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Samstag, 24. März 2018

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Bauen & Wohnen

NEUE ROTTWEILER ZEITUNG

Ganz schön teuer Was Bauherren bei Pfusch am Bau zusteht Eine Untersuchung des TÜV Rheinland hat ergeben, dass verständiger festgestellt hatte – jedes neu gebaute Haus im Schnitt zehn Mängel aufweist. führen dürfe. Der Streit darüber, wer für die entstandenen Fehler geraDIN-NORMEN SIND destehen muss, landet oft vor Gericht. „Bei der MängelbeMINDESTSTANDARD seitigung sind in der Regel die Folgen des Mangels und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit entscheidend“, sagt Schwäbisch Hall-Rechtsexperte Stefan Bernhardt. Glück im Unglück hatte ein Bauherr, der bereits im Rohbau gravierende, die Standsicherheit n der Praxis reicht das gegenübersteht. Davon könne in gefährdende Mängel feststellte. Er klagte daraufhin auf SchaSpektrum von „Kein Recht diesem Fall keine Rede sein. auf Nachbesserung“ bis denersatz in Höhe der Kosten zur Neuherstellung, wie VIEL VERSPROCHEN, für Abriss und Neubau von fast Bernhardt anhand von 300.000 Euro. Der vom Gericht WENIG GEHALTEN vier Beispielen aus der aktuellen bestellte Sachverständige kam Rechtsprechung zeigt. In einem Wer am Bau viel verspricht, zu dem Ergebnis, dass ein Teil vom OLG Celle (Az. 16 U 97/15) muss dies auch halten können, der Mängel auf die Verwendung entschiedenen Fall war bei einer stellte kürzlich das OLG Bran- nicht zugelassener und daher Dachsanierung mit Einbau einer denburg klar (Az. 11 U 86/15). nicht den DIN-Normen entspreWärmedämmung so schlampig Der Besitzer eines Einfamilien- chenden Materialien zurückzugearbeitet worden, dass Wär- hauses hatte dieses von einem führen war. Er vertrat jedoch mebrücken auftraten. Außerdem örtlichen Dachdeckerbetrieb neu auch die Ansicht, dass die Mänwurde die Dampfbremse fehler- eindecken lassen. In ihrem An- gel nachgebessert und mit einem haft verklebt und die vertraglich gebot hatte die Firma geschrie- Preisnachlass abgegolten wervereinbarten Spalierleisten zur ben, Sturmwinde und Hagel den könnten. Aus diesem Grund Fixierung der Wärmedämmung könnten die dafür verwendeten wies die erste Instanz die Klage nicht angebracht. Ein gerichtlich Metalldachpfannen nicht zerstö- ab. Der Bauherr ging sodann in beauftragter Sachverständiger ren, und die Werbeaussage des Berufung und hatte vor dem OLG stellte erhebliche Wärmeverluste Herstellers zitiert: „Sturm- und Köln Erfolg (Az. 16 U 63/15). Die und die Gefahr von Schimmel- hagelsicher wie kaum ein an- Richter sahen es als erwiesen an, bildung fest. Eine fachgerechte deres Dach“. Doch schon nach dass die potenziellen Gefahren Mängelbeseitigung sei nur von dem ersten Unwetter zählte der für Statik und Standsicherheit außen durch Abdeckung des Eigentümer rund 600 Beulen auf so groß seien, dass trotz der Dachs und komplette Neuer- seinem Dach. Die Dachdeckerei hohen Kosten ein vollständiger stellung möglich. Das war der wollte von einer Schadensbehe- Abriss und mängelfreier Neubau Pfuschfirma zu teuer – sie bot bung jedoch nichts wissen: Das nicht unverhältnismäßig sei. Zustattdessen eine Nachbesserung Dach sei schließlich nicht zerstört dem sei ein Verstoß gegen DINvon innen zu einem Drittel der worden. Dass ein so starker Ha- Normen auch ohne Eintritt eines Kosten an. Das OLG Celle folgte gelschlag Spuren hinterlasse, konkreten Schadensfalles ein dagegen dem Sachverständigen müsse auch einem Laien klar Mangel. und entschied: alles neu. In ihrer sein. Das sah das Gericht anders Urteilsbegründung verwiesen die und verurteilte die Firma dazu, ANSPRUCH AUF Richter auf die Rechtsprechung die Kosten für ein neues Dach SCHADENERSATZ NICHT des BGH. Demnach liegt eine zu übernehmen. Die berechtigte LEICHTFERTIG VERWIRKEN Unverhältnismäßigkeit nur dann Erwartungshaltung sei, dass vor, wenn einem objektiv gerin- Hagelschlag den Dachpfannen Bernhardt weist auf zwei gen Interesse des Hauseigen- „nichts anhaben kann“. Das be- Kardinalfehler hin, mit denen tümers an einer mangelfreien deute, dass Hagel weder zu einer sich Bauherren in ihrem verVertragsleistung ein ganz erheb- optischen Verschlechterung noch ständlichen Ärger über Pfusch licher – und daher vergleichswei- zu einer kürzeren Lebenserwar- leichtfertig ganz oder teilweise se unangemessener – Aufwand tung des Daches – die ein Sach- um ihren Anspruch auf Schadenersatz bringen können: „Ein solcher Anspruch setzt zwingend eine Fristsetzung zur Nachbesserung voraus. Gibt der Bauherr dem Auftragnehmer keine zweite Chance, ein mängelfreies Werk abzuliefern, kann er alle Ansprüche auf Schadenersatz verlieren und auf den gesamten Kosten sitzenbleiben.“ Dies bestätigen diverse Gerichtsurteile, etwa vom OLG Frankfurt am Main (Az. 15 U 17/14). „Ist die Pfuschfirma zu einer Nachbesserung nicht gewillt oder in der Lage und beauftragt der Bauherr ein anderes Unternehmen, so hat er darzulegen, dass die entstehenden Kosten ausschließlich der MänBaupfusch ist nicht nur für Häuslebauer nervenaufreibend, er kann gelbeseitigung dienen“, so der auch für die zuständige Firma teuer werden. Foto: pm Schwäbisch Hall-Experte. pm

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