Page 1

JAZZOPEN S T U T TG A R T F R E I TAG , 1 5 . M Ä R Z 2 0 1 9

Bob Dylan

Parov Stelar

Chick Corea

Die Rock- und Folk-Legende hat sich immer wieder neu erfunden und bleibt sich dabei immer treu. Am 10. Juli singt Dylan auf dem Schlossplatz.

Dass er weitaus mehr ist als nur ein DJ, beweist er am 14. Juli mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Swing und Electro.

Sein Kult-Album „My Spanish Heart“ erschien 1976. Am 8. Juli erweckt er es im Innenhof des Alten Schlosses wieder zu neuem Leben.

Seite 2

Seite 3

Seite 6

Das Jahr der Premieren Jazzopen Stuttgart 2019

V

om 4. bis 14. Juli bescheren die Jazzopen Stuttgart etliche Festivalpremieren. Sting, Bob Dylan und Christina Aguilera geben sich ebenso erstmals die Ehre wie Parov Stelar und etliche hochkarätige Jazz-Künstler auf insgesamt sechs Bühnen. Jamie Cullum bezeichnet es „als Geschenk“, in Stuttgart zu spielen, und teilt sich die Bühne am Schlossplatz diesmal mit der charismatischen New Yorker Musikerin LP. Rund 50 000 Besucher werden die Jazzopen erneut zu einem Hotspot der internationalen Musikszene machen. Eintrittsfreie Bühnen im Stadtpalais, der Eberhardskirche und im Pavillon am Schlossplatz bieten feinen Jazz für jedermann. Neu zum Festival wird auch die „Jazzopen Lounge“ im Waranga am Kleinen Schlossplatz gehören. Die Jazzopen haben sich in den letzten zehn Jahren zu einem der führenden internationalen Festivals entwickelt. Nicht umsonst wurden sie im April 2018 mit der Verleihung des LEA (Live Entertainment Award) von der deutschen Musikwirtschaft zum „Festival des Jahres“ gewählt. Stuttgart hat alles, was es dafür braucht: ein begeistertes Publikum, wunderschöne Plätze und Bühnen sowie ein prosperierendes wirtschaftliches Umfeld. Die Sponsoren sorgen für den nötigen wirtschaftlichen Unterbau der Jazzopen. Die öffentliche Hand unterstützt die eintrittsfreien Bühnen. Mittelfristig gilt es, die Zukunft des Festivals in Stuttgart zu sichern. Die Bauarbeiten für die gut gemeinten Pläne zur öffentlichen Nutzung des Neuen Schlosses drohen die Bespielbarkeit des Schlossplatzes über Jahre zu verhindern. Augenmaß wird gefragt sein, um beides zu ermöglichen: die Öffnung des Neuen Schlosses für die Bürger und den Erhalt des Festivals für Stuttgart. Noch ist das jedoch Zukunftsmusik. Genießen wir zunächst einfach erneut zehn Tage lang ein weltoffenes und unverkrampftes Jazzfestival. Denn Jazz grenzt nie aus, Jazz verbindet Menschen und musikalische Genres. Lassen Sie uns gemeinsam gute Gastgeber für Künstler und Besucher aus aller Herren Länder sein, wenn es im Juli wieder heißt: „Be Jazz be Open.“

Jürgen Schlensog, Promoter Jazzopen Stuttgart

Die Wandlungsfähige Christina Aguilera tritt

E

iner ihrer größten Hits trägt den Titel „Fighter“: Darin bedankt sie sich für die Erfahrungen, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist. Denn dafür hat sie zeitlebens alles in die Waagschale geworfen. Sie wollte es unbedingt. Was mittlerweile aus ihr geworden ist, lässt sich am 13. Juli sehen: Christina Aguilera tritt bei den Jazzopen in Stuttgart auf. Den Wunsch, im Rampenlicht zu stehen, hatte die 38-Jährige schon von Kindesbeinen an. Als Tochter eines Ecuadorianers und einer irischstämmigen Mutter kam sie 1980 in New York zur Welt. Doch bevor es auf die Bühne ging, ging es erst mal auf die Reise: Ihr Vater stand in Diensten des Militärs, weshalb die Familie von New York über Texas bis nach Japan umzog. Als sich die Mutter vom gewalttätigen Ehemann scheiden ließ, zog sie mit Christina wieder in die USA.

am 13. Juli

auf dem

Hier beginnt die Karriere: Als kleines Mädchen nimmt Christina Aguilera an Talentwettbewerben teil. Und Talent hat sie. Auch geerbt: Die Mutter war Violinistin und Pianistin. Aufnahmen von damals zeigen, dass sie sich seit jeher vor Publikum pudelwohl fühlt. Wie ein Profi spielt sie bereits in jungen Jahren mit Kamera und Zuschauern. Ihre Stimme ist schon jetzt gewaltig. So kommt sie in jungen Jahren zum „Mickey Mouse Club“, wo sie unter anderem beispielsweise Britney Spears und Justin Timberlake begegnete. Ein Trio, das eine ganze Generation von Teenagern prägte. Doch irgendwann brechen Kinderstars aus ihren Rollen aus. So war es in jüngerer Vergangenheit bei Miley Cyrus, die als „Hannah Montana“ Kinder und Jugendliche begeisterte, wenig später jedoch nackt auf einer Abrisskugel ritt. Ähnlich bei Christina Aguilera: 1998 sang sie

Schlossplatz auf

noch den Titelsong des Disney-Kassenschlagers „Mulan“. Bald darauf sah man sie an der Seite von Pink, Mýa und Lil’ Kim im Videoclip zu „Lady Marmelade“ die weltbekannten Zeilen „Voulez vous coucher avec moi?“ singen. Für manche Provokation, für andere Emanzipation. Mit Sicherheit: Aufmerksamkeit. Spätestens da war ihr Name in aller Munde. Den kommerziellen Durchbruch hatte sie zuvor mit „Genie in a Bottle“ gefeiert, ihr 1999 erschienenes Album „Christina Aguilera“ verkaufte sich mehr als acht Millionen Mal. Sie avancierte zum Weltstar. Mit der Platte „Stripped“ (2002) war der Imagewechsel schließlich perfekt: Das nette Mädchen mit der tollen Stimme galt nun als sich lasziv auf der Bühne rekelnde Sexbombe, die sich von Illustrierten gerne auch mal nackt fotografieren ließ und bei der Eröffnungsfeier der MTV Video Music Awards mit

Madonna und Britney Spears herumzüngelte. Heute würde das kaum noch jemanden stören, 2003 sorgte es für Schlagzeilen en masse. Dem Erfolg tat all das keinen Abbruch. „Stripped“ erhielt 4-fach-Platin – nicht nur, weil sich Aguilera gut verkaufte, sondern auch, weil die Mischung aus Soul, Hip-Hop und Jazz den Puls der Zeit traf. „Ich wusste, dass es ein mutiger Schritt war, und ich wusste, dass viele Leute dafür nicht bereit wären“, sagte sie der „New York Times“. Doch auch vom Image des promiskuitiven Popsternchens konnte sich Christina Aguilera wieder frei machen. Mit der Zeit wandelte sie sich zur eleganteren Sängerin, die ihre Kritiker letztlich immer mit ihrer unglaublichen Stimme zum Schweigen bringen kann. Die müssen ihr nämlich bei aller Kritik an ihrer womöglich mitunter kalkulierten Vermarktung regelmäßig Preise

überreichen: Darunter fünf Grammys, zwei MTV Video Music Awards, vier Brit Awards und 27 Billboard Music Awards. Diese Freiheit, sich aufgedrückter Stempel entledigen zu können, feiert sie mit ihrem jüngsten Album „Liberation“, das im vergangenen Juni erschien. Erstmals seit zehn Jahren geht sie nun wieder auf Tournee. Mal schauen, was für eine Christina Aguilera in Stuttgart auftreten wird. Für das richtige Warm-up zu diesem Konzert wird jedenfalls Aloe Blacc sorgen. Beeinflusst von brasilianischem Samba und Bossa nova, amerikanischem Soul sowie Latin, R’n’ B, Dancehall und Jazz hat er sich sein eigenes musikalisches Universum rund um den Hip-Hop aufgebaut. Franz Krauder L Christina Aguilera & Aloe Blacc: 13. Juli, ab 17 Uhr, Schlossplatz


2

JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

Immer einen Schritt weiter Der Schlossplatz gehört am 10. Juli Bob Dylan

und

Rickie

Lee Jones

E G R U S S WO R T

Thomas Strobl, stv. Ministerpräsident, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration

Selbst ein Fan des Festivals Die Jazzopen sind eine feste Größe im Stuttgarter Festivalkalender – und werden von Musikfans weit über die Stadtgrenzen hinaus geliebt. Zum 25-JahrJubiläum im letzten Jahr erreichte das Kraftwerk-Konzert sogar Alexander Gerst in der ISS, der per Liveschaltung auf dem Schlossplatz dabei war. Insgesamt 45 000 Besucher zählte die Jubiläumsausgabe des Festivals an den elf Veranstaltungstagen. Es handelte sich um die größte Zuschauerzahl in der Geschichte der Jazzopen. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Jubiläum! Die einzigartigen Kulissen und fantastischen Künstler aus Jazz, Soul, Blues und Pop werden die irdischen Besucher auch 2019 wieder begeistern. Die erneuten Auftritte von José James und Jamie Cullum zeigen zudem, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Künstler die besondere Atmosphäre schätzen und gerne wiederkommen. Selbst bin ich ebenfalls begeistert und zähle mich zu den Fans des Festivals: Die Jazzopen sind wirklich sensationell. 2016 habe ich etwa Carlos Santana noch mal live erleben dürfen. Unvergessen! Welches Konzert ich in diesem Jahr besuche, steht noch nicht fest. Bei so vielen großartigen Künstlerinnen und Künstlern fällt mir die Entscheidung einfach schwer. Mit Auftritten von Sting, Bob Dylan, Parov Stelar, LP und zahlreichen weiteren haben es die Veranstalter erneut geschafft, ein Programm auf die Beine zu stellen, das verschiedene Musikstile und Generationen verbindet. Schon die Kleinsten können bei der „Family Matinée“ den Spaß an der Musik und speziell dem Jazz entdecken – die Großen natürlich ebenfalls. Bei den „Open Stages“ bieten die Jazzopen darüber hinaus zum zweiten Mal eintrittsfreie Konzerte an: eine tolle Chance für lokale Künstler und all jene, die noch Jazzfans werden möchten. Auf eine solche Gelegenheit muss Wolfgang Dauner nicht mehr warten – der Stuttgarter ist bereits eine Jazzgröße und tritt 2019 ebenfalls bei den Jazzopen auf. Vor vier Jahren wurde er mit dem Landesjazzpreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Sonderpreis für das Lebenswerk“ ausgezeichnet. Ich wünsche allen Festivalbesucherinnen und -besuchern eindrucksvolle und fröhliche musikalische Stunden bei den Jazzopen in Stuttgart. Ganz nach dem Motto des Songtitels „Don’t Worry, Be Happy“ von Bobby McFerrin, einem weiteren Gast der diesjährigen Jazzopen.

in bisschen ist es mit Bob Dylan wie mit Koriander. Entweder liebt man ihn heiß oder man wendet sich verständnislos ab. Manch einen hat empört, dass Dylan zwei Wochen lang schwieg, nachdem ihm 2016 der Literaturnobelpreis zugesprochen wurde. Dabei verhält sich die Ikone der Protestbewegung der Sechziger seit jeher rätselhaft und hat sich, von Ausnahmen abgesehen, schon immer der Öffentlichkeit entzogen. His Bobness wird dennoch auf dem Schlossplatz am 10. Juli wohl vor ausverkauften Rängen singen. Der wahrscheinlich bedeutendste Interpret der Rock-Ära hat sich mit seinem Lebenswerk zur Legende gemacht. Was hat der 77-Jährige nicht alles für Auszeichnungen bekommen – und viele davon mit demonstrativer Gleichgültigkeit entgegengenommen. Die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ hat Dylan auf Rang eins der 100 besten Songwriter aller Zeiten und auf Rang zwei der 100 größten Musiker gelistet. Er ist Träger des französischen Ordens der Ehrenlegion, hat zwei Ehrendoktortitel, den Pulitzer-Sonderpreis. Er hat vor Papst Johannes Paul II. gesungen, Oscars für den besten Filmsong, Golden Globe Awards, Grammys eingeheimst – und den Literaturnobelpreis. Der Wegbereiter der Folkmusik, 1941 als Robert Allen Zimmermann geboren, hatte im April 1961 seinen ersten professionellen Auftritt in New York im Vorprogramm von John Lee Hooker. Schon mit den auf sein Erstlingsalbum folgenden „The Freewheelin’ Bob Dylan“ und „The Times They Are aChangin‘“ voller sozialkritischer Songs und Liebeslieder hatte er Erfolg. Mit Songs wie „Blowin’ in the Wind“ oder „Like a Rolling Stone“ hat er Klassiker geschaffen und ausgedrückt, was vielen auf der Seele brannte. Seine Texte sind selten eindeutig, stecken voller Bezüge zu Literatur, Film, Musik, Religion, zu Märchen, Mythen und Sagen, zu Traum und Surrealem. Sie lassen viel Raum für Interpretationen und sind häufig so komplex, dass sie Gegenstand von Doktorarbeiten und intellektuellen Diskussionen wurden: Bob Dylan hat die populäre Rockmusik als ernsthafte Kunstform etabliert. Dylanologen erkennen mal Bezüge zu Fellini-Filmen, zu Ovid und Vergil, mal Anklänge an Gedichte von John Keats und

Arthur Rimbaud, dann wieder lassen sich Passagen aus japanischen Mafia-Romanen oder Soldatenbriefen finden. Er sei für die Popmusik dasselbe wie Einstein für die Physik, hat das US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ schon 1997 geschrieben, jenem Jahr, als er zum ersten Mal im Gespräch für den Nobelpreis war. Die „New York Times“ bezeichnete Dylan einst als „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“. Nicht ohne Grund also ist Dylan als erster Songwriter überhaupt „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ mit dem Literaturnobelpreis geehrt worden.

STILLSTAND WAR NIE SEIN DING Bob Dylan hat sich permanent neu erfunden und war immer einen Schritt weiter, als seine Fans es von ihm erwarteten. Kaum war er als Folksänger zur Stimme seiner Generation geworden, wandte er sich der E-Gitarre zu. Als die Blumenkinder Woodstock stürmten, spielte er „reaktionären“ Country mit Johnny Cash. Ende der 70er Jahre gab es bei seinen Konzerten gar langatmige Predigten: Dylan, der deutsche, türkisch-kirgisische und ukrainisch-jüdische Wurzeln hat, war zum christlichen Glauben konvertiert und brachte Alben mit christlichen Liedern heraus. Immer bewahrt hat sich der Meister seine schnarrende, etwas windschiefe Stimme, die ebenso ein Markenzeichen ist wie die Tatsache, dass er seine Songs oft bis zur Unkenntlichkeit verändert. Wer ist Bob Dylan? „Ich bin nur Bob Dylan, wenn ich Bob Dylan sein muss. Die meiste Zeit bin ich einfach nur ich selbst“, hat er einmal Auskunft gegeben. Weniger Rätsel dürfte Rickie Lee Jones aufgeben, die im Vorprogramm singt. Vor zehn Jahren hat der „Daily Mirror“ über die US-amerikanische Singer-Songwriterin, Gitarristin und Pianistin geschrieben: „30 Jahre nach ihrem erstaunlichen Debüt „Chuck E’s in Love“ bleibt Jones ein einzigartiges Talent, das die Chance nutzt, mit Liedern voller Unschuld und Erfahrung vollständig aufzublühen.“ Barbara Bross-Winkler

Bob Dylan ist eine lebende Legende. Bequem ist er dabei nie gewesen.

Foto: AP

L Bob Dylan & Rickie Lee Jones: 10. Juli, ab 17 Uhr, Schlossplatz

An Englishman in Stuttgart Sting erstmals

bei den Jazzopen – José James ist Opener

K

Sting in Stuttgart – live!

Foto: Veranstalter

aum ein Musikgenre hat Gordon Matthew Thomas Sumner, besser bekannt als Sting, ausgelassen. Am 11. Juli 2019 kommt der Musiker mit seinen größten Hits auf den Schlossplatz: Zum ersten Mal tritt der Brite bei den Jazzopen auf. Sting ist der Sohn eines Milchmanns. Er war Englisch- und Musiklehrer, hat als Bauarbeiter und Busfahrer gearbeitet und in seiner Freizeit in lokalen Jazzbands gespielt, bevor er 1977 mit Stewart Copeland und Andy Summers die Band The Police bildete. Neben Einflüssen aus Ska und Reggae war der Stil der Rock-Pop-Band später auch von Jazz-Elementen und Weltmusik geprägt. Police-Songs belegten wochenlang die Spitze amerikanischer und europäischer Album-Charts und trugen entscheidend zur Entwicklung der Pop-Rock-Musik der 1970er und 80er Jahre bei. Mit fünf Studioalben, sechs Grammys und zwei Brit Awards bekam die Band 2003 einen Eintrag in die Rock & Roll Hall of Fame. Das letzte gemeinsame Album „Synchronicity“ erschien 1983.

!



+

Mitte der 1980er Jahre nahm die Band eine zwei Jahrzehnte währende Auszeit, und Gordon Matthew Sumner setzte seinen Weg als Solo-Künstler unter seinem Künstlernamen Sting fort. Bereits mit seinem Debütalbum „The Dream of the Blue Turtles“ – einem Mix aus Pop, Jazz, Klassik, Folk, Country und Reggae – feierte Sting einen dreifachen Platin-Erfolg. Auch die folgenden Alben waren erfolgreich. Stings Karriere strotzt vor Preisen: Inzwischen ist er mit 16 Grammys, einem Emmy, einem Golden Globe, vier Oscar-Nominierungen und zwei Ehrendoktorwürden ausgezeichnet worden. Er wurde in die Songwriter’s Hall of Fame aufgenommen und vielfach für sein soziales und umweltpolitisches Engagement geehrt. Seine Vielfalt und sein Interesse an Musik scheinen grenzenlos: Stings Erinnerungen an den Schiffbau in seiner Heimat haben den Bassisten, Singer-Songwriter und Aktivisten, der auch Gitarre, Saxofon und Laute spielt, zum Musical „The Last Ship“ inspiriert. Er hat Lieder von Brecht/Weill

www.

und Hanns Eisler gesungen, 2006 gemeinsam mit dem Lautenspieler Edin Karamazov Werke des Renaissance-Musikers John Dowland gespielt und sich mit der Musik von Prokofjew oder Bach auseinandergesetzt. Auch Filmmusik hat Sting geschrieben, etwa zum Film „Leaving Las Vegas“, in rund 20 Filmen hat er als Schauspieler mitgewirkt. Sein Tour-Programm ist ein Feuerwerk von Police-Klassikern und Solo-Stücken: Fans können sich auf „Englishman in New York“, „Fields of Gold“, „Shape of My Heart“, „Every Breath You Take“, „Roxanne“, „Message in a Bottle“ und viele andere Titel freuen. Als Opening Act ist José James zu hören, den Jazzopen-Besucher vielleicht von seiner Festivalpremiere 2010 im Bix kennen. Als musikalische Vorbilder nennt er John Coltrane, Marvin Gaye und Billie Holiday. Als Jazzsänger für die Hip-Hop-Generation bezeichnen ihn häufig Musikkritiker. bär

L Sting & José James: 11. Juli, ab 17 Uhr, Schlossplatz


JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

3

Parov Stelar ist DJ, bringt aber zu den Jazzopen 2019 seine eigene Live-Band mit. Sie verschmelzen das Beste von Swing und Electro: eine Mischung, die es dem Publikum quasi unmöglich macht, sich nicht vom bezwingenden Groove mitreißen zu lassen. Foto: Veranstalter

Unwiderstehliche Mischung

FÜR ALLE, DIE KE INE

Parov Stelar und das Moka Efti Orchestra kreuzen Swing mit Electro

I

m Grunde ist es eine simple Idee: Man nehme die lässigen, mitreißenden Klänge des Swing, der sich aus dem Jazz der 1920er und 30er herauskristallisierte. Und dann packe man die Wucht des Electro der Gegenwart dazu. Klar, dass das gut ankommt. Tja, heute lässt sich das leicht sagen. Die genialen Ideen wirken retrospektiv betrachtet ja oft sehr einfach. Parov Stelar aber war einer von denen, die diese Idee so um die Jahrtausendwende einfach mal umsetzten – und damit nicht nur großen Erfolg hatten, sondern auch einen Hype lostraten: das Genre Electroswing. Titel wie „Catgroove“ und „All Night“ liefen bald in den Clubs, weil es beinahe unmöglich ist, sich nicht zu bewegen zu dieser gelungenen Kreuzung der Genres. Am 14. Juli wird der in Linz geborene DJ Parov Stelar, der mit dem bürgerlichen Namen Marcus Füreder zur Welt kam, bei den Jazzopen auftreten und hier das Publikum in Bewegung bringen. Den Abend bestreitet er gemeinsam mit dem Moka Efti Orchestra – jenem Orchester, das für die beliebte Serie „Babylon Berlin“ gecastet wurde. Die spielt in den 1920ern und erzählt von einer Zeit, in der Jazz und Swing so beliebt waren wie heutzutage Schminkvideos auf Youtube. Mit dieser authentischen Truppe dürfte Stelar seinen Fans das perfekte Electroswing-Erlebnis, die beste Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart bescheren – eine rare Gelegenheit. Der Electroswing-Pionier ist einer der erfolgreichsten österreichischen Musikexporte. Er spielt in einer Liga mit Falco. Seine Songs haben auf Youtube um die 50 Millionen Klicks, insgesamt kommt er auf mehr als eine Milliarde Aufrufe. Musiker wie Lady Gaga, Lana Del Rey oder Tony Bennett wollen mit ihm zusammenarbeiten. Schon seine erste EP „Kiss Kiss“ und das Album „Rough Cuts“ anno 2004 bescherten ihm den internationalen Durchbruch in der Electro-Szene. Die Nachfolgeplatten „Seven and Storm“, „Shine“ und „The Princess“ kamen allesamt ähnlich gut an. Sein Name war schlagartig in aller Munde. Weil sich auch Unternehmen für seine Songs wie „The Sun“ interessierten

ÖLQUELLE IM

GARTEN FINDEN

und damit ihre Werbespots untermalten, erreichte Stelars Musik nicht nur die feierwütigen Electro-Typen, sondern auch jene, die es sich lieber vor dem Fernseher bequem machen. Und dann trotzdem denken: Was ist das für ein saugutes Lied, das da in der Werbung läuft?

ZUM SOUND KOMMT EINE UMWERFENDE LICHTSHOW Aber wie läuft das, wenn so ein DJ live auftritt? Laptop an die Box anschließen und auf „Play“ drücken? Nein, Parov Stelar hat eine eigene Live-Band: Schlagzeug, Bass, Saxofon und Trompete. Zu deren Sound gesellt sich eine umwerfende Lichtshow. Für den Gesang sorgen Stelars Frau Lilja Bloom (Barbara Füreder) und die Sängerin Cleo Panther. Bejubelt wurde diese Truppe schon auf der ganzen Welt, von Paris über London bis San Francisco. Parov Stelar war übrigens auch der erste Österreicher, der beim Kultfestival „Coachella“ in den USA aufgetreten ist – diese Veranstaltung, wo alle halbwegs bedeutenden Influencer permanent ihr Gesicht in die Handykamera halten. Dass Electroswing nicht eine Spielart des fast 100 Jahre alten Swing ist, sondern eher ein eigenes Genre, ist Stelar bewusst: „Swing war damals viel mehr: ein Lebensgefühl, eine Lebensfreude. Ich glaube, dass dieser Aspekt viel mehr in den Vordergrund kommen sollte. Es heißt ja auch nicht Swing, sondern eben Electroswing. Und das hat seine eigene Daseinsberechtigung“, findet der 45-Jährige. Wenn also die Mannschaft um Parov Stelar mit ihrer Feierexpertise auf das Moka Efti Orchestra trifft, das besser als jede andere Musikervereinigung weiß, wie man das Ambiente der 1920er ins Jetzt holt, dann resultiert daraus voraussichtlich eine phänomenale Show, an die man sich vielleicht noch lange erinnern wird. Schon allein, weil sie so nur selten zu sehen ist. Franz Krauder L Parov Stelar & Moka Efti Orchestra: 14. Juli, ab 17 Uhr, Schlossplatz

LOHNT SICH ZU 100% DIE NEUE ALLIANZ LEBENSVERSICHERUNG. Sicher wie erwartet. Attraktiver als Du denkst. www.allianz.de/lohntsich

Das Moka Efti Orchestra spielt die Musik in „Babylon Berlin“.

Foto: Veranstalter

.


4

JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

G R U S S WO R T

Edith Sitzmann MdL, Ministerin für Finanzen des Landes Baden-Württemberg

„Guten Abend Stuttgart!“ Den Überraschungsgast aus dem Weltall haben sicher noch viele im Ohr und in bester Erinnerung. Alexander Gersts Auftritt bei den Jazzopen 2018 hatte eine übergeordnete Botschaft: Musik ist die universelle Sprache der Welt. Sie bringt Menschen friedlich zusammen. Musik gehört zu unserer Kultur, genauso wie unsere Traditionen und Geschichte. Das Alte Schloss etwa ist ein bedeutender Teil der Landesgeschichte. Es geht auf eine Wasserburg aus dem 10. Jahrhundert zurück. Herzog Liudolf von Schwaben soll diese im Nesenbachtal erbaut haben – zum Schutz des Gestüts „Stutengarten“, das für die Stadt Stuttgart namensgebend war. Damit gilt das Alte Schloss als eine Keimzelle Stuttgarts. Rund 400 Jahre war es Sitz der Grafen und Herzöge von Württemberg. Heute steht es allen Bürgerinnen und Bürgern offen: Im Alten Schloss befinden sich das Landesmuseum Württemberg als größtes kulturgeschichtliches Museum in Baden-Württemberg sowie das Kindermuseum Junges Schloss. Zwischen den historischen Mauern können Besucherinnen und Besucher die Geschichte unseres Landes von der Steinzeit bis zur Gegenwart erleben. Vorbeischauen lohnt sich immer. Eine Sammlung von mehr als 400 historischen Musikinstrumenten befindet sich im Fruchtkasten am Schillerplatz. Dort, im Haus der Musik, gibt es beispielsweise ein Cembalo aus dem 17. Jahrhundert und einen Phonografen von Thomas A. Edison von 1910 zu bewundern. So manch wertvoller Flügel wird sogar regelmäßig gespielt. Die Musikinstrumente der Künstlerinnen und Künstler bei den Jazzopen sind natürlich modern. Auf den Bühnen im Ehrenhof des Neuen Schlosses und im Innenhof des Alten Schlosses kommen Piano, Schlagzeug, Trompete und E-Gitarre zum Einsatz. Wer dort ein Konzert erlebt, kann neben der Musik auch die historische Kulisse auf sich wirken lassen – etwa das Standbild Graf Eberhards im Bart, hoch zu Ross im Arkadenhof des Alten Schlosses. Von 1495 bis zu seinem Tod kurz darauf war er als Eberhard I. der erste regierende Herzog von Württemberg und Teck. Er machte Stuttgart zur Residenz. Allen Festivalbesucherinnen und -besuchern wünsche ich stimmungsvolle Stunden bei den Jazzopen und – um es mit den Worten des Astronauten Alexander Gerst zu sagen – „eine fantastische Reise“. Wenn es mein Terminkalender zulässt, werde ich mir auch in diesem Jahr gerne wieder ein Konzert ansehen und zusammen mit den Gästen auf eine musikalische Reise gehen.

Auch die eintrittsfreien Bühnen, die „Open Stages“ der Jazzopen, werden von der Gemeinschaft der Freunde Jazzopen unterstützt.

Foto: Saeed Kakavand

„Festival-Atmosphäre für alle – großartig“ Ein Verein unterstützt die

F

ür den neuen Vorsitzenden Peter Leibinger ist die Gemeinschaft der Freunde Jazzopen Stuttgart e. V. (GdF) „so etwas wie das soziale Gewissen des Festivals“. Im Interview spricht der geschäftsführende Gesellschafter und Entwicklungschef der Trumpf GmbH und Co. KG über die Rolle des Vereins und sein Verhältnis zur Musik.

Herr Leibinger, die GdF arbeitet seit Jahren im Hintergrund. Was macht sie? Die GdF ist ein gemeinnütziger Verein, der drei Ziele verfolgt. Wir unterstützen die Jazzkonzerte des Festivals, um die hohe Qualität auch weiterhin zu erhalten. Ganz wichtig ist natürlich der Nachwuchswettbewerb Playground BW, um jungen Künstlern aus Baden-Württemberg die Chance zu geben, sich auf großen Bühnen einem breiten Publikum präsentieren zu können. Und im vergangenen Jahr sind wir mit der Lieblingsidee der Jazzopen-Veranstalter, der Open Stage, vorangekommen. Die eintrittsfreie Bühne im Stadtpalais, die jeden Abend bespielt wurde, erhielt von Tag zu Tag größeren Zuspruch. Das unterstützen wir in diesem Jahr wieder. Ebenso das eintrittfreie Konzert in der Domkirche St. Eberhard und die Auftritte im Pavillon auf dem Schlossplatz. Die große Idee von der Musik in der ganzen Stadt für alle . . . So viele Menschen wie möglich an der Festival-Atmosphäre teilhaben zu lassen, auch wenn sie kein Ticket haben, finde ich eine großartige Sache. Bei Opus, dem Veranstalter, denken sie immer wieder darüber nach, wie wir das noch weiter ausbauen können. Die Engagements, die wir mit den Fördergeldern von Stadt und Land unterstützen, sind exakt festgelegt. Wir müssen jeden Euro belegen, den wir ausgeben – was auch vollkommen richtig ist. Wenn sie die Entwicklung des Festivals in den letzten zehn Jahren betrachten, die Qualität, die auf den

kleinen und kostenlosen Gigs der

Festivalbühnen geboten wird, zeigt sich, welche wirtschaftliche Anstrengung dies erfordert. Und in diesem Umfeld ist die GdF so etwas wie das soziale Gewissen des Festivals. Die großen Konzerte auf dem Schlossplatz fördern wir nicht. Es verhält sich vielmehr umgekehrt: Die großen Konzerte ermöglichen besondere kleine Gigs und unterstützen damit die Ziele der GdF. Sie werden ja richtig emotional, wenn es um Musik geht . . . Ja, das stimmt, Musik ist für mich eine absolute Passion, und mein Interesse ist dabei breit. Ich bin beispielsweise im Kuratorium der Internationalen Bachakademie (IBA). Mein Vater war bei der IBA lange der Vorsitzende. Ich sitze im Hochschulrat der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und bin im Bix. Meine Motivation für diese Engagements beruht zum einen auf Interesse und zum anderen auf meiner persönlichen Situation. Ich fühle mich durch meine Rolle als Unternehmer privilegiert. Und ich finde: Dann gehört es sich einfach, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Eine wunderbare Erfahrung dabei ist: Wann immer ich mich engagiere, habe ich stets den Eindruck, dass ich mehr zurückbekomme, als ich gebe. Wie so oft im Leben. Wie meinen Sie das? Zum Beispiel im Bix. Immer wieder bekommen wir die Gelegenheit, die Musiker in der Garderobe zu treffen und persönlich kennenzulernen. Dort mit ihnen zu sprechen und sie danach auf der Bühne zu erleben, ist einfach toll. Viele Musiker haben für mich eine bemerkenswerte Haltung, eine große Hingabe an ihr Tun. Dabei lernt man auch als Zuhörer Demut. Woher rührt Ihr Interesse an der Musik? Meine familiäre Prägung ist eigentlich die Klassik. Meine Frau und ich lebten von 1997 an einige Jahre in den USA. in Rockford in Il-

ENTDECKEN SIE DIE NEUE OUTLETCITY ME T ZINGEN O U T L E T C I T Y. C O M ADIDAS AIGNER ARMANI B A L LY BOSS B O T T E G A V E N E TA BURBERRY ESCADA ETRO FURLA GUCCI HACKETT JIMMY CHOO JOOP! LA PERLA LACOSTE LEVI'S

Endlich ist es soweit! Freuen Sie sich auf 16 neue Premium- und Luxusmarken in der OUTLETCITY. Entdecken Sie zudem unsere neuen kulinarischen Highlights am Hugo Boss Platz. Mehr unter www.outletcity.com/neu

SAVE THE DATE : BIG OPENING EVENT AM 05.04.2019

MARC O'POLO MAX MARA MISSONI NIKE PORSCHE DESIGN SCOTCH & SODA SWAROVSKI TOD'S TORY BURCH WMF und viele mehr

linois, einer Provinzstadt mit 250 000 Einwohnern. Ich arbeitete dort bei einem Zulieferer für die Flugzeugindustrie. Wir hatten noch keine Kinder – und bis Chicago war es nur rund eine Stunde mit dem Auto. Wir besaßen ein Abo für das Chicago Symphony Orchestra, das damals von Daniel Barenboim geleitet wurde. Wir erlebten unvergessliche Konzerte mit Barenboim, Anne-Sophie Mutter mit Lambert Orkis am Klavier im Beethoven-Zyklus oder den Cellisten Yo-Yo Ma mit den Bach-Suiten. Wir sahen auch eines der letzten Konzerte von Oskar Petersen. Es war schon nach seinem Schlaganfall. Nach dem Konzert applaudierten die Menschen minutenlang stehend und weinten. Es war so etwas wie ein Abschied. Unvergesslich. Das Chicago Symphony Orchestra war Ihre einzige Anlaufstation? Wir besuchten in Chicago natürlich auch die Clubs. Ob im B.L.U.E.S., im House of Blues oder im Buddy Guy’s Legends – am meisten beeindruckt hat mich immer die Atmosphäre. Wenn man damals in Deutschland in

Jazzopen einen Club gegangen ist, war das eine ganz ernste Sache. Alle waren mucksmäuschenstill – hier gehört das urdeutsche Wort „E-Kultur“ unfreiwillig hin. Aber die Amerikaner sind während der Konzerte raus- und reingegangen, haben geredet, gegessen und getrunken. Alles war ganz locker, aber nicht respektlos den Musikern gegenüber. Es war einfach ein routiniertes Publikum. Das hat mir gefallen. Diese Club-Atmosphäre bieten die Jazzopen heutzutage ja auch. Nicht nur im Club, die ganze Innenstadt lässt sich doch von der Festival-Atmosphäre anstecken. Die Idee, das Festival musikalisch zu öffnen und den Mut zu haben, das auch durchzuhalten, geht heute voll auf. Von Sting bis Chick Corea, von Marius Neset bis Bob Dylan – eine größere Bandbreite können Sie nicht haben. Das sind eigentlich zwei Festivals in einem. Und jede Stilrichtung beeinflusst die andere. Ich glaube, dass die Stuttgarter wissen, was sie an den Jazzopen haben. Und die Strahlkraft nach außen ist groß. In ganz Europa gibt es nur noch fünf, sechs vergleichbare Events. Bei Montreux denken die Leute an den Blick über den See oder an das Festival. Meine Hoffnung ist, dass die Leute, wenn der Name Stuttgart fällt, irgendwann nicht mehr nur an den Bahnhof denken, sondern auch an die Jazzopen. Die Fragen stellte Reiner Schloz.

Peter Leibinger ist der Vorsitzende der Gemeinschaft Freunde Jazzopen Stuttgart e. V. Foto: hf


JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

5

Zu Ehren der Ladys Ein

G

Am 12. Juli gibt es ein freudiges Wiedersehen mit Jamie Cullum.

Foto: Veranstalter

Aufregende Facetten Für Jamie Cullum ist es „ein Geschenk, bei den Jazzopen zu spielen“

E

s gibt Dinge im Leben, von denen kann man einfach nicht genug bekommen. Das ist auch bei guter Musik so. Und so stellt sich erst gar nicht die Frage, warum Jamie Cullum auch bei den Jazzopen 2019 wieder zu den Haupt-Acts auf dem Schlossplatz zählt. Die zweite gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass er sich die Bühne mit der Sängerin LP teilen wird. Sie hatte ihr Debüt bei den Jazzopen bei der Ausgabe im vergangenen Jahr im Scala in Ludwigsburg. Zum sechsten Mal in Folge bei den Jazzopen aufzutreten, ist für einen wie Jamie Cullum kein Problem. In eine musikalische Schublade stecken lässt er sich ohnehin nicht. Und seine Qualitäten als Entertainer, der sein Publikum im besten Sinne vom ersten Moment an in die Tasche steckt, sind legendär und haben sich auch in Stuttgart und um Stuttgart herum längst herumgesprochen. Das Konzert 2018 war mit 7000 Fans restlos ausverkauft. Und der von der berichtenden Presse geäußerte Wunsch, es möge doch 2019 eine Fortsetzung geben – wird sich am 12. Juli erfüllen.

DIESMAL KOMMT CULLUM MIT DER SÄNGERIN LP Die Mischung an diesem Abend wird es auf alle Fälle in sich haben. Denn die funkelnde Klangpalette an musikalischen Farben, die Cullum ohnehin schon im Gepäck hat, bekommt durch die Sängerin Laura Pergolizzi, kurz: LP, weitere Facetten. Ihren internationalen Durchbruch hatte LP 2016 mit dem Song „Lost on You“, der allein in Italien dreimal mit Platin ausgezeichnet wurde und auch in den Charts etlicher anderer Länder wochenlang ganz weit oben stand. Auf Youtube erreichte er über 400 Millionen Klicks. Freilich mischt sie schon sehr viel länger in der amerikanischen Musikszene in der oberen Liga mit. Für Rihannas fünftes Stu-

dioalbum schrieb sie die Hitsingle „Cheers“, unter anderem war sie auch Co-Autorin von Christina Aguileras Top-Hit „The Beautiful People“ aus dem Soundtrack zum Film „Burlesque“. Einem breiteren Publikum wurde sie zudem durch ihren eigenen Song „Into the Wild“ bekannt, den die Citibank 2011 für einen Werbespot einsetzte. Im Gedächtnis bleiben sofort ihre markante Stimme und der Sound der Ukulele, die nicht typisch für Indie-Rock oder Pop ist, wo LP musikalisch in etwa zu verorten ist. Wobei ihre Art zu singen stets auch ein wenig an die Welt der Singer-Songwriter erinnert. Aber dass sich LP nicht wirklich in eine Schublade stecken lässt – gerade das eint sie ja vielleicht mit Jamie Cullum, der über sich selbst sagt: „Fraglos liegen Swing und Jazz meinem Herzen am nächsten. Ich bin aber ebenso mit Rock, Hip-Hop, Heavy Metal, Grunge, Dance und Techno aufgewachsen. Ich mag die Strokes, Roni Size und Portishead ebenso wie Miles Davis, mir gefällt DJ Shadow, aber eben auch Thelonious Monk. Deshalb werde ich mich immer in andere musikalische Dinge einmischen.“ Jamie Cullum gilt als einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Künstler Großbritanniens. Mit mehr als zehn Millionen verkaufter Singles und Alben und einer bemerkenswerten Kollektion renommierter Musikpreise wird er von der Fachzeitschrift „Jazzecho“ als aktuell meistverkaufter britischer Jazz-Musiker aller Zeiten bezeichnet. Viel wichtiger ist für das Jazzopen-Publikum freilich, dass Cullum vor allem auch ein begnadeter Live-Künstler ist, der Menschen jeden Alters vom Hocker reißt. Daran kann selbst die Tatsache nichts ändern, dass der Mann mit dem sinnlichen Kratzen in der Stimme kurz nach seinem Stuttgarter Gig das Schwabenalter erreichen wird. gab

L Jamie Cullum & LP: 12. Juli, ab 17 Uhr, Schlossplatz

Abend

mit den

emeinsam den Geist und die Musik großer Musikerinnen des Jazz, Gospel und Blues ehren, das wollen Dianne Reeves, Angélique Kidjo und Lizz Wright mit „Sing the Truth“. Ihre Tour führt sie auch nach Stuttgart, wo sie am 9. Juli im Alten Schloss auftreten. „Sing the Truth“ geht zurück auf ein JazzFestival in New York im Jahr 2004. In der Carnegie-Hall traten damals unter anderem Tracy Chapman, Toni Morrison, Odetta und Lizz Wright bei einem Abend auf, der als Hommage an Nina Simone gedacht war, die ein Jahr zuvor gestorben war. 2008 und 2009 ging „Sing the Truth“ dann mit großen Gesangsstars auf Tour und trat unter anderem im Barbican Centre London oder dem Opernhaus Sydney auf. Dianne Reeves, Angélique Kidjo und Lizz Wright sind auf dieser Tour Freundinnen geworden und haben gemeinsam eine neue Show geplant. Mit erweitertem Repertoire und ihrer fünfköpfigen Band gilt ihre Huldigung nun auch dem Geist und der Musik anderer Künstlerinnen des Jazz, Gospel, Blues, Folk und R ’n’ B. Ihr Programm bewegt sich auf den Spuren von Miriam Makeba, Abbey Lincoln oder Odetta. Songs der Musiklegenden Billie Holiday oder Aretha Franklin singt das Trio ebenso wie Titel von Joan Armatrading, Carole King oder Lauryn Hill. Songs über Empowerment stehen im Mittelpunkt. Wenn diese drei Frauen „die Wahrheit singen“, entsteht ein inspirierender Konzertabend, der kein Herz kaltlassen dürfte. Zur Songliste der drei Powerstimmen gehören neben Dutzenden anderer Lieder etwa „Lady Sings the Blues“, Talkin’ About a Revolution“, „Willow“, „Bird Alone“ oder „Feel no Pain“ und „Both Sides Now“. Begleitet werden die Sängerinnen von einer Band

Damen des Jazz um die Schlagzeugerin, Komponistin, Produzentin und dreifache Grammy-Preisträgerin Terri Lyne Carrington, die am Berklee College of Music unterrichtet. Carrington, die vor Jahrzehnten in diversen Musikmagazinen als Wunderkind vorgestellt wurde, ist dreimalige Grammy-Preisträgerin und hat zuletzt mit „The Mosaic Project“ ihr achtes Album herausgebracht. Nicht weniger eindrucksvoll lesen sich die Vitae der drei Sängerinnen: Dianne Reeves, 2018 mit der Ehrendoktorwürde der Juilliard School geehrt, hat mit ihrer ausdrucksvollen Jazz-Stimme fünf Grammys „ersungen“. 2005 trat sie in George Clooneys Film „Good Night, and Good Luck“ als Sängerin auf. Als Solistin hat sie unter anderem mit Sir Simon Rattle und dem Los Angeles Philharmonic zusammengearbeitet. Angélique Kidjo, die sich dem Afro-Pop, Jazz, R ’n’ B, aber auch lateinamerikanischer und afrokaribischer Musik verschrieben hat, kann ebenfalls auf zahllose Preise verweisen. Sie ist 2018 zur Jazz-Meisterin der Universität Harvard ernannt worden, hat 2015 die Forbes-Liste der 100 einflussreichsten Frauen Afrikas angeführt und im selben Jahr den Kristall-Award des Weltwirtschaftsforums in Davos erhalten. Lizz Wright schließlich, über die es in der „New York Times“ hieß, sie erschaffe musikalisches Gold, hat 2016 im Vorprogramm von Van Morrison die Jazzopen mit ihrer Musik bereichert. Unter die Top 3 der JazzAlbumcharts der Vereinigten Staaten kamen ihre Alben „Dreaming Wide Awake“ und „The Orchard“. 2013 ist Wright im Vorprogramm von Gregory Porter durch Deutschland getourt. Barbara Bross-Winkler

L Sing the Truth: 9. Juli, ab 19 Uhr, Altes Schloss

Konzert mit Frauen-Power (von links oben im Uhrzeigersinn): Dianne Reeves, Angélique Kidjo, Lizz Wright und Terri Lyne Carrington. Fotos: Macovich, Singleton, Kit, Goldman

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart.

Der neue EQC. Der Mercedes unter den Elektrischen. Jetzt registrieren und zu den Ersten gehören: www.mercedes-benz-eqc.de

EQC 400 4MATIC: Stromverbrauch kombiniert: 22,2 kWh/100 km; CO-Emissionen kombiniert: 0 g/km.1 1Angaben zum Stromverbrauch und den CO-Emissionen sind vorläufig und wurden vom Technischen Dienst ermittelt. Die Angaben zur Reichweite sind ebenfalls vorläufig. Eine EG-Typgenehmigung und Konformitätsbescheinigung mit amtlichen Werten liegen noch nicht vor. Abweichungen zwischen den Angaben und den amtlichen Werten sind möglich.

G R U S S WO R T

Manfred Boschatzke, Direktor Sponsoring bei der Allianz Deutschland AG

Unglaubliche Entwicklung Was ist denn los in Stuttgart? Was machen die denn da? Welche tollen Künstler stehen auch diesmal wieder auf den Bühnen? Immer öfter werden wir von der Allianz als jahrelanger Partner und Versicherer auf die Jazzopen angesprochen und nehmen die Komplimente für unser Engagement entgegen. Das macht uns stolz, zeigt aber vor allem, welch unglaubliche Entwicklung dieses MusikFestival genommen hat, das neben Montreux und Rotterdam zu den wichtigsten Festivals in Europa zählt. Das Programm für die Musik-Feiertage im Juli hat quer durch alle Stilrichtungen erneut eine Qualität, die man eher bei einem Event in London oder New York erwarten würde. Aber die Musiker kommen hierher nach Stuttgart und versetzen die Stadt elf Tage lang in einen Ausnahmezustand. Das „Open“-Konzept des Festivals, das von Veranstalter Jürgen Schlensog und seinem Opus-Team engagiert umgesetzt wird und während der Veranstaltung den Rhythmus bestimmt, verbindet auf außergewöhnliche Weise die Auftritte populärer Superstars mit hochklassigen Jazzkonzerten und nimmt die Besucher mit auf eine musikalische Entdeckungsreise. Dabei wird auch talentierten Nachwuchsmusikern die Chance geboten, mal auf einer großen Bühne aufzutreten. Und auf den sogenannten Open Stages können Musikliebhaber kostenlos Konzerte besuchen. All das zusammen macht die Atmosphäre und den besonderen Reiz des Festivals aus. Die Metropolregion Stuttgart ist für die Allianz von großer Bedeutung. Seit über 90 Jahren befindet sich in Stuttgart der Hauptsitz der Allianz Lebensversicherungs AG, Europas größtem und erfolgreichsten LebensversicherungsUnternehmen. Deshalb ist es immer wieder eine große Freude, bei den Jazzopen Menschen zusammenzubringen, das Festival im Rahmen unserer Möglichkeiten mitzugestalten. Denn gerade in Zeiten der Digitalisierung ist eine solche analoge, hochemotionale Veranstaltung von unschätzbarem Wert. Natürlich setzen wir trotzdem auf moderne Technik. So waren wir im vergangenen Jahr maßgeblich mit unserem Partner von Sporttotal.tv an der Umsetzung des ersten professionellen Jazzopen-Streamings beteiligt, das gerade jungen Musikern die Möglichkeit bietet, sich einem noch größeren Publikum zu präsentieren. Diese Rahmenbedingungen sind Teil des Festivals geworden. Aber die Maßnahmen tragen nur dann zum Erfolg bei, wenn die Besucher die Künstler und die Konzerte erleben dürfen, die sie erwarten. Wir sind sicher, sie werden auch in diesem Jahr auf ihre Kosten kommen. Wir wünschen viel Spaß dabei!


JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

Kreatives Musik-Chamäleon

Grandiose Bandbreite

Chick

Chilly Gonzales kommt mit dem Kaiser Quartett

B

Corea bringt „My Spanish

este Instrumentaldarbietung R’n’B, beste Jazz-Darbietung einer Gruppe, bestes Instrumental-Arrangement, bestes Jazz-Instrumentalsolo, bestes Jazz-Instrumentalalbum, beste Solo-Jazzimprovisation – das sind nur einige der 22 Grammy Awards, die Chick Corea bekommen hat. FĂźr 63 Grammy Awards ist der amerikanische Musiker bisher nominiert worden. Nun kommt die Jazz-Legende im Rahmen der Tour „My Spanish Heart“ nach Stuttgart. Am 8. Juli wird der Jazz-Pianist und -Komponist die Musik seines Kult-Albums „My Spanish Heart“ aus dem Jahr 1976 am Alten Schloss bei den Jazzopen wieder zum Leben erwecken. Armando Anthony „Chick“ Corea hat vor mehr als 70 Jahren angefangen Musik zu machen: Als Vierjähriger begann er Klavier zu spielen. Sein Vater, ein Trompeter, leitete eine Dixieland-Band, und durch ihn wurde Chick Corea frĂźh mit Jazzmusik vertraut. Mit acht Jahren fing er an, auch Schlagzeug zu

Heart“ zu den Jazzopen

spielen. Sein perkussives Spiel und seine rhythmische Präzision fĂźhren Musikkritiker nicht zuletzt auch auf seine KĂśnnerschaft an diesem Instrument zurĂźck. Schon als Kind hat Chick Corea sich ebenso mit klassischer Musik von Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, mit Swing und Bebop auseinandergesetzt. Diese Offenheit, seine AusflĂźge und sein Verweilen in vielen Musikgenres hat er seither beibehalten. Schon als 23-Jähriger hat Corea als Begleiter des Trompeters Blue Mitchell seine ersten eigenen Kompositionen aufgenommen und in den frĂźhen 60er Jahren sein Faible fĂźr spanische und lateinamerikanische Klänge und Rhythmen entwickelt. Diese Vorliebe hat der Nachkomme italienischer und spanischer Einwanderer 1976 auf dem Doppel-Album „My Spanish Heart“ gezeigt. Inspiriert von Flamenco und Co., ist das Album eine kĂźhne Begegnung von Folklore, Jazz und iberischer Klassik.

R

Schon zehn Jahre frĂźher ist Chick Coreas erstes Album unter eigenem Namen erschienen: „Tones for Joan’s Bones“, gefolgt von „Now He Sings, Now He Sobs“, die Corea in der Jazz-Welt bekannt gemacht haben und heute als Klassiker gelten. 1968 ersetzte Miles Davis in seiner Band Herbie Hancock durch Chick Corea und nahm zusammen mit ihm während ihrer drei Jahre währenden Zusammenarbeit die epochalen Alben „Filles de Kilimanjaro“, „In a Silent Way“ oder „Bitches Brew“ und „Miles Davis at the Fillmore“ auf. Nach seinem Ausstieg verschrieb Corea sich mit seinem Ensemble Circle ganz der freien Improvisation. EinflĂźsse von John Cage oder Karlheinz Stockhausen werden deutlich. Das Album „Return to Forever“ markierte die Geburtsstunde der gleichnamigen All-Star-Fusion-Band. In dieser Phase schrieb Corea auch die Lieder „Spain“ und „La Fiesta“, die längst Jazz-Standards sind.

ap und sinfonische Klänge, Klavier und elektronische Beats – fĂźr den vielseitigen Pianisten Chilly Gonzales ist das kein Widerspruch. Der begnadete kanadische Pianist mischt schwungvoll die Genres. Am 7. Juli präsentiert er seine KĂźnste gemeinsam mit dem Kaiser Quartett bei den Jazzopen im Innenhof des Alten Schlosses. Schon im Jahr 2017 war er bei den Jazzopen zu hĂśren – und bescherte dem Festival prompt ausverkaufte Plätze, denn Chilly Gonzales eilt der Ruf eines äuĂ&#x;erst humorvollen Entertainers voraus. Auf seinen Alben paart er zum Beispiel unbeschwert Piano mit Electronica, wie auf „Octave Mind“ mit Boys Noize. Oder er erĂśffnet dem Publikum einen modernen Zugang zur Kammermusik – so zuletzt auf „Chambers“ aus dem Jahr 2015, das er mit Renaud Letang von Manu Chao und Feist und auĂ&#x;erdem dem Kaiser Quartett einspielte. Das 2004 in Hamburg begrĂźndete Streicherquartett firmierte ursprĂźnglich unter dem Label „Strings DeLuxe“ und hat seinen aktuellen Namen dem gleichnamigen StĂźck von Joseph Haydn entlehnt. 2011 begannen Adam Zolynski, Jansen Folkers, Martin Bentz und Ingmar SĂźberkrĂźb mit Gonzales zu kooperieren und haben mit ihm schon groĂ&#x;e Konzerthäuser in Europa, Kanada und auch den USA beehrt. Mit dem Unterhaltungssektor hat das Quartett, das auf vielen Goldund Platin-CDs zu hĂśren ist, bereits Erfahrung: FĂźr die Kinderserie „Little Amadeus“ spielten sie die Musik ein und erhielten den „Echo Klassik“.

ER IST IN VIELEN MUSIKSTILEN UNTERWEGS

Chick Corea hat bislang 22 Grammys bekommen. Foto: Toshi Sakurai

Immer wieder knĂźpfte Corea bei seinen Musik- und Bandprojekten an alte Arbeiten an. Seine Vielseitigkeit und Kreativität haben nie vor klassischer Musik haltgemacht: Beim MĂźnchner Klaviersommer machte er in den 1980er Jahren mit Friedrich Gulda und Nicolas Economou Duo-Aufnahmen; mit dem Saint Paul Chamber Orchestra unter der Leitung von Bobby McFerrin – der zwei Tage vor Corea im Alten Schloss auftritt – 1996 das Album „The Mozart-Sessions“. Stilsicher bewegt der Meister sich durch die Genres. Er hat mit Stan Getz und Dizzy Gillespie musiziert, war mit Miles Davis, Herbie Hancock, Wynton Marsalis, John McLaughlin und zahllosen anderen Musikern auf Tour. Er hat AusflĂźge in den Flamenco und rockigen Elektro-Jazz gemacht und in mehr als 50 Jahren als Solist und Bandleader Ăźber 100 Alben verĂśffentlicht. Beim Konzert in Stuttgart wird Corea sein Publikum mit zurĂźck in die 1970er Jahre nehmen. Zur Zeit der VerĂśffentlichung war „My Spanish Heart“ eine bahnbrechende Mischung aus Jazz-Fusion und traditioneller lateinamerikanischer Musik. Es wurde eines der beliebtesten Alben von Corea und erhielt im „DownBeat“-Magazine eine hymnische 5-Sterne-Rezension. In den vergangenen 19 Jahren, seit Beginn der 2000er Jahre, hat Chick Corea mehr als die Hälfte seiner 22 Grammys eingeheimst. Das beweist vor allem eines: Das Musik-Chamäleon, jetzt 77 Jahre alt, hat im Lauf von Jahrzehnten nichts von seinem KĂśnnen und seiner Bandbreite, seiner Lust am Experiment und seiner Spielfreude verloren. Statt immer nur die Best-of-Klaviatur zu bedienen, liefert der Jazz-Guru lieber fortwährend neue, ungehĂśrte TĂśne. Barbara Bross-Winkler L Chick Corea: 8. Juli, ab 19 Uhr, Altes Schloss

Mit PricelessÂŽ Specials, dem Bonusprogramm        (  %       (   # % &   (    (        $   $            

  &     '      ( !  (   (      "

           

namens „From Major to Minor“ hervor. Auf dieser bringt er dem Publikum in einer flotten Stunde mit Special Guests wie Daft Punk und Feist die Grundbausteine der Musiktheorie nahe. Die Schnellbleiche brachte Chilly Gonzales sogar in Buchform heraus: Sie nennt sich „Re-Introduction Etudes“ und enthält 24 einfach beherrschbare, vergnĂźgliche KlavierstĂźcke jenseits eines Ăźberkommenen KlavierschĂźlerpensums. Dass bei Gonzales’ Konzerten niemals Langeweile aufkommt, bestätigt auch ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Er hält mit mehr als 27 Stunden den Weltrekord fĂźr das längste Solokonzert: Im Jahr

2009 spielte er rund 300 StĂźcke im CinĂŠ 13 ThÊâtre in Paris. Zudem involviert er immer wieder spannende Gäste wie Jarvis Cocker und Drake und wirkt auch auf Alben der U-Sparte mit. Sein Beitrag fĂźr Daft Punks Album „Random Access Memories“ brachte ihm 2014 einen Grammy ein. Auch bei der EinfĂźhrung von neuer Technik ist Chilly Gonzales gleich dabei: 2010 nĂźtzte Apple den Beginn seines Hits „ Stop“ fĂźr den Produktstart des iPad. Anna Belting

L Chilly Gonzales & Kaiser Quartett: 7. Juli, ab 19 Uhr, Altes Schloss

Chilly Gonzales gilt als äuĂ&#x;erst humorvoller Entertainer. Foto: Alexandre Isard

PUBLIKUM ALS AKTIVER TEIL DES KONZERTS Auf der gemeinsamen CD erklärt Gonzales unterhaltsam den Zuschauern Musiktheorie und konfrontiert zum Beispiel „Happy Birthday“ mit „Chariots of Fire“ in Moll. Auf diese Weise demonstriert er hĂśchst einprägsam die unterschiedliche Wirkung der Tonarten. Spielt er live, darf das Publikum sogar mitmusizieren, denn Gonzales holt durchaus mal ZuhĂśrer auf die BĂźhne, um auf die Schnelle ein spontanes StĂźck zu komponieren. Auch das Kaiser Quartett setzt er auf unorthodoxe Weise ein – es wird zum Beispiel Echtzeit-Samples erzeugen. Aus derlei Experimenten ging schon eine Live-DVD

Der Innenhof des Alten Schlosses bietet eine stimmungsvolle Kulisse fĂźr die Konzerte der Jazzopen.

Foto: Reiner Pfisterer

Das Stimm-Wunder

Schalk im Nacken

A-cappella-Show mit Bobby

Blasmusik verquer mit Mnozil Brass

E

FĂźrs Bezahlen    

7

Freitag, 15. März 2019

s ist ziemlich wahrscheinlich, dass Bobby McFerrin, ein wahrhafter Musik-Schamane und Klangzauberer, am 6. Juli im Alten Schloss sein Publikum zum Chorsingen bittet und es in einen gemeinsamen groĂ&#x;en KlangkĂśrper verwandelt. Der zehnfache Grammy-Preisträger ist schlieĂ&#x;lich nicht nur Pianist und Sänger, sondern hat auch schon zahlreiche Gastauftritte als Dirigent gehabt, etwa mit den Wiener Philharmonikern, und war unter anderem Gastprofessor an der Hochschule der KĂźnste in Berlin. Dazu kommt: Er liebt es, in einen spontanen, kreativen gesanglichen Dialog mit seinem Publikum zu treten. Vor 20 Jahren ist Bobby McFerrin zuletzt bei den Jazzopen aufgetreten. Nun haben Fans des VokalkĂźnstlers die Gelegenheit, ihn und seine vier Musiker mit ihrer A-cappellaShow „Gimme 5“ im zauberhaften Ambiente des Alten Schlosses zu erleben. Und vielleicht gemeinsam mit ihm seine Bearbeitung des „Ave Maria“ von Bach, Chaplins „Smile“ oder ganz was anderes zu singen.

Bobby McFerrin Foto: Invision

McFerrin

Von Musik und Gesang umgeben ist Bobby McFerrin in New York aufgewachsen: Seine Mutter, die Sopranistin Sara McFerrin, war Gesangsprofessorin, sein Vater Robert der erste afroamerikanische Opernsänger an der Metropolitan Opera. Einer der Lieblingsplätze von Robert junior, genannt Bobby, war unter dem Klavier, wenn die Eltern Gesangsunterricht gaben. Er studierte Klavier, lernte auch Klarinette und FlÜte spielen und merkte erst als 27-Jähriger, dass sein eigentliches Instrument die Stimme ist.

SEINEN WELTHIT SPIELTE ER OHNE INSTRUMENTE EIN McFerrin hat eine ganz eigene Gesangskunst zwischen Jazz, Klassik und freier Improvisation entwickelt – sein Welthit „Don’t Worry, Be Happy“ aus dem Album „Simple Pleasures“ (1988) ist sein einziger Pophit, und er kam darin ohne Instrumente aus: Mithilfe von Overdubbing hat McFerrin alle Stimmen des Lieds selbst eingesungen und die vermeintlichen Instrumente mit seiner Stimme imitiert. Seit den Neunzigern hat der zehnfache Grammy-Preisträger mit den unterschiedlichsten Musikern zusammengearbeitet: 1995 etwa hat er mit dem Saint Paul Chamber Orchestra sein erstes Klassikalbum verĂśffentlicht, ein Jahr später mit Chick Corea zwei Klavierkonzerte von Mozart interpretiert und 2009 hat er seine Oper „Bobble“ im RĂśmischen Theater von Kaiseraugst aufgefĂźhrt. In der Jazz-Welt ist McFerrin bekannt fĂźr seine artistische Vokaltechnik. Dieser einzigartige Botschafter des Musizierens wechselt zwischen Brustund Falsettstimme, setzt seine Stimme als Instrument ein, unterstĂźtzt von Body-Percussion, die Brust und Kehlkopf erbeben lässt. „Die Stimme ist die Mutter der Musik. Die Trommel ist ihr Vater“, hat der sympathisch uneitel wirkende Weltstar einmal gesagt. Barbara Bross-Winkler

L Bobby McFerrin & Adrien Brandeis: 6. Juli, ab 19 Uhr, Altes Schloss

E

s stand ein Gasthaus namens Mnozil in Wien. Wie der Zufall es wollte, besuchten gegenĂźber mehrere junge Männer mit Liebe zur Blechmusik die Musikhochschule. Kurzerhand grĂźndeten sie einen Stammtisch. Das Resultat war Mnozil Brass, die die Jazzopen im Alten Schloss erĂśffnen. Das Repertoire der klassischen Volksmusik reichern sie mit Jazz, Pop, Oper, Operette und einem heftigen Schuss Comedy an. Heraus kamen hochkomische Singspiele wie etwa „Das trojanische Boot“ auf der Ruhrtriennale, „Irmingard“ fĂźr die Salzburger Festspiele oder „A Wagner-Brass-Comedy“ fĂźr das Bayreuther Wagner-Jubiläum. Sie spielten in London, New York, Moskau. Eine Filmkomposition zum Kinohit „Freundschaft“ bescherte ihnen den Ăśsterreichischen Kleinkunstpreis und den Nestroy Theaterpreis. Auch fĂźr den Amadeus Austrian Music Award ist Mnozil Brass nominiert. In Stuttgart gastieren sie mit ihrer „Definitive Best-of Anthology Greatest Superhits Celebration Show“, kurz „Gold“. Zwerchfellbeben inklusive. Wer sind die sieben? Thomas Gansch und Robert Rother haben die Blechmusik mit der Muttermilch aufgesogen und eine solide scheppernde Grundlage aus Polkas, Walzern und Märschen gelegt. Bereits mit 17 Jahren grĂźndete Gansch die Band; damals

war er schon in der Wiener Oper eingesprungen. Ihn zog es aber mehr zum Jazz. Nun komponiert er und lässt auf der BĂźhne die Pointen sprĂźhen. Robert Rother war wie seine sechs Kollegen Teil namhafter Wiener Orchester und leitet seit 2008 die Musikschule Wiener Neudorf. Er ist fĂźr die Schnulzen zuständig. Roman Rindberger blickt ebenfalls auf volksmusikalische Praxis in der Familie zurĂźck. Er setzt auf präzise klassische Technik und Ăźbernimmt auf der BĂźhne schon mal den Part des Latin Lovers. Auch Gerhard FĂźĂ&#x;l eignete sich mit seinem Vater schon frĂźhzeitig bläserische Weisen auf der Posaune an. Leonhard Paul sympathisiert immer mit den bĂśsen Buben, darf aber trotzdem an der Musikuniversität Wien unterrichten. ZoltĂĄn Kiss stammt aus Budapest und kam Ăźber Polen nach Wien. Es gibt nichts, was er auf seiner Posaune nicht spielen kann. HĂśher, tiefer, lauter, leiser, schneller als die anderen geht immer. Da wirkt Wilfried BrandstĂśtter wie ein Ruhepol. Nach Zwischenspielen als BlockflĂśtist oder Violinist hat er mit der Tuba das perfekte Instrument fĂźr sein Temperament gefunden. Am 5. Juli werden die sieben fĂźr ihr Best-of aufeinander losgelassen. Anna Belting L Mnozil Brass: 5. Juli, ab 19 Uhr, Altes Schloss

   

   

1

%

www.sparda-bw.de/auszeichnungen

6

.

      ..........................................2 ........................................................... ........................... .................................... .........................................................

.......................................... .....................................................0,98% ........................................................... .......................................................1,00% .......................................................   .................................................. .................................................................   ..............................................  ..........................

Die sieben Mitglieder von Mnozil Brass

Foto: Veranstalter

-


8

JAZZOPEN STUTTGART

G R U S S WO R T

D e e D e e B r i d g e w a t er wird mit der German Jazz Trophy ausgezeichnet und eröffnet mit ihrem Konzert die Jazzopen 2019. Foto: hf

Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Baden-Württemberg eG

Gemeinschaftserlebnis Für viele von uns ist sie wie eine fünfte Jahreszeit. Gemeint ist nicht etwa die Faschingszeit, sondern die Zeit während der Jazzopen in Stuttgart. Die Jazzopen sind zu einem der wichtigsten und attraktivsten Festivals Deutschlands geworden und stehen in Europa gleichberechtigt neben anderen großen Jazzfestivals. Ob Konzerte im familiären, feierlichen Rahmen im Spardawelt Eventcenter, im Szeneclub Bix, bei romantischer Atmosphäre im Alten Schloss oder bei unglaublicher OpenAir-Stimmung am Stuttgarter Schlossplatz – jedes einzelne Konzert an den elf Tagen ist auf seine Art fantastisch. Die Programmbreite der Jazzopen sorgt dafür, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters angesprochen fühlen. Wir freuen uns, auch in diesem Jahr die Jazzopen am 4. Juli mit der Verleihung der German Jazz Trophy bei uns im Spardawelt Eventcenter eröffnen zu dürfen. Mit dem mit 15 000 Euro dotierten Preis würdigen wir gemeinsam mit der „neuen musikzeitung“ und „JazzZeitung“ die Lebensleistung von herausragenden internationalen Jazzgrößen und ihre Verdienste für den Jazz. Dieses Jahr geht die Auszeichnung an die USamerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater. Warum Dee Dee Bridgewater? Das Stimmwunder ist der lebende Beweis dafür, dass Showtalent und virtuose Stimmbeherrschung beim Jazz im Idealfall Hand in Hand gehen. Ihre weitgefächerten, vielfältigen Musik- und Lebenserfahrungen machen sie zu einer authentischen, überzeugenden Jazzsängerin mit Temperament und Fröhlichkeit. Mit dem Sponsoring der Jazzopen bringen wir unsere Verbundenheit zum Jazz und zum Kulturstandort Stuttgart zum Ausdruck. Wir sehen im Jazz ein wichtiges traditionelles Kulturgut, welches zu fördern und zu stärken schon seit vielen Jahren unser Ziel ist. Bei den Jazzopen kommen so viele unterschiedliche Menschen zusammen, die im Alltag wahrscheinlich nicht viel gemeinsam hätten. Aber in diesen Momenten teilt man ein gemeinsames Interesse und eine gemeinsame Leidenschaft: die Freude an der Musik und am Jazz. Daraus entsteht ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Gemeinschaft ist das, was uns, der Sparda-Bank Baden-Württemberg, besonders wichtig ist. Eine Gemeinschaft funktioniert nur mit ihren Mitgliedern.

DA N I E L H Ü TT E N B E R G ER AU S Z U B I L DE N D E R V E R FA H R E N ST E C H N I K E R

Originell und vielseitig D i e G e r m a n J a z z Tr o p h y g e h t i n diesem Jahr an Dee Dee Bridgewater

D

ie Jury spricht von einem „Stimmwunder“. Sie sei „zu originell und vielseitig, um sich überhaupt auf eine Rolle festlegen zu lassen“. Mit ihrem Temperament könne sie „den Konzertsaal in einen Hexenkessel verwandeln“. Das klingt nach einer Frau mit geradezu magischen Stimmkräften. Und damit hat die Jury absolut recht. Gut also, dass Dee Dee Bridgewater am 4. Juli mit der German Jazz Trophy ausgezeichnet wird. Noch besser aber: Zum Preis gehört neben einer kleinen Zuwendung von 15 000 Euro eine Statue des Bildhauers Otto Hajek, außerdem wird Dee Dee Bridgewater am selben Tag die Jazzopen 2019 eröffnen. Man kann sich also selbst vom Können der Dame überzeugen, falls man tatsächlich noch Zweifel haben sollte. Die 1950 als Denise Garrett in Memphis geborene Dee Dee Bridgewater bewegt sich musikalisch seit Jahrzehnten zwischen Jazz, Musical, Pop und Rock. Das hierfür nötige Showtalent ermöglichte es ihr darüber hinaus, immer wieder als Schauspielerin in Erscheinung zu treten. Zu Hause ist sie indes natürlich im Jazz, sie gilt als eine der besten Jazzsängerinnen überhaupt. Deshalb hat man ihr auch bereits 1998 den Grammy in der Sparte „Best Jazz Vocal Album“ für die Platte „Dear Ella“ verliehen. Eine Hommage an Ella Fitzgerald, als deren würdige Nachfolgerin sie immer wieder gefeiert wurde. Doch auch von solch einem ja durchaus schmeichelhaften Ruf muss man sich als Künstlerin irgendwann emanzipieren. Einst noch auf der ganzen Welt für ihre Interpretationen von Songs bekannt, die durch Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Billie Holiday zu Ruhm kamen, gilt sie längst als eigenständige Künstlerin mit hohem Wiedererkennungswert.

DAS TALENT WURDE IHR IN DIE WIEGE GELEGT Das Talent Dee Dee Bridgewaters wurde schon früh gefördert: Ihre Großmutter und ihre Mutter waren Sängerinnen, ihr Vater Musiklehrer. Das meint man wohl, wenn man von einem in die Wiege gelegten Talent spricht. „Schon als junges Mädchen hat mich die Musik bewegt, mich inspiriert, mich vor Freude tanzen und vor Emotionen weinen lassen“, schildert sie ihre Jugend. Im Alter von 16 Jahren trat sie in verschiedenen Clubs auf, wo es dann nur noch eine Frage der Zeit war, bis ihre Fähigkeiten entdeckt wurden. Schließlich lernte sie den Trompeter Cecil Bridgewater kennen, den sie ehelichte und der sie mit nach New York nahm. So kam sie nicht nur zu ihrem neuen Namen, sondern auch an den Broadway, wo

MUSI C MEETS MOBI LITY T I M O ST Ü M P F LE N T E A M L E I TE R F RÄS E N

J E S S I CA S I E B E CK CO M M E R C I A L M A N AG E R

G E S TA LT E D I E Z U K U N F T D E R M O B I L I TÄT

S I M ON R E I C H E I N KÄU F E R

Freitag, 15. März 2019

T H I LO LU T Z E N T W I C K LU N G S I N G EN I E U R / P RO D U CT E N G I N E E R

M A R I E -T H E R E S E M A AS R E F E R EN T I N UNTERNEHMENSKO M M U N IKAT I O N

sie drei Jahre lang als Glinda im Musical „The Wiz“ zu sehen und zu hören war. Diese Rolle brachte ihr einen Tony Award ein. Auch für ihre Rollen in „Sophisticated Ladies“, „Black Ballad“, „Carmen“, „Cabaret“ sowie in der Off-Broadway- und West-End-Produktion von „Lady Day“ wurde sie bejubelt. Nicht zuletzt, weil sie sich bei aller Liebe zur Show immer auch einen hohen Grad an Authentizität bewahrt hat. Die auch ihre Kollegen immer schätzten: Schon in den 1970ern trat sie mit Könnern wie Ray Charles, Dizzy Gillespie und vielen anderen auf. Als Sängerin der Thad Jones/Mel Lewis Big Band galt sie in der Presse bald als neues Ausnahmetalent.

AUCH AUSFLÜGE IN DIE WELT DES CHANSONS Mitte der 80er verließ Bridgewater die USA. Bis zur Jahrtausendwende lebte sie in Paris, wo sie sich wieder voll auf den Jazz konzentrieren wollte. Was ihr auch gelang, obwohl sie dort ebenfalls ihren zweiten Ehemann kennenlernte. Den Namen Bridgewater behielt sie allerdings. In Frankreich gelang ihr mit dem Album „Live in Paris“ der endgültige Durchbruch. Für die Scheibe „Keeping Tradition“ (1994) wurde sie mit dem Django D’Or ausgezeichnet. Irgendwann drang während der Rückbesinnung auf den Jazz Bridgewaters Leidenschaft für andere Genres durch. Nachdem sie 2000 mit „Live at Yoshi’s“ ihre famosen Clubauftritte auf CD gebannt hatte, schnappte sie sich zwei Jahre später das Songbook von Kurt Weill. Und knöpfte sich schließlich französische Titel vor – die USAmerikanerin Dee Dee Bridgewater war in Paris zur Chansonnière geworden. „J’ai deux Amours“ nannte sie das Album, das sie 2005 als Erinnerung an ihre Zeit in Paris aufnahm. Mittlerweile wohnt sie, wenn sie nicht auf Tour ist, in der Gegend um Las Vegas. Auf der Jazzopen-Bühne konnte man Bridgewater bereits vor zwei Jahren bewundern, wo sie allen Jazzfans an der Seite von Quincy Jones, George Benson, Jacob Collier, dem Stuttgarter Kammerorchester und der SWR Big Band einen unvergesslichen Abend bereitete. Das wird ihr garantiert auch ohne die Kollegen gelingen. Denn ihre Selbstständigkeit beweist Dee Dee Bridgewater nicht nur auf der Bühne: 2006 hat sie ihr eigenes Plattenlabel „DDB records“ gegründet. Seither produziert sie all ihre Songs selbst. Auch die des aktuellen Albums „Memphis“, mit dem sie die ganze Welt beglückt – und bald erfreulicherweise auch Stuttgart. Franz Krauder L German Jazz Trophy & Dee Dee Bridgewater: 4. Juli, ab 18 Uhr, Spardawelt Eventcenter

Baroninnen am Bass Nik West & Ida

D

Nielsen

as Programm der Jazzopen ist immer reich an großen Namen. Eine Grande Dame der Musik wie Nik West war dennoch bislang nur sehr selten zu Gast. Schön, dass das Festival am 9. Juli mit Nik West die vielleicht beste Bassistin der Welt in der Spardawelt willkommen heißt. Ihr umwerfendes Bassspiel ist nicht alles, was sie mit nach Stuttgart bringt: Entertainerqualitäten von Weltrang, eine wunderbar soulige Stimme, eine explosive Performance und extravagante, unvergessliche Outfits sorgen für echte Sternstunden. Auch, wenn sie mal sanften Jazz spielt, singt sie vielleicht mit kratziger Rockröhre dazu. Und auch, wenn ihr Spiel komplex und fordernd ist, hat sie noch Zeit für wirbelnde Moves, einen gekonnten Spagat oder jede Menge weitere Lektionen aus dem großen Buch der Bühnenpräsenz. Noch bevor Nik West auch in Stuttgart Bass-Geschichte schreiben wird, darf Ida Nielsen den Konzertabend eröffnen. Wie West spielte auch die Dänin schon in der

Live-Band von Prince. Wem diese Ehre zuteilwird, zählt zur absoluten Weltspitze. Von 2010 bis zu seinem tragischen Tod 2016 war sie Teil seiner Band, reiste um die Welt, lernte, sammelte Erfahrungen, von denen sie bis heute zehrt. „Diese Zeit war ein riesiges Geschenk, die magischste musikalische Reise aller Zeiten und eine fortlaufende Lernerfahrung jenseits aller Vorstellungskraft“, sagte sie nach dem Tod der Legende dazu. In Stuttgart hat sie ihre Band The Funkbots dabei und wird ein weiteres Mal beweisen, dass sie längst aus dem Schatten von Prince herausgetreten ist. Der Funk ganz alter Schule trifft auf die zeitgeistigen Tugenden des Hip-Hop, Jazz und Pop. Reggae und World Music würzen diese sinnliche Mixtur zusätzlich. Sicher, ihr Herz hat sie an den Funk verloren, mehr als jedes andere Genre prägt der ihr virtuoses Spiel am Bass. Annabelle Reiter

L Nik West & Ida Nielsen: 9. Juli, ab 19 Uhr, Spardawelt Eventcenter

T H O M AS K I U P E L D O KTO RA N D

W W W. E L R I N G K L I N GE R . D E / YO U

Ida Nielsen (links) und Nik West haben beide bei Prince gespielt.

Foto: Veranstalter


JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

9

G R U S S WO R T

Chris Potter, Danilo Pérez und Avishai Cohen (von links) sind das Herz des PCP Quintets. Es spielt am 11. Juli in Stuttgart.

Fotos: Tamas Talaber, John Abbott, Ziv Ravitz

Ralf Monz, Director International Markets Mastercard

Wunderknaben aus aller Welt PCP

Quintet macht Musik für ikonische

G

lobalisierung und Feminismus haben unsere Gesellschaft verändert. Nicht wenige haben Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen, und suchen ihr Heil in der Vergangenheit. Die aber zum Glück Vergangenheit ist. Denn unterm Strich wendet sich vieles zum Guten. So treten beispielsweise ein Pianist aus Panama, ein israelischer Trompeter und ein US-Amerikaner am Saxofon heute wie selbstverständlich gemeinsam auf. Und ehren mit ihren Originalkompositionen das Leben, die Werke und den Aktivismus diverser Frauen wie etwa Maya Angelou, Angela Davis, Sian Ya’ari und Zelda. Und sie kommen auch nach Stuttgart: Am 11. Juli spielen Danilo Pérez, Avishai Cohen und Chris Potter mit ihrem „Pérez, Cohen, Potter Quintet“, kurz: PCP Quintet, bei den Jazzopen. Pianist Pérez erklärt die Konstellation wie folgt: „Es ist ungewöhnlich, dass eine Gruppe von Männern zusammenkommt, um Musik für ikonische Frauen zu schreiben. Wir als Musiker müssen über wichtige Themen schreiben und sprechen, die für die Menschheit von wesentlicher Bedeutung sind.“ Ein wichtiges Zeichen ist das in der Tat: Männer haben heute die Wahl, ein antiquiertes Weltbild zu verteidigen, das früher oder später mit seinen Vertretern aussterben wird. Oder sie engagieren sich für die

Gleichberechtigung und vor allem Gleichbehandlung der Frau – zum Beispiel, indem sie eben nicht nur an das Wirken von anderen Männern erinnern. Mit Larry Grenadier am Bass und Nate Smith an den Drums hat das Quintett eine außergewöhnliche Bandbreite: Jeder ist für sich ein Virtuose, ein gefragter Künstler der internationalen Jazz-Szene. Stilgrenzen gibt es für die fünf Herren nicht. Beginnen wir mit Chris Potter. 1989 mischte er als 18-jähriges Saxofonwunderkind die New Yorker Jazz-Szene auf und spielte dort sogar noch an der Seite der Bebop-Ikone Red Rodney. Dass es so kommen würde, zeichnete sich früh ab: Schon als Kind interessierte er sich für alle Formen der Musik. Sämtliche Instrumente begeisterten ihn, er lernte Gitarre und Klavier und natürlich Alt- und Tenorsaxofon. Für ihn war schon immer klar, wohin die Reise gehen sollte. Sein erstes professionelles Jazz-Konzert gab er im Alter von 13 Jahren – mancher träumt da gerade erst von der Bühne. Schließlich kam Potter an die private Manhattan School of Music. Der Rest ist Geschichte. Er wurde Meister seines Fachs. Das bedeutende JazzMagazin „Down Beat“ erklärte ihn zu einem der meistkopierten Saxofonisten des Planeten. Sax-Legende Dave Liebman sagte, Potter sei schlicht einer der besten Musiker über-

Frauen haupt. All das erreichte der 48-Jährige ohne große Show: Er stellt seine Fähigkeiten lieber in den Dienst der Musik, anstatt ein Spektakel zu veranstalten, wie es gerade einige seiner Saxofonistenkollegen gerne tun.

COHEN – SO HEISSEN EINIGE GUTE MUSIKER Der Zweite im Bunde ist Avishai Cohen. Der 41-Jährige stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Ab dem achten Lebensjahr erhielt er Trompetenunterricht. Seine Geschwister sind der Saxofonist Yuval Cohen und die Klarinettistin Anat Cohen. Mit den beiden spielt er in der Familienband 3 Cohens. Das gemeinsame Musizieren kennt er also von klein auf – er ist kein Einzelgänger. Nicht zu verwechseln ist er übrigens mit dem bekannten Bassisten, der ebenfalls auf den Namen Avishai Cohen hört, jedoch nicht über einen so famosen, dichten Bart verfügt wie sein Namensvetter. Er ist auch kein Teil der Familie – der Name „Cohen“ bringt aber offenbar immer wieder gute Musiker hervor. Leonard ist vielen Lesern ja sicher auch ein Begriff. Zuletzt wäre da noch der eingangs zitierte Danilo Pérez. Er begann noch früher als seine beiden Kollegen: Im Grunde steht er

Im dritten Jahr Sponsor damit noch eine Stufe höher auf der Treppe der Wunderknaben: Pérez saß schon im Alter von drei Jahren am Klavier. Mit zehn Jahren studierte er dann klassisches Klavier am Nationalkonservatorium von Panama. Ja, richtig gelesen: mit zehn! Seither sind ein paar Jährchen vergangen, Pérez ist 54. In der Zwischenzeit war er Mitglied von Dizzy Gillespies United Nations Orchestra, nahm anno 1994 mit Arturo Sandoval das Grammy-prämierte Album „Danzon“ auf und gewann den New York Jazz Award in der Sparte „Best Artist or Band in Performance“. Zudem avancierte er zum Kulturbotschafter Panamas, betätigte sich als Mitbegründer und Leiter des „Panama Jazz Festivals“ und bekleidet das Unicef-Amt „Botschafter des guten Willens“. Die Arbeit im PCP Quintet macht allen sichtlich Spaß: Bei ihren Auftritten tragen die Herren beinahe durchgehend ein Grinsen im Gesicht. Was sich oft auch aufs Publikum überträgt. Dass es möglich ist, diese Konstellation live in Stuttgart zu sehen, ist ein großes Glück. Dafür muss man dem Lauf der Dinge aller Kritik zum Trotz eben doch dankbar sein. Die Musik ist somit Gewinner der Globalisierung. Franz Krauder L PCP Quintet: 11. Juli, ab 19 Uhr, Spardawelt Eventcenter

Im Jubiläumsjahr 2018 haben die Veranstalter der Jazzopen Stuttgart mit dem Live-Auftritt aus dem All von Alexander Gerst während des Konzerts von Kraftwerk einen Gänsehautmoment geschaffen. Das steht in absolutem Einklang mit unserer Philosophie: Denn so einzigartig und erlebnisreich, wie das Musikfestival durch die Auswahl seiner Künstler und Locations ist, so emotional gestalten wir unsere Sponsoring-Aktivitäten: von Promotions im Vorfeld des Events über Live-Erlebnisse beim Festival bis hin zur Mastercard Jazzopen Lounge im Waranga am Kleinen Schlossplatz oder einem Meet & Greet mit Künstlern. Hier schaffen wir Momente und Interaktionen, die den Besuchern positiv in Erinnerung bleiben. Wir freuen uns zudem, dass wir durch unser Sponsoring-Engagement das Festival-Gelände mit einer modernen Bezahlinfrastruktur ausstatten können. Das ermöglicht den Festival-Gästen schnelle und sichere kontaktlose Zahlungen per Karte oder Smartphone. Das wiederum schenkt den Besuchern mehr Zeit, die unvergleichliche Festival-Atmosphäre und die großartige Musik ausgiebig zu genießen. Wir freuen uns mit den Festival-Fans auf unvergessliche Erlebnisse!

Echte Hochkaräter Soul Diamonds feiern Zehnjähriges

M

anchmal kann es so einfach sein. Wie damals im Jahre 2009, als Bandleader Meinhard „Obi“ Jenne seine Leidenschaft für klassischen Soul ausleben wollte – und einfach mal die Soul Diamonds gründete. Seine Prämisse für die Zusammensetzung der Band war ebenso simpel wie kompromisslos: Niemand Geringeres als die besten Jazz-, Blues-, Soul- und Pop-Musiker aus der Metropolregion Stuttgart wollte er für seine Soul Diamonds – und bekam sie auch. Die Frage aller Fragen ist natürlich die: Wie hat es Obi Jenne nur geschafft, all diese Talente um sich zu scharen? Zum einen gehört der gebürtige Heidelberger zu den herausragenden Schlagzeugern des Landes, zum anderen pflegt er ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Soul Diamonds. Wenn man mit so vielen musikalischen Hochkarätern eine Leidenschaft teilt, gibt es kaum etwas Schöneres, als sie gemeinsam auszuleben. Das tun sie, und zwar seit ziemlich genau zehn Jahren. Monatlich im Jazzclub Bix, auf

Festivals oder bei privaten Veranstaltungen. Und obwohl jeder von ihnen so viele andere Musiker da draußen in Grund und Boden spielen könnte, obwohl selbst progressivste und hochkomplexe Musik kein Problem für sie ist, verständigen sie sich bei den Soul Diamonds auf echte, eingängige, leidenschaftliche und virtuose Musik, die der geübte Jazz-Aficionado ebenso goutieren kann wie der Neuling. Das liegt natürlich auch am Repertoire. Es konzentriert sich auf Soul, R ’n’ B und Souljazz der Sechziger bis Neunziger und ist randvoll mit den Klassikern des Soul, Funk, Jazz und Blues. Für ihren Auftritt bei den Jazzopen am Freitag, 5. Juli, haben sie gleich eine ganz besondere Sause aufs Programm gesetzt: „Soul Diamonds XXL“. Weil nämlich 2019 nun mal der zehnte Geburtstag der Soul Diamonds ansteht, feiert die Band an diesem Abend zugleich auch die Veröffentlichung ihrer Live-CD/-DVD. Annabelle Reiter L Soul Diamonds: 5. Juli, ab 19 Uhr, Spardawelt Eventcenter

Akku Power. made by STihl. — JEDER HERAUSFORDERUNG GEWACHSEN Echte Gärten hören nie auf zu wachsen. Sie stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Seien Sie bereit – mit Geräten des STIHL AkkuSystem COMPACT. Diese lassen sich einfach handhaben, sind besonders leicht und leise, ohne Kompromisse bei der Leistung einzugehen. Denn sie werden angetrieben vom extrastarken Lithium-Ionen-Akku, der in alle Geräte dieses Systems eingesetzt werden kann. Das ist echte Akku Power. Made by STIHL. ERFAHREN SIE MEHR UNTER STIHL.DE ODER BEIM FACHHÄNDLER IN IHRER NÄHE

Ausnahmemusiker unter sich: Die Soul Diamonds spielen am 5. Juli. Foto:

Vincent Sima


10

JAZZOPEN STUTTGART

Europäische Extraklasse

G R U S S WO R T

Marius Neset

Bettina Fetzer, Leiterin Marketing Mercedes-Benz Pkw

Elektrisierende Atmosphäre Auch in diesem Jahr bieten uns die Jazzopen im Herzen Stuttgarts ein erstklassiges Line-up mit nationalen und internationalen Künstlern verschiedenster Stilrichtungen. Neben Jazz-Größen wie Chick Corea und Bobby McFerrin werden Stars wie Bob Dylan, Sting und Parov Stelar für unvergessliche Musikerlebnisse sorgen. Das zehntägige Festival ist mittlerweile weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt und hat sich zu einem der bedeutendsten europäischen Musikevents seiner Art entwickelt. Es gehört zu einem musikalischen und kulturellen Highlight Stuttgarts und lockt jedes Jahr zahlreiche Musikfans aus aller Welt in unsere Landeshauptstadt. Wir freuen uns ganz besonders, als Partner der Jazzopen dieses Festival mit seiner elektrisierenden Atmosphäre begleiten zu dürfen. Das für alle sichtbare Zeichen unseres Engagements wird unser neuer EQC sein, das erste vollelektrische Fahrzeug von Mercedes-Benz. Wer während der Jazzopen auf dem Stuttgarter Schlossplatz die Augen offen hält, kann es auf dem Festivalgelände entdecken. Allen Festivalbesuchern wünschen wir ein unvergessliches Festival!

Dauner kommt 12. Juli: Konzert der Jazz-Legende

D

Freitag, 15. März 2019

ie Stuttgarter Jazz-Ikone Wolfgang Dauner wird auch bei der 26. Ausgabe der Jazzopen wieder mit von der Partie sein. Und nicht nur er: Drei Generationen stehen bei diesem Konzert am 12. Juli in der Spardawelt auf der Bühne. Einlass ist ab 19 Uhr. Dauner gilt als kreativer Keyboarder und Komponist, der grenzüberschreitend arbeitet. 2016 wurde er als einer „der vielseitigsten Jazzpianisten und -keyboarder unserer Zeit“ mit einem Sonderpreis des Jazzpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk geehrt. Ebenfalls 2016 bekam er die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. red

u n d Ya r o n H e r m a n Tr i o

D

er eine steht laut „The Telegraph“ an der „Spitze der fantasievollsten Spieler Europas“. Das ist der 37-jährige Israeli Yaron Herman. Der andere taucht als einziger Europäer in der Liste des bedeutenden US-Jazzmagazins „Downbeat“ auf, das 25 junge Musiker aufzählte, die die Zukunft des Jazz gestalten werden. Das ist der 34-jährige Norweger Marius Neset. Abgesehen von der Tatsache, dass sie zu den besten jungen Musikern des Kontinents gehören – was verbindet diese beiden Herren noch? Ganz einfach: Beide treten am 6. Juli bei den Jazzopen in Stuttgart auf. Europäische Extraklasse. Was für eine Ironie, dass so ein aufgeweckter Kerl wie Marius Neset aus einer verschlafenen norwegischen Hafenstadt wie Bergen kommt. Doch dort gibt’s eben nicht nur Fjorde, sondern auch das renommierte Nattjazz Festival, wo Neset bereits als 19-Jähriger den ausgelobten Talent Award gewann. Ein Riesentalent ist er ohnehin, für manche der begabteste Saxofonist Norwegens seit Jan Garbarek. Spätestens mit seinem 2011 erschienenen zweiten Album „Golden Xplosion“ war sein Name dann in allen Jazz-kundigen Gegenden bekannt.

nen gefragt, nannte er einmal Frank Zappa, Django Bates, Pat Metheny und Wayne Shorter. Die sind aus seinen Kompositionen durchaus herauszuhören, ebenso aber auch Igor Strawinsky und Charles Ives. Und natürlich liegt über allem Nesets eigener, kaum zu verwechselnder Sound.

YARON HERMAN ZÄHLT ZU DEN BESTEN So ein Abend mit Neset ist an sich schon fantastisch. Noch großartiger wird’s, wenn er durch einen Auftritt von Yaron Herman und dessen Trio bereichert wird. Ihn be-

gleiten Ziv Ravitz am Schlagzeug und Sam Minaie am Kontrabass. Der in Frankreich lebende Herman ist einer der größten Pianisten und Komponisten seiner Generation. Dabei sah es lange so aus, als würde er Profibasketballer werden. Mit 16 verletzte er sich allerdings so schwer, dass die Karriere gelaufen war. Einerseits natürlich tragisch, andererseits auch Glück im Unglück, dass Herman somit Zeit hatte, sich dem Klavier zu widmen. Doch egal ob beim Körbewerfen oder am Instrument: Herman haut sich stets voll rein und hat auch den Teamgedanken verinnerlicht, den man sowohl beim Basketball als auch beim Jazz braucht. Mit seiner Kombi-

nation aus traditioneller israelischer Musik und europäischer Konzertsaalmusik raubt er den Fans auf der ganzen Welt den Atem. Genre-Grenzen interessieren ihn generell nicht. Seinem noch nicht allzu fortgeschrittenen Alter zum Trotz feiert und respektiert man ihn bereits auf der ganzen Welt – und zwar nicht nur als Musiker, sondern auch als Denker. Nachdem er eine Theorie zur musikalischen Improvisation entwickelt hatte, die „Real Time Composition“, lud man ihn als Dozent an die Pariser Sorbonne ein. Zudem war er bereits Juryvorsitzender des bedeutenden Montreux Jazz Festival Wettbewerbs. Was nur logisch ist, denn er selbst

ER SPIELTE SCHON IN DER VERBOTENEN STADT

MARIUS NESET BESITZT AUCH VIEL CHARISMA Neset ist nicht einfach nur ein brillanter Musiker und Komponist, sondern besitzt dazu auch noch reichlich Charisma. Es ist ein großer Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen, wenn er mit dem ganzen Körper dem Saxofon folgt und mit ordentlich Kraft und gewaltigem Tempo die Maximalleistung aus dem Instrument hervorbringt. Manchmal klingt es, als spiele da nicht nur ein Einzelner Saxofon, sondern als seien gleich zwei oder drei zugange. Er selbst mag es dann aber doch auch gerne ruhig: „Ich liebe es, in den Bergen zu sein – Stille ist auch Musik. Vielleicht kommt das daher, dass ich aus Norwegen komme“, sagt der 34-Jährige, der heute in Kopenhagen wohnt. Schon als Fünfjähriger begann er mit dem Schlagzeugspielen, was in ihm ein Rhythmusgefühl weckte, das er aus heutiger Sicht als besonders wichtig einschätzt. Bis er schließlich irgendwann zum Saxofon griff. Nach seinen Inspiratio-

Marius Neset spielt für Wayne Shorter, Sting, die schwedische Königsfamilie – und für das Publikum bei den Jazzopen 2019. Foto: Veranstalter

kennt sich mit Preisen bestens aus: Victoires du Jazz, iTunes Choice Award, New Talents Trophy, Adami Jazz Talent, Choc Jazzman und die Disque d’émoi Jazz – Herman hat sie alle in der Vitrine. Doch wen interessieren schon die ang e staubten Trophäen, wenn man Herman live sehen kann. Wenn er die Töne vor sich her peitscht, die Triolen jagt und dabei mit dem Kopf kreist, als wolle er am Klavier einen Wirbelsturm erzeugen. Sein vielleicht bemerkenswertestes Konzert spielte er in Peking: Als erster Jazzer überhaupt durfte er dort in der „Verbotenen Stadt“ auftreten – bis zur Revolution 1911 regierten dort die chinesischen Kaiser, der einfachen Bevölkerung blieb der Zutritt versagt. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Und in Stuttgart ist das ohnehin alles ganz anders. Zu den Jazzopen darf jeder kommen, der sich rechtzeitig eine Karte sichern kann. Das könnte bei diesem Abend mit Marius Neset und Yaron Herman allerdings fast zu einer Herausforderung werden. Franz Krauder L Marius Neset & Yaron Herman Trio: 6. Juli, ab 19 Uhr, Spardawelt Eventcenter

Ein Versprechen Te r e n c e B l a n c h a r d & E - C o l l e c t i v e

M

Mit Begeisterung dabei! ller Offizie er rd Partne n e jazzop 2019

BF.direkt AG · Berlin · Frankfurt · Stuttgart T +49 (0) 711 / 22 55 44 -100 · info@bf-direkt.de · www.bf-direkt.de

anchmal ist ein gewisser Lebens- Stimmung, die ich erzeugen wollte“, so Blanweg eben doch in die Wiege ge- chard, „war die des Klangs einer Ansammlegt. Wie bei Terence Blanchard, lung von Menschen, die im Chor zusammen der 1962 ausgerechnet in der Jazz-Stadt New Gerechtigkeit fordern.“ Dennoch sieht er Orleans das Licht der Welt erblickte. Nicht sich eher als Jazzer denn als Protestmusiker. jeder, der hier zur Welt kommt, wird diese „Ich habe diese Gruppe nicht als ProtestMusik später auch mal revolutionieren. Eini- band zusammengestellt“, sagt er. „Wir wollge aber eben doch. Und Blanchard gehört ten anfangs Musik spielen, um junge Leute, klar dazu. Als Bandleader ist er eine starke, die keinen Jazz spielen wollten, zu inspicharismatische Persönlichkeit mit unglaub- rieren, Instrumentalmusik auf höchstem lichem Gespür für Timing, als Komponist Niveau zu machen.“ gilt er als einer der gefragtesten und proDann kam der 9. August 2014: der Tag, an duktivsten Jazz-Musiker der Gegenwart. dem der 18-jährige afroamerikanische SchüDas blieb auch einem gewissen Spike Lee ler Michael Brown in Ferguson vom Polizisnicht verborgen. Die Regie-Eminenz ver- ten Darren Wilson erschossen wurde. „Dapflichtete Blanchard schon vor 30 Jahren mals schien es, als ob solche Schießereien jefür seine Filme und arbeitet bis heute mit den Monat passierten“, erinnert er sich. „Ich ihm an zahlreichen Soundtracks zusammen. war der Ansicht, dass wir uns erheben und „Malcolm X“ oder, deutlich aktueller, mit unserem 2015er-Album ‚Breathless‘ Stel„BlackKKKlansmen“ wären ohne Blanchards lung beziehen mussten. Nachdem wir mit musikalische Handschrift andere Filme. dieser Musik zwei Jahre lang auf Tournee waZweimal gewann er einen Grammy, zur- ren, konnten wir einfach nicht von ihr ablaszeit ist er der künstlerische Leiter des Thelo- sen. Was wären wir für Künstler, wenn wir nious Monk Institute of Jazz an der Universi- eine Platte wie ,Breathless‘ machten und ty of Southern California. Eine beeindrudann auf dem nächsten Album wieder zur ckende Vita, die bei seinem JazzopenTagesordnung übergehen würden?“ Deswegen ist auch das aktuelle AlGastspiel am 10. Juli zu ihren Wurzeln zurückgeführt wird. Gemeinbum „Live“ zugleich musikalischer Hochgenuss und schmerzhafte Aufsam mit seinem legendären E-Collective wird er wieder beweisen, arbeitung amerikanischer Tragödien. Und ein Hoffnungsschimwas man aus einer Trompete hemer, wie der Trompeter berausholen kann. So fing alles an: Schon als kleiner Junge tont. „Wir stammen alle aus verschiedenen Gelernte er das Trompetensellschaftsschichten, spiel, und bis heute lässt ihn dieses Instruaber wir haben es geschafft, zusammenzument nicht los. Er spielt sie alkommen und gemeinsam etwas Harlerdings nicht tramonisches zu kreieditionell als einsaren. Wir sind das, me Stimme, die was das Versprechen sich aus dem Getümmel erhebt. Amerikas eigentlich sein sollte.“ ar Stattdessen verleiht er ihr durch Effekte den Klang einer MenschenL Terence Blanchard & ECollective: 10. Juli, ab 19 Uhr, gruppe, die sich friedvoll Spardawelt Eventcenter Terence Blanchard Foto: hf erhebt und widersetzt. „Die


JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

Las Migas

Foto: Veranstalter

Snej

Foto: Valentina Bilareva

11

Ghost Note

Foto: Veranstalter

Musik in all ihren Formen Bix: Programm mit großer Bandbreite

E

r liebte am Jazz das Überraschende, Unvorhersehbare. Die Rede ist von dem Trompeter Bix Beiderbecke, dessen unverwechselbare Soli die Jazz-Szene der Zwanziger und Dreißiger maßgeblich prägten. Beiderbecke stand auch Pate für den Namen des Jazzclubs, der 2006 im Anbau des Stuttgarter Gustav-Siegle-Hauses eröffnet wurde: Bix. Dort sind bei den Jazzopen wieder außergewöhnliche Soli zu erleben: Es ist der Ort für die feinen, hautnahen Konzerte des Festivals. Eröffnet wird das Programm mit Jonah Nilsson (4. Juli). Das ist jener schwedische Sänger und Keyboarder, der mit seiner Band Dirty Loops auf Youtube nicht nur von Millionen Viewern, sondern auch von Starproduzent David Forster entdeckt wurde, weil Nilsson Pop-Hits wie „Just Dance“, „Rolling in the Deep“ oder „Baby“ coverte mit einem Mix aus Jazz, Funk und Fusion. Und es geht besonders weiter: Bill Evans and the Spy Killers! (5. Juli) ist an einem Abend mit der Kontrabassistin Snej zu erleben. Während die Bulgarin, die ihr Instrument erstmals im Ensemble ihres Vaters in die Hand nahm, noch in der Jazz-Abteilung der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bei Professor Mini Schulz studiert, ist Evans bereits ein alter Hase. Der US-amerikanische Saxofonist, Sänger und Produzent erforschte musikalische Stile jenseits der traditionellen, spielte unter anderem mit Miles Davis, Herbie Hancock und Mick Jagger, war Teil des Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin und mehrfach für den Grammy nominiert. Sein jüngstes musikalisches Projekt sind nun die Spy Killers!. Seit Evans die Band 2018 im berühmten Melbourner Jazzclub Birds Basement live aufnahm, ist das Quartett international nicht mehr aufzuhalten. Preise räumt auch Julia Biel (6. Juli) ab, seit sie ihr erstes Al-

bum „Not Alone“ veröffentlichte. Die Britin mit den südafrikanischen Wurzeln bringt in ihren emotionalen Kompositionen Folk, Jazz und Pop in Einklang – so groovig und kraftvoll wie leise und zart. Stars zählen zu ihren Fans, so schwärmt unter anderem Jamie Cullum von ihrer Stimme und ihren Songs. Gerade mal 30 wird Christian Sands (8. Juli) sein, wenn er mit seinem Trio im Bix bei den Jazzopen die Bühne bewegt: Und dennoch wurde er bereits fünfmal für einen Grammy nominiert. Kein Wunder, Energie pur ergreift den Raum, wenn der US-amerikanische Jazzpianist in die Tasten greift, Swing, Bebop, Progressive, Fusion, Brazilian oder Afro-Cuban zu neuen Spielarten des Jazz verwandelt. Das tut ebenso Jazzmeia Horn (9. Juli), deren Geburtsname quasi Programm ist. Für Gesangslegende John Hendricks besitzt sie „eine der besten Stimmen“, die er seit über 40 Jahren gehört habe. Die 28-Jährige performte bereits mit Billy Harper, Mike LeDonne und Peter Bernstein. Nur sechs Jahre älter ist Judith Hill (10. Juli). Der „Rolling Stone“ feierte ihren Gesang als „stellar powerhouse“: Die USamerikanische Pop- und R ’n’ B-Sängerin sang auf Michael Jacksons Trauerfeier „Heal the World“. Der Soul wurde ihr in die Wiege gelegt, ihre Mutter ist die japanische Pianistin Michiko, ihr Vater der R ’n’ B-Bassist und Produzent Robert „Peewee“ Hill. Mit gerade mal vier Jahren schrieb sie ihren ersten Song. Den großen Durchbruch erlangte Camille O’Sullivan (11. Juli) mit ihren dramatischen Interpretationen von Liedern aus der Weimarer Republik. Sie bewies zudem ihr einzigartiges Talent mit Songs von internationalen Künstlern wie Jacques Brel, Tom Waits, Nick Cave, Edith Piaf oder David Bowie. Ihr Gespür für das Theatralische mag daran liegen, dass die Künstlerin mit fran-

zösischen und irischen Wurzeln zunächst Malerei, dann Architektur studierte und als Architektin arbeitete, bevor sie sich ganz der Musik zuwandte. Den Abend bestreitet O’Sullivan mit Las Migas: Bei diesem Flamenco-Quartett geben nur Frauen den Ton an und vermengen ihn frech mit lateinamerikanischen Elementen, Pop- und Folk-Klängen sowie Jazz. Eine wild-mitreißende Mischung hat auch Ghost Note (12. Juli) im Gepäck. Die Band des Drummers Robert Searight und des Perkussionisten Nate Werth – sie sorgten bereits mit ihrem Fusion/Jazzrock-Kollektiv Snarky Puppy weltweit für Aufsehen – vereinen folkloristische westafrikanische, afro-kubanische und brasilianische Samba-Grooves mit Jazz, Funk, HipHop und World. Ihr neues Projekt „Ghost Note“ stellt einmal mehr Perkussion ins Rampenlicht, die rhythmische Stimme feiert die Musik in all ihren Formen, inspiriert von James Brown, Prince, Marcus Miller, Justin Timberlake, den Beastie Boys und anderen. Ein extrem breites Stilspektrum weist auch Donny McCaslin (13. Juli) auf, der David Bowies letztes Album „Blackstar“ mit seinem Saxofon prägte. Der Sideman von Maria Schneider und Dave Douglas wurde so quasi über Nacht bekannt, um danach sein gefeiertes Album „Beyond Now“ zu veröffentlichen. Mit „Blow“, seinem neuesten Werk, hat McCaslin seine künstlerische Richtung gefunden, die er bei den Jazzopen zelebrieren wird. Und da wird sicherlich zum Tragen kommen, was den 52-jährigen New Yorker bei Bowie beeindruckt hat: dass der sich nie um Kategorien gekümmert habe. Dazu McCaslin: „Ich habe das Gefühl gehabt, alles ist möglich.“ peix L Bix: 4. bis 6. Juli, 8. bis 13. Juli, Einlass und Gastronomie jeweils ab 19 Uhr

Judith Hill

Christian Sands

Foto: Joe Lemke

Foto: Anna Webber

Camille O’Sullivan

Foto: Veranstalter

Donny McCaslin

Foto: Veranstalter

JAZZOPEN STUTTGART 2019 KLIMANEUTRALES FESTIVAL COOL GROOVES CLEAN AIR Julia Biel

Foto: Jenna Foxton

Jonah Nilsson

Foto: Jesse DeYoung

Als Partner der jazzopen Stuttgart 2019 stellen wir durch die Unterstützung eines UNFCCC-zertifizierten Klimaschutzprojekts in Darfur im Sudan die zu erwartenden CO2-Emissionen der Veranstaltung in Höhe von 2.000 to klimaneutral. Dieses internationale Vorzeigeprojekt ist Bestandteil unserer Beteiligung an der WINCharta des Landes Baden-Württemberg – einer Initiative zur Steigerung der Nachhaltigkeit von Unternehmen. Weitere Informationen unter www.scharr.de

Jazzmeia Horn

Foto: Jacob Blickenstaff

Bill Evans & the Spy Killers!

Foto: Veranstalter


12

JAZZOPEN STUTTGART

Freitag, 15. März 2019

TERMINE

Jazzopen Stuttgart 2019 Donnerstag, 4. Juli: Spardawelt: German Jazz Trophy – Dee Dee Bridgewater (ab 18 Uhr) Bix: Jonah Nilsson (ab 21 Uhr) Freitag, 5. Juli: Altes Schloss: Mnozil Brass – „Gold“ (ab 19 Uhr) Spardawelt: Soul Diamonds (ab 19 Uhr) Bix: Bill Evans and the Spy Killers!, Snej (ab 19 Uhr) Samstag, 6. Juli: Altes Schloss: Bobby McFerrin – „Gimme 5“, Adrien Brandeis (Rising Stars Gewinner [ab 19 Uhr]) Spardawelt: Marius Neset, Yaron Hermann Trio (ab 19 Uhr) Bix: Julia Biel (ab 21 Uhr) Sonntag, 7. Juli: Altes Schloss: Chilly Gonzales & Kaiser Quartett (ab 19 Uhr) Spardawelt: Jazz für Kinder (ab 11 Uhr) Montag, 8. Juli: Altes Schloss: Chick Corea – „My Spanish Heart“ (ab 19 Uhr) Bix: Christian Sands Trio (ab 20 Uhr) Dienstag, 9. Juli: Altes Schloss: Sing the Truth (Kidjo, Reeves, Wright) (ab 19 Uhr) Spardawelt: Nik West, Ida Nielsen (ab 19 Uhr) Bix: Jazzmeia Horn (ab 21 Uhr) Mittwoch, 10. Juli: Schlossplatz: Bob Dylan, Rickie Lee Jones (ab 17 Uhr) Spardawelt: Terence Blanchard & E-Collective (ab 19 Uhr) Bix: Judith Hill (ab 21 Uhr) Donnerstag, 11. Juli: Schlossplatz: Sting – „My Songs“, José James (ab 17 Uhr) Spardawelt: Pérez Cohen Potter Quintet (ab 19 Uhr) Bix: Camille O’Sullivan, Las Migas (ab 19 Uhr) Domkirche St. Eberhard: Fola Dada und Martin Meixner (17 Uhr) Freitag, 12. Juli: Schlossplatz: Jamie Cullum, LP (ab 17 Uhr) Spardawelt: Wolfgang Dauner (ab 19 Uhr) Bix: Ghost Note (ab 21 Uhr) Samstag, 13. Juli: Schlossplatz: Christina Aguilera, Aloe Blacc (ab 17 Uhr) Bix: Donny McCaslin (ab 21 Uhr) Sonntag, 14. Juli: Schlossplatz: Parov Stelar, Moka Efti Orchestra (ab 17 Uhr)

Martin Meixner und Fola Dada begeben sich gemeinsam auf die Suche, in welchen Formen sich die Liebe zeigen kann und wie Textdichter und Komponisten diese auf musikalische Weise festhalten. Theologische Gedanken steuert der Stadtdekan bei. Fotos: hf

Begegnung im Zeichen der Liebe Sängerin

F o l a D a d a u n d Ta s t e n v i r t u o s e M a r t i n M e i x n e r i m K i r c h e n k o n z e r t

W

enn im Jazz von Liebe die Rede ist, meint das dann immer die sinnlich-erotischen Varianten? Oder kann sie auch Freundschaft, Nächstenliebe oder gar die Liebe zu Gott bezeichnen? Fola Dada und Martin Meixner wollen es am 11. Juli bei den 26. Stuttgarter Jazzopen herausfinden und haben für ihre Entdeckungsreise einen passenden Veranstaltungsort gewählt: die Domkirche St. Eberhard. Sie ist die zweite Kathedralkirche im Bistum Rottenburg-Stuttgart und empfängt den Besucher mit ihrem lichten, weiten Raum. Monsignore Dr. Christian Hermes, Stadtdekan der katholischen Kirche in Stuttgart, wird beim Konzert die Jazzsängerin Fola Dada und den Hammond-Organisten Martin Meixner mit Texten zu Toleranz und Nächstenliebe theologisch ergänzen. Die beiden Stuttgarter Musiker haben bekannte und weniger bekannte Jazz-Literatur nach ihrem Herzensthema durchforstet und spannende Fundstücke zutage gefördert. Sensibel und

eindringlich arbeiten sie in den Songs Leitfäden für ein gelungenes Leben im Zeichen der Liebe heraus. Martin Meixner und Fola Dada haben schon in verschiedenen Formationen zusammengearbeitet und auch bereits mit der Kirche kooperiert: Sie waren in den letzten Jahren mehrfach mit JazzGottesdiensten unterwegs.

BEIDE SPIELEN IN VIELEN FORMATIONEN Fola Dada ist im Jazz genauso zu Hause wie im Afrobeat Nigerias und damit der Heimat ihres Vaters. Aber auch für Blues, Soul, Pop und sogar House und Reggae schlägt ihr Herz, und dementsprechend vielfältig sind ihre Band-Aktivitäten: Beim Projekt „Groove is in the Heart“ und ihrem Debüt „Earth“ besticht sie durch ihre warme, rauchige Stimme und kraftvolle Soulmusik. Der Jazz- und Rockbassist Hellmut Hattler mag in seiner

Band Hattler ebenfalls nicht auf Fola Dadas markantes Organ verzichten und mixt mit ihr unbekümmert Rock, Jazz und ElectroPop. Auch der Pianist, Hammond-Organist und Electro-Experte Johannes Bartmes kommt nicht ohne Fola Dada aus. Sie bereichert Bartmes’ Experimente mit souliger Tiefe. Und nicht zu vergessen: Die umtriebige Sängerin ist Teil der Soul Diamonds, die am 5. Juli im Spardawelt Eventcenter zu hören sein werden. Damit sind ihre Aktivitäten noch lange nicht am Ende. Einst Vocalcoach bei Europas erfolgreichsten Casting-Shows hat sie eine eigene Schule eröffnet – das Stimmwerk. Außerdem vermittelt Fola Dada an Musikhochschulen in Freiburg (bis 2017), Stuttgart und Nürnberg ihr Know-how. Wer hätte all das gedacht? Mit sieben Jahren startete sie mit Stepptanz und begann Anfang 2004 in Mannheim ihr Musikstudium. Martin Meixners Elemente sind Jazz und Pop. Im Trio Matchtape lässt der Tastenvirtuose die Funken sprühen. Seine „pyromani-

schen“ Aktivitäten unterstützen der Gitarrist Jörg Teichert und der Schlagzeuger Christian Huber und setzen mit kecken Melodien und erdig bebenden Grooves bei den Zuschauern jede Menge Energie frei. 2016 hat Martin Meixner außerdem sein Debüt-Album vorgelegt: „Up on a Hill“ changiert zwischen Rock, Soul, Funk und Jazz und ist eine Liebeserklärung ans Leben und die Musik, die aber auch Abgründe und schwere Wegstrecken nicht verschweigt. Ein weiteres Album wird bald erscheinen – und zwar ein Tonträger von Meixners Band „Me, Myself and Them“ mit Jörg Teichert und Sandie Wollasch. Es ist zwischen Blues und Jazz angesiedelt. Nun spielt er im Rahmen der Jazzopen aber zunächst einmal die Orgel dort, wo die Königin der Instrumente von jeher zu Hause ist: in der Kirche. bel

L Fola Dada & Martin Meixner: 11. Juli, 17 Uhr, Domkirche St. Eberhard, das Konzert ist eintrittsfrei

Tipps zur Anfahrt Das Alte und Neue Schloss sowie die Domkirche St. Eberhard fahren die Stadtbahnlinien U 5, U 6, U 7, U 12 und U 15 (Haltestelle Rathaus) sowie die Buslinien 42 und 44 an. Hier fahren auch die Nachtbusse ab. Parkmöglichkeiten in den Tiefgaragen BW-Bank, KönigsbauPassagen, Schillerplatz und Landtag. Zum Spardawelt Eventcenter fahren die Stadtbahnlinien U 5, U 6, U 7, U 9, U 12, U 14 und U 15 (Haltestelle Hauptbahnhof). Der Hauptbahnhof ist mit allen S-Bahnen und den Buslinien 40, 42 und 44 erreichbar. Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage der Sparda-Bank. Der Bix Jazzclub ist erreichbar mit den Stadtbahnlinien U 1, U 2, U 4 und U 12. Parken im Züblin- oder BreuningerParkhaus. red L Ticket-Hotline 07 11 / 99 799 999 Weitere Informationen zum Festival und zu den Konzerten gibt es unter www.jazzopen.com

Bühne für Talente Chance für gute Nachwuchs-Bands

A

uch bei den diesjährigen Jazzopen haben Nachwuchs-Talente ihren Platz im Festivalprogramm: Zum elften Mal bietet der Wettbewerb Jazzopen Playground BW aufstrebenden Künstlern aus Baden-Württemberg Auftrittsmöglichkeiten auf den Festivalbühnen. Ziel des Veranstalters Opus ist es, talentierte Nachwuchs-Bands zu fördern und ihnen die Chance zu geben, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Am Wettbewerb teilnehmen können Nachwuchs-Bands aus den Bereichen Jazz, Soul, Pop und daran angrenzenden Genres. Eine Fachjury unter dem Vorsitz von Professor Mini Schulz, Professor an der Musikhochschule Stuttgart, wählt aus allen Bewerbern die Bands aus. Sie bekommen Liveauftritte als Opener auf der Hauptbühne am Schlossplatz, auf der Bühne im Innenhof des Alten Schlosses sowie im Spardawelt Eventcenter. Begleitend zum Auftritt werden die Gewinner-Bands in die Festivalkommunikation eingebunden und erhalten eine Gage. red

Groove für Kids Eine Matinee

für die

J

azz ist nicht nur etwas für Erwachsene. Es ist eine musikalische Reise für die ganze Familie. Als fester Programmpunkt der Jazzopen widmet sich der Sonntagvormittag des 7. Juli deshalb erneut Kindern und ihren Familien. Ab 11 Uhr können alle Gäste ab drei Jahren gemeinsam mit Jazz-Preisträger Peter Lehel (Saxofon), Hochschulprofessor Mini Schulz (Kontrabass), Jazz-Pianist Olaf Polziehn (Klavier) und dem Jazz-Schlagzeuger und Akademist der Berliner Philharmoniker Meinhard „Obi“ Jenne (Drums) singen, musizieren und den Spaß an der Musik entdecken. Natürlich dürfen improvisierte Jamsessions an diesem Sonntagvormittag nicht fehlen. Jazz ist Groove, und Jazz ist Bewegung. Still sitzen ist an diesem Vormittag deswegen ganz und gar nicht angesagt. Im Gegenteil! Wenn nicht mindestens ein Körperteil

Open Stages

ganze Familie

unwillkürlich im Rhythmus mitwippt, liegt die Vermutung nahe, dass da einer Stöpsel in den Ohren hat. Anders lässt es sich nicht erklären, dass derjenige dem coolen Groove widersteht. Das Kinderprogramm ist kostenlos – auch das ist bei den Jazzopen gute Tradition. Jazz für Kinder begeistert, das hat die Erfahrung gezeigt, nicht nur die jüngeren Besucher, sondern auch ihre erwachsenen Begleiter: Während die Kleinsten spielerisch mehr über Jazz erfahren und neue Musikinstrumente kennenlernen, kommen ihre Eltern und Angehörigen oft aus dem Staunen nicht mehr heraus – und vergessen dabei mitunter beinahe, ihren Milchkaffee umzurühren. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, etwas zum Rasseln mitzubringen – und wer bisher noch nicht wusste, wie man richtig mitschnippt, weiß es spätestens nach diesem Konzert. gab

Eintrittsfreie Festivalbühnen

A

Für junge Jazz-Fans

Foto: Frank Eppler

Das Klima im Blick Die Jazzopen haben auch 2019

eine erstklassige Ökobilanz

W

as haben großartige Musik in Stuttgart und Flüssiggaskocher im afrikanischen Darfur miteinander zu tun? Eine ganze Menge. Gut, der Zusammenhang erschließt sich vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber auf den zweiten ist er völlig logisch. Denn entscheidend für die Ökobilanz einer Veranstaltung ist am Ende, welche Menge an Kohlendioxid in die Erdatmosphäre gelangt. Anders gesagt: Wenn die Menge an Kohlendioxid, die in Stuttgart produziert wird, zugleich in Afrika verringert werden kann, stimmt unterm Strich die globale Klimabilanz wieder. Der Energieversorger Scharr sorgt bei den Jazzopen dafür, dass jederzeit genügend Saft aus den zahlreichen Steckdosen für Ton, Licht und Verköstigung kommt. Zugleich unterstützt das Unternehmen ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt im Sudan, das zugleich die Gesundheit vor allem der Frauen und Kinder schützt. Denn wo bislang auf traditionelle Weise im Inneren der Behausungen auf offenem Feuer gekocht wurde, stehen nun Flüssiggaskocher. Das Projekt wird durch den Verkauf von KohlendioxidZertifikaten finanziert. Anstelle von Feuerholz oder Holzkohle, die große Mengen von Kohlenstoffmonoxid und anderen Schad-

stoffen freisetzen, sind Flüssiggaskocher emissionsarm. Jeder verteilte Flüssiggaskocher spart über 4,5 Tonnen an Kohlendioxid-Emissionen pro Jahr ein und halbiert die Menge an Treibhausgasen. Zugleich verringert sich dadurch das Gesundheitsrisiko für die Menschen, da anhaltender Kontakt mit Rauch aus natürlichen Brennstoffen vor allem bei Kindern zu akuten Atemwegsinfektionen führen kann.

NICHT NUR DIE EMISSIONEN WERDEN GESENKT

Kocher im Einsatz

Foto: Friedrich Scharr KG

Durch die Unterstützung dieses Projekts werden die zu erwartenden KohlendioxidEmissionen des Festivals in Höhe von 2000 Tonnen klimaneutral gestellt. Konkret wird durch das Engagement der Einkauf von 400 Flüssiggaskochern zugunsten von 6000 Menschen ermöglicht. So wird die Menge an Treibhausgasen im Vergleich zu weniger effizienten Öfen mit Feuerholz halbiert. Gleichzeitig verringert sich der Schadstoffausstoß um etwa 90 Prozent und der Energieverbrauch um mehr als 50 Prozent. Außerdem können sudanesische Frauen im Rahmen des gab Projektes beschäftigt werden.

uch bei der Ausgabe 2019 der Jazzopen wird es wieder eintrittsfreie Bühnen geben. Schließlich sollen die Jazzopen möglichst allen zugänglich sein. Ein Anfang wurde schon im Jubiläumsjahr 2018 gemacht: Erstmals hat der Veranstalter Opus ein kostenfreies Programm auf insgesamt vier Festivalbühnen in der Stuttgarter Innenstadt angeboten. Das Publikum hat das neue Angebot im Rahmen der Jazzopen mit Begeisterung angenommen. Und nicht nur Musikliebhaber hat dieses Konzept überzeugt: Neben der Baden-Württemberg Stiftung engagierte sich bei dieser Gelegenheit erstmals seit 2009 wieder die Stadt Stuttgart mit einem Förderbetrag. Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Nun pulsiert der Rhythmus der Musik in noch mehr Locations. Das Stadtpalais Stuttgart wird, neben der Domkirche St. Eberhard sowie einer weiteren Bühne in unmittelbarer Nähe zum Schlossplatz, auch in diesem Jahr wieder zur Hauptbühne der Gratis-Konzerte. „Es war ein lang gehegter Wunsch, das Festival auf eintrittsfreie Bühnen in der Stuttgarter Innenstadt auszubauen. Denn Musik verbindet Menschen. Doch nicht jeder von uns kann sich einen Konzertbesuch leisten. Deshalb sind wir sehr froh darüber, dass die Stadt Stuttgart uns bereits zum zweiten Mal dabei unterstützt, mit kostenfreiem Programm Jazz und daran angrenzende Genres für jeden erlebbar zu machen“, so Jürgen Schlensog, Promoter der Jazzopen. Weitere Details unter www.jazzopen.com. red

IMPRESSUM Redaktion:

STZW Sonderthemen Gabi Metsker, Michael Vogel

Produktion:

STZW Sonderthemen

Titelfoto:

dpa

Anzeigen:

Oliver Nothelfer (verantw.)

Kontakt:

Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH Telefon 07 11 / 72 05 - 16 01 Telefax 07 11 / 72 05 - 16 05 svanzeigen@stzw.zgs.de

Druck:

Bechtle Verlag&Druck, Esslingen

Profile for BECHTLEdigital

Beilagen Jazz Open  

Beilagen Jazz Open