz 91 54 »Kontraste«.Tänze für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111 23 Rhapsodie Nr. 1 für Violine und Klavier Sz 86 50 Rhapsodie Nr. 2 für Violine und Klavier Sz 89 50 Rhapsodie Nr. 1 für Violoncello und Klavier Sz 88 34 53 Rumänische Volkstänze (Fass. für Violoncello und Klavier) 39 Suite op. 14 (Fass. für Cymbal und Klavier) 39 Giovanni Bottesini: Grand Duo concertante für Kontrabass, Violine und Orchester 35 Johannes Brahms: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 28 Ungarischer Tanz Nr. 5 für Orchester 15 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Nr. 3 B-Dur op. 67 45 Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier a-Moll op. 114 23 Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 78 50 Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 A-Dur op. 100 52 Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 d-Moll op. 108 37 3 Intermezzi für Klavier op. 117 205 Anton Bruckner: Symphonie Nr. 8 c-Moll WAB 108 204 Ernest Chausson: Poème für Violine und Klavier op. 25 50 Frédéric Chopin: 4 Mazurken für Klavier 36 Antonin Dvorˇák: Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104 204 Gabriel Fauré: Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 g-Moll op. 117 53 Alexander Glazunow: Elegie »Une pensée à François Liszt« für Violoncello und Klavier Des-Dur op. 17 54 Georg Friedrich Händel: Water Music Suite Nr. 1 F-Dur HWV 348 (»Wassermusik« Nr. 1) 4 5 Water Music Suite Nr. 2 D-Dur HWV 349 (»Wassermusik« Nr. 2) 4 5 Water Music Suite Nr. 3 G-Dur HWV 350 (»Wassermusik« Nr. 3) 4 5 Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 104 D-Dur Hob I:104 49 Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Es-Dur op. 33/2 Hob III:38 45 Zoltán Kodály: »Galántai Táncok« (»Tänze aus Galánta«) für Orchester 35 Duo für Violine und Violoncello op. 7 24 Sonate für Violoncello und Klavier op. 4 34 Sonatina für Violoncello und Klavier 39 György Kurtág: »Hommage à R. Sch.«. Trio für Klarinette, Viola und Klavier op. 15d 24 Vier Stücke für Violoncello und Klavier 53 Splitter für Cymbal solo 39 Felix Mendelssohn: Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107 (»Reformationssymphonie«) 7 Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 201 1 Paul Pabst: »Dornröschen«. Konzertparaphrase nach dem Ballett von Peter Tschaikowski 36 Astor Piazzolla: Le Grand Tango (Fass. für Violine und Klavier) 52 Joseph Rheinberger: Sonate für Horn und Klavier Es-Dur op. 178 61 Camille SaintSaëns: Introduction et rondo capriccioso für Violine und Orchester op. 28 35 Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 c-Moll op. 32 53 Pablo de Sarasate: »Aires gitanos« (»Zigeunerweisen«) für Orchester op. 20 15 »Aires gitanos« (»Zigeunerweisen«) für Violine und Klavier op. 20 37 »Romance andalouse« für Violine und Klavier op. 22 37 »Caprice basque« für Violine und Klavier op. 24 37 Dmitri Schostakowitsch: Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40 54 Rodion Schtschedrin: »Carmen«-Suite nach Georges Bizet für Streichorchester und Schlagzeug 30 Franz Schubert: Sonate für Klavier a-Moll D 784 205 Robert Schumann: Symphonie Nr. 4 d-Moll op. 120 (2. Fassung 1851) 28 Ouvertüre, Scherzo und Finale E-Dur op. 52 28 Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier Es-Dur op. 47 24 Märchenerzählungen für Klarinette, Viola und Klavier op. 132 24 Fantasie für Violine und Klavier C-Dur op. 131 20 Adagio und Allegro für Horn und Klavier As-Dur op. 70 61 Alexander Scrjabin: Etüde cis-Moll op. 2/1 36 Etüde dis-Moll op. 8/12 36 Igor Strawinski: Divertimento für Violine und Klavier nach dem Ballett »Kuss der Fee« 52 Karol Szymanowski: Nocturno und Tarantella für Violine und Klavier op. 28 52 Georg Philipp Telemann: »Hamburger Ebb‘ und Fluth«. Wassermusik C-Dur TWV 55:C3 4 5 Peter Tschaikowski: Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36 202 Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64 2 Antonio Vivaldi: Concerto »La Tempesta di Mare« F-Dur RV 570 4 5 Richard Wagner: Vorspiel zum dritten Akt aus der Oper »Lohengrin« WWV 75 19 Vorspiel und Liebestod aus »Tristan und Isolde« WWV 90 51 Fünf Gedichte für eine Frauenstimme nach Gedichten von Mathilde Wesendonck WWV 91 (»Wesendonck-Lieder«, Fass. für Orchester von Felix Mottl) 51 »Siegfried-Idyll« für kleines Orchester E-Dur WWV 103 19 Carl Maria von Weber: Ouvertüre zur Oper »Oberon« J 306 47

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A l p h a b e t i s c h e K ü n s t l e r l i s t e 2 0 1 1

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A Amoyel, Pascal (Klavier) 19 Anima Eterna 19 Apkalna, Iveta (Orgel) 38 Auer, Barbara (Rezitation) 46 B Barainsky, Claudia (Sopran) 29 Bashkirova, Elena (Klavier) 23 24 BBC Symphony Orchestra 47 Beethoven Orchester Bonn 51 Bernardini, Alfredo (Dirigent) 4 5 Blunier, Stefan (Dirigent) 51 Bolton, Ivor (Dirigent) 56 BonnSonata 33 38 Brandon, Sarah-Jane (Sopran) 47 Bregovic´, Goran 14 Budapest Festivalorchester 12 C Cambreling, Sylvain (Dirigent) 47 Chailly, Riccardo (Dirigent) 7 Chorus Musicus Köln 56 Concerto Köln 56 Connolly, Sarah (Mezzosopran) 203 D Davis, Sir Colin (Dirigent) 203 Davislim, Steve (Tenor) 10 Denisova, Elena (Violine) 37 Die 14 Berliner Flötisten 26 Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen 17 18 28 Dominkó, Istvàn (Klavier) 34 39 Duo d’Accord 31 E Ensemble Modern 25 Ensemble Tetete 41 42 Evans, Rebecca (Sopran)

10

F Fanfare Ciocaˇrlia 30 59 Finnish Radio Symphony Orchestra Fischer, Iván (Dirigent) 12 G Gallardo, José (Klavier) 52 Gardiner, Sir John Eliot (Dirigent) Gerhaher, Christian (Bariton) 62 Gewandhausorchester Leipzig 7 Giannattasio, Carmen (Sopran) 203 Goerne, Matthias (Bariton) 43 Golan, Itamar (Klavier) 13 21 22 Grimaud, Hélène (Klavier) 2 Groves, Paul (Tenor) 203 Gulda, Paul (Klavier) 15 Gypsy Devils 15

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9

H Hagen Quartett 44 45 Hamm, Christoph (Orgelpositiv) 33 38 Harada, Hideyo (Klavier) 60 Harfouch, Corinna (Rezitation) 60 Haselböck, Martin (Orgel) 33 Helmerson, Frans (Violoncello) 23 24 Honeck, Manfred (Dirigent) 1 2 Hosszu-Legocky, Géza (Violine) 35 I Israel Philharmonic Orchestra 202 Isserlis, Steven (Violoncello) 53 54 J Jansen, Janine (Violine) 201 Järvi, Paavo (Dirigent) 28

10


K Kam, Ori (Viola) 24 Karas, Markus (Dirigent) 33 38 Knauer, Sebastian (Klavier) 46 Knauer, Wolfgang (Text) 46 Koch, Jutta (Sopran) 32 Körber, Till Alexander (Klavier) Kornienko, Alexei (Klavier) 37

R Rachlin, Julian (Violine) 13 21 22 Reich, Steve (Klavier, Schlagzeug) 25 Reiss, Chen (Sopran) 56 Rivinius, Paul (Klavier) 34 39 Roma und Sinti Philharmoniker 30 35 Rose, Matthew (Bass) 203 Roth, Linus (Violine) 52 Rotterdams Philharmonisch Orkest 204

20

L Lakatos, Tony (Saxophon) 57 Larsson, Anna (Mezzosopran) 51 Lazic´, Dejan (Klavier) 12 Lifschitz, Konstantin (Klavier) 50 Limburger Domsingknaben 51 London Symphony Chorus 203 London Symphony Orchestra 9 10

203

M Maazel, Lorin (Dirigent) 201 MacAlindin, Paul (Dirigent) 49 Martin, Michaela (Violine) 23 24 Martin, Susanne (Sopran) 33 38 Mehta, Zubin (Dirigent) 202 Melnikov, Alexander (Klavier) 56 Mickisch, Stefan (Klavier, Moderation) Mlinde, Vuyani (Bassbariton) 10 Monteverdi Choir 10 Moragues, Pascal (Klarinette) 23 24 Mørk, Truls (Violoncello) 204 Mutter, Anne-Sophie (Violine) 1 N National Youth Orchestra of Iraq 49 Nézet-Séguin, Yannick (Dirigent) 204

16

U Ugorski, Eugene (Violine) 50 Ursuleasa, Mihaela (Klavier)

35

19

W Walch, Martin (Violine) 20 Widmann, Carolin (Violine) 47 Wiener Masken- und Musiktheater Z Zefiro Barockorchester

201

1

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T te Brummelstroete, Wilke (Mezzosopran) Tokarev, Nikolai (Klavier) 36

V van Immerseel, Jos (Dirigent) Várjon, Dénes (Klavier) 53 54 Vojta, Prˇemysl (Horn) 61 Volodos, Arcadi (Klavier) 205

O Oramo, Sakari (Dirigent) 62 Ottokolor (Hans Otto Richter & Autokolor, Live Video Mix) 14 P Papasov, Ivo (Klarinette) 27 Patkoló, Roman (Kontrabass) 35 Perahia, Murray (Klavier) 55 Philharmonia Orchestra London Pires, Maria João (Klavier) 7 Pittsburgh Symphony Orchestra Pleyel Quartett, Köln 56

S Sahiti, Riccardo M (Dirigent) 30 35 Sánchez Lansch, Enrique (Moderation) Sawano, Tomoko (Klavier) 61 Schneider, Eric (Klavier) 29 32 43 Schwab, Martin (Rezitation) 20 Shoji, Sayaka (Violine) 28 Snétberger, Ferenc (Gitarre) 57 Stadtfeld, Martin (Klavier) 40 Steckel, Julian (Violoncello) 34 39 Steinbacher, Arabella (Violine) 49 Stier, Matthias (Tenor) 32 Synergy Vocals 25 Szakaly, Agnes (Cymbal) 34 39

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5

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Eintrittskarten und allgemeine Hinweise

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ist die Kartenzentrale des Beethovenfestes Bonn. Eintrittskarten erhalten Sie dort im Vorverkauf • telefonisch unter +49 (0) 228 – 50 20 13 13 (Mo-Fr 8 – 20 Uhr, Sa 9-16 Uhr, So 10 – 16 Uhr) • im Internet unter www.beethovenfest.de • schriftlich an das Beethovenfest Bonn oder an: Bonnticket Platz der Vereinten Nationen 2, D-53113 Bonn

Das Beethovenfest Bonn ist jetzt auch unter der E-Postbrief-Adresse post@beethovenfest.epost.de erreichbar. Schriftliche Bestellungen sind ab dem 18. März 2011 möglich. Der telefonische Kartenvorverkauf und der Verkauf an den Vorverkaufskassen beginnen am 30. April 2011. Schriftliche Bestellungen werden in der Reihe ihres Eingangs bearbeitet. Sie erhalten ab Mitte April von auto­matisch die Bestätigung Ihrer Reservierung, die Sie 3 Wochen lang in eine Bestellung wandeln können. Nach Ablauf der Frist verfällt die Bestellung.

Neu: die Online-Vorbestellung! Alle Kunden, die sich zwischen dem 18. und dem 31. März auf www.beethovenfest.de vorregistrieren, haben bereits ab dem 15. April die Möglichkeit, sich ihre Plätze direkt im Saalplan zu buchen. Bei ein­zel­nen Konzerten kann es aufgrund der großen Nachfrage zu Beschränkungen in der Verfügbarkeit von Online-Tickets kommen. Warteliste: Bei ausverkauften Konzerten bietet das Beethovenfest einen besonderen Service an: Unter www.beethovenfest.de können Sie sich bei der jeweiligen Veranstaltung unverbindlich in einer Warteliste eintragen. Sie erhalten eine Nachricht per E-Mail, wenn für das Konzert wieder Karten erhältlich sind. Abendkasse: Restkarten erhalten Sie, soweit vorhanden, eine Stunde vor Konzertbeginn an der Spielstätte. »Für 8 um 8«: Das Beethovenfest Bonn bietet Schülern und Studenten spezielle AbendkassenKontingente an. Bei ausgewählten Konzerten werden Plätze freigehalten, die an der Abendkasse gegen Vorlage eines Schüler- oder Studentenausweises für 8 € erworben werden können. Die Konzerte sind in der Programmübersicht mit gekennzeichnet. dem Logo


Anfahrt zum Konzert (VRS-Berechtigung): Die Eintrittskarten gelten im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) als Fahrschein. Sie können alle Linien innerhalb des Verkehrsverbundes ab vier Stunden vor dem Beginn einer Veranstaltung nutzen, die Rückfahrt muss spätestens vier Stunden nach Ende der Veranstaltung abgeschlossen sein. Ermäßigungen: Kinder ab 3 Jahren, Schüler, Studenten bis 30 Jahre, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende, Arbeitslose, BonnAusweis-Inhaber sowie Schwer­be­hin­ derte erhalten eine Er­mäßigung von 50 % auf den Kartenpreis. Bitte zeigen Sie einen gültigen Ausweis bei der Einlasskontrolle unauf­gefordert vor. Gebühren: Die Preise verstehen sich inkl. der Ticket-Systemgebühr und der für die VRS-Berechtigung erhobenen Gebühr in Höhe von insgesamt 1,43 € je Karte. Die Vorverkaufsstellen erheben eine zusätzliche Vorverkaufsgebühr in Höhe von 10% des genannten Preises. Bei tele­ fonischen oder schriftlichen Bestellungen (per Post oder per E-Mail) erhebt zusätzlich eine Bearbeitungs- und Versandkostenpauschale von 3,90 € je Bestellung. Die Eintrittskarten werden mit ein­facher Post zugeschickt, für das Verlustrisiko haftet der Käufer. Der Versand per Einschreiben (op­tional) kostet pauschal 6,90 € (5,90 € im Internet). Über www.beethovenfest.de können Sie Ihre Karten bequem zu Hause ausdrucken, für diesen Service berechnet eine Gebühr von 1,00 € pro Auftrag.

Allgemeine Hinweise: Die Rückgabe und der Umtausch von Eintrittskarten sind auch bei nur teilweise erfüllten Bestellungen nicht möglich. Änderungen von Programmen, Besetzungen, Terminen und Spielstätten bleiben grundsätzlich vorbehalten. Änderungen berechtigen nicht zur Rückgabe von Eintrittskarten. Lediglich bei genereller Absage einer Veranstaltung wird innerhalb einer Frist von zwei Monaten gegen Vorlage der Eintrittskarten der Kaufpreis er­ stattet. Der Einlass verspäteter Besucher ist nur in der Konzertpause möglich. Ton- und Bildaufzeichnungen: Jegliche Ton-, Foto-, Film- und Videoaufnahmen, auch für den privaten Gebrauch, sind untersagt. Bild- und Tonmaterial kann, wenn gegen diese Anordnung verstoßen wird, eingezogen werden. Einzelne Konzerte werden vom Rundfunk und/oder Fernsehen aufgezeichnet. Der Konzertbesucher erklärt sich damit und mit der eventuellen Abbildung seiner Person im Voraus einverstanden. »Ganz Ohr um Halb« – Konzertein­ führungen und Orchesterporträts: Bei einzelnen Konzerten des Beethovenfestes haben Sie die Gelegenheit, »ganz Ohr um Halb« zu sein und bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn eine Einführung in das Programm des Abends zu erleben. Renommierte Musikwissenschaftler werden in verständlicher Form vor allem die unbekannten Werke vorstellen und erläutern. Zusätzlich werden Orchesterporträts angeboten, die Modelle einer neuen Klangkörpergeneration präsentieren. ng tellu rbes h! + + + o V e h c iftlic 11 mögli schr + + + . März 20 ab 18

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Ausgewählte Vorverkaufsstellen B o nn

General-Anzeiger Bottlerplatz 7, 53111 Bonn 0228 – 6 04 23 12

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Konzertkasse Kaufhof Remigiusstr. 20, 53111 Bonn 0228 – 69 79 80

(Vorverkauf ab 30. April 2011)

B a d N e ue n a h r A h rw e i l e r

General-Anzeiger Bossardstr. 1-3, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler 02641- 9 12 61

Bergisch Gladbach

Kunst- und Ausstellungshalle Friedrich-Ebert-Allee 4 53113 Bonn 0228 – 9 17 12 16 Opern- und Konzertkasse Windeckstr. 1, 53111 Bonn 0228 – 77 80 08

B a d

G o d es b er g

General-Anzeiger Koblenzer Str. 61, 53177 Bonn 0228 – 3 50 50 Schauspiel Bonn Theaterplatz / Am Michaels­h of 9, 53177 Bonn 0228 – 77 80 – 22/-33

Bürgerhaus Bergischer Löwe Konrad-Adenauer-Platz 51465 Bergisch Gladbach 02202 – 3 89 99

B r üh l

brühl-info Uhlstr. 1, 50321 Brühl 02232 – 7 95 69

Zeitungsgruppe Köln Service Center (DuMont-Carré) Breite Straße 72, 50667 Köln 0221 – 2 24 22 92 Köln Musik Ticket Roncalliplatz, 50667 Köln 0221 – 20 40 81 60 Theaterkasse Kaufhof Hohe Straße 1, 50667 Köln 0221 – 2 57 88 11 Karten und Veran­staltungsservice KVS Wiener Platz 2a, 51065 Köln 0221 – 9 62 42 41

Leverk us en D üs s e l d o r f

Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH Immermannstr. 65 B (Hauptbahnhof) & Marktplatz 6 (Altstadt) 40210 Düsseldorf 0180 – 5 64 43 32

A a c hen

AZ AN Ticketshop & Service (Mayersche Buchhandlung) Buchkremerstr. 1-7 52064 Aachen 0241 – 5 10 11 75

Köl n

Heinersdorff GmbH Heinrich-Heine-Allee 22 40213 Düsseldorf 0211 – 32 91 91

TicketShop (Feste Feiern) Wiesdorfer Platz 80a In den Luminaden 51373 Leverkusen 0214 – 8 40 43 35

Sa n k t

Aug us t in

Bücherstube Sankt Augustin Markt 25 53757 Sankt Augustin 02241 – 2 86 80

Siegburg E u sk i r c h e n

B a d

H o nnef

General-Anzeiger Hauptstr. 38 53604 Bad Honnef 02224 – 90 20 80 S-shop im Hit-Markt Berck-sur-Mer-Str. 1 53604 Bad Honnef 02224 – 181-0

Stadtverkehr Euskirchen Oststr. 1-5, 53879 Euskirchen 02251 – 14 14 160

K o b l e n z

Tourist-Information Bahnhofplatz 17 56068 Koblenz 0261 – 3 03 88 49

Gegenbauer Ticketservice In der Rhein-Sieg-Halle Bachstr. 1, 53721 Siegburg 02241 – 23 91 93 19 General-Anzeiger Markt 45a, 53721 Siegburg 02241 – 1 20 10 Stadtmuseum Siegburg Markt 46, 53721 Siegburg 02241 – 5 57 33


Die Spielstätten des Beethovenfestes Bonn 2010

Bo nn

Beethovenhalle Wachsbleiche 17, 53111 Bonn Abendkasse: 0228 – 7 22 23 33

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn

Schumannhaus Sebastianstraße 182, 53115 Bonn Abendkasse: 0228 – 77 36 56

Bus 551, 600, 601 Beethovenhalle

U/S 16, 63, 66 und Bus 610, 611 Heussallee/ Museumsmeile

Bus 604, 605, 606, 607, 631 Alfred-Bucherer-Straße

U/S 62, 65, 66, 67 Bertha-von-Suttner-Platz im Beethoven-Parkhaus, Theaterstraße Beethoven-Haus Bonngasse 24-26, 53111 Bonn U/S 63, 65, 66, 67 Bertha-von-Suttner-Platz in Marktgarage oder Stiftsgarage Collegium Leoninum Noeggerathstraße 34, 53111 Bonn U/S/Bus Hauptbahnhof oder Stadthaus am Haus und um den Hauptbahnhof Deutsche Telekom, Servicezentrale Friedrich-Ebert-Allee 140, 53113 Bonn U/S 16, 63, 66 Deutsche Telekom Harmonie Endenich Frongasse 28-30, 53121 Bonn Telefon: 0228 – 61 40 42 Bus 606, 607, 631 Frongasse oder Brahmsstraße Hotel Königshof Adenauerallee 9, 53111 Bonn U/S 16, 63, 66 Universität/Markt in der Tiefgarage des Hotels

Parkhaus, Pkwund Busparkplatz der Museumsmeile (Anfahrt über W.-Flex-Straße)

Straßenbahnhalle Dransdorf Gerhart-Hauptmann-Straße, 53121 Bonn U/S 18 Robert-Kirchhoff-Straße

Kunstmuseum Bonn Friedrich-Ebert-Allee 2, 53113 Bonn

Telekom Forum Landgrabenweg 151, 53227 Bonn-Beuel

U/S 16, 63, 66 und Bus 610, 611 Heussallee/ Museumsmeile

Bus 606, 607 T-Mobile

Parkhaus, Pkwund Busparkplatz der Museumsmeile (Anfahrt über W.-Flex-Straße) Münsterbasilika Münsterplatz, 53111 Bonn

U/S 62, 65 Schießbergweg Villa Hammerschmidt Adenauerallee 135, 53113 Bonn U/S 16, 63, 66 Museum Koenig

5 Min. Fußweg vom Hauptbahnhof und Zentralen Omnibusbahnhof

Volksbankhaus Heinemannstraße 15, 53175 Bonn

Parkhäuser in der Bonner Innenstadt

Bus 541, 610 Volksbank-Haus

Pantheon Reuterstraße 241, 53113 Bonn Bus 610, 611 Bundeskanzlerplatz Bus 630 Heussallee U/S 16, 63, 66 Museum Koenig Parkplätze am Bonn-Center Schlosskirche Am Hof 1, 53113 Bonn U/S 16, 63, 66 Universität/Markt

direkt am Haus

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Die Spielstätten des Beethovenfestes Bonn 2010

B a d

G o d es b er g

St. Hildegard Deichmanns Aue 54, 53179 Bonn Bus 613, 615, 857, 852 Deichmanns Aue DB Bahnhof Mehlem im Wohngebiet

R hei n- S i eg - K r e i s

Burg Wissem, Troisdorf Burgallee 1, 53840 Troisdorf Bahnhof, Troisdorf dann Buslinien 501, 506, 507, 508 bis Ursulaplatz vor der Burg

Son s t ige

Stadtmuseum Siegburg Markt 46, 53721 Siegburg Abendkasse: 02241 – 5 57 33 DB, U/S, Bus Siegburg Bahnhof Parkplätze Mühlenstraße (P11), Rhenag (P22), Parkhaus Bahnhof (P10) St. Evergislus Haasbachstraße 2, 53332 Bornheim-Brenig Steigenberger Grandhotel Petersberg 53639 Königswinter/ Petersberg Abendkasse: 02223 – 740 direkt am Haus

Rhein-Sieg-Halle Bachstraße 1, 53721 Siegburg DB, U/S, Bus Siegburg Bahnhof (zu Fuß ca. 5 Minuten) im Parkzentrum Rhein-Sieg-Halle

w w w . b e e t h o v e n f e s t . d e T i c k e t s

0 2 2 8 - 5 0

2 0

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Schriftliche Vorbestellungen ab 18. März möglich

1 3

Arp Museum Bahnhof Rolandseck Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen MittelrheinBahn Bahnhof Rolandseck am Haus Burg Namedy 56626 Andernach Abendkasse: 02632 – 4 86 25 DB Namedy Bahnhof direkt vor der Burg


Programmbuch "Zukunftsmusik" 2011