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Ein „Schatz“ an Unternehmen Grußwort von Christoph Nold, Geschäftsführer der IHK Esslingen­Nürtingen

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ehr geehrte Leser und Leserinnen des ECHO

20, 50 oder 75 Jahre, das sind Zeiträume, die wir als Menschen überblicken. Für diejenigen, die heute geboren werden, gehören statistisch bald auch 100 Jahre zur Normalität. Das gilt für die Menschen – bei den Unternehmen wird es nicht zur Regel werden. Hier sind solche Jahreszahlen etwas Besonderes. Warum ist das so? Viele Geschäftsideen und Gründungen überdauern die ersten ein bis drei Jahre nicht. Und damit verschwindet zumeist auch ein Unternehmen, eine Idee wieder vom Markt. Auch wer die ersten harten Jahre überstanden hat, kann sich anschließend nicht darauf verlassen, dass er beziehungsweise sein Produkt dauerhaft am Markt nachgefragt wird. Unternehmerisch han-

deln heißt, Entscheidungen auf der Basis unvollständiger Informationen zu treffen und damit Risiken einzugehen. Unternehmen sind dann erfolgreich, wenn in der Summe mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen werden. Dazu gehört Können, aber natürlich auch das notwendige Quäntchen Glück, um beispielsweise zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das alles sind Gründe, warum ein Traditionsunternehmen etwas Besonderes ist. Wir müssen uns klar machen, was es bedeutet, 100 Jahre am Markt zu überstehen: das bedeutet, zwei Weltkriege, etliche Wirtschaftskrisen, Währungen, Inflationen und Staatsformen miterlebt zu haben und sich immer wieder neu an die Gegebenheiten und Kundenwünsche angepasst zu haben. Und dabei den Kern und die Wertetradition des Unternehmens

zu bewahren. Wenn das gelingt, dann haben die Verantwortlichen vieles richtig gemacht und dürfen zu Recht stolz auf ihre Unternehmensgeschichte sein. Es freut mich, dass wir hier in der Region Stuttgart ganz besonders viele dieser Unternehmen haben, die vieles richtig gemacht haben. Etliche davon sind Familienunternehmen – große und kleine – die über drei, vier und noch mehr Generationen hinweg erfolgreich agieren. Der Blick nach vorne, eine langfristige Ausrichtung, das gehört bei vielen dieser Unternehmen zur Grund-DNA, die diese Region so erfolgreich macht. Dieser langfristige Ansatz unterscheidet uns beispielsweise auch von der in den USA sehr verbreiteten Philosophie, aus einer Geschäftsidee möglichst rasch mit Investorengeldern zu wachsen

Christoph Nold.

Foto: IHK

und dann das Unternehmen zu verkaufen. Im Landkreis Esslingen gab es dieses Jahr sogar ein Unternehmen, eine Apotheke, um genauer zu sein, die sogar auf eine 500-jäh-

rige Unternehmensgeschichte zurückblicken kann. Hier liegen die unternehmerischen Wurzeln sprichwörtlich im Mittelalter. Wer sich das klar macht, weiß, welchen „Schatz“ an Unternehmen wir in dieser Region hüten. Wir als IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen unterstützen die Unternehmen auf diesem Weg und arbeiten dafür, dass es der Wirtschaft und damit auch den Menschen in der Region gut geht, nicht nur heute, sondern auch morgen. Damit es weiterhin Traditionsunternehmen mit beeindruckenden Jubiläen gibt. Viel Spaß mit dieser Sonderausgabe wünscht Ihnen Christoph Nold Geschäftsführer der IHK EsslingenNürtingen

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Zeit zu starten – mit einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK Die Branche boomt: Im vergangenen Jahr haben die Fachbetriebe des Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerks (SHK) rund eine halbe Million Bäder und Heizungen saniert. Ob die Steigerung der Energieeffizienz in unseren Häusern, altersgerechte Sanitäreinrichtungen oder mehr Lebensqualität im Bad – die Herausforderungen im SHK-Handwerk sind interessant und vielfältig: Für den Einstieg in diese Zukunftsbranche bieten die rund 150 Innungsbetriebe der SHK-Innung EsslingenNürtingen attraktive Ausbildungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungsund Klimatechnik. Von der Trinkwasserinstallation bis zur Heiztechnik, von indus-

triellen Anlagen bis zu Solarthermie, von Energie-effizienz bis Komfort umfasst das Berufsbild alles, was mit der Sanitär- und Heizungsinstallation im Wohnhaus sowie in öffentlichen oder gewerblichen Bauten zu tun hat. Gefragt sind vor allem technisches Fachwissen, handwerkliches Können, aber auch Kreativität und planerisches Geschick. Wer sich für den Berufseinstieg als Anlagenmechaniker entscheidet, sollte zudem teamfähig sein und Spaß am Umgang mit Menschen mitbringen. Um erste Einblicke in den Beruf zu erhalten, ist ein Praktikum ideal. Die SHKInnung Esslingen-Nürtingen (www.shk-esnt.de) hilft gerne weiter. Ausführliche Informationen stehen auch auf der Kampagnenwebseite www.zeitzustarten.de bereit.

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Tradition DIE BUNDESWEITE AUSBILDUNGS-INITIATIVE FÜR DAS SHK-HANDWERK

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SHK-Innung

Sanitär Heizung Klemp r ! Esslingen-Nürtingen

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Oft ist es der Zufall, der eine Entwicklung anschiebt. Wie bei Gustav Scherrieble, der im Jahr 1931 als Fahrer keinen Lohn mehr bekam. Er übernahm stattdessen den LKW und war von einem auf den anderen Tag Unternehmer. Was mit einem LKW begann wurde Dank der Zufriedenheit der Kunden zur Erfolgsgeschichte. Aus einem LKW wurden mehrere, das Geschäftsfeld Transport wurde um die Bereiche Binnenschifffahrt, Erdbau / Abbruch, Baustoffhandel und Entsorgung und Recycling stetig erweitert. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Anforderungen an die Unternehmen. In den 1980er Jahren wurde das Unternehmen auf die Bereiche Rohstoffge-

winnung, Sortierung von Abfällen und Aufbereitung von Sekundärrohstoffen ausgerichtet. 1987 kam eine der ersten Sortieranlagen im Landkreis dazu, weitere Standorte folgten. Inzwischen beschäftigt die Unternehmensgruppe an 4 Standorten in Süddeutschland über 250 Mitarbeiter. In Esslingen trifft man die Fahrzeugflotte mit neuester Technik täglich bei der Entsorgung von Haus- und Biomüll oder Industrie- und Gewerbeabfällen.

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Karl Scharpf, der Grossvater des heutigen Geschäftsführers Daniel Scharpf, gründete 1945 mit seiner Frau Elisabeth den Installationsbetrieb. Sein Motto - Nur Qualitätsarbeit macht erfolgreich - wird bis heute gelebt. Im Jahr 1954 sind bereits 10 Mitarbeiter „in Lohn und Brot“ bei Karl Scharpf. 1963 beginnt sein Sohn Manfred Scharpf die Lehre im väterlichen Betrieb und absolviert anschließend das Studium im Bereich Versorgungstechnik. Ein lang geplantes Ziel wird im Jahr 1966 mit dem Umzug in die Franziskanergasse 7 in Esslingen erreicht. Das Firmengelände ist größer, 19 Mitarbeiter sind inzwischen beschäftigt. 1972 tritt Manfred Scharpf nach absolviertem Studium in das Unternehmen ein. Als 1983 der Firmengründer stirbt, übernimmt Manfred Scharpf die alleinige Geschäftsleitung. Das Vermächtnis des Vaters: Erfolg, auf Basis meisterhafter Arbeit sowie ein grundsolides und weiter wachsendes Unternehmen. Bis 1995 bleibt die Betriebsstätte in der Franziskanergasse. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums wird dann in der Fritz-Müller-Straße eine neue Bäderausstellung eröffnet, die von Ingeborg und Manfred Scharpf bis ins kleinste Detail geplant wurde. Das Haus fürs Bad wird ein-

geweiht. In den 300 m² großen Ausstellungsräumen können sich Kunden ausführlich informieren und beraten lassen. Der Raum für Werkstatt und Lager wurde erweitert. Mehr Platz für Büroräume steht zur Verfügung. Inzwischen ist auch die Mitarbeiterzahl auf 40 angestiegen. Im Jahr 2005 sind Erneuerbare Energien wichtiger denn je. Die Firma nimmt eine 18 kWp PVAnlage auf dem Firmendach in Betrieb. Kunden finden hier alles rund um Planung, Energie, Gebäudesanierung, Photovolatik, Solarthermie, Wärmepumpentechnik und Biomasseheizung. 2009 tritt Daniel Scharpf als Geschäftsführer in die Firma ein. Nach seiner Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur absolvierte er ein Studium der Versorgungstechnik/Gebäudetechnik mit dem Abschluss Dipl.Ing. (FH) und M. Eng. Heute gehören ca. 50 festangestellte Mitarbeiter zum Team.


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„Durch Kontinuität eine sichere Zukunft“ Interview mit dem Historiker Rainer Lächele über die Rolle und das Selbstverständnis von Traditionsunternehmen

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elche Rolle spielen Traditionsunternehmen in einer so wirtschaftsstarken Region wie Stuttgart? Was zeichnet solche Betriebe aus? Rainer Lächele, Historiker und Gründer des Unternehmens „Die Firmenhistoriker“ mit Sitz in Aalen, weiß auf diese und weitere Fragen spannende Antworten.

Kann Tradition in Unternehmen auch ein Hindernis sein, etwa auf dem Weg der Digitalisierung? Lächele: Tradition bedeutet nicht, dass man sich ausschließlich auf die Vergangenheit und die Pflege der Tradition konzentriert, sondern vielmehr durch Kontinuität eine sichere Zukunft schafft. Familienunternehmen haben, wie andere Unternehmen auch, schon in der Vergangenheit ähnliche Herausforderungen wie die Digitalisierung meistern müssen. Beispiele sind natürlich hier die Einführung der EDV oder noch früher die Einführung der Schreibmaschine.

Wann erreicht eine Firma nach Ihrer Defi­ nition den Status eines Traditionsunter­ nehmens? Lächele: Das ist letztlich die Frage nach dem Beginn einer Tradition. Nach meiner Erfahrung beginnt ein Unternehmen dann ein Traditionsunternehmen zu sein, wenn die zweite Generation ans Ruder kommt. Aus einer anderen Perspektive könnte Tradition beginnen, wenn kein Mitarbeitender im Unternehmen mehr persönlich die Anfänge der Firma erlebt hat und somit es an der Zeit ist, die historischen Erfahrungen zu sichern – etwa durch den Aufbau eines Archivs oder die Befragung von Zeitzeugen. Welche Bedeutung haben alteingesesse­ ne Firmen für die Wirtschaftsregion Stuttgart? Lächele: Das lässt sich relativ einfach beantworten, wenn man nur einige Namen nennt: große und mitarbeiterstarke wie MercedesBenz, Bosch und Mann + Hummel, aber auch kleinere Unternehmen wie das Hammerwerk Karl Wimpff, das den ersten Wagen für Gottlieb Daimler fertigte. Sie alle prägen zusammen die Wirtschaftsregion Stuttgart. Schließlich bieten sie seit vielen Dekaden Arbeit für die Menschen der Region und damit auch ein großes Maß an Sicherheit und Identität. Lässt sich Tradition vor allem mit fami­ liengeführten Unternehmen in Verbin­ dung bringen? Lächele: Ja, Tradition ist ein wichtiges Merkmal der familiengeführten Unternehmen. Wir spüren das als historische Dienstleister bei vielen dieser Firmen. Da sitzt uns nicht selten der Enkel des Gründers gegenüber und fragt uns, wie der Großvater in der Zeit des Nationalsozialismus gehandelt hat. Positiv gewendet sind in familiengeführten Unternehmen historisch gewachsene Verlässlichkeit und Qualitätsbewusstsein besonders stark zu spüren. Aber auch unsere Kunden unter den Versorgungsunternehmen – beispielsweise auch die Stadtwerke Esslingen – besitzen ein großes historisches Selbstverständnis. Da gibt es etwa den Wassermeister, dessen Vater und Großvater schon diesen Beruf ausgeübt haben. Ist Wirtschaftstradition mittelständisch geprägt, sind darunter auch etliche Kon­

Blick in die Fertigungshalle der Maschinenfabrik Esslingen (ME) in Mettingen im Jahr 1922. Auch die Tradition des Eisenbahn­ baus begründete den Status Esslingens als am stärksten industrialisierte Stadt Württembergs im 19. Jahrhundert. Allerdings ist schon vor Jahrzehnten die letzte Lok aus den ME­Werkshallen gerollt. Heute haben insbesondere Mittelständler und Foto: Wirtschaftsarchiv Baden­Württemberg Handwerksunternehmen eine besondere Affinität zur Tradition. zerne zu finden oder sind es vor allem die kleinen Handwerksbetriebe? Lächele: Konzerne tun sich allein angesichts ihrer Größe schwerer mit der Tradition, wiewohl es auch da Ausnahmen gibt – Mercedes-Benz habe ich bereits erwähnt. Aber Sie haben Recht: Mittelständler und Handwerksunternehmen haben von jeher eine besondere Affinität zur Tradition. Das bedeutet, dass sie der Tradition auch in ihrem Markenauftritt und in ihrer Werbung eine wichtige Rolle einräumen. Lassen sich bei solchen Firmen Branchen­ schwerpunkte erkennen, etwa beim pro­ duzierenden Gewerbe? Und hat sich bei den Branchen­Schwerpunkten im Laufe der Zeit, von Jahrhunderten, ein Wandel vollzogen? Lächele: Wenn ich unsere Kunden vor dem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, erkenne ich keine Branchenschwerpunkte. Anders gesagt: Wir arbeiten für ein Unternehmen der Altenhilfe ebenso wie für einen Farbenhersteller, einen Finanzdienstleister oder eine große Kreissparkasse. Gab es in Ihrer Arbeit als Firmenhistoriker eine Geschichte, die Sie als ganz beson­ ders prägend oder berührend empfunden haben? Lächele: Jedes Unternehmen hat seine eigene, ganz besondere Geschichte, seine eigenen emotionalen Momente und prägende Ereignisse. Eine Festlegung fällt nicht allzu leicht. Mich persönlich

hat besonders das Jubiläum der Papierfabrik Unterkochen im Jahr 2013 berührt: Nur ganz selten gelingt es einer Firma, 400 Jahre lang fast ohne Unterbrechung zu produzieren und den langen Weg von einer fürstlichen Papiermühle zu einem in schwedischen Besitz befindlichen Hightech-Unternehmen zu gehen. Auch der Landkreis Esslingen gilt als Hightech­Standort. Warum hat sich gera­ de hier diese Stärke entwickelt? Lächele: Für den Landkreis Esslingen gilt, was man allgemein für Zur Person Rainer Lächele, Jahrgang 1961, recherchiert und publiziert seit mehr als 25 Jahren historische The­ men. Nachdem er in Tübingen und Gießen Geschichte, Evangelische Theologie und Politikwissenschaf­ ten studiert, promoviert und habili­ tiert hat, war Lächele ein Jahrzehnt in Forschung und Lehre tätig. Im Jahr 2001 machte sich der gebürtige Aalener als freier Historiker in seiner Heimatstadt selbstständig. Erste Kunden der „Firmenhistoriker“ waren öffentliche Versorger, Alten­ hilfeunternehmen und klassische schwäbische Mittelständler. Die Fir­ ma wuchs, heute zählt sie rund 15 Mitarbeiter. Seit dem Jahr 2009 ist der Firmensitz im Gebäude der ältesten Brauerei Ost­Württem­ bergs, dem Aalener Löwenbräu.

Baden-Württemberg sagen kann: Der Mangel an Rohstoffen und die schlechte Anbindung an das Straßennetz, auf der anderen Seite aber Fleiß, Beharrlichkeit und Erfindergeist haben dem Hightech-Standort den Weg bereitet. Man darf nicht vergessen, dass Esslingen schon im 19. Jahrhundert die am stärksten industrialisierte Stadt Württembergs war, wozu nicht zuletzt auch der Eisenbahnbau beigetragen hat. Darauf basiert sicher auch der Erfolg von Esslinger Unternehmen wie Eberspächer, Festo und den Index-Werken. Mittlerweile gehören die „Firmen­ historiker“ nach eigenen Angaben zu den fünf großen Geschichtsagen­ turen in Deutschland. Sie machen sich auf Spurensuche von Unterneh­ men, arbeiten deren Geschichte auf, erstellen Festschriften, organi­ sieren Jubiläumsveranstaltungen, verfassen Bücher, führen Interviews mit Zeitzeugen und „nutzen ver­ staubte Akten für effektives History Marketing“, wie es auf der Firmen­ Homepage heißt. Es werden aber auch Ortsgeschichten erzählt. Und alles wird bei Bedarf mutimedial aufbe­ reitet. „Es fasziniert mich noch immer herauszu­ finden, warum die Dinge heute so sind wie sie sind“, sagt Rai­ ner Lächele.

Wenn wir nun auf familiengeführte Traditi­ onsunternehmen schauen: Wie groß ist dort das Problem mit der Nachfolgeregelung? Lächele: Wir beobachten, dass sich insbesondere in den Familienunternehmen die Frage nach der Nachfolge in jeder Generation wieder aufs Neue stellt. Insofern stellt der von uns untersuchte Umgang mit diesen Fragen in früheren Zeiten für unsere Kunden einen echten Erkenntnisgewinn dar.

Und wie lässt sich Tradition in Wirt­ schaftsunternehmen pflegen? Kann die­ se auch ein Marketing­/Vertriebsinstru­ ment sein? Lächele: Tradition schafft Vertrauen. Im Normalfall vertraut man eher einem Produkt, das sich auf dem Markt etabliert hat und nicht erst seit gestern zu haben ist. Vielleicht haben die eigenen Eltern oder Großeltern schon diesem Produkt vertraut. Diese positive Einstellung lässt sich mit der eigenen langjährigen Geschichte verstärken. Insofern sehen wir unsere Aufgabe als Historiker, nicht nur unbestechlich die Vergangenheit zu recherchieren, sondern unseren Kunden auch gute Argumente für das „History Marketing“ zu liefern. ch


MOSOLF – vom Spediteur zum Systemdienstleister MOSOLF steht für Mobilität. Der aus dem brandenburgischen Wittstock an der Dosse stam­ menden Unternehmerfamilie liegt die Bewegung einfach im Blut. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten die Mosolfs auf Motorkraft. Als dann in den Wirtschaftswunderjahren der Traum vom eigenen Auto für immer mehr Deutsche wahr wurde, erkannte der Visionär Horst Mosolf die Zeichen der Zeit und gründete gemeinsam mit seiner Frau Marianne 1955 im schwäbischen Kirchheim unter Teck das Unternehmen „Horst Mosolf Spedition und Transporte“ für die Beförderung von Fahrzeugen und für technische Dienstleistungen. Dies war der Auftakt einer inzwischen über 60-jährigen Erfolgsstory, in der sich die deutsche Nachkriegsgeschichte von Flucht

und Teilung bis zu Mauerfall und Wiedervereinigung ebenso widerspiegelt wie das Zusammenwachsen Europas und die Globalisierung der Wirtschaft. Was damals

mit einem gebrau-chten Lastkraftwagen begann, umfasst heute eine Flotte von rund 850 Fahrzeugspezialtransportern, 350 Doppelstockwaggons sowie zwei RoRoBinnenschiffen. Dabei wandelte sich das Unternehmen von einem reinen Spediteur zu einem technisch-logistischen Systemdienstleister für die Automobilindustrie, für Händler und Flottenbetreiber mit einem europaweiten Netzwerk von über 30 Standorten mit mehr als 2.200 Mitarbeitern.

Doch bei allem Wandel ist MOSOLF sich stets treu geblieben und hat damit bewiesen, dass Tradition und Innovation zusammengehören wie Reifen und Felge: Absolute Zuverlässigkeit, höchste Qualität und konsequente Kundenorientierung bestimmten damals wie heute das Denken und Handeln im Hause MOSOLF. Verbunden mit Mut und Risikobereitschaft brachte dieses Wertesystem das Unternehmen an die Spitze. Doch mit der Poleposition gibt man sich nicht zufrieden. Und so haben Unternehmerfamilie, Führung und Mitarbeiter der MOSOLF Group bei allem Stolz auf das bisher Erreichte immer auch die Zukunft mit ihren Chancen und Herausforderungen im Blick. Denn auch der Beste kann noch besser werden.

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Barbecue statt Schweinsbraten

Das klassische Wirtshaus war früher aus fast keinem Ortskern wegzudenken – Seit Jahren geht es bergab mit dieser Institution Von Christine Schultze

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igentlich gibt es im deutschen Gastgewerbe derzeit wenig Grund zur Klage: Viele Menschen gönnen sich gern ein schickes Essen im Restaurant, beziehen Essenslieferungen frei Haus oder lassen es sich bei einem Hotelaufenthalt gut gehen, das beschert der Branche ordentliche Umsatzzuwächse. Doch an vielen traditionellen Wirtshäusern, vor allem in ländlichen Regionen, geht der Boom vorbei. Seit Jahren schon gehen in immer mehr Dorfschänken, Biergärten und Wirtshäusern die Lichter für immer aus – und mit ihnen verschwindet auch ein gutes Stück Tradition. Zu besichtigen ist das beispielsweise in Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch in vielen Gegenden Ostdeutschlands. Bundesweit ging die Zahl der Schankwirtschaften in den Jahren von 2009 bis 2015 von

knapp 36 700 auf rund 31 100 zurück. Dabei galten gerade die klassischen Wirtshäuser lange Jahre als Mittelpunkt des Dorflebens. Ob Hochzeit, Frühschoppen oder Sonntagsschmaus, ob Schützenfest oder Faschingstanz – viele Einwohner trafen sich dort regelmäßig in geselliger Runde. Zugleich waren die Gasthäuser wichtige Abnehmer örtlicher Metzger und anderer Betriebe. „Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort“, heißt es deshalb auch in einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt aus dem Jahr 2013. Vor allem für viele jüngere Leute hat das klassische Wirtshaus seine Anziehungskraft verloren. Denn ähnlich wie die Vorlieben beim Essen und Trinken haben sich auch die Ausgehgewohnheiten und die Kommunikation gewandelt: Viele interessieren sich mehr für die neuesten Youtube-Kanäle als fürs Skatspielen oder Schafkopfen. Statt eine

In immer mehr Wirtshäusern gehen die Lichter für immer aus – und mit ihnen verschwindet auch ein gutes Stück Tra­ Foto: dpa dition. halbe Bier in einer schummrigen Kneipe genießen sie lieber Cocktails in einer schicken Bar in der Stadt oder einen Latte Macchiato im Café. Aber auch die Wirtsleute selbst haben ein Nachwuchsproblem: Oft finden sie niemanden, der sie am Zapfhahn oder in der Küche ablösen will, wenn der Ruhestand naht – und

sind deshalb gezwungen, ihre Wirtschaft aufzugeben. Ihre Kinder haben da vielfach längst abgewunken und sich beruflich anderweitig orientiert, sagt Matthias Artmeier, Leiter der Fachbereichs-Geschäftsstelle Gastronomie beim Branchenverband Dehoga Bayern. Lange Arbeitszeiten, auch an den Wochenenden, bei teils schmalem Verdienst, gerade in abgelegeneren Regionen, wirkten wenig verlockend auf die jüngere Generation. Aber auch ein Verkauf oder die Weiterverpachtung des Lokals kommt dann häufig kaum noch in Betracht, weil sich auch außerhalb der Familie kaum jemand dafür findet. Der Schuh drückt aber auch in anderer Hinsicht: Die von vielen kleinen Familienbetrieben geprägte Branche stöhnt vor allem über eine aus ihrer Sicht überbordende Bürokratie und viele Regularien – angefangen von den Mindestlohn-Doku-

mentationspflichten über AllergenKennzeichnungen bis hin zu Brandschutz-, Lebensmittel- und Hygienevorschriften mit vielfachen Schulungen. „Wirtshäuser werden immer mehr zu Schreibstuben – statt die Gäste zu bewirten, müssen sie Schreibaufgaben im Büro versehen“, sagt Artmeier. Große Gastronomie-Ketten hätten es da viel einfacher, weil dort die Lasten auf mehr Schultern verteilt sind. Wer gegensteuern und sich auch Kundschaft sichern will, sollte sich möglichst etwas einfallen lassen, sagt Dehoga-Sprecher Christopher Lück. Besondere Events wie ein BarbecueAbend oder besondere Speisenangebote könnten dabei helfen – ob frischer Fisch, vegane Gerichte oder Fleisch aus der Region. Grundsätzlich biete die Branche Chancen und wachse seit 2010 stärker als die Gesamtwirtschaft, doch gebe es wie überall eben auch Gewinner und Verlierer.

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127 Jahre Getränke-Tradition

Gegründet im Jahre 1890 von Fritz Bayha in der Küferstraße in Esslingen, zählt Getränke-Center Bayha wohl 1969 entstand auf dem Areal der zu den ältesten Familienunternehmen in der Geschich- Fritz-Müller-Straße ein großzügiges Gebäude. Hier sollte mit dem te Esslingens. ersten Getränke-Abholmarkt in Esslingen ein richtungsweisender Weg für diese Branche eingeschlagen werden.

de Prickeln

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Getränke-Center Bayha GmbH

Fritz-Müller-Str. 148 Esslingen-Industriegebiet www.bayha.de

1974 wurde die erste Filiale - damals in Berkheim - eröffnet. Unter der Geschäftsleitung von Doris Eger, geb. Bayha und Fritz Bayha wurde 1975 ein moderner, 1200 Quadratmeter großer Neubau neben der bisherigen Halle errichtet. Anfangs wurde mit Milch, Milchprodukten und Mineralwasser gehandelt. Als die Räume zu eng wurden zog das Unternehmen in den oberen Metzgerbach 6a um wo ein zusätzliches Hintergebäude errichtet wurde um Limonaden herzustellen. Von dort aus wurde zunächst mit den Handwagen, später mit dem Pferdekarren ausgeliefert. 1905 wurde der Umzug in die Bahnhofstraße 18 notwendig, bereits 1 Jahr später wurde dort das Gebäude Bahnhofstraße 20 neu errichtet. Man verkaufte inzwischen auch Lebensmittel und betrieb einen Süßwaren-Großhandel. Das erste, mit Stolz angeschaffte Automobil musste bei Ausbruch des 1. Weltkrieges an die Armee abgegeben werden und man kehrte wieder zum Pferdekarren zurück um die Lieferungen erledigen zu können. 1920 übernahmen die Brüder Wilhelm und Otto Bayha den Betrieb des Vaters und führten eine eigene Limonadenmarke „WOBA“ ein.

Im Jahr 2000 übernahm Thomas Eger, nunmehr in 4. Generation, die Firma Bayha. Das Sortiment wurde erweitert. Die Auswahl lässt kaum einen Wunsch offen. Als Wein-Liebhaber legt er Wert auf ein exquisites Sortiment und zeigt mit seiner jährlichen Weinmesse „Wine Life“ interessante Einblicke in das aktuelle Sortiment. Thomas Eger hat nochmals erweitert, betreibt inzwischen einen Großhandel mit einem umfangreichen Getränkesortiment, führt 2 Filialen in Esslinger Stadtteilen und beliefert mit seinem Getränke-Großhandel die Region Esslingen wie auch Stuttgart. Wer kennt sie nicht? Die gelben LKW´s mit den Feuerwehrleuten, die jedermanns „Durst löschen“?


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10 Jahre Collegium Wirtemberg

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Gestalten. Begeistern. Zusammenhalten. Quirlig, manches Mal sogar ein wenig überschäumend: Wie der Perlwein – so auch die Collegen. Und das ist gut so, denn besondere Weine brauchen Emotionen. Leben von frischen, inspirierenden Ideen, dem Spaß am Tun, der Freude am Genuss. Und gewinnen durch ein zielgerichtetes und kollegiales Miteinander. Zugegeben – ein Ideal. Aber ein Ideal, das wir immer vor Augen haben – und in das wir alle Wein­ und Collegiumsfreunde gerne mit einbeziehen! Die Weine vom Rotenberger Schlossberg sind bekannt als Stuttgarter Geheimtipp für hochwertige Württemberger vom Württemberg und die Gewächse vom Uhlbacher Götzenberg sind überaus geschätzte Repräsentanten des überregional bekannten Weinortes Uhlbach. Mit hoher fachlicher Kompetenz werden beide Lagen ausgebaut und gepflegt. Hohe Weinkultur ­ regionale Stärken ­ Spitzenweine aus der Region. Leidenschaft im Weinberg wie im Keller verkörpern die COLLEGIUMSWEINE. Dichte Rotweine wie Lemberger, Burgunder, Merlot und Cabernet Sorten gehören genauso zum Sortiment wie der traditionelle Trollinger.

Natürlich wachsen an den sonnigen Hängen auch vorzügliche Rieslinge, Grauburgunder, Weissburgunder und Sauvignon Blanc. Besonders für authentische und eigenständige Weine schwärmt Martin Kurrle, der in Geisenheim Weinbau und Oenologie studiert hat und seit über 20 Jahren Geschäftsführer und Kellermeister im Collegium Wirtemberg ist. Er legt besonderen Wert auf den Kontakt mit seinen Winzern und auf die Weinberge rund um den Wirtemberg, dem Stammberg der Württemberger, auf dem sich heute die Grabkapelle der Königin Katharina und König Wilhelm I von Württemberg befindet. Erbaut im klassizistischtischen Stil von Hofbaumeister Giovanni Salucci steht sie als Markenzeichen für COLLEGIUMSWEINE – Ganz unter dem Motto: „Kein Genuss ist vorüber­ gehend. Denn der Eindruck, den er zurück lässt, ist bleibend.“ Collegium Wirtemberg Württembergstr. 230 70327 Stuttgart Tel. 0711-32777580 Fax: 0711-327775850 Info@collegium-wirtemberg.de www.collegium-wirtemberg.de


60 Jahre IDE-EXTRUSION

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IDE – Seit 60 Jahren Maschinen- und Anlagenbauer als Partner der Kunststoff verarbeitenden Industrie in der dritten Generation von Unternehmerfamilie geführt. Der Begriff „Familienbetrieb“ fällt immer dann, wenn es um Kontinuität, Flexibilität, Kundenorientierung und ein gutes Betriebsklima geht. Und genau das trifft auch auf den Anlagen- und Werkzeughersteller Bernhard Ide GmbH & Co.KG zu. Die Firma IDE ist seit 60 Jahren in Familienbesitz und damit ein Paradebeispiel für ein Unternehmen, dessen Philosophie auf Werten wie Ehrlichkeit, Vertrauen, Verantwortung und Loyalität aufbaut. IDE baut seit den ersten Gehversuchen in der Zeit der Firmengründung nun über 60 Jahre hoch spezialisierte Maschinen für die Kunststoffextrusion. Mit diesen Anlagen werden Pro>le aus verschiedenen Kunststoffen oder Compounds – das sind Werkstoffe, die zu einem Teil aus Kunststoff und zum anderen Teil aus Materialien wie Holz oder anderen organischen Materialien bestehen hergestellt. Und das am laufenden Meter. So werden beispielsweise die einzelnen Lamellen eines Rolladenpanzers mit einem IDE-Extruder produziert, und das bei bis zu zehn Metern pro Minute. Auf dieselbe Weise lassen sich ebenso Kabelkanäle für die Elektroinstallation oder auch Schläuche für die Medizintechnik herstellen. Aber IDE liefert dabei nicht nur die Maschine, die das Kunststoffgranulat aufschmilzt, sondern auch die Spezialwerkzeuge, die diesem seine endgültige Form geben. Und das bezieht sich keineswegs nur auf das Pro>l selbst, sondern ebenso auf die weitere Konfektionierung desselben. So werden die Extruder durch Trenn-, Stanz- und Transporteinheiten zu einer kompletten Anlage ergänzt. Zur Zeit sind 65 Mitarbeiter bei der Firma IDE beschäftigt. Bei der Kundenkommunikation möchte IDE mit der IDE-App neue Wege gehen und für die Kunden einen bequemen und intuitiven Kommunikationskanal im Stile von WhatsApp bieten. Im Sinne von Industrie 4.0 möchte IDE mit der App auch Kommunikation 4.0 bieten. Die nahtlose und optimale Einbindung der Anlagen in den Herstellungsablauf der Kunden ist das, was IDE-Konstrukteure herausfordert und täglich aufs Neue begeistert. Und die Kunden belohnen dieses Engagement mit einer stets steigenden Zahl an Bestellungen. Das Motto von IDE ist „committed to extrusion“ – ganz der Extrusion verp@ichtet - und das mit dem Sachverstand von drei Generationen, innovativer Technologie und traditionellen Werten.

Alexander und Silke Ide.

Unternehmen mit Tradition 2017  
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