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6/2011

6/2011

Nordrhein-Westfalen/Hessen/Bauernverband

Jahrgang 57

H 1318 F

Hessen:

Nordrhein-Westfalen:

Bauernverband:

„Angekommen“ in Berlin

Vergessene Kultur?

Immer wieder Aufbruch

Herausgegeben von den BdV-Landesverbänden Hessen und Nordrhein-Westfalen www.bdv-nrw.de • www.bdv-hessen.de


Leitartikel

Inhalt Druck aus der polnischen Präsidialkanzlei?

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„Angekommen“ in Berlin

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Breslau – Der Zeit voraus

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Vergessene Kultur?

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Spannungen werden gepflegt 

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Innenpolitische Umschau

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Kulturpolitische Umschau

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Dokumentationszentrum nimmt Gestalt an

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Klein aber fein!

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Siebenbürger Festschrift

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FRIEDERISIKO

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Blick von außen – Blick von innen

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Immer wieder Aufbruch

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Umschau für den Landwirt

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Im Ruhestand, aber immer aktiv

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Hände weg von Daunenjacken

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Im Land von „1000 und einer Nacht“18 Eigentumsrechte nicht vergessen

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Bernd Fabritius erhält Verdienstorden

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1941 - 2011

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Zeitzeugen berichten

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Winter und Weihnachten Daheeme

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Was backe ich Weihnachten?

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Umschau für die Frau

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Frauenarbeitsgemeinschaft bestätigt Vorstand

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Zu guter Letzt/Rätsel

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Anschriften und Termine 

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Titelbild Die winterlich verschneite Lutherkirche im ostpreußischen Insterburg von der Bogenbrücke über die Angerapp aus gesehen. Das Foto stammt aus den 30er Jahren und wurde nachcoloriert. 1964 war der Gesamtzustand der Kirche noch befriedigend. 1975 wurde sie nach einem Brand vollständig abgerissen und teilte damit das Schicksal vieler (nord-)ostpreußischer Kirchen.

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Nur Mut!

er Bund der Vertriebenen ist ein starker Verband. Auf der Seite neun dieser Ausgabe finden Sie eine Meldung, in der die jüngste Mitgliedererhebung des BdV-Bundesverbandes thematisiert wird. 1,3 Mio. Menschen, mehr als in allen politischen Parteien zusammen, engagieren sich im Bund der Vertriebenen. Ein bekanntes Hamburger Wochen-Magazin hat Mitte der achtziger Jahre mit der Prognose, dass die Vertriebenenproblematik in kurzer Zeit kein Thema mehr sei, deutlich falsch gelegen. Nach 35 Jahren können wir feststellen, dass die Ost- und Sudetendeutschen noch immer da sind und ihre Anliegen hörbar zum Thema machen.

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iese Ausgabe unserer Zeitung bietet viele Beispiele dafür, dass die Vertriebenen in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht haben. Es besteht innerhalb unserer Verbände kein Grund zur Resignation und bei denen die uns nicht wohl gesonnen sind, kein Grund zu Häme oder Schadenfreude. Das „Zentrum gegen Vertreibungen“, die Stiftung unseres Verbandes arbeitet sehr erfolgreich und anerkannt, wie Sie auf der Seite vier nachlesen können. Dem politischen Druck, den diese Stiftungsidee erzeugt hat, haben wir es zu verdanken, dass es mit der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ voran geht (Seite zehn). Hier wird auf 3300 qm2 das Schicksal von Vertriebenen erfahrbar werden – unter Mitsprache des Bundes der Vertriebenen. In der grenzüberschreitenden Arbeit zeigen die Initiativen des Verbandes Früchte. Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen hat in einer wissenschaftlichen Tagung das Unterfangen dokumentiert, ein „Stück des deutschen Antlitzes der Heimat zu erhalten“. (Seiten sechs/sieben) Initiativen dazu, sind in den neunziger Jahren vor allem vom Landesverband Nordrhein-Westfalen des BdV ausgegangen. Vieles ist im Umgang mit unseren Nachbarstaaten im Osten entspannter geworden, wie der Bericht auf der Seite fünf zeigt. Auch das ist auf das Engagement der Vertriebenen zurückzuführen, denen im Osten manchmal mehr Verständnis zuteil wird, als im eigenen Land. Aber auch in Deutschland hat sich in der Erinnerungskultur einiges verändert. Alles das sind die Früchte des unablässigen Engagements der Mitglieder des Bundes der Vertriebenen in den vergangenen Jahrzehnten.

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atürlich, alle Ebenen haben ihre Schwierigkeiten. Wir befinden uns in der Übergangsphase von einer eher amorphen Massenbewegung, hin zu einer speziellen Menschenrechtsorganisation. Das verursacht Anpassungsprobleme und noch nicht überall ist die veränderte Stimmungslage in der operativen Politik angekommen. Aber es gibt keinen Grund pessimistisch zu sein. Die Vertriebenen können mit Stolz auf das in der Vergangenheit Geleistete zurückblicken. Sie haben das Erbe der Väter nicht im Stich gelassen. Und sie können zuversichtlich in eine Zukunft sehen, die Veränderungen bringen wird, die aber das große östliche Erbe Deutschlands nicht dem Vergessen anheim fallen lassen wird. Weil die Ost- und Sudetendeutschen, ihre Kinder und Enkel, nicht nachlassen werden, für dieses Erbe einzutreten. „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“ Getreu diesen Leitworts allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Übergang in das Jahr 2012. Markus Patzke BdV-Landesverband Hessen e.V., Friedrichstr. 35, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611/ 36019-0, Fax: 0611/36019-22, E-Mail: buero@bdv-hessen.de ISSN 0723-4295 Organ des Bundes der Vertriebenen (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bauernverband der Vertriebenen). Herausgeber und Verlag: Bund der Vertriebenen – Landesverbände Hessen e.V. und Nordrhein-Westfalen e.V. Die Ausgabe Nordrhein-Westfalen wird durch die Ministerpräsidentin des Landes NordrheinWestfalen gefördert. Die Ausgabe Hessen wird durch das Hessische Sozialministerium gefördert. Anschriften: BdV-Landesverband NRW e.V. Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 02 11/35 03 61, Fax 02 11/36 96 76, E-Mail: info@ bdv-nrw.de

Bankverbindungen: LV NRW: Commerzbank Düsseldorf, Kto.-Nr. 322 018 700, BLZ 300 800 00; LV Hessen: Volksbank Wiesbaden, Kto.-Nr. 34 59 03, BLZ 510 900 00 Redaktion:  Chefredakteur Markus Patzke, Ständige Mitarbeiter: Markus Leuschner (Bonn), Roswitha Möller, Markus Häßelbarth (Münster), Norbert Quaiser (Wiesbaden), Dr. Arwed Blomeyer (Berlin), Alexander Kühl (Neuss) Druck und Vertrieb: Rautenberg Druck GmbH, Blinke 8, Postfach 1909, 26789 Leer Erscheinungshinweise: Zum 15. eines jeden zweiten Monats. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 27. Januar 2012. Mit Signum oder Namen gezeichnete Bei­träge geben die Meinung des Verfassers wieder.

Deutsche Umschau 6-2011


Politik

Druck aus der polnischen Präsidialkanzlei? Oberschlesier sind enttäuscht über verpasste Chance Mit Kritik reagiert die Landsmannschaft der Oberschlesier e.V. (Ratingen) auf die Entscheidung, dass Bundespräsident Christian Wullf nicht, wie angekündigt, die deutsche Minderheit in Oppeln / Oberschlesien besuchen wird. „Dies ist bedauerlich und zutiefst enttäuschend. Der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) feiert in diesem Jahr sein 20jähriges bestehen, daher wäre es ein enorm wichtiges Zeichen der Verbundenheit gewesen, wenn der höchste Repräsentant Deutschlands dort zu seinen Landsleuten gesprochen hätte, wo die Mehrheit von Ihnen lebt.“, sagt Bundesvorsitzender Klaus Plaszczek. „Ein Zeichen auf das die Landsleute in Oberschlesien schon lange warten“, ergänzt der gebürtige Hindenburger. Wulff nimmt am 15. November an der Feier zum 200. Jubiläum der Universität Breslau teil und sollte in diesem Rahmen ursprünglich auch nach Oppeln fahren. Es sei durchaus befremdlich, führt Plaszczek weiter aus, dass nach der Ankündigung von VdG-Päsident Bernard Gaida, der Bundespräsident werde Oppeln / Oberschlesien noch in diesem Herbst besuchen, offenbar umgeplant wurde. Plaszczek: „Aus

dem St. Annaberg in Oberschlesien geplant war und dann doch nach Kreisau verlegt wurde. „Hierzu sehe ich in der vorliegenden Umplanung gewisse Parallelen, auch wenn sich die Ereignisse nicht vergleichen lassen“. Damals sei die Zeit für einen Besuch in Oberschlesien vielleicht nicht reif gewesen. Doch 22 Jahre danach fühlten sich Oberschlesier „zurecht wieder einmal vor den Kopf gestoßen“. Dass der Bundespräsident die Deutschen nun in Breslau trifft kommentiert Plaszczek so: „Offenbar ist für die polnische Präsidialkanzlei Breslau ein weniger problematischer Ort, wie damals Kreisau. In der Gegend gibt es keine Gemeinden und Kreise mit deutschen Bürgermeistern oder Landräten, keine Gemeinden mit deutschen Mehrheiten. Man kann daher nur vermuten, dass die Region Breslau für die Polen mit weniger Symbolkraft behaftet und deshalb auch minder brisant ist, als Oppeln“. Immer wieder sei aus gut informierten Kreisen zu hören gewesen, dass die Warschauer Präsidialkanzlei weder die Beteiligung von Vertriebenenverbänden an dem Besuch des deutschen Staatsoberhauptes noch eine Visite seiner Landsleute in der

Bundespräsident Christian Wulff (l.) und der polnische Präsident Bronislaw Komorowski vielen Gesprächen weiß ich, dass sich die Oberschlesier auf diese Visite sehr gefreut haben. Vor dem Hintergrund des 20. Jubiläums des VdG aber auch des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages wurde eine große Chance verpasst“, erklärt Plaszczek. Er erinnert hierbei an die Versöhnungsmesse im Jahr 1989 mit Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki, die ursprünglich auf Deutsche Umschau 6-2011

Region Oppeln gewünscht habe. „Wenn dies wahr ist, dann zeigt es uns, dass wir auf dem Weg zur deutsch-polnischen Freundschaft noch weite Strecken zurückzulegen haben. 20 Jahre nach der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrages hält sie offenbar einen Besuch des deutschen Bundespräsidenten in Oberschlesien noch nicht aus“, zeigt sich Plaszczek enttäuscht. Die deutsche

Bundesvorsitzender der Oberschlesier: Klaus Plaszczek

Seite sei offenbar sehr darum bemüht, im Jubiläumsjahr bloß keine Differenzen auszutragen und gebe auch in dieser Hinsicht nach. Ein weiters Beispiel dafür, dass die deutsche Regierung in diesem Jahr „die Füße still gehalten“ habe, sei die „Gemeinsame Erklärung“ des so genannten deutschpolnischen Runden Tisches in Warschau gewesen, in der es nicht gelungen sei, feste Grundsteine für eine deutsche Bildungsinfrastruktur in Polen zu verankern. Es sei bloß bei allgemeinen Formulierungen geblieben. „Wir wollen bewusst nicht scharf formulieren, weil wir zukunftsorientiert sind“, betont der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, „aber wenn ich das ganze deutsch-polnische Jubiläumsjahr Revue passieren lasse, dann kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen“. Viele Aktionen für die Medien seien darunter gewesen, auch viel fürs Fotoalbum. „Die Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler, die sich schon vor dem Mauerfall für eine Freundschaft zu Polen engagiert haben, hat man kaum bis gar nicht beteiligt“, bedauert Plaszczek. Dass jetzt „der Berg zum Propheten und nicht der Prophet zu Berg kommt“, wie Plaszczek bildlich die Tatsache beschreibt, dass die deutsche Minderheit aus Oppeln nun nach Breslau fahren muss, sei die finale Enttäuschung in einem Jahr ohne wirkliche Höhepunkte. „Jedenfalls nicht für uns Oberschlesier bzw. die deutsche Seite“.

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Politik

„Angekommen“ in Berlin

Gewinn blättert. Eine Bezugsquelle finden Sie im Anzeigenteil auf der Seite 17.

Dritte Ausstellung des Zentrums gegen Vertreibungen eröffnet

Die ordentliche BdV-Bundesversammlung fand in der Bayerischen Vertretung statt. Nach Berichten und Aussprachen erfolgte Entlastung des Präsidiums. Einstimmig wurden drei Resolutionen verabschiedet:

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und BdV-Präsidentin Erika Steinbach haben am 26. Oktober die dritte Ausstellung des „Zentrums gegen Vertreibungen“ in Berlin eröffneten. „Angekommen“ ist der Titel der Schau, die noch bis zum 18. November 2011 im Paul-Löbe-Haus, zu

wie die Rahmenbedingungen, die dafür erkämpft wurden, seien es Rechtsstatus, Städtebau, Gedenkkultur oder die Pflege der eigenen kulturellen Wurzeln. Gerade in der jüngeren Generation ist der Beitrag der Vertriebenen zu unserer gemeinsamen, letztlich erfolgreichen Nachkriegsentwicklung nicht

1. Die Bundesregierung wird aufgefordert, die gesetzliche Grundlage für eine humanitäre Geste in Form einer Einmalzahlung für alle Personen zu schaffen, die als Opfer von Gewalt und Willkür zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. 2. Die Bundesregierung hat als Zeichen der Solidarität und aus Verantwortung für das Schicksal der Russlanddeutschen, eine Härtefallregelung beschlossen. Dabei geht es um die nachträgliche Einbeziehung von Ehegatten und Abkömmlingen in den Aufnahmebescheid eines Spätaussiedlers, um Härten durch Familientrennung abzumildern. Der Bundestag hat nunmehr das Gesetz verabschiedet. Die Bundesversammlung begrüßt die Gesetzesregelung.

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert mit BdV-Präsidentin Erika Steinbach MdB. sehen war. Das Thema: Flucht und Vertreibung von 12 bis 15 Millionen Deutschen bis weit nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die größte Zwangsmigration in der europäischen Geschichte. Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen war rückblickend ein Erfolg, der zu den größten Leistungen Deutschlands nach 1945 zählt.

mehr ganz so präsent. Darum ist diese Ausstellung notwendig und wichtig. Durch die Ausstellung führt ein 160-seitiger, reich bebildeter Katalog in dem man mit großem

3. Ebenso einstimmig hat die Bundesversammlung an die politisch Verantwortlichen appelliert, den 5. August eines jeden Jahres zum „Gedenktag für die Opfer von Vertreibung“ zu bestimmen. Dieser Nationale Gedenktag wäre ein Zeichen der Verbundenheit mit den deutschen Heimatvertriebenen. Norbert Quaiser

Der Weg dahin war jedoch von einer Vielzahl menschlicher Härten, vom Leid der Betroffenen und Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen geprägt. Lange war unklar, ob die Entwicklung positiv sein würde. Fehlender Wohnraum, Mangelernährung, soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung begleiteten den Weg zum Miteinander in Deutschland. Der Wille der Vertriebenen, das Land aus den Trümmern des Krieges mit aufzubauen und für ein Europa in Frieden zu arbeiten, war ein wesentlicher Teil des Erfolges. Die Ausstellung zeigt den Weg von der Ankunft über die ersten Jahre durch die Wirtschaftswunderzeit bis hin zur Gegenwart. Die Veränderungen der gesamten deutschen Gesellschaft durch Flüchtlinge und Vertriebene in sozialen, konfessionellen und politischen Belangen werden ebenso präsentiert

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Herausgeber und Redaktion wünschen allen Lesern der Deutschen Umschau frohe, besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Übergang in das neue Jahr 2012. Deutsche Umschau 6-2011


Politik

Breslau – Der Zeit voraus Viele positive Signale von einer internationalen Konferenz An der Alma Mater der schlesischen Hauptstadt fand vom 4. bis 7. Oktober 2011 eine Tagung mit dem Titel „Universität Breslau in der europäischen Kultur des 19.und 20. Jahrhunderts“ statt. Anlass war der 200. Jahrestag der Gründung der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität, die zunächst als „Universitas litterarum vratislaviensis“ 1811 gegründet worden war und zum 100-jährigen Bestehen den Namen ihres Stifters der preußischen Königs Friedrich-Wilhelm III. erhielt. In zahlreichen, sämtliche universitären Aspekte abdeckenden Vorträgen breiteten die nicht nur aus der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland angereisten Vortragenden den Zuhörern ein vielfältiges Bild von einer der jüngeren und nichtsdestoweniger bedeutenderen ehemals deutschen Universitäten.

betonte Tobias Körfer, Vorsitzender der AGMO e.V. und Mitarbeiter der Breslauer Sammlung Köln (www.breslauer-sammlung.de), dass es genau diese Unvoreingenommenheit sei, die es Polen und Deutschen ermögliche, sich in den ehrwürdigen Räumlichkeiten in Breslau zusammenzufinden und gemeinsam Geschichte und Zukunft einer der vormals bedeutendsten deutschen Universitäten zu erörtern. Hervorgehoben zu werden verdient die positive Einstellung des Leiters des Organisationskomitees, Professor Jan Harasimowicz, jungen Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik Deutschland gegenüber. Er betonte, wie

Vorgeschichte, Geschichte und Gegenwart, bildeten den Rahmen innerhalb dessen die Wirkungsmächtigkeit der Breslauer Universität behandelt wurde. Nicht nur in den einzelnen Referaten konnte die enorme Bandbreite des vergangenen und aktuellen wissenschaftDie Universität Breslau bei Nacht lichen Arbeitens in der Odermetropole verdeutlicht werden. Deutlich wurde wichtig es ihm gewesen sei, besonders jünim Rahmen der einzelnen angehörten Vor- geren Fachkräften aus dem Nachbarland träge herausgearbeitet, wie sehr das wissen- Polens die Chance einzuräumen, sich mit schaftliche Vermächtnis aus den Jahren vor ihren Forschungsergebnissen zu präsentie1945 auch bis in die heutige Zeit die Arbeit ren. Darin sähe er persönlich die Zukunft der nun mehrheitlich polnischen Wissen- seiner Breslauer Alma Mater. schaftler durchaus beeinflusst. In Breslau hat man also nicht erst dieses Die heute polnische Universität zu Bres- Jahr, sondern schon seit längerem die Fenslau unterdrückt diese Überlieferungen und ter weit aufgerissen, wie Benedikt XVI. Traditionen keineswegs, sondern greift sie dies vor wenigen Wochen im Bundestag vielmehr begierig auf und pflegt das preu- in anderen Zusammenhängen ansprach, ßisch-deutsche Erbe mit einem Einfüh- um den Mief des Misstrauens, der jahrlungsvermögen, das in dieser Form an bun- zehntelang Herzen und Gedanken von Podesdeutschen Universitäten kaum zu finden len und Deutschen vergiftete, auszulüfsein dürfte. Man nimmt das deutsche Erbe ten. Die Stadt pflegt eine, um einen Begriff der vormaligen Schlesischen Friedrich-Wil- aus der hiesigen „Integrationsdebatte“ zu helms-Universität an, akzeptiert es auch als bemühen, ganz eigene, sehr wohltuende eigenes Erbe ohne dieses jedoch – und das Willkommenskultur. ist im Falle der Breslauer Universität beson- Zusätzlich dankte Professor Harasimowicz ders erfreulich – als „polnische Vergangen- in einem Gespräch am Rande der Konfeheit“ zu vereinnahmen. renz der Breslauer Sammlung Köln sowie In seinem Vortrag über die „Geschichte der der Universität zu Köln dafür, dass diese Traditionspflege der Universität zu Bres- sich als vormalige Patenuniversität und heulau durch die Universität zu Köln ab 1951“ tige Partneruniversität Breslaus ebenfalls Deutsche Umschau 6-2011

mit einem Symposium und Festakt am 2. und 3. Dezember 2011 in Köln den wichtigen Fragen von Tradition und Partnerschaft zwischen der Oder- und Rheinmetropole annehmen werde. Es knüpft sich die Hoffnung an die schönen Eindrücke aus Breslau, dass die in der größten Stadt Schlesiens konsequent gelebte Unbefangenheit im Umgang mit deutscher Kultur und Sprache auch für andere gesellschaftliche und geographische Bereiche der Republik Polen gelten sollte. Es sei all denjenigen, die dies- und jenseits von Oder und Lausitzer Neiße die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben, empfohlen, sich an Breslau ein Beispiel zu nehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund der zurückliegenden Parlamentswahlen, bei denen die Liste des „Wahlkomitees der Deutschen Minderheit“ eine herbe Niederlage einstecken musste, wäre es den deutsch-polnischen Beziehungen und besonders der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen zu wünschen, wenn der „Geist von Breslau“ auch nach Oberschlesien und in andere Gegenden der Republik Polen gelangte, um sich dort zu verbreiten. Vielen unnötigen Kleinkariertheiten im gegenseitigen Umgang, wie dem Streit um zweisprachige Ortsschilder, Gefallenen-Denkmäler oder die übergroße Vorsicht der deutschen Seite und Untätigkeit der polnischen Seite bei der Forderung nach einer flächendeckenden Einrichtung der unabdingbaren deutschen Kindergärten und Grundschulen, würde so die vermeintliche Berechtigung entzogen werden. Unsere Landsleute in Oberschlesien sowie in Ost- und Westpreußen könnten dann hoffen, sich bald unbefangen zu ihrer eigenen Kultur und Muttersprache bekennen zu dürfen. Leider waren keine Vertreter der deutschen Volksgruppe aus Breslau oder Gesandte des „Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen“ (VdG) aus Oppeln während der Konferenz zugegen. Angesichts des fortschrittlichen Verhaltens der polnischen Seite im Rahmen der Breslauer Tagung, hätte eine Präsenz von Vertretern der Deutschen in der Republik Polen das Bild sehr gut abgerundet. Bei solchen Gelegenheiten könnte künftig unprätentiös und dennoch merklich die auch heute gegebene „deutsche Realität“ Schlesiens angemessen betont und gewürdigt werden. Tobias Körfer

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Kultur

Vergessene Kultur? Ostpreußisches Kulturerbe wird durch private Initiativen erhalten In seiner Dokumentation „Vergessene Kultur“ von 1998 hatte der 1949 in Königsberg geborene russische Gebietsarchivar Anatolij Bachtin ein erschreckendes Bild vom Zustand der Kirchen im Königsberger Gebiet gezeichnet: Kaum mehr als ein Viertel von ihnen hatte Krieg und Nachkriegszeit in verwahrlostem Zustand überstanden. Nur zehn der besonders wertvollen mittelalterlichen Kirchen erachtete Bachtin da-

Kirche von Tharau mals als überhaupt wiederherstellungsfähig. Für die meisten der Kirchen setzte sich der Verfall bis heute fort, wenige konnten dank des Zusammenwirkens von deutschen Privatinitiativen und Partnern vor Ort gesichert werden. Eine von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen am 22. und 23. Oktober 2011 in Bad Pyrmont veranstaltete internationale Fachtagung führte eine Reihe von Vertretern solcher Privatinitiativen zusammen, bot zudem Hintergrundinformationen über Theorie und Praxis des Denkmalschutzes im nördlichen Ostpreußen, warf aber auch vergleichende Blicke in das heute litauische Memelland und in das südliche, zur Republik Polen gehörende Ostpreußen. Der Beitrag des Literaturhistorikers Prof. Dr. Wladimir Gilmanov von der Kant-Universität Kaliningrad griff unter der Überschrift „Der schreiende Expressionismus der Ruine“ die von Bachtin ermittelten Fakten auf. Die Ruinenwelt habe eine nicht zu unterschätzende Wirkkraft auf die dort lebenden Menschen und könne wesentlich zur Bildung einer neuen, regionalen Identität beitragen, mithin zur Schaffung einer realistischen Zukunftsperspektive. Dr. Alexander Salenko, Lehrstuhlinhaber für Internationales Recht und Europarecht an der Kant-Universität, gab einen Überblick

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über Rechtslage und Verwaltungswirklichkeit im Königsberger Gebiet. Es zeigte sich, dass sich die Gesetzgebung zum Denkmalschutz in Russland in den 20 Jahren nach der Wende 1989/90 beachtlich entwickelt hat, auf der administrativen Ebene aber noch wenig Verständnis und Kompetenz für diese Fragen besteht. Im Jahre 2010 wurden per Föderationsgesetz und Erlass der Regierung alle kirchlichen Gebäude an die russisch-orthodoxe Kirche „rückübertragen“, was man auch auf die Kirchen des Kaliningrader Oblast anwendete, die niemals der Orthodoxie gehört hatten. Dies stellt, gemäß Hans-Günther Parplies, dem Vorsitzenden der Kulturstiftung und selbst im Förderkreis Kirche Tharau/Ostpr. engagiert, die deutschen Initiativen vor enorme Herausforderungen. Für das als „Ännchenkirche“ bekannte Gotteshaus, das als Traktorenhalle leidlich überlebt hatte, war zuvor von Seiten des Förderkreises in zwölfjähriger Arbeit einiges auf den Weg gebracht worden. Mit der russisch-orthodoxen Kirche hatte man bereits die Vereinbarung getroffen, dass diese das Schiff für ihre liturgischen Zwecke herrichten, die Außenansicht der Kirche aber erhalten bleiben und der Turm für touristische Zwecke zur Verfügung stehen solle.

heute Wesentliches erreicht. Nachdem Arnau 2010 kraft des genannten Föderationsgesetzes in das Eigentum der russisch-orthodoxe Kirche übergegangen war, bot diese an, das Kuratorium in künftige Entscheidungen über die Restaurierung einzubeziehen und auch das ursprüngliche Konzept einer für das Publikum offenen Kirche beizubehalten. Das Kuratorium bleibt gleichwohl skeptisch. Weitere Einzelinitiativen kamen zu Wort: So berichtete Prof. Dr. Margarete Pulver, Braunschweig, über die Bemühungen um die Kirche in Groß-Legitten als Beispiel für den Wiederaufbau als Gotteshaus für eine evangelisch-lutherische Gemeinde vor Ort. Nachdem der 1995 gegründete Verein mit Mitteln des Bundes, des Diakonischen Werks und der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen sowie mit privaten Spenden alle wichtigen Ausbesserungsarbeiten ausgeführt hat, sieht er seine Aufgabe heute als erfüllt an. Die Kirche soll 2012 in das Eigentum der evangelischen Propstei in Königsberg übergehen.

Als Beispiel für die Wiederherstellung zu vorwiegend kulturellen Zwecken kann demgegenüber die Kirche von Heiligenwalde gelten, über die Dr. Bä rbel Beutner, Unna, berichtete. Seit 1993 kümmerten sich ehemalige Heiligenwalder um den Bau, der dem Gymnasium von Neuhausen zur Nutzung übertragen worden war. Mit tatkräftiger Unterstützung Dr. Walter T. Rix durch die russischen berichtete über die Partner konnte er Katharinenkirche umfangreich renoin Arnau, eines der viert werden. Es ist wichtigsten Baugeplant, dort ein werke der früheren soziales, geistliches Ordenszeit, die in und kulturelles Zender Nachkriegszeit trum aus Kirche und unter der Nutzung a n g e s c h lo s s e ner als GetreidespeiSchule einzurichKatharinenkirche in Arnau cher schwer gelitten. Als Beispiel für ten hatte. Einmaden von einer deutliges Zeugnis sakraler Kunst sind die in schen Initiative unterstützen Wiederaufbau Teilen noch vorhandenen Wandmalereien. mit dem Ziel der ausschließlichen Nutzung Das neugegründete Kuratorium Arnau hat durch die dortige russisch-orthodoxe Geseit 1992 Sicherungsmaßnahmen durchge- meinde präsentierte Jochen Haarbrücker, führt und in Zusammenarbeit mit den zu- Neuss, die Kirche in Friedland an der Alle. ständigen Denkmalschutzbehörden und bis Die mächtige dreischiffige Basilika wäre für Deutsche Umschau 6-2011


Kultur die Nutzung durch ansässige evangelische Gemeinde viel zu groß gewesen. Ute Baesmann, Beverstedt, stellte ihre Initiative zur Wiederherstellung der Kirche von Allenburg vor. Eine Gruppe Vertriebener gründete im Jahre 1999 einen Verein, um die Substanz der Kirche zu erhalten und dort ein kleines Museum samt Andachtsraum zu schaffen. Inzwischen wurde vor

Kirche von Groß-Legitten allem der Turm saniert. Wie es nun weitergehen kann, hängt auch hier von der russisch-orthodoxen Kirche ab. Abschließend berichtete Iris Schulz, Wiesbaden, von den Bemühungen um die Kirche von Wehlau. Die Hallenkirche war zur Ruine zerfallen, der zugehörige Ort nicht mehr vorhanden, weshalb man lediglich plante, den Turm als Aussichtspunkt auf den Pregel zu erhalten. Indes scheiterte das Projekt: Eine eingebaute Wendeltreppe verfiel rasch, so dass man die Wiederherstellung schließlich aufgab. Die Berichte offenbarten ganz unterschiedliche Zielsetzungen der einzelnen Initiativen: Steht für die einen die Nutzung der Kirche durch eine evangelisch-lutherische Gemeinde im Vordergrund, so sind andere auch mit der alleinigen Nutzung durch die russsisch-orthodoxe Gemeinde oder mit der als weltliches Veranstaltungshaus einverstanden – wenn nur der Bau selbst als Zeugnis der reichen Kultur des historischen Ostpreußen erhalten werden kann. Werner Freyberg, Direktor des im Deutschordenschloss Ellingen angesiedelten Kulturzentrums Ostpreußen stellte in einer beeindruckenden Übersicht die Aktivitäten vor, welche die Landsmannschaft Ostpreußen in den vergangenen 20 Jahren zwecks Wiederherstellung von sakralen und profanen Baudenkmälern in ganz Ostpreußen entfaltet hat, sei es als eigene Projekte, sei es Projekte anderer unterstützend. Sowohl bei privaten Initiativen als auch bei von Stiftungen und anderen Institutionen Deutsche Umschau 6-2011

getragenen ist, so Freyberg, die Entwicklung klarer Zielvorstellungen und professioneller Nutzungskonzepte für einen Erfolg unabdingbar. Den Einblick in eine gegenüber dem nördlichen Ostpreußen gänzlich anders gelagerte Problematik bot Dr. Arūnas Baublys vom Zentrum für evangelische Theologie, Memel/ Klaipėda, anhand der Auseinandersetzungen um einen Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Memelner Stadtkirche St. Johannis. Während die evangelische Gemeinde einen ihren heutigen Bedürfnissen angepassten, modernen Neubau plante, bestanden die Denkmalbehörden auf der Rekonstruktion des Baus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Immerhin konnte nach jahrelangem Tauziehen der Kompromiss gefunden werden, den das Stadtbild beherrschenden Turm im Wesentlichen in historischen, das Kirchenschiff aber in neuen, dem städtebaulichen Umfeld angepassten Formen zu errichten. Für den südlichen Teil Ostpreußens demonstrierte Dr. Kazimierz Pospieszny, Thorn, die Probleme, vor die sich die polnische Denkmalpflege gegenwärtig gestellt sieht. Hier droht der historischen Bausubstanz nicht die Vernachlässigung, sondern die Vereinnahmung durch Kommerz und Popkultur. Um eine für Ritterevents passende Atmosphäre zu schaffen werden, wie z.B. in der Marienburg, pseudohistorische Gebäude errichtet oder, wie in der Burgruine von Thorn, verfälschende Einbauten vorgenommen. Zerstörend ist auch der Wiederaufbau der Vorburg der Heilsber-

Kirche in Heiligenwalde ger Bischofsburg als Nobelhotel, bei dem man rücksichtslos historische Bodenschichten beseitigt. Die in der Vergangenheit zu recht gelobte polnische Denkmalpflege vermag es nicht, diesen Tendenzen wirksam zu begegnen. Ein hoffnungsvolles Beispiel für grenzübergreifendes Bemühen im Bereich des Denkmalschutzes in Ostpreußen präsentierte

Kirche in Allenburg dagegen abschließend – und in Vertretung des erkrankten, inzwischen verstorbenen Nestors der deutschen Denkmalpflege, Prof. Dr. Gottfried Kiesow – der Vorsitzende der Polnisch-deutschen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz Dr. Eugenius Gorczyca, Warschau. Er stellte das idyllisch gelegene Schloss Steinort vor, einst Sitz der Grafen von Lehndorff, dessen Wiederherstellung seine Stiftung – gemeinsam mit ihrem deutschen Pendant – betreibt. Dank privater und öffentlicher Unterstützung – insbesondere aus Mitteln der Umwandlung eines 1975 von Deutschland verbürgten Kredites an Polen – konnten Sicherungsmaßnahmen an dem maroden Gebäudekomplex vorgenommen werden. Er soll künftig ein anschauliches Bild von der reichen Kultur des ostpreußischen Adels vermitteln und zugleich, so plante es jedenfalls Prof. Kiesow, eine Jugendbauhütte für deutschen und polnischen Restauratorennachwuchs beherbergen. Völlig unterschiedliche Problemlagen bestimmen demnach heute den Denkmalschutz in den drei Teilen Ostpreußens. Noch viel Geschick und Geduld wird für deutsche Initiativen und Institutionen vonnöten sein, um gemeinsam mit Partnern vor Ort eine nachhaltige Sicherung der sakralen und profanen Baudenkmäler zu erreichen. Es geht dabei nicht allein um die Einwerbung finanzieller Mittel: Vor allem für den nördlichen Teil erscheint als wichtigste Aufgabe, jüngere Menschen dafür zu begeistern, sich für den Erhalt des Kulturguts von europäischem Rang zu engagieren. Ehrenfried Mathiak

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Politik

Spannungen werden gepflegt Stamm der Herero fordert Entschädigung für Kolonialkrieg „Die Rückführung von 20 Schädeln der Herero und Nama aus Deutschland hat das Zeug zu einer „unendlichen Geschichte“, so schreibt es die deutschsprachige „Allgemeine Zeitung“ (AZ) Namibias, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Was ist der Hintergrund?

Herero sind nicht mehr Deutsche Untertanen. […] Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auch auf sie schießen.“

Weniger bekannt ist der Zusatzbefehl, der den deutschen Truppen mitgeteilt wurde und in dem es hieß, dass „... das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes des Deutschen Soldaten bewusst bleiben.“ Die Befehle entwickelten allerdings keine Wirkung, sie wurden von der Truppe nicht umgesetzt und von der Reichsregierung sehr schnell wieder aufgehoben. Von Trotha wurde ob seiner harten Haltung im Reich heftig kritisiert. Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow schreib an Kaiser Wilhelm II. am 24. November 1904: Allgegenwärtige deutsche Vergangenheit in Namibia, dem „Die Absicht des Generals ehemaligen Deutsch-Südwestafrika von Trotha…, steht im Widerspruch mit den Prinziermordet. Die schwache deutsche Schutz- pien des Christentums und der Menschtruppe war den Herero anfänglich nicht lichkeit.“ Von Trotha wurde abberufen, ein gewachsen. Die Reichsregierung entsandte ehrender Empfang in der Heimat wurde daraufhin ein Marineexpeditionskorps in ihm versagt. Unzweifelhaft kam es 1904 Stärke von vier Kompanien und später Ver- in Deutsch-Südwest zu einer humanitästärkungen der Schutztruppe. Unter Gene- ren Katastrophe, die Folgen bis in die Geralleutnant Lothar von Trotha wurde der genwart hat. Aufstand der Herero bis zum August 1904 Im Jahr 2002 wurde vor einem US-Gericht niedergeworfen. Der größte Teil der Herero von US-Anwälten im Auftrag der Hererofloh daraufhin in die fast wasserlose Oma- führers Kuaima Riruako und 199 einzelheke, einen Ausläufer der Kalahari-Wüste nen Herero Klage in Höhe von zwei Milim Norden. Tausende Herero verdursteten liarden US-Dollar eingereicht. Man hoffte, mitsamt ihren Familien und Rinderherden den politischen Druck auf die Bundesrepubeim Versuch, die Omaheke zu durchque- blik zu erhöhen. Die juristische Betrachren. Das Vieh hatte zahlreiche Wasserstel- tung der Folgen der deutschen Kolonialherrlen zerstört. Den Herero ließ von Trotha im schaft und des Herero-Aufstandes befindet sogenannten Schießbefehl mitteilen: „Die sich nach wie vor im Anfangsstadium. Eine Im Januar 1904 begann der Herero-Aufstand in „Deutsch-Südwest“ mit dem Angriff der Ovaherero unter ihrem Häuptling Samuel Maharero gegen deutsche Einrichtungen und Farmen. Es kam zu Plünderungen deutscher Siedlungen und teilweise brutalen Morden an rund 150 Deutschen. Deutsche Soldaten wurden unter „viehischen Martern zu Tode gebracht“. Viele Angehörige des im Norden lebenden DamaraVolkes wurden ebenfalls von den Hereros

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Der 1912 errichtete Schutztruppenreiter in Windhuk, ist das bekannteste deutsche Kolonialdenkmal. Auf der Bronzeplatte darunter heißt es: „Zum ehrenden Angedenken an die tapferen deutschen Krieger, welche für Kaiser und Reich zur Errettung und Erhaltung dieses Landes während des Herero- und Hottentottenaufstandes 1903 bis 1907 ... ihr Leben liessen. ...“ Das Denkmal hat an prominenter Stelle in Windhuk die Zeitläufte überstanden. endgültige juristische Klärung könnte wohl nur Namibia durch eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof herbeiführen. Allerdings gibt es aus naheliegenden Gründen keine Anzeichen, das Namibia sich so verhalten wird. Als erster deutscher Kanzler besuchte Helmut Kohl Namibia. Er vermied dabei ein Zusammentreffen mit Hereroabgesandten. Die Haltung aller deutschen Bundesregierungen war stets, das Geschehene zu bedauern, aber keine materielle Verantwortung zu übernehmen. Seit 1990 sind 500 Millionen Euro Entwicklungshilfe nach Namibia geflossen. Am 16. November diesen Jahres wurde in Windhuk eine Vereinbarung unterzeichnet, die Namibia erneut 62 Mio. Euro für Infrastruktur-, Bildungsund Wirtschaftsprojekte zur Verfügung stellt. Insgesamt kommen 60% der Entwicklungshilfe für Namibia aus Deutschland. Allerdings fordern die Herero speziell für ihre Volksgruppe eine Wiedergutmachung. Der Stamm verlangen von der Bundesrepublik Deutschland das Eingeständnis des Völkermords und ein Schuldbekenntnis. In Namibia selbst wird eine Entschädigung der Deutsche Umschau 6-2011


Politik Herero von anderen Volksgruppen, wie den Damara oder den Himba allerdings abgelehnt, weil sie befürchten, unter den dann möglicherweise erstarkenden Herero zu leiden. Insbesondere die Damara fürchten eine einseitige Bevorzugung der Herero. Hereros haben schon damit gedroht, sich im Falle einer Geldsegens aus der Bunderepublik bewaffnen zu wollen, berichten Damaravertreter. Ähnlich wie in der Bundesrepublik sind es auch in Namibia vor allem oppositionelle Gruppen, die immer wieder Entschädigungen an die Herero fordern. Die Grundlage dafür ist der seit den 90er Jahren die Diskussion beherrschende Begriff „Völkermord“ bzw „Genozid“. Es waren immer wieder deutsche Historiker, die sich zu der Ansicht verstiegen, der Holocaust habe bereits Vorbilder in der deutschen Geschichte gehabt. Die angeblichen Erkenntnisse der Wissenschaftler, die fast ausnahmslos im linken politischen Spektrum angesiedelt waren und sind, fielen in der Parteienlandschaft zunächst bei den Grünen, bald auch bei den Linken auf fruchtbaren Boden. Die engen Beziehungen zwischen der „DDR“ und der SWAPO spielen hier eine große Rolle. Es war und ist vor allem die Bundestagsfraktion der Linken, die sich zum Partner der Herero-Führer machte und sie ausdrücklich in ihren Reparationsforderungen bestärkten. Voraussetzung dafür war die Genozid-These, die von vor allem von Historikern aus der „DDR“ als Bestandteil der sozialistischen Kapitalismuskritik vertreten wurde (etwa von Horst Drechsler, aber Gedenken in Berlin auch anderen). Es ist den Herero-Vertretern nicht zu verdenken, dass sie auf diesen Zug aufgesprungen sind.. Es geht dabei um Reparationen, aber es geht auch um eine Landreform, die den (vorwiegend) deutschen Farmern in Namibia, etwa 25.000) ein ähnliches Schicksal wie den weißen Farmern in Simbabwe bescheren könnte. Das Thema Kolonialkriegs 1904 ist nach dem Gedenkjahr 2004 in den letzten Wochen erneut sehr virulent geworden, weil Anfang Oktober diesen Jahres eine hochrangig besetzte Delegation aus Namibia Deutschland besuchte, um 20 Totenschädel Deutsche Umschau 6-2011

in der Berliner Charité zur Rückführung in Empfang zu nehmen. Diese Schädel waren in der Kolonialzeit für antrophologische Untersuchungen nach Deutschland verbracht worden. Die Mitglieder der namibischen Delegation von 73 Personen beklagten sowohl vor wie während des Besuches die angebliche Ignoranz durch die Bundesregierung. Zum Eklat kam es während der Übergabefeierlichkeiten der Totenschädel, als die anwesende offizielle Vertreterin der Bundesregierung, Staatsministerin Cornelia Pieper, für die Regierung sprach. Rund ein Dutzend Mitglieder der Herero-Delegation forderten während ihrer Rede lautstark, sie müsse sich für die Verbrechen der Deutschen während der Kolonialzeit in Namibia entschuldigen. Das tat sie nicht. „Im Namen der Bundesregierung bitte ich sie um Versöhnung“, sagte sie stattdessen. Das war vielen Anwesenden nicht genug. Die FDP-Politikerin verließ daraufhin die Feier, noch bevor der namibische Minister für nationale Angelegenheiten Kazenambo das Wort ergriffen hatte. In einem Geheim-Bericht für das namibische Kabinett gab Kazenambo die Situation wie folgt wieder: „Die Staatsministerin verließ den Ort unmittelbar nachdem sie ihre Rede gehalten hat. Sie verschwand, bevor der Minister (Kazenambo, die Red.) und die drei traditionellen Führer aus Namibia, die während der Übergabezeremonie gesprochen haben, ihre Rede gehalten haben. Sie hat nicht einmal Auf Wiedersehen gesagt.“ In Namibia selbst ist die Reise („Schädeltour“) nicht unumstritten. Die einwöchige Deutschlandreise der namibischen Delegation zur Rückführung der Schädel der Herero und Nama hat den Steuerzahler Namibias insgesamt 1,7 Millionen Namibia-Dollar (150.000 €) gekostet, obwohl nur eine Million N$ (90.000 €) veranschlagt waren. Das hat in Namibia für erhebliche Spannungen gesorgt. Es sollen noch einige Hundert Schädel in Deutschland liegern, die in den kommenden Jahren zurückgeführt werden sollen. Diskussionen über die Kolonialgeschichte wird es dabei immer geben. Eine „unendliche Geschichte“! Markus Patzke

Innenpolitische Umschau

BdV mit mehr Mitgliedern als die Parteien Die letzte Mitgliedererhebung innerhalb des BdV, Stand 2011, hat ergeben, dass 1.300.000 Menschen unserem Verband angehören. Damit engagieren sich allein im BdV so viele Menschen wie in allen demokratischen Parteien zusammen. CDU, CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen verzeichnen insgesamt nur noch 1.230.000 Mitglieder. BdV-Präsidentin Erika Steinbach erklärte dazu: Naturgemäß befindet sich unser Verband in einer Übergangsphase von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnisgeneration. Das hat sich bereits im Rückgang der Mitgliederzahlen niedergeschlagen. Unser Anliegen für die Zukunft ist es, die junge Generation für das Schicksal ihrer Vorfahren zu sensibilisieren und das kulturelle Erbe weiterzutragen. Darüber hinaus wollen wir das Interesse und Engagement aus dem Bereich der von Vertreibung nicht betroffenen Familien und deren Nachfahren gewinnen.

Konservative in der CDU gründen „Berliner Kreis“ Die Konservativen in der CDU wollen eine neue Plattform innerhalb der Partei gründen. Dem „Berliner Kreis“ sollen der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, der hessische Fraktionsvorsitzende Christean Wagner, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, und Brandenburgs Ex-Innenminister Jörg Schönbohm angehören. Der Kreis will sich am Donnerstag offiziell konstituieren. Generalsekretär Hermann Gröhe rief die Parteifreunde auf, ihre Forderungen konkret zu machen.

CDU will Landesbeauftragten für Vertriebene Nach Ansicht der CDU sollte die badenwürttembergische Landesregierung wieder einen Landesbeauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler einsetzen. Die Landtagsfraktion will einen solchen Antrag stellen. Der CDU-Vertriebenenexperte Paul Nemeth sagte zur Begründung, der Verzicht auf den Beauftragten sei „ein falsches Signal an die Heimatvertriebenen und deren Verdienste an der Erfolgsgeschichte“ des Landes.

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Kultur

Kulturpolitische Umschau Siebenbürger Festschrift Das „große Gemeinschaftswerk“, die „Leistungsschau der Siebenbürger Sachsen aus Nordrhein-Westfalen in 60 Jahren“ (Landesgruppenvorsitzender Rainer Lehni bei der Präsentation des Buches) vereinigt auf 452 Seiten eine breit angelegte und sehr reich bebilderte Publikation mit hochkarätigen Beiträgen, mit einer zunächst fast verwirrenden Aufmachung. „Wir sind daheim“ – auch an seinem Gewand kann man es erkennen –, ja, wir sind daheim, hier in Nordrhein-Westfalen, hier in Deutschland, hier in der vor Jahrzehnten lang ersehnten Freiheit. Und hier haben wir einiges zustande gebracht, das wert ist, minutiös dokumentiert zu werden. Das ist dem Landesverband Nordrhein-Westfalen in besonderer Weise gelungen. Die Festschrift kann zum Preis von 20 Euro zzgl. 4,95 Porto in der Landesgeschäftsstelle des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Landesgruppe NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, E-Mail: nrw[ät]siebenbuerger.de, bestellt werden. Telefonische Bestellungen sind unter (02 11) 1 71 25 40, wochentags ab 18. Uhr, möglich.

Klein aber fein! Krippenausstellung im Haus Schlesien Rund um das Christfest hat sich eine Reihe von Bräuchen entwickelt, die sich über Jahrhunderte erhalten haben. Traditionell ist inzwischen auch die Krippenausstellung im HAUS SCHLESIEN in der Weihnachtszeit. Vom 26. November 2011 bis zum 22. Januar 2012 werden erneut Krippen und weihnachtliche Dekorationen präsentiert. Da in diesem Jahr die Sonderausstellung über Ernst Friedrich Zwirner über die Weihnachtstage hinaus gezeigt wird, werden die Krippen in den kleinen Ausstellungsraum „umziehen“. Die Tradition eine Krippe zu Hause aufzustellen geht bis ins 18. Jahrhundert zurück, die Weihnachtskrippe als solche blickt auf eine noch viel längere Geschichte zurück. Und bis heute spielt die Krippe in christlichen Haushalten eine wichtige Rolle. Europa-, ja weltweit verbreitet, zeigt die Krippe

Dokumentationszentrum nimmt Gestalt an 3300 Quadratmeter Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Büroflächen Das Dresdner Büro F29 Architekten und die österreichische Marte.Marte ArchitektenGesellschaft erhielten gemeinsam den ersten Preis zum Umbau des Berliner Deutschlandhauses, das Sitz des Gedenkzentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung werden soll. Wie die Stiftung mitteilte, empfahl die Jury einen der beiden Entwürfe zu realisieren. Vom 30. November bis 18. Dezember sollen die Wettbewerbsarbeiten nun zunächst in einer Ausstellung gezeigt werden. Das Dokumentationszentrum war nach langem Streit 2008 von der Bundesregierung beschlossen worden. Speziell in Polen waren Unterstellungen laut geworden, der Bund der Vertriebenen mit seiner Präsidentin Erika Steinbach wolle ausschließlich

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das Schicksal der deutschen Vertriebenen darstellen, was aber nicht beabsichtigt ist - unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums soll auch die Leidensgeschichte der Vertriebenen aus anderen europäischen Staaten angesprochen werden. Steinbach verzichtete im Zuge der Querelen um das von ihr initiierte Zentrum schließlich auf einen Platz im Stiftungsrat. Im Deutschlandhaus nahe dem Potsdamer Platz sind für das Gedenkzentrum rund 3300 Quadratmeter Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Büroflächen vorgesehen. Das 1930 gebaute und nach Kriegszerstörungen 1960 wieder errichtete Haus muss dafür umfassend umgebaut werden. 21 Architekturbüros hatten sich bei dem Wettbewerb beworben.

jedoch ganz unterschiedliche regionale Ausprägungen. So wurden auch in Schlesien in den einzelnen Regionen sehr unterschiedliche Krippen hergestellt. Beeinflusst von den unterschiedlichen Kunsthandwerkertraditionen entstanden entsprechende Variationen in Form und Material. So waren im Riesengebirge Krippen der bekannten Warmbrunner Holzschnitzschule verbreitet. Auch die Grafschaft Glatz und das Grulicher Ländchen haben eine lange Tradition der Krippenherstellung. Zahlreiche Schnitzer fertigten die charakteristische Holzfiguren meist in Heimarbeit an. Eine Besonderheit dieser Region stellen die Kastenkrippen dar. Jede Figur hat hier vom Künstler ihren festen unveränderbaren Platz in der Landschaft erhalten. Die Besonderheit an diesen Kastenkrippen ist der Versuch, die ganze Weihnachtsgeschichte in einem „Kasten“ zu haben. Häufig verwenden die Krippenbauer zusätzlich natürliche Materialien wie Äste, Papier, Stoff, Glas- und Steinstaub, Moos und Farn. Eine sehr platzsparende Variante sind die, vor allem in Oberschlesien verbreiteten Nusskrippen, bei denen in eine Walnussschale die Heilige Familie im Miniaturformat hineingearbeitet ist. Neben den Krippen dürfen natürlich auch die in Niederschlesien in einigen protestantischen Regionen verbreiteten Weihnachtszepter nicht in der Ausstellung fehlen. S. Findeisen Öffnungszeiten der Ausstellungen: Di-Fr 10-12 und 13-17 Uhr Sa, Sonn- und Feiertage 11-18 Uhr HAUS SCHLESIEN Dollendorfer Str. 412 53639 Königswinter-Heisterbacherrott www.hausschlesien.de Deutsche Umschau 6-2011


Kultur

FRIEDERISIKO Jubiläumsjahr 2012: 300 Jahre Friedrich der Große Am 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag Friedrichs des Großen zum 300. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums stellt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Jahr 2012 die Person des Königs und das Neue Palais im Park Sanssouci in Potsdam in den Mittelpunkt eines vielfältigen Veranstaltungsprogramms. Höhepunkt ist vom 28. April bis zum 28. Oktober 2012 eine Präsentation im Neuen Palais sowie an ausgewählten Orten im Park Sanssouci als zentrale Ausstellung zum Friedrichjahr. Friedrich der Große galt schon seinen Zeitgenossen als eine der facettenreichsten Gestalten der Politik. Noch heute gibt uns sein Handeln viele Rätsel auf. Die große Präsentation in dem von ihm bis ins Detail geplanten Neuen Palais im Park von Sanssouci stellt die Person des Königs in den Mittelpunkt. Sie geht dem Menschen Friedrich nach, um so sein Handeln zu begründen. Auf 6.000 Quadratmetern in 70 teilweise erstmals zugänglichen und aufwendig restaurierten Sälen und Kabinetten sowie an ausgewählten Orten im Park Sanssouci entwickelt sich das Konzept der Ausstellung gleichsam aus Schloss und Garten selbst - als persönlichstem Vermächtnis des Königs. Leitthema ist dabei das Kunstwort „Friederisiko“: Friedrich den Großen, sein Leben, seine Gedankenwelt und sein Handeln unter dem Aspekt „Risiko“ zu betrachten, verspricht überraschende und provozierende Aufschlüsse. Zugleich öffnet sich eine neue Sicht auf die großen europäischen Themen des 18. Jahrhunderts - auf Staat, Religion, Kultur und Philosophie. Geboren im Jahre 1712, machte der Thronfolger des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm

Schriftzug vor Schloss Charlottenburg Deutsche Umschau 6-2011

I. mit 18 Jahren erstmals an den europäischen Höfen Schlagzeilen. Durch seinen Fluchtversuch 1730, der ihn aus der Gewalt des Vaters und den Konventionen des Thronfolgers erlösen sollte, betrat Friedrich auf ganz eigene Art die Bühne der Weltgeschichte, die er 1786 als „der Große“ wieder verlassen sollte. Dazwischen liegt ein selten facettenreiches, schillerndes aber eben doch ganz und gar konsequentes Leben, das bis heute die Geister scheidet. Wie kaum ein Zweiter hat Friedrich in seinem Leben immer wieder alles auf eine Karte gesetzt. Sein geradezu spielerischer Drang zum Risiko waren Mittel und Antrieb auf dem Weg zum Ruhm, den er von Anfang an kompromisslos einschlägt. Das Spiel hätte freilich auch anders ausgehen können. Von Anfang an jedoch kalkuliert er die Wirkung seines Handelns ganz genau und wird so zur charismatischen Figur und „Marke“, die selbst seine intimsten Feinde in Erstaunen versetzte. Genie oder Getriebener? Hasardeur oder Stratege? Menschenverächter oder Feingeist? Die Präsentation im Neuen Palais zeigt, warum und auf welche Weise Friedrich „der Große“ wurde und was ihn für uns heute noch immer als „Großen“ erscheinen lässt. Im Gegensatz zum Schloss Sanssouci, das mehr eine programmatische Utopie darstellt, ist das Neue Palais, nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 in nur sechs Jahren Bauzeit fertig gestellt, das persönliche Vermächtnis des reifen Friedrich. Weniger als repräsentativer Wohnraum gedacht, sondern ganz bewusst für die Zeitgenossen und die Nachwelt als Triumphdenkmal seiner militärischen und persönlichen Größe, mischte sich der König immer

F R I E D R I C H D E R G R O SSE 28. APRIL – 28. OKTOBER 2012 DI E AU S S T E L L U N G I M N E U E N PA LAI S U N D PA R K SAN S S O U C I POTS DA M

wieder intensiv in die vorgelegten Planungen zum Bau und zur Innenausstattung ein. Aus diesem baulichen Vermächtnis heraus entwickelt sich das Konzept der Ausstellung, die in 70 Sälen - in zeitgenössischem Zustand rekonstruiert oder aufwendig museal inszeniert - zur Entdeckung seiner Person und seines Charakters einlädt: Durch die Säle flanierend, erfährt der Besucher von den Ess- und Schlafgewohnheiten des Königs, seinem gewöhnlichen Tagesablauf, seinem Verhältnis zu Freunden und (Staats-) Gästen, seiner Einstellung zu Politik, Religion oder Musik bis hin zu seiner eigenen Inszenierung als Philosoph und Imperator. Nahezu alle Bereiche des Schlosses mit seinen Seidenstoffen, Damast- und Brokattapeten, einmaligen Parkettfußböden und Möbeln sind dabei als Gesamtkunstwerk zu erleben. Neben kostbaren originalen Interieurs und einzigartigen Exponaten wird für „Friederisiko“ eine zeitgenössische Künstlerin mit einer spektakulären Installation eines der Appartements zum Leben erwecken. 594x841_SPSG_Plakat_Friederisiko.indd 1

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Schon zu Beginn der Ausstellung, auf dem Weg zu den Eingängen, begrüßen den Besucher die Protagonisten der Zeit Friedrichs des Großen: Der strenge Vater Friedrich Wilhelm I., Friedrichs Frau Elisabeth Christine, die weder Sanssouci noch das Neue Palais je betreten durfte, und die drei großen europäischen Feindinnen Maria Theresia von Österreich, Zarin Elisabeth die Erste und Madame de Pompadour, Mätresse des französischen Königs. Aber auch Friedrichs Lieblingsschwester Wilhelmine, der vom König verehrte Philosoph Voltaire, sein enger Vertrauter Marschall Keith, die Hündin Thisbe, sein letztes Leibpferd Condé und viele mehr haben ihren Auftritt im Neuen Palais und machen die persönliche Welt des Königs erlebbar. SPSG

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Aus den Verbänden

Blick von außen – Blick von innen

Dr. Zuzana Finger begrüßen, die über ihre Aufgabenstellung und ihr Mitwirken im Landeskulturtagung der Sudetendeutschen Landsmannschaft NRW kulturellen Austausch zwischen Tschechien und Deutschland berichtete. Finger Die sudetendeutsche Volksgruppe habe Herausforderungen und Prozessen. Dabei stellte zunächst die aus ihrer Stellenbeschrei„noch eine glänzende Karriere in der mo- seien gewisse Parallelen im Denken und bung resultierenden Tätigkeitsbereiche vor, dernen Geschichtsschreibung vor sich“, weil Handeln der Sudetendeutschen in der die der „Volks- bzw. Alltagskultur“ der sich diese – die Geschichtsschreibung – zu- Tschechoslowakei mit jener der Deutschen Sudetendeutschen im Hinblick auf Ausstelnehmend „der Studie von Netzwerken, Viel- in Belgien oder der Dänen in Deutschland lungen oder Mundart- und Trachtentagunschichtigkeiten der Identitäten und der An- festzustellen. In allen vergleichbaren Situa- gen in Tschechien und in Deutschland geeignung von Grenzen widmet“. Dies war das tionen gelte das Sehnen immer dem Staat, widmet sind. Zudem ist die Heimatpflegerin Fazit der französischen Historikefür das Kulturprogramm im rin Ségolène Plyer von der UniverSudetendeutschen Haus in sität Straßburg bei ihrem Vortrag München, bei dem oft Ko„Die Rolle der Sudetendeutschen operationsveranstaltungen in den kulturellen und politischen mit dem dortigen TscheBeziehungen zwischen Deutschen chischen Zentrum stattfinund Tschechen aus französischer den, sowie für die Betreuung Sicht“ im Rahmen der diesjähgrenzüberschreitender (suderigen Landeskulturtagung der ten)deutsch-tschechischer Sudetendeutschen LandsmannProjekte zuständig. Ein groschaft, Landesgruppe Nordßes Verdienst bei den diesen rhein-Westfalen, in der Ostdeutkulturellen partnerschaftlischen Heimatstube in Bochum. chen Programmen komme Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts den Heimatlandschaften und hätten die französischen Historiker Heimatkreisen zu, die immer wieder großartige Inikaum Interesse an dem böhmischtiativen in Verbindung mit mährisch-schlesischen Raum geden Verantwortlichen in ihzeigt. In der ersten Hälfte des 20. Landeskulturtagung der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Jahrhunderts betrachtete man die Nordrhein-Westfalen: Landesobmann Günter Reichert, die Referen- ren Heimatlandschaften zur Pflege von KulturdenkmäEntwicklungen in der Tschechoslo- tinnen Zuzana Finger und Ségolène Plyer sowie Landeskulturrefelern, bei Jubiläen oder der wakei sehr stark aus der Sicht des rent Franz Zinecker (v. l.) Würdigung von Persönlichfranzösischen Nationalstaats-Gekeiten aus den Vertreibungsdankens, der jegliche Bestrebungen nach Stärkung oder gar Autonomie ei- in dem es einem besser zu gehen verspricht gebieten gestartet und erfolgreich realisiert ner Bevölkerungsgruppe als Verrat an dem – mit Optionen von der freiwilligen Um- hätten. Eine Erschwernis ergebe sich bei „Vaterland“ beurteilte. Erst nach 1989 wuchs siedlung bis zu dem Streben nach Separie- dieser Arbeit durch die Zerstreuung der das Interesse an der Entwicklung der ost- rung oder der Veränderung von Grenzen. sudetendeutschen Volksgruppe in der Heimitteleuropäischen Staaten und der dorti- Bei dem Versuch der Einordnung der ge- mat und durch die oft weiten Entfernungen gen Probleme, auch an dem Verhältnis zwi- samten Beziehungen zwischen Deutschen zu ihren Heimatgemeinden und -landschafschen Tschechen und Sudetendeutschen, der und Tschechen in der jüngsten Geschichte ten. Es gelte, den schleichenden Verlust der Auseinandersetzung um die Beneš-Dekrete, stellte Ségolène Plyer fest, dass diese „trans- kulturellen Tradition als Alltagskultur, der dem Schicksal von Volksgruppen bzw. dem nationale“ Entwicklung sehr stark auf Gren- mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Integration der Sudetendeutschen in Zusammenleben verschiedener Sprachgrup- zen fixiert gewesen sei. den Aufnahmegebieten einhergegangen sei, pen in einem Staat. Zusammenfassend betonte die Referentin, aufzuhalten. Dabei sei es erfreulich festzuAnhand ihrer Untersuchungen über kollek- dass nicht nur die sudetendeutsche Frage stellen, dass die Angehörigen der nachwachtive Affinitäten zwischen Deutschen und für die französischen Historiker und Poli- senden Generation sich zunehmend auf Tschechen am Beispiel der ehemaligen und tikwissenschaftler „ein kleines Rätsel“ sei die „Suche nach ihren Wurzeln“ begeben. jetzigen Bewohner des Braunauer Länd- und bleibe, sondern es dass aufgrund des Diesen jungen Menschen müssten die verchens, für die Ségolène Plyer im Jahr 2010 „Frankozentrismus“ generell ein geringes schiedenen Gliederungen und Vereinigunmit dem Förderpreis für Wissenschaft der Interesse sowie ein weitgehendes Unver- gen in der sudetendeutschen Volksgruppe Sudetendeutschen Landsmannschaft aus- ständnis gegenüber der verworrenen Völ- sowie die Bildungs- und Begegnungsstätgezeichnet worden war, schilderte die Re- ker- und Staatenstruktur in Ostmitteleu- ten immer wieder interessante und altersgerechte Programme anbieten. „Die Arbeit in ferentin das Spannungsverhältnis zwischen ropa gegeben habe und gebe. der Heimat, vor Ort, mit konkreten Menden Empfindungen als Teil einer ethnischen Nach diesem Blick von außen auf die schen und konkreten Inhalten“, dies sei eine bzw. nationalen Gruppierung als Folge einer sudetendeutschen Fragen konnte Landes- große Chance für die sudetendeutsche Heifast mystischen Verbindung von Menschen kulturreferent Franz Zinecker (Dülmen) matpflege in der Zukunft, betonte Zuzana und ihrem Lebensraum und als Angehöriger die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Finger abschließend. rt eines Staates mit seinen realen politischen

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5/2011

Immer wieder Aufbruch Jahrestagung 2011 des Bauernverbandes in Haus Düsse Mit mehr als 40 Teilnehmern konnte das diesjährige Jahrestreffen, des Bauernverband des Vertriebenen e. V. (BVdV) für seine interessierten Mitglieder aber auch für die ehemaligen und noch tätigen Kreisvertrauenslandwirte und ihre Stellvertreter des früheren Landesverbandes Nordrhein-Westfalen ausrichtete, als gut besucht bezeichnet werden. Wie immer ging dem Jahrestreffen eine Präsidiumssitzung des BVdV voraus, in dem Präsident Walter den Vertreter des BdV Thüringen, Friedhelm Häßner, und Günther Schnabel aus Sachsen besonders begrüßen konnte. Wichtigster Punkt der Präsidiumssitzung war die Vorbereitung des Jahrestreffens. Im verbandsinternen Teil der Zusammenkunft begrüßte Präsident Walter das Ehepaar Anderwald aus Kadlub/Oberschlesien – Anderwald ist Vorsitzender des Kreisverbandes Groß-Strehlitz des schlesischen Bauerverbandes – und Paul Gollan vom Ostpreußischen Bauernverband. Danach gab er seinen Bericht zur Lage und Redaktion: BdV-Landesverband NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 350 361, Fax 36 96 76, Mail: info@bdvnrw.de. Die Redaktion freut sich über alle Berichte, Artikel, Terminankündigungen und Leserbriefe aus dem Bereich des Bauernverbandes der Vertriebenen. Zu Berichten aus der Arbeit Ihrer Verbände vergessen Sie bitte aussagekräftige Fotos nicht.

Bundesgeschäftsführer Dr. Blomeyer referierte über die Verbandstätigkeit im abgelaufenen Jahr seit dem letzten Zusammentreffen auf Haus Düsse im Oktober 2010. Präsident Walter stellte einen Stillstand in der Politik fest, die nur von Krisenbewältigung bestimmt wird und keine gestalterische Ideen hervorbringe. Er beklagte den aufgeblähten Apparat der EU, der sich zu einem Machtapparat entwickelt habe, der die Mitgliedstaaten zunehmend entmündige. Ausführlich geht Präsident Walter auf seine Eindrücke während der Reise nach Oberschlesien mit Horst Schroeder und BGF Dr. Blomeyer ein. (Die Deutsche Umschau berichtete.) Die Fahrt durch die Dörfer zeigte, dass viele Orte restauriert worden sind und auch etliche zweisprachige deutsche Ortsbezeichnungen deuteten auf den Fortschritt in der Zweisprachigkeit an. Der deutsche Bauerntag in Koblenz, an dem Präsident Walter teilnahm, war geprägt von den neuen Vorstellungen der EU-Agrarpolitik ab 2013 und der Vorstellung des neuen Leitbildes des Deutschen Bauernverbandes (DBV). In seinem Leitbild hat der DBV erneut die Eigentumsfrage thematisiert. Er schreibt wörtlich: „Eigentum und Eigentumsrechte prägen bäuerliches Selbstverständnis. Sie sind die Triebkraft für wirtschaftliches Engagement, Unabhängigkeit und Freiheit, aber auch für Verantwortung. Eigentum und Eigentumsrechte zu wahren, ist uns auch in Zukunft ein großes Anliegen. Gleichwohl richten wir unseren Blick auf das Gemeinwohl. Eigentum und Wertschöpfung gehören für uns in bäuerliche Hand.“ Präsident Walter schließt mit den Worten: „Wahrheit und Dialog – Schlüssel zur

Verständigung“, das war die Losung des BdV 2011. Ich denke, diese Worte sagen viel. Tun wir alles, um diese Wahrheit zu sichern, damit ein guter Dialog möglich ist und zur Verwirklichung der Menschenrechte führt. Was im Kleinen längst üblich ist, sollte doch auch im Großen möglich sein“! Im Anschluss gab Dr. Blomeyer den Tätigkeitsbericht über die Aktivitäten der Geschäftsstelle in Berlin seit der letzten Jahrestagung. Er verweist darauf, dass regelmäßig in der Deutschen Umschau über besondere Ereignisse berichtet wird. Wer über das Internet zur Vertriebenenproblematik Informationen erhalten möchte wird aufgefordert, seine E-Mail Adresse der Geschäftsstelle mitzuteilen. Am Freitagabend lud Clemens Reimann, KV Iserlohn, zu einer Video-Stunde ein, in der er den 3. Ostdeutschen Bauerntag und einen Querschnitt der Reisen des KV Iserlohn des BVdV nach Pommern, Ostpreußen und Schlesien Revue passieren ließ. Der herzliche Beifall der Zuschauer dankte es ihm. Gleichzeitig war damit genügend Gesprächsstoff für die folgenden Stunden des gemütlichen Beisammenseins im Westfalenkeller gegeben, dem auch die Gäste aus Oberschlesien beiwohnten. Viele Tagungsteilnehmer konnten sich von den deutschen Sprachkenntnissen der Praktikanten aus Oberschlesien einen eigenen Eindruck verschaffen. Der bereits angereiste Referent Hubert Maessen, freier Publizist und Mitarbeiter des WDR im 4. Programm, war ebenfalls am Vorabend angereist und beeindruckt, welche Kontakte zwischen dem schlesischen Bauernverband und dem Bauernverband der Vertriebenen bereits bestehen und seit Jahren gepflegt werden. Er bekannte freimütig in der Unterhaltung, über die zahlreichen Aktivitäten der Fortsetzung Seite 14


Bauernverband Fortsetzung von Seite 13 deutschen Minderheit in Oberschlesien, insbesondere die deutschstämmige Landbevölkerung, nicht informiert zu sein, obwohl der WDR einen Korrespondenten in Warschau hat. Gleichwohl war er erfreut, dass auch die junge Generation in Oberschlesien und Polen allgemein sich immer mehr mit der Geschichte vor 1945 und den Vorgängen der Vertreibung beschäftigt. Auch für einen Außenstehenden war es interessant, dem Gespräch von Hubert Maessen und seinem Kollegen vom polnischen Fernsehen in Oppeln zuzuhören. Er bekräftigte in der abendlichen Unterhaltung, dass nur durch den Brückenbau, den der BVdV und seine Mitglieder seit Jahrzehnten leisten, die Verständigungspolitik zur Heilung der Menschenrechtsverletzungen der Vertriebenen und Flüchtlinge voran gebracht werden kann. In der öffentlichen Veranstaltung am Sonnabendvormittag konnte Präsident Walter die Präsidenten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LK NRW), Johannes Frizen und der Landwirtschaftskammer Oppeln, Herbert Czaja, begrüßen. Er freute sich auch über die Teilnahme von Karl-Heinz Schulze zur Wiesch, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). In seinem Grußwort stellte Frizen die derzeitigen Aktivitäten von Haus Düsse und der beruflichen Weiterbildung der heimischen Landwirtschaft dar. Er ging aber auch auf die Sorge und Nöte der Landwirtschaft insgesamt ein. Präsident Herbert Czaja bedankte sich für die nunmehr 20jährige Unterstützung aus Westfalen sowohl im Wiederaufbau der oberschlesischen Landwirtschaft aber auch in der Partnerschaft des Praktikantenaustausches, der stets vom BVdV und der LK NRW gefördert wurde. Besonders bedankte er sich bei dem anwesenden Vorstandsmitglied des BVdV, Horst Schroeder, der die zahlreichen Aktivitäten des schlesischen Bauernvereins und des schlesischen Landfrauenvereins seit der Gründungsphase in den Jahren 1991 bis heute in zahlreichen Reisen und Beratungen unterstützt hat. Über die Verleihung der goldenen Kammerplakette der Landwirtschaftskammer Oppeln wurde bereits ausführlich berichtet. Karl Heinz Schulze zur Wiesch ging auf die soeben herausgegebenen Vorschläge der EUKommission zur EU-Agrarpolitik ab 2013

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Grußwort der Gäste v.l.n.r. Peter Anderwald, Lk-Präs. Herbert Czaja (stehend), Präs. Walter (BVdV), Präs. Johannes Frizen LK NRW ein und warnte vor einer Überbetonung der Extensivierung vor dem Hintergrund der steigenden Hungers in den Bevölkerungen Asiens und Afrikas. Der politisch gewollte Einstieg in die alternativen Energien und die Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe dürfe nicht durch zwangsweise vorgenommene Flächenstilllegungen – wie in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts – konterkariert werden. In dem sich anschließenden Hauptreferat befasste sich Hubert Maessen, Holländer und freier Journalist beim WDR (mit seinem Mittagskommentar stets in WDR 4 zu hören), unter dem Thema „…und immer wieder Aufbruch“ mit der Problematik der Vertreibung und dem Schicksal der Vertriebenen aus der Sicht eines die heutige Politik beobachtenden Journalisten. Hubert Maessen überprüfte zunächst die Charta der Vertriebenen von 1950 auf ihre Vision zur Bildung eines gemeinsamen Europas. Er kam zu dem Schluss, dass aus der aktuellen Sicht in der Tat auf das falsche Pferd gesetzt wurde. Nach seiner Meinung war und ist die Idee der Europäischen Union durchaus wunderbar, doch viel zu viel sei in der Vergangenheit falsch gelaufen. Die Fehlsteuerung schreibt er sowohl den europäischen Regierungschefs und ihrer Politik zu, die „…eine von allen guten Geistern verlassene Politik mit Hilfe einer wuchernden Bürokratie so etwas wie eine westliche Sowjetunion schaffen, eine zentralistische Gleichmacherei, eine Ausrichtung auf die Ökonomie zu Lasten von Freiheit und Kultur, von Demokratie und Recht, die jetzt

in das zerstörerische Desaster des Euro und der Banken führen“ als auch „…dem fortschreitenden Zwang unter einer demokratisch völlig unzureichenden legitimierten und kontrollierten Kommissionswirtschaft – die ‚Diktatur des Kommissariats‘ hat neulich jemand formuliert“. Er attestierte den Vertriebenen, dass sie aus heutiger Sicht auf das falsche Pferd gesetzt haben, weil ihr europäisches Bekenntnis nicht verhindert hat, dass das „geeinte Europa“ die deutschen Vertriebenen und ihre Vertreibung in den europäischen Verträgen nicht berücksichtigt, ja sogar ihnen das Heimatrecht verwehrt und sie bei der Grundrechtecharta förmlich ausgenommen hat. Was dem Druck Polens und Tschechiens zu verdanken ist, die vom eigenen Unrecht nichts wissen wollen. Maessen spricht von der europäischen Zementierung eines Bruchs von Menschenrecht und Völkerrecht. Die Vertriebenenverbände seien wegen ihrer nicht erfolgreichen Politik in den Anfangsjahren und auch später nicht ganz unschuldig an dem jetzigen Zustand. Sie sind immer wieder aufgebrochen aber nicht angekommen. Europa schuldet den Vertriebenen Dank, da sie stets auf friedliche Mittel der Mahnung und des Protestes gesetzt hätten im Gegensatz zum Beispiel der Palästinenser, die – auch heute noch – auf das Mittel der Gewalt zurückgreifen. Maessen ist der Meinung, dass Europa schon im eigenen Interesse die Frage des Heimatrechts positiv beantworten müsse. Wörtlich sagte Maessen: „Ein Europa, das

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Bauernverband seine vielfältige Kultur als Reichtum hat, durfte niemals die Vertreibung der deutschen Kultur aus der lange Zeit angestammten Regionen wortlos akzeptieren. Der Verlust der Heimatvertriebenen ist auch ein Verlust für Europa“. Dem linken Teil unserer Gesellschaft hält Maessen den Spiegel der Schizophrenie vor, da sie ein Ende der Vertreibungsdiskussion im eigenen Land fordern, aber bei Auslöschen oder Verschwinden anderen Völkern oder Ethnien – zum Beispiel in Südamerika oder in Afrika – und deren kulturellem Erbe eine Bewahrung und einen Schutz fordern. „Es reiche deshalb nicht aus, die Häuser in Breslau oder Danzig zu restaurieren, wenn man die Erbauer und Besitzer, wenn man das ursprüngliche Leben ausreißt. Wo die Fundamente weggerissen und zerstört werden, da sind Bauten bloß noch Kulissen“, so Maessen wörtlich. Es löst bei ihm ein Kopfschütteln aus, wenn die Bundesregierung sich weigert den vornehmlich aus dem Osten stammenden deutschen Zwangsarbeitern eine Entschädigung zu zahlen und keinen Finger gegen die völkerrechtswidrige Vertreibung eigener Landsleute rührt, auf der anderen Seite aber die Vertreibungen im Serbien, Kosovo und in Kleinasien anprangert. „Wenn deutsche Politiker ihre Vertriebenen verraten und wie Parias behandeln, dann ist ihr Engagement für bedrohte Völker und aussterbende Arten auch nur eine Art Exoten-Schau“, so Hubert Maessen wörtlich. Die Renaissance der Darstellung der

Interessierte Zuhörer

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Vertreibung in Film, Fernsehen und PrintMedien zeigt deutlich, dass die Vertriebenen nicht ausgestorben sind, wenngleich die Erlebnisgeneration der biologische Uhr Tribut zollen muss. Doch Kinder und vor allem Enkel stellen Fragen und die Antworten werden von ihnen im Herzen bewegt und sie entschließen sich Traditionen fortzuführen. Das tun viele. Maessen mahnt: „Die Menschheit verfügt über ein langes Gedächtnis trotz der dahin rasenden Zeit. Schweigen schließt die Wunden nicht. Sie bleiben lange offen. Auf Vergessen darf man nicht hoffen. Unrecht muss geheilt werden.“ Maessen stellt die Frage: Gibt es einen Ausweg? Einen Aufbruch? Dazu schlägt er ein Bündnis und einen Dialog zum Beispiel der Schlesier vor und zwar zwischen denen, die vertrieben wurden und denen, die in ihrer Heimat verblieben sind oder gesiedelt haben. „Viele von Ihnen wissen, dass es im Osten eine junge Generation gibt, die nach den Wurzeln ihrer neuen Heimat sucht, und dabei die Deutschen entdeckt, ihre Leistung mit Staunen wahrnimmt und bewundert. Mit denen muss man sich verbünden, um gemeinsam die Region wieder aufleben zu lassen, mit ihrer Geschichte und ihren ureigenen Traditionen. Ansätze dazu gibt es, vor allem noch privater Natur, aber das wäre eine ernsthafte Aufgabe für den Bund der Vertriebenen, für die Landsmannschaften, für die Politik. Motto: „Gemeinsam das Europa der Regionen schaffen“! Arwed Blomeyer

Umschau für den Landwirt „Tierhaltung weiterentwickeln“ „Die Haltung von Nutztieren ist von den Stalleinrichtungen über das Fütterungssystem bis hin zum gesamten Haltungsverfahren so weiter zu entwickeln, dass sie einer kritischen gesellschaftlichen Betracht u ng standhält, wobei gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben muss“. Diese Feststellung traf der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf dem Kreisverbandstag 2011 in PaderbornWewer. Tierhaltung und Tierschutz haben sich zu emotionalen Megathemen entwickelt. „Auch wenn sich jeder einzelne Vorwurf fachlich entkräften lässt, ergibt sich auf Dauer kein positives Bild einer auf Nachhaltigkeit und Tierschutz ausgerichteten bäuerlichen Tierhaltung“, erklärte Sonnleitner. Dabei hätte es in den zurückliegenden Jahren erhebliche Fortschritte bei den Haltungsbedingungen der Nutztiere gegeben. Jeder Stallneubau diene letztendlich dem Tierwohl und verbessere die Arbeitsbedingungen.

Gänsebraten wird teurer Wer auch in diesem Jahr nicht auf den leckeren Gänsebraten aus heimischer Produktion verzichten will, sollte sich seine Gans rechtzeitig sichern. Verbraucher müssen nach A ngaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr zwischen 10,00 Euro und 13,70 Euro pro Kilogramm, im Durchschnitt 11,85 Euro, für eine frisch geschlachtete Gans auf die Theke legen. Das sind durchschnittlich 1,30 € pro Kilogramm mehr als im vergangenen Jahr. Aufgrund der höheren Futterkosten war die Kükenaufzucht teurer. Insgesamt ist das Angebot sowohl in Deutschland als auch in Osteuropa in diesem Jahr knapper als sonst. Auch die Gänse aus Osteuropa werden in diesem Jahr teurer in die Tiefkühltruhen des Lebensmitteleinzelhandels gelangen.

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Bauernverband

Im Ruhestand, aber immer aktiv Dr. Arwed Blomeyer feierte seinen 70. Geburtstag Als Sohn des Landwirts Werner Blomeyer und seiner Ehefrau Hildegard wurde er auf dem Gut Ober-Eisdorf in Eisdorf, Kreis Namslau in Schlesien geboren. Nur wenige Jahre der Kindheit konnte er auf dem Hof in der Heimat erleben. Am 16. Januar 1945 begann die Flucht mit dem Treck des Gutes vor der nahenden Front. Bei Ohlau über die Oder und nach Landeshut fuhren sie weiter über das Riesengebirge in das Sudetenland, wo sie in Lubenz die Kapitulation erlebten. Danach erneuter Aufbruch nach Thüringen zu Verwandten in Jena und weiter nach Westfalen, wo sie am 16. Juni l945 Aufnahme bei Verwandten auf dem Rittergut Haus Beck bei Löhne fanden. 1955 zog die Familie nach Bad Oeynhausen, da der Vater nach einer schweren Er-krankung eine Anstellung bei den Humana-Milchwerken fand. Arwed Blomeyer erwarb am ImmanuelKant-Gymnasium in Bad Oeynhausen das Abitur. Nach einem landwirtschaftlichen Praktikum folgte das Studium der Landbauwissenschaften in Göttingen und ein Auslandspraktikum in Schweden. Das Studium wurde dann in Bonn fortge-setzt und als Diplomlandwirt abgeschlossen. Von 1968 bis 1972 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Tierernährung der Univer-sität Bonn, wo er auch zum Dr. agr. promovierte. Es folgten 3 Jahre Abteilungsleiter am nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft in Tunis/Tunesien für die GTZ. 1976 wurde er Referendar des Höheren Landw. Dienstes in NRW und 1978 bis 1981 als Landwirtschaftsrat Referent für Tierproduktion an der Höheren Landbauschule in Soest. In diese Zeit fiel die nebenamtl. Tätigkeit für die GTZ als Projektsprecher für das Projekt „Futtermittellabor Damaskus/Syrien „. 1982 wurde er Geschäftsführer der Kreisstelle der Landw.Kammer im Kreis Höxter und Leiter der unteren Landw.-Behörde sowie Direktor der Höheren Landbau-schule in Brakel, Krs. Höxter. Von 1987 – 1991 war er dann Hauptgeschäftsführer des Westfä-lischLippischen Landwirtschaftsverbandes in Münster, bis er 1991 abgeordnet wurde an die Landesvertretung des Landes SachsenAnhalt in Bonn. 1992 erfolgte die Ernennung zum Ministerialrat und zum Leiter

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des Referates für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Umwelt und Naturschutz in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt in Bonn und dann in Berlin. Ab 1995 war er auch Ländervertreter für Beratungen zur Festlegung der Verhandlungsposition der Bundesrepublik Deutschland zu Vorhaben der EU im Agrarministerrat und im Sonderausschuß Landwirtschaft. 2006 konnte er als Ministerialrat in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet werden. Ein bewegtes, interessantes und erfolgreiches Berufsleben lag nun hinter ihm. Aber zum Ruhig-sein war er nicht bereit. Die Erlebnisse der Flucht und die einschneidenden Auswirkungen für die Familie durch den Raub von Heimat und Hof haben bei ihm ein starkes Bewusstsein für Gerechtigkeit erzeugt. Wie sein Vater, der sich Jahrzehnte für die heimatvertriebenen Bauernfamilien engagierte, so war auch er nach seiner Pensionierung bereit, für die Rechte der Vertriebenen aktiv mitzuarbeiten. Der Bauernverband der Vertriebenen (BVdV) konnte ihn als Bundesgeschäftsführer gewinnen. Diese Aufgabe erfüllt er nun seit fast fünf Jahren mit großem Engagement. Die guten Kenntnisse und Erfahrungen helfen ihm dabei ebenso wie die vielen guten Kontakte zu Personen des bäuerlichen Berufsstandes und zu politischen Gremien.

Dr. Arwed Blomeyer Ein großes Anliegen ist für ihn die Kontaktpflege zu den in der Heimat lebenden Bauernfamilien, besonders in Oberschlesien und in Ostpreußen. Der Vorstand des BVdV bringt zu diesem Anlaß seine Dankbarkeit für seine rege Tätigkeit zum Wohle des Verbandes und für unsere Mitglieder zum Ausdruck. Dr. Blomeyer kann sich auf die Unterstützung seiner lieben Frau verlassen. Beide können sich über die gute Entwicklung ihrer Söhne und der Tochter freuen. Ein harmonisches Familienleben ist für alle eine gute Grundlage, den Anforderungen gerecht zu werden. Wir wünschen ihm beste Gesundheit und alles Gute für die weiteren Jahre.

Hände weg von Daunenjacken VIER PFOTEN warnt vor verstecktem Tierleid Herbst und Winter stehen vor der Tür, die Konsumenten denken über den Kauf von Winterjacken nach. Viele greifen jetzt zur Daunenjacke, die kuschelig warm und ein vermeintlich naturnahes Produkt ist. Doch wo kommen die Daunen überhaupt her und wie werden sie gewonnen? Fakt ist, dass die Daunen in den Jacken entweder aus Lebendrupf oder aus tierquälerischer Massentierhaltung wie der Stopfmast stammen. Beim Lebendrupf werden den Gänsen am lebendigen Leib die Federn herausgerissen. Verdeckte Ermittler von VIER PFOTEN wurden in Polen, Ungarn und China selbst Zeuge dieser grausamen Praxis. Sie

sahen panische Gänse, blutende Wunden, die ohne Betäubung vernäht wurden, gebrochene Flügel, sterbende Tiere. Diese Prozedur müssen die Gänse meist mehrmals in ihrem kurzen Leben über sich ergehen lassen, bevor sie geschlachtet werden. Aber nicht nur der Tierschutz bleibt bei den Gänsedaunen auf der Strecke, sondern auch die Natur. Die Massentierhaltungen verseuchen Luft, Land und Wasser. Das angebliche Ökoprodukt Daune hat eine schreckliche Umweltbilanz. VIER PFOTEN fordert daher alle tierlieben Menschen dazu auf, sich für Jacken aus synthetischen Alternativen zu entscheiden.

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Mehr Menschlichkeit für Tiere

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Kultur

Im Land von „1000 und einer Nacht“ Der Oman braucht keinen „arabischen Frühling“

London ins Exil geflogen, wo er zwei Jahre später verstarb. Seit der Regierungsübernahme war Sultan Qaboos um eine Öffnung und Modernisierung des Landes bemüht. Bis 1975 war der Wüstenaufstand beendet und der Oman war bereit, sich zu einem modernen Staat zu entwickeln. Neben der Aufhebung von Ein- und Ausreisebeschränkungen trat Oman noch 1971 der UNO und der Arabischen Liga bei. Durch die Ölkrise von 1973 und die steigenden Preise für Erdöl konnte Oman hohe Einnahmen erzielen, die in die Modernisierung der Infrastruktur, des Bildungs- und Gesundheitswesens investiert wurden. Für diese Ziele wurde mit Hilfe des IWF ein erster Fünfjahresplan für 1976 bis 1980 aufgestellt. Seit den achtziger Jahren liegt der Schwerpunkt der Investitionen mehr im Bereich der industriellen Entwicklung und der Modernisierung der Landwirtschaft. Es gelang unter Qaboos, die Feudalgesellschaft des Oman in wenigen Jahrzehnten unter Beibehaltung der Traditionen in eine moderne Industriegesellschaft umzuwandeln. Qaboos ist ein Herrscher wie kein anderer in der arabischen Welt. Er ist unverheiratet, lebt alleine, spielt Orgel sowie Laute und komponiert. Er ist der wohl der weltgewandteste und am besten informierte Führer in der arabischen Welt, der sich sowohl mit

Der renommierte amerikanische Journalist und Autor Robert D. Kaplan schreibt über den Oman: „Niemals bin ich in der arabischen Welt auf einen Ort gestoßen, der so gut regiert wurde wie der Oman – und das auf eine so ruhige und unauffällige Weise.“ Wer den Orient sehen sehen will, wer das Morgenland in seiner ursprünglichen Form erleben will, der muss den Oman sehen. Das Land von „1000 und einer Nacht“ und der Heimat des Seefahrers Sindbad. Die Entwicklung des Oman begann vor 40 Jahren, als Sultan Quaboos seinen Vater stürzte und die Macht übernahm. Bis 1970 war der Oman ein abgeschottetes Land, das sich jeder Entwicklung verschloss. Weder Kein arabischer Frühling: Um den Sultanspalast blüht es immer wurden seine Bodenschätze nutzbar gemacht, noch in die Infratstruktur des Landes investiert. Welt zu sein, wo demokratische ErhebunMit 17 Jahren wurde der jetzige Sultan von gen Regierungen hinweggefegt und Aufseinem Vater auf eine Privatschule nach stände und Revolutionen die politischen England geschickt. 1960 trat er als KaStrukturen blutig verändert haben. dett in die Königliche MiDer Reisende befindet sich im Oman, der litärakademie in Sandhurst letzten absoluten Monarchie der Welt. Am (Großbritannien) ein. DaOman ist der arabische Frühling weitgenach wurde er 1962 als Sehend vorbeigezogen, nicht wegen eines recond Lieutenant in ein bripressiven autokratischen Regimes, sondern tisches Infanterie-Bataillon wegen der Zufriedenheit der Menschen. der Rheinarmee beordert Der arabische Frühling blüht hier bereits und tat sieben Monate lang seit 40 Jahren. Dienst in Minden. Nach seiDas ist das Verdienst des herrschenden Sul- ner Dienstzeit wurde er in tans Quaboos al Said. Proteste gab es zwar, England in administrativen aber sie waren mehr Ausdruck einer Jugend- und wirtschaftlichen Dinkultur. Die jungen Omaner schienen nach- gen geschult, um später im zumachen, was ihnen ihre Altersgenossen Oman eine moderne Verin Tunis, Kairo und Manama vormachten. waltung aufbauen zu könAber sie verlangten in erster Linie „nur“ Ar- nen. 1964 kehrte Sultan beitsplätze und die Eindämmung der Kor- Qabus in den Oman zuruption; die Herrschaft des überaus popu- rück. Rasch stellte er fest, Vorsichtige Demokratisierungsabsichten und die Fünf-Tagelären Sultans Qaboos stellten sie zu keinem dass das Land von seinem Woche verkündete Sultan Quaboos al Said am 31. Oktober Zeitpunkt in Frage. Die Regimefrage wurde Vater im tiefsten Mittelal- diesen Jahres nicht gestellt. Dennoch reagierte der Sultan ter gehalten wurde. Am 23. umgehend: Er stellte die Schaffung Zehn- Juli 1970 setzte er seinen Vater mit Hilfe israelischen als auch mit palästinensischen tausender neuer Arbeitsplätze in Aussicht, des jungen Scheichs Buraik ibn Hamud Standpunkten gründlich auskennt, während verfügte die Verbesserung bestimmter Sozi- al-Ghafiri durch einen Staatsstreich ab. er gleichzeitig US-Amerikaner gegenüber alleistungen, bildete die Regierung um und Nach Auseinandersetzunge fügte dieser Iranern ins Gleichgewicht bringt und USkündigte mehr Rechte für den gewählten sich seinem Schicksal und unterzeichnete Streitkräften die Nutzung von Stützpunkdie Abdankungsurkunde. Er wurde nach ten gestattet. Der Oman ist wichtig, auch, Konsultativrat und den Staatsrat an. Wer über die sauberen Teerstraßen fährt, schmucke gepflegte Häuschen und Villen sieht, unzählige neue Schulen und Krankenhäuser zur Kenntnis nimmt und das geschäftige Feilschen der Händler im gerade renovierten Souk beobachtet, der glaubt nicht, mitten in der unruhigen arabischen

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Kultur

Eigentumsrechte nicht vergessen Serbische Flüchtlingsverbände melden sich zu Wort

Eines der fünf Minarette der Großen Sultan-Qaboos-Moschee, die Hauptmoschee des Oman. Sie gilt als eine der weltweit größten Moscheen. Der 1995 begonnene Bau wurde 2001 abgeschlossen. weil er direkt an der Straße von Hormuz liegt. Diese müssen 40 Prozent aller Öltanker weltweit passieren. Infrastrukturprojekte, Frauenrechte und die Umwelt sind die Kernaufgaben seiner Regentschaft und bisher hat er es vermieden, einen Personenkult zu etablieren, der typisch für die Region ist. Demokratie nach westlicher Art ist für den Oman in der augenblicklichen Situation kaum vorstellbar. Und die Entwicklung des Landes in den letzten 40 Jahren lässt den Besucher den Demokratieexport nach amerikanischem Vorbild ausgesprochen kritisch sehen. Auch nichtdemokratische Länder können außerordentlich effizient sein, allerdings setzt das voraus, dass die Bevölkerung zufrieden ist. Genau das ist im Oman der Fall. Erst jetzt setzt eine vorsichtige Demokratisierung ein. Die größte Herausforderung für das Land wird es sein, einen geeigneten Nachfolger für den kinderlosen 70jährigen Sultan zu finden. Im Oman kann der Besucher, der mit offenen Augen durch die schmucken Städte reist, seine Vorurteile und Stereotypen über islamische Länder revidieren. Mit Freundlichkeit, Offenheit und großer innerer Ruhe begenen einem die Menschen, die der ibaditischen Richtung des Islam angehören. Sie leben heute in einem modernen Staat in Einklang mit ihren alten Traditionen. Fortschritt muss nicht zwangsläufig einhergehen mit Verlust der kulturellen Identität und Menschlichkeit – ein beeindruckendes Erlebnis für jeden Besucher des Oman, des Landes, aus dem die Heiligen drei Könige kamen. Markus Patzke Deutsche Umschau 6-2011

Die Außenminister von Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro werden am 07. November 2011 in Belgrad das politische Dokument „Gemeinsame Deklaration zur Lösung der Probleme der Flüchtlinge und Vertriebenen“ unterzeichnen. Die Koalition der Flüchtlingsverbände ist gegen diese Deklaration, da sie die Rückgabe des konfiszierten Eigentums der Vertriebenen und Flüchtlinge während des Krieges in Kroatien in den neunziger Jahren nicht mit einbeschließt. Ein Bericht von Tamara Prodanovic. Die Koalition versucht seit zwei Jahren einen Dialog zwischen Serbien und Kroation ins Leben zu rufen, welcher ermöglichen wird, über alle noch ungelösten Fragen offen zu sprechen. Solche Fragen betreffen eine halbe Million vertriebener Serben aus Kroatien und über 100 000 Menschen aus Serbien, welche während des Krieges ihr Eigentum verloren haben. Koalitionspräsident Miodrag Linta ist der Meinung, die Deklaration sende eine falsche Botschaft an die Öffentlichkeit, dass die Eingentumsund andere Probleme der Vertriebenen und Flüchtlinge gelöst sind, und dass noch nur

einige Sozialfälle geblieben sind, welche man in den nächsten Jahren lösen kann. Die Vertriebenen und Flüchtlinge verlangen, dass der endgültige Entwurf der Gemeinsamen Deklaration, welcher in Belgrad unterzeichnet werden soll, durch die Bestimmung ergänzt wird, laut der sich die vier Staaten verpflichtet erklären, den Dialog unverzüglich aufzunehmen, und die Vereinbarung über die Durchführung des Anhangs G des Wiener Sukzessionsbkommens zu treffen. In diesem Anhang steht eindeutig, dass alle Bürger die Rechte wieder erhalten müssen, die sie am 31.12.1990 hatten. Serbische Flüchtlinge und Vertriebene, welche um ihre Rechte in Kroatien geschädigt worden sind, setzen sich für die Versöhnung und gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien ein, aber mit vollem Respekt vor grundlegenden europäischen Werten. Das sind die Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Der Versöhnungsversuch über den Rücken von Hunderttausenden der Geschädigten sei unmoralisch und habe keine Aussicht auf Erfolg, so die Koalition. Tamara Prodanovic.

„Tschechen müssen sich Geschichte stellen“ Mit dem Besuch von drei Gedenkorten in Tschechien wollten Vertreter der Sudetendeutschen und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ein Signal an die tschechische Öffentlichkeit senden. „Jede Seite muss offen den dunklen Kapiteln der Geschichte in die Augen blicken“, sagte der oberste Repräsentant der Sudetendeutschen, Bernd Posselt in München. Seehofer fährt zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Prag. Während seiner

Reise besucht er unter anderem das ehemalige KZ Theresienstadt. Die Reise solle deutlich machen, „dass wir uns auch zu den dunklen Punkten in der eigenen Geschichte bekennen und uns damit auseinandersetzen“. Genauso müsse sich aber auch die tschechische Seite „ohne Wenn und Aber“ der Vertreibungsgeschichte stellen. Das tue die tschechische Öffentlichkeit zunehmend, manche politische Spitzen aber nach wie vor nicht, beklagte Posselt.

Bernd Fabritius erhält Verdienstorden Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Vorsitzende der weltweiten Förderation der Siebenbürger Sachsen, Dr. Bernd Fabritius, ist mit dem Nationalen Verdienstorden Rumäniens im Rang eines Kommandeurs durch den Staatspräsidenten Rumäniens ausgezeichnet worden für seinen persönlichen Beitrag zur Förderung der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen

Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien. Die Verleihung fand am 30. November im Bayerischen Landtag im Rahmen eines Festaktes anlässlich des rumänischen Nationalfeiertages (am 1. Dezember) statt. Zu dem Festakt, der unter der Schirmherrschaft der Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, stand, hatte die Generalkonsulin von Rumänien, Brânduşa Predescu, eingeladen.

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Aussiedler

1941 – 2011 Das Gedenkjahr „Gegen das Vergessen“ in Nordrhein-Westfalen Das Jahr 2011 ist kein Jahr wie jedes andere. Die Russlanddeutschen gedenken zum 70. Mal, am 28. August 2011, des menschenverachtenden und menschenvernichtenden Tages der Vertreibung und Deportation der Deutschen in Russland durch das stalinistische Regime.

An diesem Tag erließ der Oberste Sowjet der UdSSR den Erlass: „Über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolga-gebiet leben“. Nach diesem Erlass wurde ein ganzes Volk deportiert. Nach dem Krieg hat man auch noch die 250.000 in Deutschland lebenden Russlanddeutschen nach Sibirien verschleppt.

27.08.2011 28.08.2011 28.08.2011 17.09.2011

10.04.2011 09.03.2011 24.02.2011 07.05.2011 19.06.2011 17.07.2011 23.07.2011 20.08.2011

Statistik zur Veranstaltungsreihe Mehr als 10.000 Teilnehmer an Gedenkveranstaltungen in NRW •

Mehr als 20 durchgeführte Veranstaltungen in NRW

5 wissenschaftliche Vorträge der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus zur Geschichte der Russlanddeutschen

Herford Schieder

Begleitende Gottesdienste

Detmold

Museumseröffnung in Detmold

Videodokumentation „Zeitzeugen melden sich zu Wort“

Beteiligungen an den bundesweiten Veranstaltungen

Kranzniederlegungen

Musikalische Beiträge auf höchstem Niveau

Verschiedene Publikationen

Totenehrungen

Bilderausstellung im GHH

Wanderausstellungen

Extertal

Bielefeld Oerlinghausen

Kleve Gelsenkirchen Duisburg

Höxter

Dortmund

Bochum

Witten

Mettmann Düsseldorf Neuss

Moers Heinsberg

Essen

Insgesamt wurden fast zwei Millionen Russlanddeutsche nach Sibirien, Mittelasien und Kasachstan deportiert. Männer ab 15 und Frauen ab 16 Jahren wurden als Zwangsarbeiter in den Kohlegruben, in den Wäldern Sibiriens und des hohen Nordens in der so genannten „Trudarmee“ (Arbeitslager) eingesetzt.

Köln SiegenWittgenstein

Bergischer

Kreis

01.10.2011 01.10.2011 02.10.2011 16.10.2011 20

12.11.2011 10.12.2011 16.12.2011

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Aussiedler

28 . august 1941

Zeitzeugen berichten Es wurde bereits seit langem der Wunsch geäußert, dass unmittelbar Erlebte der noch lebenden Zeitzeugen für die kommenden Generationen im Rahmen der Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen aus Russland fest zu halten. Lange blieb es nur bei der Absicht. Heute mitten im Gedenkjahr ist es nun gelungen, die Schicksale der noch unmittelbar Betroffenen dokumentarisch per Interview und Videobotschaft für nachfolgende Generationen aufzuarbeiten. In mühevoller zeitaufwendiger Arbeit ist eine Videodokumentation entstanden, es ist für alle nun sehr real nachvollziehbar, was in der Tat der Deutschen Volksgruppe in der Sowjetunion angetan wurde. Damit schließt sich eine Lücke in der Geschichte der Deutschen aus Russland ganz fundamental. Zum ersten Mal wurden diese im November im GHH gezeigt. Die VIRA e.V. und die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland nahmen das zum Anlass zu einer Veranstaltung der ganz besonderen Art einzuladen.

Zeitzeugen/Trudarmisten melden sich zum Wort Die Veranstaltung in Düsseldorf fand ganz besonders zu Ehren der Trudarmisten und der Deportierten in der Sowjetunion in der Kriegszeit statt. Die Veranstaltung wurde mit einem herzlichen Begrüßungswort von Lydia Bitsch Netzwerkleiterin „Kultur“ der VIRA e.V. und Kulturreferentin der Landsmannschaft eröffnet. Der Vorsitzende der VIRA e.V. Alexander Kühl, der das Konzept der Videodokumentation entwickelte, präsentierte per Video die Aussagen der Zeitzeugen, dabei wurden Filmdokumente, die im Laufe der Projekte entstanden sind, gezeigt. Unsere Landsleute haben über ihre traurige Erlebnisse berichtet, mal mit verstecktem Schmerz, mal mit Tränen in den Augen. Schmerz und Tränen haben sich im Saal widergespiegelt, im Saal, wo in diesen Stunden alle verdrängten Erinnerungen wieder lebendig wurden und die Menschen ihre Tränen nicht mehr zurück halten mussten, weil jeder die gleichen Empfindungen hatte. Durch die einfühlsame Moderation von Julia Fendrikova und Dimitri Germann wurden spürbar Brücken von Generation zu Generation geschlagen. Für musikalische Begleitung, die in die Filmvorführung integriert war, sorgten Dimitri Germann (Gesang), Eduard (Gesang) und Philipp Isaak (Klavier), sowie die Chöre „Heimatmelodie“ aus Dortmund und „Echo“ aus Düsseldorf. Am Ende der Veranstaltung wurden die anwesenden Zeitzeugen und die Menschen, die interviewt worden sind, geehrt und sie erhielten mit den Büchern von Nelli Kosko das in den Rahmen der Veranstaltung passende Geschenk. Auch die Damen des ehemaligen Aussiedlerbetreuungskreises der Frauenunion der CDU-Düsseldorf, die zur Veranstaltung zahlreich erschienen waren, wurden für Ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit mit einer Urkunde der Landsmannschaft ausgezeichnet. Die Veranstaltung war den Personen gewidmet, die diese schrecklichen Ereignisse selbst erlebt und überlebt haben. Die Zahl der Teilnehmer lag weit über den Erwartungen. Einige hatten zudem lange Anfahrtswege (Es waren Gäste aus Münsterland usw. anwesend) in Kauf genommen, um bei so einer historischen Veranstaltung dabei sein zu können. Lydia Bitsch Deutsche Umschau 6-2011

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Frau und Familie

Winter und Weihnachten Daheeme Das Jahresende in Schlesien Jetzt in den Dezembertagen, nach dem Lärm und Hasten des Sommers wandern unsere Gedanken oft zurück zu den Tagen der Kindheit: Einer Kindheit, die wir in einem anderen Teil unseres Planeten verbracht haben und die nun zu einem sehr fernen und verschwundenem Paradies geworden ist. Dennoch sind diese Tage voller Seligkeit tief in unserem Gedächtnis verblieben – auch die letzten Tage des Schmerzes. Doch sie sollen die fröhlichen Tage und Jahre nicht verdrängen und es sind diese schöneren Tage und Jahre mit all den kleinen und größeren Freuden und Erlebnissen in meinem Heimatdorf, über die ich plaudern möchte. Gerade zur Winter- und Weihnachtszeit waren diese Tage am schönsten. Mögen die Weihnachtsbräuche in den verschiedenen Gegenden etwas anders gewesen sein, doch wie sie in unserem Dorf und näherer Umgebung waren, davon will ich ein bißchen erzählen und ich hoffe, dass mancher meiner schlesischen Landsleute ein wenig mit dem Kopf nickt und sagt: „Ja ganz genauso woas bei uns ooch“, und das der eine oder andere dann in Gedanken mit mir durch diese vergangene Winter-Weihnachtsmärchen wandert und dass wir stolz und fröhlich sein können, diese Täler, Höhen und Wälder gekannt zu haben.

für Tees mit nach Hause in dem guten alten Volksglauben „der Herrgott hat für jede Krankheit ein Kräutlein wachsen lassen.“ War dies im Sommer alles mit etwas Pflicht und Arbeit verbunden, so wurde uns unser Wald im Winter zum Kinderparadies. Da gab es so manche Höhe und Hügel, die zur Schlitten-Rodelbahn wurde, und so manchen kleineren oder größeren Bach, Teich oder See, der zum Schlittschuhlaufen einlud. Doch der allerschönste Tag im Jahr war, wenn wir mit Vater durch den tiefverschneiten weißen Wintermärchenwald stampften, um den schönsten Christbaum zu suchen. Auf einem Handschlitten nahmen wir ein Heubündel und, wenn’s noch nicht zu kalt

Ja, diese Wälder spielten wohl für uns alle eine besondere Rolle. Und Winterwald im Riesengebirge Wälder hatten wir wirklich genug entlang der Oder und in all den Gebirgen war, auch ein paar Futter- und Mohrrüben wie Riesengebirge, Heuscheuergebirge, Bound Weizen-, Hafer- und Sonnenblumenber- und Katzbachgebirge. Iser- und Altvakörner mit, um sie in den aufgestellten Kriptergebirge, im Glatzer und Waldenburger pen zu verteilen für die Hasen, EichhörnBergland. Im Hultschiner Ländchen und chen, Rehe, Hirsche, Wildschweine und die entlang der Nebenflüsse der Oder. Und dagebliebenen Singvögel, damit auch unwenn ich mich so recht besinne, war man sere Waldtiere ihren Heiligenabendschmaus fast so von jedem Ort mit dem Fahrrad, hatten. Durch den Winter hindurch taten zu Fuß, mit Pferdefuhrwerk oder im Windies dann die Förster und Waldaufseher. ter mit dem Schlitten binnen einer halben bis eineinhalb Stunden irgendwo in einem Mutter und die älteren Schwestern waren Wald. Mal Eichenwald, mal überwiegend feste am Weihnachtsgebäck wie Stollen, Kiefern und Fichten und dann große Teile Pfefferkuchen, Butter- und Rumplätzchen herrliche hohe Tannen oder der sogenannte usw. backen und auch bei Oma im OberMischwald. Im Mai gings zum Springauf geschoß oder im Auszughaus roch es nach (Maiglöckchen pflücken), später Blau- und diesen duften Leckereien. Die WeihnachtsPreiselbeeren sammeln und im Herbst zum gänse wurden geschlachtet, gerupft und in Pilze suchen oder auch Tannen- und Kie- einem kalten Raum aufgehängt oder in die fernzapfen und Kleinholz sammeln für eine Geschäfte gebracht, denn Weihnachten warme Stube im Winter und so ganz ne- ohne Weihnachtsgans das war einfach unbenbei brachten wir dann auch Heilkräuter möglich. Jeden Tag wurde nun fleißig am

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Bildkalender ein neues Fensterchen geöffnet, ja und dann war der heilige Abend da. Vater – er war an diesem Tag schon immer von der Arbeit zuhause – und wir Kinder putzten den Christbaum mit Kugeln, richtigen Wachskerzen, Lametta. Engelhaar, glitzernden Girlanden und natürlich den Zucker-, Marzipan und Schokoladenkringeln, denn das Christkindel war zu beschäftigt und wir mussten ein bißchen helfen. Mutter bereitete eine große Schüssel Mohnklöße, dieses leckere Gemisch von eingeweichten Strietzeln, Mohn und Zucker, damit sie bis zum Abend schön durchziehen konnten. Nach dem Essen hieß es für uns Kinder in der Schlafstube verschwinden, damit das Christkindel den Gabentisch decken konnte, der meistens in der Küche war oder in der guten Stube. Danach war es komischerweise schon wieder weg zu einem anderen Haus geflogen. Ertönte dann ein Glöckchen, durften wir rauskommen. Der hellstrahlende Weihnachtsbaum und all die vielen Geschenke darum verschlug uns erst einmal die Sprache, doch dann gab es ein fröhliches Geschnatter . Hatten wir uns ein wenig beruhigt und nach dem Singen von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und „O, du fröhliche o, du selige“ kam die große Mohnschüssel auf den Tisch und eigentlich war es erstaunlich, was wir an diesem Abend alles so wegputzten. Nach 10 Uhr hieß es dann, Tisch abräumen, jeder ging mit seinen Herrlichkeiten zu seinem bestimmten Platz und dann fertig machen zur Christmette (Mitternachtsmesse). Dieser Gang zur Christmette, in dieser Heiligen Nacht leuchteten die Lichter aus allen Häusern, Kirchen, Klöstern und Kapellen und besonders in den Gebirgsgegenden grüßten von den Höhen die Lichter jeden, der da noch Augen zum Schauen hatte, und die auf den Höhen blickten weit über die erleuchteten Täler und die Weihnachtsglocken klangen über das schlesische Land, riefen die Gläubigen zur Christmette. Dieser Glaube, der über viele Generationen hindurch in allen tief verwurzelt war, und das Gloria in Exelsis Deo – Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden – klang inbrünstig durch diese stille heilige Nacht. Mögen wir nun in Gedanken unsre Glocken der Heimat hören, die Spitzen der Berge uns grüßen und die Bäume unserer Wälder – besonders die Tannen – uns zuflüstern „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden“. Ursula Pawelko Deutsche Umschau 6-2011


Frau und Familie

Was backe ich Weihnachten?

Umschau für die Frau

Kleine Rezeptecke

Gender-Begriff widerspricht christlichen Werten

An dieser Stelle wollen wir Ihnen demnächst bekannte und weniger bekannte Gerichte vorstellen. Wenn Sie ein ganz spezielles Rezept haben, können Sie es an die Redaktion senden, wir veröffentlichen es gerne. Die einzige Bedingung ist, dass es einen Bezug zu einer ostdeutschen Landschaft hat. So bleibt die ostdeutsche Küche für die Nachwelt erhalten.

Pommersche Makronenschaumtorte 6 Eiweiß, 220 g Zucker, 75 g, Mandel(n), ungeschält, gerieben, 75 g Haferflocken 75 g Schokolade (Blockschokolade), gerieben 125 g, Aprikosenkonfitüre 50 g Mandel(n), geschält, gerieben Eiweiß mit dem Zucker sehr steif schlagen. Ungeschälte, geriebene Mandeln, Haferflocken und Blockschokolade vorsichtig unterheben. In einer nicht zu großen Springform ca. 50 Minuten bei 175° Ober-/ Unterhitze backen. Die abgekühlte Torte mit erhitzter und glatt gerührter Aprikosenkonfitüre bestreichen und mit den geschälten, geriebenen Mandeln bestreuen. Diese Torte schmeckt frisch am besten.

Ostpreußischer Pfefferkuchen 500 g Mehl, 125 g Honig, 65 g, Zuckerrübensirup, 250 g Zucker, 250 g Margarine, 1 g Nelkenpulver, 2 g Zimt, 1 ½ g Kardamom, 5 g Pottasche, 1 TL Cognac, Zum Verzieren: 1 Handvoll Mandel(n), längs halbiert, 2 EL Zitronensaft, 6 EL Puderzucker Honig und Sirup erwärmen (gerade schmelzen!), die Gewürze bis auf die Pottasche zugeben. Fett und Zucker schaumig rühren, erkaltete Gewürzmasse zugeben, Mehl unterrühren, möglichst wenig. Je weniger, desto besser schmecken die Plätzchen. Die 500 Gramm sind also eine Zirka-Angabe. Pottasche in Cognac auflösen, in den kalten Teig einarbeiten. Teig ausrollen, je dünner, umso besser. Mit dem Teigrad Rauten schneiden, damit man den Teig nur einmal ausrollen muss und daher auch weniger Mehl braucht. Deutsche Umschau 6-2011

Nun gibt es zwei Zubereitungsweisen. Entweder man drückt eine halbe Mandel in die Mitte und backt die Pfefferkuchen so (das ist die klassische Variante), oder man bäckt die Rauten einfach „nackt“ und glasiert sie anschließend mit dem Zitronenzuckerguss. Die „bemandelten“ Pfefferkuchen sind knusprig, die mit Zuckerguss werden mürbe. 10-11 Minuten Backzeit bei ca. 140°C. Am Ende der Backzeit sind die Plätzchen noch weich, sie erhärten beim Abkühlen - also nicht denken, sie seien noch nicht fertig und weiterbacken, bis sie fest sind, sondern raus mit den noch weichen Dingern, das gehört so! Wenn sie kalt und trocken sind, Zitronenguss aufpinseln.

Liegnitzer Bomben aus Schlesien 200 g Honig , 3 EL Sirup , 65 g Butter , 2 EL Milch , 2 Ei(er) , ¼ Flasche Aroma (Zitronenaroma) , etwas Kardamom, gemahlen , ½ TL Nelkenpulver , 1 TL, gehäuft Zimt , 250 g Mehl , 25 g Kakaopulver , 3 TL Backpulver , 65 g Korinthen , 65 g Mandel(n), gehackte oder Mandelblättchen , 65 g Orangeat und Zitronat, gehackt , 150 g Aprikosenkonfitüre , 2 EL Wasser , 150 g Kuvertüre , Zubereitung: , , Honig, Sirup, Zucker, Salz, Butter und Milch in einem Topf erwärmen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Die Masse abkühlen lassen (lauwarm). Eier und Gewürze unterrühren. Mehl mit Kakao und Backpulver mischen und portionsweise unterrühren. Zum Schluss Korinthen, Mandeln und Orangeat/Zitronat untermischen. Den Teig in Muffinförmchen füllen und bei 180°C - 200°C (Ober-/Unterhitze) 10 - 15 Minuten backen. Bitte testen, ob die Bomben wirklich fertig sind! Bomben aus den Förmchen nehmen, auskühlen lassen. Die Aprikosenmarmelade mit 2 EL Wasser erwärmen, bis diese flüssig ist und damit die Bomben bestreichen. Dies trocknen lassen. Dunkle Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und damit die Bomben bestreichen und fest werden lassen.

Die Unterscheidung zwischen sozialer Geschlechterrolle und biologischem Geschlecht ist nach Auffassung eines Vatikanvertreters eine „Ideologie“. Das sozialwissenschaftliche Konzept des Gender als sozialen oder psychologischen Geschlechts unterhöh le den Stellenwert der Ehe zwischen Mann und Frau, sagte Kurienkardinal Robert Sarah, Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“, in Rom. Das Zusammenleben von Mann und Frau sei aus Sicht der Vertreter Gender-Konzepts nur noch eine von mehreren möglichen Formen von Familie und Partnerschaft, sagte Sarah. Damit würden die Rollen als Mutter und Vater zu einer Sache der kulturellen Übereinkunft. Auch die sexuelle Identität fuße demnach allein auf der sexuellen Orientierung. Der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Kardinal bezeichnete die Gender-Theorie als „Produkt der westlichen kulturellen Revolution in der Postmoderne“.

Wenn die Psyche auf den Magen schlägt Stress im Beruf, familiäre Probleme oder ein zu hohes Maß an Perfektion – Gründe für psychische Belastungen gibt es viele. Doch nicht immer müssen sich die Auswirkungen gleich in Form von Depressionen oder Burnout zeigen. Vielen Menschen schlägt der Stress erstmal auf den Magen. Übelkeit, Sodbrennen, Durchfall oder Verstopfung sind die Folge. Halten die Symptome über einen längeren Zeitraum an und werden organische Ursachen ausgeschlossen, spricht man vom sogenannten Reizmagen-Syndrom. „Beim Reizmagen-Syndrom scheint es sich um eine Art Trendkrankheit zu handeln“, erklärt Uwe Starck vom KKH-Allianz Servicezentrum in Münster. Ein Grund könne der zunehmende berufliche und private Stress sein, den die Krankenkassen auch bei der steigenden Zahl an psychischen Erkrankungen feststellen.

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Landesverband NRW

Gablonzer Unternehmer Kurt Müller in Düsseldorf verstorben Mit dem Lied „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh’ mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu“ geleitete eine große Trauergemeinde den Unternehmer Kurt Müller in Düsseldorf Urdenbach auf den dortigen katholischen Friedhof. Kurt Müller verstarb im gesendeten Alter von 90 Jahre nach einem arbeitsund erfolgreichen Leben als Dipl.-Ingenieur und Inhaber der Firma A. u. K. Müller, die nach Anfängen im Januar 1919 in Gablonz a. d. Neiße nach der Vertreibung zunächst in Düsseldorf - Urdenbach und heute in Düsseldorf-Hellerhof, dem südlichsten Düsseldorfer Stadtteil, zu einem bedeutenden Hersteller von Spezialarmaturen und Magnetventilen mit 170 Mitarbeitern herauswuchs. Er hat durch Erfindungen diese Entwicklung ermöglicht und bis ins hohe Alter aktiv begleitet. Stationen seines Lebens im Sudetenland waren außer Gablonz, Libochowan a. d. Elbe, Aussig, wo er das Gymnasium besuchte und Reichenberg.

Seinem alten Heimatland, seiner Geschichte und Kultur, der Sudetendeutschen Landsmannschaft, aber auch seinem neuen Wohnund Wirkungsort Düsseldorf wusste er sich stets verbunden und bewies dies durch mannigfache Förderung, vor allem auch sozialer Einrichtungen. Im Trauergottesdienst wurde dies und seine enge Verbindung zur katholischen Glaube dankbar gewürdigt. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft ehrte seine Verdienste um den Wirtschaftsaufbau in der neuen Heimat mit dem Ihrem Wirtschaftspreis. Landsmann Kurt Müller hinterlässt seine Frau Rose-Marie Müller, seine Tochter und weitere Angehörige, Freunde und Mitarbeiter, die ihn am Rhein zur ewigen Heimat geleiteten. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft Düsseldorf bezeugte durch ihre Vorsitzende Karin Fuhrmann und mich Trauer und Dankbarkeit durch ihre Teilnahme. Rüdiger Goldmann

„Seit wann sprechen wir deutsch ?“ Vortragsveranstaltung der Landsmannschaft Schlesien in Bonn

Im Zuge ihres Jahresprogrammes hatte die Kreisgruppe Bonn der Landsmannschaft Schlesien zu ihrer Veranstaltung am 5. November Peter Börner als Gastredner eingeladen. Unter dem Thema: „Seit wann und warum sprechen wir deutsch“? referierte Börner über die Entstehung und Ausbreitung der deutschen Sprache. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch den stellv. Vorsitzenden, Dr. Manfred Göttlicher, begeisterte Börner den Zuhörerkreis durch seinen inhaltlich interessanten und medial hervorragend aufbereiteten Vortrag. Textbeispiele gehörten ebenso dazu wie Landkarten, die das Werden des deutschen Sprachraumes und damit auch der deutschen Nation veranschaulichten. Anhand des „Vater unser’s“ wurde die sprachliche Entwicklung von einem frühen Gotischen Text über die Ostfränkische Fassung hin zur Alemannischen Version, die bis heute im Kloster St. Gallen aufbewahrt wird, aufgezeigt. Die Fleißarbeit der Klöster, in denen unzählige Abschriften und Übersetzungen getätigt wurden, wurde ebenso erwähnt wie die

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Leistungen einzelner Persönlichkeiten. Da wurde Karl der Große mit seinen Verdiensten zur sprachlichen Integration ebenso genannt wie der Schlesier Martin Opitz, der die Gelehrten und Autoren seiner Zeit (Beginn des 17. Jhd.) ermutigte, die deutsche Sprache zu verwenden. Ohne die herausragenden Leistungen von Martin Luther schmälern zu wollen, wusste Peter Börner von etwa 20 früheren Bibelübersetzungen ins Deutsche zu berichten, die allerdings nicht das Format der Lutherübersetzung hatten. Wer es noch nicht wusste, konnte erfahren, dass das Wort „deutsch“ den Begriff „Volk“ beschreibt. Wer deutsch sprach oder schrieb bediente sich also der Sprache des Volkes. In der anschließenden Diskussionsrunde wurde u.a. die Frage nach der Herausbildung des Schlesischen Dialekts gestellt. Das Schlesische, das seinerseits ja in zahlreiche Regionaldialekte zerfällt, ist zwischen 1300 und 1600 entstanden und wurde vornehmlich durch den Mitteldeutschen/fränkischen Sprachraum geprägt. Manfred Göttlicher

In eigener Sache Aufgrund allgemein gestiegener Kosten sehen wir uns leider gezwungen, auch den Bezugspreis für die Deutsche Umschau anzupassen. Ab dem kommenden Jahr beträgt der Preis für Einzelabonnenten daher 18,- €. Bei den Mitgliedsverbänden ändert sich die Staffelung wie folgt: Ab 6 Ex. 5,20 € pro Ex. zzgl. Versand Ab 30 Ex 4,90 € pro Ex. zzgl. Versand Ab 60 Ex. 4,60 € pro Ex. zzgl. Versand. Der Landesverband hat sich sehr bemüht, die Steigerung nach jetzt mehr als zehn Jahren sehr maßvoll ausfallen zu lassen. Alle Mitgliedsverbände können der Deutschen Umschau auch wirtschaftlich helfen, in dem Anzeigen aus ihrem Bereich eingeworben werden. Die neue Form macht die Zeitung auch für Anzeigenkunden attraktiv. Sie Können dem Landesverband Nordrhein-Westfalen und Mitherausgeber der Deutschen Umschau helfen, wenn Sie Anzeigenkunden für die Zeitung werben. Das hilft uns auch, den Bezugspreis stabil zu halten. Wie Sie auf der Seite 17 sehen, haben wir hier erste Erfolge. Anzeigenkunden können sich für die Details an die Landesgeschäftsstelle des Bundes der Vertriebenen, Bismarckstr. 90., 40210 Düsseldorf, Tel. 0211 / 350 361 E-Mail info@bdv-nrw.de wenden. Zugleich bitten wir auch an dieser Stelle nochmals darum, sich an der Gestaltung der Zeitschrift durch Leserbriefe, Berichte aus den Verbänden und Themenvorschlägen zu beteiligen. Bitte denken Sie auch an aussagekräftige Bilder von Ihren Veranstaltungen. Einsendungen können ebenfalls an die oben angegebene Adresse erfolgen, besonders hilfreich sind dabei Einsendungen per E-Mail. Ihre Redaktion

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Landesverband Hessen

Erinnerungskultur im KV Dortmund Gedenkstein erfolgreich umgesetzt Vor wenigen Wochen, am 09. Oktober, weihte der Kreisverband Dortmund, dank der Mithilfe der Feuerwehr der Stadt Dortmund, den Gedenkstein für ostpreußische Feuerwehrkameraden an seinem neuen Standort, ein. Zu diesem feierlichen Akt durften wir den Bürgermeister der Stadt Dortmund, Manfred Sauer, und den leitenden städtischen Branddirektor Herrn Dirk Aschenbrenner in unseren Reihen begrüßen. Einweihungen bzw. Neueinweihungen ostdeutscher Gedenksteine sind heutzutage allgemeinhin eine Ausnahmeerscheinung. Es hätte nicht viel gefehlt und da wäre der Gedenkstein in Dortmund auf der städtischen Müllkippe gelandet, doch Traditionsbewusstsein der Dortmunder Feuerwehr, beharrlicher Einsatz, Wille und Geduld des Kreisverbandes Dortmund führten zur Rettung des Gedenksteines. Durch einen Beschluss des Rates der Stadt Dortmund, der die Standortverlegung der Feuerwache 4 in Dortmund-Hörde zum Ziel hatte, rückte der auf dem Grundstück befindliche ostpreußische Feuerwehrgedenkstein vor etwa 1 ½ Jahren, ins Blickfeld. Die Stadt Dortmund, vertreten durch ihren Bürgermeister Manfred Sauer, der Oberbrandrat Ulrich Redlin für die Dortmunder Feuerwehr und Stefan Hein vom Kreisverband Dortmund bemühten sich im folgenden eine sachgerechte Standortlösung für die Zukunft zu finden. Im Ergebnis erklärte sich die Feuerwache 4 dazu bereit, den Gedenkstein zu ihrem neuen Standort mitzunehmen. Allerdings durfte hier ein Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Als der Gedenkstein in den frühen 1950er Jahren aufgestellt wurde, wurde als Standort der hinterste Winkel des Grundstücks der damaligen Feuerwache 4 ausgesucht. Für die Neueinweihung plädierte der Kreisverband Dortmund dafür, dass der Gedenkstein an einen öffentlich wahrnehmbaren

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Platz aufgestellt werden wird. Mit Zustimmung durch Herrn Redlin, als Vertreter der Feuerwehr der Stadt Dortmund, wurde ein Platz gegenüber des Einganges der Feuerwache 4 als neuer Standort bestimmt. So ist gewährleistet, dass mindestens beim herausgehen aus dem Gebäude der Feuerwache 4, jeder den Gedenkstein zwangsläufig sehen und wahrnehmen wird. Mit dem neuen Standort bezeugt die Feuerwache 4 ihre Ve r b u n d e n heit mit der eigenen Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg sind durch Flucht und Vertreibung, viele Ostpreußen nach Dortmund gekommen, darunter waren auch Feuerwehrkameraden. Viele haben dann ihre weitere berufliche Zukunft bei der Feuerwache 4 in Dortmund-Hörde gefunden. Schon bald bekam anschließend die Feuerwache 4 in der lokalen Öffentlichkeit den Beinamen, „die Ostpreußen-Wache“. Vor dem Gedenkstein liegt eine Gussplatte

mit folgendem Text: GEWIDMET DEN 33.000 FEUERWEHRMÄNNDERN DES PROVINZIAL-FEUERWEHRVERBANDES OSTPREUSSEN VEREINIGUNG OSTPR. FEUERWEHREN E. V. Besonders lobenswert ist hier der Einsatz der Feuerwehrkameraden aus der besagten Feuerwache 4. Diese haben unentgeltlich, in Eigenarbeit den Gedenkstein ausgegraben, zur neuen Feuerwache transportiert, gereinigt und neu aufgestellt. Dafür gebührt ihnen der Dank des gesamten BdV Kreisverbandes Dortmund. Ein herzlicher Dank geht an die Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe NRW. Sie hat am Rande des kleinen Ostpreußentreffens auf Schloß Burg im Frühsommer 2010 im Rahmen eines Spendenaufrufes insgesamt 400 € für den ostpreußischen Feuerwehrgedenkstein gesammelt. Darüber hinaus beteiligte sich die LO-Kreisgruppe Dortmund, die Königsberger Gruppe in Dortmund und der BdV Kreisverband Dortmund. Der Kreisverband Dortmund ist darauf stolz, dass der Gedenkstein nicht nur gerettet werden konnte, sondern dass dieser auch erstmalig in der Öffentlichkeit sichtbar ist. Der Kreisverband Dortmund wird sein Wächteramt gegenüber dem ostpreußischen Feuerwehrgedenkstein, mit vollem Einsatz in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr der Stadt Dortmund, wahrnehmen. Stefan Hein

Frauenarbeitsgemeinschaft bestätigt Vorstand Die Landesvorsitzende der Frauenarbeitsgemeinschaft Waltraud Hentschel hatte alle Mitglieder zur der Landestagung mit Neuwahl am 8. September 2011 eingeladen. Viele Damen haben teilgenommen, einige davon wurden von ihren Ehemännern begleitet. Leider waren einige Mitglieder verhindert. Hentschel begrüßte alle Anwesenden herzlich. Anna Pelka übernahm die Begrüßung vom BdV-Kreisverband Leverkusen für plötzlich verstorbenen Kreisvorsitzenden Sigisbert Nitsche. Die Teilnehmer wurden über den Tod der Kassenwartin der FAG Frau Gerda Frenzel informiert. Denen wurden die Regularien der Jahresversammlung zur Neuwahl bekannt gegeben. Nach Entlastung

des Vorstandes erfolgte die Neuwahl des neuen FAG-Vorstandes. Waltraud Hentschel, sowie der gesamte Vorstand wurden einstimmig für 2 Jahre wiedergewählt. Die Versammlung hat ebenfalls zugestimmt, dass Henschel Kassen- und Kontoführung übernehmen wird. Bankguthaben vom Giro-Konto in Düren wurde auf das Konto bei der Sparkasse Siegen überwiesen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden Berichte aus Frauenverbänden erstattet, die sehr aufschlussreich waren. Alle hatten vieles erfreuliches zu berichten. Neue Bankverbindung: Frauenarbeitsgemeinschaft NRW: Kreissparkasse Siegen Konto-Nr. 300 75 915 BLZ 460 500 01.

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Rätselecke für jung und alt

Was ist das? Erkennen Sie dieses Objekt, das hier in Nahaufnahme fotografiert wurde? (Hinweis: Aus dem Bereich Technik.)

Rebus Welchen Satz ergaeben das folgende Bilderrätsel? Der Satz hat etwas mit der Deutschen Umschau zu tun!

Zu guter Letzt Kommt ein deutscher Tourist in ein griechisches Hotel, legt einen 100-Euro-Schein auf die Theke und bittet um einige Zimmerschlüssel, damit er mal nachschauen könne, ob Ihm die Zimmer gefallen würden. Die 100 Euro seien als Sicherheit ! Der Hotelier gibt ihm alle Schlüssel, da er keinen einzigen Gast hat. Als der Gast verschwunden ist und sich die Zimmer anschaut, rennt der Wirt zum Metzger und gibt dem die 100 Euro und sagt, dass damit seine offen stehenden Rechnungen ja wohl bezahlt seien. Er rennt zurück in sein Hotel. Der Metzger läuft zum Bauern, gibt dem die 100 Euro und sagt; für das Schwein letzte Woche, das noch zu bezahlen ist. Der Bauer geht zur einzigen Prostituierten des Dorfes und gibt ihr die 100 Euro, weil er noch seine beiden letzten Besuche bei ihr zu zahlen hat. Die Prostituierte rennt zum Hotel und übergibt dem Hotelier die 100 Euro die sie ihm noch für zwei Zimmermieten, mit Kunden, schuldet. In dem Moment kommt der Deutsche die Treppe herunter und sagt, dass ihm keines der Zimmer gefallen würde. Er gibt dem Hotelier die Zimmerschlüssel, nimmt seine 100 Euro und verlässt das Hotel. Nun das Ergebnis : Alle Schulden sind bezahlt und keiner hat Geld. So funktioniert das EU Rettungspaket! Der Gast hat im Restaurant eine Taube bestellt. Das Vieh ist zäh wie Leder. Auf einmal beisst er auf etwas Hartes: Eine kleine Metallkapsel. Er öffnet sie, drin ist ein Zettel: „Greifen im Morgengrauen an. Napoleon“

Auflösungen der letzen Ausgabe Auflösung Anagramm: Kinderlieb; Auflösung Farbrätsel: „Erst wenn man genau weiß, wie die Enkel ausgefallen sind, kann man beurteilen, ob man seine Kinder gut erzogen hat.“; Auflösung Logik Rätsel Da jeder behauptet, sein Sitznachbar sei ein Lügner, müssen sich Lügner und Wahrheitssager immer abwechseln. Folglich sitzt eine gerade Anzahl an Personen am Tisch, sprich 50 und nicht 47. Richtige Einsendungen gab es leider nicht.

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Wenn Sie auch dieses Mal das Rätsel richtig lösen, senden Sie uns die Antwort an BdV NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, E-Mail umschau@bdv-nrw.de. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen tollen Buchpreis. Deutsche Umschau 6-2011


Anschriften und Termine

Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Termine 24.02.2012

Bezirksarbeitsgemeinschaft Düsseldorf

23.03.2012

Sitzung des Landesvorstandes

31.03. 2012

Landesversammlung

Telefon:0211 – 350361 Telefax: 0211 – 369676 eMail: info@bdv-nrw.de eMail: buchdienst@bdv-nrw.de

24.-26.05.2012

Grenzüberschreitendes Seminar

09.09.2012

Tag der Heimat, bundesweit

27.10.2012

Landeskulturtagung, Düsseldorf

www.bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de www. facebook.com/bdv.nrw

18.11.2012

Landesarbeitsgemeinschaft, Düsseldorf

28.11.2012

Parlamentarischer Abend im Landtag

Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Deutschland

Landesverband Hessen e.V. Termine

Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen e.V. Friedrichstraße 35 65185 Wiesbaden

16.-19.01. 2012

Kulturelle Wintertage, Wiesbaden

Tel.: 0611 – 36019-0 Fax: 0611 – 36019-22 eMail: buero@bdv-hessen.de www.bdv-hessen.de www.bund-der-vertriebenen-hessen.de

Bauernverband der Vertriebenen e.V. Termine

Bauernverband der Vertriebenen e.V. – Bundesverband – Seestr. 44 12589 Berlin

20.-21. März 2012

Mitgliederversammlung

Tel.: 030 – 64 39 92 64 Fax: 030 – 64 39 92 64 E-Mail: blomeyer.bvdv@gmx.de Geschäftsführer Dr. Arwed Blomeyer Deutsche Umschau 6-2011

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Absender: Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. 40210 Düsseldorf Postvertriebsstück Entgelt bezahlt H 13 18 F

Ostpreußen hatte bis 1945 eine auch zahlenmäßig bedeutende Künstlerschaft und Kunstzentren mit der Königsberger Kunstakademie und der Künstlerkolonie in Nidden. Die Bilder aus dem 20. Jahrhundert bringen Gärten, Häuser und Landschaften in lebhafte Erinnerung. Der Kalender „Ostpreußen und seine Maler“ widmet sich in diesem Jahr dem Thema Garten. Ein Vergnügen für die Freunde blühender Gärten und der ostpreußischen Landschaft. Der Kalender ist beim BdV-Buchdienst zum Preis von 22,60 € zu beziehen,

Zu beziehen über BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf Tel. 0211/350 361 Fax 369676, E-Mail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de


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