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CHRONIK Bäckerei Josef Eberl – – Geschichte und Geschichten – 13 Generationen

Beck vo’ Biche


Es ist eine Seltenheit, dass ein Handwerksbetrieb über Jahrhunderte hinweg besteht und dabei auch noch von einer Generation an die nächste übergeben wird. Einer davon ist die Bichler Bäckerei Eberl, die sich schon seit 1649 - also mehr als 350 Jahre lang - in Familienbesitz befindet. Dabei war es oft sehr schwierig, den Betrieb durch das Auf und Ab der Zeiten zu retten. Schwierig war es etwa in den 1960-er und 1970-er Jahren, als gravierender Arbeitskräftemangel in den Bäckereien herrschte. Die Bichler Bäckerei bildete da keine Ausnahme. Allein im Jahr 1975 zählte die Bäckerei Eberl zehn verschiedene Gesellen, viele kamen ursprünglich aus dem einstigen Jugoslawien oder der Türkei. Angesichts dieses raschen Wechsels an Angestellten war der Zusammenhalt und die Mitarbeit der Familienmitglieder im Betrieb um so wichtiger.

Ob Onkel Balthasar Eberl, Onkel Karl Höck, Tante Anna und Onkel Erwin (Familie Bürkle), Maria Höllensteiner, Franz Behm und natürlich Lisa Schmid, alle haben angepackt, wenn die Arbeit mal wieder zu viel, und die Angestellten zu wenig waren. Bei extremen Arbeitsengpässen kam zum Kinderhüten sogar die Frau des Steuerberaters, die Pfanzeder-Oma, aus München angereist. Sie wurde im Hause einquartiert. Und sobald die Kinder groß genug waren, halfen sie selbst mit. Die Geschwister Hubert und dessen Frau Maria, Michael, seine Frau Annemarie und Marianne – und wiederum deren Mann Thomas Huber sind auch heute zur Stelle, wenn mal wieder viele fleißige Hände gefragt sind. Vielleicht liegt es am Bäcker-Virus. Wer den einmal hat, wird ihn offenbar so schnell nicht mehr los. Haben schon unsere zwei Kinder Seppe und Johanna immer fest mit angepackt, so hat gerade die 13. Generation „Beck vo’ Biche“ das Laufen gelernt und sieht sich in Backstube und Geschäft um. Mit Freude sehen wir, dass mit Seppe und Natascha die nächsten Betriebsnachfolger in den Startlöchern stehen. Nicht nur das ist ein Anlass, die Chronik der Bäckerei Eberl in Bichl zusammenzustellen. Es war uns schon immer ein Anliegen, Dinge, die schnell in Vergessenheit geraten, aufs Papier zu bringen. Das war wiederum nur mit Unterstützung vieler Helfer möglich. Herzlichen Dank dafür an Johanna Pfund, Erwin Beier, Prof. Dr. Dr. Leo Weber, Peter Sindlhauser und für die Bereitstellung der Fotos an Elisabeth Eberl, Lisa Schmid, Anton Kochherr, Georg Hofbauer, Marianne Öttl sowie Hubert und Michael Eberl. Viel Freude beim Lesen und Anschauen wünschen

Sepp und Karin Eberl

Bichl, Mai 2006


Als Mathis Eberl im Jahre 1725 die Bichler Bäckerstochter Elisabeth Mayr heiratet, kann er nicht ahnen, was das bedeutet. Sicher weiß er, dass er die nächsten Jahre als Bäcker arbeiten wird. Nicht gewusst hat er wohl, dass der Betrieb in ungebrochener Reihenfolge von einer Generation Eberl auf die nächste übergehen wird, und das bis heute.

Nur fünf Bäckereien in ganz Deutschland befinden sich noch länger in Familienbesitz als der Eberl’sche Betrieb. Gewusst hat der Vorfahre vielleicht auch nicht, dass Tradition und ein moderner Betrieb durchaus gut zusammenpassen. Denn die Bäckerei steht heute gut da und zählt zu den renommiertesten Betrieben im Umkreis.

Die Anfänge

Vor dem Beckn-Hof begutachten die Buben Balthasar Eberl und Michael Eberl ihren Onkel Hans, der ein Pferdegespann führt.

Die Geschichte der Bäckerei ist über Jahrhunderte hinweg mit dem Anwesen Nummer 53 in Bichl verknüpft. Der Hof, nahe der markanten St.Georgskirche gelegen, wird schon 1441 zum ersten

Mal urkundlich erwähnt, von einer Bäckerei ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht die Rede. Rund 150 Jahre später, 1592, so verzeichnet es der Benediktbeurer Pater und Heimat–


forscher Karl Mindera in seiner Hofkartei, gehört einem Wölfl Zwink oder Zwick das Anwesen Nr. 53 in Bichl. Als Beruf des Eigentümers notiert der Chronist: pistor, Bäcker. Die Familie Zwink bleibt nur noch rund 50 Jahre Eigentümer des Hofes. Es sind auch keine guten Zeiten: Der 30-jährige Krieg (1618-48) zieht Land und Leute in Mitleidenschaft. Die gefürchteten Schweden dringen 1632 bis nach Tölz vor. Zwei Jahre später wütet die in der Folge des Krieges auftretende Pest in Bichl. Auf einer Votivtafel in der St. Georgskirche steht, dass 263 Menschen in Bichl an der Krankheit gestorben sind - obwohl die Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt aber nur aus rund 350 Personen besteht. Wie hoch auch immer die tatsächliche Zahl der Toten war, sie war dramatisch für ein Dorf dieser Größe. Nur ein Jahr nach Kriegsende, 1649, kauft ein Clement Mayr das Anwesen. Mayr ist ein direkter Vorfahre der Eberl-Familie. Und er ist natürlich Bäcker, so wie es in ungebrochener Reihenfolge zunächst alle Mayrs, dann alle Eberls bis heute sind. Die Zahl der Kunden ist trotz der verheerenden Auswirkungen von Kriegen und Pest im Laufe der Jahrhunderte angewachsen: Während Bichl im Jahr 1487 noch aus 29 Anwesen besteht, sind es 1688 bereits 44 Anwesen.

Die Bäckerei Josef Eberl ist eine der ältesten deutschen Bäckereien in Familienbesitz. Nur fünf Betriebe können sich auf eine noch längere Tradition berufen.


Der Bichler Bäckerstreit Leicht wird es der Bäcker Mayr, Vorfahre der Eberls, nicht gehabt haben. Denn wenige Jahre zuvor hatte sein Vorgänger Zwick im Bichler Bäckerstreit ein gar schlechtes Bild abgegeben. Ursache des ganzen Ärgers: Die örtlichen Bäcker hatten so schlechtes Brot gebacken, dass die Konkurrenz mit ihrer Ware leichtes Spiel in Bichl hatte. Das wiederum schmeckte den Bichler Bäckern nicht und sie beklagten sich über die „Brodträger” beim Benediktbeurer Abt Johannes (1604 - 1628). Der Geistliche fällte in dieser Sache ein salomonisches Urteil: „Wann die hiesigen Becken das ihrige getreulich tuhen werden, werden sie, ohne obrigkeitlichen Beystandt, die Brodt-Trager und das Fremde brod leichtlich abwenden.” Und es gebe keine Ursache, warum sie nicht auch so gutes und schönes Brot wie die Isarwinkler und gar die Mittenwalder backen könnten. Qualitätskontrolle in früheren Zeiten! Dieser Brotstreit ist schon lange vergessen, als die Familie Eberl die Bäckerei in Bichl übernimmt - mittels Heirat. Matthias Eberl heiratet 1725 eine Tochter des Beck, Elisabeth Mayr. Das Anwesen ist zu diesem Zeitpunkt ein so genannter Viertelhof mit Bäckerei und gehört damit eindeutig zu den größeren der im Jahr 1719 gezählten 63 Anwesen in Bichl. (Es gab vier Halb-Höfe, zwölf Drittel-Höfe und drei Viertelhöfe). Schlecht verdient hat der Beck in den folgenden Jahren nicht, wenn man die Übergabeverträge als Maßstab nimmt. Beispielsweise wird anlässlich der Heirat von Josef Eberl mit Maria Barbara Schwaighofer aus Karpfsee im Jahre 1741 verzeichnet, dass die

Schwester des Hochzeiters 1100 Gulden Heiratsgut erhalten soll (Für einen Gulden bekommt man um diese Zeit ein Paar Schuhe). In derselben Kartei ist auch verzeichnet, dass die Schwiegermutter aus Karpfsee bei einem Besuch in „Pichel” schwer erkrankt. Sie ist offenbar gut untergebracht: „Sie lag in der oberen Kammer der Päckenbehausung in einem gehimbelten Bett.” Ein Bett mit Himmel also. Trotz der guten Unterkunft stirbt sie kurz darauf. Der Reichtum kommt aus der Backstube, allerdings auf nicht ganz legalem Wege. Ende des 18. Jahrhunderts, 1775, wird der Bichler Bäcker Mathias Eberl vor das Benediktbeurer Klostergericht zitiert, zusammen mit seinen zwei Laingrubener (Benediktbeuern) Kollegen, Sebastian Thalhuber und Joseph Wacker. Die Anklage lautet: Sie hätten das Brot zu gering und klein gemacht, dass darüber allgemeine und wohlbegründete Klagen entstanden seien. „Als hat man ihnen diesen angemaßten und unverantwortlichen Geiz und Unfug nicht nur nachdrücklich verwiesen, sondern auch den Sebastian Thalhuber und Joseph Wacker pro ein ganzes, dem Mathis Eberl 1/2 Pfund Pfennig mit dem Anhang abgewandelt, dass wenn sie künftighin das Brot sowohl in Weizen als Roggen gut nicht nach der ihnen zuzustellen kommenden Tarifa abbachen werden, man ihnen das zu gering vorfindende jederzeit und unablässig abnehmen lassen werde.”

Der Raudihof in Benediktbeuern, aus dem Anastasia Eberl, geborene Bauer, stammte. Der Hof wurde in den 1950-er Jahren abgerissen, um die Ortsdurchfahrt zu erweitern.


Teures Erbe Also müssen die drei Bäcker nicht nur Strafe zahlen, ihnen kann auch das Brot abgenommen werden, wenn Umfang und Größe wieder einmal schwer zu wünschen übrig lassen. Und die Gerichtskosten müssen die drei Missetäter auch noch tragen. Anscheinend hat es der Betrieb verkraftet, Brot in korrekter Größe zu backen. Denn die Familie vergrößert den Hof im Laufe der Jahre. In der Familienkartei ist 1783, anlässlich der Heirat von Mathias Eberl – des Brot-Missetäters - mit Therese Hagn, von einem Drittelhof die Rede, das entspricht einem stattlichen Besitz von 30 Tagwerk (rund zehn Hektar). Dabei sind die Zeiten unruhig, Krieg, Besatzungstruppen und Seuchen machen der Bevölkerung immer wieder das Leben schwer. In der Sendlinger Mordweihnacht von 1705 lassen auch zwei Bichler Männer ihr Leben, ein Angehöriger der Eberl-Familie ist aber nicht erwähnt. Und in der Folgezeit drangsalieren die österreichischen Besatzer die Bayern. Knapp 40 Jahre später sind wieder Truppen im Oberland einquartiert und 1781 wütet die Viehseuche in Benediktbeuern. Wiederum 25 Jahre später besetzen französische Truppen das Land. Schwer zu schaffen macht den Bäckern in der Gegend auch die Inflation, eine Folge der Napoleonischen Kriege. Vom Jahre 1817 schreibt Georg Westermayer in seiner Chronik des Marktes Tölz, dass die Teuerung ihren Höhepunkt erreicht und berichtet, dass der Tölzer Bäckermeister Andreas Rauscher an der Münchner Schranne 17 Schäffel Getreide zu einem horrend hohen Preis von 1439 Gulden kaufen muss. Allen Kriegen, Einquartierungen von fremden Soldaten und Inflationen zum Trotz bleibt die Bichler Bäckerei im Besitz der Familie Eberl.

Wobei es offenbar nicht immer einfach ist, die Hinterlassenschaft zu regeln. Im November 1875 stirbt Anna Eberl, geborene Gattinger aus Eitzenberg (bei Penzberg). Sie hinterlässt ihren Mann Georg und acht Kinder, davon sind erst zwei großjährig. Das Besitztum schätzt der Tölzer Notar auf 39.000 Mark, die Grundschulden dagegen betragen nur 2100 Mark. Die eine Hälfte der verbleibenden 36.900 Mark, so errechnet es der Notar, gehört dem Witwer, die andere Hälfte den acht Kindern. Es ist ein ansehnliches Anwesen geworden: Rund 60 Tagwerk besitzt der Beck auf Bichler Flur, weitere 33 Tagwerk auf Sindelsdorfer und 2,56 Tagwerk auf Johannisrainer Flur. Schon einen Monat nach dem Muttergutsvertrag kommen dem Witwer Georg Eberl anscheinend Zweifel an der hohen Summe von 2300 Mark, die jedem Kind zustehen soll, und er lässt einen Nachtrag erstellen, der den Übernehmer nicht über Gebühr mit der Auszahlung des Mutterguts an seine Geschwister belasten soll. Daher beschränkt er die Zinsen auf das als Hypothek eingetragene Muttergut und reserviert sich im Vertrag ausdrücklich die „Rechte der väterlichen Gewalt.” Die väterliche Gewalt scheint einen lang andauernden Einfluss ausgeübt zu haben. Während eine der Töchter, Sophie, Glasenbäurin in Bichl wird, heiratet eine andere, Katharina, in den Benediktbeurer Abrahamhof ein.


Ihr Enkel, Peter Sindlhauser, erinnert sich noch gut daran, dass seine Großmutter, die sicher auch auf ihrem Hof alle Hände voll zu tun hatte, immer noch in der Bichler Bäckerei gebraucht wurde. Zum Nikolausbrotbacken eilte sie alljährlich heim in die Bäckerei nach Bichl.


Die Industrialisierung hält Einzug im Loisachtal Im Laufe der nächsten Generationen gehen Hof und Bäckerei von einem Georg auf den nächsten über. Der scheinbar reibungslose Ablauf täuscht. Denn die Zeiten sind im Umbruch begriffen. Wirtschaftlich hatte das Loisachtal offenbar unter der zunehmenden Ausdehnung des Rohrsees zu leiden. In Benediktbeuern gründet sich ein Eisenbahn-Comitee, dem zahlreiche Handwerker, Landwirte und Unternehmer aus der Region zwischen Großweil, Kochel und Bichl angehören – vermutlich auch Handwerksbetriebe wie die Bäckerei Eberl. Ihr Ziel: Die Verlängerung der Eisenbahnlinie bis nach Kochel, die den Geschäften Aufschwung und in die Gasthäuser und Bauernhöfe Ausflügler und erholungssuchende Fremde bringen soll. Der Kochler Ernst Heckert vom Eisenbahnkomitee MünchenKochel schreibt: „Wenn es noch einer Darlegung bedürfte, dass die erstgenannten Gemeinden in Folge des Mangels einer Eisenbahn in ihrer Entwicklung zurückbleiben müssen, so dürfte mit dem Hinweis darauf,

Soldaten beim Exerzieren in Heidelberg, wo der 1859 geborene Georg Eberl als LeibregimentsFähnrich diente.

dass die wirtschaftlichen Verhältnisse durch die Überflutung des Rohrsees und der zunächst liegenden Grundkomplexe ohnehin von Jahr zu Jahr zurückgehen, das dringende Bedürfniß einer Hilfeleistung durch Schaffung eines modernen Verkehrsmittels bewiesen sein, welches geeignet ist, durch die bessere Nutzbarmachung der in jener Gegend vorhandenen Wasserkräfte, sowie durch die Aufschließung der landwirtschaftlichen Schönheiten für die Allgemeinheit und namentlich die nahe liegende Hauptstadt einen Ersatz für den wirtschaftlichen Entgang zu bieten.” Grundbesitzer und Interessenten aus Bichl, Benediktbeuern, Kochel richten 1891 eine dementsprechende Petition an das zuständige Staatsministerium. Nach mehreren Petitionen und langwierigen Diskussionen ist es so weit: Am 23. Mai 1898 wird die Eisenbahnlinie PenzbergKochel eröffnet. Damit brechen die Zeiten des Fremdenverkehrs im Loisachtal an, von denen auch die hiesigen Bäcker profitieren. Erinnerungen an die Dienstzeit in Elsaß-Lothringen, zeigt Soldaten des Leibregiments. (Bild oben ) So feiern die Bichler Rekruten 1908 ihren Abschied von der Heimat


Georg Eberl (* 1859) war ein Bäckermeister mit Ansehen. Unter anderem war er Mitglied des Schwurgerichts beim königlichen Landgericht München I.


Ein Original als Chef – Georg Eberl Die prägende Persönlichkeit in der Bichler Bäckerei ist in jenen Jahren Georg Eberl, geboren 1886, Bäckermeister und ehemaliger LeibregimentsFähnrich in Heidelberg. 1918 heiratet er Anastasia Bauer. Das Paar bekommt sieben Kinder. Ein feiner Herr soll er gewesen sein, hat lieber alleine im Bürogespeist,

als mit den anderen Familienmitgliedern. Er schätzt es auch, wenn die Gesellen an seiner Statt backen. Vom Bett aus zieht er eine Klingelschnur, die ins Schlafzimmer der Gesellen reicht, um diese aufzuwecken. Dann wartet er, bis in der Backstube das Licht angeht, bevor er sich wieder dem Schlafen widmet. Auch geschäftliche Niederlagen verwandelt der Chef in Siege – wenn es auch nur kurzfristige sind. Eine solche Begebenheit ist aus dem Jahre 1934 überliefert. Die Nationalsozialisten wollen dem ihnen genehmen Dichter Dietrich Eckard, der von 1916 bis 1918 im Landhaus Schmid an der heutigen Bachstrasse lebte, schon ein Jahr nach der Machtergreifung, 1934, ein Denkmal

Georg und Anastasia Eberl heiraten 1918. Das Paar bekommt sieben Kinder (v.li.): Elisabeth, Maria, Michael, Georg, Balthasar, Johann und Josef, vorne die Eltern.


setzen. Die Nazis rechnen mit Massenandrang und fordern ordentlich Semmeln und Würstel an, um die zahlreichen Besucher zu verköstigen. Weshalb diese ausbleiben, weiß niemand genau. Vielleicht halten die Nazis aus Angst vor Querulanten viele Leute schon vor Ort auf, vielleicht interessiert sich

auch niemand so richtig für den obskuren Dichter. Tatsache ist, niemand kommt. Und Georg Eberl sitzt auf seinen vielen Semmeln. Da er aber auch geschäftstüchtig ist, schneidet er das Backwerk zu Knödelbrot, fährt damit nach München und macht dort auf dem Markt ein großes Geschäft. Drei Tage bleibt er aus. Dann kommt er heim, ohne Semmeln und ohne Geld. Georg Eberl meistert aber nicht nur solche Episoden, sondern interessiert sich auch für die technischen Neuerungen, die im 20. Jahrhundert Arbeit und Leben umkrempeln.

Onkel “Schorsch”(Georg Eberl)

Der Vater besteht darauf, dass alle Söhne das Bäckerhandwerk lernen. Den Meisterkurs absolviert Sepp Eberl (4. v.re.) 1952.


Die Bäckerei wächst über den Bauernhof hinaus Den einstigen Troadstadel gegenüber des Hofes baut Georg Eberl zur Backstube um, der Laden ist noch bis in die 1950-er Jahre im Bauernhof selbst untergebracht, bevor er ebenfalls im einstigen Troadstadel – mittlerweile ein stattliches Haus - eingerichtet wird. Eine Kohlenhandlung betreiben die Eberls auch, brauchen sie doch selbst reichlich Brennstoff für die Backöfen. Zudem füttern sie Jahr für Jahr Schweine mit den Überbleibseln aus der Back

stube. Das Fleisch, das nicht für die Familie gebraucht wird, wird verkauft, unter anderem an den Gasthof Ludlmühle. Der Vater besteht darauf, dass alle seine fünf Söhne das Bäckerhandwerk erlernen, die beiden Töchter werden bald im Betrieb eingespannt und bleiben diesem trotz eigener Familie treu. Zum Weiterlernen schickt der Senior alle Söhne in die Pfalz, und so kann er schließlich auf fünf Bäckermeister stolz sein.

Die Zeiten ändern sich: Maria heiratet Jakob Hofbauer (oben rechts), mit dem sie hier vor dem elterlichen Hof fotografiert wird, auf dem Bild unten ihr Bruder Georg Eberl. Das Bild (rechts Seite) Garage und Schweinestall um die Jahreswende 1966/67


Schon in den späten 20-er Jahren kauft Georg Eberl ein Auto das zweite im Dorf. Auch einen Führerschein macht er, aber ohne seine Kenntnisse zu nutzen. „Gefahren ist er nie,” erzählt seine Tochter Lisa Schmid, Jahrgang 1924. Maschinen erleichtern

Stolz auf das erste Auto der Bäckerei sind Maria und Michael Eberl. .

zunehmend die Arbeit in der Backstube. Es gibt eine Teigmaschine, eine Teigschleifmaschine, später kommt eine Schlagmaschine mit Transmission dazu.


Beschäftigte- Ein Blick in die Verhältnisse der 1940-er Jahre Ein Blick in die Dienstbotenbücher aus den 1940-er Jahren zeigt, wie viele Hilfskräfte in Bäckerei und Landwirtschaft damals nötig waren – auch, weil viele männliche Familienmitglieder im zweiten Weltkrieg (1939-1945) waren. Verzeichnet sind folgende Kräfte: Jungermeier Kilian, Oberknecht und Milchfahrer, 15 Mark pro Woche Eberl Johann, Schießer, 15 Mark Eberl Hansl, Chauffeur, 5 Mark Lallinger Karl, Knecht, 10 Mark Specker Viktoria, Köchin, 40 Mark Monatslohn Neumüller Sebastian, Schweizer, 15 Mark pro Woche Städele Georg, zuerst Lehrling, ab 1.7.42 Geselle, 4 Mark pro Woche, dann 8 Mark Sindlhauser Benedikt, Knecht, 10 Mark Ursula Lettner, Melkerin, 10 Mark Eberl Lisa, Ladnerin, ab 1.5.41 Chauffeur, 3 Mark pro Woche, später 4 Mark Eberl Josef, Schießer, 2 Mark, von 1939 bis 42 Eichner, Taglöhner, 6 Mark Waldherr Kilian, Taglöhner, zuerst 10 dann 12 Mark pro Woche ab 1.4. 42, Abeltshauser Maria, 15 Mark ab Jan. 43, Gleissl Barbara, Köchin, Monatslohn 60 Mark Ab August 42, Lautenbacher Hans, Schweizer, 10 Mark pro Woche Gleich zwei neue Lehrlinge gibt es ab Januar 1943; Josef Eberl und Josef Trischberger. Eberl Balthasar, Fahrer, 12 Mark, als Bäckermeister bekommt er ab 1944 pro Woche 20 Mark.

Die Pflichten, die die Nationalsozialisten der Bevölkerung aufbürden, bekommt auch die Bäckerei zu spüren. Lisi Heigl kommt als Landjahrmädel in die Bäckerei, Lehrling Trischberger muss im Dezember 1944 für fünf Tage nach Tölz zum Volkssturm. Josef Eberl wird am 11.10. 1944 zum Reichsarbeitsdienst beordert, am 3.12. kommt er zurück. Sechs Wochen später, am 18. Januar 1945, muss er einrücken. Zur Luftabwehr. Eine Neuerung wird extra vermerkt: Georg Eberl junior hat Ende 1942 die Bäckerei als Geschäftsführer übernommen. Zudem geht aus dem Verzeichnis hervor, dass er am 23. 5. 1944 zurückkehrt vom Dienst bei der Wehrmacht. Seine Ehefrau, gebürtig aus der Langau, wird ab 1. 4. 1946 als Geschäftsführerin verzeichnet. Urlaubszeiten waren damals schon geregelt, wie aus einem Zeitungsartikel vom Oktober 1942 zu entnehmen ist: Ein Lehrling hat in seiner Lehrzeit 4-maligen Urlaubsanspruch, zudem, wenn er unter 18 Jahre alt ist, Jugendurlaub. Der Urlaub beträgt für Jugendliche unter 16 Jahren 15 Werktage, für Jugendliche über 16 Jahren 12 Werktage. In roter Schrift ist im Dienstbotenbuch im Jahr 1945 vermerkt: „Am 2.5. Kriegsende.”


Der Umbruch Der zweite Weltkrieg (1939 -1945) ist eine Katastrophe, im Großen wie im Kleinen. Noch mehr Bichler als im 1.Weltkrieg lassen ihr Leben irgendwo auf den Schlachtfeldern in Europa und Afrika. Auch der 1918 geborene Bäckerssohn Michael Eberl, der eigentlich zum Nachfolger bestimmt war.

Bei den Kämpfen in der Eifel erleidet er im Januar 1945 tödliche Verletzungen durch Granatsplitter und wird auf dem Soldatenfriedhof Reiferscheid beigesetzt. Sein früher Tod hat Folgen für die Bäckerei. Das Anwesen Nr. 53 wird Anfang der 50-er Jahre aufgeteilt in Landwirtschaft und Bäckerei.


Zum Andenken Der zweite Weltkrieg fordert seinen Tribut: Die Ehrentafel in der Bichler St.Georgskirche erinnert an die Dorfbewohner, die eingezogen wurden.

Balthasar Eberl musste einr端cken. Verpflichtet wurden auch Johann Eberl und Josef Eberl.


Bichler Brot reist weit: Das Ausfahren Bis heute nimmt das Ausfahren einen wichtigen Platz ein. Wobei sich schon die ein oder andere interessante Geschichte ereignet hat. Der Klassiker ist natürlich: Kuchen oben auf dem Dach abgestellt und vergessen. Oder eine Fahrt in den Graben, kleine Blechschäden, und so mancher platte Reifen. Und welche Autowerkstatt hat schon frühmorgens um fünf Uhr geöffnet, um Reifen zu wechseln? Einfacher war es allerdings auch nicht, als Brot und Backwaren noch mit Ross und Wagen angeliefert werden, und das bis in die 1950-er Jahre. Balthasar Eberl, 1920 geboren, und eines der sieben Eberl-Kinder, ist ab1934 beim Ausfahren dabei, zu diesem Zeitpunkt noch mit Pferdewagen. Zwei Mal pro Woche fahren die Bichler ihre Waren nach Mürnsee, zur Reindlschmiede, nach Schönrain, Nantesbuch und Letten, ebenso in die andere Richtung, nach Kochel. „50 Mark hat der alte Fuchs damals gekostet”, sagt Balthasar Eberl. Aber die Pferde sind nicht immer arbeitswillig. Einmal verweigert ein Ross in Pessenbach den Dienst, es dreht sich um. Ein paar Handwerksburschen, die des Weges kommen, helfen dem Pferd wieder auf den richtigen Weg. Der Dank: Natürlich Brot. Anfang der 50-er Jahre gehört das Ausfahren mit Pferden endgültig der Vergangenheit an. Ein Auto der Marke DkwMeisterklasse tut nun den Dienst.

Während des zweiten Weltkrieges fällt Lisa eine wichtige Rolle zu: Wie so viele Frauen muss sie anpacken, da die Männer im Krieg sind. Alle fünf Brüder rücken ein, Lisa erhält die Sondererlaubnis, schon mit 16 Jahren den Führerschein zu machen und fährt ab diesem Zeitpunkt für die Bäckerei aus – bis heute. Ihre Pappenheimer – oder Kunden – lernt die Bäckerstochter schnell kennen. In Kiensee wurde viel gestohlen, erinnert sie sich, denn die armen Gutsarbeiter hatten nicht viel Geld. „Da ging hinten mehr raus, als vorne verkauft wurde.” Ab 1959 liefern die Bichler auch in die Jachenau. Mit einer Sondergenehmigung fährt Lisa über Sachenbach in die Jachenau. Im Winter gestaltet sich die Reise oft schwierig, da die Straße meist spät geräumt wird. Meist zwei Mal pro Woche treffen die Bichler Backwaren in der Jachenau ein, zunächst wird nur der Gasthof Post, später der Pfarrer fest beliefert, die Bauern kaufen nach Bedarf. Bis Anfang der 1980-er Jahre transportiert die Bäckerei Waren ins Jachental. Nach Penzberg liefert die Bäckerei heute noch. In den 1960-er Jahren sind es stolze 17 Geschäfte, die die Mitarbeiter regelmäßig ansteuern. Davon existiert heute keines mehr. Einen schönen Handel schließen die Eberl mit dem Penzberger Bäcker Fischer, als dieser seinen Betrieb aufgibt: Er überlässt der Bäckerei Eberl einige seiner großen Kunden. Die Gegenleistung: Auf zehn Jahre allwöchentlich fünf Semmeln und ein Pfund Brot.


Rohstoffe Brot haben die Bauern in der Gegend lange Zeit gegen Mehl eingetauscht. Roggen und Weizen wurden angebaut, oft jedoch nur von minderer Qualität. Die Landwirte gaben dem Bäcker das aus ihrem Getreide gewonnene Mehl, dafür erhielten sie Brot im Verhältnis eins zu eins, zuzüglich eines Entgelts fürs Backen. Mit dem Roggenbrot, das ein grünes Wapperl trug – das Mischbrot war rot gekennzeichnet – machten die Bäcker aber kein großes Geschäft. Es wurde geringschätzig als „Ochsenbrot”bezeichnet. Den Großteil ihres Mehls beziehen die Bichler Bäcker von der

Freisl-Mühle aus Sindelsdorf, von der Weidacher Mühle in Wolfratshausen oder der Rosenmühle aus Rosenheim und Landshut. Heute beliefern knapp zehn Mühlen die Bäckerei Eberl. Die Herkunft der Rohstoffe aus der Region spielt für die Kunden mittlerweile wieder eine große Rolle: Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach Unser-Land-Brot, für das Mehl aus der Region verwendet wird. Körner bezieht die Bäckerei von der Kunstmühle Off in Sindelsdorf, das Vollkornmehl wird in der Bäckerei frisch gemahlen.


Der Sohn Hans übernimmt die Landwirtschaft, die Bäckerei führt vorerst der älteste Sohn Georg. Doch es zieht ihn und seine Frau weg aus dem Ort, in dem seine Vorfahren schon seit Jahrhunderten ihren Beruf ausgeübt haben. Zunächst will Georg das Cafe Drexler in Kochel übernehmen, fast zur gleichen Zeit interessieren sich sein jüngerer Bruder Josef und seine Frau Anastasia, geborene Höck (Anwesen Krinnermüller) aus Benediktbeuern, für das Cafe Türk, ebenfalls in Kochel. Letztendlich geht Georg nach München, nachdem er fast zehn Jahre die Bäckerei in Bichl betrieben hat. Josef, der jüngste Sohn, und Anastasia Eberl übernehmen 1955 den Betrieb und müssen so gut wie von vorne anfangen. „Es war ja nichts mehr da”, erinnert sich Stasi Eberl.

Flüchtlinge und Heimatvertriebene siedeln sich in Bayern an, alle Orte wachsen schlagartig. Ein Blick in den Voralpenspiegel von 1949 – das damalige Branchenbuch – zeigt, welche Geschäftsvielfalt in Bichl herrscht: Charlotte Städler fertigt Hüte an, Schneidermeister und -meisterinnen wie Therese Murböck versprechen neue Kleidung, es gibt einen Zahnarzt, einen Schreibwarenladen, zwei Autowerkstätten, ein Uhrengeschäft und sogar ein Filmtheater im Gasthof Bayerischer Löwe. Und so präsentiert sich Bichl: „am Eingangstor zur herrlichen, das liebliche Loisachtal im Halbrund abschließenden Bergwelt. Eine ruhige und freundliche, besonders auch von Erholungsbedürftigen gern besuchte Sommerfrische.” Seit 1937 ist Bichl Fremdenverkehrsgemeinde. Ab 1951 gibt es ein eigenes Verkehrsbüro, und 1955 steigen die Übernachtungszahlen auf knapp 20.000 pro Jahr. Ja, die Leute verreisen wieder, und es wird wieder eingekauft, das Wirtschaftswunder belebt ganz Deutschland. Zwar müssen Josef und Anastasia Eberl auf gebrauchte Maschinen und die Hilfe der ganzen Familie zurückgreifen, doch der Einsatz lohnt sich. Vom ersten Tag an gibt es den kleinen Laden mit Theke, Regalen, das Reich von Stasi Eberl. Nach wie vor werden Schweine gemästet, auch die Kohlenhandlung besteht weiter. Ein Bäcker, ein Lehrling, die Schwester Lisa und ein Hausmädchen vervollständigen die Belegschaft. Mit der Kinderbetreuung helfen sich Lisa und Anastasia gegenseitig aus. Die vier Kinder von Sepp und Stasi Eberl - Josef, Hubert, Michael und Marianne - wachsen mitten im Betrieb auf. Lisa bäckt samstags die Krapfen, nach einem Rezept, das wohl schon hundert Jahre alt ist und das es heute noch gibt.

Beim Sonntagsspaziergang in der Bichler Raiffeisenstraße (von links): Marika Schmid (Cousine), Sepp junior, Anastasia, Hubert und Sepp Eberl.

Aber die Zeit ist günstig, um den Betrieb neu aufzubauen. Die harten Kriegs- und Nachkriegsjahre sind vorbei, vergangen auch die Zeiten des Brotverkaufs auf Marken, als sich lange Schlangen vor dem Laden im Hof bildeten, weil es nur alle zwei Stunden Brot gab.

Die Preise klingen verlockend für heutige Verhältnisse: Die Breze kostet 1955 fünf Pfennig, die Semmel drei Pfennig. Für ein Kilogramm Mischbrot müssen die Käufer 65 Pfennig auf den Ladentisch legen. Vor dem Krieg waren die Preise ähnlich, erinnert sich Stasi Eberl. Nur sind die Zukunftsaussichten Mitte der 50-er Jahre wesentlich besser. „Es ist von Anfang an gut gelaufen”, erzählt die Seniorchefin. „Mein Mann war neuzeitlich eingestellt, hat in München gelernt, und vieles mitgebracht.“ Torten sind begehrt – oft werden 17 Schwarzwälder Kirsch-


torten für einen Samstag bestellt. An einem Muttertag, erinnert sich Stasi Eberl, mussten die Konditoren sogar 100 Torten herstellen. Riesige Bleche Zwetschgendatschi werden in die Jachenau geliefert. Das bedeutet nächtelanges Arbeiten. Bruder Balthasar, der im Raudihof in Benediktbeuern lebt, wird oft nachts aus dem Bett geholt, zum Backen. „Die ganze Familie hat mitgearbeitet, sonst wäre es nicht gegangen”, erzählt Stasi Eberl. Die Belegschaft wird bald aufgestockt. Einer der ersten, die gleichzeitig zum Betrieb und zur Familie gehören, ist Anton Kochherr, besser bekannt unter dem Spitznamen Schnerer. Von 1958 bis 1981 hält er der Bäckerei die Treue.

sogar eine Rarität. „Es hat fast keine Bäcker mehr gegeben”, erinnert sich Stasi Eberl. Viele Jugoslawen kommen nach Deutschland auf der Suche nach Arbeit. Auch in Bichl landen einige. „Da haben wir schon was erlebt”, sagt Stasi Eberl. Denn die Angestellten wohnen oft mit im Haus und werden dort mitverpflegt. Schwer beeindruckt war eine Haushälterin vom Eberl’schen Haushalt: „Die sind so modern, die haben sogar ein Telefon im Bad”, sagt sie. Es war der Brausekopf. Aber es gibt auch unangenehmere Erlebnisse. Einer der Angestellten hatte schon Bekanntschaft mit dem Gefängnis gemacht, und konnte sich noch nicht ganz mit einem ordentlichen Lebenswandel anfreunden. Also heimlich den Anzug des Kollegen Schnerer ausgeliehen und eine Spritztour nach Tölz gemacht. Morgens um 4 Uhr stellt der Chef fest, dass der Lieferwagen kaputt in der Garage steht. Der betroffene Bäcker leugnet, aus Angst vor dem Zorn des Chefs. Die Affäre geht irgendwie vorüber. Und später bedankt sich der Mann bei der Familie dafür, dass sie etwas aus ihm gemacht hat.

Eine Fahrt ins Gefängnis

Gute Zeiten für einen Bäcker: Anton Kochherr, bekannt als Schnerer, mit drei Damen bei einem Ausflug, (von links) Stasi Eberl, Vroni Murböck, Lisa Schmid.

Sepp Schmid, Sohn von Lisa Schmid und heutiger Bürgermeister von Bichl, beginnt 1965 die Lehre im Betrieb seines Onkels und steht dort ebenfalls viele Jahre in der Backstube. Gute Handwerker werden in den 60-er Jahren, zu Zeiten der Vollbeschäftigung,

Ein Führerschein war in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg eine Seltenheit. Und wenn ihn jemand erwarb, dann waren es meist Männer. Elisabeth Schmid, besser bekannt als Tante Lisa sowie als Feuerwehr in allen Bäckerei-Notlagen, bildete eine Ausnahme. Da ihre fünf Brüder eingezogen wurden, durfte sie bereits mit 16 Jahren offiziell Auto fahren. „Das war überlebensnotwendig.“ Oft pressierte es, so auch bei der Hochzeit ihres älteren Bruders Georg 1946. „Ich sollte noch ein paar Frauen abholen, aber in Untersteinbach haben mich die Amis gestoppt.“ Die junge Frau war nach dem Geschmack der Amerikaner, damals Besatzungsmacht, zu flott gefahren und wurde prompt fest genommen. Die Soldaten brachten sie nach Bad Tölz ins Gefängnis, das sich im Gebäude der heutigen Stadtbücherei befand. Der Bichler Bürgermeister Georg Strobl musste Elisabeth am Nachmittag auslösen, und eine saftige Strafe kam oben drauf: 30 Mark. Geschwindigkeitsübertretung war also damals schon teuer. Und die Hochzeit hatte Elisabeth wegen der unfreiwilligen Exkursion ins Gefängnis größtenteils verpasst. Erst am Abend konnte sie am Fest teilnehmen.


Das Geschäft läuft weiter gut, und das zieht weitere Veränderungen nach sich. So erhält die Bäckerei 1963 endlich eine eigene Stromversorgung – bis dahin wurde der Betrieb über den Bauernhof mitversorgt. Bald darauf, 1966 bis 1967, bauen Sepp und Stasi Eberl um. Neben Semmeln, Brot, Brezen und Gebäck findet sich im Laden mittlerweile ein bunt gemischtes Warensortiment, von Sekt über Säfte und Liköre bis hin zu Knallpistolen –

wenn es die Jahreszeit erfordert. Die Nähe zum Kunden wird gepflegt, manchmal etwas rustikal. Ein Lehrmädchen sollte einmal einen Tortenboden aus dem Nebenraum holen. Sie wird fündig und schreit zu Stasi Eberl gut hörbar hinaus: „Chefin, es ist nur noch einer da, und den hat die Maus angefressen.” Es ist nicht überliefert, ob die Kundin dieses außergewöhnliche Backwerk erworben hat.


Die Steuben-Parade Ein Ausflug nach New York ist heutzutage eigentlich kein Wagnis mehr. Aber der Bäckerei Eberl ist die Reise 1979 zur Steubenparade fast zum Verhängnis geworden. Die Parade, die sowohl in Philadelphia als auch in New York stattfindet, erinnert an den preussischen General Friedrich Wilhelm von Steuben, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab 1777 für die Amerikaner gegen die Briten kämpfte. Die Paraden, die alljährlich am zweiten Septembersonntag stattfinden, feiern die deutschamerikanische Freundschaft und so kommen alljährlich deutsche Trachtenvereine, um an den Festzügen teilzunehmen. 1979 waren die Bichler dabei.

Alte Backstube vor dem Umzug 1987

Mit fatalen Folgen für die Bäckerei Eberl. „Es war beinahe unser Untergang“, sagt Sepp Eberl. Fast die ganze Belegschaft fuhr mit zur Steuben-Parade. Vertreter sollten in dieser Woche für einen reibungslosen Ablauf im Betrieb sorgen. Nicht bedacht hatten die Eberls dabei, dass es sich bei den Backexperten um Konkurrenten handelte. Während die Bichler sich im fernen New York vergnügten, ruinierten die vertretenden Bäcker die Semmel-Anlage. Und vom Putzen hielten sie auch nicht viel, der Boden muss flächendeckend verschmutzt gewesen sein. Seitdem hat kein weiterer Betriebsausflug nach New York stattgefunden.


Der ehemalige Troadstadel wurde zwar vollends umgebaut, doch für den zunehmenden Verkehr wurde die Durchfahrt bald zu eng.

Mit dem Umbau in den späten 60-er Jahren sind aber die Standort-Schwierigkeiten nicht gelöst. Denn der zunehmende Kunden- und Lieferverkehr muss den Kiesweg zwischen Bauernhof und Bäckerei nutzen, was immer wieder zu Engpässen führt. Auch der kleine Laden platzt aus allen Nähten und die zwei Stufen mitten durch die Backstube, fordern die Sportlichkeit der Mitarbeiter heraus. „Wir hatten da unten keine Zukunft mehr”, erzählt Stasi Eberl. Sie und ihr Mann nehmen das Wagnis auf sich und suchen nach einem neuen Standort – nach fast 400 Jahren Bäckerei im Anwesen Nr. 53.


Bitte einkaufen! Das Ladenteam in den 80-er Jahren (von links) mit Karin Eberl, Marianne Eberl, Anastasia Eberl, Christine Sch채tz und Barbara Pensberger.


Auf solche Schwestern kann sich Sepp Eberl getrost stützen: Über Jahrzehnte hinweg arbeiteten Lisa Schmid, Sepp Eberl und Maria Hofbauer zusammen.

Beim Hühnerrupfen unterhalten sich Elisabeth Geiger (oben) und Erwin Bürkle (Onkel Erwin) ganz gut, während Anton Kochherr (unten) sich auf die Rosetten konzentriert.

Feiern und Arbeiten: Den Hebauf für den Neubau 1982 feiern Helfer und Familie in der Backstube.


Der Neubau Die Chance ergibt sich, als ein Landwirt, der Kirchmoar, aus der Dorfmitte aussiedelt. Das Grundstück liegt direkt an der Ortsdurchfahrt, damals sowohl Bundesstraße 11 als auch 472. Um dem ständig wachsenden Verkehr gerecht zu werden, plant das Straßenbauamt Weilheim, die Bichler Ortsdurchfahrt auszubauen. Das alte landwirtschaftliche Anwesen und das benachbarte Haus der Familie Behm sollen weichen. Das ist die Gelegenheit für die Familie Eberl. Sie kauft 1978 das Kirchmoar-Anwesen vom Straßenbauamt. Es dauert noch einige Jahre, bis die Familie mit dem Neubau loslegen kann. Erst muss der Landwirt umsiedeln, das alte Gebäude abgerissen, ein Neues, wieder im Stil eines Bauernhofs, errichtet werden. Vier Jahre nach dem Grundstückskauf, im Sommer 1983, feiert der Betrieb die Eröffnung seines neuen Ladens direkt in der Ortsmitte an der Bundesstraße, weitaus verkehrsgünstiger gelegen und doch nur 200 Meter vom alten Standort entfernt. Das ist wichtig, weil die Backstube noch weitere vier Jahre im Anwesen Nr. 53 bleibt. Und wenn’s pressiert, tragen die Verkäuferinnen die Semmelkörbe übers Dr. Grundler-Gassl schnell von der Backstube ins Geschäft. Erst 1987, mit der Übergabe an den Junior Sepp Eberl

Der alte Kirchmoar-Hof vor dem Abriss.

zieht auch die Backstube um. Fünf Leute sind in der Backstube beschäftigt. Das Inventar wächst: Es gibt nun eine Semmelschleifmaschine, eine halbautomatische Brötchenmaschine, eine Sahnemaschine, eine Brezelstrangmaschine, eine Teigtiefkühlzelle und einen Etagenbackofen sowie vier Fahrzeuge. Ein großer Unterschied zum Maschinenbestand von 1955. Motor der neuen Bäckerei ist Sepp Eberl junior. Seit 1972 arbeitet er im elterlichen Betrieb mit, 1978 legt er seine Meisterprüfung im Bäckerhandwerk ab und unterrichtet anschließend bis 1988 an der Berufsschule in Bad Tölz. Den Konditormeister macht Sepp Eberl 1992. Wichtige familiäre Weichen stellt der Juniorchef 1982: Er heiratet Karin Reng, die als Fachverkäuferin unter anderem in Bad Tölz und Rottach-Egern gearbeitet hat. Zwei Kinder, Josef und Johanna, wachsen in der neuen Bäckerei auf. Gut 20 Jahre später steht schon die nächste Generation in den Startlöchern. Der 1982 geborene Josef Eberl hat 2005 dieMeisterprüfung im Konditorhandwerk bestanden, 2006 steht der Bäckermeister an. Die 13. Generation Eberl-Bäcker hat gerade das Laufen gelernt: Ein weiterer Josef Eberl wurde im November 2004 geboren, Sohn von Josef Eberl und seiner Frau Natascha, geb. Kreitmeier.

Das neue Geschäft kurz nach der Eröffnung. Die Ladentüre befindet sich noch nicht in der Mitte wie heute.

Im Nordteil des Neubaus ziehen die Raiffeisenbank und eine Arztpraxis ein.


Bei Dienstjubiläen sind die Eberls gut dabei. Das 25-jährige Dienstubiläum !988 von Elisabeth Geiger feiern Belegschaft und Familie - wobei eines das andere selten ausschließt - groß. Vorne sitzen Marianne, Karin und der kleine Sepp, stehend in der ersten Reihe Sepp Eberl sen., Marieluise Höck, Elisabeth Geiger, Anastasia Eberl, Lisa Schmid, Maria Höllensteiner, Erwin Bürkle, Annemarie Mair, Gertrud Reng, hintere Reihe Sepp Eberl jun., Karl Höck, Sepp Schmid, Wolfgang Auer, Barbara Pensberger, Hubert Eberl, Georg Müller, Erna Filgertshofer, Michael Eberl, Michael Eberl („Hauser Miche“), Karl Mehlstäubl, Rosa Behm.


Ein Familienbild vom Hefelieferanten. Dem wollte Sepp Eberl wegen schlechter Qualität kündigen, woraufhin dieser noch mal zur Erinnerung ein Familienfoto schießen wollte. Ein paar Wochen später schickte der in Ungnade gefallene Lieferant das Foto zu – und er durfte weiter Hefe bringen. Von links: Sepp Eberl senior, Anastasia, Karin, Johanna und Sepp Eberl junior, vorne der jüngste Sepp.

Drei Mal Sepp Eberl auf einem Bild: Sepp Eberl junior, Karin Eberl, Elisabeth Geiger, Sepp Eberl senior und Anastasia Eberl, vorne der damals allerjüngste Sepp Eberl.


Eine moderne Bäckerei In fünfzig Jahren hat sich viel verändert. Zwei Sorten Brot gab es früher, heute können die Käufer täglich aus 20 frisch gebackenen Sorten ihr Lieblingsbrot aussuchen. Die Auswahl an Kleingebäck lässt viele Kunden lange ratlos dastehen, locken doch 30 Sorten in der Auslage. Früher waren es nur sieben. Dabei ist auch die Ernährung gewissen Moden unterworfen, wie Karin Eberl festgestellt hat. Etwa alle fünf Jahre gibt es einen neuen Renner. Momentan steht kohlenhydratarmes Brot bei ernährungsbewussten Kunden ganz oben auf der Hitliste. Vollkornprodukte haben sich aus der Öko-Nische befreit und stehen nun auf dem Speisezettel vieler Käufer: Vollkornsemmeln und Co machen mittlerweile 30 Prozent aus, Brezen nur noch 40 und ganz normale Semmeln aus weißem Mehl 30 Prozent. Einen guten Teil des Sortiments hat der Chef selbst entwickelt. Zum Beispiel das komplette Körnersortiment, Hafer-, Mais- und Dinkelsemmeln oder die Doppelte Mehrkornsemmel. Auf Basis des ebenfalls selbst kreierten Kartoffelbrots dachte sich Sepp Eberl auch das Basenbrot aus, das über die Alpen-Pharma in Penzberg bundesweit beworben wird. Als großer Renner hat sich der achtpfündige Natursauerlaib erwiesen, der seit 1994 angeboten wird. Länger im Ofen gebackken, hat dieser Laib den Brotumsatz um rund 100 Prozent gesteigert. Von manchen Errungenschaften der modernen Zeit ist Eberl

Qualität verdient Auszeichnungen: Seit Jahren lässt Sepp Eberl seinen Betrieb auf Umweltfreundlichkeit nach den Regeln des Siegels EMAS II überprüfen. Christian Fersch von der Handwerkskammer Oberbayern würdigt Sepp und Karin Eberl für ihr Engagement im betrieblichen Umweltschutz. (Dez.2005)

wieder abgekommen, zum Beispiel von Zusatzstoffen. Aber das erhöht den Rohstoffeinsatz und ändert die Arbeitsweise. Weniger Hefe verleiht dem Backwerk zwar mehr Aroma, doch die Teigführung dauert länger. Überhaupt unterscheiden sich die Arbeitsabläufe stark von der noch vor gut 50 Jahren üblichen Planung. Die selbst gemachten Teiglinge werden jetzt am Vortag geformt und in die Kühlung gesteckt. „Da arbeitet man am Tag vorher”, sagt Sepp Eberl. Die Kühlung benötigt derzeit ein Fünffaches der Ofenfläche, ein Verhältnis, das vor Jahrzehnten noch undenkbar schien. Die Qualität kostet also, zu sparen versucht Sepp Eberl auf einem anderen Gebiet: Energie.

Qualität geht vor: EMAS-Zertifizierung Seit sechs Jahren arbeitet der Betrieb an der Zertifizierung EMAS II, die betrieblichen Umweltschutz garantiert. Sepp Eberl hat sich damit ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Ich will den Beweis bringen, dass es sich rentiert, auf die Umwelt zu achten.” Dies bedeutet, dass nicht nur der Weg der Rohstoffe in die Bäckerei absolut transparent sein muss, es heißt auch, Emissionen, Lärm, Abgase, Abwasser und Müll zu reduzieren, Hygiene- und Reinigungspläne aufzustellen.

Bei solch treuen Arbeitnehmern wird er noch viele Blumensträuße überreichen müssen: Für zehnjährige Treue zum Betrieb lobten Sepp und Karin Eberl die Mitarbeiterinnen Barbara Doll, Monika Strobl und Maria Eberl (v.li.) im Dezember 2005.

Gratulation im Hamburger Rathaus: Am 21.9. 1989 erhalten Karin und Sepp Eberl eine Urkunde für gelungene Gewerbeneubauten.


Welch ein Unterschied zur Backstube aus den 50-er Jahren: Große Arbeitsflächen, Öfen und Teigrührmaschinen bestimmen den Arbeitsraum. Frisch gebackene Brezen, Laugensemmeln und Brezenstangen beweisen, dass die Mitarbeiter und die Öfen sauber gearbeitet haben.


Zu den Anforderungen gehört es, regelmäßig die Mitarbeiter zu schulen, die Schulungen zu dokumentieren und kontinuierlich an der Energiebilanz zu arbeiten. Die Energie fürs Haus gewinnt die Bäckerei mittlerweile aus Rapsöl, auch eines der Fahrzeuge ist bereits auf Betrieb mit Rapsöl umgerüstet. Heute kann Sepp Eberl angesichts der stark steigenden Ölpreise darüber nur froh sein: „Aber vor zwei Jahren haben sie mich belächelt.” Ein weiteres Abfallprodukt ist ihm seit kurzem von Nutzen: Altes Fett. Damit wird ein weiteres Fahrzeug der Bäckerei betrieben.

Der Einsatz lohnt sich. Während in vielen kleinen und mittelgroßen Orten Geschäfte und Handwerksbetriebe schließen, floriert die Bäckerei in Bichl. Zwar gibt es die Filiale in Habach – die lange Jahre von der Bichler Bäckerei beliefert wurde, nicht mehr, aber die frischen Waren gehen täglich in die Filiale im Benediktbeurer Neukauf-Markt und nach Penzberg. Zwölf Leute sorgen in der Backstube für genügend Nachschub, insgesamt 20 Verkäuferinnen kümmern sich montags bis samstags um die Kunden.

Schlagkräftige Belegschaft am Tag vor dem Auszug aus der alten Backstube: (hinten v.li.) Sepp Eberl, Andreas Buchwieser, Willi Koritnik, Wolfgang Auer, Konditorin Heike, Elisabeth Geiger, (vorne v.li.) Balthasar Eberl, Lisa Schmid, Karin Eberl, Seppi, Sepp Eberl sen., Anastasia Eberl, Marianne Eberl, Maria Hofbauer.


In der Bäckerei Eberl ausgebildete Lehrlinge Der Ort Bichl ist weiter gewachsen, rund 2000 Einwohner zählt die Gemeinde mittlerweile. Eine wachsende Einwohnerzahl ist aber nicht unbedingt Garant für das Überleben eines Betriebes, wie das Beispiel Penzberg zeigt: Von den einst 17 Geschäften, die die Bichler Bäckerei in Penzberg belieferte, existiert heute keines mehr. Die Bäckerei Eberl gibt es immer noch, sie wurde laufend modernisiert, es wird auf Qualität gesetzt, und trotz der Expansion ist sie ein Familienbetrieb mit familiärer Atmosphäre geblieben. Lisa Schmid ist immer noch aktiv, fährt aus und formt für die 2000 Einwohner die schönsten kapitalen Hirsche beim Nikolausbrot-Backen. Selbst die Senior-Chefin Anastasia bleibt ihren alten Gewohnheiten treu: Jeden zweiten Tag geht sie zum Arbeiten in die Bäckerei, morgens um 5 Uhr. Dabei ist ja für die 13.Generation Bäcker-Eberl schon gesorgt. Gute Aussichten für die nächsten Jahrzehnte.

Bäckerei/Konditorei: Wolfgang Mangold Walter Lang Sepp Schmid Hans Schöffmann Franz Höcherl Hans Wolf Josef Eberl jun. Andreas Buchwieser Willi Koritnik Gabi Mair Andreas Kreichgauer Vera Grimm Michael Niesner

Wolfgang Fetschele Stefan Wolf Florian Pechatz Benjamin Endres Josef Eberl jun.jun. Alexander Mürnseer Ralf Schachner Reinhold Bierbichler Daniela Zerluth Klaus Metzger Katharina Teufel Daniel Erl Anastasia Frey

Verkauf Annelies Wolf Christine Schätz Barbara Pensberger Barbara Doll Andrea Walter

Margit Maierthaler Edith Heigl Elisabeth Mühlhans Karola Öttl Jasmin Weitl

Der beste Beweis für gelungenes Backwerk sind in der Regel die Warteschlangen vor der Bäckerei an einem Samstagmorgen. Die Bäckerei Josef Eberl in Bichl hat noch eine ganze Reihe weitere Belege dafür, dass sie feine Sachen produziert: Zahlreiche Urkunden. In den vergangenen 20 Jahren erhielt der Bichler Beck bei der Freiwilligen Qualitätsprüfung des Bäckerhandwerks 33 Mal das Prädikat „Sehr gut“ (Gold) sowie 44 Mal die Auszeichnung „Gut“ (Silber). Im Juni 2006 gab es unter anderem Gold für Mischbrot, Bauernbrot und Haferbrot. Als Jahresbestmeister wurde Josef Eberl für das Konditoren-Handwerk 1992 von der Handwerkskammer München und Oberbayern ausgezeichnet. Die Urkunde überreichte der damalige bayerische Umweltminister Thomas Goppel persönlich. Gewürdigt wird auch Eberls Einsatz für umweltfreundliches Arbeiten. Die Bäckerei ist bis 2010 Teilnehmer am „Umweltpakt Bayern“ und verpflichtet sich damit freiwillig, Ressourcen zu schonen. Noch viel weitergehende Verpflichtungen zu Gunsten der Umwelt nahm die Bäckerei mit der „EMAS-Zertifizierung“ auf sich. Damit werden beispielsweise Wasser- und Energieverbrauch oder Arbeitsabläufe einer genauen Prüfung unterzogen.


Kleine und große Katastrophen Wo viel gearbeitet wird, werden Fehler gemacht. Kleine und große Fehler, über die gleich, ein bisschen später oder erst sehr viel später gelacht wird. Dass er es mit den Vorboten einer Katastrophe zu tun hatte, war Sepp Eberl Anfang August 2004 nicht bewusst, als er in den Backofen blickte. Die 100 Kilogramm Mischbrot waren nicht nur schnell gegangen, sondern bräunten rasant im Ofen. „Das war nicht ganz so normal.” Und dann blieben 150 Kilogramm Bauernbrot flach, was den Bäckermeister an schlechten Roggen denken ließ. Weitere 250 Kilogramm Brot wuchsen nicht in die Höhe, ganz zu schweigen von 1000 Semmeln, 500 Krusti und 200 Franzosen, mit denen auch irgendetwas nicht stimmte. Endlich kam Sepp Eberl auf die Idee, das Backwerk zu kosten. Es schmeckte eigenartig, und die Ursache war schnell gefunden. Zucker statt Salz war drin – weil der Junior in den falschen Topf gegriffen hatte. Der Super-Gau eines Bäckers, und das ausgerechnet vor dem Bichler Großereignis, dem Ochsenrennen. Wie die Stimmung in der Backstube war, weiß man nicht mehr, aber sicher ist, dass beim Ochsenrennen kein Besucher Hunger leiden musste. Der frühe Morgen hat es offenbar in sich. Voller Elan strebte eines Tages ein langjähriger Mitarbeiter in den Zwischenraum zwischen Backstube und Laden. Es muss ihm vorgekommen sein, als wandle er noch auf Traumwolken, so weich marschierte er durch fünf Zwetschgendatschi hindurch. Ob der Unglücksrabe alle Datschi alleine aufessen musste, ist wieder einmal nicht überliefert. Schlimmere Folgen hatten mehrere Brände. Einen Brand verursachte ein Mehllieferant vor einigen Jahren, als er seine Zigarettenkippe in der Mehlkammer austrat, und damit das Lager in Brand setzte. Einen weiteren Brand bemerkte Sepp Eberl selbst vor rund zehn Jahren. Gegen Mitternacht stieg ihm ein übler Gestank in die Nase. Als er in die Backstube kam, entdeckte er überall auf den Arbeitsflächen Ruß. Der Übeltäter befand sich aber im Keller: Im Kühlschrank hatte sich ein Kabel entzündet. Unglücklicherweise befand sich in dem Kühlschrank eine vorbestellte Hochzeitstorte. Optisch noch intakt, geschmacklich nicht mehr vermittelbar.

Ein weiterer Kabelbrand verursachte am Heiligabend 2003 großen Schaden. Gegen 2.30 Uhr stellte Elisabeth Geiger, Tochter von Lisa Schmid und Stütze im Geschäft, fest, dass im Laden etwas nicht stimmte. Es stellte sich heraus, dass alle Zuleitungen zum Laden zusammengeschmort waren. Eine schöne Bescherung. Das Gute an der Sache: Das Weihnachtsgeschäft war schon erledigt. Vielleicht sollte man es mit den Worten von Stasi Eberl sagen:

„Erlebt haben wir schon was.”


Kleine Nachlese


Maria Eberl, Isabell Schönecker, Sabine Wagner, Elisabeth Menzel, Irmgard Bandner, Elisabeth Schweiger, Brigitte Schmid, Hannelore Schmid, Inge Bürding, Christl Schmid, Monika Strobl,(hinten v.li.) Uschi Pöld, Lisa Schmid, Barbara Doll, Fanny Hohenleitner, Elisabeth Geiger, Klaus Metzger, Katharina Teufel, (Mitte v.li.) Josef u.Natascha Eberl, Anastasia Eberl,Karin u. Josef Eberl sen., (vorne v.li.) Frühjahr 2006


Daniel Erl, Johanna Winter, Antonia Kugler, Petra Schwab, Andrea Walter, Erika Peschl, Dieter Sch端tz, Josef Eberl, (hinten v.li.) Anastasia Frey, Wolfgang Auer, Willi Koritnik, Wolfgang Schilcher, Alexander M端rnseer,(vorne v.li.) (nicht im Bild, Sepp Filgertshofer) Fr端hjahr 2006


IMPRESSUM: Herausgeber: Josef Eberl Text: Johanna Pfund, Bad Tรถlz Layout/Grafik: Erwin Beier, Bichl Druck: RieรŸ Druck- und Verlags-GmbH Benediktbeuern Quellen: Familienarchiv von P. Karl Mindera, Kloster Benediktbeuern Stadtarchiv Bad Tรถlz


Chronik der Traditionsbäckerei EBERL  
Chronik der Traditionsbäckerei EBERL  

Die Traditionsbäckerei EBERL in Bichl ist bekannt als “Beck vo’ Biche” und die Nachfolge ist mit Josef Eberl jun. in die 15. Generation getr...

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