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Weihnachten

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Ein Bild aus unserem Malwettbewerb für Kinder: Selbstporträt mit Engel vor einem blauen Himmel mit weißen Tupfen von Arigona, zehn Jahre alt Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Aufbruch in der Nacht Nichts bleibt, wie es ist: in der Weihnachtsgeschichte der Bibel sind die Engel Boten der Veränderung. Ein Essay zum Auftakt unserer Beilage zum Fest.

VON ARND BÄUCKER

Engel haben Konjunktur, gerade jetzt: in den Schaufenstern, bei Dekorationen, auf dem Adventskalender. Edle, liebens­ werte Himmelswesen, die für fröhliche Feierlichkeit, Leichtigkeit und Eleganz stehen. Für alles, was wir an Weihnach­ ten, dem Fest der Freude, der Harmonie und der Familie so lieben. Doch dann gibt es da diese Geschich­ te, in der Menschen in dunkler Nacht, Hirten auf dem Feld, erst einmal einen großen Schrecken bekommen. Es wird urplötzlich hell und klar, und eine über­ irdische Gestalt erscheint. „Fürchtet euch nicht!“ Das sagt ausgerechnet – ein En­ gel. Hören kann man diesen Satz, wenn man, wie es in manchen Familien noch üblich sein soll, unter dem Christbaum das Evangelium nach Lukas liest. Oder wenn man in den Gottesdienst oder zum Krippenspiel in die Kirche geht. „Fürch­ tet euch nicht!“ Allerdings verfliegt der Schrecken schnell. Schließlich berichtet der Engel von der Geburt Jesu. So bleibt nichts von der anfänglichen Furcht. Sowieso ist das Engelbild in unserer Zeit, in der das Wis­ sen um die Kernaussagen der christli­ chen Botschaft ständig schwindet, über­ zuckert von einer Art Wellness­Emotio­ nalität. Darunter ist die alte biblische Aussage kaum noch zu greifen: diese ge­ waltige, erschütternde Erfahrung der Hirten auf dem Feld. Die Evangelien frei­ lich sind unmissverständlich: Engel ste­ hen für die unbegreifliche Macht Gottes, in seinem Sinne sind sie Boten der Ver­ änderung.

Populär sind Engel heute, da alle „Achtsamkeit“ fordern und erwarten, zu­ nächst als Schutzengel. Diese Sichtweise verkürzt ihre Rolle. Die katholische Kir­ che kennt eine beeindruckende Engel­ ordnung, mit verschiedenen Klassen und Hierarchien der Himmelswesen. Et­ liche von ihnen schützen nicht nur, sie haben auch Macht, wenn auch von Gott abgeleitet. Frühere Zeiten wussten da­ von. Welchem Menschen heute, auch wenn er glaubt, traditionsbewusst zu sein, ist bekannt, dass der Erzengel Mi­ chael auch als Schutzpatron Deutsch­ lands gilt?

Veränderung ist angesagt, denn Gott selbst wird Mensch.

Eines muss man den Ideologen, die seinerzeit in der DDR Sprachregelungen schufen, lassen: Sie spürten, dass in En­ geln mehr steckt als Nostalgie und fol­ kloristische Harmlosigkeit. Sie stutzten die auch im Arbeiter­und­Bauern­Staat noch beliebten Himmelswesen zu „Jah­ resendflügelfiguren“. Damit, so wähnten sie, hatten sie diesem Relikt des christli­ chen Glaubens die weltanschauliche Sprengkraft genommen. In der Tat: Engel stehen eindeutig für den Glauben an Gott. Unser deutsches Wort „Engel“ leitet sich ab vom griechi­ schen „angelos“, Bote. Sie sind Boten Got­ tes, seine Kommunikationsabteilung. In

der Weihnachtsgeschichte müssen sie insgesamt fünfmal das Ewige und das Zeitliche zusammenbringen. Das führt jedes Mal zu enormer Spannung bei den Adressaten. Fast jedes Mal muss der En­ gel die Menschen erst beruhigen: Fürch­ tet euch nicht! Das sagt der Engel zu Maria, als er ihr ankündigt, dass sie einen Sohn gebären wird. Und er sagt es, wie erwähnt, zu den Hirten von Bethlehem. Der Evangelist Lukas will klarmachen: Da geschieht et­ was, was alle menschliche Erfahrung übersteigt, etwas, was zunächst zum Fürchten ist. Veränderung ist angesagt, denn Gott selbst wird Mensch, wird ein neugeborenes Kind. Und das heißt, dass auch die Menschen sich verändern müs­ sen – positiv gesagt: dass sie sich verän­ dern können. Das erfahren alle, die in dieser Ge­ schichte eine Rolle spielen, Maria ebenso wie Josef, dem ein Engel im Traum er­ scheint. Veränderung, diese Botschaft hören auch die Hirten. Sie müssen erst aufbrechen, um das Wunder zu sehen: „Kommt und geht nach Bethlehem, dort werdet ihr das Kindlein finden . . .“, fordert der Engel sie auf. Ähnlich die Weisen aus dem Morgenland, die eine große Reise antreten. Zu ihnen spricht allerdings kein Himmelbote, sie folgen einem Stern. Weihnachten ist ein Fest des Auf­ bruchs. Maria, die Mutter Jesu, wird von Lukas mit ihrem „Lobgesang“ zitiert. Sie drückt aus, was die Begegnung mit dem Engel in ihr ausgelöst hat. Maria lobt Gott: „Er stößet die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt » Fortsetzung auf Seite II

Gewinne Zehn knifflige Fragen rund ums Thema Baum – miträtseln und gewinnen! Seite IV/V

Glaube Ohne könnten wir nicht leben, sagt Hirnforscher Robert Illing Seite IX

Gäste Der Weihnachtsbesuch – eine launige Typologie Seite XIII


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Fotos: Ullstein, Schlierner/yavyav/Adobe Stock

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Alles schläft, einsam wacht . . .

Vor zweihundert Jahren wurde das Weihnachtslied der Weihnachtslieder geschrieben: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Einige Jahrzehnte wusste man nichts Ăźber seine genaue Herkunft – bis durch eine Anfrage aus Berlin 1854 Franz Xaver Gruber als Komponist ausfindig gemacht wurde. VON GĂ–TZ THIEME

Hätte es den preuĂ&#x;ischen KĂśnig Fried­ rich Wilhelm IV. und seine Hofkapelle nicht gegeben, die Herkunft des Weih­ nachtslieds „Stille Nacht, heilige Nacht“ wäre womĂśglich im Verborgenen geblie­ ben. Man hätte weiter als Urheber Mi­ chael Haydn, den weniger bekannten jĂźngeren Bruder des berĂźhmten Kompo­ nisten Joseph Haydn, genannt, oder es gleich, wie lange Zeit geschehen, als US­ amerikanische Volksweise verbucht: „Si­ lent Night“. Weil man aber 1854 in Berlin eine Abschrift des Lieds von, so die An­

nahme, Michael Haydn erbat und im Salzburger Stift St. Peter anfragte, geriet die Sache ins Rollen. Der Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber, der 1818 die Verse des Hilfspfarrers Joseph Mohr vertont hatte, lebte noch, wurde als Urheber ausfindig gemacht und schrieb die Geschichte dieses späterhin berĂźhm­ testen Weihnachtslieds nieder: „Authen­ tische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes Stille Nacht heilige Nacht“. Demnach – und warum sollte man da­ ran zweifeln – sei Joseph Mohr am Tag des Heiligen Abends 1818 zu Franz Xaver Gruber gekommen und habe ihn gebe­

ten, die Verse in TÜne zu setzen. Am glei­ chen Abend sei das Lied dann aufgefßhrt worden in der Kirche St. Nikola in Obern­ dorf bei Salzburg, in einer Fassung fßr zwei Gesangsstimmen, Chor und Gitarre. Die Auffßhrenden waren die Kreatoren selbst, Gruber sang die Bassstimme, Mohr, der auch die Gitarre klampfte, sang den Tenorpart. Dass diese zum Mythischen taugende Geschichte, die zur Aura des Lieds bei­ trug (arme DÜrfler, die es erfanden, die Melodie inspiriert am Heiligabend und gleich darauf in einer Kirche aufge­ fßhrt . . .), keine Erfindung gewesen ist, belegt ein 1995 aufgetauchtes Manu­

skript mit Noten und Text, geschrieben von Franz Mohr und datiert auf 1823 – fĂźnf Jahre nach der „UrauffĂźhrung“. Da­ raus geht auch hervor, dass Mohr den Gedichttext zwei Jahre frĂźher verfasst hatte. Organisten, Orgelbauern und fah­ rende Sänger verbreiteten das Lied in Ă–s­ terreich, 1832 wurde es nachweislich in Leipzig in einem Konzert aufgefĂźhrt, in einem Dresdner Notendruck von 1833 ist es zu finden, allerdings ohne Angaben zur Urheberschaft und stark verändert. Und 1839 schlieĂ&#x;lich sang es eine Ti­ roler Gesangsgruppe, die Familie Rainer, vor der ausgebrannten Trinity Church in New York. 1866 wurde „Stille Nacht, heili­

ge Nacht“ in ein Salzburger Kirchenlie­ derbuch aufgenommen. Mit der Schallplatte und dem Rund­ funk war dann kein Halten mehr. Angeb­ lich soll es die Komposition sein, die sich auf Tonträger bisher weltweit am meis­ ten verkauft hat. Bing Crosbys Aufnah­ me, entstanden 1935, liegt bei zehn Mil­ lionen Exemplaren heiĂ&#x;t es im Anhang zu Reinhard Schwabenitzkys Roman „Stille Nacht und das Geheimnis der Zau­ berflĂśte“ (Tyrolia­Verlag). Kein Wunder bei den sĂźĂ&#x;en Terzen im wiegenden 6/8­ Takt, dem schmelzenden (kitschigen?) Terzaufschwung zur Dominante bei „Ruh“ in „Schlafe in himmlischer Ruh!“.

Aufbruch in der Nacht Fortsetzung von Seite I Âť die Reichen leer . . .“ (Lukas 1, 52–53). Die Heilige Nacht ist keine Idylle, hier rĂźckt auch ein Ende alter Ordnungen in die Perspektive. So reden die Figuren der Weihnachts­ geschichte. Kann dies auch eine aktuelle Botschaft im Jahre 2018 sein, in einer Zeit, in der sich alles wandelt, in der sich Klimazonen verschieben, einer Zeit, in der in der Politik vieles Altgewohnte nicht mehr zu gelten scheint, in der die Menschen weltweit viel schneller kom­ munizieren und sich dennoch immer mehr Gräben zwischen ihnen auftun? Der Wandel erschĂźttert viele Gewisshei­ ten. Eine Welt, die neue Chancen bietet,

aber auch vielen Menschen Angst macht. Doch was hat dazu eine 2000 Jahre al­ te Geschichte, aufgeschrieben von Men­ schen aus dem antiken Kulturkreis, zu sagen? Matthäus und Lukas wussten nichts von Computern und Kßnstlicher Intelligenz und Globalisierung, nicht ein­ mal etwas von anderen Hochkulturen im fernen China oder im alten Amerika. Ihr Thema passt dennoch in jede Zeit und in jeden Raum. Denn an Weihnachten geht es zentral um die Frage, was der Mensch ist und auch sein kann. Man kann das Fest der Geburt Jesu verstehen als die jährliche Erinnerung

daran, dass sich Dinge zum Guten verän­ dern kÜnnen. Wenn Gott Mensch wurde, dann trägt jeder Mensch auch eine Wßr­ de, die ihm keiner mehr absprechen kann. Das gilt fßr alle, gleich welchen Ge­ schlechts, welcher Hautfarbe, welcher Nation, welchen Glaubens, welcher sozia­ len Schicht oder politischen Ansicht. Ein aktueller Gedanke fßr eine Zeit, in der Gemeinsamkeiten schwinden. Dies ist der Sinn der Weihnachtsgeschichte. Es ist wieder ein Engel, der darauf hinweist: Gott ist mit den Menschen, die guten Willens sind, und Frieden ist mÜglich. Doch Furcht ist ein schlechter Beglei­ ter, wenn es um Veränderungen geht.

Jeder Mensch trägt eine Wßrde, die ihm keiner absprechen kann.

Vertrauen, dass neue Wege auch gute We­ ge sind, muss erst geschaffen werden. Die Engel der biblischen Weihnachts­ geschichte werben um ein solches Ver­ trauen: Maria und Josef wie auch die Hirten und die Weisen, sie alle vertrau­ ten und brachen auf. Und fĂźr die Eltern Jesu, das „hochheilige Paar“ der „Stillen Nacht“, ging es ja auch so weiter. Wieder sprach ein Engel, diesmal zu Josef, und diesmal auch als Schutzengel: Sie muss­ ten fort, um das Leben des Neugebore­ nen vor der Verfolgung durch KĂśnig He­ rodes zu retten. Weihnachten ist kein Kuschelfest. Gerade die Engel erinnern daran.

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Bitte öffnen! Ein Geschenkpäckchen ist ein besonderer Liebesbeweis. Es überwindet die größten Entfernungen. Und erzählt eine Menge über Versender und Empfänger. VON CHRISTIANE WACHSMANN

Die Großmutter liebte das Päckchenpa­ cken. Sie stammte aus einer vielköpfigen ländlichen Familie und hatte zwei Kriege samt den daran anschließenden Hunger­ zeiten mitgemacht. Ihre Päckchen ent­ hielten denn auch stets lebenserhaltende Dinge wie Kaffee, Kekstüten aus dem Supermarkt, ausgelesene Zeitschriften oder auch mal ein Stück Butter. Besonde­ re Freude erregte sie, als sie einen fleisch­ farbenen BH in Größe 108 – einen Fehl­ kauf ihrer Schwester – schenkte sowie ein paar ausgeleierte Hosenträger ihres Mannes: Man könne ja im Garten immer mal was zum Anbinden brauchen, erläu­ terte sie im beiliegenden Brief. Ihre Gaben kamen von Herzen. Beim Zusammenpacken dachte sie an ihre Lie­ ben und überlegte, was man brauchen könnte. Es war ihre Art, etwas von sich mitzuteilen – den Wert, den Güter wie Kaffee oder Süßigkeiten für sie in einer Zeit gehabt hatten, als man sie noch nicht für wenig Geld im Supermarkt er­ werben konnte. Die Wertschätzung, die sie den Dingen aus der Erfahrung des Mangels heraus entgegenbrachte, die ihre Enkel so nie gekannt hatten. Alles, was sie einpackte, hatte für sie Bedeutung. Mit den Dingen zusammen erhielt man Geschichten, so weit man sie eben verstehen und nachvollziehen konnte. Ihre Geschenke erzählten etwas über ein Leben, in dem man noch Ver­ wendung für alte Hosenträger hatte und Fehlkäufe wie einen unpassenden BH so lange weitergab, bis sich jemand fand, der etwas damit anzufangen wusste. Im Gegenzug bekam sie von den Kin­ dern und Enkeln Familienfotos, mit Wachsfolie verzierte Kerzen und selbst gebackene Plätzchen – Botschaften aus dem eigenen Leben. In dieser Welt, die bestimmt ist von der Industrialisierung und der ständigen Verfügbarkeit von standardisierten und fabrikgefertigten Waren, hat das Selbstgemachte einen viel höheren Stellenwert als in jenen Zeiten,

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als man noch darauf angewiesen war und die perfekte Form der industriell hergestellten Kekse etwas Besonderes darstellte. Zu den wichtigsten Eigenschaften eines Päckchens gehört seine Verpa­ ckung. Auch wenn man Geschenke direkt überreicht, gehört das Einwickeln dazu – doch um wie viel wichtiger ist es, sie für die Reise richtig vorzubereiten! Auch hier zeigen sich Unterschiede: Ein solider Karton, festes Packpapier und eine sorg­ fältige Verschnürung galten lange Zeit als vorbildliche Päckchenverpackung. Dabei war es wichtig, auf Stabilität zu achten – sonst kann es auch heute noch geschehen, dass sich der Päckcheninhalt unwiederbringlich über den Gepäckwa­ gen verteilt. Keksdosen, Puppen, Samen­ tüten, Bilderbücher, Marzipanbrote und Bienenwachskerzen purzeln durcheinan­ der und finden sich unter Umständen zu ganz neuen Kombinationen zusammen.

Ein Päckchen sagt manchmal mehr als tausend Worte.

Um dem vorzubeugen, hat unsere Kultur – wie zu fast allem und jedem – grundsätzliche Lösungen anzubieten: In Form von standardisierten Kartons, mit denen sich kaum noch etwas falsch ma­ chen lässt. Wo Adresse und Absender hingehören, an welcher Stelle das Klebe­ band anzubringen ist, das alles ist ein­ deutig zu sehen. Immerhin lassen sich diese Verpackungen gut wiederverwer­ ten und erzählen so ihre eigene Ge­ schichte: Durchgestrichene Adressen und Aufdrucke geben darüber Auskunft, in welcher Gegend, bei welchen Versen­ dern und Empfängern sich diese Kartons schon vorher herumgetrieben haben. Oft kann man einem Päckchen schon von außen ansehen, was es einem brin­

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gen wird: Das eine ist mit Sachverstand und Liebe gepackt, beschriftet, mit Brief­ marken beklebt und auf die Post ge­ bracht. Ein anderes wurde per Mausklick bestellt und das Geschenk darin gegen einen Zusatzbetrag in buntes Papier ge­ wickelt, von wem auch immer. Auch das Päckchen selbst ist eine Botschaft, und die kann ganz unterschiedlich sein. Und dann, endlich, ist es so weit: Der Weihnachtsbaum steht, die Kerzen duf­ ten, die Krippe ist aufgebaut, und hier liegen die Päckchen der entfernt woh­ nenden Verwandtschaft. Das Auspacken beginnt und mit ihm eine wichtige weih­ nachtliche Zeremonie. Jedes Päckchen birgt, neben seinem eigentlichen Inhalt, ein Moment der Spannung, der Überraschung in sich. Bei kleinen Kindern kann man einen Aus­ packrausch erleben: Schnell wird alles aufgerissen, das Papier heruntergezerrt – und das eigentliche Geschenk beiseite gelegt. Später werden sie sich vielleicht darüber freuen. Jetzt aber ist das Ge­ heimnis das Wichtigste, das es zu lösen gilt: Was könnte darin sein? Wie wird es aussehen, sich anfühlen? Und was ist im nächsten Päckchen drin? Später lernt man, sich mehr Zeit zu lassen, den Moment der Spannung zu dehnen und zu genießen: Dieses Päck­ chen hier ist riesig und schwer wie ein Ziegelstein, in jenem rappelt was, wenn man es schüttelt, auf einem steht „Vor­ sicht, zerbrechlich“. Man stellt Vermutungen an, während man das Klebeband zerschneidet und den Deckel öffnet. Seidenpapier, Verpa­ ckungsschnipsel, eine Engelskarte, eine Tüte mit Keksen, Strohsterne, eine Schachtel in Geschenkpapier, federleicht – wie hübsch das alles verpackt ist. Wie typisch die nachlässig gebundene Schlei­ fe – was da wohl drin sein mag? Wird es einem gefallen? Was erfährt man nach dem Öffnen des Päckchens – über sich selbst, über den Versender? Was ist es, was wir einan­ der noch oder wieder zu sagen haben und einander bedeuten?


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Zehn Bäume der Erkenntnis – das Weihnachtsrätsel Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen . . . aber nicht nur dort! Heute dienen zehn andere Bäume der Erleuchtung. Bei unserem Rätsel für helle Köpfe wird Ihnen gewiss ein Licht aufgehen. Oder eben zehn Lichter. Und wenn das elfte Lichtlein brennt, dann haben Sie unser Lösungswort gefunden und können einen von 35 Preisen gewinnen.

DER JOHANNISBROTBAUM

Vom Nutzen der Gleichförmigkeit DIE KORNELKIRSCHE

VON OLIVER REZEC

Gegen diese Göttin ist ein Kraut gewachsen Während es hiesigen Sprechern schwer­ fällt, den Namen der kroatischen Insel Krk auszusprechen, da er keinen einzi­ gen Vokal enthält, kannte das Altertum eine mythische Insel, deren Name aus­ schließlich aus Vokalen besteht. Die dort logierende Göttin pfl flegte l lästige Besu­ cher in Tiere zu verwandeln, unter ande­ rem in Schweine, die sie einpferchte und mit Kornelkirschen fütterte. So liest man es jedenfalls in der berühmtesten Be­ schreibung eines Besuchs dieser Insel. Kurz bevor der Protagonist selbst bei der sinistren Gastgeberin anklopft, begegnet er einem wohlmeinenden Ratgeber, der ihn unterweist, mit welchem Kraut er sich gegen ihre Zauberkräfte wappnen kann – und wie er sie obendrein ins Bett kriegt. Wer war dieser Ratgeber?

Egal, wo man einen Apfel pfl flückt l oder kauft – in der Regel sind die Kerne bei gleicher Sorte ungefähr gleich groß. Das flanzen, l und beim Johan­ gilt für viele Pfl nisbrotbaum hat man sich das schon in der Antike zunutze gemacht: Wenn man mit gutem Augenmaß die kleinen und großen Abweichler aussortierte, taugten die übrigen Samen in ihrer Gleichförmig­ keit als Maßeinheit. Und zwar über Jahr­ hunderte hinweg, bis diese Einheit – ähn­ lich wie der Zoll, das Pfund, die Meile und andere – normiert wurde und heute durch einen exakten numerischen Wert definiert ist. Der Name dieser Maßein­ heit geht aber immer noch auf den Jo­ hannisbrotbaum zurück, genauer: auf die griechische Bezeichnung für seine bockshornartig gekrümmten Fruchthül­ sen. Welche Maßeinheit ist das?

D I E K A S TA N I E

Spielverwandlung in zwei Schritten Der Name des hier abgebildeten Spiels entstammt einer Fremdsprache und hat sieben Buchstaben. Amputiert man das rechte Drittel jenes Buchstabens, der in der Wortmitte steht, so lassen sich die sieben Buchstaben zum Namen eines anderen Spiels aus ebenjener Fremdspra­ che rearrangieren, das aber nicht mit Kugeln, sondern Kastanien gespielt wird. Wie heißt es?

DIE EICHE

Die bekannteste Unbekannte des Landes

DER APFELBAUM

DIE EIBE

Der Weg zum Gewinn So spielen Sie mit Bei jeder Frage verraten Ihnen die aufgereihten Punkte am Ende des Texts, wie viele Buchstaben die richtige Antwort hat. Hierbei zählen ä, ö, ü und ß jeweils nur als ein Buchstabe. Das macht das Rätsel zunächst etwas einfacher . . . Dafür wird es am Schluss umso schwieriger: In jeder Antwort sind drei Buchstaben farbig markiert – und Sie müssen selbst herausfinden, welche Farbe zum Ziel führt: Entweder alle roten oder alle grünen oder alle blauen Buchstaben ergeben, richtig geordnet, das hölzerne Lösungswort. Lösung einreichen Rufen Sie einfach unsere Servicenummer 01379/888116* an und nennen Sie das Lösungswort, Ihren Vor- und Nachnamen, Ihre Telefonnummer sowie Ihre vollständige Adresse. Teilnahmeschluss ist der 7. Januar 2019, 24 Uhr.

Gewinne Unter allen Teilnehmern, die die richtige Lösung genannt haben, ermitteln wir fünf Hauptgewinner per Los. Sie erhalten je einen Buchgutschein der Buchhandlung Wittwer im Wert von 100 Euro. Zehn weitere Gewinner dürfen sich einen Bestseller der Saison aussuchen. Außerdem verlosen wir zehnmal das Buch „Kanzler, Kämpfe und Kolumnen“ von Sibylle Krause-Burger und zehnmal das Buch „Einfach genial: Über 40 weltberühmte Erfindungen aus Baden-Württemberg“. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Teilnahmebedingungen unter www.stuttgarter-zeitung.de/datenschutz Auflösung Die Auflösung unseres Weihnachtsrätsels wird am 9. Januar 2019 in der Stuttgarter Zeitung veröffentlicht. *Legion 0,50 Euro je Anruf aus dem deutschen Festnetz, ggf. abweichende Preise aus dem Mobilfunknetz.

Ein König begeht Selbstmord So verlockend die roten Hütchen auch leuchten: Alle anderen Teile des Baums können den Tod bringen, warnt man schon die Kinder. Die vielleicht berühm­ teste Eibenvergiftung schildert Julius Cäsar in „De bello Gallico“ – jedenfalls wenn man glauben möchte, was so ein Feldherr über ein Volk schreibt, das er ge­ rade ausgerottet hat. Ein besonderer Stamm war das, einer nämlich mit zwei Königen, deren jüngerer verantwortlich ist für Cäsars schwerste Niederlage in Gallien: Fast anderthalb Legionen wur­ den in einem Hinterhalt getötet. Der rö­ mische Feldherr nahm Rache, indem er jenen Landstrich im heutigen Belgien verheerte, wo das Volk der beiden Könige lebte. Der ältere der beiden, des aus­ sichtslosen Kampfes müde, nahm sich das Leben, und zwar mit Eibengift. Ein symbolträchtiges Ende, war doch das ganze untergehende Volk angeblich nach dem keltischen Namen der Eibe benannt. Wie hieß es?

Hauptwort vor Wiewort Auf grammatikalisch interessante Weise beschrieb ein bekannter Anwalt einst den Apfelbaum. Ursprünglich bestand der Titel seines Gedichts nur aus einem einzigen Wort, heutige Liederbücher je­ doch – das Gedicht wurde etliche Male vertont – nennen üblicherweise den gan­ zen ersten Vers als Titel. Darin wird der Apfelbaum mit einem Substantiv und einem Adjektiv bezeichnet, und zwar in dieser Reihenfolge. Linguisten nennen so etwas ein postnominales Adjektiv­ attribut, wie bei „Hänschen klein“ oder „Super bleifrei“. Das Adjektiv selbst ist heute unüblich geworden, im Duden steht es zwar noch, aber mit dem Ver­ merk „veraltet“. Mit seinem vorangehen­ den Substantiv alliteriert es „auf das Bes­ te“, um mal aus der dritten Strophe zu zi­ tieren. Wie lautet dieses Adjektiv?

DIE PAPPEL

DIE WEIDE

Altes Testament goes Disco Zwar wurden biblische Texte jahrhunder­ telang zu Chorälen vertont und in Orato­ rien verarbeitet, aber dass noch Ende der 1970er Jahre ein Psalm des Alten Testa­ ments in Deutschland auf Platz 1 der Mu­ sikcharts gelangte und mehr als drei Mo­ nate dort blieb, erscheint rückblickend doch skurril – zumal der Psalm mit dem Wunsch endet, Kinder totzudreschen. Bis zu dieser Textstelle drangen die Sänge­ rinnen und der Sänger allerdings nicht vor: Nur den Beginn des Psalms zitierten sie Mal um Mal. Den zweiten Vers über­ sprangen sie dabei, jenen also, in dem die Weiden erwähnt sind. An diesen Bäu­ men hängt etwas. Doch was genau, darü­ ber sind die diversen deutschsprachigen Bibelausgaben uneins, mindestens vier verschiedene Übersetzungen finden sich. In der Einheitsübersetzung wurde diese Stelle 2016 umformuliert. Was hängt hier seitdem an den Bäumen?

Verdrehte Hälse im Männerverein Dass es auch unter den Bäumen Männ­ chen und Weibchen gibt, mag ein gewöh­ nungsbedürftiger Gedanke sein, aber so verhält es sich – zwar nicht bei allen Bäu­ men, aber etwa bei den Pappeln. Oben­ drein sind die Äste der Pappel in der La­ ge, eigene Wurzeln zu schlagen, wenn man sie absägt und in den Boden steckt. Das macht ihre Vermehrung einfach und führt zu manch skurrilem Befund: So sind quasi alle Pyramidenpappeln in Deutschland männlich, denn oft wurden Alleen auf diese Weise angelegt. Die ge­ klonten Bäume wachsen entsprechend einförmig, was erwünscht sein kann, mitunter aber auch beklagt wird. Eine Baumbewohnerin immerhin bringt et­ was Variation hinein: Manche Pappelar­ ten bewegt sie dazu, ihre Blätter nicht einfach an den langen Stielen federn zu lassen, sondern diese Blattstiele korken­ zieherartig zu verdrehen. Nicht beliebig oft: Nach drei Windungen ist Schluss. Welche Bewohnerin veranlasst derlei?

Gerade erst hatte das Deutsche Reich den Krieg erklärt, und noch gab es viele, denen die Mobilmachung als Anlass zum Jubeln erschien. Just in diesen Tagen kam im hessischen Offenbach ein Mäd­ chen zur Welt, das später, nach Ende der beiden Weltkriege, zu einem Symbol des Wiederaufb fbaus b werden würde. Ihr Ehe­ mann machte sie dazu: Er fertigte jenes kleine Kunstwerk an, das mutmaßlich seine Gattin mit einer Eiche zeigt – und das zu einer der bekanntesten Abbildun­ gen der Bundesrepublik überhaupt wur­ de. So ungeheuer oft wurde das Bild ver­ vielfältigt, dass man ohne Übertreibung sagen kann: Wer heute älter als fünfund­ zwanzig, dreißig ist, kennt es ganz be­ stimmt. Und trotzdem blieb bis in die späten achtziger Jahre weithin unbe­ kannt, wer da eigentlich abgebildet ist. Nämlich wer?

DER MAULBEERBAUM

Der „Führer“ verweigert den Ruhm

DIE ERLE

Die Entführte, die zum Spottbegriff wurde Nasses Holz verrottet. Das gilt natürlich auch für die Erle – aber nur, wenn sie der Luft ausgesetzt ist: Unter Wasser wider­ stehen ihre Stämme den Jahrhunderten. Auf unzähligen in den schlammigen Grund gerammten Erlenpfählen ruht deshalb das alte Venedig. Und auch eine andere Stadt sei dieserart auf Erlenholz angelegt, berichtete schon Vitruv in sei­ nen „De architectura libri decem“. Zu sei­ ner Zeit lag diese Stadt noch am Meer, seither jedoch wurde so viel Boden zum Meer gespült, dass sie heute einige Kilo­ meter im Landesinneren liegt. Damals, einige Jahrzehnte nach Vitruvs Tod, soll eine Fürstentochter über die Alpen hier­ her verbracht worden sein, deren Name bis heute fortlebt, allerdings in unwürdi­ ger Form: als umgangssprachliches Spottwort für eine gering geschätzte Frauensperson, oft in ihrer Eigenschaft als Lebensgefährtin eines Mannes. Wie hieß die Adlige?

Das kleine Geschöpf, dessentwegen hier­ zulande einst Maulbeerbäume in großer Zahl angebaut wurden, führte ein ge­ heimnisvolles Sexualleben – bis ein deut­ scher Chemiker herausfand, mit welchen unsichtbaren Stoffen die Tiere einander betören. Es war ein später Höhepunkt einer Forscherkarriere, die sich im „Dritten Reich“ entfaltet hatte. Der Pro­ fessor arrangierte sich bestens mit dem Regime, obschon mit wechselhafter Be­ geisterung, soweit man weiß. Zweifellos schwand diese, als dem jungen Wissen­ schaftler mit 36 Jahren der Chemienobel­ preis zuerkannt wurde – und er ihn nicht annehmen durfte. Hitler hatte dies allen Deutschen verboten, nachdem 1936 der Friedensnobelpreis für den jahrelang im KZ darbenden Publizisten Carl von Os­ sietzky das Regime bloßgestellt hatte. Nach dem Untergang des Reichs wurde dem Chemiker die Nobelpreis­Medaille immerhin nachgereicht, ebenso die Urkunde mit seinem Namen darauf. Wie lautete er?

Fotos: AKG, H.Butin, Ullstein, Brett Neilson/Nejron Photo/Narin Sapaisarn/Davide Pesce/bbsferrari/natara, Wikipedia Montage: Schlösser


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„AufhĂśren! Ich platze“ Alle Jahre wieder bricht an Heiligabend zwischen Spekulatius und Gänsebraten der Floskel­Sturm los. Nehmen Sie die Herausforderung an: SprĂźche abhaken, punkten und „Hurra!“ VON MICHAEL SETZER

pa „Doch, doch. Wenn Pa t, iss sse NĂź aus Versehen r me im macht er “ so ein lustiges Gesicht.

sen „Ich hoffe, du hast die n.“ ese gel ht nic Krimi noch

h bald „Hach, jetzt ist dann auc Jahr s schon Silvester und da e?“ pp vorbei. Noch jemand Su

„Jetzt ist’s dann aber auch schon ganz schĂśn spät, ne?“

lasst euch „Esst das bitte auf oder ss ich mu st son was einpacken, n che Wo ei die nächsten zw “ en. ess KĂźrbiszeug

en „Aber nächstes Jahr geh sam ein wir alle gem zum Gottesdienst.“

„Ach, und Sie sind jetzt n?“ also mein Schwiegersoh

l „Die TupperschĂźssel wil .“ Ăźck zur der ich aber wie

hast, „Als du ‚Enkel’ gesagt bin ich nicht von Hund ausgegangen.“ em ein

ja fast „Mensch, dich hätte ich sieht n Ma nicht mehr erkannt. .“ ten dich ja nur so sel

„Soll ich dir noch vier bis neun Kilo von en den Weihnachtsplätzch einpacken?“

„Ohne ‚Drei NĂźsse fĂźr AschenbrĂśdel’ und ‚Stirb langsam’ komme ich nur schleppend “ in Weihnachtsstimmung

„Eigentlich sollten wir das viel Ăśfter machen!“

darfst „Veganer? Aber Wurst wir waren du essen, oder? Also, s frĂźher ja nicht gegen alle allergisch.“

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„Ahh, voll schĂśn. Socke und ein Duschgel! Hmm, Moschus!“

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enken „Aber nächstes Jahr sch !“ wir uns wirklich nichts

n nicht „Stop! AufhĂśren! Ich kan mehr, noch einen Bissen und ich platze. erei.“ Das gibt eine Riesensau

lich „Und was hast du eigent t?“ an Silvester geplan

„Hahaha. FrĂźher war mehr Lametta!“

Mo nta ge: Ruckab erle

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Die neue Lust auf Geschenke

Die ökonomische Logik ist herzlos. Der Homo oeconomi­ cus würde eher Geld als Wa­ ren verschenken, um den „Wohlfahrtsverlust von Weih­ nachten“ zu vermeiden. Das sind Ge­ schenke, die der Beschenkte nicht braucht und die dann im Schrank ver­ gammeln. Und in der Tat – Gutscheine, Geldgeschenke oder Schenken nach Wunschliste haben alle den Zweck, un­ erwünschte Geschenke zu verhindern. Falls der Homo oeconomicus dann doch mal auf Geschenksuche geht, dann so, dass der Zeitbedarf des Suchens nach dem richtigen Geschenk geringer ist, als wenn sich der Beschenkte selber auf die Suche machen müsste. Das wäre zumin­ dest effizient. Ein Weinliebhaber ver­ schenkt demnach Wein, ein Jazzmusiker Jazz­CDs, ein Literaturkenner Bücher. Wenn der Homo oeconomicus keinen Gutschein verschenkt, dann etwas, wo­ von er Ahnung hat. Nun ist der Homo oeconomicus aber auch in der Wissenschaft nicht mehr das Maß aller Dinge. Die Verhaltensökonomik hat Einzug gehalten, und mit ihr der Homo reciprocans. Altru­ ismus, Gegenseitigkeit und Empathie machen den Menschen aus. Und wenn es dann etwas menschli­ cher wird, so zeigt sich, dass neben dem Geschenk der Akt des Schenkens einen Mehrwert generiert. Die geschenkte Ka­ raffe von der Tante ist halt etwas anderes, als wenn man sich die gleiche Karaffe selbst gekauft hätte. Wichtig ist, dass sie „von Herzen“ kommt.

Achim Wambach, Ökonom und Präsident Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

2. Nicht teuer, sondern lieb

„Wir schenken uns zu Weihnachten nichts mehr! Sie wissen schon: Süßer die Kassenglocken nie klingen . . .“ Aber diese ‚Anti­Konsum­Haltung‘, die pünktlich zum Weihnachtsfest aufpoppt und den Rest des Jahres dann keine Rolle mehr spielt (‚Urlaub? Nur all­inclusive!‘), ist auch nicht so richtig überzeugend. Denn Weihnachten hat sich – neben dem individuellen Geburtstag – nun mal als Termin des allgemeinen Beschenkens herausgebildet. Es gehört zu unserem Brauchtum. In christlicher Perspektive steht dabei aber die symbolische Bedeutung des Geschenks im Vordergrund – nicht die ma­ terielle Sättigung. Und es gibt auch keinen Anspruch auf Geschenke. Schenken ist etwas Freiwilliges, kein Tauschhandel. Wunschzettel sind keine Einkaufslisten, auch

wenn dieser Aspekt inzwi­ schen manchen Kindern schwer zu vermitteln ist. Unsere Geschenke ver­ weisen auf ein viel größe­ res, ja unermesslich großes Geschenk Gottes hin: auf Jesus in der Krippe, mit dem das Heil, das Reich Got­ tes, seinen Anfang genommen hat. Das Weihnachtsfest gibt uns einen sinnli­ chen Vorgeschmack darauf, wie es sein wird, wenn das Reich Gottes kommt: Es wird sein wie ein Festtag, an dem Wär­ me, Liebe und Freude herrschen werden. Dieses Geschenk Gottes an die Men­ schen, das wir Jahr für Jahr zu Weihnach­ ten feiern, hat nun nichts mit dem kri­ tisch zu betrachtenden Konsumzwang und der an sich berechtigten Konsum­ verweigerung zu tun. Also schenken Sie gern. Aber schenken Sie nichts, was Ih­ nen teuer ist. Schenken Sie nichts, was nur nützlich ist. Schenken Sie etwas, das Ihnen lieb ist. Denn schließlich möchten Sie beim Beschenkten Freude wecken und zum Ausdruck bringen, dass Sie ihn be­ sonders schätzen. Er soll spüren, dass wir etwas schenken, das uns wichtig ist, an dem unser Herz hängt. Er soll spüren, dass wir etwas von uns schenken. Zum Beispiel ein Buch, das wir selbst gern mögen und von dem wir glauben, dass es dem Beschenkten auch gefallen könnte.

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1. Wohlfahrtsverlust

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Haben Sie vielleicht das Gefühl, das falsche Geschenk besorgt zu haben? Doch auch wenn jeder schon alles hat, kann es gelingen, in der Überflussgesellschaft so zu schenken, dass die Freude wieder im Mittelpunkt steht. Vier Meinungen, die auch Trost spenden.

Kurz: auf dem Tiefensinn des Schenkens. Wer die­ sen Tiefensinn weiterdenkt, kommt übrigens auch auto­ matisch zu den besten Weih­ nachtsgeschenken: sinnerfüllte Zeit für gemeinsame Aktivitäten.

Frank Schulz-Nieswandt, Soziologe, Uni Köln

4. Beobachten

Als Julia im Kindergarten bunte Perlen in einer durchsichtigen Kunststoffbox an mir vorbeitrug, wurde mir ganz warm ums Herz. Es dauerte etwas, bis ich das wohlige Gefühl überhaupt wahrnahm und feststellte, dass mich diese Perlen kurzerhand in meine Kindheit zurückka­

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tapultierten. Ich besaß als Kind ähnliche Perlen. Vermutlich ergeht es manchem Papa so, wenn er einen Technik­Baukas­ ten sieht. Dann wünschen wir uns, dass unsere Kinder sich zu Weihnachten wün­ schen, was wir gerne spielen würden oder mal gespielt haben. Aber beim Schenken geht es ja nun mal darum, dem anderen eine Freude zu machen. Wollen wir herausfinden, was unser Kind braucht, was seine Augen an Weihnach­ ten erstrahlen lässt, müssen wir es beob­ achten. Zum Beispiel: Das Kind hat gerade entdeckt, dass es mit der Herausforde­ rung, mit kleinteiligem Material zu han­ tieren, zurechtkommt und Freude an Far­ be hat. Dann können bunte Perlen zum Fädeln oder Weben genau das Richtige sein. Oder Werkzeug und Schrauben wer­ den bei allen möglichen Gelegenheiten interessant gefunden. Dann ist ein Konstruktionsbaukasten bestimmt ein angesagtes Spielzeug. Oder das Kind liebt

Rituale und die Gemeinsamkeit am Tisch, dann kann dieses Gemeinschafts­ gefühl beim gemeinsamen Spiel eines Gesellschaftsspieles unterstützt werden. Vielleicht ordnet und sortiert das Kind gerne, dafür gibt es dann Lotto­Domino oder Bau­ und Stapelspiele bis hin zu be­ stimmten Knobelspielen. Schön, wenn es etwas ist, das auch uns Erwachsenen Spaß macht. Und wenn nicht – lassen wir uns trotzdem zum Mitmachen überre­ den, vielleicht entdecken wir ja noch ver­ borgene Fähigkeiten in uns. Auf jeden Fall aber verbringen wir Zeit miteinan­ der. Und darum geht es. Aufgezeichnet von Sandra Markert.

Ingetraud Palm-Walter, Pädagogin und Vorsitzende des Ulmer Vereins Spiel gut

TICKETS.C2CONCERTS.DE | 071184 96 16 72 ODER BEI ALLEN VORVERKAUFSSTELLEN

29.12.18

LIEDERHALLE STUTTGART

05.01.19

LIEDERHALLE STUTTGART

26.01.19

LIEDERHALLE STUTTGART

16.02.19

SCALA LUDWIGSBURG

21.02.19

THEATERHAUS STUTTGART

02.03.19

LIEDERHALLE STUTTGART

09.03.19

IM WIZEMANN STUTTGART

10.03.19

NECKARFORUM ESSLINGEN

20 Uhr

20 Uhr

20 Uhr

Michael Wermke, Religionspädagoge Universität Jena

3. Sozialer Sinn

Schenken ist ein tief in das Kulturleben aller Völker zu allen Zeiten eingelassener Akt der Gabe. Er löst oftmals Gegen­Ga­ ben aus, weil so eine soziale Bindung zwischen Menschen geknüpft und zum Ausdruck gebracht wird. Neben dem ma­ teriellen Wert (Gebrauchs­ oder Tausch­ wert) gibt es also einen weiteren Wert, der in den Dingen verborgen ist: der so­ ziale Sinn. Schenken drückt auch Bin­ dungen aus, Motive der Liebe, des Res­ pekts, der Dankbarkeit, der Pflicht. Ja, Schenken kann mitunter sogar einen bösartigen Hintergrund haben – wenn wir es einsetzen, um jemanden zu demü­ tigen, abhängig zu machen, zu beschä­ men. Hoffentlich passiert das nicht zu Weihnachten. Wenn man diesen sozialen Sinn mit bedenkt, dann kann man sich an Weihnachten auch durchaus darauf eini­ gen, sich nichts zu schen­ ken. Dann liegt der Fokus auf dem Fest an sich, auf dem gelingenden Miteinan­ der, auf dem Zusammensein.

20 Uhr

20 Uhr

20 Uhr

19 Uhr

MIT DER DÄMMERUNG BEGINNT DIE MAGISCHE REISE …

Nach dem Original aus

LONDON und

BERLIN

22.03.19 19 Uhr

PORSCHEARENA STUTTGART

22.03.19 20 Uhr

SCHLEYERHALLE STUTTGART

12. STUTTGARTER OPERNSOMMER

Das stimmungsvolle Lichterlebnis zur Weihnachtszeit

15. Nov – 06. Jan WILHELMA

ZOOLOGISCH-BOTANISCHER GARTEN

WWW.CHRISTMAS-GARDEN.DE

03.04.19 20 Uhr

THEATERHAUS STUTTGART

17.08.19 19 Uhr

FREILICHTBÜHNE KILLESBERG STUTTGART

* Tickets unter  01806 - 777 111  bei Easy Ticket sowie an den bek. VVK-Stellen. Die Tages-, Dauer und Mitgliedskarten des Förderkreises der Wilhelma haben keine Gültigkeit *(0,20 EUR/Verbindung aus dt. Festnetz / max. 0,60 EUR/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz)


Info

So funktioniert’s Finde die acht Detailausschnitte im großen Wimmelbild und kringel sie ein.

So schickst du uns deine Lösung Um teilnehmen zu dürfen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Bitte deshalb deine Eltern, uns die ganze Seite mit den eingekringelten Ausschnitten per Post zu schicken: Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten, Redaktion Kinderweihnachtsrätsel, Postfach 10 60 32, 70049 Stuttgart

Leitung Peter Trapmann

Chefredakteure Joachim Dorfs, Dr. Christoph Reisinger

Die Weihnachtsbeilage ist ein Produkt der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH/Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH

Deine Eltern dürfen nicht vergessen, ihren Namen und ihre Anschrift dazuzuschreiben. Einsendeschluss ist der 7. Januar 2019.

Das kann man gewinnen Es gibt 20 Hauptgewinne: Wir verlosen je ein Exemplar des hier abgebildeten Wimmelbuches „Die vier Jahreszeiten“ von Tina Krehan, aus dem auch das Rätselbild auf dieser Seite stammt. Das Wimmelbuch, das es zu gewinnen gibt, ist für 14,90 Euro auch erhältlich unter www.stihl-markenshop.de

Außerdem verlosen wir 30-mal den Kinderkrimi „Leon Lustig und die Jagd nach dem Urvogel“ von Franziska Hochwald.

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Teilnahmebedingungen unter www.stn.de/datenschutz und www.stuttgarter-zeitung.de/datenschutz

Redaktion Nicole Golombek, Tomo Pavlovic, Michael Setzer, Götz Thieme, Anja Wasserbäch Layout Sebastian Ruckaberle, Sebastian Klöpfer, Bernd Fischer Art Direktion Eva Dähne, Dirk Steininger Anzeigen Oliver Nothelfer (verantw.)

IMPRESSUM

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Foto: privat Illustration: gorbovoi81/Adobe Stock, Ruckaberle

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Warum wir glauben In einer Welt ohne Religion könnte der Mensch nicht bestehen, sagt der Freiburger Hirnforscher Robert Illing. Auch wenn alles vielleicht nur ein Placebo­Effekt ist.

VON WERNER LUDWIG

Herr Illing, warum beschäftigen Sie sich als Neurobiologe mit dem Thema Religion? Religion war schon in meinem Elternhaus ein wichtiges Thema – auch mit Blick auf unterschiedliche Glaubensrichtungen. In unserer Familie wurde viel darüber disku­ tiert. Ich stellte mir oft die Frage: Jeder be­ hauptet, den richtigen Weg zu kennen, aber wer hat recht? Ich entschied mich da­ für, das Ganze naturwissenschaftlich an­ zugehen, und wandte mich der Hirnfor­ schung zu – einschließlich der organi­ schen Grundlagen unserer geistigen Akti­ vitäten, zu denen auch religiöses Denken gehört. Warum glauben Menschen? In ihrer Geschichte mussten die Men­ schen wie alle Lebewesen um ihr Überle­ ben kämpfen – inmitten einer Natur, die ihnen viele Herausforderungen bescher­ te. Wie Grabfunde belegen, haben die Menschen vor vielleicht 60 000 Jahren die Vorstellung eines Jenseits entwickelt. Als Jäger und Sammler vor rund 12 000 Jahren sesshaft wurden, stellten sich ih­ nen ganz neue Fragen: Wie organisieren wir uns, wie lösen wir Konflikte, wie sank­ tionieren wir Regelverstöße? Es ging da­ rum, eine Sinnkrise zu überwinden und den wachsenden sozialen Gemeinschaf­ ten eine Struktur zu geben. Und die Antwort darauf war die Entste­ hung der Religionen? Genau. Die Menschen fragten sich: Was soll das Ganze? Wofür muss ich mich ab­ rackern und Gefahren aushalten – ich sterbe ja sowieso. Die Sinnsuche ist der Ursprung religiösen Denkens. Und das hat sich dann in verschiedene Spielarten aufgefächert.

Es gibt auch heute eine Art Sinnkrise, obwohl wir weniger existenzielle Prob­ leme haben als unsere Vorfahren. Aller­ dings gibt es viele Arten der Sinnsuche. Der eine hängt einer bestimmten Er­ nährungsweise an, der andere definiert sich über materielle Güter. Die Frage ist, wie lange die jeweilige Sinn­ gebung trägt. Konsum ist ein Betäubungs­ mittel, das uns eine Zeit lang von Sinnfra­ gen ablenken kann. Unsere tieferen Le­ bensfragen werden dadurch aber nicht beantwortet, noch nicht einmal berührt.

„Ich glaube, dass Gott vom Menschen gemacht ist und nicht der Mensch von Gott.“ ROBERT ILLING, HIRNFORSCHER

Aus Religion kann auch Fanatismus werden, der in Gewalt mündet. Wäre die Welt ohne Religion nicht besser? In einer Welt ohne Religion könnten wir nach meinem Verständnis nicht be­ stehen, aber man kann jedes Werkzeug, jede Idee sowohl positiv als auch negativ einsetzen, seien es Faustkeile, Sprengmit­ tel, Staatsverfassungen oder Religionen. Im schlimmsten Fall zur Begründung von Kriegen oder Anschlägen. Leider ja. Unter dem Strich hat Religion

dem Menschen in seiner Evolution jedoch mehr Nutzen gebracht als Schaden zuge­ fügt. Religiöse Menschen haben eine posi­ tive Vision für die Zukunft. Solide Studien haben gezeigt, dass sie im Durchschnitt glücklicher, gesünder, großzügiger, ehrli­ cher und kooperativer sind und mehr Kinder haben als Atheisten. Religiöse Menschen engagieren sich eher für Ge­ rechtigkeit und Frieden. Vieles von dem, was Religionen postu­ lieren, ist kaum mit einem naturwis­ senschaftlichen Weltbild zu vereinen. Auch Naturwissenschaftler stützen sich auf Annahmen, die sich nicht rational be­ gründen lassen. So ist das Denkmuster weit verbreitet, dass „alles aus einem“ er­ klärbar sein muss – erkennbar etwa an der Sehnsucht der Physiker nach einer Weltformel. Auf einer ähnlichen Aus­ gangsidee basieren die monotheistischen Religionen, denen zufolge es nur einen Gott gibt, aus dem heraus alles entstan­ den ist. Wir können nicht nachweisen, dass es Gott gibt. Könnte es sich bei den positi­ ven Wirkungen von Religion am Ende nur um einen Placebo­Effekt handeln? Was heißt nur? Kultur und Religion brin­ gen den Menschen ja tatsächlich unge­ heure Vorteile. Die von uns geschaffene Welt wirkt auf uns genauso mächtig zu­ rück wie unsere physische Umgebung. Was kann die Hirnforschung zum Ver­ ständnis der Religion beitragen? Wir wissen, dass unser Gehirn in be­ stimmter Weise aktiv ist, wenn wir an Gott denken, wenn wir Riten folgen oder Weihnachten feiern. Man kann zum Bei­ spiel meditierende Menschen in einen Scanner legen, um mithilfe starker Mag­ netfelder festzustellen, welche Hirnregio­ nen dabei besonders stark durchblutet

sind und welche we­ niger. Da stel­ len sich ganz charakteristische Muster ein. Man kann auch bestimmte Hirnregionen stimulie­ ren und damit auch bei ganz harten Mate­ rialisten Wahrnehmungen auslösen, die sie normalerweise nicht hätten – zum Bei­ spiel die Empfindung, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden. Diese Be­ funde machen deutlich, dass Religion in unserer organischen Konstitution ver­ wurzelt ist. Ähneln religiöse Erlebnisse denen beim Drogenkonsum? Es gibt Hirnbereiche, die in beiden Fällen aktiv sind, zum Beispiel Belohnungsnetz­ werke im basalen Vorderhirn. Jeder Mo­ dus von Wohlbefinden zeigt aber seine eigenen spezifischen Aktivitätsmuster. An Karl Marx‘ Feststellung, Religion sei das Opium des Volkes, ist also schon ein bisschen was dran. Natürlich muss man sich gut fühlen, wenn man an seinen Gott glaubt, sonst würde man ihm nicht folgen. Kann man am Gehirn erkennen, ob je­ mand religiös ist?

Zur Person Robert Illing Der 1953 geborene Hirnforscher leitet das Neurobiologische Forschungslabor im Universitätsklinikum Freiburg. Nach dem Studium der Biologie und Philosophie in Konstanz arbeitete Illing am Max-Planck-Institut in Tübingen und am Massachusetts Institute of Technology. LUD

Am lebenden Gehirn könnten wir die Ak­ tivierungsmuster kartieren und feststel­ len, ob sich der betreffende Mensch in einer Meditation oder Andachtshaltung befindet. Es ist denkbar, dass man eines Tages nach dem Tod eines Menschen an dessen Gehirn feststellen kann, ob er sich intensiv mit spirituellen Gedanken be­ schäftigt hat. Das könnte man vermutlich aus den synaptischen Verknüpfungen ab­ leiten, aus der lokalen Genaktivität oder der Verteilung von Neurotransmittern. Dieses Interview erscheint in der Weih­ nachtsausgabe. Wie blicken Sie persön­ lich auf Weihnachten? Ich erinnere mich gerne an die Weih­ nachtsabende meiner Kindheit. Das wa­ ren großartige Erlebnisse. Ich wünsche je­ dem, dass er an so etwas teilhaben kann. Weihnachten ist ein guter Anlass, sich die Bedeutung von Familie und sozialer Um­ gebung bewusst zu machen. Statt sich mit Konsum abzulenken, sollte man die Weih­ nachtszeit nutzen, um sich den tieferen Fragen des Lebens zu stellen. Was ist denn das eigentlich, unser Leben? Was wollen wir daraus machen? Was könnte mit dem Bild eines Engels gemeint sein? Solche Fragen kann Naturwissenschaft nicht be­ antworten. Sie sind Neurowissenschaftler und klingen fast wie ein Theologe. Im Gegensatz zu den Theologen glaube ich, dass Gott vom Menschen gemacht ist und nicht der Mensch von Gott. Und trotzdem ist es eine Tatsache, dass religiö­ ses Denken auf geheimnisvolle Weise unser Leben stabilisiert und damit in die­ se Welt hineinpasst. Ich würde mich des­ halb nicht als Atheist bezeichnen, mein Gottesbild ist allerdings recht abstrakt. Naturwissenschaften können uns keine Orientierung dafür geben, was gut und wichtig ist und was nicht.


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Mit Flügeln „Dein Engel auf Erden“ – so lautete diesmal das Thema unseres Malwettbewerbs für Kinder von drei bis zwölf. Ein Bild, das unsere Jury besonders überzeugte, stammt von Franziska, sechs Jahre alt. Ihr freundlicher Engel mit Flügeln aus Zeitungspapier schwebt über einer Erde mit Pflanzen und Tieren. Die Gewinner des Malwettbewerbs nehmen an einem exklusiven Workshop der Stuttgarter Staatsgalerie teil.

Leon Lustig und das Weihnachtspony Das Geld ist knapp, und Leon Lustig will nichts einfallen, was er seinem Vater und dessen doofer Freundin Rita schenken soll. Beim gedankenverlorenen Schlendern über den Stuttgarter Weihnachtsmarkt stolpert er in das Pony Winnetou und Chiara vom Circus Sottosopra. Und dann wird Winnetou plötzlich entführt. VON F R A N Z I S K A H O C H WA L D

Das Schlimmste an Weihnachten ist das Geschenkemachen, echt jetzt. Ich trabe schon seit zwei Stunden durch Stuttgart und habe einfach keinen Plan – weil, fürs Selberbasteln bin ich wirklich schon zu alt, und Papa hat wirklich genügend Tee­ lichter und so Zeug, das eh nur im Wohn­ zimmer rumsteht. Also habe ich seit drei Wochen mein Taschengeld gespart, um ihm irgendwas zu besorgen. Aber ich ha­ be keine Idee, was ich kaufen soll. Ein schöner Füller wäre was, aber die sind ja krass teuer. Und als Rasierwasser nimmt er nur dieses Ingwer­Zitrone­Zeug, das seine Freundin Rita ihm immer kauft.

Auf dem Platz werden Glitzersterne, Teelichter, und Schnaps angeboten.

Rita. Darf ich gar nicht dran denken, die muss ja auch noch ein Geschenk be­ kommen. Am besten ein Ticket zum En­ de der Welt, ohne Rückflug. Das einzig Gute ist, dass meine Cousine Lea und ihre Familie dieses Jahr bei uns feiern. Ob ich denen auch was schenken muss? Vielleicht finde ich was Gutes auf dem Weihnachtsmarkt. Ich drücke mich durch die engen Gassen auf dem Markt­ platz. Glitzersterne, noch mehr Teelich­ ter, Schnaps und superteure Filzpantof­ feln. Die Luft riecht nach Glühwein und Gegrilltem, irgendwie lecker, aber mir wird trotzdem ein bisschen schlecht da­ von. Ich glaub’, ich gebe auf. Mit hängen­

dem Kopf trotte ich in Richtung U­Bahn, als plötzlich etwas Weiches, Fel­ liges mein Ohr streift. „Kannst du nicht aufpassen?“ Ich hebe den Kopf und stehe direkt vor einem Mädchen, das ein braunes Pony am Halfter festhält. Bei beiden sind grüne Stoffbänder und kleine rote Sterne in die Mähne geflochten. Ich weiß, bei Mädchen nennt man das eher nicht so, aber dessen Haare sind so lang und schwarz und dicht, dass es irgend­ wie doch stimmt. Es schüttelt den Kopf. „Ist ja nicht zu glauben, bist du so blind, dass du sogar Winnetou überse­ hen kannst?“ Das Mädchen tätschelt den Hals des Ponys. Eigentlich habe ich ja keine Lust, mich blöd von der Seite anmachen zu lassen. Aber das Pony ist schön. Jetzt erst sehe ich das Schild um seinen Hals: „Circus Sottosopra – eine kleine Spende für unsere Tiere“. Und dann fällt mir auch der Pappbe­ cher auf, den das Mädchen in der Hand hält. Es schaut gar nicht mehr so sauer drein, sondern lä­ chelt fast. „Ich bin Chiara.“ „Leon“, stammle ich verlegen. Eigentlich würde ich ihr gerne et­ was geben, aber mein Geld reicht schon so nicht für die ganzen Ge­ schenke. Ich merke, wie ich ein bisschen rot werde. Aber bevor die Peinlichkeit ins Unendliche steigt, drängt sich eine alte Da­ me zwischen uns. Sie trägt ein Hütchen auf ihren weißen Haaren und sieht zer­ brechlich aus. Dafür ist ihre Stimme um­ so lauter. „Das ist Tierquälerei, wie kannst du nur das arme Pony hier mitten im Ge­

Von Vivien, acht Jahre, ist der Engel mit den bunten Flügeln (oben). Sanna, elf Jahre, hat gleich ihre ganze Familie, einschließlich Hund, mit kleinen goldenen Engelsflügeln ausgestattet. Sogar am Fahrradhelm. Fotos: Lichtgut/Achim Zweygarth

tümmel abstellen! Und dann auch noch betteln!“ Sie versucht, dem Mädchen den Pappbecher aus der Hand zu reißen. „Schäm dich was! Ich hole die Polizei!“ Eigentlich müsste ich was tun, aber ich bin wie erstarrt. Oder viel­ leicht auch nur zu feige. Die Dame reißt nun am Zaumzeug des Ponys, und Winnetou gefällt das gar nicht. Er fängt an zu schnauben und zu tänzeln, die Lage wird immer un­ übersichtlicher. „Aaaah!“, schreit die Dame nun, „der Gaul hat mich getreten! Das ist Körperverletzung!“ „Nein, hat er nicht“, mischt sich nun plötzlich eine weitere Stimme ins Geschehen. „Das war ich. Und jetzt zisch mal ab, Alte, aber ganz schnell.“ Ein Junge mit Jog­ ginghose und Kapuzen­ pulli baut sich vor der Frau auf. Er sieht aus wie einer, dem ich nor­ malerweise lieber aus dem Weg gehen würde, aber jetzt bin ich richtig froh, dass er da ist. „Polizei!“, kreischt die Frau nun wieder, aber der Junge lacht nur und rührt sich nicht. Einen klammen Moment lang ist die Szene wie einge­ froren, dann rückt die Da­ me ihr Hütchen zurecht, schnaubt noch einmal empört und dreht sich weg. Kurz darauf wird sie von der Menschenmenge des Weihnachtsmarkts verschluckt. Der Junge grinst breit und klopft Chiara auf die Schulter.

„Gern geschehen, musst mir nicht danken. Die Alte wollte dir deine Kohle abnehmen, da dachte ich mir, machen wir es doch umgekehrt.“ Er zieht die Hand aus der Hosentasche und zeigt uns ein altmodisches Porte­ monnaie aus Krokodilleder­Imitat. „Uuups“, sagt er spöttisch, „das muss ihr wohl aus der Tasche gefallen sein. Schenk’ ich dir, ist ja bald Weihnachten.“

Natürlich gehört es sich nicht, einer alten Dame das Portemonnaie zu stehlen.

Er drückt Chiara den Geldbeutel in die Hand. Aber die ist gar nicht erfreut. „Sag mal, spinnst du eigentlich?“, fährt sie ihn an. „Du kannst doch nicht einfach stehlen.“ Das Grinsen verschwindet aus dem Gesicht des Jungen. „Kann ich nicht, meinst du? Und ob ich das kann, siehst du doch.“ Er zieht sich seine Kapuze tiefer ins Ge­ sicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich, dass der Typ ein bisschen recht hat. Diese blöde alte Dummschwätzerin hat es doch verdient. Irgendwie zumindest. Aber natürlich weiß ich, dass sich das nicht ge­ hört. Ich verdränge den Gedanken, so gut es geht, und höre mich plötzlich sagen: „Schnell, Chiara, gib mir das Ding, ich laufe ihr nach.“ Chiara lächelt mich an, und die roten Sterne in ihren Haaren funkeln. „Vielen Dank, Leon, du bist super!“ Ich schnappe das Portemonnaie und


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W E I H NAC H T E N 2 0 1 8 renne los in die Richtung, in die die Dame verschwunden ist. Schon nach wenigen Metern wird mir klar, dass das ein unmögli­ ches Unterfangen ist. Alles ist voller Menschen. Eine Gruppe Chinesen versperrt mir den Weg. Sie unterhalten sich lautstark mit ihrem Touristenführer. Ein Stück weiter machen sich ein paar Schweizer an einem Stand mit Kuckucksuhren breit. Man sollte doch meinen, dass die eigene Uhren haben und nicht nach Stuttgart kommen müs­ sen, um sich welche zu kaufen. Als mich dann noch zwei Müt­ ter mit Kinderwagen an die Wand eines Kartoffelpuffer­ Stands drücken, weiß ich, dass ich aufgeben muss. Ich trotte zurück und bin unzufrieden mit mir. Viel­ leicht habe ich mich gar nicht richtig angestrengt, weil ich eigentlich immer noch nicht finde, dass man zu so einer fiesen Tante nett sein muss. Und Chiara wird mich sicher auch nicht mehr so supertoll finden, wenn ich jetzt wieder zurück­ komme. Doch als ich die Rathaustreppe am Rand des Marktplatzes erreicht habe, ist sie weg. Oder habe ich mich verlaufen, und sie stand wo ganz anders? Ich gehe noch einmal eine Runde und noch eine, aber sie ist wie vom Erdboden ver­ schwunden. Wenn ich nicht diesen hässlichen Geldbeutel in der Hand hätte, könnte ich fast glauben, ich hätte alles nur ge­ träumt. Ich mache ihn auf. Es sind hun­ dert Euro drin. Aber kein Ausweis. Ich stöbere durch die Fächer, aber alles, was ich finde, ist eine Karte mit der Auf­ schrift „Bridge Club Stuttgart“. Na, im­ merhin, denke ich. Ich habe zwar keine Ahnung, was Bridge sein soll, ich glaube, ein Spiel oder so etwas, aber es ist ein An­ haltspunkt für einen geübten Detektiv wie mich. „Leon! Da bist du ja! Ein Glück!“ Ich schaue auf, und Chiara steht vor mir. Ihre Stimme zittert. „Ich habe den Jungen ge­ beten, nur mal kurz das Pony zu halten, damit ich aufs Klo kann.“ Sie schnieft. „Und als ich zurückkam, war er weg.“

Eine Ladung platt getretener Pferdeäpfel weist den Weg zum Pony.

Tränen laufen ihre Wangen herunter. Ich kann es gar nicht fassen. „Wie, du hast dem abgestürzten Typen dein Pony anvertraut?“ Nun fängt Chiaras Unterlippe an zu zittern, und mir wird klar, dass ich mir den Satz besser hätte sparen sollen. „Oh Mann, Chiara, was machen wir jetzt?“ Ich lege den Arm um sie, aber nur ganz kurz. „Lass uns nachdenken, wo er mit dem Pony hingegangen sein könnte.“ „Keine Ahnung, woher soll ich denn das wissen?“ Jetzt schluchzt sie so heftig, dass ich sie kaum noch verstehe. „Scheiße“, höre ich plötzlich die Stim­ me eines Mannes, der ein Stück weiter Richtung Breuninger steht. „Ich bin in Pferdescheiße getreten.“ „Hey, Chiara“, rufe ich, „hast du das ge­ hört?“ Sie schaut mich nur verständnislos an, und ich nehme sie an der Hand und renne los quer über den Weihnachts­ markt. Tatsächlich, einige Meter weiter liegt eine platt getretene Ladung Pferde­ äpfel auf dem Weg. Was hat sich der Ka­ puzentyp nur gedacht? Wohin ist er unterwegs? Plötzlich kommt mir eine Idee. Wahrscheinlich hat er sich über­ haupt nicht viel gedacht und ist einfach nur auf dem Weg zur nächstbesten Grün­ fläche. Weil Ponys ja schließlich Gras fressen. Wenn wir uns beeilen, finden wir ihn noch, bevor er den Anlagensee im Park erreicht hat. Wir hasten an der

Links: Der farbenfrohe Engel von Azad, acht Jahre alt. Rechts oben der von Ogechi, 12 Jahre. Darunter zeigt Rosa, sechs Jahre, dass auch einem Vierbeiner Flügel wachsen können.

Kohle geben konnte.“ Dann starrt er auf seine Schuhe und sagt nichts mehr. Ich will gar nicht so genau wissen, wer da wem welches Geld schuldet, bin nur froh, dass Winne­ tou wieder da ist. Chiara dreht sich zu mir um. „Danke, Leon. Du bist ein echter Freund. Und weißt du was? Du und deine Familie, ihr seid zu unserer Weihnachtsvorstellung eingeladen.“ Ich weiß gar nicht, was ich sa­ gen soll, so glücklich bin ich. Nun habe ich doch ein super Geschenk für alle. Doch dann fällt mein Blick auf den Kapuzenjungen, der ziemlich nie­ dergeschlagen aussieht. Auch Chiara schaut zu ihm rüber. „Na gut, du bist auch eingeladen. Keine Ahnung, warum ich das jetzt sa­ ge. Aber immerhin hast du mich vor der fiesen alten Dame gerettet.“ Der Junge ist jetzt richtig froh. Er lä­ chelt und sieht mit einem Mal aus, als könnte er vielleicht sogar ein echter Kumpel werden. „Ist echt nett von dir, Chiara, dass du einen Pferdedieb in den Zirkus ein­ lädst“, sage ich. „Aber vorher muss dieser Typ hier noch was erledigen. Wir beide gehen jetzt erst einmal zusammen zum Bridge Club, einen Geldbeutel abgeben.“

Links unten: die Jury aus den Redakteuren Peter Trapmann, Nikolai B. Forstbauer und Adrienne Braun, den Mitarbeiterinnen der Staatsgalerie, Susanne Kohlheyer, Beate Wolf und Anke Bächle, der Mediengestalterin Melanie Morlok und dem Artdirector Dirk Steininger (von links nach rechts) bei der Arbeit. Fotos: Lichtgut/Achim Zweygarth (4), Hochwald

Markthalle vorbei, lassen das Alte Schloss links liegen und rennen immer weiter, bis wir die Anlagen erreicht ha­ ben. Ein bisschen gruselig ist es hier unter den riesigen Bäumen. Es ist erst halb sechs, aber die Sonne ist schon eine gan­ ze Weile untergegangen. Weit und breit ist niemand zu sehen, und das Licht der Straßenlaternen reicht nur wenig über die Wege hinaus. Chiara seufzt. „Hier finden wir Winnetou niemals.“ Ich will etwas Tröstliches sagen, aber mir fällt nichts ein. Ich hab’ nicht mal ein Taschentuch dabei. Und kalt ist mir. Als ich gerade zugeben will, dass ich als Hel­ fer und Retter total überfordert bin, er­ tönt ein lautes Wiehern ein Stück weiter vorne aus dem Gebüsch. Und dann Stim­ mengewirr von mehreren Jugendlichen. Sie hören sich ziemlich aufgebracht an. Ich denke, das Beste wäre es jetzt, einfach die Polizei zu rufen. Aber Chiara sieht das offenbar anders. „Winnetou!“, schreit sie und rennt los. Was bleibt mir anderes üb­ rig als hinterherzugehen? Etwas halbherzig beginne ich schnel­ ler zu gehen. Und als ich sie eingeholt ha­ be, bleibt mir vor Staunen der Mund of­ fen stehen. Hinter den Büschen stehen drei Jugendliche vor dem Kapuzenjun­ gen und dem Pony, und Chiara geht wie eine Wilde auf sie los, verteilt Fußtritte und Handkantenschläge in alle Richtun­ gen. Es dauert nur wenige Sekunden, und die großen Jungs nehmen Reißaus. „Was war denn das?“ Ich kann gar nicht fassen, was ich da gesehen habe. Chiara kann sich ein stolzes Grinsen nicht verkneifen. „In unserer Zirkusshow haben wir Ar­ tisten aus aller Welt. Und in einer Num­ mer spiele ich mit meinem Bruder die Kung­Fu­Ninjas.“ Dann dreht sie sich um und umarmt Winnetou. Der Kapuzenjunge steht da wie ein be­ gossener Pudel. Ich bin ganz schön sauer auf ihn. „Warum hast du das gemacht?“ „Keine Ahnung“, stottert er. „Wollte einfach auch mal was für mich haben.“ Und nach einer langen Pause: „Cool von euch, dass ihr mir geholfen habt. Auch wenn es genau genommen eure Schuld war, dass ich denen keine

Franziska Hochwald Unsere Autorin ist die Verfasserin der Stuttgarter Kinderkrimis mit Detektiv Leon Lustig.

Sich zum Umzug in eine Seniorenresidenz zu entschließen, fällt nicht leicht. Aber wenn Sie den Schritt tun, erwarten Sie neue Begegnungen und Aktivitäten. Wir beraten Sie gerne. Hausführungen jeden Mittwoch und 1. Samstag im Monat, jeweils 14 Uhr.

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Wussten Sie, dass . . .

Auserwählte, Könige und Propheten: Neun spannende Daten, Fakten und Zahlen zur Bibel, dem Buch der Bücher. VON MARKUS BRAUER

Die Bibel umfasst viele Bücher. Es ist die Sammlung der heiligen Schriften von Ju­ de und Christen. Wie steht es um Ihr Bi­ bel­Wissen? Wussten Sie, dass . . .

Bibel und Konfessionen

. . . die evangelischen Kirchen die Schrif­ ten der jüdischen Bibel (Tanach) mit ihren 24 Büchern (Tora – Weisung, Nevi – Propheten, Ketiuvim – Schriften) über­ nommen und in 39 Bücher eingeteilt ha­ ben? Hinzu kommen die 27 Schriften des griechischen Neuen Testaments – zu­ sammen 66 Bücher. Katholische Bibeln hingegen umfassen 73 Bücher. Die sieben Bücher, die aus dem Tanach ausgeschlos­ sen wurden und Martin Luther aus sei­ ner Bibelübersetzung entfernt hatte, sind in der katholischen Tradition Teil der Heiligen Schrift.

Altes und Neues

. . . die Bibel nicht nur ein einziges Buch, sondern eine kleine Bibliothek mit 1189 Kapiteln und 31171 Versen ist? Das Alte Testament wurde von 1400 bis 400 v. Chr. auf hebräisch und aramäisch ver­ fasst. Das Neue Testament wurde zwi­ schen 30 und 95 n. Chr. in griechischer Sprache aufgezeichnet.

Noah und die Arche

. . . Archäologen die Reste des berühmtes­ ten Wracks der Geschichte angeblich ge­ funden haben? Die große Flut begann dem Buch Genesis zufolge in Noahs 600. Lebensjahr. Nach 40 Tagen Dauerregen und 150 Tagen des Anschwellens nahm das Wasser ab. Danach setzte die Arche auf dem Berg Ararat auf. Archäologen wollen Bootsreste im Gebiet des Großen und Kleinen Ararat im armenischen Hochland, nahe der Stadt Dogubeyazıt im anatolischen Hochland sowie am Berg Dschudi in der südosttürkischen Provinz Sirnak gefunden haben. Beweise blieben sie alle schuldig. Heilige Drei Könige: Fenster der Kathedrale von Chartre s Foto: Mauritius

David und Goliath

. . . die Legende vom riesenhaften Goliath historisch belegt ist? Im ersten Buch Sa­ muel des Alten Testaments ist von einem Philister namens Goliath aus Gat die Re­ de, der drei Meter gemessen haben soll. Untersuchungen von Skeletten aus der Bronze­ und Eisenzeit (3000–500 v. Chr.) ergaben, dass der durchschnittliche Mann in biblischer Zeit 1,64 Meter groß gewesen ist. Es wurden aber auch deut­ lich größere Skelette (1,85 bis zwei Meter) gefunden. Diese „Riesen“ dienten in anti­ ker Zeit als Einzel­ und Elitesoldaten. So hat die Goliath­Erzählung große Ähnlich­ keit mit der altägyptischen Geschichte

von Sinuhe (um 1900 v. Chr.), der den Starken von Retjenu, einen bärenstarken Straßenräuber, bezwingt.

Auferstehung der Toten

. . . eine Auferstehung von Toten nicht erst im Neuen Testament vorkommt? Im Buch Ezechiel (37,1–14) der jüdischen Bi­ bel berichtet der Prophet Ezechiel von seiner Vision, in der sich die Toten aus ihren Gräbern erheben. Hintergrund ist die Eroberung des Reiches Juda und die Deportation eines Großteils der Einwoh­ ner im Jahr 597 v. Chr. durch den babylo­

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. . . der Turm zu Babel (Stichwort: babylo­ nische Sprachverwirrung), von dem im Buch Genesis (Kapitel 11) die Rede ist, tat­ sächlich existiert hat? Insgesamt wurden rund 25 dieser Zikkurate (babylonisch für Götterberg) in Vorderasien errichtet. Der größte stand in Babylon im heutigen Irak. Er hatte eine Grundfläche von 91,48 mal 91,66 Metern sowie eine Höhe von 91 Metern und war abgestuft in sieben oder acht Plateaus. Der erste Turm zu Ba­ bel wurde um 2300 v. Chr. zerstört.

. . . der Tempel, den Jesus in Jerusalem immer wieder aufsuchte, nicht das Origi­ nal gewesen ist? Der erste Salomonische Tempel wurde bei der Eroberung Jerusa­ lems 586 v. Chr. durch Neubabylonier ge­ schleift. Das Heiligtum, aus dem Jesus die Händler und Geldwechsler vertrieb, war der zweite oder Herodianische Tem­ pel. Er wurde um 515 v. Chr. erbaut und vom römischen Klientelkönig Herodes (73 bis 4 v. Chr.) erweitert. Bei der Erobe­ rung Jerusalems durch römische Trup­ pen 70 n. Chr. wurde er zerstört. Die Kla­ gemauer in der Jerusalemer Altstadt ist ein Teil der Umfassungsmauer des Pla­ teaus, auf dem der Tempel einst stand.

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. . . in der katholischen Kirche die drei Kö­ nige als Heilige verehrt werden? Ihr Hochfest ist das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) am 6. Januar. Auch in den evangelischen Kirchen wird an die­ sem Tag an die Weisen gedacht. Im Neu­ en Testament werden sie weder als Köni­ ge bezeichnet noch gibt es eine Angabe über ihre Zahl. Sie sind Weise aus dem Morgenland, Sterndeuter oder Magier, die vom Stern nach Bethlehem geführt werden. Ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar wurden erstmals im 6. Jahrhundert erwähnt.


XIII

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Wann gehen die endlich? Je größer die häusliche Weihnachtsparty, desto geringer sind die Rückzugsmöglichkeiten. Nirgendwo ist man sicher vor den Neurosen seiner Liebsten. Eine Typologie der nervigsten Weihnachtsgäste. VON TO MO PAVLOVIC

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Die Besseresser

Früher versammelte sich die Fami­ lie um einen kitschig dekorierten Tisch, der sich unter einem Gebirge aus Fisch, Fleisch und Zuckerkram wie eine Banane bog. Man aß, bis die Augen her­ ausploppten. Und alles schien gut. Doch mittlerweile ist das weihnachtliche Ess­ zimmer ein Kampfplatz der unverdauli­ chen Weltanschauungen. Veganer gegen Fleischfresser, Vegetarier gegen Frutarier. Und dann wäre da noch die anämische Cousine, die nur bei Vollmond selbst ge­ ernteten Bio­Spitzwegerich isst und stun­ denlang über ihren Zwölffingerdarm spricht. Oder der quadratisch gestopfte Onkel, dessen Manieren und politischen Ansichten einer Hausschlachtung ohne Betäubung ähneln. Oder die zwei Frisch­ verliebten, die sich bei einer glutenfreien Nudel kennengelernt haben. Oder . . .

Die Beleidigten

Kein Fest ohne einen peinlichen Komplett­Ausfall. Meist handelt es sich dabei um die hochsensible, egoma­ nische Diva in der Familie, deren Nerven­ kostüm stabil wie Lametta ist. Irgend­ wann verschwindet die betreffende Per­ son Tür schlagend aus dem Blickfeld und verzieht sich ins Schlafzimmer, wo sie schmollend hinter einem Hügel aus Mänteln und zerrissenem Geschenk­

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papier darauf wartet, wiederentdeckt zu werden. Nichtige Anlässe führen zu den größten Verwerfungen. Ein falsches Wort und es kommt zu gefährlichen Verpuf­ fungen. Nicht selten handelt es sich bei den Beleidigten um dauergekränkte Schwiegermütter oder verletzte Schwie­ gertöchter, die mit einem Elefantenge­ dächtnis ausgestattet sind. Spätestens an Silvester ist alles vergessen.

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Die Küchenpsychologen

Die Küche wurde ursprünglich nicht dafür erfunden, um darin Kochbücher zu horten oder Espressoma­ schinen aufzustellen. Nein, die Küche war und bleibt ein Ort des tiefschürfen­ den Gesprächs zweier Seelenverwandter. Vorzugsweise an hochfrequenten Festta­ gen findet sich immer ein sozial kompe­ tentes Familienmitglied mit einem „Psy­ chologie heute“­Abonnement, das bei

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Sozialneid, Depressionen, Wahnsinn, La­ texfetischismus und Weihnachtsstress im Allgemeinen weiterhilft. Die Behand­ lung findet stehend mit Sektgläsern in der Hand statt. Meist wird geflüstert, manchmal fließen Tränen. Die eigentlich vertraulichen Informationen werden vom nun angeschickerten Hobbythera­ peuten spätestens beim Nachtisch im Beisein aller ausgeplaudert.

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Was wäre eine Weihnachtsfeier oh­ ne einen Wundermenschen, der al­ les vorbereitet, an alle Einladungen denkt, die Wohnung aufhübscht und für das Ca­ tering sorgt? Eben. Oft handelt es sich bei dieser Person um eine feldwebelhafte Per­ fektionistin, die von ihrer Kommando­ zentrale in der Küche aus alle Frontverläu­ fe im Blick hat, beim Backen und Kochen zahllose Allergien und Nahrungsmittel­ unverträglichkeiten notiert, penibel auf die Tischordnung achtet, gleichzeitig den grapschenden Schwager mit der Ouzo­ Fahne abwehrt, den brennenden Weih­ nachtsbaum löscht, schwer verletzte Kin­ der notversorgt und den Monsterbraten in der Röhre wendet. Puh. Und wenn alle satt und glücklich die Bude verlassen ha­ ben, sitzt sie auf dem Staubsauer und nagt frustriert an einem Knochen.

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Die Verwöhnten

Was schenkt man Kindern, die schon alles haben? Das Neueste, Teuerste, Sinnloseste und viel mehr! Und weil die Auswahl im berstenden Kinder­ zimmer schon lange dem eines luxuriö­ sen Spielwarengeschäfts in einem Sulta­ nat gleicht, wird die komplette Wohnung nach der Bescherung kurzum zum Tram­ polin beziehungsweise zur Teststrecke umfunktioniert. Die Zeiten, als man den Kleinen mit Lego Star Wars, einer Barbie­ puppe und dem Chemiebaukasten glän­ zende Augen schenkte, sind endgültig vorbei. Seit Monaten klingelt der Ama­ zon­Bote täglich zweimal. Zum Fest wer­ den kindgerechte Kampfdrohnen ausge­ packt, saphirbesetzte Bibi­und­Tina­Pup­ pen, Hochschulstipendien und osteuro­ päische Nannys. Alles für die Kleinen. Und das Beste ist gerade gut genug.

Illustration: Michael Luz

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Die Halbcoolen

Die Nachbarn werden gleich die Feuerwehr anrufen, denn über dem Balkon gegenüber hängen fette Rauch­ schwaden. Die maximale Traglast ist überschritten. Auf drei Quadratmetern steht ein schlotterndes Häuflein, das wie ein weißrussisches Kohlekraftwerk vor sich hin rußt. Stell dir vor, es ist Weih­ nachten, und kaum einer will hin! Um den Familienfrieden nicht zu gefährden (und die Erbtante nicht zu verärgern) sind die Coolen der Sippe dennoch zur Bescherung angetreten, müssen aber den Frust durch partielle Abwesenheit kompensieren. Die rauchenden Coolen? So halb und halb. Es ist ein quarziges Kli­ schee aus den 90ern. Heute weiß man: Wer oft Bier und Zigaretten in der Kälte konsumiert, lebt kürzer und hat schließ­ lich nichts vom tantigen Erbe.


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Das Mobiliar im Haus Gottes Für viele Bundesbürger gehört der Besuch eines Gottesdienstes zu Weihnachten wie der Christbaum, das Festessen und die Geschenke: Evangelische und katholische Kirchen dienen der sakralen Feier und dem Gebet. Bei der Ausstattung unterscheiden sie sich aber in Details, wie wir am Beispiel der katholischen Bischofskirche St. Eberhard in Stuttgart zeigen. Ein Wegweiser. VON MARKUS BRAUER

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Altar

Altarbild

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Viele vor allem ältere Kirchen ver­ fügen über eine Apsis, einen halb­ kreisförmigen oder rechteckigen Bereich, der sich an das Kirchenschiff anschließt. Als wichtigster Raum innerhalb eines Gotteshauses ist der Chorraum oft mit einem monumentalen Wandgemälde, einem Mosaik oder einem großen Kruzi­ fix ausgestattet. In der katholischen Kon­ kathedrale St. Eberhard in Stuttgart zeigt das 13 Meter hohe Altarbild von Otto Ha­ bel von 1961 den wiederkommenden Christus als Pantokrator (Allherrscher), den „wiederkommenden Herrn“.

In katholischen Kirchen bildet der Altar den Mittelpunkt, an dem der zentrale Teil der Messe stattfindet – die Eucharistiefeier. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Danksa­ gung. Ein anderer Name dafür ist Abend­ mahl oder Kommunion. Sie alle bezeich­ nen einen wichtigen Teil des Gottes­ dienstes: den Moment, an dem die Gläu­ bigen des Lebens, Todes und der Auf­ erstehung Jesu gedenken. Wenn die Gläubigen zur Feier des Abendmahls zu­ sammenkommen, dann tun sie das zum Gedächtnis des Leidens, Todes und der Auferstehung Jesu. Christen glauben auch daran, dass Jesus im Sakrament der Eucharistie in ganz besonderer Weise im Hier und Jetzt gegenwärtig ist – und zwar unter den Gestalten von Brot und Wein.

Tabernakel

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Tabernakel gibt es in katholischen, nicht aber in evangelischen Kir­ chen. „Tabernaculum“ (lateinisch für Hütte, Zelt) ist Aufbewahrungsort der in der Eucharistiefeier vom Priester geweih­ te Hostien. Nach katholischer Lehre sind das Brot und der Wein der reale Leib unmd das Blut Christi. Der mit massiven Wänden und verschließbarer Tür ver­ sehene Tabernakel ist meist künstlerisch aufwendig gestaltet und dient als Ort stiller Anbetung. Das ewige Licht neben dem Tabernakel ist ein Hinweis auf die Gegenwart Christi in der Eucharistie.

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Ambo

Der Ambo (vom griechischen „ana­ bainein“, hinaufsteigen) ist das Le­ sepult, an dem der Priester, Diakon oder Lektor Texte aus dem Alten und Neuen Testament, das Evangelium und die Für­ bitten vorliest. Im Gegensatz zum Altar als „Tisch des Mahles“ wird er „Tisch des Wortes“ genannt. Auch die Predigt wird am Ambo und nicht mehr von der Kan­ zel gehalten. Ambo wie Kanzel stehen er­ höht und akustisch günstig im vorderen Kirchenschiff. In evangelischen Kirchen liegt die Bibel anders als in katholischen Gotteshäusern nicht auf dem Altar, sondern auf dem Ambo.

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Orgel

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Kirchenbank

In evangelischen und katholischen Kirchen sind die Kirchenbänke für die Feiernden meistens fest installiert. Das gibt dem Kirchenraum etwas Stati­ sches. Wie heute noch in orthodoxen Kirchen gab es früher keine Sitzplätze für die Gläubigen, die stehend an der sakra­ len Feier teilnahmen. In katholischen Kirchen verfügt das Kirchengestühl über niedrige Bänke vor den Sitzreihen, auf denen die Gläubigen während des Gebe­ tes knien.

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Fotos: dpa (3), Rudel/Hass

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Beichtstuhl

Wie Taufe und Eucharistiefeier hat auch das Sakrament der Buße einen festen Ort innerhalb des Gottes­ hauses. Traditionell wird es den Gläubi­ gen, die um Vergebung ihrer Sünden bit­ ten, im Beichtstuhl gespendet. Vom 16. Jahrhundert an entwickelte sich der bis heute gebräuch­ liche Beichtstuhl, der dem Pönitenten (Beichtenden) und dem Priester Ano­ nymität und den Schutz des Beicht­ geheimnisses ga­ rantieren soll.

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Die Orgel gilt als die Königin der Instrumente. Dement­ sprechend hat sie in Kirchen einen erhabenen Platz im Ein­ gangsbereich auf der Empore. Die ersten großen Orgeln (altgrie­ chisch „órganon“ (Werkzeug, Inst­ rument) wurden im Spätmittelalter installiert. Seither sind sie aus der Kirchenmusik kaum noch wegzu­ denken. Im Mittelalter diente die Orgel gottesdienstlichen Zwecken und nicht wie heute der Begleitung des Ge­ meindegesangs. Der spezifische Klang wird durch Pfeifen (meist eine Legierung aus Zinn und Blei) erzeugt, die durch einen Luftstrom – auch Orgelwind ge­ nannt – angeblasen werden. Auf einer Ta­ fel werden die Nummern der Lieder im Gesangbuch den Gottesdienstbesuchern angezeigt.

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Weihwasser­ Taufbecken

Kirchenbesucher Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz gehören noch 26,7 Prozent der Bevölkerung Deutschlands (insgesamt 82,8 Millionen) einer der 20 Gliedkirchen der EKD und 28,5 Prozent der katholischen Kirche an. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher nimmt seit Jahren in den beiden großen Kirchen kontinuierlich ab. 2017 besuchten rund 766 000 von insgesamt 21,92

Millionen evangelischen Christen sonntags regelmäßig einen Gottesdienst der evangelischen Landeskirchen. Das waren 3,4 Prozent. 1995 waren im Schnitt noch 4,9 Prozent der Mitglieder im Gottesdienst, zehn Jahre später 3,8 Prozent. Eine Sonntagsmesse besuchten im vergangenen Jahr regelmäßig rund 2,29 Millionen der insgesamt 23,58 Millionen Katholiken. Das waren 9,7 Prozent. 2005 waren es 15,29 Prozent und 1995 noch 19,9 Prozent. MB

Das Weihwasserbecken (lateinisch Colymbion) befindet sich im Ein­ gangsbereich katholischer Kirchen, meist an Wänden oder Pfeilern. Um sich innerlich auf den Gottesdienst und das Gebet vorzubereiten, tauchen die Gläubigen den Fin­ ger in das Wasser und bekreuzi­ gen sich damit. Das mit diesem Wasser ebenfalls gefüllte Tauf­ becken gehört zu den ältesten Ausstattungsteilen von Kir­ chen. Durch die Taufe wird der Mensch in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

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Info

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Gebete aus Holz und Stein Neben Prachtkirchen in Rom und Paris porträtiert der Fotograf Guillaume de Laubier eindrucksvoll einfache Holzkapellen am Rande Europas. VON NICOLE GOLOMBEK

Manche Pfarrer können die Gottesdienstteilnehmer an zwei Händen abzählen, andere freuen sich über Zigtau­ sende Besucher, wenngleich oft außerhalb der Predigt­ zeiten. Drei Millionen Gäste im Jahr zählt allein Notre­ Dame de Paris. „In Sankt Peter zu Rom kann man nicht mehr in Ruhe beten, ausgenommen – noch – in der Sak­ ramentskapelle“, berichtet Jacques Bosser in seinem Vorwort zu dem Fotoband „Die schönsten Kirchen Euro­ pas“. Guillaume de Laubier fotografiert von Touristen geschätzte Gotteshäuser, die zugleich Kulturdenkmäler darstellen. Das Ulmer Münster ist darunter, die St.­Pauls­Kathedrale in London, das trutzhafte Kloster Sainte­Marie de la Tourette in Éveux von Bauhaus­ Architekt Le Corbusier und die pompöse Mezquita­Ca­ tedral von Córdoba, Spanien. Die steingewordenen Ge­ bete lassen angesichts des überbordenden Glanzes den Atem stocken. Sakralbauten, in denen der Mensch klein, das Staunen groß ist. De Laubier porträtiert auch weniger berühmte Bau­ werke. In Augsburg fotografiert er die 2008 renovierte Moritzkirche, sie ist im Wortsinn schlicht spektakulär. In Wien wählt er die Kirche am Steinhof aus, ein Ju­ gendstil­Gesamtkunstwerk von Otto Wagner. Seine Rei­ se führt ihn weiter gen Osten bis ins historische Fürs­ tentum Moldau (heute Rumänien, Republik Moldau, Ukraine), wo er orthodoxe Kirchen besucht. Und bis in den Norden Europas, wo er Fjorde überquert hat, um zu den Stabkirchen in Norwegen zu gelangen: Holzgebäu­ de, die mit ihren Drachenköpfen und Laternen an japa­ nische Pagoden erinnern. Neben all den auch die Macht der Kirche demonstrierenden Prachtbauten, beeindru­ cken solche Gotteshäuser durch einfache Schönheit.

Guillaume de Laubier, Jacques Bosser: Die schönsten Kirchen Europas. Knesebeck-Verlag. 240 Seiten, 300 Abb., 50 Euro

Erinnert mit ihren Giebeln, kleinen Laternen und Drachenköpfen an eine japanische Pagode, doch die Kirche von Borgund, gebaut um 1180, steht in Norwegen. Fotos: Guillaune de Laubier/Knesebeck-Verlag

Igreja da Misericórdia, Chaves, Portugal. Keramikkacheln, Azulejos (18. Jahrhundert) genannt, bedecken die Kirche vollständig.

Fast 2000 Meter hoch gelegen: Mario Bottas Kapelle Santa Maria degli Angeli, Monte Tamaro, Schweiz. Von der Brücke gelangt man zur Kapelle und zur Aussichtsplattform.

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Fettes Fest

Weihnachtsklassiker: der Gänsebraten Foto: foodinaire/ Adobe Stock

Weihnachtsessen früher und heute: Seit dem Mittelalter wird zum Christfest Fettes aufgetischt. Dabei hat die Gans längst das Schwein verdrängt.

VON JULIA LUTZEYER

Unbelehrbar. Die Familie sah es kommen und tischte sie dennoch auf: die Weih­ nachtsgans, die Großvater alle Jahre wie­ der den Magen verdarb. Doch er wollte nichts anders. Zum Christfest gehört der fette Vogel aus dem Ofen. Das mit der Tradition ist richtig, geht es um die üppi­ ge Mahlzeit, mit Blick auf die Gans aber nur bedingt. Denn die hat sich erst ab dem 16. Jahrhundert auf weihnachtli­ chen Tafeln breitgemacht. Die Völlerei an Weihnachten ist kein Phänomen der Überflussgesellschaft, sondern wurzelt tiefer. Denn mit dem Fest endete die adventliche Fastenzeit und verkehrte sich jäh ins Gegenteil. Herzhaft zugebissen wurde allerdings frühestens in den ersten Stunden des 25. Dezember, nach Besuch der Christ­ mette an Heiligabend. Nur Karpfen, eine edle Fastenspeise, machte den Mund in Süddeutschland oder Polen schon am 24. Dezember wässrig. Als Beilage wird in der Brauchtums­Literatur häufig Kartof­ felsalat genannt. Der ist an Heiligabend bis heute sehr beliebt. Nach einer Statis­ ta­Umfrage aus dem Vorjahr nennt in Deutschland fast jeder zweite diesen Klassiker der kalten Küche und isst zur Bescherung am liebsten Würstchen dazu. Was in früheren Jahrhunderten auch immer an Weihnachten gekocht wurde, hatte stets Bedeutung. So galt schon im Mittelalter als Glückspilz, wer nach Be­

ginn der Schlachtsaison im Herbst an Weihnachten noch einen Eber oder eine Sau braten konnte. Wie die Volkskundle­ rin Ingeborg Weber­Kellermann in ihrer Kultur­ und Sozialgeschichte der Weih­ nachtszeit „Das Weihnachtsfest“ darlegt, gestaltete sich das vorweihnachtliche Schweineschlachten festlich.

Jeder Apfel steht für einen der zwölf Apostel.

„Für kurze Zeit gab es nun einen Über­ fluss an leicht verderblichen Würsten ( . . .). Das Schwein, das seit so langer Zeit als hochgeschätztes und gepflegtes Haustier bei den Menschen lebt und in so reichem Maße ,ausgeschlachtet‘ werden kann, scheint besonders zur Vermenschlichung geeignet, ausgestattet mit den Eigenschaf­ ten eines freundlichen Gabenbringers für den winterlichen Speisezettel.“ Wer Schwein hatte, ließ den Kopf des Tieres zum Fest auf einer Schale herum­ tragen, umlegt von einem Dutzend Äp­ feln, für jeden Apostel einen. Doch auch andere Zutaten vereinigen Aberglauben und christliche Symbolik. So ist einer handschriftlichen Mitteilung aus dem Jahr 1865 zu entnehmen, dass die Speisen in Erinnerung an das Jesuskind in seiner Krippe auf Stroh serviert wurden und aus neunerlei Zutaten bestehen sollten.

Darunter Boh­ nenkerne oder Linsen, rogen­ reicher Hering, Mohnsaat oder Klö­ ße: Wohlstand und sat­ te Ernten wurden durch Keimendes, Quellendes und Zahlreiches sym­ bolisch herbeigekocht. Weber­Kellermann zitiert, was der Bauer Jo­ hann Valentin 1959 fürs Weihnachtsessen empfahl: „Gänse­ bradel“, dass die „Kraft aushaltet das ganze Jahr“, süße Mohnnudeln an Heiligabend, Rotkraut, damit „das Blut nicht zu Wasser“ werde, Sellerie, dass „frisch Leben im Körper bleibt“, Fisch, damit „mer nicht das Reißen be­ kommt“, „Buttersterzel: schmieren das ganze Jahr den Hals“, ein Ei mit Milch als das Beste auf der Welt, Semmel, dass „rei­ chen soll das ganze Jahr das Geld“ sowie Salz und Brot, damit „nicht so geschwind komme der Tod“. Von Schweinebraten ist beim Bauern Valentin keine Rede, wohl von der Gans. Laut der Umfrage von 2017 gehört Geflü­ gel als Gans oder Ente bis heute in jedem zweiten Haushalt zum Weihnachts­ schmaus, bei immerhin 17 Prozent der Befragten an Heiligabend. Gefastet wird nicht mehr. Wie aus dem Schwein die Gans wur­ de? Einige Forscher verweisen auf die Martinsgans, deren Bratenduft am 11. No­

vember daran erinnert, dass Martin von Tours sich der Legende nach zwischen Gänsen versteckt haben soll, als er zum Bischof gewählt wurde. Mag sein, dass der letzte Festtagsschmaus vor der Fas­ tenzeit über die Jahre auch zum ersten danach wurde. Andere machen Queen Elizabeth I. verantwortlich: An Heilig­ abend des Jahres 1588 soll sie Gänsebra­ ten genossen haben, als die Nachricht vom Sieg über die spanische Armada ein­ traf. Wie gut, dass sie nicht gerade Hafer­ schleim gelöffelt hat. Heute ist alles möglich und erlaubt. Gesellige Gerichte wie Raclette, Fondue, Tapas oder Schnittchen, bei denen jeder reichlich Auswahl unter verschiedenen Zutaten hat, sind längst beliebte Alterna­ tiven zum fetten Braten.

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