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A  usgabeNr.4–Februar2014·4,95Euro·ISSN2195-8505

N  utrition-Press Fachzeitschrift für Mikronährstoffe

Bluthochdruckkranke

35Mio.

Allergiekranke

30Mio. Übergewichtige

Arthrosekranke

5Mio.

48Mio. Depressionskranke

4Mio.

Deutschland einVolk vonKranken?

Raucher

20Mio.

Leberkranke

5Mio.

Osteoporosekranke

12Mio. Rheumakranke

10Mio.

Asthmakranke

3Mio.

Krebskranke

1,4Mio.

Herzkranke

Todesursache Nr.1

Mikronährstoffe

Diabeteskranke

6Mio.

Alzheimer-/ Demenzkranke Alkoholkranke

1,4Mio.

1,3Mio.

Vitalstoffe Nahrungsergänzungsmittel HerstellerundVertriebe Quellangaben auf Seite 4

Prävention ist machbar! www.nutrition-press.com


Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Deutschland ein Volk von Kranken? 60 Prozent der Bevölkerung ist übergewichtig, 35 Millionen haben Bluthochdruck. Wir haben 6 Millionen Diabetiker und 30 Mi­lli­­o­nen Allergiker. Diese Liste könnte man endlos fortführen. Die meisten dieser Krank­heiten sind auf falsche und mangelnde Ernährung zurück zu führen. Aber auch die Einnahme von Arzneimitteln hat negative Folgen. Lesen Sie dazu das Buch: „Arzneimittel und Mikronährstoffe“ von Uwe Gröber, ISBN: 978-3-8047-3178-3. Dies als persönliche Empfehlung. Klar – auch die Lebensgewohnheiten sind es: die Laster der Genüsse, Umwelt­ probleme, die Industrialisierung der Landwirtschaft (Dünger, Pestizide, exzessiver und einseitiger Anbau, zu frühes Ernten, lange Transportwege). Gesundheit ist ein verbrieftes Menschenrecht. Alle Staaten, auch die Bundes­­repu­­blik Deutschland, haben dieses Menschenrecht unterschrieben. Meiner Mei­nung nach, haben die Politik und der Gesetzgeber nicht nur versagt, sondern auch ge­gen diese Verträge verstoßen. In Kürze werden wir eine Petition vorbereiten. Und im Vorfeld die Regierung und die Ministerien um Aufklärung auffordern. Eins aber ist auch klar – es ist jeder Bürger aufgefordert, sich einzubringen und seine Rechte auch einzufordern. Durch Schweigen erreicht man null. Und „meckern“ allein hilft nichts. In der Ausgabe Nr. 3 haben wir aufgezeigt, wie es mit unserer Nahrung aussieht und woher die Probleme kommen - dies bedarf sicher keiner Wiederholung.

Manfred Scheffler Präsident NEM e.V.

Die gute Nachricht: es findet ein Umdenken – wenn auch langsam – statt. Die Politik beschäftigt sich ein wenig mit Prävention – muss halt viel mehr sein. Die Wissenschaft macht gewaltige Fortschritte in der Medizin. Die Medien bemühen sich, sauberen Journalismus hier und da zu betreiben. Hier muss viel mehr Zivil­courage gezeigt und objektive Aufklärung betrieben werden. Ich sehe manchmal gute Ansätze. Die „beeinflussten Journalisten“ sollten nach Hause gehen – ihren Beruf wechseln. Geld ist nicht alles. Der tägliche Blick in den Spiegel sollte doch stolz machen und fröhlich motivierend an eine schöne Welt glauben lassen. Machen Sie mit – für eine gesunde Welt!

Mit herzlichen Grüßen

Manfred Scheffler Präsident NEM e.V.

Nutrition-Press ist die offi­zielle Zeitschrift des NEM e.V. Verband mittelständischer europäischer Hersteller und Distributoren von Nah­rungs­ ergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e.V.

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Inhalt

Nutrition-Press 5

WirksameundkostensparendeVorbeugungvonchronischenZivilisationskrankheiten



istmöglich• Dr.

14

Mitochondrien-Medizin:DieaktuelleForschungisthochinteressant!• Dr.

16

VitaminD–DasSonnenhormon• Prof.

19

Ingwer–DieVielfaltderNatur• Dr.

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Dr. med. Jörg Spitz oec. troph. Marieluise Römer VitaminK2• Jörg Büttinghaus, Mona Møller, PhD, MSc

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BetaglucanesindkomplexeKohlenhydrate

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KlinoptilolithZeolith(SiO4)alswissenschaftlicherforschteLösung



Strahinja Tomic ZunahmeanBrusttumoren• Prof. Dr. med. Enno Freye NeueRegelnfürdiätetischeLebensmittel• Dr. jur. Thomas Büttner RisikokommunikationàlaBfR• Dr. Uwe Greulach Lebensmittel-Lügen:Food&Recht• Dr. Herbert Otteneder Spam:Wiemansichwehrenkann• ARAG

med. Rainer Mutschler, M. A.

desSchwermetalldilemmas?•

35 48 50 54 56

Impressum

med. Gottfried Lange

Nutrition-Press Fachzeitschrift für Mikronährstoffe, Vitalstoffe, Nahrungsergänzungsmittel, Hersteller und Vertriebe Online-Ausgabe: ISSN 2195-8505 Herausgeber: Elite Magazinverlags GmbH Boslerstraße 29 · 71088 Holzgerlingen Telefon:+49(0)7031/744-0 · Fax:+49(0)7031/744-195 E-Mail: info@nutrition-press.com Chefredaktion: Bernd Seitz (V.i.S.d.P.) Leitender Redakteur: Manfred Scheffler Redaktion: Gabriele Thum M.A.

Grafik/Layout: Melanie Wanner Technische Abwicklung: Sanela Cutura Anzeigenabteilung: Sandra Schneider, Telefon: +49 (0)7031/744-122 E-Mail: info@nutrition-press.com Bildnachweis: fotolia.com Erscheinungsweise: 3 mal pro Jahr: Februar, Mai, Oktober Einzelpreis: 4,95 Euro, zzgl. Versandkosten Bestellung der Print-Ausgabe: info@nem-ev.de Print-Ausgabe: ISSN 2196-1271

Wissenschaftlicher Beirat: Dr. Gottfried Lange Prof. Dr. Kurt S. Zänker

Online-Magazin und Media-Daten: kostenlos unter www.nutrition-press.com Printed in Germany

Juristischer Beirat: Dr. jur. Thomas Büttner

Copyright-Hinweis: Die gesamten Inhalte des Magazins sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte auf Konzept und Gestaltung: Elite Magazinverlags GmbH und NEM e.V.. Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Elite Magazinverlags GmbH und des NEM e.V.. (alle Anschriften siehe Verlag)

Gastautoren: Jörg Büttinghaus Dr. jur. Thomas Büttner Prof. Dr. med. Enno Freye Dr. Uwe Greulach Dr. med. Gottfried Lange Mona Møller, PhD, MSc Dr. med. Rainer Mutschler, M. A. Dr. Herbert Otteneder Dr. oec. troph. Marieluise Römer Prof. Dr. med. Jörg Spitz Strahinja Tomic

www.nutrition-press.com

Offizielles Magazin des NEM e.V.: NEM Verband mittelständischer europäischer Hersteller und Distributoren von Nahrungsergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e.V. Horst-Uhlig-Str. 3, 56291 Laudert Telefon: +49 (0)6746/80 29 82 0 Fax: +49 (0)6746/80 29 82 1 E-Mail: info@nem-ev.de Internet: www.nem-ev.de

Quellangaben:Krankheiten/Titelseite:

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Alkoholkranke: Allergiekranke: Alzheimer-/Demenzkranke: Arthrosekranke: Asthmakranke: Bluthochdruckkranke: Depressionskranke: Diabeteskranke: Herzkranke:

Bundesministerium für Gesundheit www.aerzteblatt.de Deutsche Alzheimer Gesellschaft Deutsche Arthrose-Hilfe http://gesundheit.kioskea.net Deutsche Hochdruckliga e.V. www.scinexx.de Deutsches Zentum für Diabetisforschung (DZD) Statistisches Bundesamt

Krebskranke: Leberkranke: Osteoporosekranke: Raucher: Rheumakranke: Übergewichtige:

Robert-Koch-Institut Deutscher Lebertag 2013 Bundesverband Rheuma-Liga www.rauchfrei-info.de Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie DGE aktuell (Weitere Krankheiten wurden nicht recherchiert. Die genannten Angaben sind ohne Gewähr.)


Ernährung / Prävention

Wirksame und kostensparende Vorbeugung von chronischen Zivilisationskrankheiten ist möglich Nach aktuellen Untersuchungen entspricht die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spuren­ elementen aus der täglichen Nahrung heute bei weitem nicht mehr der Aufnahmemenge, an die sich unser Körper im Laufe der Evolution angepaßt hat. Dieser anhaltende Mangel führt zu chronischen Krankheiten und zum Tod. Ein Ausgleich dieses Mangels beugt zahlreichen Krankheiten vor, erhält die Gesundheit und verlängert das Leben. Erstaunlich ist, daß diese gesundheitserhaltenden, lebens­ verlängernden und kostensparenden Informationen immer noch kaum bekannt sind.

W

as sind die größten gesundheitlichen Probleme? (siehe nebenstehende Grafik) Die „Schwergewichte“ in der Behandlung und Vorbeugung sind Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Fast jeder zweite von uns stirbt an Herzinfarkt oder Schlaganfall – 450.000 Menschen jedes Jahr allein in Deutschland – und mittlerweile ungefähr jeder vierte an Krebs. Zu den körperlichen Ursachen Der bekannte Arzt Dr. Bodo Kuklinski, Rostock, bemerkt zur Entstehung chronischer Krankheiten: „Der Mensch erkrankt nicht, weil Medikamente fehlen, sondern weil biochemische Störungen im Körper ablaufen, die nicht erkannt und korrigiert werden.“ Hier sieht man es sehr deutlich – mit „starker Beweiskraft“:

Was sind Vitalstoffe? Sind es einfach Stoffe, durch die man vitaler wird? Das stimmt durchaus. Wesentlich ist jedoch, daß es Stoffe sind, ohne die Leben – lateinisch vita – nicht möglich ist und die der Körper nicht selbst herstellen kann.

63 von 100 Personen sterben an Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs.

Diese Vitalstoffe oder „Lebensstoffe“ lassen sich einteilen in: • Baustoffe • Brennstoffe • Biochemische Werkzeuge für Aufbau, Betrieb, Instandhaltung und Entsorgung des Körpers • Schutzstoffe:Schutz des Körpers durch rechtzeitiges Abfangen und Entgiften von Schadstoffen, bevor diese im Körper Schaden an wichtigen biologischen Molekülen anrichten können.„Rostschutz“! Der Körper bildet eine große Zahl verschiedenartiger biochemischer Werkzeuge für Aufbau, Betrieb, Instandhaltung, Entsorgung und den Schutz des Körpers. Ohne seine biochemischen Werkzeuge ist der Körper nicht lebensfähig. Diese Werkzeugstoffe bezeichnet man in der Regel als Enzyme. Sie sind meistens aus zwei Teilen zusammengesetzt – einem großen Proteinmolekül und einem kleinen Funktionseinsatz, durch den das Werkzeug erst funktionstüchtig wird.

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Nutrition-Press

Diese funktionsgebenden Einsätze sind die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Veranschaulichen kann man dies durch einen – sehr treffenden – Vergleich mit einem zweiteiligen Werkzeug, zum Beispiel einem Schraubenzieher:

Bei einem andauernden Fehlen nur einer einzigen dieser Substanzen droht dem Organismus Krankheit und Tod. Daß der Organismus diese Stoffe bekommt, ist jedochheutzutageüberhauptnichtselbstverständlich. Woran liegt das? Kurz und bündig beschreibt Prof. Dr. Dr. Karlheinz Schmidt, Tübingen, den Zusammenhang: „Wer weiß denn schon, wie viele Vitamine noch in einer Tomate sind, die in holländischen Gewächshäusern nie einen Krümel Erde sah.“ Die folgende Grafik zeigt die Versorgungslage sehr deutlich: DurchschnittlicherMineralstoffgehalt(mg)in ausgewähltenGemüseninderZeitvon1914bis1997

Wenn das Werkzeug fehlt, kann der betreffende biochemische Aufbau- oder Abbauvorgang nicht durchgeführt werden und es resultieren Krankheiten. Wenn das Werkzeug fehlt, kann eben nicht gearbeitet werden. Das ist eigentlich offensichtlich. Leider wird dieser lebenswichtige Zusammenhang in der medizinischenAusbildung nicht klar und praxisnah vermittelt, so daß dieses Wissen allgemein weder für die Therapie noch für die Vorbeugung zur Verfügung steht und nicht angewendet wird. Ein chronischer Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder/und Spurenelementen führt zu Krankheit, Siechtum und Tod. Umgekehrt führt eine rechtzeitige Auffüllung der Versorgungslücken zur Erholung des Körpers. EinigeBeispielefürVitalstoffebzw.Werkzeugstoffe: • Vitamin A • Vitamin B1, B2, B3 usw. • Folsäure • Vitamin C • Vitamin E • Coenzym Q10 • Omega-3-Fettsäuren • Eisen • Magnesium • Selen • Zink Mindestens 45 dieser Vitalstoffe sind für den Menschen absolut lebensnotwendig.

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Summe der Mittelwerte von Calcium, Magnesium und Eisen in Kohl, Salat, Tomaten und Spinat. Quellen: Lidlahr, 1914; Hamaker, 1982; U. S. Landwirtschaftsministerium, 1963 und 1997. Es wurden Zahlenangaben aus Amerika zugrundegelegt, da diese Angaben dort über einen langen Zeitraum zur Verfügung stehen und für andere westiche Länder einschliesslich Deutschland repräsentativ sind.

Man erkennt eine erhebliche Abnahme lebenswichtiger Mineralstoffe (Beispiel Calcium, Magnesium) und Spurenelemente (Beispiel Eisen) in landwirtschaftlichen Produkten auf weniger als ein Fünftel in 83 Jahren.


Ernährung / Prävention

Dies ist bedingt durch die Art der Düngung. In Kulturländern werden meist nur Stickstoff, Phosphor und Kalium – auch als „Volldünger“ bezeichnet. „Volldünger“ führt zu einer Verarmung der Ackerböden.

Das bewirkt eine Verstärkung des Vitalstoffmangels.

Die folgende Tabelle zeigt die Abname des durchschnittlichen Gehalts an ausgewählten Vitaminen pro 100 g Lebensmittel:

Vitamin/ Lebensmittel

1985

1996

Abnahme aufca.

Betacarotin/100 g 4,7 mg

1 mg

1/5

Vitamin B6/100 g 0,33 mg 0,022 mg

1/15

Vitamin C/100 g

1/5

5 mg

1 mg

Die Folge ist anhaltender biochemischer Werkzeugmangel im Körper und daraus resultierende chronische Krankheiten.

Landwirtschaftliche Praktiken und industrielle Verarbeitungsprozesse führen zu abnehmenden Nährstoffgehalten in Lebensmitteln und somit zu einer schleichenden Nährstoffunterversorgung! Hinzu kommt, daß das organische Leben auf diesem Planeten einem wachsenden Ansturm von zell- und gewebsschädigenden Schadstoffen ausgesetzt ist.

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Nutrition-Press

Das betrifft an erster Stelle das am härtesten arbeitende Organ –dasHerz. Es pumpt 100.000mal in 24 Stunden.

Herzkranzgefäße – die kranzartig um den Herzmuskel herum verlaufenden Versorgungsleitungen http://www.medizinfo.com/kardio/herzkranzgefaesse.shtml

Der allgemein verbreitete, anhaltende biochemische Werkzeugmangel führt bei ca. jedem zweiten von uns zu instabilen Arterienwänden. Das Bindegewebe der Arterienwänden wird „brüchig“. Es setzen Notreparaturmaßnahmen ein in der Art von „Notpflastern“. Dies sind die Ablagerungen in den Arterien. Diese Entwicklung kann schließlich zu einem Verschluß einer Arterie führen, z. B. einer Arterie, die den Herzmuskel versorgt. Die Versorgung mit Zellnährstoffen und Sauerstoff ist dann unterbrochen. Dieser Vorgang wird als Herzinfarkt bezeichnet. Ein Teil des Herzmuskels stirbt dabei in der Regel ab.

Schaut man durch ein Mikroskop, sieht man folgende Bilder:

Linkes Bild: Hier haben arteriosklerotische Ablagerungen zur Einengung des Blutflusses und dadurch zu einer Minderversorgung des Herzmuskelgewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen geführt. Dieses Bild zeigt Koronararterien, wie sie bei Angina-pectoris-Patienten vorgefunden werden. Das rechte Bild zeigt die Koronararterie eines Patienten, der nach einem Herzinfarkt verstarb. Zusätzlich zu den arteriosklerotischen Ablagerungen hatte sich ein Blutpfropf gebildet, der den Blutfluß durch diese Koronararterie vollständig unterbrach. Ein Herzinfarkt führt zum Tod von Millionen Herzmuskelzellen und zum Ausfall eines Bereichs des Herzmuskels. In einem Drittel der Fälle stirbt der Patient. Rath M: Warum bekommen Tiere keinen Herzinfarkt – aber wir Menschen. Almelo: MR Publishing 1998.

Was in einer Arterie, also in einer Blutversorgungsleitung abläuft, zeigt die folgende Abbildung:

Querschnitt (vergrößert) durch die Koronararterie eines 25jährigen Verkehrsunfallopfers. Die atherosklerotischen Ablagerungen hatten sich entwickelt, ohne daß der junge Mann dies wußte oder spürte. Rath M: Warum bekommen Tiere keinen Herzinfarkt – aber wir Menschen. Almelo: MR Publishing 1998.

Welcher Mangel ist hier hauptsächlich beteiligt? Die folgenden Bilder geben einen klaren Einblick in die Ursache und die Folgen des Mangels an dem wichtigsten „Werkzeugstoff“ für die Erzeugung und die Instandhaltung von stabilem Gerüstgewebe (Bindegewebe); aus diesem Gewebe sind u.a. die Wände der Arterien gebaut

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Ernährung / Prävention AufsichtaufdieInnenflächenderHauptschlagadernvonVersuchstieren standhaltungswerkzeug Vitamin C in genügenden Mengen im eigenen Organismus zu produzieren.

Linkes Bild: Gesunde Arterien durch ausreichende Vitaminversorgung (umgerechnet auf das menschliche Körpergewicht 5000 mg Vitamin C pro Tag). Rechtes Bild: Arteriosklerose durch Vitaminmangel (umgerechnet auf das menschliche Körpergewicht 60 mg Vitamin C pro Tag – entspricht der in den meisten Ländern offiziell „empfohlenen Tagesdosis“). Rath M: Warum bekommen Tiere keinen Herzinfarkt – aber wir Menschen. Almelo: MR Publishing 1998.

Die meisten Tiere synthetisieren ihr eigenes Vitamin C. Der Mensch, andere Primaten und das Meerschweinchen gehören zu den wenigen Kreaturen, die aufgrund eines Gendefektes kein eigenes Vitamin C mehr bilden können und somit auf genügend Vitamin C aus der Nahrung angewiesen sind. Für die Ernährung des Menschen werden in Deutschland offiziell 75 mg Vitamin C pro Tag empfohlen, für die Ernährung von Affen jedoch, die denselben genetischen Defekt haben, wird Vitamin C in einer Menge von 55 mg pro kg Körpergewicht empfohlen. Das entspricht 3850 mg für einen 70 kg schweren Menschen. In seiner natürlichen Heimat konsumiert ein ausgewachsener Gorilla täglich mindestens 4500 mg Vitamin C mit seiner Nahrung aus tropischen Früchten. Könnten Menschen ihr eigenes Vitamin C produzieren, so würde die Menge wahrscheinlich 5000 mg pro Tag betragen. Diese Menge dürfte etwa unserem tatsächlichen Bedarf entsprechen. In Deutschland sterben jährlich fast 450.000 Personen an Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems - was knapp die Hälfte aller Todesfälle eines Jahres ausmacht. Dahinter steckt der beschriebene Gendefekt und die daraus resultierende Unfähigkeit, das biochemische In-

Eine denkwürdige wissenschaftliche Untersuchung bei 11.000 Amerikanern wurde von Prof. James Enstrom und seinem Forscherteam (Universität Los Angeles) durchgeführt: Nur 300 mg Vitamin C täglich – im Vergleich mit den ca. 50 mg aus der heutigen „normalen“ Ernährung – halbieren das Herz-Kreislauf-Risiko bereits. Darüber hinaus führte diese nur leicht erhöhte Vitamin C-Zufuhr zu einer bis zu 6 Jahren längeren Lebenserwartung. Es folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse einiger klinischer Studien: • Vitamin-C-Zufuhr senkt das Herz-Kreislauf-Risiko um bis zu 50 Prozent - dokumentiert an 11.000 Studienteilnehmern. • Vitamin-E-Zufuhr senkt das Herz-Kreislauf-Risiko um über ein Drittel – dokumentiert an 87.000 Studienteilnehmern. • Betacarotin-Zufuhr senkt das Herz-Kreislauf-Risiko um 30 Prozent. Mit keinem Pharmapräparat wurde bisher eine ähnlich eindrucksvolle Verringerung des Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisikos erreicht wie mit diesen Vitaminen. Dr. Matthias Rath zeigte den Abbau von Ablagerungen in den Arterien mittels eines ganzheitlichen Vitaminprgramms an computertomographischen Bildern in einer 1996 im Journal of Applied Nutrition veröffentlichten Studie.** Die genannten und zahlreiche weitere Studien zeigen, daß mit einem ganzheitlichen Vitaminprogramm • Arteriosklerosebereits im Frühstadium auf natürliche Weise zumStillstand gebracht werden kann, • bereits vorhandene Ablagerungen auf natürliche Weise wieder abgebaut werden können, • Herzinfarkte und Schlaganfälle auf natürliche Weise verhindert werden können, lange bevor der Patient eine Herzerkrankung überhaupt wahrnimmt.

•Dahlen GH, Guyton JR, Attar M, Farmer JA, Kautz JA, Gotto AM Jr.: Association of levels of lipoprotein Lp(a), blood lipids, and other lipoproteins with coronary artery disease documented by angiography. Circulation 1986; 74: 758-765. •Enstrom JE, Kanim LE, Klein MA: Vitamin C intake and mortality among a sample of the United States population. Epidemiology 1992; 3: 194-202. •Kostner GM, Avogaro P, Cazzolato G, Marth E, Bittolo-Bon G, Qunici GB: Lipoprotein Lp(a) and the risk for myocardial infarction. Arteriosclerosis 1981; 38: 51-61. •Lange GA: How to really prevent and cure heart disease – The billion dollar scam exposed. www.lulu.com •Pauling L: Case report: Lysine/ascorbate-related amelioration of angina pectoris. J Orthomol Med 1991; 6: 144-146. •Rath M, Pauling L: Solution of the puzzle of human cardiovascular disease: Its primary cause is vitamin C deficiency, leading to the deposition of lipoprotein(a) and fibrinogen/fibrin in the vascular wall. J Orthomol Med 1991; 6: 125-134. •**Rath M, Niedzwiecki A: Nutritional supplement program halts progression of early coronary arteriosclerosis documented by ultrafast computed tomography. Journal of Applied Nutrition 1996; 48: 68-78. •Rath M: Warum bekommen Tiere keinen Herzinfarkt – aber wir Menschen. (Title of the English edition: Why animals don’t get heart attack - but people do!) Almelo: MR Publishing 1998. 9 •Kamstrup PR, Tybjærg-Hansen A, Steffensen R, Nordestgaard BG: Genetically elevated lipoprotein(a) and increased risk of myocardial infarction. JAMA 2009; 301(22): 2331-2339.


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Eine weitere Studie wurde von der renommierten Harvard University durchgeführt. Eingesetzt wurden geeignete Multivitaminprodukte, Vitamin C, Vitamin E, Mineralstoffe und Spurenelemente. An dieser Studie nahmen insgesamt 127.155 Personen teil, davon 39.910 Ärzte und 87.245 Krankenschwestern. Das Ergebnis war eine stark verminderte Sterblichkeit an Herzerkrankungen und an Krebs und eine geringere Gesamtsterblichkeit. Die regelmäßige Einnahme von hohen Dosen an Vitamin E (mindestens 75 mg /Tag) plus weiteren Vitaminen führte sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu einer Verminderung der Sterblichkeit an Herzerkrankungen um 40 Prozent! Denkwürdig ist – für Skeptiker und Gegner der Vitalstoffmedizin – die Aussage des Leiters der HarvardStudie, Prof. M. Stampfer, zu den Ergebnissen: „Ich bin von Natur aus skeptisch, aber ich war sogar noch skeptischer als sonst, als ich diese Studie begann. Es erschien mir einfach nicht plausibel, daß eine so einfache Maßnahme wie die Einnahme von Multivitaminen und Vitamin E eine so tiefgreifende Wirkung haben würde. Obwohl es tatsächlich eine große Anzahl ausgezeichneter Untersuchungen zur Bestätigung der Annahme gibt, daß Vitamine das Auftreten von Herzerkrankungen verringern können, erwartete ich eigentlich, daß dies tatsächlich nicht wahr wäre.“ Es liegt nicht am Cholesterin! Es wird nach wie vor behauptet, Herz-Kreislauf-Krankheiten würden durch zu viel Cholesterin hervorgerufen. Dies wurde allerdings wissenschaftlich nie nachgewiesen. Die Zufuhr von Cholesterin hat sich auch nicht verändert. Ohnehin werden 85 Prozent des Cholesterins von der Leber produziert, da es so wichtig ist für den Körper, unter anderem als Grundstoff für die Produktion von Sexualhormonen und als unentbehrlicher Baustein von Zellwänden. Es wurde nachgewiesen, daß Personen mit einem höherenCholesterinspiegelwenigerKrebs bekommen undlängerleben. Die folgende Karikatur stammt aus dem Deutschen Ärzteblatt – dem offiziellen Organ der Bundesärztekammer:

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Noch ein Hinweis dazu: Cholesterinsenkende Medikamente sind in der internationalen Medikamentenverkaufs-Hitparade mit Abstand die Nr. 1. Sie können zu Impotenz, Herzschwäche und Alzheimer führen. Vielleicht sollte man hier ganz neutral Prof. Max Planck zitieren: „Irrlehren der Wissenschaft brauchen 50 Jahre, bis sie durch neue Erkenntnisse abgelöst werden, da nicht nur die alten Professoren, sondern auch derenSchülererstaussterbenmüssen.“ Weitere bemerkenswerte Wirkungen von Vitalstoffen Grauer Star und Vitamin C Daß Vitaminpräparate als Ergänzung des täglichen Speiseplans Abhilfe schaffen können, zeigen auch die Untersuchungsergebnisse einer Arbeitsgruppe an der Universität Boston. Die Wissenschaftler werteten Daten von 247 Frauen im Alter von 56 bis 71 Jahren zur Vitamin-C-Aufnahme und dem Kataraktrisiko aus (auch Grauer Star oder Alterstar genannt). Das Ergebnis war bemerkenswert: Bei Frauen, die zehn Jahre oder länger Vitamin C zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung eingenommen hatten, kam es zu 77 Prozent weniger Linsentrübungen als bei denjenigen, die das nicht taten. Jacques PF, Taylor A, Hankinson SE, Willett WC, Mahnken B, Lee Y, Vaid K, Lahav M: Long-term vitamin C supplement use and prevalence of early age-related lens opacities. Am J Clin Nutr 1997; 66: 911-916

Vitamin D – ein altes Vitamin in neuem Licht Ein Mangel an Vitamin D hat nicht nur Auswirkungen auf den Calcium- und Knochenstoffwechsel, sondern ist auch an der Entstehung zahlreicher chronischer Krankheiten beteiligt, darunter • Herz-Kreislauf-Erkrankungen • Krebserkrankungen • Autoimmunerkrankungen (z. B. Diabetes, Rheuma) Obwohl der Körper Vitamin D selbst bilden kann (aus Cholesterin), ist ein Vitamin-D-Mangel in Deutschland weit verbreitet. 90ProzentderBevölkerungsindunterversorgt. Durch die Verbesserung der Vitamin-D-Versorgung können schätzungsweise allein in Deutschland ca.37 MilliardenEuroproJahreingespartwerden.


Ernährung / Prävention

Meßwert

Verbesserung in %

Von besonderer Bedeutung ist der Einfluß von VitaminD Ab 2000 I.E. (I.E. = internationale Einheiten) kein Schnupauf das Immunsystem. fen mehr, keine grippalen Infekte mehr, keine Grippeimpfungen mehr ... wer würde das bedauern? Zu diesem Thema wurde bereits 1992 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Studie veröffent- Die folgenden Ergebnisse legen den Gedanken nahe, licht. Zum Einsatz kamen Multivitamine, Vitamin C, daß bei der richtigen Herangehensweise die AltersheiCalcium, Magnesium und Spurenelemente. An der me geleert werden könnten: Studie nahmen 96 gesunde Personen im Alter von 65 Jahren teil. Die Studiendauer betrug ein Jahr. Es wurde Stürze und Vitamin D der Zustand des Immunsystems gemessen am Beginn Im Jahr 2009 wurde eine Studie aus Deutschland und der Studie und am Ende der Studie, also nach Ablauf Österreich vorgestellt, die an der berühmten „Knocheneines Jahres: klinik“ Am Fürstenhof in Bad Pyrmont und an der Universität Graz durchgeführt worden war. Bad Pyrmont T-Zellen NKLymphozyten- Inter- Antikörper liegt am 52. und Graz am 46. Breitengrad. Beide Städte Zellen reaktion leukin gegen sind somit nicht ganzjährig von UV-Licht verwöhnt. Grippe +22

+56

+97

+170

+53

Dies sind sehr bemerkenswerte Verbesserungen der Abwehrkraft. (Erklärung zu den Meßwerten: T-Zellen, NK-Zellen (natürliche Killerzellen) und Lymphozyten sind Abwehrzellen, Interleukin und Antikörper sind Abwehrstoffe.) Der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Versorgung und Atemwegsinfektionen (Schnupfen, Husten, Bronchitis, Grippe usw.) wird anhand der hier dargestellten Studienergebnisse deutlich:

Behandelt wurden „frei lebende“, also nicht-stationäre Senioren im Durchschnittsalter von 77 Jahren mit 800 I.E. Vitamin D plus 1000 mg Calcium pro Tag oder der gleichen Menge Calcium plus Placebo (als „Placebo“ bezeichnet man eine Kapsel oder Tablette, die den untersuchten Wirkstoff nicht enthält, die aber gleich aussieht, also für den Versuchtsteilnehmer nicht als „gehaltlos“ erkennbar ist). Die Untersuchung umfaßte zunächst eine aktive 12-monatige Behandlungsphase und eine anschließende 8-monatige behandlungsfreie Phase, in welcher die Teilnehmer weiterhin unter Beobachtung standen. Die Wissenschaftler selbst wußten über die gesamten 20 Monate hinweg nicht, welche Patienten mit den echten Kapseln und welche mit dem Placebo behandelt wurden. Ergebnis (in der echten Kombitherapie im Vergleich zur Calcium-plus-Placebo-Gruppe): • nach 12 Monaten 27 Prozent weniger Stürze • nach 20 Monaten 39 Prozent weniger Stürze • 8 Prozent höhere Muskelkraft • um 28 Prozent vermindertes Körperschwanken

Abb. 2. Inzidenz von Atemwegsinfektionen (z. B. grippaler Infekt) unter regelmäßiger Supplementierung von Vitamin D über drei Jahre [10] In der Studie wurde primär Einfluss einer Vitamin-D-Supplementierung auf den Knochenmasseverlust bei postmenopausalen Patientinnen untersucht. Die Patientinnen erhielten Vitamin D (800 I.E./Tag, nach 2 Jahren 2000 I.E./Tag; n = 104). Bei den halbjährlichen Kontrollen wurden sie befragt, ob es ihnen gut ergangen sei, und bei Verneinung, ob sie eine Erkältung oder einen grippalen Infekt gehabt hätten. Auffällig ist die gegenüber der Plazebo-Gruppe deutlich geringere Angabe von Atemwegsinfekten im Winter bei Patientinnen, die Vitamin D einnahmen.

Worm N: Heilkraft D. Wie das Sonnenvitamin vor Herzinfarkt, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten schützt. Lünen: Systemed 2010. Pfeifer M, Begerow B, Minne HW, Suppan K, Fahrleitner-Pammer A, Dobnig H: Effects of a long-tern vitamin D and calcium supplementation on falls and parameters of muscle function in community-dwelling older individuals. Osteoporos Int 2009; 20: 315-322.

Gröber U: Vitamin D3, ein altes Vitamin in neuem Licht. Med Monatsschr Pharm 2010; 33: 376-383. Aloi JF, Li-Ng M: Epidemic influenza and vitamin D. Epidemiol Infect 2007; 135: 1095-1096. Ginde AA, Mansbach JM, Camargo CR Jr: Association between serum 25-hydroxyvitamin D level and upper respiratory tract infection in the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med 2009; 169: 384-390.

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Nutrition-Press

„Anti-Aging“ durch Vitamin D Als Telomere („Endteile“) bezeichnet man die stabilisierenden Enden der Chromosomen. Telomere fungieren im Zellinneren sozusagen als eingebaute „Lebenszeituhr“, die jede Zellerneuerung mitzählt. Die Länge der Telomere in den Leukozyten ist ein prognostischer Faktor für altersbedingte Erkrankungen. Anhand der Verkürzung der Telomere wird der Alterungsprozeß auf Zellebene untersucht.

Krebs und Vitamin D Prof. Garland, Universität Kalifornien, und seine Mitautoren analysierten die Ergebnisse von 63 Studien, darunter zahlreiche Langzeituntersuchungen, die zwischen 1966 und 2004 veröffentlicht wurden und den Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Auftreten von Krebserkrankungen untersuchten, darunter 30 Darmkrebs-, 13 Brustkrebs- und 7 Eierstockkrebsstudien. Sie stellten fest: Vitamin D in einer Dosierung von mindestens 1000 I.E. pro Tag reduziert das Erkrankungsrisiko bezüglich Darm-, Brust- und Eierstockkrebs um bis zu 50 Prozent.

Bei Untersuchungen korrelierte das Alter negativ mit der Telomerlänge in den Leukozyten, der Vitamin-DSpiegel positiv.

Garland CF, Garland FC, Gorham ED, Lipkin M, Newmark H, Mohr SB, Holick MF: The Role of Vitamin D in Cancer Prevention. Am J Public Health 2006; 96: 252-261.

Personen mit höheren Vitamin-D-Spiegeln haben längereTelomereundumgekehrt.

Krebs und Vitamin D + Calcium Eine 3-Jahres-Studie mit 1179 gesunden Frauen nach der Menopause (nach dem Aufhören der Regelblutung) kam zu folgendem Ergebnis: 1100 I.E. Vitamin D3 in Kombination mit 1400 bis 1500 mg Calcium senkte das Krebserkrankungsrisiko um bemerkenswerte 60 bis 77 Prozent.

Der beobachtete Unterschied in der Telomerlänge entspricht hochgerechnet einer Lebensverlängerungvonca.5Jahren. Gröber U: Vitamin D3, ein altes Vitamin in neuem Licht. Med Monatsschr Pharm 2010; 33: 376-383.

Krebs Krebs ist nach wie vor ein in der Arzneimittelmedizin ungelöstes Problem. Jeder vierte Todesfall ist durch Krebs verursacht. Der Epidemiologe Prof. Dieter Hölzel, Leiter des Tumorregisters in München, beantwortet anhand der vorliegenden Patientendaten die Frage, ob es in den letzten 20 Jahren Behandlungsfortschritte bei häufigen metastasierten Krebserkrankungen gegeben habe. Seine Antwort ist für Brust-, Lungen-, Prostata- und kolorektales Karzinom eine klares „Nein“: „Die Überlebenskurven der Patienten vor 1990 und ab 1991 sind praktisch deckungsgleich. Wir können keinen Fortschritt feststellen.“ Das Münchner Krebsregister gilt als das beste Deutschlands, weil es epidemiologische mit klinischen Daten verknüpft. Prof. Hölzel weiter: „Wir müssen der Frage nachgehen, warum sich am Überleben der Patienten nichts geändert hat, obwohl der medizinische Aufwand immer weiter zunimmt.“ Deutsches Ärzteblatt, Heft 42, 15.10.2004

Daher ist es von großer Wichtigkeit, sich andere Behandlungs- und Vorbeugungsansätze genau anzuschauen.

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Lappe JM, Travers-Gustafson D, Davies KM, Recker RR, Heaney RP: Vitamin D and calcium supplementation reduces cancer risk: results of a randomized trial. American Journal of Clinical Nutrition 2007; 85 (6): 1586-1591.

Mittlerweile existiert eine ganze Reihe von natürlichen Methoden, mittels derer Krebs erfolgreich bekämpft werden kann: • Hochdosiertes Vitamin C tötet Krebszellen ab. Riordan NH, Riordan HD (1932 - 2005), Casciari JP: Clinical and experimental experiences with intravenous vitamin C. J Orthomol Med 2000; 5: 201-213. Kremer H: Die stille Revolution der Krebs- und AIDS-Medizin. Ehlers-Verlag, 2001. Krebs H: Die Praxis der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie. Verlag Medizin & Management, 2006. Hickey R, Roberts H: Cancer. Nutrition and survival. A microevolutionary approach to the causes, prevention andtreatment of cancer. http://www.lulu.com, 2005. Hickey R, Roberts H: The Cancer Breakthrough. A nutritional approach for doctors and patients. http://www.lulu.com, 2007.


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• Substanzkombinationen aus Vitamin C, den Aminosäuren Lysin, Prolin, Arginin und N-Acetylcystein, EGCG (Epigallocatechingallat, Wirkstoff aus grünem Tee) und den Spurenelementen Kupfer, Mangan und Selen bremsen oder stoppen die Metastasierung. 90 Prozent der Krebs­patienten sterben an der Metastasierung. Niedzwiecki A: Zellularmedizin und Krebsforschung.

• Mit Stoffen, die die Pflanzen selbst zwecks Pilzabwehr synthetisieren, können menschliche Krebszellen abgetötet werden (ohne daß gesunde Zellen geschädigt werden) und kann auch der Entstehung eines Krebstumors vorgebeugt werden.

Dr. med. Gottfried Lange Arzt und wissen­schaftlicher Autor, Fachbeirat des NEM e.V.

Tan HL, Beresford K, Butler PC, Potter GA, Burke MD: Salvestrols – Natural Anticancer Prodrugs in The Diet. Cancer Drug Discovery Group, Leicester School of Pharmacy, De Montfort University, Leicester. Schaefer BA, Tan HL, Burke MD, Potter GA: Nutrition and Cancer: Salvestrol Case Studies. J Orthomol Med 2007; 22: 177-182.

Dieses Thema der lebenserhaltenden Wirkungen der „natürlichen Werkzeugstoffe“ reicht noch viel weiter. Man kann u. a. auch Zuckerkrankheit, Rheuma, Multiple Sklerose und Allergien heilen oder ihr weiteres Fortschreiten stoppen. Nicht nur die biochemischen Zusammenhänge sind erforscht – es liegen auch die entsprechenden Therapieerfolge in der Praxis vor. Leider konnte in diesem kurzen Übersichtsartikel nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt werden. Es drängt sich die Frage auf: Warum finden diese Erkenntnisse nicht breite Anwendung? Warum sind sie nicht Bestandteil der Ausbildung der Ärzte? Warum werden sie den zahllosen leidenden Menschen vorenthalten? Gibt es Interessengruppen, die möglicherweise gezielt die Erhaltung und Ausweitung des Krankheitsmarkts betreiben? Der Umsatz nur mit blutdrucksenkenden Mitteln beträgt 50 bis 75 Millionenen Euro – nur in Deutschland – an einem einzigen Tag. Wie besprochen ließen sich schon allein durch die allgemeine Anhebung des Vitamin-D-Spiegels, was fast nichts kostet, allein in Deutschand Krankheitskosten in Höhe von ca. 37 Milliarden Euro einsparen. Dies wäre nicht nur echte Vorbeugung, sondern würde auch zu einer deutlichen Senkung der Krankenkassen­bei­träge führen, die wir alle regelmäßig in großer Höhe zahlen. Zur Orientierung: Die jährlichen Ausgaben für Arzneimittel in Deutschland liegen bei ca. 32 Milliarden Euro. Die Frage bleibt: Wie können wir es schaffen, daß die heute aufgeführten bahnbrech­ enden wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Anwendung kommen – zum Segen von Millionen leidender Menschen.

Einige Buchempfehlungen: • Dr. Matthias Rath: „Warum bekommen Tiere keinen Herzinfarkt – aber wir Menschen“ • Apotheker Uwe Gröber und Prof. Michael Holick: „Vitamin D – die Heilkraft des Sonnenvitamins“ • Dr. Raimund von Helden: „Gesund in sieben Tagen – Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie“ • Prof. Walter Hartenbach: „Die Cholesterin-Lüge“, Herbig • Dr. Uffe Ravnskov: „Mythos Cholesterin“, Hirzel • Dr. Marcia Angell: „Der Pharma Bluff“, KomPart • Apotheker und Leitungssportler Uwe Gröber: „Metabolic Tuning statt Doping“

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MitochondrienMedizin: Die aktuelle Forschung ist hochinteressant!

Diabetes, Alzheimer, Parkinson, Altern, Übergewicht, Entzündungen, Krebs – bei vielen Beschwerden und Krankheiten zeigt die aktuelle Forschung, dass Mitochondrien eine zentrale Rolle bei deren Entstehung spielen – und damit naturgemäß auch ein lohnendes Therapieziel sind. Wer also wissen will, in welche Richtung sich die Medizin in Zukunft orientieren wird, der muss auf die Mitochondrien schauen! Die 9. Kon­ ferenz zur Mitochondrien­Physiologie in Österreich machte dies deutlich.

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itochondrien werden gern als die „Energiekraftwerke“ der Zellen bezeichnet. Doch sie allein auf die – durchaus sehr wichtige – Produktion von Energie zu beschränken ist falsch. Mitochondrien kommen in jedem Gewebe vor und sind dort immer zentrale Stoffwechselschaltpunkte. Sie sorgen neben der Energieproduktion in den Zellen auch für die Bildung von Häm (z. B. für das Hämoglobin, unserem roten Blutfarbstoff, der Transporter für Sauerstoff, aber auch für viele andere Enzyme und Proteine) und von Eisen-Schwefel-Clustern (wichtig für viele Enzyme). Sie sind unersetzbar für die Entgiftung (Harnstoffbildung und Entsorgung von Stickstoff) und für den „program-

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mierten Zelltod“ (Apoptose), der sicherstellt, dass Zellen, die sich falsch entwickeln, zugrunde gehen und nicht weiter wachsen – genau das, was bei der Krebsentstehung nicht richtig funktioniert. Und nicht zuletzt spielen Mitochondrien eine Rolle beim Fettauf- und abbau, bei der Bildung von Ketokörpern zur alternativen Energiegewinnung in Hunger- oder Fastenzeiten und noch mehr. Entsprechend vielfältig können daher auch die Folgen von mitochondrialen Dysfunktionen sein. Wenn ein Großteil der Mitochondrien eines Gewebes ausfallen oder in der Stoffwechselaktivität durch äußere Einflüsse behindert wird, dann entstehen Krankheiten. So belegt es die Forschung immer öfter. Auf der vergangenen


Ernährung / Prävention  9. Internationalen Konferenz zur Mitochondrien-Physiologie in Tirol befasste sich daher ein großer Konferenzanteil mit Themen zu den Zusammenhängen zwischen Mitochondrien-Stoffwechsel und Erkrankungen. Ganz neu dabei war das Thema „Behandlung von mitochondrialen Erkrankungen“. Genau hier sind die Hersteller von Nahrungsergänzungen und ihre Wissenschaftskenntnis gefragt: Die Behandlung von sekundären Mitochondriopathien, also Erkrankungen, die auf einer durch Umwelteinflüsse erworbenen Dysfunktion von Mitochondrien beruhen, werden zu einem guten Teil durch die gezielte Gabe von Mikronährstoffen behandelt. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und andere Vitalstoffe sowie auch spezielle pflanzliche Extrakte, die die Mitochondrien fördern, werden dabei eingesetzt, um die biochemischen Vorgänge zu unterstützen und die Regeneration dieser Zellorganellen zu ermöglichen. Vielfach sind hier Produkte von hoher Reinheit und sinnvolle Kombinationen verschiedener Mikronährstoffe gefragt. Und dabei sind wir noch lange nicht beim letzten Stand angekommen, die Entwicklung neuer Produkte fängt gerade erst an! So wurde auf der 9. Konferenz zur Mitochondrien-Physiologie ein neues Produkt vorgestellt, das sich für die Anwendung bei Mitochondriopathien empfiehlt: Ein Produkt für die Augen (SkQ1, ein besonders gut membrangängiger Abkömmling des Coenzym Q10, Produktname: Visomitin®), das bei trockenem Auge und einer Entzündung der Augenhaut sehr gute Dienste leistet, laut russischer Erkenntnisse (Staatliche Universität Moskau, Institut für physiko-chemische Biologie) und vereinzelten, aktuellen Berichten aus den USA. Sogar bei Grauem und Grünem Star, zwei der wichtigsten Augenerkrankungen, die meist mit steigendem Lebensalter auftreten können, verhalf SkQ1 wieder zu besserem Sehen. Es ist das erste Produkt seiner Art, das Verbesserungen bei diesen Erkrankungen bringen kann. Ein Meilenstein in der Mitochondrien-Forschung! Derzeit laufen in Russland und den USA (prä-) klinische Studien zur Wirkung von SkQ1 auf Entzündungen und neurodegenerative Erkrankungen wir Alzheimer, Parkinson und anderen mitochondrialen Erkrankungen. SkQ1 ist der Siegeszug durch die Welt schon so gut wie sicher. In Russland ist es bereits im freien Verkauf zu haben. Gerade im Fall des Coenzym Q10 wurde just auf derselben Tagung eine Arbeit vorgestellt, die sich mit dem durch die Medikamentengruppe der Statine ausgelöste Q10-Mangel und dessen Bedeutung für die Energiegewinnung in den Mitochondrien der Patienten beschäftigte. Schon lange wird hier vermutet, dass die bekannten Nebenwirkungen dieser häufig verordneten Cholesterinsenker (Muskelschmerzen und -schwäche) mit einer mangelhaften Mitochondrien-Leistung zu erklären sind. Der konkrete wissenschaftliche Beweis dafür stand jedoch noch aus. Nun konnten Wissenschaftler in Tirol ihre Arbeit präsentieren, die belegt, dass ein Mangel an Q10 bei Statin-Patienten zu

einer Reduktion der Energieproduktion der Mitochondrien in den Muskeln führt. Damit ist der lange vermutete Zusammenhang endlich wissenschaftlich dokumentiert und ein harter Fakt mehr geschaffen, eine parallele Gabe von Q10 bei Statin-Verordnung als abgesicherte Standardbehandlung zu etablieren. Auch die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus Typ II, sowie Übergewicht/Adipositas sind mitochondriale Erkrankungen. Für die Behandlung von Typ II-Diabetikern ist ebenfalls eine sehr interessante Arbeit bei der 9. Konferenz der Mitochondrien-Physiologie vorgestellt worden: Modelltiere (Ratten mit Typ II-Diabetes) zeigten eine verminderte Insulin-Sensitivität in Muskelzellen. Nach der Gabe von Resveratrol konnten die Forscher eine deutliche Verbesserung der Energiegewinnung und damit einer Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit der Zellen feststellen. Ähnliches konnten sie für Herzmuskelzellen messen. Hier bewirkte die Gabe von Resveratrol eine wieder verbesserte Füllungsfunktion (Diastole) der Herzkammern und ein besseres Fett-Profil der Herzzellen. Resveratrol ist also geeignet, bei Typ II-Diabetikern die Auswirkungen ihrer Erkrankung zu vermindern, indem es die Mitochondrien von Herz- und Muskelzellen auf unterschiedlichen Wegen zu einer besseren Energieversorgung anregt. Die Tagung lieferte noch viele weitere Belege für die Therapieoption Mitochondrien bei diversen Erkrankungen: Sehr viel Forschung wird in die Aufklärung des Geschehens bei Ischämien gelegt (Sauerstoffverlust z. B. durch Infarkte des Herzens oder des Hirns) sowie auf ihre Bedeutung für die Mitochondrien. Weiterhin sind neue Therapiemöglichkeiten bei Adipositas, Stressintoleranz, Parkinson und sogar die Auswirkungen des Klimawandels auf die Mitochondrien Gegenstand der Forschung und können uns in Zukunft von hohem Wert sein. Wer sich selbst ein Bild über die vielen Themen und Wissenschaftler der Mitochondrien-Forschung machen will oder sich über weitere Themen in Zusammenhang mit diesen Zellorganellen informieren möchte, kann dies im Internet tun unter: http://www.bioblast.at/index.php/MiP2013_Abstracts. Für Therapeuten gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, sich in „Klinischer Umwelt- und Mitochondrien-Medizin“ in einem universitären Curriculum fortzubilden. Infos dazu gibt es unter: www.mito-medizin.de.

Dr. med. Rainer Mutschler M.A. Lehrbeauftragter und Modul-Leiter „Klinische Umwelt- und MitochondrienMedizin“ an der Europa-Universität Viadrina, Leitender Arzt des Centrums für Integrative Medizin in Speyer, Fachl. Beirat des NEM e.V.

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Nutrition-Press

Vitamin D – Das Sonnenhormon Innerhalb weniger Jahre hat sich das hässliche kleine Entlein VitaminD zum stattlichen Sonnenhormon gemausert. Der Grund für diesen kometenhaften Aufstieg ist die Entdeckung, dass fast alle Zellen des Körpers über Rezeptoren für das aktive Hormon verfügen, das sie selbst aus Vitamin D als einer Vorstufe herstellen können, also unab­ hängig von der Nierenfunktion. Zu der altbekannten Wirkung auf den Knochenstoffwechsel sind daher vielfältige endocrine, autocrine und paracrine Funktionen hinzugekommen, die zusammen nahezu alle Organfunktionen betreffen.

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ar man lange Zeit davon ausgegangen, dass der wesentliche Faktor bei der Entstehung eines Vitamin D-Mangels der Breitengrad des Aufenthaltsortes ist, so steht inzwischen fest, dass die Ursache der aktuellen, weitverbreiteten Unterversorgung mit Sonnenhormon der Lebensstil der einzelnen Menschen ist. Dies gilt für sonnenarme Länder wie Deutschland genauso wie für sonnenreiche Länder wie Indien oder Arabien.

Abb. 1: Ganzjährig erniedrigte mittlere Vitamin D Spiegel (<30 ng/ml) in 5000 Blutproben von Patienten des Rhein-Main-Gebietes. Der Anstieg in den Monaten Dezember und Januar dürfte auf einer vermehrten Reisetätigkeit zu sonnigen Urlaubszielen beruhen, da die Menschen den internationalen Frankfurter Flughafen vor der Haustür haben (Dissertation U. Lemberg 2012).

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Wird die nackte Haut (ohne Kleider, aber auch ohne Sonnencreme!) nicht regelmäßig der UVB-Strahlung der Sonne ausgesetzt, kann die Haut als endokrines Organ ihren Auftrag nicht erfüllen und Vitamin D herstellen. Da ist es egal, ob man in Florida, Korea oder Dubai lebt. Stellvertretend für die weltweite Mangelsituation sollen die Ergebnisse einer Dissertation mit 5000 Blutproben eines Einsendelabors im RheinMaingebiet vorgestellt werden (Abb.1). Die Abbildung zeigt eindrucksvoll, dass selbst im Hochsommer der Referenzwert von 30 ng/ml von der Mehrzahl der Bevölkerung nicht erreicht wird und jung wie alt von dem Mangel betroffen ist. Lediglich die Altersgruppe der Kleinstkinder weist regelrechte Werte auf (Abb. 2). Diese normalen Spiegel stammen jedoch nicht von einer Sonnenexposition sondern von der konsequenten Supplementation der Kinder in Deutschland zur Verhütung der Rachitis. Im zweiten Lebensjahr wird diese Vitamin D-Gabe beendet, womit der Vitamin D-Spiegel der Kinder auf das Niveau der restlichen Bevölkerung ohne Supplementation absinkt.

Abb. 2: Vitamin D-Spiegel (ng/ml) von >5 000 Patienten zwischen dem 1. und 95. Lebensjahr. Abgesehen von den routinemäßig zur Vorbeugung gegen Rachitis mit Vitamin D versorgten Kindern im ersten Lebensjahr weisen nahezu alle untersuchten Personen einen mehr oder weniger ausgeprägten Vitamin D-Mangel auf (Lemberg 2012).

Eine umfassende Darstellung aller positiven Eigenschaften von Vitamin D würde bei weitem den Umfang dieses Artikels sprengen. Die nachstehende Tabelle gibt daher die wesentlichsten Punkte wieder. Es soll jedoch exemplarisch eine der bedeutendsten Aspekte der neuen Wirkungen von Vitamin D, nämlich auf das Immunsystem, anhand einer Studie vorgestellt werden.

• senkt den Blutdruck • fördert das angeborene und erworbene Immunsystem • produziert körpereigenen Antibiotika (AMP) • schützt die Nervenzellem (z. B. vor MS) • bremst die Krebsentwicklung • verhindert eine Metastasenbildung • fördert und schützt die Schwangerschaft • verbessert die Überslebensrate von KHK-Patienten • reduziert das Risiko für Diabetes Typ I und Typ II • schützt vor peripherer arterieller Veschlusserkrankung • kräftigt die Muskulatur und verzögert die Pflegebdürftigkeit im Alter Tab. 2: Mit Vitamin D assoziierte, positive Phänomene

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Üblicherweise wird den Untersuchungen mit Vitamin D angelastet, dass sie nur assoziativ seien und daher im Sinne der evidenzbasierten Medizin keine genügende Beweiskraft besitzen. Dieser Vorbehalt wird unter anderem durch diese Studie von japanischen Kollegen widerlegt. Sie verabreichten 334 Schulkindern von Dezember 2008 bis März 2009 randomisiert, doppelblind und Placebo kontrolliert 1200 IE Vitamin D pro Tag. In der Therapiegruppe reduzierte sich das Risiko für eine Influenza-A Infektion um 64 Prozent! Noch beeindruckender sind jedoch bei dieser Untersuchung die Ergebnisse in Bezug auf Asthma: hier reduzierte Vitamin D die Anfallshäufigkeit um 83 Prozent (Abb. 3).

Prof. Dr. med. Jörg Spitz Spezialgebiet Präventionsmedizin, u. a. Gründer der „Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention“, Referent und Buchautor, Fachlicher Beirat des NEM e. V.

Abb. 3: Effekt einer Vitamin D Supplementation auf die Erkrankungshäufigkeit (Influenza A und Asthma) japanischer Schulkinder (nach Urashima 2010).

Zusammenfassend lässt sich sicherlich ohne Übertreibung feststellen, dass die neu nachgewiesenen Eigenschaften des Sonnenhormons vielfältige Perspektiven bei zahlreichen chronischen Erkrankungen, aber auch bei akuten grippalen Infekten eröffnen. Letzteres hat eine besondere Bedeutung bei der Einführung von Präventionsmaßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Entfällt in einem Unternehmen durch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D auch nur eine einzige Erkältung pro Mitarbeiter und Saison, beträgt der eingesparte Lohnausfall rasch viele Tausende Euro, während der Aufwand für die vorbeugenden Maßnahmen pro Person gerade mal den Kosten einer einzelnen Arbeitsstunde entspricht – von der verbesserten Lebensqualität der Mitarbeiter ganz zu schweigen. MehrzudiesemhochaktuellenThemafindetsichinderMonographiedesAutors: „Vitamin D – das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention“. Das Buch kann über die von ihm gegründete, gemeinnützige „Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention“ (www.dsgip.de) bezogen werden.

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Ernährung / Prävention

Ingwer, Zingiber officinalis, gehört zur gleichen Pflanzenfamilie wie Kardamom und Curcuma. Der Anteil der Ingwerpflanze, die ver­ zehrt wird, ist das Rhizom, häufig auch als Ingwerwurzel bezeichnet. Obwohl es tatsächlich gar keine Wurzel ist. Das Rhizom wird in der Pharmazie als Teil einer Heilpflanze wie auch im allgemeinen Sprachgebrauch etwas irreführend „Wurzelstock“ (Rhizoma) genannt. Es besitzt als Teil des Sprosssystems dessen typische Merkmale und keinerlei Wurzelmerkmale. Von dort gehen nach unten die eigentlichen Wurzeln, nach oben die Triebe der Blätter aus. Ingwer ist eines der am meisten verwendeten Gewürze weltweit (Li 2012). Er wird hauptsächlich in Asien und anderen tropischen Gegenden angebaut, ist mittlerweile auch schon in Europa verbreitet als häufige Zutat für verschiedene Speisen und Getränke. Schon seit mehr als 2.500 Jahren wurde Ingwer in China und Indien aus medizinschen Gründen eingesetzt: Kopfschmerzen, Übelkeit, Rheuma, Erkältungen (White2007, Monografie2008).

Ingwer – die Vielfalt der Natur

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ie gesundheitsfördernden Effekte werden den vielfältigen Pflanzeninhaltsstoffen zugeschrieben. Einerseits flüchtige Substanzen wie Sesquiterpene und Monoterpenoide, die für das ausgeprägte Aroma und den Geschmack von Ingwer sorgen. Andererseits nicht flüchtige scharfe Verbindungen wie Gingerole, Shogaole, Paradole und Zingerone (Mashaddi2013).

Ingwer hat sich als hilfreich bei einer ganzen Reihe der unterschiedlichsten Beschwerden erwiesen. Zu den bekanntesten im Zusammenhang mit Ingwer gehören Erbrechen und Übelkeit, Übelkeit auf Reisen (Seekrankheit), Übelkeit während der Schwangerschaft und Magen-Darm-Beschwerden.

Zingiber officinale enthält eine Vielzahl von Antioxidantien wie Betacarotine, Vitamin C, Terpenoide, Alkaloide und Polyphenols wie Flavonoide, Flavone, Rutin, etc. Da Ingwer mit seiner Vielfalt an Antioxidantien leicht anbaubar ist, kann er eine bedeutende Quelle für natürliche Antioxidantien sein (Gazemazahdeh2010).

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Die aromatischen, spasmolytischen (krampflösenden), karminativen (blähungstreibenden) Eigenschaften lassen vermuten, dass Ingwer direkte Effekte auf den Gastrointestinaltrakt ausübt. Tierversuche zeigen, dass Ingwer auf Cisplatin induzierte Übelkeit antiemetische (brechreizmindernde) Effekte hat. Fazit: Ingwer als vielversprechende Pflanze gegen Übelkeit und Erbrechen (Ernst2000). Übelkeit und Erbrechen macht bekanntlich auch Krebspatienten zu schaffen, die sich einer Chemotherapie unterziehen. Eine Doppelblind-Studie an 60 Kindern und Jugendlichen mit Chemotherapie zeigte: Die Gabe von pulverisiertem Ingwer in Kapseln konnte Übelkeit und Erbrechen erheblich reduzieren (Pillai2011). In einem Review von 2008 zum Thema Schwangerschaftsübelkeit und Ingwer konnte anhand von 3 randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Studien gezeigt werden, dass Ingwer in einer Dosierung von 500-1000 mg Ingwerextrakt Übelkeit und Erbrechen bei Schwangeren vermindert (Festin2008). In einer doppelblinden randomisierten placebokontrollierten Studie erhielten 120 Schwangere über 4 Tage 125 mg Ingwerextrakt – 4 mal täglich, entsprechend 1,5 g getrocknetem Ingwer. Hierdurch verringerte sich die Morgenübelkeit signifikant (Willetts2003). Auch bei Reiseübelkeit bzw. Seekrankheit scheint der Einsatz von Ingwer vielversprechend zu sein. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie mit 80 Seeleuten zeigte die Gabe von 1 g Ingwer weniger Symptome von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel als die Placebogruppe. Eine randomisierte doppelblinde Studie mit 1741 Touristen während einer Walbeobachtungssafari zeigte: 500 mg Ingwer war annähernd so effektiv wie ein Antiemetikum in Bezug auf Symptome der Seekrankheit während der 6-stündigen Bootstour (Cohen2007).

Aber auch in anderen Bereichen ist Ingwer sehr hilfreich. So untersuchte ein kürzlich erschienener Review die metabolischen Effekte von Ingwer. Tierexperimentelle Studien zeigten antihyperglykämische Effekte. Auch auf andere Parameter des metabolischen Syndroms zeigte sich Ingwer günstig. Hierdurch konnte nach einem fettreichen Futter bei Ratten der Anstieg von Körpergewicht, Glucose, Insulin, Cholesterin und Triglyceriden verringert werden. Aufgrund von in vitro Studien wird vermutet, dass Gingerole für die günstigen Effekte auf den Blutzuckerspiegel verantwortlich sind. Eine klinische Studie an Diabetikern mit 3 g Ingwerpulver über 30 Tage zeigte günstige Effekte auf Glucose- und Cholesterinspiegel (Li2012).

Ingwer ProtektiveEffekte

Abb. Protektive Effekte von Ingwer auf Diabetesbedingte Komplikationen, abgewandelt nach Li2012

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Ernährung / Prävention

Kürzlich erschienene Ergebnisse aus Untersuchungen an Ratten zeigten, dass Ingwer aufgrund seiner Antiglycation-Effekte die Entwicklung von grauem Star bei Diabetikern verhindern oder verlangsamen konnte (Saraswat2010).

Schon lange sind die antientzündlichen Effekte von Ingwer bekannt. Sowohl in vivo als auch in vitro konnte gezeigt werden, dass Ingwer die Cyclooxygenase und die Lipoxygenase hemmt, somit einen antientzündlichen Effekt aufweist (Altmann 2001, Grzanna 2005).

Ingwer scheint ein Potential für die Prävention von Übergewicht und mit Übergewicht verbundene metabolische Störungen zu haben. Dies zeigen Ergebnisse aus experimentellen und in vitro Studien. Hier scheinen sowohl die Gingerole als auch die Zingerone im Ingwer eine Rolle zu spielen (Bharat2010). Gingerole als eine der aktivsten Substanzen von Ingwer sind für den charakteristischen Geschmack verantwortlich (Ernst 2000).

Die Hemmung von Entzündungsmediatoren erfolgt durch Gingerole und andere verwandte Substanzen im Ingwer (Mashhadi 2013). In einer in vitro Studie von 2012 konnte gezeigt werden, dass ein 10-prozentiger Ingwerextrakt antimikrobielle Effekte gegen orale Mikroorganismen wie Streptococcus mutans, Candida albicans, and Enterococcus faecalis aufweist (Girijaju 2012).

Eine Vielzahl von Studien zur akuten und chronischen Toxizität zeigte ein hohes Maß an Sicherheit für die Verwendung von Ingwer. Dies macht Ingwer umso interessanter. Kürzlich wurde berichtet, dass Ingwer anti-karzinogene, gerinnungshemmende, antientzündliche, und analgetische Effekte aufweist (Li2012). Bei Muskelschmerzen hilft es mehrmals täglich insgesamt 2 g Ingwer zu verzehren. Dies zeigte eine 2010 erschienene Studie. Auch solche Schmerzen können effektiv gelindert werden, die durch massive Muskelüberanstrengung verursacht wurden (Black 2010). Nicht nur bei Muskelschmerzen, sondern auch im Zusammenhang mit Arthrose zeigte sich Ingwer sehr vielversprechend. In drei randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudien zeigten sich statistisch signifikante Effekte bzgl. der Schmerzreduktion bei Arthrosepatienten mit Ingwerextrakt in einer Dosierung von bis zu 1000 mg/Tag (Altmann 2001, Wigler 2003, Haghighi 2005).

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Zingerone aus Ingwer zeigten die Fähigkeit vor Morbus Parkinson zu schützen indem sie bei Mäusen im Striatum, einem Teil des Großhirns, vor einer Reduzierung von Dopamin schützten. Diese Fähigkeit von Zingerone wurde in Verbindung gebracht mit seiner Fähigkeit die Aktivität der Superoxiddismutase zu erhöhen und Superoxidradikale zu fangen (Kannappan 2011).

Dr. oec. troph. Marieluise Römer Consultant Food, Health, Science & Regulatory www.drroemer.de

Fazit: Die große Vielzahl positiver Effekte von Ingwer auf die Gesundheit ist sehr beeindruckend. So zeigt sich Ingwer hilfreich bei Übelkeit und Erbrechen, diabetesbedingten Komplikationen, metabolischen Störungen, Muskelschmerzen und Arthrose. In vitro und in vivo zeigte sich Ingwer antimikrobiell, antientzündlich und antioxidativ. Deswegen liegt es nahe, täglich Ingwer in möglichst großer Menge in unsere Ernährung einzubauen. Es gibt eine Vielzahl an Rezepten mit Ingwer: Ingwertee, Ingwerkekse, kandierter Ingwer, Ingwermarmelade, Möhrensuppe mit Ingwer, Currygerichte mit Ingwer, Sushi mit Ingwer. Hiervon sollten täglich mehrere Gerichte verzehrt werden. Dies entspricht einer kompletten Ernährungsumstellung, was aufgrund des starken, scharfen Eigengeschmacks des Ingwers in Deutschland kaum praktikabel ist. Wer trotzdem von den positiven Effekten des Ingwers profitieren möchte, der kann auf Ingwerextrakt in Kapseln zurückgreifen, eine einfache und geschmacksneutrale Möglichkeit.

• Altman RD et al. Effects of a ginger extract on knee pain in patients with osteoarthritis. Arthritis Rheum 2001;44(11):2531-8. • Black CD et al. Ginger (Zingiber officinale) reduces muscle pain caused by eccentric exercise. J of Pain 2010 Sep;11(9):894-903. • Cohen M. Travellers funny tummy. Reviewing the evidence for complementary medicine. Australian Family Physician 2007, 36 (5): 335-336. • Ernst E et al. Efficacy of ginger for nausea and vomiting: a systematic review of randomized clinical trials. British journal of anestesia, 2000, 84(3): 367-371. • Festin M. Nausea and vomiting in early pregnancy. Clinical Evidence 2009: 6: 1405ff. • Ghazemzadeh A et al. Antioxidant activities, total phenolics and flavonoid content in two varieties of Malaysia young ginger. Molecules 2010, 15: 4324-4333 • Giriraju A et al. Assessment of antimicrobial potential of 10% ginger extract against Streptococcus mutans, Candida albicans, and Enterococcus faecalis: An in vitro study. Indian J Dental Research 2013, 24: 397-400. • Grzanna R et al. Ginger--an herbal medicinal product with broad anti-inflammatory actions. J Med Food, 2005;8(2):125-32. • Haghighi M et al. Comparing the effect of ginger extract and ibuprofen on patients with osteoarthritis. Arch Iranian Med, 2005, 8 (4): 267-271. • Kannappan R et al. Neuroprotection by spice derived neutraceuticals. You are what you eat. Mol Neurbiol 2011, 44 (2): 142-159 • Li Y et al. Preventive and protective properties of zingiber officinale in diabetes melitus, diabetic complications and associated lipid and other metabolic disorders. Evidence based complementary and alternative medicine, 2012, 1-10. • Mashhadi NS et al. Antioxidative and antiinflammatory effects of ginger in health and physical activity. Review of currentevidence. Int J Prev Med 2013, 4 (Suppl.1): S36-S42. • Monografie. Zingiber officinal (Ginger). Alternative Medicine Review 2003, 8 (3): 331-335 • Pillai AK et al. Pediatr Blood Cancer 2011; 56(2):234-8. Anti-emetic effect of ginger powder versus placebo as an add-on therapy in children and young adults receiving high emetogenic chemotherapy. • Saraswat M et al. Antiglycation potential of zingiber officinalis and delay of diabetic cataract in rats. Molecular vision 2010, 16:1525-1537. • Wigler I. et al. The effects of Zintona EC (a ginger extract) on symptomatic gonarthritis.Osteoarthritis Cartilage 2003;11(11):783-9. • White G. Ginger an overview. Am Fam Phys, 2007, 75 (11). 1689-1691. • Willetts KE et al. Effect of a ginger extract on pregnancy-induced nausea: a randomised controlled trial. Aust N Z J Obestet Gynecol 2003; 43(2):139-44

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Ernährung / Prävention

Vitamin K2 – Das vergessene Vitamin erwacht aus seinem Dornröschenschlaf! Vitamin K ist wichtig für die Knochen­ und Herz­Kreislauf­Ge­ sundheit, weil es bei der Regulierung von Kalzium im Körper eine entscheidende Rolle spielt. Dabei ist Vitamin K2 als Mena­ chinon­7 (MK­7) nachweislich das effektivste Vitamin K zur Erlan­ gung optimaler Ergebnisse hinsichtlich der Ein­ und Auslagerung von Kalzium in verschiedene Gewebetypen, wie z. B. Knochen­ masse und Blutgefäße.

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ie Überlegenheit von Vitamin K2 MK-7 basiert auf einer besonders langen Halbwertzeit im Körper. Wirksamkeit und Sicherheit von Vitamin K2 MK-7 wurden in vielen klinischen Studien bestätigt. Dennoch, eine grundlegende Differenzierung der verschiedenen Varianten von Vitamin K findet erst seit rund einer Dekade statt. Als Folge hieraus wird die hohe prophylaktische Bedeutung von Vitamin K2 MK-7 im Zusammenhang mit Knochenschwund und Arterienverkalkung erst seit Kurzem erkannt und in neue Produktkonzepte integriert. Vitamin K2 MK-7 – das vergessene Vitamin Traditionell wird Vitamin K meist synonym zu Phyllochinon verwendet. Hierbei handelt es sich um Vitamin K1, das in blättrigen Grünpflanzen vorkommt und im menschlichen Organismus eine wichtige Bedeutung bei der Blutgerinnung spielt. Der Buchstabe K wurde eingesetzt, nachdem der dänische Forscher Henrik Dam um 1935 eine fettlösliche Substanz isolierte, die eine ausgleichende Wirkung auf die Blutgerinnung zeigte

(Koagulations-Vitamin) und es der Einfachheit halber Vitamin K nannte. Heute versteht man unter Vitamin K eine Familie von fettlöslichen Vitaminen von Vitamin K1 bis K4. In Folge der Vergabe des Nobelpreises im Bereich Medizin für die Entdeckung des Vitamin K an die Forscher Dam und Edward Adelbert Doisy richtete sich der Forschungsschwerpunkt überwiegend der Blutgerinnungsfunktion zu. Menachinon (Vitamin K2) fand zunächst nur wenig Beachtung. Forscher wie der kanadische Zahnarzt Weston Price beschrieben zwar die überaus positiven Eigenschaften im Hinblick auf die Zahn- und Knochengesundheit, konnten jedoch die dahinter stehende Substanz nicht als Menachinon erkennen und bezeichneten Vitamin K2 daher über lange Zeit als Aktivator X. Dank mehrerer Metastudien wurde Aktivator X schließlich als Vitamin K2 identifiziert. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Forschungsarbeiten über Vitamin K2 deutlich an. Insbesondere zur Knochen- und HerzKreislauf-Gesundheit wurden mehrere Aufsehen erregende Arbeiten veröffentlicht.

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Nutrition-Press

Die wichtigsten Formen von Vitamin K2 sind Menachinon-7 (MK-7) und MK-4. Als Bestandteil des japanischen Lebensmittels Natto hat Vitamin K2 MK-7 eine lange Historie. Natto ist ein typisches Frühstücksgericht aus gekochten Sojabohnen, welche mit Hilfe des Bacillus subtilis natto fermentiert werden. Natto ist das Lebensmittel mit dem höchsten natürlichen Anteil an Vitamin K2 MK-7. Es liegen Nachweise für eine starke, inverse Korrelation zwischen der Aufnahme von Natto und der Häufigkeit von Osteoporose in Japan vor. Allgemein ist die Häufigkeit der Osteoporose in Japan sehr viel niedriger als in der westlichen Welt. Dies gilt umso mehr in den nordjapanischen Provinzen, wo der Verbrauch an Natto am höchsten ist. Zudem hat Japan eine sehr niedrige Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen, welche sich nach Forschungsannahmen ebenfalls auf die hohe Aufnahme von Natto begründet. In der westlichen Ernährung ist nur sehr wenig Vitamin K2 enthalten und es ist inzwischen nachgewiesen, dass ein Mangel an diesem Nährstoff weit verbreitet ist. Basierend auf wissenschaftlichen Studien, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, besteht ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von MK-7 für eine optimale Gesundheit der Knochen und des HerzKreislauf-Systems. Mit der Zulassung von Vitamin K2 MK-7 als sicherer Rohstoff für den Einsatz in Nahrungsergänzungsmitteln, sowohl in den USA als auch in Europa, findet der Rohstoff nun zunehmend starke Beachtung und vermehrt auch Eingang in neue Produktkonzepte.

Die Rolle von Vitamin K2 MK-7 im Körper Vitamin K2 ist an der Kalziumbalance im Körper beteiligt. Es stellt sicher, dass Kalzium in die Knochen und nicht in die Gefäßwände gelangt. Vitamin K2 MK-7 wirkt als Co-Faktor bei der Aktivierung von Kalzium bindenden Proteinen wie Matrix-Gla-Protein (MGP) in Gefäßwänden und Osteocalcin (OC) in den Knochen. Warum Vitamin K2 wichtig für die öffentliche Gesundheit ist Vitamin K2 und Knochendichte: Die auch als Knochenschwund bezeichnete Krankheit Osteoporose ist gekennzeichnet durch eine Abnahme der Knochendichte bedingt durch den übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz. Die einhergehende erhöhte Frakturanfälligkeit kann das ganze Skelett betreffen. Laut WHO sind weltweit rund 200 Millionen Frauen erkrankt. In Europa, den USA und Japan sind schätzungsweise 75 Millionen Menschen betroffen. Im Jahr 2000 traten etwa 9 Millionen neue osteoporotische Frakturen auf, wovon 51% auf Europa und Amerika entfielen. Die Kosten aller osteoporotischen Frakturen werden in Europa auf 25 Mrd. Euro geschätzt. Aktuelle Studien dokumentieren nun die Bedeutung von MK-7 für die Verbesserung der Knochengesundheit. MK-7 gewährleistet die Aktivierung von Osteocalcin, so dass das Protein Kalzium in die Knochenstruktur einbinden kann. Inaktives Osteocalcin ist hierzu nicht in der Lage. Da die westliche Ernährung nur sehr wenig MK-7 enthält ist eine Ergänzung der Ernährung für eine optimale Unterstützung der Knochengesundheit notwendig. Vitamin K2 und Arteriosklerose: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nummer eins weltweit. Schätzungsweise 17,3 Millionen Menschen starben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2008. Das entspricht 30 % aller Todesfälle. Anteilig starben schätzungsweise 7,3 Millionen Menschen aufgrund von koronarer Herzkrankheit und 6,2 Millionen Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls. Arterienverkalkung ist

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Ernährung / Prävention

ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen. MGP ist eine wichtige Hemmsubstanz der Gefäßverkalkung, sofern es eine Aktivierung durch Vitamin K2 erfährt. Hohe Konzentrationen von inaktiven MGP im Blut korrelieren mit einem erhöhten Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien haben nun gezeigt, dass eine konstante Aufnahme von MK-7 (32 µg/Tag) Arterienverkalkung vorbeugen und sogar reduzieren kann und so zu einer Verringerung des Risikos beiträgt, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken oder zu sterben. MK-7 ist anderen Formen von Vitamin K hinsichtlich der Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit überlegen Ein Naphthochinon-Ring bildet die Grundstruktur aller Vitamin-K-Verbindungen. Diese unterscheiden sich in ihren Seitenketten voneinander. Menachinone werden anhand der Länge Ihrer Seitenketten differenziert. MK-4 verfügt über vier und MK-7 über sieben Isoprenoideinheiten. Die Seitenkette muss in trans-Konfiguration vorliegen, damit dass Vitamin eine biologische Aktivität im Körper entfalten kann. Alle K-Vitamine wirken in der gleichen Weise durch die Aktivierung der sogenannten Gla-Proteine. Allerdings gibt es große Unterschiede in der Absorption, dem Transport im Blut und in der Gewebeverteilung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Vitamin K1, Vitamin K2 MK-4 und MK-7 sind die stark unterschiedlichen Halbwertzeiten. Alle diese Vitamine werden in Gegenwart von Fett effizient absorbiert, jedoch reduziert sich die Konzentration von sowohl MK-4 als auch Vitamin K1 im Blutkreislauf sehr schnell nach der Aufnahme. Der Grund ist die kurze Halbwertzeit von MK-4 und Vitamin K1 von ca. 1 bis 2 Stunden. MK-7 dagegen hat eine sehr viel längere Halbwertzeit von 2 bis 3 Tagen. Andere Menachinone wie MK-9 haben eine lange Halbwertzeit, werden aber nicht so effizient absorbiert und die Fähigkeit, als ein Co-Faktor bei der Aktivierung der genannten Proteine zu agieren, ist viel niedriger im Vergleich zu MK-7, MK-4 und Vitamin K1. Es wurde nachgewiesen, dass nur wenig MK-4 über den Darm aufgenommen werden kann, ohne dass ein hoher Fettgehalt vorliegt. Für die Absorption von MK-7 wird deutlich weniger Fett benötigt. Nach der Aufnahme durch den Darm gelangen K-Vitamine in die Leber, wo die Hauptfunktion von Vitamin K1 (Phyllochinon) die Aktivierung von Blutgerinnungsproteinen ist. Menachinone spielen dagegen eine wichtige Rolle außerhalb der Leber wie in Knochen und Arterien. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass MK-7 hinsichtlich der Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit überlegen ist. Gründe sind die überragende Bioverfügbarkeit sowie die besonders lange Halbwertzeit, welche die Aktivierung von Gla-Proteinen (wie MGP in Arterien und Osteo-

calcin in Knochen) auch bei geringer Aufnahme über einen langen Zeitraum sicherstellt. Durch die lange Halbwertzeit ist eine einzige Tagesdosis MK-7 für eine optimale Versorgung mit Vitamin K2 ausreichend. Auswahl geeigneter Rohstoffe Um sicherzustellen, dass von der gewünschten Dosierung (EFSA: 75µg/Tag) eine korrekte Darreichung von biologisch aktivem MK-7 erfolgt, ist die Auswahl des richtigen Rohstoffs von besonderer Bedeutung. Es existieren zwei Methoden zur Herstellung von MK-7: der Fermentationsprozess und die organische Synthese. Zur Gewinnung des in der Natur vorkommenden Moleküls gilt es in beiden Verfahren Verunreinigungen zu vermeiden und ausschließlich biologisch aktive Moleküle in trans-Konfiguration zu erhalten.

Vitamin K2 aus dem Fermentationsprozess enthält neben MK-7 auch andere Menachinone wie MK-4, MK-5 und MK-6 und je nach Qualität des Fermentationsprozesses auch Verunreinigungen durch Lösungsmittel oder prozessrelevante Substanzen. Außerdem weisen in Fermentation hergestellte MK-7 einen inkonstanten Anteil biologisch wenig bis vollständig inaktiver Moleküle in cis-Konfiguration auf. Bei der Verwendung von MK-7 aus Fermentation sollte daher je Rohstoffcharge eine Bestimmung des Gehaltes an cis-MK-7-Isomeren (C-30 HPLC) erfolgen, um die Dosierung der gewünschten Zielmengen des biologisch aktiven Materials sicherzustellen.

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Nutrition-Press

Bei der Herstellung durch organische Synthese (aus pflanzlichen Ausgangstoffen) sind Verunreinigungen nicht zu erwarten. Zudem kann bei diesen Produkten, sofern es sich um sogenannte all-trans-MK-7 handelt, auf die Bestimmung des Gehaltes an cis-MK-7-Isomeren verzichtet werden, da die Moleküle dieser Produkte herstellungsbedingt nur in trans-Konfiguration auftreten. Eventuell vorhandene Anteile an anderen Menachinonen werden meist mit kleiner 2 % spezifiziert und liegen typisch bei 0,5 % bis 1,0 %; also deutlich unterhalb der Werte, welche bei Vitamin K2 MK-7 aus Fermentation zu erwarten sind.

Mona Møller, PhD, MSc (Biotechnologie) CSO Kappa Bioscience AS, Oslo

Neben der Reinheit ist die Stabilität ein weiteres beachtenswertes Kriterium bei der Rohstoffauswahl. Als fettlösliches Vitamin wird die Stabilität von MK-7 durch Licht, Druck, hohe Temperaturen, Reibung und besonders saure bzw. besonders basische Umgebung beeinträchtigt. Insbesondere bei der Verwendung von MK-7-Produkten zur Herstellung von Tabletten ist daher darauf zu achten, dass ein Produkt mit doppelter Mikroverkapselung zum Einsatz kommt. Nachweise über die langfristige Stabilität, auch im Anschluss an die Verpressung zu Tabletten, sollten für den Rohstoff vorhanden sein. Zusammenfassend bietet ein MK-7 aus organischer Synthese aufgrund der spezifizierten Reinheit den einfachsten Weg zur Dosierung der angestrebten Tagesmenge. Zur stabilen Anwendung in Tabletten sollte dieser Rohstoff zudem über eine doppelte Mikroverkapselung verfügen.

Jörg Büttinghaus, Diplom-Kaufmann (FH) Managing Partner ppm. Ingredients KG, Hamburg

Vitamin

Hauptfunktion

Absorption

Vitamin K1

Blutgerinnung

hoch

Phyllochinon Vitamin K2

Menachinon-4 Vitamin K2

Menachinon-6 Vitamin K2

Menachinon-7 Vitamin K2

Menachinon-9

Halbwertzeit

Gla-Co-Aktivierung

kurz

gering

1-2 Stunden

Knochen Herz-Kreislauf

hoch

Knochen Herz-Kreislauf

hoch

Knochen Herz-Kreislauf

hoch

Knochen Herz-Kreislauf

gering

kurz

gering

1-2 Stunden

kurz

gering

1-2 Stunden

lang

hoch

72 Stunden

lang

gering

72 Stunden

Rezepturen Knochen-Präparate (Nahrungsergänzung) beinhalten typischerweise 800 mg Kalzium (aus Kalziumkarbonat, Kalziumzitrat oder Rotalgen-Kalzium) sowie 5 µg Vitamin D3 (Cholecalciferol) und sollten nach den vorhandenen Erkenntnissen um 75 µg Vitamin K2 MK-7 ergänzt werden. Diese Wirkstoffe können idealerweise in Produktkonzepten zu 1 bzw. 2 Tabletten pro Tag hergestellt werden und mit den bereits von der EFSA für diese Rohstoffe zugelassenen Health Claims zur Knochengesundheit versehen werden: „contributes to maintenance of normal bone health“. Herz-Kreislauf-Präparate: Obwohl Vitamin K2 Arterienverkalkung vorbeugt und diese nach aktuellen Erkenntnissen ggf. partiell reduzieren kann, hat die EFSA bisher noch keinen Health Claim hierzu veröffentlicht. Es wird daher empfohlen, Vitamin K2 in Kombination mit Nahrungsergänzungsmitteln zur Aufrechterhaltung der Herz-Kreislaufgesundheit zu verwenden. Hierfür eignen sich beispielsweise Kombinationen aus Vitamin K2 mit Omega-3 Fischöl, Resveratrol, Grünteeextrat, Folsäure, Hydroxytyrosol und Vitamin B1.

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Betaglucane sind komplexe Kohlenhydrate Betaglucane sind Polysaccharide (komplexe Kohlenhydrate), die meistens aus Hefe (Saccharomyces) gewonnen werden. Es sind wasserlösliche Faserstoffe, die enorm quellfähig sind und auf dem Weg durch den Körper viele Schadstoffe und uner wünschte Mikroben aufnehmen und sie aus dem Organismus befördern. Sie können auch aus Hafer­ und Gerstenkleie sowie aus Pilzen wie Reishi und Shiitake stammen.

F

orscher haben in umfangreichen Studien herausgefunden, dass sie das Immunsystem stärken. Sie steigern die Fähigkeit der Makrophagen, gegen die in den Körper eindringenden Parasiten, Pilze, Bakterien und Viren zu kämpfen. Das Besondere an den Beta-Glucanen ist der Umstand, dass sie das Immunsystem stützen, ohne es übermäßig anzuregen. Das ist von großem Vorteil für Menschen mit Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem überschießende Reaktionen zeigt. Natürliche Stärkung der Abwehrkräfte Polysaccharid wird aus den Zellwänden der Bäckerhefe gewonnen. Beta-Glucan aktiviert die wichtigsten Immunzellen unseres Körpers: die Makrophagen. Die Makrophagen zirkulieren in unserem ganzen Körper und bekämpfen Viren, Bakterien, Pilze, Krebszellen und andere potentielle Schädlinge. Die Stärke unseres Abwehrsystems steht in direktem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit der Makrophagen.

Orthomolekular-Mediziner setzen den Immun-Nährstoff vor allem zur Kontrolle viraler Infektionen ein, darunter HIV. Manche dieser Viren, z. B. Herpes-Viren, sind bei vielen Menschen (latent) nachzuweisen und nur ein geschwächter Abwehrstatus führt dazu, dass diese Viren virulent werden. Ähnliches gilt übrigens für den Epstein-Barr-Virus, der als Auslöser des Chronischen-Müdigkeits-Syndroms gilt, von dem leider immer mehr Menschen betroffen sind. Die erste und wichtigste Gegenmaßnahme liegt hier, wie auch bei der Abwehr chronischer Infektionen oder Hefe-Pilz-Infektionen in der Stärkung des körpereigenen Immunsystems. Bei Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass BetaGlucan einen starken Schutz vor Strahlenschäden bietet. Wenn sich diese Beobachtungen auch am Menschen bestätigen, könnte dies eine wichtige Hilfe für Krebs-Patienten sein, die sich einer Strahlenbehandlung unterziehen müssen. Aber vor allem können auch die Gesunden von den immunstärkenden Eigenschaften des Beta-Glucans profitieren. Leistungssportler zum Beispiel sind starkem oxidativen Stress ausgesetzt, der ihr Immunsystem schwächt und sie für Infektionen anfällig macht. Und auch ältere Menschen sollten sorgfältig auf den Erhalt der natürlichen Abwehrkräfte achten, denn mit fortschreitender Lebensdauer nimmt die Stärke des Immunsystems ganz natürlich ab und bedarf daher einer zusätzlichen Unterstützung. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des www.vitalstoff-journal.de

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Nutrition-Press

Klinoptilolith Zeolith (SiO4) als wissenschaftlich erforschte Lösung des Schwermetalldilemmas? Wissenschaftsfundierte Problemdarstellung und nachgewiesener Lösungsansatz Neben Pestiziden, Industriechemikalien, Elektro­ smog und Radioaktivität zählen insbesondere Schwermetalle zu den gesundheitsbedrohlichen Umweltgiften, denen alle Menschen, selbst Ungeborene, ausgesetzt sind. Die hohe kumu­ lative Fähigkeit von Schwermetallen stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar, denn diese erhöht erheblich ihre Toxizität und erschwert zusätzlich die Bestimmung ihrer gesundheits­ verträglichen Grenzwerte. Außerdem weisen sie untereinander und ebenso mit vielen anderen Alltagsgiften eine starke, synergistische Wir­ kung auf das Nerven­ und Immunsystem auf.

I

m Hinblick auf die präventive Gesunderhaltung jedes Einzelnen lenkten die Forschungsergebnisse von SiO4 die Aufmerksamkeit auf dieses Vulkanmineral. So belegt die Studie des Labors im ÖKOMPARK eine erhöhte Absorptionsfähigkeit von SiO4 gegenüber Schwermetallen. Ziel der Studie war es, die invivo-Systeme in vitro nachzustellen und die absorbierende Wirkung der SiO4

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Gesundheitsbelastung

mit den Schwermetallionen quantitativ zu untersuchen. Als Modellsysteme wurden physiologische Lösungen gewählt, die denen der Magensäure bzw. des Zwölffingerdarm-Milieus nahe kommen. Die betrachteten Metallionen waren die von Quecksilber (Hg2+), Blei (Pb2+), Zink (Zn2+), Cadmium (Cd2+) und Eisen (Fe3+). Die Absorptionskurve von Hg zeigt bei einem pH-Wert im Magen (pH = 1,5) gegenüber von pH = 8,1 eine ausgeprägtere Absorption. Der niedrigere Anfangswert bei pH = 8,1 ist durch eine Mitfällung von Hg(OH)2 an ZnPO4 zu erklären. Dagegen zeigen sowohl Pb als auch Cd ein erhöhtes Absorptionsverhalten bei pH = 8,1. Eine Absorption von Zn durch SiO4 findet zu 10 % statt. Ist Albumin anwesend, so ist keine Absorption mehr nachweisbar. Daher kann davon ausgegangen werden, dass SiO4 Zn reversibel bindet und die Absorptionskonstante des SiO4-Zn-Komplexes kleiner ist als die Komplexbindungskonstante des Zn-Alubinium-Komplexes. Andere essentielle Metalle wie Eisen und Mangan werden nicht beeinflusst. 1. Zur Problematik der Schwermetalle Umweltgifte sind anthropogen entstandene Belastungen der Umwelt, die für die Natur und damit auch die Lebewesen schädlich sind. Heutzutage sind wir in einem erheblichen Umfang von gesundheitsgefährlichen Schadstoffen umgeben, wie es nie zuvor in der Menschengeschichte der Fall war. Täglich spucken Weltindustrie und Weltverkehr 12-13 Millionen Tonnen von Chemikalien in die Lufthülle unseres Planeten, was 2 kg Tagesportion für jeden Erdmitbewohner ergibt. (Vgl. Hecht 2011, S. 21) Aus diesem Grund leiden immer mehr Menschen unter schwer zu behandelnden Krankheiten oder Störungen wie Allergien, Immunschwäche und anderen „modernen Erkrankungen“, die im engen Zusammenhang mit den Belastungen der heutigen industrialisierten Umwelt stehen. Die WHO schätzt, dass weltweit ca. 13 Millionen Todesfälle jährlich auf gefährliche Umwelteinflüsse zurückzuführen seien (Vgl. Karstädt 2007, S. 14, ff.) und rund 80 % aller chronischen

Erkrankungen einen Bezug zu Umweltbelastungen haben. (Vgl. Prawda 2011, S.14) Zahlreichen Studien zufolge spielen Schwermetalle – insbesondere Quecksilber (Hg), Blei (Pb) und Cadmium (Cd) bei den schadstoffbedingten Erkrankungen in den meisten Fällen eine große Rolle, indem sie die DNA-Reparaturenzyme blockieren und an der Bindung reaktiver O2 -Moleküle (ROS), Schädigung der DNA-Integrität, Hemmung von DNA-Regulationsproteinen, Hemmung von Tumorsuppressorgenen, Hemmung der Apoptose, Reduzierung der Abwehrkräfte, Anregung des Tumorzellwachstums sowie Verdrängung von Zink, Magnesium und Calcium beteiligt sind. (Vgl. Jennrich 2007, S. 134, 147) Letzteres führt zur Dysmineralose, Gleichgewichtsverschiebung der Mineralien und somit des Elektrolythaushalts, die dadurch entsteht, dass Hg, Pb oder Cd den Platz einnehmen, an dem zur Regulation des Elektrolythaushaltes Mg, K oder Ca andocken sollen. (Vgl. Hecht 2011, S. 36)

(Quelle: Hecht 2011, S. 36)

Die amerikanische Agentur für toxische Substanzen hat in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Umweltschutzbehörde eine Liste der schädlichsten Substanzen für die menschliche Gesundheit erstellt. Dabei ist Pb auf Platz 2, Hg auf Platz 3 und Cd auf Platz 7. (Vgl. Jennrich 2012, S. 27) Alle Schwermetalle verstärken einander in ihrer Wirkung. Auffällig ist dieser Synergismus vor allem bei Pb und Hg bei einer Einwirkung vor allem am gleichen Angriffspunkt. (Vgl. Daunderer 2005, S. 28) Da die Grenzwerte der Arbeitsmedizin auf eine einzige Substanz bezogen sind, werden nicht nur die kumulativen Fähigkeiten, sondern vor allem die synergistische Wirkung verschiedener Metalle unter einander und mit weiteren Schadstoffen absolut ignoriert, was erhebliche, gesundheitsgefährliche Risiken mit sich bringt. Aufgrund dieser ernst zu nehmenden gesundheitlichen Bedrohung werde ich im Folgenden das Vorkommen sowie die toxische Einwirkung von Hg, Pb und Cd erläutern, denn diese stellen ein beträchtliches Gesundheitsrisiko für den Menschen dar.

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Nutrition-Press

2. Vorkommen und Toxizität von Hg, Pb und Cd Hg ist in Ökosystemen ubiquitär vertreten und besitzt die Fähigkeit, bei Raumtemperaturen in flüssigem Aggregatzustand vorzuliegen sowie einen hohen, für den Menschen giftigen Dampfdruck auszuüben. Es liegt als metallisches Quecksilber (Hg0), anorganische Hg-Ionen (Hg+ und Hg2+) oder organische Hg-Verbindung (CH3Hg+) vor. (Vgl. Mutter 2002, S. 26) Alle drei Hg-Spezies sind toxisch, wobei die Toxizität vom metallischen Hg über anorganische zu organischen Hg-Verbindungen hin zunimmt. Hg wirkt erbgutverändernd. (Vgl. Daunderer 2005, S. 167) Vor allem organische Hg-Verbindungen können aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaften leicht Biomembranen durchdringen und so in Organismen – insbesondere im zentralen Nervensystem (ZNS) – extrem toxisch wirken. Die Hg-Ionen diffundieren durch die Plazenta und führen beim Ungeborenen zu Hirnschäden. Hg überwindet auch die BlutHirnschranke und lagert sich an der Hypophyse ab, was zur Schädigung des ZNS führen kann. Wenn Hg über den Magen auch in den Darm gelangt, kann dies zu Methylquecksilberintoxikation führen, die Immundepressionen mit wahrscheinlicher Begünstigung von Tumorbildung haben kann. (Vgl. Prawda 2011, S. 71) Hg ist der Hauptbestandteil von Thiomersal, das als Konservierungsmittel in den Impfstoffen verwendet wird 1. Die häufigste Alltagsquelle für eine Hg-Vergiftung stellen allerdings die Amalgamfüllungen dar. 50 % der Amalgamfüllungen bestehen aus elementarem, flüssigem Hg und 50 % aus Silber, Zinn, Kupfer und Zink.

(Quelle: Mutter 2002, S. 23)

(Quelle: Mutter 2002, S. 16)

1

Eine im Juni 2006 veröffentlichte Studie in den USA zeigt, dass seit der Entfernung von Thiomersal aus Impfstoffen die Neuentstehung von Entwicklungsstörungen des ZNS deutlich abgenommen hat. (Vgl. Jennrich S. 44)

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Zellversuche zeigten, dass Amalgam mehrfach toxischer als andere Schwermetalle und 100- bis 800-fach giftiger als die giftigsten Kunststoffbestandteile ist. (Vgl. Mutter 2012, S. 29) Hg aus Amalgam wird freigesetzt und aufgenommen als anorganische Hg-Ionen, metallisches Hg und Amalgampartikel aus Abrieb. Über drei Wege gelangt Hg aus Amalgamfüllungen in Blut und Gewebe: 1) Direktes Eindringen in die Zahnsubstanz 2) Lösen der Amalgambestandteile im Speichel, Hinunterschlucken und Aufnahme aus dem Darm ins Blut und 3) Einatmen dampfförmiger Amalgambestandteile – Aufnahme über den Lungenkreislauf. (Vgl. Mutter 2002, S. 23) Auffällig hohe kumulative Fähigkeit von Hg aus dem Amalgam bestätigen Ergebnisse zahlreicher Studien, u. a. einer Studie an Affen, die selbst nach der Amalgamentfernung den Anstieg der Hg-Konzentration in Gehirn, Rückenmark und Niere bestätigt. (Vgl. Mutter 2002, S. 32) Diese erhöht die toxische Gefahr von Hg und erschwert erheblich die Bestimmung „sicherer“ Grenzwerte.


Gesundheitsbelastung

Pb ist eines der ältesten Gebrauchsmetalle, das vor allem für seine Anwendung in den Bleirohren bekannt ist. Es ist ein Schwermetall ersten Ranges, da es weitverbreitet in der Umwelt vorkommt. (Vgl. Jennrich 2007, S. 79) Besonders belastet sind Luft und Erde im Umkreis viel befahrener Straßen, da Benzin lange Tetraethylblei als Antiklopfmittel zugefügt wurde. Auch Zigarettenrauch führt zu einer zusätzlichen Pb-Belastung. (Vgl. Mutter 2012, S. 74) Heute wird Pb hauptsächlich zur Herstellung von Akkumulatoren und Munition verwendet. Wie Hg ist auch Pb ein neurotoxisches Metall, das im Gehirn, in bestimmten Organen und in Knochen akkumuliert. (Vgl. Biesalski, Bischoff, Puchstein 2010, S. 202) Daher stellen sowohl Hg als auch Pb ein starkes Blut-, Nerven- und Nierengift dar. Bereits geringste Spuren führen bei ständiger Aufnahme zur Beeinträchtigung der Blutbildung und Schädigung des ZNS. Pb reichert sich überall im Organismus an, besonders in Leber, Nieren, im Knochenmark, in den Knochen und Zähnen. Krankheitszeichen treten bereits bei Konzentrationen von 1 µg/ml im Blut auf. Zusammen mit Hg ist Pb in der Lage, die Plazentaschranke zu überwinden und zur Embryoschädigung zu führen. (Vgl. Daunderer 2005, S. 81, ff.) Die gesundheitliche Gefahr vor Pb unterstreicht eine 2006 in New Orleans veröffentlichte Studie, die bestätigt, dass schon Blutbleiwerte über 20 µg/l, die weit unterhalb der anerkannten Grenzwerte von 100 µg/l liegen, zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Erkrankungen führen können. (Vgl. Mutter 2012, S. 74) Pb hat eine Halbwertszeit von 20 Jahren oder mehr. Cd ist neben Hg eines der gefährlichsten Schwermetalle, dessen Halbwertszeit 30 Jahre beträgt. Seine erbgutverändernde (Vgl. Daunderer 2005, S. 86) und krebserzeugende Wirkung ist unbestritten. Es kommt in unserer Nahrungskette wie Meeresfrüchten oder in Nickel-Cadmium-Akkus, Kunststoffen und Zigarettenrauch vor. Neue Cd-Belastungen entstehen heute fast nur noch durch Verbrennungen von Braun- und Steinkohle. In fast allen Alltagsprodukten ist es inzwischen verboten. (Vgl. Daunderer 2005, S. 85) Bei Menschen liegen die Cd-Konzentrationen heute 10 -100 Mal höher als vor etwa 50 Jahren. (Vgl. Prawda 2011, S. 71) Bei längerem Kontakt mit Cd ist dieses Schwermetall in der Lage, bereits in geringen Mengen, das Calcium aus den Knochen zu vertreiben, es zu ersetzen und somit das Elektrolytgleichgewicht zu schädigen. (Vgl. Daunderer 2005, S. 71) Die medizinische Zeitschrift „The Lancet“ bringt 1976 im Rahmen einer Studie Cd in Verbindung mit hohem Blutdruck. Blutuntersuchungen ergaben, dass bei Patienten mit Bluthochdruck im Vergleich zu gleichaltrigen Patienten mit normalem Blutdruck der Cd-Spiegel mehr als 3 Mal so hoch war. (Vgl. Jennrich 2007, S. 99)

3. Wissenschaftliche Befunde zur biophysikalischen Absorptionsfähigkeit von Klinoptilolith Zeolith mit Hg2+, Pb2+, Cd2+, Zn2+ und Fe3+ Klinoptilolith Zeolith besteht aus einer mikroporösen Gerüststruktur von AlO4- und SiO4-Tetraedern. Dabei sind Aluminium- und Siliziumatome untereinander durch Sauerstoffatome verbunden. In diesen festen SiO4-, AlO4-Kristallgittern befinden sich austauschbare Kationen wie Ca, Mg, Na, K u. a. im Verbund mit Kristallwasser (nicht freies H2O). (Vgl. Hecht 2009, In: OM & Ernährung, 128, S. 8)

(Quelle: Hecht 2011, S. 21)

Nicht austauschbar sind die Al-Atome, die fest in das Gitter eingebaut sind und sich chemisch wie Si-Atome verhalten. Daher ist eine Al-Belastung über SiO4 ausgeschlossen. (Vgl. Kühni 2012, S. 17) Das Kristallgitter von SiO4 enthält offene Hohlräume in Form von Käfigen und Kanälen, die Stoffe absorbieren können. Die Käfige sind so groß, dass zusätzliche Atome oder Moleküle in das Kristallgitter mit aufgenommen werden können. Auf diesem Mechanismus ist die große, entgiftende Absorptionskraft der SiO4 zurückzuführen. (Vgl. Kühni 2012, S. 17) Das SiO4 Modell zeigt sehr enge Poren, durch die nur kleine Moleküle eindringen können.

(Quelle: Gies; Marler 2004, S. 16)

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Nutrition-Press

SiO4 weist biochemische und vor allem biophysikalische Eigenschaften auf. Dies macht SiO4 zu einem Absorbenten, denn durch ihre hohe Ionenaustauschfähigkeit können ihre freien Kationen (Na+, K+, Ca+, Mg+) abgegeben und andere Metallionen (Ag+, Ba2+, Cd2+, Co3+, Cr3+, Cs+, Cu2+, Fe2+, Hg2+, Li+, Pb2+, Rb, Sr2+, Zn) dank der physikalischen Kräfte in das Kristallgitter hineingezogen sowie anschließend über den Darm ausgeschieden werden, ohne über die Darmwand zurück absorbiert zu werden. Die im Kristallgitter freigesetzten Ionen können dank der Resorptionsfähigkeit von SiO4 nun im Organismus an den Rezeptoren andocken und die Dysminerolose beseitigen. (Vgl. Hecht 2009, In: OM & Ernährung, 128, S. 5)

Quelle: Hecht 2011, S. 101)

So „aufgeladen“ kann SiO4 die Schwermetallionen Hg2+, Pb2+ und Cd2+ aus dem Körper entfernen, was in der folgenden Studie empirisch belegt wurde. (Quelle: Hecht 2011, S. 37)

Dabei ist, wie die Forschungsergebnisse von Nikolajev und Mayanskiy (1997) darstellen, der Zermahlungsgrad von SiO4 ausschlaggebend für ihre Wirksamkeit. Sie belegen dies dadurch, dass in SiO4 befindliche Kationen auch eine stabile Struktur mit negativ geladenen Plyanionen besitzen, die mit H2O-Molekülen umgeben sind. Beim Zermahlen werden diese stabilen Ionenkristallverbindungen von alkalischen und erdalkalischen Kationen sowie von negativ geladenen Polyanionen zerrissen. Ein Teil dieser „Ionenzentren“ bleibt auf der Oberfläche dieser zermahlenen SiO4-Teilchen haften. Aus ihnen bildet sich eine bioaktive Oberfläche und verleiht der SiO4 die detoxizierende Wirkung. (Vgl. Hecht 2011, S. 100, ff.) Der ideale Phasenzustand von SiO4 soll < 100 nm betragen, wodurch das große Bindungsvermögen und eine große Oberflächenspannung gewährleistet werden. (Vgl. Hecht 2011, S. 74, ff.) Ebenso soll das Verhältnis von Al zu Si 1:4 stehen. (Vgl. Hecht 2011, S. 96) Nun besitzt SiO4 wegen des erhöhten Gehalts an Si-Tetraedern die Fähigkeit, ebenfalls in Ionenaustausch zu treten, nämlich SiO2 abzugeben und kolloidales SiO2 zu bilden. Mit Erhöhung des sauren Milieus, z. B. Senkung des pH-Werts im Magen, können auch die im Gitter fest fixierten Kationen von Al und Si in den Absorptions-Ionenaustauschprozess eintreten. Dabei wird der AlO4-Tetraeder des Al neutralisiert und durch H2O+-Ionen in die hydratisierte Form am Si-Tetraeder ersetzt.

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4. Studie des Labors im ÖKOMPARK zur Absorptionsfähigkeit von SiO4 gegenüber Schwermetallen Im Hinblick auf die zunehmende Schwermetallbelastung und präventive Gesunderhaltung jedes Einzelnen lenkten die Forschungsergebnisse von SiO4 die Aufmerksamkeit auf dieses Vulkanmineral. So belegt die Studie des Labors im ÖKOMPARK eine erhöhte Absorptionsfähigkeit von SiO4 – Korngröße 1 µm bis 10 µm – gegenüber Schwermetallen. Ziel der Studie war es, die invivo-Systeme in vitro nachzustellen und die absorbierende Wirkung der SiO4 mit den Schwermetallionen quantitativ zu untersuchen. Als Modellsysteme wurden physiologische Lösungen gewählt, die denen der Magensäure nahe kommen. Die untersuchten Metallionen waren die von Quecksilber (Hg2+), Blei (Pb2+), Zink (Zn2+), Cadmium (Cd2+) und Eisen (Fe3+). Die Absorption von essentiellen Schwermetallen wurde in einer Lösung mit Zink, Eisen und Mangan geprüft, wobei die Elemente neben einander vorlagen.


Gesundheitsbelastung

4.1 Ergebnisse Die Absorptionsfähigkeit von SiO4 gegenüber Hg wurde mit einer 60 ppm Lösung bei den pH-Werten von 1,5 und 8,1 in physiologischer Lösung durchgeführt. Die Absorptionskurve von Hg zeigt bei einem pH-Wert im Magen (pH = 1,5) gegenüber von pH = 8,1 eine ausgeprägtere Absorption. Im pH-Wert 1,5 ist sichergestellt, dass die Absorption von Hg alleine durch die SiO4 bewirkt wird. Eine Reduktion von Hg im Körper um 60 % ist dadurch ermöglicht. Der niedrigere Anfangswert bei pH = 8,1 ist durch eine Mitfällung von Hg(OH)2 an ZnPO4 zu erklären.

Studienbefund zur Absorption von Cd

Cd wurde in einer 850 ppm Lösung untersucht. Die obige Abbildung zeigt das Absorptionsverhalten von Cd. Eine Absorption findet erst bei pH-Wert von 8,1 statt und der niedrigere Anfangswert wird durch eine Mitfällung von Cd(OH)2 an ZnPO4 erklärbar.

Studienbefund zur Absorption von Hg

Untersucht wurde die physiologische Lösung mit 9 ppm Zn, 12,5 ppm Fe und 2,5 ppm Mn. In nennenswertem Umfang wird nur Zn bei einem pH-Wert von 8,1 als ZnPO4 gefällt. Daher wurde die Absorption von Zn in einer phosphatfreien Lösung (sonst wie oben) erneut untersucht. Es werden etwa 10 % des vorhandenen Zn gebunden. Da Zn im Körper als Zn-Albumin-Komplex

Pb wurde in einer 850 ppm Lösung untersucht. Eine Absorption von Pb findet erst bei pH-Wert von 8,1 statt. Die niedrigere Pb-Anfangskonzentration ist durch eine Mitfällung von Pb(OH)2 an ZnPO4 erklärbar, allerdings ist auch eine deutliche Abnahme der Pb-Konzentration durch SiO4 erkennbar.

Studienbefund zur Absorption von Zn (pH von 1,5)

Studienbefund zur Absorption von Pb

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Nutrition-Press

Studienbefund zur Absorption von Zn (pH von 8,1)

Strahinja Tomic Doktorand der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Sportmedizin

verarbeitet wird (Vgl. Kruse-Jarres 1991, S. 15, ff.), wurde eine weitere Untersuchung des Absorptionsverhaltens von Zn in phosphatfreier Lösung unter Anwesenheit von Albumin (0,1 %) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass unter Vorhandensein des Zn-Carrierproteins Albumin, SiO4 nicht in der Lage ist, Zn zu binden. Aufgrund der Studienergebnisse kann eine genaue Messung zur SiO4-Affinität zu Schwermetallionen wie folgt definiert werden: Pb pH=8,1 > Cd pH=8,1 > Hg pH=1,5 >> Zn pH=8,1 > Fe, Mn.

Fazit Die wissenschaftsfundierten Aussagen über Absorptionswirkungen der SiO4 gegenüber den Schwermetallionen Hg, Pb und Cd ist unumstritten. Die SiO4-Wirkung vollzieht sich zwar im gesamten Verdauungstrakt, ihre hauptsächliche Wirkung entfaltet sie allerdings im Darmtrakt, in dem die Metallionen2 gebunden und ausgeschieden werden können. Dadurch werden alle Entgiftungsorgane entlastet, insbesondere die Leber und Niere, die infolge dessen ihre Entgiftungskapazitäten für andere Stoffwechselgifte nutzen können. Basierend auf ihrem Ionenaustauschprinzip kann davon ausgegangen werden, dass es ebenso zur Resorptionsfähigkeit von SiO4 kommt, wodurch an Stelle der biophysikalisch entrissenen Metallionen lebensessentielle Mineralien platziert werden und somit auch der Elektrolythaushalt positiv unterstützt wird. Da die SiO4 allerdings mit ihrer Wirkung nicht in der Lage ist, die Bluthirnschranke zu beeinflussen, sind die dort befindlichen Schwermetallionen von dieser Wirkung ausgenommen. Einige wissenschaftsfundierte Studienergebnisse legen allerdings nahe, dass es diesbezüglich umsetzbare Methoden gibt, die ich in einer der kommenden Ausgaben näher thematisieren werde.

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Wirkungsspektrum von SiO4 erstreckt sich auf zahlreiche weitere Schadstoffe. In den kommenden Publikationen werde ich darauf näher eingehen.

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Zunahme an Brusttumoren – Prävention ist nicht bekannt und alternative Therapien werden nicht vermittelt In dem folgenden Übersichtsartikel soll versucht werden, das Augenmerk weniger auf neue Techniken der medizinischen Diagnos­tik im Rahmen der Erkennung von Brustkrebstumoren zu lenken. Vielmehr sollen die Fakten beim Namen genannt werden, die in den letzten 20 Jahren maßgeblich dazu beigetra­ gen haben, dass Brustkrebserkrankungen mittlerweile ein fast endemisches Ausmaß eingenommen haben. Dieser Zunahme setzt die konventionelle Schulmedizin nur immer mehr ausge­ feiltere Techniken im Rahmen der Früherkennung ohne eigent­ liche neuere therapeutische Optionen entgegen.

N

eben den im Rahmen wissenschaft­ licher Studien eindeutig identi­­fi­­zie­­ rten Xenobiotika als Auslöser, sollen nicht nur die Mög­ lichkeiten der Prävention, sondern auch die Op­­tio­nen im Rahmen einer alternativen Therapie an­­­ge­sprochen werden, die nach strengen wissen­schaft­

lichen Standards in Studien ihren therapeutischen Wirkeffekt bei Brustkrebszellen unter Beweis gestellt haben. Schlüsselwörter: Brustkrebs, Xenobiotika, toxische Be­lastungen, Lebensmittel, alternative Therapie­ optionen, Mammographie.

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Hat mittlerweile die Brustkrebserkrankung bei der Frau den 2. Rang aller Todesfolgen erreicht, wird trotzdem eine effektive Prävention nicht angeboten. Auch die stark propagierte regelmäßige Mammographie, ein Untersuchungsverfahren um den Tumor rechtzeitig zu entdecken (Screening), soll als Option zur Früherkennung des Brustkrebses angeblich sogar präventiven (vorbeugenden) Charakter haben, weil zielsetzend hierdurch eine Frühdiagnostik die Überlebensrate respektive einen Befall der regionären Lymphknoten verhindert. Nach einer großangelegten Untersuchung, konnte die Mammographie die Todesrate nur bei einer Patientin von insgesamt 1000 Brustkrebspatientinnen verhindern1 und wurde in > 90 Prozent der Untersuchungen in den Jahren 1976 -2008 ein falsch positives Ergebnis diagnostiziert2. Bestimmt wurde hierbei die Häufigkeit von entdeckten Mammakarzinom im Frühstadium (sog. ductales Karzinom in situ mit umschriebener Erkrankung) und die Häufigkeit von Spätstadien (regionale Erkrankung und entfernter Lymphknotenbefall) bei Frauen im Alter von 40 Jahren und älter, die sich einer jährlichen Mammographie unterzogen hatten. In anderen Worten: 2.500 Frauen müssten sich über 10 Jahre lang regelmäßig einer Mammographie unterziehen, um nur einen krebsbedingten Todesfall zu verhindern! Dies ist mehr als ernüchternd und bestätigt, dass die heutige Medizin weit von einer Prävention entfernt ist. Somit rettet die so propagierte Mammographie, trotz landläufiger Meinung, kaum Leben und noch weniger verhindert das Verfahren, diese bedrohliche Erkrankung überhaupt zu bekommen. In einer epidemiologischen Studie über die Jahre 1976 -2008 konnte im Rahmen der Mammographie nicht festgestellt werden, welche der Tumoren maligne sind, bis zur 31 Prozent sehr langsam wachsende Tumoren sind, die nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung geführt hätten, bis zu 1,3 Millionen Frauen in den letzten 30 Jahren und selbst im Jahre 2008 > 30.000 Fälle eine Überdiagnose mit anschließender unnötiger Therapie wie Operation und Chemotherapie anheim fielen2. In einer Cochrane Analyse3 wurde schon vor 10 Jahren festgestellt, dass die Mammographie oft zu

unnötigen Therapien geführt hatte und bis zu 20 Prozent der Patienten sich einer unnötigen Mastektomie unterzogen haben. Diese Erkenntnisse haben sich auch in den von einer vom Arbeitskreis Mammographie herausgegebenen Empfehlungen niedergeschlagen, in denen festgestellt wird, dass die Risiken eines jährlichen Screening bei weitem die entstehenden Nachteile (wie z. B. eine fast 60 Prozent falsch positive Beurteilung) übertreffen 4. Zwar wird konstant weiter behauptet, dass die Mammographie eine „lebensrettende“ Untersuchungsform darstellt und sich hierdurch die Todesrate um 15 Prozent bis 25 Prozent reduzieren lässt. Nur leider basieren diese Ergebnisse auf Studien, die vor Jahrzehnten gemacht wurden und heutzutage keine Aktualität mehr haben1. Denn ist die Diagnose eines Brusttumors erst einmal gestellt, so kann zwar Operation und Chemotherapie mit einer daran sich anschließenden Bestrahlung die Überlebensrate in den meisten Fällen nur um zwei Jahre verlängern – aber zu welchem Preis: Haarausfall, chronische Nervenschmerzen, Abgeschlagenheit, chronische Müdigkeit, Benebeltsein, Übelkeit/Erbrechen, Schlaflosigkeit sowie Konzentrationsschwäche. Symptome die im angloamerikanischen Sprachgebrauch schon unter dem schönen Syndrom „Chemobrain“ eine eigene Krankheitsbezeichnung erlangt haben5. Tenor eines bekannten Krebsspezialisten: „Oftmals ist es doch so, dass eine achtwöchige Chemotherapie zu einer Verlängerung der Überlebenszeit von nur wenigen Wochen führt. In dieser Zeit leben aber viele Patienten nur für die Statistik, denn es geht ihnen sehr schlecht“, oder, wie die engli-

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sche Zusammenfassung eines Überblickartikels zur Chemotherapie bei allen Krebsformen aufzeigt: Chemotherapy contributes just over 2 percent to improved survival rates for cancer patients (!)6. Und der Krebsspezialist resümiert weiter: In fact, 2 percent should be regarded as chemo‘s ”upper limit of effectiveness“. Kann man dann als Arzt mit gutem Gewissen der Patientin sagen, dass die Ergebnisse mit zwei Oestrogenrezeptorantagonisten zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebenszeit (dem präspezifizierten Endpunkt) von nur 41,3 auf 47,7 Monate führte? Die Patientinnen gewannen somit ein halbes Jahr an Lebenszeit, ein Ergebnis, das in dieser Patientinnengruppe seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in einer klinischen Studie (!) beobachtet wurde. Dem stand jedoch ein Anstieg der Toxizität gegenüber: Die meisten Patientinnen hätten die Therapie, die dauerhaft fortgesetzt werden muss, zwar gut (?) vertragen. Bei 14,7 Prozent gegenüber 12,7 Prozent unter der Monotherapie kam es jedoch zu schweren Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher und unter der Kombinationstherapie waren auch drei Todesfälle zu beklagen 7. Das Fazit hieraus: Chemotherapie hat im günstigsten Fall nur bei 2 Prozent aller Betroffenen Erfolg und es liegen keine gesicherten Daten vor, dass hiermit weder die Erkrankung aufgehalten noch dass dies einen Einfluss auf die allgemeine Überlebensrate mit noch ausreichender Lebensqualität hat 8. Alternative Therapieansätze bei Brustkrebserkrankungen Zielsetzung eines zusätzlichen alternativen Ansatzes ist es deshalb immer, das Immunsystem zu stärken (und es nicht mit Zellgiften zusätzlich zu schwächen), damit die dort entstehende unspezifische und immunspezifische natürliche Killerzell-(NK) Aktivierung 9, und die über tumorspezifische CD8 positiven T-Zellen vermittelte Zytotoxizität sowie eine gegen onkofötale Peptide ausgelöste T-Zellaktivierung in ausreichendem Maße erreicht wird, wodurch sich dann Tumorzellen vernichten und/oder verhindern lassen und sich Tochtergeschwülste weniger festsetzen können. Obgleich die folgenden Optionen einer alternativen Therapie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, so soll hiermit doch verdeutlicht werden, dass auch die Ernährung als Medizin wirken kann (Zitat: „Eure Nahrungsmittel sollen Eure Heilmittel und Eure Heilmittel Eure Nahrungsmittel sein“ – Hippokrates 460 - 370 v. Chr.). Aufgrund der Epigenetik stellten schon vor Jahrtausenden die in Beeren, Früchten, Kräutern und Samen enthaltenen Wirkstoffe im Konzert zusammen eine effektiven Tumorschutz dar, der erst durch die zusätzliche Belastung mit Konservierungsstoffen in der Neuzeit durchbrochen wurde. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass Krebserkrankungen in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte praktisch nicht bekannt sind (Nachweis in archäologischen Ausgrabungen) und bei bis zu

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98 Prozent der Brustkrebspatientinnen die Erkrankung durch eine entsprechende Diät verhindert werden kann. Ist es jedoch zum Ausbruch gekommen, so sollten zumindest die Faktoren eliminiert werden, die einer Tumorausbreitung noch Vorschub leisten: 1. Als erstes sollte jeglicher Zuckerkonsum und insbesondere die in sog. Diätgetränken enthaltene Fruktose verbannt werden, weil Zuckermoleküle selektiv von Krebszellen zum Wachstum genutzt werden und eine Tumorausbreitung insofern noch fördern, indem nach Zuckerkonsum ein hoher Insulinspiegel in Verbindung mit Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren die Tumorzunahme erst recht ankurbeln. So konnte eine eindeutige Beziehung zwischen einem erhöhtem Insulin- und dem Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor (IGF) mit der Inzidenz, ein Brustkarzinom in der Postmenopause zu entwickeln, nachgewiesen werden 10 . Hierbei aktiviert speziell die Fruktose eine Thiamin-abhängige, über den Pentosephosphatweg eingeleiteten Synthese und die für die Proliferation von Krebszellen notwendigen Nukleinsäuren, welche mit einer Harnsäurezunahme einhergeht11. In diesem Zusammenhang sind auch die Daten zu interpretieren, dass glykolytische Proteine vor dem eigentlichen Nachweis eines Östrogen-positiven Brustkarzinoms nachgewiesen werden können 12. 2. Mit Hilfe einer sog. ketogenen Diät soll den Tumorzellen der Treibstoff entzogen werden. Denn wie alle sich schnell teilenden Zellen, benötigen auch die Tumorzelle sehr viel Zucker. Was jedoch sieht man in den Kliniken wie sich Patienten die am Chemotherapietropf hängen, sich parallel ein mit Zucker angereichtes Kuchenstück in den Mund schieben?! Dieser Zucker wirkt dann auf die wuchernden Zellen wie ein Brandbeschleuniger. Deshalb sollten Brustkrebspatienten auch hohe Blutzuckerspitzen vermeiden, um dem Wachstum der Krebszellen entgegen zu wirken. So sind vor allem Süßigkeiten, Kartoffeln oder Nudeln die hohe Blutzuckerspitzen nach dem Essen auslösen, von Krebspatienten zu meiden. Es sollte weiterhin versucht werden, den Blutzuckerspiegel möglichst auf niedrigem Niveau zu halten und die für den Körper notwendige Energie vornehmlich aus Fetten und Eiweiß zu ergänzen, die nicht nur einer krebsbedingten Gewichtsabnahme entgegenwirken, sondern gleichzeitig auch den Krebszellen die Energie zum Wachstum entziehen. Denn wird der Kohlenhydratanteil in der Ernährung stark reduziert, schaltet der Organismus auf ein Notprogramm um und produziert in der Leber sogenannte Ketonkörper, die das Gehirn mit Energie versorgen. Weiterhin blockieren die Ketonkörper die Zuckerverwertung in den Krebszellen und hemmen damit eine rasche Zellteilung. Obgleich ihre Wirksamkeit in kontrollierten Studien noch nicht erwiesen ist, so bietet diese Form der dauerhaften Ernährungsumstellung, unter

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einer intensiven medizinischen Begleitung, immerhin die Aussicht, dass die Patientin selber in das Geschehen eingreifen kann, um zumindest einer Gewichtsabnahme entgegen zu wirken und hilft, die Nebenwirkung einer Chemotherapie besser zu ertragen. Mit 30 Gramm Kohlenhydraten pro Tag, stellt sich die Ketose ein (festzustellen durch einen Urinmeßstreifen aus der Apotheke) und nimmt man weniger als 30 Gramm Kohlenhydrate pro Tag auf, ist dies noch besser. 3. Des Weiteren soll beim Krebs eine Nährstoffaufteilung vornehmlich aus 30 Prozent Eiweiß und bis zu 70 Prozent Fett bestehen. Dieser Aufwand lohnt sich, denn wer sich entsprechend ernährt und sich dazu noch viel bewegt, hat größerer Chancen im Kampf gegen die Auszehrung. Generell gilt, dass möglichst fette Speisen am besten vor der Auszehrung schützen, wobei hochwertiges Eiweiß der Muskulatur zugute kommt und der Krebspatient dagegen alles Süßes, Speisen aus Mehl und Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln, gezuckerte Säfte, Hülsenfrüchte, auch süßes Obst, Alkohol, Süßigkeiten und Chips strikt meidet. Dagegen sollen alle Fette insbesondere die mit hochwertigen Anteilen an Omega-3 Fettsäuren (enthalten in Hanf-, Kokosnuss- und Argan- und rotes Palmöl) mit seinen mittelkettigen Fettsäuren verwendet werd en13.. Dieser im Rahmen einer sog. ketogenen Diät führt dazu, dass Krebszellen nicht mehr die Eigenschaft normaler Zellen inne habe, statt Glucose Ketonkörper zum Wachstum zu nutzen. Die Folge ist ein „Aushungern“ der Krebszellen14. In diesem Zusammenhang ist auch das in der Budwig Diät kaltgepresste Leinöl erwähnenswert, welches im Konzert mit Quark oder Hüttenkäse unter Zusatz von Sauerkraut, Obst und Nüssen (jedoch


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keine Erdnüsse), sowie Gemüse verzehrt werden sollte, damit die Krebszelle wieder in einen oxydativen Zustand gebracht wird 15. 4. Nicht zu empfehlen ist der in diesem Zusammenhang angestrebte totale Zuckerverzicht, durch die Zuckerersatzstoffe wie z. B. Cyclamat und Aspartam zu ersetzen, weil bei regelmäßigem Konsum dieser Stoffe es nachweislich zu einer höheren Rate an Leukämie, multiplem Myelom und Non-Hodgkin Lymphom kommt 16. Nicht zu vergessen: 99,5 Prozent aller Plastikflaschen in denen die „Light-Getränke“ abgefüllt werden enthalten auch das Östrogenmimetikum BPA (!), den ultimativen Brustkrebsauslöser (siehe oben). Als Alternative zum Süßen sollte auf Stevia oder Lakanto (aus der chinesischen Frucht Luo Han Guo) oder Palatinose ausgewichen werden. 5. Ein ausreichend hoher Vitamin D3 Spiegel hat nicht nur einen präventiven sondern auch einen therapeutischen Effekt, wobei ein Wert über der üblichen Norm von 50 g/ml anzustreben ist. Denn Metanalysen (Studien mit > 7.000 Patienten) haben eindeutig eine enge Beziehung zwischen hoher Krebsrate und einem niedrigen Vitamin D3 Spiegel belegt, wobei jegliche Krebsform in bis zu 77 Prozent aller Fälle mit ausrechenden Vitamin D3-Dosen verhindert werden kann 17 18 19 20 . Hierbei soll ursächlich der Nukleäre Transkriptionsfaktor kappa B (NFKB) durch

das Vitamin beeinflusst werden, ein spezifischer Transkriptionsfaktor, der in praktisch allen Zelltypen und Geweben vorkommt und von großer Bedeutung für die Regulation der Immunantwort, der Zellproliferation und des Zelltodes (Apoptose) ist 21. Ein weiterer, zusätzlicher Wirkmechanismus von Vitamin D3 ist sowohl die Wirkhemmung als auch die Produktion eines spezifischen Proteins namens 'cMYC.' Denn cMYC ist dafür bekannt, die Zellteilungsrate anzukurbeln und ist bei mehr als über die Hälfte aller Karzinome hochreguliert. Noch bedeutsamer erscheint aber die Tatsache, dass Vitamin D den natürlichen Antagonisten des Proteins cMYC aktiviert, der unter den Namen MXD, die Funktion von cMYC vollständig inhibieren kann 22. Und weil ein niedriger Vitamin D3-Spiegel auch mit einem erhöhten Risiko zu aggressiveren Tumorformen während hohe Spiegel mit einer günstigeren Prognose einhergehen 23 wird aktuell zu jeder Therapieform des Brustkrebses immer mehr das Vitamin D3 in Dosen von bis zu 10.000 IE (nach vorangegangener Ausgangskon­trolle in Serum) empfohlen 24. Diese innerhalb einer früheren im Jahre 2011 erhobenen Metaanalyse durch Garland und Mitarbeiter stellen auch fest, dass D3 Serumspiegel um 50 ng/ml mit einem um 50 Prozent geringeren Risiko einhergeht, einen Brustkrebs überhaupt zu entwickeln 25.

 10 Gunter,

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6. Ausreichende Mengen an natürlichem Vitamin A wie es in Eigelb, Biobutter, Rohmilch (!) sowie in der Rinder- und Hühnerleber (aber nur bei natürlich aufgezogenen Tieren) enthalten ist. Das Vitamin hat eine antioxidative Wirkung zur Folge, die sich bei der im Krebsgeschehen immer begleitenden Entzündung positiv auswirkt 26. 7. Nur fermentierte Sojaprodukte verwenden, weil rohes Soja aus den USA oder Brasilien importiert, gemodifiziert ist und der rohe Soja sog. Phytoöstrogene (= pflanzl. Östrogene) enthält, die im Konzert mit anderen Östrogenen das Brutzellenwachstum ankurbeln woraus mit zunehmendem Konsum eine krebsige Entartung resultieren kann. 8. Eines der am Besten gehüteten Geheimnisse im Rahmen der Therapie von Krebs ist die Einnahme von qualitativ hochwertigem Curcumin (bis zu 3 g 4 mal täglich), dem Wirkstoff im Curcuma Longa, oder dem gelben Ingwer, in Verbindung mit schwarzem Pfeffer zur besseren Resorption 27. So konnten diese und andere Studien nachweislich dem Curcumin eine progressions- und entzündungshemmende Wirkung attestieren 28 29 30 31, wobei Curcumin auch eine epigenetische Modulation des zellulären Phänotyps bewirkt und dadurch die Anfälligkeit für Krebs vermindern kann. Daneben hat Curcumin bei Glioblastom in vitro eine Wachtumshemmung unter Beweis gestellt 32 während es bei Brustkrebs das invasive Wachstum und die Mortalität maßgeblich verringerte 33 34 35. 9. Aber auch in der Schulmedizin bewegt sich etwas: So haben Wissenschaftler der Universität Tübingen und des MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge/ UK einen Zusammenhang zwischen der Gallensäure LCA (Lithocholsäure) und der Auslösung des programmierten Todes von Krebszellen (Apoptose) entdeckt. Durch Bindung und Blockierung von den als Schlüsselfaktoren agierenden Proteinen MDM4 und MDM2, die für die negative Regulation des Transkriptionsfaktors p53 anzusehen sind, wird deren Wirkung begrenzt. Dies ist von Vorteil, weil p53 in seiner Funktion entscheidend die zelluläre Antwort auf DNA-Schäden und Zellstress gegenreguliert, wodurch der möglichen Krebsentstehung ein entscheidendes Stimulans genommen wird 36 . 10. In gleiche Richtung gehen auch die Forschungen mit dem Dichloroacetat (DCA), wobei am Tier nachweislich eine tumorhemmende Wirkung nachgewiesen wurde und erste Ergebnisse bei Patienten vielversprechend aussehen 37. Hierbei wird die

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in den Mitochondrien der Krebs­zell­ en charakteristische Hyperpolari­sa­ tion mit erniedrigter Expression des K+-Kanals, die mit einer Hemmung des oxydativen Metabolismus einhergeht, durch DCA (einem Inhibitor der Pyruvatdehydro­ genase Kinase) umgekehrt, so dass Apoptose und vermindertes Tumorwachstum die Folge sind 38. Kann dies evtl. das neue Krebsmittel der Zukunft sein? Sicher nicht! Denn großangelegte Studien werden nicht durchgeführt, sind zu kostenintensiv und die Pharmabranche wird sich nicht interessieren, weil DCA nicht patentierbar ist. Die folgenden Empfehlungen sind unter der Rubrik „Zusatztherapien“ einzustufen, weil sie alleine nicht ausreichen, ein Tumorzellwachstum ausreichend hemmen zu können: 1. Die im Granatapfel oder Präparate mit Granatapfelextrakt enthaltene Ellagsäure, einem Polyphenol, dem ein Tumor-präventiver Effekt sowohl im Labor als auch in der Phase 2 bei Studien mit Patientinnen nachgewiesen werden konnte 39 40. 2. Sportliche Betätigung soweit möglich, weil nach einer Multizenterstudie hierdurch die Todesrate bei Brusttumorerkrankung um 50 Prozent (!) reduziert werden kann 41. 3. Ausreichend hohe Dosen an Antioxidantien, wie z.B. das natürliche (!) Vitamin C in Früchten (z.B. Acerola) oder oral als Ca-Ascorbat von 3-4 mal 2 g/Tag, respektive als intravenöse Infusion, wobei erst solche ho­ hen Dosen zu einer Lyse der Karzinomzellen durch

Bildung von Wasserstoffperoxyd im Inneren der Krebszelle führen und das umgebende Gewebe nicht angreifen. Dieser selektive Wirkmechanismus ist des­halb möglich, weil bei ähnlicher molekularer Struktur die Karzinomzelle das Vitamin C für Glukose hält und dieses selektiv an sich reißt42. Immerhin konnte schon in den 70er Jahren mit hohen Dosen Vitamin C eine signifikante Verlängerung der Überlebens­ zeit bei terminalem Krebs erreicht werden 43 44 die, bei fehlenden Nebenwirkungen, in keiner Weise der klass­i­schen schulmedizinischen Therapie mit Che­mo­­the­rapeutika nachstand. Solche Ergebnisse konnten ge­rade in letzter Zeit durch eine weitere Stu­ die der Phase 1 belegt werden, in der bei dem aggressiven Pankreaskarzinom gegenüber einer kon­ ven­tionellen Therapie sich die Überlebenszeit verdoppeln ließ und bei Brustkrebspatientinnen einen Abfall der Tumor- und Entzündungsmarker um 77 Prozent nach­­­zu­weisen war 45.

 36 Vogel,

S.M., et al., Lithocholic acid is an endogenous inhibitor of MDM4 and MDM2. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 2012. 109: p. 16906–16910 37 Sun, R.C., et al., Reversal of the glycolytic phenotype by dichloroacetate inhibits metastatic breast cancer cell growth in vitro and in vivo. Breast Cancer Res Treat, 2010. 120: p. 253-260. 38 Bonnet, S., et al., A Mitochondria-K+ Channel Axis Is Suppressed in Cancer and Its Normalization Promotes Apoptosis and Inhibits Cancer Growth. Cancer Cell, 2007. 11: p. 37-51. 39 Stoner, G.D. and H. Mukhtar, Polyphenols as cancer chemopreventive agents. J Cell Biochem, 1995. 22 Supplement: p. 169–180. 40 Adams, L.S., et al., Pomegranate Ellagitannin-Derived Compounds Exhibit Antiproliferative and Antiaromatase Activity in Breast Cancer Cells In vitro. Cancer Prev Res, 2010. 3: p. 108-113. 41 Lahmann, P.H., et al., Physical Activity and Breast Cancer Risk: The European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev, 2007. 16: p. 36-42. 42 Hickey, S. and H. Roberts, The Real Story of Vitamin C and Cancer. J Orthomol Med, 2008. 23: p. 133-138. 43 Cameron, E. and L. Pauling, Supplemental ascorbate in the supportive treatment of cancer: Prolongation of survival times in terminal hu-man cancer. Proc Natl Acad Sci USA,, 1976. 73: p. 3685–3689. 44 Cameron, E. and L. Pauling, Supplemental ascorbate in the supportive treatment of cancer: Reevaluation of prolongation of survival times in terminal human cancer. . Proc Nat Acad Sci, USA., 1978. 75: p. 4538-4542. 45 Welsh, J.L., et al., Pharmacological ascorbate with gemcitabine for the control of metastatic and node-positive pancreatic cancer (PACMAN): results from a phase I clinical trial. Cancer Chemother Pharmacol, 2013. 71: p. 765-775.

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Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass speziell in der letzten aufgeführten Studie Höchstdosen ab 50 bis zu 120 g (!) Vitamin C per infusionem/Woche verabreicht wurden, damit effektive Plasmakonzentrationen von ≥ 350 mg/dL (≥20 mM) erreicht werden, weil erst mit solchen Extremdosen davon auszugehen war, eine zytotoxische Wirkung innerhalb der Tumorzelle zu erreichen. Solche therapeutischen Effekte hoher Vitamin C–Konzentrationen sind in den vergangenen Jahren auch bei Tumoren anderer Organe eindeutig nachgewiesen worden 46 und unterstreichen damit noch einmal, solche alternativen Therapieoptionen schon deshalb in das übliche Therapiespektrum mit aufzunehmen, weil sie kaum Nebenwirkungen zur Folge haben. Denn die Nebenwirkungsrate solcher Massivdosen von Vitamin C war, nach Bericht der Autoren, als gering einzustufen und bezogen sich vornehmlich auf eine Diarrhoe sowie einen trockenen Mund. 4. Das Vitamin C sollte, wie andere Autoren empfehlen, jedoch in Verbindung mit Vitamin E (alpha-Tocopherol 47 48 sowie den verwandten Tocotrienolen 49 und Selen im Konzert mit alpha-Liponsäure (in Brokkoli oder als Reinsubstanz in der Apotheke) gegeben werden, um zusätzlich die antioxidative Kapazität der orthomolekularen Stoffe zu nutzen bzw. die Wirkung von Vitamin C noch zu potenzieren 50. Es kommt hierbei dem Selen (als Seleniumaspartat 200 - 400 µg/Tag) eine besondere Bedeutung zu, weil es schon im Vorfeld einer Tumorentwicklung, über eine Aktivierung der Gluthathionperoxidase, die Bildung toxischer Sauerstoffradikale verhindert und im Konzert mit Vitamin E und C ein beginnendes Tumorwachstum in Richtung Apoptose umzuleiten imstande ist 51 47. In diesem Zusammenhang sind auch die Gewürze Knoblauch, Ingwer (zingiber officinale) und Zwiebeln sowie Brokkoli aus der Familie der Kreuzblütengewächse (zu dem auch Blumenkohl gehört) hervorzuheben, die alle reich an Selen sind 51 . 5. Das Karotinoid Lykopen in der Tomate, soll insbesondere bei Prostatakrebs von Vorteil sein 52 53 währendsich die präventive/therapeutische Bedeutung beim Brustkrebs der Frau zumindest in der Prämenopause belegen lies 54. 6. Ginsengextrakt, wobei insbesondere der Sibirische Ginseng hervorzuheben ist, indem es an den Östrogenrezeptor bindet 55 und über eine Hemmung des nukleä-

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ren Faktors kappa B (NF-B), die Bildung aggressiver, reaktiver Sauerstoffspezies verhindert, die ansonsten eine Entzündung um und eine Proliferation von Tumorzellen aufrecht erhalten 56 57 58. Andererseits ist die von Sibirischen Ginseng ausgehende vigilanzsteigernde und adaptive Wirkung hervorzuheben, die speziell bei Patienten mit einer tumorassoziierten physischen und mentalen Fatigue von Vorteil ist 59. 7. Fisch-Öle oder mittelkettige Fettsäuren mit ihren hohen Anteilen an Omega-3 Fettsäuren (wie z.B. im Kokosnuss-, Argan- und Hanföl) 60 61. 8. Die vielen in der Natur vorkommenden Polyphenole, wie z. B. Quercetin und Resveratrol, die sich in allen Beerensorten und Traubenschalen finden, sowie die Phytofarbstoffe, die sich u. a. in allen grünen Blattgemüsen (nicht pestizidbehandelt!) nachweisen lassen, wobei besonders Resveratrol auf Brusttumorzellen einen signifikanten Hemmeffekt aufweist 62. 9. Das im Extrakt von Weintraubenkernen und den Schalen der Weintraube enthaltene Antioxidans OPC (Oligomere Proanthocyanidine) 63 sowie das Astaxanthin, ein Beta-Carotinoid aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis mit ebenfalls wirkstarkem antioxidativen Effekten 64. 10. Coenzym Q10 (oder Ubiquinon) ist ein weiteres nützliches Ergänzungsmittel, dass für die Zellatmung, insbesondere im Rahmen einer Krebstherapie, von ganz entscheidender Bedeutung ist. Dies zumal nachweislich der Q10-Spiegel bei der Brustkrebspatientin signifikant erniedrigt ist 65. Und weil das reduzierte Q10 (oder Ubiquinol) eine höhere Bioverfügbarkeit aufweist, vom Körper besser verwertet werden kann 66 und die TNF-Aktivität steigert 67, sollte auch hier, den neusten Forschungsergebnissen entsprechend, eine in der Apotheke angebotene UbiquinolFomulierung zum Einsatz kommen. 11. Weil 80 Prozent aller Brustkarzinome bei Patientinnen nach der Menopause festgestellt werden, besteht auch ein Bedarf, vorbeugend sog. Aromatasehemmer (= hemmen die Produktion der Östrogenen) mit medizinischen Pilzen und fast unaussprechlichem Namen wie Agaricus bisporus, Chaga, Rheishi,


Ernährung / Prävention

Maitake, Phellinus linteus, Coriolus versicolor (Trametes versicolor, Polyporus versicolor, Polystictus versicolor, Yun Zhi, Kawaratake) einzusetzen, die neben eine Blockade der Östrogensynthese zusätzlich das Immunsystem aktivieren. In gleiche Richtung geht auch der Wirkeffekt von Limonoiden, aktiven Substanzen in den Kernen von Citrusfrüchten wie Orange, Grapefruit und Zitrone, die nachweislich einen zytotoxischen Effekt (via Caspase-7 Aktivierung) mit anschließender Apoptose von Brustkarzinomzellen 68 69 aufweisen und zusätzlich die Östrogensynthese hemmen 70 .  46 47

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Hierdurch ließ sich eine Reduktion der Erkrankungsrate um 22 Prozent für das Brustkarzinom und auch bei anderen Karzinomen 71 erreichen. Dieses Wirkprinzip der Blockade des Enzyms Aromatase, welches maßgeblich an der Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen beteiligt ist, wird auch von der etablierten Medizin in Form der Präparate Arimidex, Femara und Aromasin genutzt. Hierbei ist jedoch zu bedenken dass, je nach Präparat, neben Knochen- und Kopfschmerzen auch Müdigkeit, Hautauschläge vergesellschaftet mit starkem Juckreiz auftreten können. Auch Tamoxifen bietet hier keine Sicherheit, ein Rezidiv zu vermeiden. Denn erst kürzlich wurde der schon 2009 geäußerte Verdacht, dass der Östrogenrezeptorblocker bei ER-(estrogen receptor) positiven Patientinnen die Zunahme eines ER-negativen und damit agressiveren Krebstypus (Odds Ratio 4,4; 1,0319,0; oder eine Risikozunahme um 440 Prozent!) auf der kontralateralen Seite zur Folge hat 72, in einer größeren Patientenpopulation noch einmal bestätigt 73. 12. Andererseits wird in der Literatur auch von einer positiven Kombination von medizinischen Pilzen mit grünem Tee berichtet, wobei das Risiko erneut einen Brustkrebs zu entwickeln, bis auf 90 Prozent reduziert werden konnte. Ursächlich werden die im Grüntee enthaltenen Polyphenole und Flavanoide diskutiert, von denen insbesondere das Catechin, bekannt unter dem Namen Epigallocatechingallat, oder EGCG diskutiert wird 74. Brokkoli, aber auch alle Grünkohlarten enthalten in hohen Dosen das Phytopharmakon Indol-3-carbinol (I3C). Es kann die hohen Östrogenmengen in einen nicht-aktiven Metaboliten überführen 75, aber auch gleichzeitig aktivierte Oncogene hemmen76. Somit zählt es neben Spinat, Grünen Tee (2-Epicatechingallat), Guave, Rot- und Weißkohl zu den fünf (!) wichtigsten Anteilen in der Ernährung, die selbst bei schon nachgewiesenen Ausbruch der Karzinomerkrankung, schon wegen der hohen Anteile an Phytopharmaka in wechselnder Zusammenstellung von Vorteil sind und zusätzlich auch noch Vitamine liefern. 13. Genistein aus fermentierter Soja leitet den Zelltod der Krebszelle ein und ist antioxidativ. Beide, sowohl I3C als auch Genistein, hemmen dosisabhängig die durch Östrogene aktivierten Bindestellen in der Brustdrüse 77.

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14.Cat‘s Claw oder auch unter dem Namen „Uña de Gato“ bekannt, ist die essbare Rinde einer Ranke namens Uncaria tomentosa aus den tropischen Regenwäldern am Oberlauf des Amazonas in Peru und wird von den Einheimischen traditionell eingesetzt. Neben Isopteropodin enthält es drei weitere Alkaloide, die in der Lage sind das Immunsystem zu stärken. Neben diesen 4 Alkaloiden ist besonders das Rynchophyllin erwähnenswert, wobei wirksame Antioxidantien wie Polyphenole, Triterpene und Pflanzensterole ebenfalls über eine Hemmung der Entzündung das invasive Brustkrebswachstum verringern 78. 15.Daneben soll nicht verschwiegen werden, dass tief sitzende psychische Problem, die als Dauerstress über Jahre anhalten, die Bereitschaft an ein Karzinom zu erkranken, deutlich erhöhen. So z. B. hat Dr. Bruce Lipton, Zellbiologe an der Stanford Universität in Kalifornien, aufgrund seiner Forschung festgestellt, dass das was die Erkrankungen und Krankheiten verursacht, Stress ist, was sich letztendlich in der Zelle und ihren Strukturen mitteilt und den genetischen Code bis zur Bösartigkeit hin verändern kann. Es ist dies das Prinzip der Epigenetik, indem sog. epigenome Eigenschaften in den Genen aktiviert werden, die von Umweltfaktoren wie z.B. Stress aber auch durch Ernährung ausgelöst wurden. Und das, was immer Stress ausmacht, kann ein falsches Glaubensmuster sein. Es gilt sich zu vergegenwärtigen, dass diese falschen Glaubensmuster in unseren zellulären Erinnerungen eingebettet sind. Erst wenn diese falschen Glaubensmuster einer anderen Denkrichtung Platz machen, wird der Dauerstress und damit auch der Krankheitsverursacher verschwinden. Erst dann kann das Immunsystem im Körper heilen und sogar genetisch bedingte Erkrankungen umkehren. Hier wäre ein weiterer Angriffs-


Ernährung / Prävention  punkt der Prävention aber auch der Therapie anzusetzen, indem einige Klinken mit der Einrichtung sog. Psychoonkologischer Abteilungen den Trend der Zeit erkannt haben. Hat sich die Patientin jedoch zu einer Chemotherapie durchgerungen, so können die hierdurch ausgelösten Nebenwirkungen, die mit frühzeitiger Erschöpfung, Auftreten von chronischen Nervenschmerzen, einem extrem gestörten Schlaf-Wachrhythmus, einen körperliche Hinfälligkeit sowie die schon bekannte Akutsymptomatik wie Übelkeit und Erbrechen deutlich verringert werden, wenn zusätzlich Antioxidantien eingenommen werden. Die Rationale ist dadurch vorgegeben, dass Chemotherapeutika jeglicher Couleur zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Anreicherung von Sauerstoffradikalen führen, die die zelluläre Funktion, insbesonders die Bereitstellung der in den Mitochondrien produzierten ATP, dem wichtigsten Betriebsstoff der Zelle, drastisch herunterfahren. So kann z. B. durch N-Acetyl-Cystein (NAC bis zu 2 g/Tag) die Aktivität des körpereigenen wirkstärksten Antioxidans Glutathion (GSH) angehoben werden, ein positiver Effekt der nicht nur die Überlebensrate bei Krebspatienten nach sich zieht 79 80, sondern in einer Doppelblindstudie der immunstimulierende Nutzen von NAC bei Patienten mit HIV und (!) zusätzlicher HART-Therapie im Gegensatz zur Placebogabe eindeutig unter Beweis gestellt werden konnte 81.

Erst wenn diese falschen Glaubensmuster einer anderen Denkrichtung Platz machen, wird der Dauerstress und damit auch der Krankheitsverursacher verschwinden.

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Neue Wege im Rahmen der Diagnostik von Brust­krebserkrankungen Zum Abschluss noch einige Bemerkungen zu der stark propagierten regelmäßigen Mammo­graphie, um den Tumor rechtzeitig zu entdecken (Screening), ein Untersuchungsverfahren, dass als Option zur Früherkennung des Brustkrebses angeblich sogar präventiven (vorbeugenden) Charakter haben soll, weil zielsetzend hierdurch eine Frühdiagnostik die Überlebensrate resp. einen Befall der regionären Lymphknoten verhindern hilft. Als Alternative einer Mammographie, wobei die Brust einem Druck ausgesetzt wird (Abb. 1) um anschließend mit Hilfe ionisierenden Strahlen Dichteunterschiede (die in den meisten Fällen nicht krebsbedingt sind!) zu identifizieren, ist die Thermographie (Abb. 1). Denn bei jeder Krebserkrankung liegt am Randbezirk immer eine Entzündungsprozess mit einer gesteigerten Durchblutung und einer damit einhergehenden lokalen Erwärmung vor. Es ist somit eine Methode (neben der Sonographie. Fragen Sie als mündige Patientin dazu ihren Frauenarzt – er hat die Antwort!), die mit einer höheren Identifikationsrate, keiner zusätzlichen Strahlenbelastung und geringeren Kosten im Rahmen des re­gulären Screening einhergeht. Dass eine Zusatzuntersuchung wie die Sonographie oder die MRI zwar zu einer höheren Detektion von Brustkarzinomen führen kann, wurde in einer weiteren Studie beleget. Dies jedoch mit dem Ergebnis, dass auch gleichzeitig die Rate der falsch-positiven Diagnosen zunahm83.

Abb. 1: Darstellung der Mammographie im Vergleich zur Thermographie der weiblichen Brust (© Meditherm)

Einige Röntgeninstitute bieten jetzt zusätzlich die digitale Mammographie an, ein Verfahren bei dem die Rönt­genstrahlen nicht auf einen Röntgenfilm sondern auf einen Detektor treffen, der die ankommenden Strahl­en in elektrische Signale umwandelt. Obgleich hierbei auch Röntgenstrahlen eingesetzt werden, so benötigt die digitale Mammographie jedoch viel geringere Strahlendosen und können die registrierten Signale anschließend weiter in Form von Vergrößerungen oder einer selektiven Einrahmung unter die Lupe genommen werden, so dass fragwürdige Gebiete innerhalb der Brust genauer eingegrenzt werden und sich betrachten lassen, ohne dass eine zusätzliche Röntgenaufnahme erfolgen muss. Eine weitere neuere Methode ist der Ultraschall in Kombination mit der Elastographie. Die Elastographie gilt als neueres bild­gebendes Verfahren, eine Weiterentwicklung sowohl der Ultraschalldiagnostik als auch der Magnetresonanztomographie (MRT) und geht eigentlich auf die jahrhundertalte manuelle Palpation durch die Hand zurück. Analog zur manuellen Palpation nutzt die Elastographie die Tatsache, dass Tumorgewebe häufig anders komprimierbar (fester, derber) ist als gesundes Gewebe. Mit diesem Verfahren wird versucht, die visko-elastischen Eigenschaften von Gewebe abzubilden. Bei ultraschallelastographischen Untersuchungen übt der Untersucher während der Ultraschalluntersuchung mit dem Ultraschallkopf einen geringen Druck von außen auf das Organ aus. Eine Software wertet kleine Verschiebungen zwischen den einzelnen Bildern aus und zeigt die Dehnung ortsaufgelöst an. Bereiche, die stark gedehnt werden, sind weich, feste Bereiche lassen sich nicht komprimieren.

 83 Berg, 

W.A., et al., Detection of Breast Cancer With Addition of Annual Screening Ultrasound or a Single Screening MRI to Mammography in Women With Elevated Breast Cancer Risk JAMA, 2012. 307: p. 1394-1404. 84 S  ommerfeld, H.J., et al., Prostatakarzinomdiagnostik durch Ultraschallelasto­gra­ phie – Vorstellung eines neuartigen Verfahrens und erste klinische Ergebnisse der Uro­loge, 2003. 42: p. 941–945. 85 Lorenzen,  J., R. Sinkus, and G. Adam, Elastographie: Quantitative Bildgebung der elastischen Gewebeeigenschaften. Fortschr. Röntgenstr, 2003. 175: p. 623–630.

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gen ein ähnliches Verfahren, bei dem die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Ultraschall im Gewebe durch die Doppler-Technik erfasst wird. Eine der Anwendungen liegt in der Erkennung von Prostatakreb 84 und von Brustkrebs 85. Weitere stauchungsfreie Verfahren zur Differenzierung von benignen und malignen Knoten in der Brust sind die 4-D-Hochfrequenz-Ultraschall-Computer-Tomographie und die ebenfalls strahlenfreie Infrarot-Radiographie. Generell ist bei allen diesen diagnostischen Verfahre jedoch festzuhalten, dass zur endgültigen, exakten Diagnose, immer die histologische Auswertung in Form einer Biopsie erfolgen muss.

Daher können Unterschiede der Elastizität im Gewebe dargestellt werden. Bei der automatischen MRT-Elastographie wird durch automatisch von außen einwirkende Druckwellen das untersuchte Organ zyklisch komprimiert und wieder entlastet, während synchron (phasenstarr) Aufnahmen gemacht werden. Automatisch wird nach der Untersuchung ein Elastogramm gefertigt, das die Unterschiede in der Elastizität aufzeigt. So kann es möglich sein, gutartige von bösartigen Tumoren zu unterscheiden. Die Sonoelastische Bildgebung ist dage-

Prof. Dr. med. Enno Freye Arzt; Spezialgebiete Spezielle Schmerz­­­t­hera­pie, Anästhe­­si­­o­­lo­gie, Intensiv­ medizin und Suchttherapie, Nutra­zeutika, Mikro­nähr­ stoffe, Zivilisations­­krank­ heiten, Rena­turierung Fachlicher Beirat des NEM e.V.

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Neue Regeln für diätetische Lebensmittel Der europäische Gesetzgeber hat die Rechtsgrundlagen für eine Vielzahl von diätetischen Lebensmitteln einer erheblichen Überarbeitung unterworfen.

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m Zuge der Abschaffung der sogenannten „Diabetiker-Lebensmittel“ durch den Gesetzgeber, hatte sich die Frage ergeben, ob es überhaupt noch einen Bedarf für eine eigenständige Produktkategorie der diätetischen Lebensmittel gibt. Diskutiert wurde hier durchaus auf politischer Ebene eine völlige Abschaffung dieser Kategorie. Der europäische Gesetzgeber hat sich jedoch für eine Kompromisslösung entschieden. Mit der Verordnung 609/2013/EG wurde eine neue Rechtsgrundlage geschaffen, die als europäische Verordnung unmittelbar in allen europäischen Mitgliedsstaaten und damit auch Deutschland gilt. Es wurde entschieden, dass die Produktkategorie der diätetischen Lebensmittel bis auf die folgenden Ausnahmen aufgehoben wird: • Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung • Getreidebeikost und andere Beikost • Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke • Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung. Alle anderen diätetischen Lebensmittel werden aufgehoben und müssen in neue Produktkategorien eingefügt werden, z. B. als Nahrungsergänzungsmittel oder

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angereichertes Lebensmittel. Dies gilt z. B. für Mahlzeitersatzprodukte zur gewichtskontrollierenden Ernährung oder Sportlerprodukte. Insbesondere ist hier dann auch darauf zu achten, dass bei der Verwendung von gesundheitsbezogenen Angaben die Vorgaben der Health Claims Verordnung 1924/2006/EG zu beachten sind und nicht mehr damit argumentiert werden kann, dass es sich um die Angabe des besonderen Ernährungszwecks des diätetischen Lebensmittels handelt, der als Pflichtangabe gemäß § 19 DiätVO aus dem Anwendungsbereich der VO 1924/2006/EG herausfällt. Diesbezüglich werden sich Anbieter somit zukünftig an den Vorgaben der VO 432/2012/EG zu messen haben. Allerdings finden sich dort auch eine Reihe passenden zugelassener claims z. B. für Mahlzeitersatzprodukte zur Gewichtsabnahme und zum Gewichtserhalt. Ob möglicherweise weitere Spezialregelungen für Sportlerprodukte noch erlassen werden sollen, soll von


Recht

Dr. jur. Thomas Büttner Rechtsanwalt und lebensmittelrechtlicher Beirat des NEM e.V.

der Kommission noch geprüft werden. Sie soll bis zum 20. 07. 2015 hierzu einen Bericht vorlegen. Dies gilt ebenfalls für Milchgetränke und gleichartige Erzeugnisse, die für Kleinkinder bestimmt sind. Die Rechtslage für Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke in Form von ergänzenden bilanzierten Diäten bleibt zunächst unverändert. Allerdings sieht Artikel 11 der VO 609/2013/EG vor, dass die Kommission ermächtigt wird im Rahmen sogenannter delegierter Rechtsakte weitere Anforderungen zukünftig zu etablieren. Dies kann die Zusammensetzung, aber auch Anforderungen an die Kennzeichnung und die Werbung betreffen. Diese delegierten Rechtsakte sollen bis zum 20. 07. 2015 erlassen werden. Es dürften erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Delegierens solch umfassender Befugnisse auf die Europäische Kommission bestehen. Denn damit kann die Kommission ohne Mitwirkung des eigentlichen europäischen Gesetzgebers erhebliche regulatorische Vorgaben einführen, die sogar die Verkehrsfähigkeit (Rezeptur) und die zulässige Bewerbung dieser Produkte betreffen. Es bleibt nun abzuwarten, mit welchen Vorschlägen die Kommission hier aufwarten wird. Erfreulich ist in jedem Fall, dass der Gesetzgeber sich zu einer verhältnismäßigen Übergangsregelung mit einer klaren Abverkaufserlaubnis im Handel entschieden hat. Produkte, die den neuen Vorgaben nicht entsprechen, aber vor dem 20.07.2016 in den Verkehr gebracht oder gekennzeichnet wurden, dürfen auch nach diesem Datum bis zur Erschöpfung der Bestände im Handel vermarktet werden. Um sich auf die Übergangsfristen berufen zu können, sollten somit entsprechende Produkte rechtzeitig entwickelt werden. Die betroffenen Unternehmen sollten sich dennoch rechtzeitig über die neue Rechtslage informieren und über mögliche zukünftige Optionen beraten lassen.

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Im März 2013 hat das BfR (Bundesamt für Risikobewertung) einen Abschlussbericht über „Zielgruppengerechte Risikokommunikation zum Thema Nahrungsergänzungsmittel“ vorgelegt 1. In diesem Bericht wird der Stand der Verwendung von NEM über die Vertriebsschiene der Apotheken anhand der Daten der GFK untersucht. Eine sehr inte­ ressante Lektüre, die ich jedem empfehlen möchte, der sich mit der Herstellung, und dem Vertrieb von NEM befasst.

Risikokommunikation à la BfR

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s werden verschiedene Gruppen von NEMVerwendern definiert: • „Sportliche Qualitätsesser“ • „Bewegliche Sünder“ • „Risikoverneinende Intensivverwender“ in die sich die Kunden unserer Branche einteilen lassen und für die sich, aufgrund der gefundenen Motivationsgründe NEM einzunehmen, durchaus maßgeschneiderte Marketingstrategien entwickeln lassen. Doch die Intentionen des BfR, Abteilung Risikokommunikation, sind andere, wie Sie sich bereits denken können. Bereits im Vorwort wird vorweggenommen, um was es eigentlich geht. Der massive Anstieg der Umsatzzahlen im Sektor NEM und OTC-Arzneimittel (der Verbraucher macht da keinen Unterschied; auch ein Ergebnis der Studie) macht es erforderlich, dass „eine Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher zum Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln und den damit verbundenen möglichen Gesundheitsrisiken erforderlich“ ist. Als Grund für den Anstieg werden soziologische Gründe genannt: „Der weit verbreitete Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln ist ein Symptom sich wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse und Lebensgewohnheiten (Brunner et al., 2007; Grünewald, 2010)“.

Brunner, ein anerkannter Weltverbesserer und Agrarkritiker, sowie eine Untersuchung des Pharmaverbandes (sic!) bilden die Grundlagen zu dieser Aussage. Von den nachlassenden Rohstoffgehalten in den Lebensmitteln, die übrigens auch Brunner vehement anprangert, ist nichts zu lesen. Wohl weil dies in der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) geschickt in den Rohdaten verpackt wurde. Es wird allerdings auch erwähnt, dass es laut NVS II und der darauf aufbauenden Bewertung für den Bund durch das Robert-Koch-Institut (RKI), eine Unterversorgung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen an „Vitamin E, Vitamin D, Folsäure, Jod und Calcium“ gibt. Im Anschluss daran werden die bekannten Gefahren der Überversorgung mit den fettlöslichen Vitaminen, sowie Eisen und Zink diskutiert, die bereits zu einer Sicherheitseinschätzung der Höchstmengen durch die EFSA geführt haben. Abgeleitet daraus wird ein Gefährdungspotenzial fürdieGesamtbevölkerung! Das ist etwa so, als ob man wegen Gefahr einen Brunnen sicher abgedeckt hat und danach über die Gefahren diskutiert, die ein offener Brunnen haben könnte. Es ist ja nicht so, dass hier über zwei Jahre lang Staatsgelder für diese Erkenntnis verschleudert wurden, nein,

Bettina Röder, Ellen Ulbig, Stephanie Kurzenhäuser-Carstens, Mark Lohmann, Gaby-Fleur Böl; Zielgruppengerechte Risikokommunikation zum Thema Nahrungsergänzungsmittel; Abussbericht; Berlin 2013 (BfR-Wissenschaft 03/2013) 134 Seiten, 30 Abbildungen, 21 Tabellen; ISBN 3-943963-00-7 ;ISSN 1614-3795 (Print) 1614-3841 (Online) 2 Opinion of the Scientific Committee on Food on theTolerableUpperIntakeLevelofFolate, 2000 3 zitiert in: Scientific opinion Selenious acid as a source of selenium added for nutritional purposes to food supplements; 50Scientific Opinion of the Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food; EFSA 2009 1


Ernährung / Prävention

es werden auch im folgenden noch Maßnahmen beschlossen, die zur Rettung der Bevölkerung vor einem sicher abgedeckten Brunnen, Entschuldigung den gefährlichen NEM, dienen sollen. Dass dies das Ergebnis der Untersuchung sein sollte, war schon vor Projektbeginn klar, als die 10 geladenen Vertreter der Industrie im Protokoll als unkooperativ bezeichnet wurden und daher im Folgenden nicht mehr eingeladen wurden. Was ist nun das Ergebnis dieses „Erkenntnisprozesses“? Die Menschheit muss, wegen mangelnden Verständnisses von Gefahren abgedeckter Brunnen, vor offenen Brunnen, die de jure nicht existieren, geschützt werden. Sie müssen entschuldigen aber das Bild von den sicher abgedeckten Brunnen als Beispiel für die Gefahren von NEM hat es einfach in sich. Genannt wird dies „Risikosensibilisierung“. Es zeigt sich, in Kapitel 6.7, dass der Verbraucher dies besser versteht als die Autoren dieses BfR-Berichts. Die Fragestellung, wer als Vermittler der (Des-)Information herhalten muss, wird auch untersucht. Dass die Heilberufe vorne liegen ist bei der Datenbasis (GfK; Apothekenumsätze) nicht verwunderlich, bleiben bei der Top-Ten also nur die Verbraucherzentralen und die Gesundheitsämter, als vom BfR steuerbare Quellen. Bei der Glaubwürdigkeit der Information liegt das Beiblatt bei NEM/OTC übrigens noch vor Greenpeace, Foodwatch oder dem Fernsehen.

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Nutrition-Press

Wobei in diesem Punkt, nach Glaubwürdigkeit der Information gefragt wurde und nicht ob die Informationen bezüglich Risiken glaubwürdig sind. Information beinhaltet sowohl positive als auch negative Information, sofern denn die EFSA für die positiven Informationen einen wissenschaftlich bombensicheren Claim erlaubt. Wir erkennen also die Intention, sowie die Stossrichtung aus der die Risikokommunikation über Gefahren der NEM durchgeführt wird.

Beispiel Selen

Nun ein paar ausgewählte Beispiele dieser sogenannten „Risikobotschaften“:

Das SCF kam 2000 zu der Ansicht, dass 300 µg als UL adäquat wären 3.

BfR: „Ergebnisse aus epidemiologischen und Interventionsstudien deuten darauf hin, dass bereits 200 µg/Tag Selen verabreicht als Nahrungsergänzungsmittel mit negativen gesundheitlichen Wirkungen einhergehen könnten (möglicherweise Diabetes Typ II und kardiovaskuläre Erkrankungen).“

Beispiel Folsäure BfR: „Die Ergebnisse aus klinischen Studien deuten darauf hin, dass Folsäuresupplemente in Dosierungen ≥ 800– 1000 µg/Tag das Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere des Dickdarms, erhöhen.“ Tatsächlich erniedrigt laut SCF Folat das Risiko 2 „an inverse relation was found between folate intake and/ or status and colorectal cancer (e. g. Giovanucci et al., 1993; White et al., 1997).“ Der UL (upper level) der täglichen Aufnahme wird auf 1 mg (= 1000 µg) für Erwachsene festgesetzt. Daraus resultiert dann die Risikobotschaft des BfR: Und das, obwohl auf europäischer Ebene Höchstmengen sehr genau evaluiert wurden und zudem Folat-Defizite in der Nahrung vorhanden sind! Noch ein Beispiel gefällig ?

Dr. Uwe Greulach Lebensmittelchemiker und fachlicher Beirat des NEM e.V.

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Weniger ist oft mehr:


Ernährung / Prävention

Bei positiven Claims werden immer Goldstandards gefordert, hier reichen bereits Mutmaßungen, die den gültigen UL der EFSA widersprechen, aus um eine KAMPAGNE zu starten: Es ist meiner Meinung nach ein Fall für den Bundesrechnungshof, wie hier mit Steuergeldern umgegangen wird, um die Meinung einiger weniger, gegenüber, nicht nur anderer Meinungen und Daten aus der wissenschaftlichen Community, sondern sogar gegen die europaweite Meinung von Experten kundzutun.

Auszug aus aktueller BfR-Kampagne:

Der genussvolle Weg zu optimalem Wohlbefinden WoraufSiebeiderEinnahme vonFolsäureachtensollten: Ältere Personen sollten ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt keine hochdosierten Nahrungsmittel mit Folsäure verwenden.

Auszug aus aktueller BfR-Kampagne:

Wenn gute Absichten das Gegenteil für Ihre Gesundheit bewirken WoraufSiebeiderEinnahme vonSelenachtensollten: Eine dauerhafte Überdosierung mit Selen kann ihre Gesundheit schädigen und Diabetes II sowie Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen.

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Lebensmittel-Lügen Nach Mark Twain gibt es Lügen, gemeine Lügen und Statistiken. Neu hinzu kommen die von der Verbraucherzentrale Hessen kreierten „Lebensmittel-Lügen“. In der vor Kurzem von ihr vorgestellten Publikation „Lebensmittel-Lügen – Wie die FoodBranche trickst und tarnt“ werden eine Reihe von Beispielen vermeintlicher Irreführung und Täuschung angeprangert. Mit der Wahl des Titels bedient sich die Verbraucherzentrale allerdings der gleichen Taktik wie die von ihr kritisierte Lebens­ mittelwirtschaft, der sie vorwirft, reißerische phantasievolle Namen für ihre Produkte zu erfinden, anstatt sie klar und deutlich mit ihrer Verkehrsbezeichnung zu charakterisieren.

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nter dem Untertitel „Geschmack-Falle und ihr ominöser Hintergrund“ wird in der Publikation z. B. ein „Erdbeer-Drink“ vorgestellt. Der im Zutatenverzeichnis verwendete Begriff „mit Erdbeergeschmack“ ließe nach Auffassung der Verbraucher­

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zentrale erwarten, dass „echte“ Zutaten, d. h. Erdbeeren und nicht Aromen verwendet werden. Diese Le­ bens­mittel-Lüge würde in der Mark Twainschen Aufzählung noch als Vorstufe zur Lüge rangieren.


Recht

Ein echtes Problem stellen dagegen die Verkehrsbezeichnungen für die in der Veröffentlichung geschilderten Beispiele dar. Sie fristen meist ein Schattendasein auf der Rückseite der Verpackung und sind zudem kaum lesbar klein geschrieben. Durchaus zu Recht fordern hier die Verbraucherzentralen, dieses wichtige Element der Lebensmittelbezeichnung deutlich auf der Vorderseite der Verpackung herauszustellen. Die Verbraucherzentralen fordern den Gesetzgeber auf, dafür zu sorgen, dass beschreibende Verkehrsbezeichnungen aussagefähig sein müssen. Für eine entsprechende Rechtsvorschrift ist es dazu leider zu spät, denn die 2011 verkündete Lebensmittel-Informationsverordnung wird in den wesentlichen Teilen EU-weit bereits im Dezember 2016 in Kraft treten. Denkbar sind allenfalls leichte Verbesserungen in der Lebensmittelkennzeichnung über einen horizontalen Leitsatz des Deutschen Lebensmittelbuches. Vielleicht kann dazu die im Jahr 2011 gescheiterte Initiative in einem zweiten Anlauf wieder zum Leben erweckt werden.

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Die in der Veröffentlichung der Verbraucherzentrale geschilderten Fälle sind Erkenntnisse aus dem Portal „Lebensmittelklarheit.de“. Verständlich, wenn ihr Chef, Herr Billen in diesem Zusammenhang von der Politik eine Stärkung der über das Portal praktizierten verbraucherorientierten Marktbeobachtung fordert. Allerdings mehren sich Zweifel, inwieweit das Portal seinen Zweck erfüllt. Geringe Beschwerdefrequenz, zahlreiche Fälle, in denen Verbraucher nur enttäuscht aber nicht getäuscht wurden und eine Prangerwirkung trotz Rechtskonformität sind die Hauptkritikpunkte. So zieht Rainer Kühl (siehe Food & Recht, Praxis 3/2013) das Fazit: die für das Portal bereitgestellten Mittel doch besser der amtlichen Lebensmittelüberwachung zukommen zu lassen. Aufgrund der dort vorhandenen Expertise könnten „echte“ Täuschungen besser erkannt und anschließend auch verfolgt werden. Für den BLL ist schon allein der Titel „Lebensmittel-Lüge“ ein Affront gegen die 4,8 Millionen Menschen, die für die Lebensmittelbranche arbeiten und täglich die Ernährung von 82 Millionen Bürgern sichern. Außerdem würde den Konsumenten Konsumkompetenz und Beurteilungsfähigkeit abgesprochen. • 01 HYGOEF Oktober 2012 • 01 FR Aktuelles Thema 11/13 Letzteres trifft nicht zu. Richtig ist aber, dass „Enttäuschung“ über Produkte oft dadurch entsteht, weil Verbraucher die Kennzeichnung von Lebensmitteln nicht aufmerksam lesen. Das bedeutet natürlich nicht, dass im Spannungsfeld von Marketing und klarer Produktinformation immer Letzterem der Vorrang eingeräumt wird. FOOD & RECHT L © BEHR’S VERLAG HAMBURG AUSGABE l 11 2013 http://www.behrs.de/food-and-recht-food-and-recht-praxis.html

Dr. Herbert Otteneder staatl. geprüfter Lebensmittelchemiker

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Spam: Wie man sich gegen unerwünschte Mails wehren kann Mit „Spam“ ist der unverlangte, massenhafte Versand von Werbe­Mails gemeint. Mittlerweile bestehen weit mehr als die Hälfte aller verschickten E­Mails aus solchem Datenmüll. Das ist oft ärgerlich und raubt einem Zeit und die Freude an dem großen Nutzen der Datenautobahn. Oft handelt es sich aber auch um unerwünschte Nachrichten, mit denen Betrüger unwissende oder unvorsichtige E­Mail­Nutzer reinlegen wollen. Wie man sich gegen den Betrug per E­Mail wappnet und dem Ärgernis am besten begegnet, erläutern ARAG Experten.

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pam ist ursprünglich ein Markenname für ein amerikanisches Dosenfleisch. Erst durch einen TV-Sketch ist Spam zum Synonym für Massen-E-Mails geworden: In dem dreiminütigen Sketch fällt das Wort Spam mehr als 120 mal, wodurch die eigentliche Konversation unmöglich wird. Spam tritt meist als Werbe-E-Mail in Erscheinung. Besonders hinterhältig sind jedoch Phishing-Mails. Mit gefälschten Namen, Logos und Websites geben sich die Urheber

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als seriöse Kreditinstitute aus, um den Empfängern geheime Daten wie persönliche Passwörter, Kreditkarten-, PIN- und TAN-Nummern zu entlocken. Auch die Zahl sogenannter Malware-Mails nimmt stetig zu. Das sind Mails, die schädliche Software (Viren, Würmer, Trojaner) in ihrem Anhang tragen. Sie schädigen die Computer oder veranlassen zum Erwerb eigentlich unnützer Software, um das Schadprogramm wieder loszuwerden.


Wie erkennt man Spams? Früher waren die Mails oft in schlechtem Deutsch geschrieben; es fehlten deutsche Umlaute und eine persönliche Ansprache – obwohl es sich ja angeblich um eine dringende, persönliche Angelegenheit handeln sollte – gab es auch nicht. Mittlerweile haben die Betrüger dazugelernt und geben sogar Vor- und Nachnamen des Mail-Empfängers korrekt an. Spammer setzen auch oft Betreffzeilen wie „Re: Ihre Anmeldung“ oder „Klassentreffen“ und gefälschte Absenderadressen ein. Sie geben sich als Freunde, Arbeitskollegen oder seriöse Unternehmen aus, um beim Empfänger einen persönlichen Bezug herzustellen und ihn dazu zu veranlassen, die Mail zu öffnen. Spam-Filter Im Internet findet man mittlerweile zahlreiche zum Teil kostenlose Spamfilter. Solche Computerprogramme filtern die unerwünschte Werbung in einen getrennten Ordner des E-Mail-Programms. Das Einsortieren der E-Mails ist allerdings mit einer gewissen Fehlerrate verbunden. Zum einen werden Spam-Mails nicht erkannt und gelangen so als „vertrauenswürdig“ in den Posteingang. Wird der Filter „trainiert“, so lassen sich fälschlich als Spam eingestufte seriöse E-Mails fast vollständig ausschließen. Allerdings ist das mit gewissem Aufwand verbunden. Außerdem müssen Spamfilter ständig durch neue Versionen mit verbesserten Methoden an die neuen Maschen der Spammer angepasst werden.

Wie sollte man mit Spams umgehen? Spam-Mails sollten niemals geöffnet und immer unverzüglich gelöscht werden! Anwender sollten die Vorschau-Funktion ihres E-Mail-Programms deaktivieren und vor dem Öffnen einer Mail die Betreffzeile und den

Absender der Mail kontrollieren. Dateianhänge unbekannter Absender sollten in keinem Fall geöffnet werden. Mails, die zum Anklicken der Links auffordern, sollten ignoriert werden. Das gilt auch für den Fall der Abbestellung weiterer unaufgeforderter Mails. Wer auf Spam-Mails antwortet oder die dort angegebenen Links anklickt, bestätigt seine E-Mail-Adresse und riskiert zahllose weitere unerwünschte E-Mails. Auch im Zweifelsfall löschen! Wer Zweifel hat, ob die Mail nicht doch echt ist, sollte die Internetseite beispielsweise der Bank selbst aufrufen. ARAG Experten raten die korrekte Adresse im Browser per Hand einzugeben. Wer eine URL kopiert und einfügt, landet unter Umständen auf einer gefälschten Seite. Lassen sich die angeblichen Probleme mit einem Konto beim Blick auf selbiges nicht erkennen, kann man die Mail einfach löschen. Das gilt auch in vielen anderen Fällen, in denen das Postfach mit dubiosen Mails überflutet wird: Nicht verrückt machen lassen, sondern im Zweifelsfall einfach löschen. Unternehmen wissen, dass Mails immer mal verloren gehen können oder im automatischen Spam-Filter hängen bleiben. Ein seriöses Unternehmen wird sich mit Sicherheit nicht alleine auf eine E-Mail verlassen, sondern sich bei ernsthaften Problemen telefonisch oder per Briefpost melden. Sollte man sich weitergehend wehren? Spam ist rechtswidrig! Werden Privatpersonen mit unverlangten Werbemails belästigt, liegt eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts vor. Werden Unternehmen mit E-Mails überschüttet, handelt es sich um einen Eingriff in den Gewerbebetrieb. Bei einem Verstoß kann demnach ein Unterlassungsanspruch geltend gemacht werden. Da der Versand von PhishingMails oder Schadprogrammen einen Straftatbestand darstellt, sollte in diesen Fällen auch eine Strafanzeige in Erwägung gezogen werden. Quelle: www.arag.de (Rund ums Recht > Rechtstipps und Urteile > Internet & Computer Beitrag vom 26.11. 2013)

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Marktplatz // BioRohstoffe: www.amalsan.de Fertilovit: www.fertilovit.com Gonadosan AG, Liechtenstein Nat. Vitalstoffe, Top­Qualität D3, K2, Krillöl, OPC u.v.m. www.natuerlich-quintessence.de Aktiv den Körper entgiften! Detox Medizinprodukt Kl. IIa www.plantavis.de Nahrungsergänzungsmittel Qualität – Made in Germany www.floramed.de

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Der NEM-Verband setzt neue Qualitätsmaßstäbe für Hersteller und Unternehmen durch Selbstkontrolle. Ziel ist es, ein (Nahrungsergänzungsmittel-) Produkt auf den Markt zu bringen, dessen Zusammensetzung und Aufmachung inhaltlich geprüft

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und somit über der gesetzlichen Forderung liegt, als Selbstkontrolle.

Mit Einreichung vorbereiteter und vollständiger ProduktDokumentationen findet eine Abschlussprüfung durch das NEM-Fachgremium statt. Anträge können nur Mitglieder des NEM-Verbandes stellen. Informationen unter www.nem-ev.de

NEM e.V. – Abteilung Cosmetic

cos NEM e.V.

Abteilung Cosmetic

Das Hauptaugenmerk der Abteilung Cosmetic des NEM e.V. liegt auf dem Bereich der Naturkosmetik, die eine gesunde Pflege ermöglicht. Ziel sind wissenschaftlich fundierte Informationen für Hersteller und Unternehmen sowie Verbraucheraufklärung. Informationen unter www.cos-ev.de

NEM Verband mittelständischer europäischer Hersteller und Distributoren von Nahrungsergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e. V. Horst-Uhlig-Straße 3 · D-56291 Laudert · Telefon +49 (0)6746/80298-20 Telefax +49 (0)6746 / 80298-21 · E-Mail: info@nem-ev.de

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www.nem-ev.de

Nutrition-Press / Fachzeitschrift für Mikronährstoffe  

Ausgabe Nr. 4 – Februar 2014 · 4,95 Euro · ISSN 2195-8505

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Ausgabe Nr. 4 – Februar 2014 · 4,95 Euro · ISSN 2195-8505

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