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Sonderdruck aus Heft 4/2010 vom 09.04.2010 · www.sap-port.de Modelle mit Zukunft: Software mieten oder auslagern

SAP-Hosting und SaaS sind keine Gegensätze Die beiden Outsourcing-Modelle Mietsoftware (SaaS = Software as a Service) und Application-Hosting, gehören zu den Wachstumsmärkten der IT. Für den Mittelstand sind beide gleichermaßen geeignet. Ein Vergleich der boomenden Dienste zeigt die Anwendungsschwerpunkte.

Thomas Rieg: „Die IT-Verantwortlichen benötigen eine adäquate Antwort auf die sich verschärfenden gesetzlichen Anforderungen.“

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utsourcing ist auch weiterhin ein Megatrend der nächsten Jahre. Die immer komplexer werdende Technik befördert die Kosten in ungeahnte Höhen. Unternehmen lagern verstärkt IT-Dienste aus, um die Ausgaben für Investitionen, Lizenzen und den Rechnerbetrieb in den Griff zu bekommen. Dies freut vor allem die Anbieter von Application-Hosting und Mietsoftware, die entgegen der Wirtschaftskrise gute Aussichten haben. Application-Hosting ist besonders attraktiv, wenn beispielsweise SAP eingesetzt wird oder werden soll, ein Betrieb in Eigenregie aber zu aufwendig ist. Dies ist bei vielen Mittelständlern anzunehmen, sodass der SAP-Betrieb gerne komplett an eine externe IT übertragen wird. So wuchs 2009 der Markt für SAP-Outsourcing gegen den Trend im Pro-

jektgeschäft (Neuinstallationen und Releasewechsel), wie eine Umfrage von RAAD Research bei mehr als 2.000 IT-Leitern ergab.

Mietsoftware via Internet Ebenfalls auf Wachstum stehen die Zeichen bei Software, die on demand bereitgestellt wird. Nach einer aktuellen Studie des Analysten Trovarit planen mittelfristig über 12 Prozent der beteiligten Unternehmen die Nutzung von SaaS. Bei dieser Dienstleistung wird die Software vom Hersteller nicht mehr als Installationspaket ausgeliefert, sondern via Internet zu den Anwendern übertragen. Sie nutzen die Programme mit einem normalen Webbrowser. Einer der wesentlichen Vorteile: SaaS-Nutzer benötigen kein Softwareprojekt, sondern legen bereits kurz nach Vertragsabschluss los und müssen sich um die darun-

terliegende Technik nicht kümmern. Durch diese recht unkomplizierte Einsatzweise hat sich das Abrufen von Softwareservices via Internet inzwischen fest etabliert und wird vor allem für wenig komplexe Aufgaben, zum Beispiel im Personal-, Kunden- und Lieferantenmanagement, eingesetzt. Zwar propagieren SaaSEvangelisten ihre Technologie auch für die Einsatzgebiete ERP (Enterprise Resource Planning) und BI (Business Intelligence). Doch da die Software für diese Zwecke an die individuellen Anforderungen der Unternehmen angepasst wird, konnte sich das Mietkonzept hier noch nicht durchsetzen.

SAP-Anbindung ist Pflicht Doch der Anwenderkreis wächst: In vielen mittelständischen Unternehmen wird SaaS als Ergänzung zu vor-

handenen SAP-Installationen genutzt. So ist es zum Beispiel oft kostengünstiger, einen kleinen Kundenstamm etwa im B2B-Bereich mit SaaS zu verwalten. Doch dies setzt bei vielen Unternehmen eine problemlose Anbindung an SAP voraus. Das Unternehmen Onventis, das E-Procurment-Anwendungen als SaaS anbietet, nutzt hierfür die bekannten SAP-Standards. „Fast alle unserer Anwender setzen SAP ein, deshalb nutzen wir Business Connector und XI/PI (Exchange Infrastructure/Process Integration) als Middleware“, sagt Carsten Kappler, Geschäftsführer des Anbieters aus Stuttgart. „Und wenn es keine Standards gibt, programmieren wir unsere eigenen Schnittstellen. In jedem Fall ist die SAP-Integration im Paketpreis enthalten.“ Für den Dienstleister ist es dabei egal, ob ein Unterneh-


men seine SAP-Anwendungen selbst betreibt oder ob ein Hosting-Anbieter zwischengeschaltet ist. Auch für die Anwender ist die technische Verknüpfung der beiden externen IT-Segmente zweitrangig. Aus ihrer Sicht handelt es sich um zwei Arten von Outsourcing, die trotz aller Unterschiede einige Gemeinsamkeiten haben.

Carsten Kappler: „Wir nutzen Business Connector und XI/PI als Middleware.“

Wachsende Anforderungen Bei beiden Varianten liegen Aufbau und Betrieb einer IT-Infrastruktur und Anwendungslandschaft in den Händen von Dritten. „Wir sind durch Skaleneffekte in der Lage, IT-Kapazitäten zu geringen Kosten anzubieten. Das gilt sowohl für Systeme als auch für das Personal“, sagt Thomas Rieg, Leiter IT-Services bei bebit, einem Anbieter von SAP-Lösungen für den Mittelstand aus Mannheim. Der OnventisGeschäftsführer könnte den Satz kaum anders formulieren. Ein zweiter Vorteil ist in beiden Fällen die problemlose Anpassung (Skalierbarkeit) der IT an wachsende Anforderungen und steigende Nutzerzahlen. „Unsere Systeme besitzen einen ausreichenden Puffer, sodass wir auch eine große Zahl an neuen Benutzern innerhalb weniger Stunden freischalten können“, meint Carsten Kappler. Bei bebit sieht das ähnlich aus: den Kunden stehen freie IT-Kapazitäten kurzfristig und flexibel zur Verfügung. Eine weitere Gemeinsamkeit: Die Kunden profitieren in beiden Fällen von den Sicherheitsstandards eines professionellen IT-Betriebs. Der Outsourcing-Anbieter bietet einen hohen Level an IT-Sicherheit. Thomas Rieg: „Die IT im Mittelstand ist meist historisch gewachsen. Der verteilte Rechnerbetrieb in Keller- und Büroräumen ist

üblich, sodass die Sicherheitsempfehlungen des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) kaum umgesetzt werden können.“

Gemeinsame Infrastruktur Doch hier gibt es wieder Unterschiede. SAP-Hosting bietet über die technische IT-Sicherheit hinaus auch Vorteile bei der Compliance. Ein mittelständisches Unternehmen kann im Alleingang die gesetzlichen Vorgaben für das Risikomanagement (Basel II, KontraG, SOX, EuroSOX.) kaum erfüllen. „Die IT-Verantwortlichen benötigen eine adäquate Antwort auf die sich verschärfenden gesetzlichen Anforderungen. Diese fordern die Implementierung von Managementsystemen, die von der IT aufzusetzen sind“, sagt Thomas Rieg. In einigen Branchen muss die IT ein professionelles Informations- und Risikomanagement nach ISO 27001 nachweisen. Ein erfahrener SAPHoster wie bebit stellt Compliance sicher und kann gleichzeitig als Berater für dieses Thema aktiv werden.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit Auch Onventis berücksichtigt alle geltenden gesetzlichen Regeln. Aber dies bedeutet für den Kunden nur, dass eine einzige Anwen-

dung als Compliance-Insel die Vorgaben erfüllt. Ein Risikomanagement ist damit noch nicht eingeführt. Dies liegt daran, dass eine SaaSAnwendung eher als „Black Box“ genutzt wird: Die Anwendung liefert lediglich ihre Funktionen. SAPHosting geht dagegen weiter. Es stellt einem bestimmten Unternehmen und seinen Anwendern nicht nur eine einzelne Software, sondern eine spezifisch angepasste SAP-Anwendungslandschaft zur Verfügung. „Die Kunden erhalten von uns nicht nur eine anonymisierte Schnittstelle“, betont Thomas Rieg. „Der Hosting-Anbieter muss in die IT-Strategie seines Kunden integriert werden.“ Damit die Services Teil der Kunden-IT werden, ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit regelmäßiger Kommunikation notwendig. Nur dann kann der Kunde die SAPModule so nutzen, als habe er sie in seiner eigenen IT installiert. In diesem Fall entsteht beim Hoster eine Beratungskompetenz für diesen Kunden, die über den reinen IT-Betrieb hinausgeht.

Individuelle Lösungen Ein wichtiger Aspekt der Partnerschaft sind individuelle Lösungen und Anpassungen. Mietsoftware

eignet sich nur begrenzt dafür, wird aber auch von den Nutzern weiterentwickelt. „In vielen Fällen haben wir Kundenwünsche implementiert, wenn sie den Funktionsumfang der Software sinnvoll erweitern“, sagt Carsten Kappler. „Diese Funktionen werden dann aber allen Kunden verfügbar gemacht.“ IT-Dienstleister bebit rät seinen Kunden nahe beim Standard zu bleiben. Denn je individueller die Lösung, desto höher der Aufwand – die Kosten trägt der Auftraggeber. „Zu viele Individualleistungen mindern die Vorteile des Outsourcings. Unternehmen sollten sich nicht zu weit vom Standard entfernen“, beschreibt Thomas Rieg seine Erfahrungen. Wer zwischen den beiden Outsourcing-Modellen abwägt, kommt schnell zu dem Schluss: Jedes hat seine eigenen Stärken. SaaS bietet rasches plug&play für unkomplizierte Aufgaben. Hosting dagegen hilft dabei, komplexe Anwendungslandschaften wie beispielsweise „SAP ERP“ wirtschaftlich effizient und technisch effektiv zu betreiben. Die beiden Modelle schließen sich dabei gegenseitig nicht aus. Im Idealfall nutzt ein Unternehmen beide Arten der Softwarebereitstellung. (Ingo Steinhaus/ap) @

SAP Hosting und SaaS sind keine Gegensätze  

Die beiden Outsourcing-Modelle Mietsoftware (SaaS = Software as a Service) und Application-Hosting, gehören zu den Wachstumsmärkten der IT....